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Ergänzende Materialbausteine der AGDF und Partnerorganisationen

Das Begleitmaterial der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e.V. (AGDF) zur Ökumenischen Friedensdekade 2026 steht unter dem Jahresthema „couragiert widerständig“. In Zeiten von Krieg, Aufrüstung und gesellschaftlicher Polarisierung bietet das Heft Impulse, Gottesdienstentwürfe und Praxisbeispiele für Kirchengemeinden, Aktionsgruppen und friedenspolitisch Interessierte.

 

Wichtiger Hinweis zur Unterstützung: In diesem Jahr freuen wir uns über eine ungewöhnlich große Fülle an zusätzlichem Material aus den Reihen unserer Mitglieder und Partner. Da diese Vielfalt eine Ausnahme darstellt und nicht die Regel sein kann, gilt weiterhin: Der Fortbestand und die verlässliche Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade werden primär durch den Kauf der offiziellen Materialien sowie durch Kollekten und Spenden gesichert. Wir bitten Sie daher herzlich, die offiziellen Hauptmaterialien weiterhin tatkräftig zu unterstützen.

 

Inhalte der Handreichung

Theologische Impulstexte: Geleitwörter und Fachbeiträge zur Frage, wie ziviler Ungehorsam, Demokratieförderung und gewaltfreier Widerstand aus christlicher Perspektive begründet sind.

Praxisberichte aus aller Welt: Einblicke in mutiges Engagement – von Frauenprotesten in Belarus und Serbien über den Einsatz für Menschenrechte unter der Militärdiktatur in Myanmar bis hin zu Initiativen gegen Kinderehen in Mosambik.

Friedenspolitische Anstöße: Beiträge zu drängenden Themen wie der geplanten Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Europa oder Methoden zur Überwindung von Sprachlosigkeit in Alltagskonflikten („Friedensgespräche“).
Gottesdienstbausteine für den 15. November 2026: Vollständige Materialbausteine für den Friedensgottesdienst am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres – inklusive Liturgie, Liedvorschlägen, Fürbitten und Kollektenaufruf.
Zwei Predigtentwürfe: Ausarbeitungen zur Jahreslosung der Friedensdekade aus 2. Timotheus 1,7 („Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht…“) im Zusammenspiel mit dem mutigen Handeln der biblischen Hebammen Schifra und Pua.

 

Materialien & Download

Nutzen Sie die Materialien für die Gestaltung von Friedensgebeten, Gottesdiensten und Diskussionsveranstaltungen in Ihrer Gemeinde während der Friedensdekade vom 8. bis 18. November 2026. Alle Publikationen und Aktionsmedien finden Sie in unserem Online-Shop.

Ergänzende Materialbausteine der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland)

Das Begleitmaterial der EKD (in Kooperation mit der EAK – Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden) zur Ökumenischen Friedensdekade 2026 greift das Jahresthema „couragiert widerständig“ auf. Es stellt Kirchengemeinden eine praxisnahe Handreichung speziell für die Gestaltung des traditionellen Bittgottesdienstes für den Frieden 2026 bereit.

Wichtiger Hinweis zur Unterstützung: In diesem Jahr freuen wir uns über eine ungewöhnlich große Fülle an zusätzlichem Material aus den Reihen unserer Mitglieder und Partner. Da diese Vielfalt eine Ausnahme darstellt und nicht die Regel sein kann, gilt weiterhin: Der Fortbestand und die verlässliche Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade werden primär durch den Kauf der offiziellen Materialien sowie durch Kollekten und Spenden gesichert. Wir bitten Sie daher herzlich, die offiziellen Hauptmaterialien weiterhin tatkräftig zu unterstützen.

Inhalte des EKD-Bittgottesdienstes

  • Ablauf & Liturgie: Ein kompletter, sofort einsetzbarer Gottesdienstentwurf mit Psalmgebeten, Sündenbekenntnis, Zuspruch und Segensworten.

  • Thematische Impulse: Gedankliche Hinführungen zum Motto „couragiert widerständig“, die Zivilcourage, Friedensethik und gewaltfreies Handeln in den Mittelpunkt rücken.

  • Predigt- & Lesungstexte: Ausgearbeitete Bausteine für die Verkündigung im Rahmen der Friedensdekade.

  • Gebete & Fürbitten: Aktuelle Fürbittenanliegen zu weltweiten Friedenskonflikten, Aufrüstung und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

  • Liedvorschläge: Passende Musikauswahl aus dem Evangelischen Gesangbuch (EG) sowie neuen geistlichen Liedern.

Nutzen Sie die Bittgottesdienst der EKD für Ihre Gottesdienste und Friedensgebete zum Buß- und Beettag. Zur weiteren Ausgestaltung empfehlen wir die Ergänzung durch das offizielle Aktionsmaterial im Online-Shop.

Bärbel Bohley – DIE KUNST DER UNGEHORSAMKEIT

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der Ökumenischen FriedensDekade: „couragiert widerständig“

„Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen, um sie dann zu übernehmen.“

— Bärbel Bohley, 1991

Bärbel Bohley (Berlin, 1945–2010) war Malerin. Sie lebte in Ost-Berlin, arbeitete in ihrem Atelier und bewegte sich in der unabhängigen Kunstszene. Doch sie wollte nicht nur malen. Die Frage nach Krieg und Frieden ließ sie nicht los. In der DDR wuchs die Militarisierung, und es wurde immer schwieriger, öffentlich zu widersprechen. Bohley tat es trotzdem.

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1104-006 / Thomas Lehmann / CC-BY-SA 3.0

Frauen für den Frieden

1982 gründet Bärbel Bohley gemeinsam mit anderen Frauen die Gruppe „Frauen für den Frieden“. Der Anlass ist ein neues Wehrdienstgesetz, das Frauen im Verteidigungsfall zum Militärdienst verpflichten soll. Am 12. Oktober 1982 übergeben 150 Frauen eine Eingabe an Erich Honecker. Sie fordern eine öffentliche Diskussion und stellen sich gegen die Militarisierung.

Die Evangelische Kirche bietet dafür Räume. Hier treffen sich Friedensgruppen, hier finden Friedensgebete statt. Unabhängige politische Gruppen sind in der DDR nicht erlaubt; wer sich außerhalb staatlich kontrollierter Organisationen organisiert, muss mit Überwachung rechnen. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) erfasst die Gruppe im Operativen Vorgang „Wespen“.

Ende 1983 schlägt die Staatssicherheit zu. Bärbel Bohley wird gemeinsam mit Ulrike Poppe vom 12. Dezember 1983 bis zum 24. Januar 1984 in Untersuchungshaft gehalten. Vorwurf: „Verdacht auf landesverräterische Nachrichtenübermittlung“. Nach internationalen Protesten werden sie freigelassen. Die Folgen bleiben: Ausreiseverbot, Ausstellungsboykott, Ausschluss aus dem Verband Bildender Künstler.

Über die Haftanstalt Hohenschönhausen schrieb sie später:

„Das Personal, ja selbst das Mobiliar war absurd. Alles war bieder, primitiv und simpel, dabei wollten sie doch das ‚Schild und Schwert der Partei‘ sein.“

Frieden braucht Freiheit

Die Frauen für den Frieden sprechen nicht nur über Waffen. Sie sprechen über Wehrunterricht, über Militarisierung, über die Möglichkeit, Nein zu sagen, und über Menschenrechte. Damit verändert sich auch ihr Friedensbegriff: Frieden bedeutet nicht nur, dass keine Waffen eingesetzt werden. Frieden braucht Freiheit. Frieden braucht Menschen, die ihre Meinung sagen können.

1985 gehört Bärbel Bohley zu den Mitbegründerinnen der „Initiative Frieden und Menschenrechte“, die bewusst außerhalb der Kirche agiert. 1988 wird sie erneut verhaftet und genötigt, die DDR zu verlassen. Sie geht nach England, behält ihren DDR-Pass und kehrt im August 1988 zurück. Sie hätte bleiben können. Sie kehrt trotzdem zurück, weil sie will, dass sich dort etwas verändert, wo sie lebt.

1989 und danach

Im September 1989 entsteht in Grünheide der Gründungsaufruf des Neuen Forums: „Aufbruch 89“. Am 4. November spricht Bärbel Bohley vor mehr als einer halben Million Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz. Am 9. November fällt die Mauer.

Bärbel Bohley möchte eine demokratische DDR. Bei der ersten freien Volkskammerwahl im März 1990 erhält das Bündnis 90 2,9 Prozent der Stimmen. Bohleys Vorstellungen setzen sich nicht durch. Aber die Menschen können nun selbst entscheiden. Genau dafür hatte sie gearbeitet.

1990 beteiligt sie sich an der Besetzung der Berliner Stasi-Zentrale und setzt sich für die Zugänglichkeit der Unterlagen ein. Ein Satz von ihr wird später berühmt:

„Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat.“

Die genaue Überlieferung ist komplizierter; Bohley sprach über die Spannung zwischen dem Wunsch nach Gerechtigkeit und den Grenzen des Rechtsstaats. Aber die Frage dahinter bleibt: Was bedeutet Gerechtigkeit nach einer Diktatur?

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Was Bärbel Bohley uns heute sagt

Die Evangelische Kirche in der DDR war nicht nur Ort des Glaubens. Sie war ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen konnten. Sie hielt Räume offen, wo Unterdrückung sie schließen wollte. Bärbel Bohley hat diese Räume genutzt, sie größer gemacht und andere Menschen ermutigt, ihre Stimme zu finden.

Frieden braucht Menschen, die widersprechen können. Frieden braucht Freiheit. Und Frieden braucht den Mut, beides gemeinsam zu verteidigen – couragiert widerständig, wie Bärbel Bohley. Für eine Welt, in der Menschen nicht schweigen müssen, um sicher zu sein.

couragiert widerständig, wie Bärbel Bohley. Für eine Welt, in der Menschen nicht schweigen müssen, um sicher zu sein.

 

Fragen zur Reflexion

  1. Widerspruch wagen: Bärbel Bohley begann mit anderen Frauen, sich gegen Militarisierung und für Frieden einzusetzen. Wo erleben Sie heute Situationen, in denen Widerspruch notwendig wäre?

  2. Schutzräume öffnen: Die Evangelische Kirche bot Friedensgruppen in der DDR Räume für Austausch und gemeinsames Handeln. Welche Räume brauchen Menschen heute, um gemeinsam für Frieden einzutreten?

  3. Unbequem bleiben: Bohley blieb auch nach 1989 unbequem und hielt an Fragen fest, die keine mehrheitsfähige Antwort fanden. Was bedeutet es für Sie, couragiert widerständig zu sein, wenn die eigene Haltung nicht mehrheitsfähig ist?

 

Gebet

Gott des Friedens,

gib uns Mut, wenn Schweigen einfacher wäre,

und stärke uns, wenn Widerstand schwerfällt.

Lass uns Menschen finden, mit denen wir gemeinsam für Frieden eintreten können,

und Räume, in denen das möglich wird.

Amen.

 

 

Quellen und zum Weiterlesen

Häufig gestellte Fragen

Wer ist Bärbel Bohley?

Bärbel Bohley (1945–2010) war eine ostdeutsche Bürgerrechtlerin, Malerin und Mitbegründerin der Gruppe „Frauen für den Frieden“ sowie des „Neuen Forums“. Sie setzte sich in der DDR unerschrocken gegen die staatliche Militarisierung ein und gilt als eine der prägenden Stimmen der Friedens- und Demokratiebewegung von 1989.

Warum war Bärbel Bohley „couragiert widerständig“?

Weil sie sich weigerte, sich den Repressionen des SED-Regimes anzupassen. Trotz Verhaftungen, Berufsverboten und der Ausbürgerung auf Zeit blieb sie unbequem, stellte staatliche Strukturen infrage und kämpfte unermüdlich für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie.

Was ist die Initiative „Frauen für den Frieden“?

„Frauen für den Frieden“ war eine unabhängige ostdeutsche Friedensbewegung, die sich 1982 aus Protest gegen ein neues Wehrdienstgesetz gründete, das auch Frauen zum Militärdienst verpflichten sollte.

Wo kann ich das Buch und die Langversionen erhalten?

Die vollständige Geschichte dieses Mutes und alle Porträts der Ausstellung finden Sie im gedruckten Buch „Frauen des Friedens“. Die vertiefenden Langversionen der Episoden stehen exklusiv im Mitgliederbereich der Ökumenischen FriedensDekade als PDF zum Download bereit. Sowohl das Buch als auch die Materialien zur Ausstellung können direkt über den Shop der FriedensDekade erworben werden.

 

Glauben, Haltung und Zivilcourage: Kirchengemeinden gestalten die FriedensDekade 2026

Unter dem Motto „couragiert widerständig“ fordert die FriedensDekade 2026 dazu auf, gesellschaftlicher Spaltung und Machtlosigkeit aktive Mitgestaltung entgegenzusetzen. Kirchengemeinden sind hierfür zentrale Orte: Sie bieten Schutzräume für Debatten, spirituelle Verankerung und Anstöße für Zivilcourage im Alltag. Damit Ihre Friedensarbeit vor Ort ohne großen Aufwand gelingt, steht ein abgestimmtes Gesamtpaket aus Arbeitsmedien, Ausstellungsformaten, Infomaterialien und digitalen Werkzeugen bereit.

Dranbleiben & Vernetzen: Abonnieren Sie unseren Friedensbrief für regelmäßige Updates und besuchen Sie uns auf Instagram und LinkedIn, um Ihre Aktionen zu teilen

1. Materialien für Gottesdienst, Gruppe & Andacht

Das Gesamtpaket inkl. Materialmappe bildet zusammen mit den Begleitmedien das inhaltliche Fundament für die Arbeit in der Gemeinde.

Materialheft 2026: Bietet erprobte Bausteine für Gottesdienste, Kindergottesdienste (Exodus 1,15–21, S. 10–11) und die Arbeit mit Konfirmanden (S. 18–19) sowie theologische Auslegungen zu Gewissen und Mut (S. 7).

Leporello 2026: Der kompakte Begleiter auf den Punkt gebracht – ideal zum Verteilen nach dem Gottesdienst oder zum Beilegen in den Gemeindebrief.

Friedenskompass 2026: Praktische Impulse und Orientierung für die Hosentasche während der zehn Tage.

Ökumenische Bausteine online: Ergänzend zum Materialheft finden Sie auf unserer Website direkt nutzbare ökumenische Gottesdienst- und Gebetsentwürfe für Vorbereitungsteams.

Musikalische Akzente: Setzen Sie das FriedensDekade-Lied 2026 (Materialheft, S. 6).

2. Ausstellung vor Ort: „Frauen des Friedens“

Friedensarbeit braucht Gesichter und Geschichten. Die Ausstellung „Frauen des Friedens“ holt mutige
Vorbilder direkt in Ihre Kirche oder Ihr Gemeindehaus. Sie steht wahlweise als gedrucktes Set oder als flexible Drucklizenz zur eigenen Vervielfältigung zur Verfügung.

  • In Gottesdienst & Gemeindeleben: Eröffnen Sie die Ausstellung im Rahmen eines Themengottesdienstes oder nutzen Sie sie als Anlass für Gesprächskreise und Gemeinde-Cafés.

  • Zusätzliche Internationale Bezüge: Ergänzen Sie die Porträts durch Beispiele aus der AGDF-Handreichung zu frauen geführtem, friedlichem Widerstand (z. B. aus Mosambik oder Belarus).

     

3. Einfach ins Gespräch kommen: Infomaterialien & Aufmerksamkeiten

Um Menschen im Ort unkompliziert zu erreichen, helfen griffige Medien und kleine Gesten.

  • Postkarten: Mit den Gewinnermotiven Motiven zum Motto couragiert widerständig – perfekt zum Auslegen, Verschicken oder Weitergeben.

  • Die Friedenszeitung: Bietet Hintergrundberichte und Anstöße im Zeitungsformat – ideal zum Auslegen beim Bäcker, in Arztpraxen, Rathäusern oder im Kirchenraum.

  • Friedens-Streichhölzer: Ein haptischer Sympathieträger als kleine Aufmerksamkeit bei Aktionen, Infoständen oder Veranstaltungen.

 

 

4. Sichtbarkeit & Digitale Angebote

Machen Sie das Engagement Ihrer Gemeinde nach außen und innen sichtbar.

  • Sichtbarkeit vor Ort: Nutzen Sie die Plakate für Schaukästen, Kirchtüren und Gemeindehäuser.

  • Downloadbereich nutzen: Unter www.friedensdekade.de/download finden Sie druckfertige Vorlagen für Ihren Gemeindebrief, Textbausteine für die Lokalpresse und Grafiken für Social Media.

  • Peace & Pray App: Die tägliche digitale Begleitung für die Hosentasche mit Gebeten und Impulsen. Der direkte Download-Link zur App steht unter www.peace-and-pray.de bereit.

  • Gesprächsräume öffnen: Nutzen Sie die Methodenanleitung „Mein erstes Friedensgespräch“ (Materialheft, S. 22–23), um Dialogabende im Gemeindehaus zu gestalten.

Materialien bestellen & Aktionen eintragen

  • Shop: Das Materialheft, das Leporello, den Friedenskompass, die Postkarten, die Ausstellung (Druckset oder Drucklizenz) und die Streichhölzer bestellen Sie unter: www.friedensdekade.de/shop

  • Downloads & Vorlagen: Vorlagen für Gemeindebrief und Presse unter: www.friedensdekade.de/download

  • Aktionskalender: Tragen Sie Ihre Veranstaltungen und Gottesdienste bei unserem Patner der Friedenskopperative ein (Thema Frieden) alternativ an kontakt@friedensdekade.de

Ergänzendes Begleitmaterial unserer Träger und Mitglieder

Zur Vertiefung Ihrer Friedensarbeit stehen Ihnen weitere Publikationen aus unserem Träger- und Mitgliedskreis zur Verfügung:

Ökumenische Bausteine: Veröffentlicht von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), direkt auf unserer Website abrufbar.

AGDF-Handreiche: Materialien zur FriedensDekade herausgegeben von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF).

EKD-Bittgottesdienst: Der offizielle Baustein der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den Buß- und Bettag bzw. die Dekade.

Couragiert widerständig ein Zeichen setzen
Material entdecken → www.friedensdekade.de/shop

FAQ zur FriedensDekade 2026 in Kirchengemeinden

Wie kann unsere Kirchengemeinde die Ausstellung „Frauen des Friedens“ ausleihen?

Es handelt sich nicht um eine Wanderausstellung mit Transport logistik, sondern um ein flexibles Ausstellungsformat. Sie können die Ausstellung entweder als fertiges Druckset bestellen oder eine Drucklizenz erwerben, um die Tafeln vor Ort selbst in der gewünschten Größe drucken zu lassen.

Wo finden wir fertige Bausteine für ökumenische Gottesdienste?

Ausgearbeitete Gottesdienstabläufe finden Sie direkt im Materialheft 2026 (S. 8–9). Zusätzliche, aktuell erstellte ökumenische Bausteine und Gebetsentwürfe stehen zudem auf der Website der FriedensDekade zum freien Download bereit.

Gibt es kostenlose Vorlagen für unseren Gemeindebrief und die Lokalpresse?

Ja, im Downloadbereich unter www.friedensdekade.de/download stellen wir fertig formulierte Textbausteine für Gemeindebriefe und Pressemitteilungen sowie Bildmaterial und Social-Media-Grafiken zur Verfügung, die Sie anpassen können.

Friedenspolitische Einordnung | Teil 7: Nie wieder Krieg? Antikriegstag, Landtagswahlen und die Glaubwürdigkeit der Friedensszene

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF (redaktionell aufbereitet für die FriedensDekade)

Der 1. September erinnert in Deutschland als Antikriegstag an den Beginn des Zweiten Weltkriegs mit vielen Veranstaltungen und Beiträgen. Die Friedens- und antimilitaristische Bewegung greift dabei den sog. Schwur der KZ-Überlebenden aus Buchenwald „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ auf. Welche Bedeutung hat er heute?

Landtagswahlen und der Umgang mit Rechtsextremismus

In diesem September stehen Landtagswahlen in drei Bundesländern an, in zwei muss damit gerechnet werden, dass die in weiten Teilen „gesichert rechtsextreme“ AfD mit Abstand die meisten Stimmen holt, in Sachsen-Anhalt sogar die Regierung stellen kann. Bereits jetzt stehen Organisationen, Gruppen, Persönlichkeiten und auch Kirchen, die die Verlautbarungen, Pläne und das Agieren der AfD kritisieren, unter immensem Druck. Ich bewundere diejenigen, die dem Stand halten und sich unverdrossen und in den letzten Wochen noch stärker für Demokratie, gefährdete Minderheiten und gegen Rechtsextremismus einsetzen.

Politik, die den Rechtsruck begünstigt

Es ist aber auch die Politik der Regierung und der EVP-Fraktion im Europaparlament, die zur Stärke der AfD beiträgt. Vor allem deren Umgang mit Asylsuchenden und Geflüchteten, aber auch mit sozial Schwachen erweckt den Eindruck, dass eine Politik, die auf gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit baut, legitim ist. Das BSW führt einen polemischen Wahlkampf voller Stereotype, Sahra Wagenknecht reißt die sog. Brandmauer gegen Rechts endgültig ein. Zudem schwächt die Bundesregierung durch Äußerungen, aber auch durch Veränderungen beim Förderprogramm „Demokratie leben!“ und unbegründete Vorwürfe die Teile der Zivilgesellschaft, die sich für eine sozialere, ökologischere und partizipativere Politik und gegen Demokratie-Feinde einsetzen.

Mit diesen besorgniserregenden Entwicklungen steht Deutschland nicht allein in Europa und weltweit, auch wenn es zum Glück zugleich gegenläufige Entwicklungen gibt.

Kriegerische Realität und Friedenslogik

„Nie wieder Krieg“ ist angesichts vieler kriegerischer Auseinandersetzungen und der nationalistischen Machtpolitik in der Welt gleichfalls sehr aktuell. Der russische Angriffskrieg und die völkerrechtswidrige Kriegsführung haben (auch) in Europa zu einer immensen Aufrüstung geführt. Wege der sog. „Friedenslogik“, wie die Stärkung internationaler Institutionen, neue Verträge für Rüstungsbegrenzung und Abrüstung, erfolgreiche Krisenprävention und konstruktive Konflikttransformation, erscheinen vielen Menschen illusionär. Dennoch setzen sich Organisationen, Gruppen, Persönlichkeiten und auch Kirchen weiterhin für Frieden und Gerechtigkeit ein und leisten dafür im Rahmen ihrer Möglichkeiten wichtige Beiträge.

Kürzungen bei Krisenprävention

Aber auch hier macht es ihnen die Politik nicht leicht: Während für Rüstung scheinbar unendlich viele Ressourcen zur Verfügung stehen, werden sie für Maßnahmen der Krisenprävention und Instrumente der Konfliktbearbeitung gekürzt.

Glaubwürdigkeit der Friedensszene auf dem Prüfstand

Der Protest dagegen ist angesichts der vielen Krisen und komplexen Herausforderungen recht gering. Dies liegt auch daran, dass die Friedensszene in Deutschland nicht gut aufgestellt und in Teilen m.E. unglaubwürdig ist. Im Aufruf des Bündnisses „Nie wieder Krieg!“ für die Demonstrationen am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart ist eines augenfällig: Während die völkerrechtswidrige Kriegsführung von USA und Israel kritisiert wird, wird Russland als Aggressor nicht benannt, vielmehr als Opfer westlicher Politik dargestellt. Dies entspricht dem, was AfD und auch BSW behaupten. Insofern verwundert es nicht, dass viele Untergliederungen des BSW den Aufruf unterstützen. BSW stellt sich als Friedenspartei dar und vermittelt zugleich den Eindruck, dass das Thema instrumentalisiert wird, um mit einfachsten Thesen Aufmerksamkeit zu generieren.

Meine Befürchtung ist, dass es zu einer Kombination kommt: BSW verhilft der rechtsextremen AfD in Bundesländern – vielleicht auch in Thüringen – an die Macht und ist bei den Demos am Tag der Deutschen Einheit stark präsent. Dies würde die Glaubwürdigkeit der Friedensszene insgesamt weiter verringern, die auf kräftigen Rückenwind angewiesen ist.

Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der Text basiert auf seinem Editorial im monatlichen AGDF-Newsletter.

 

Häufige Fragen

Was bedeutet der Antikriegstag am 1. September?
Der 1. September erinnert an den Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939. In Deutschland finden an diesem Tag zahlreiche Veranstaltungen der Friedensbewegung statt, die sich auf den Schwur der Buchenwald-Überlebenden „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ berufen.

Was ist mit „Friedenslogik“ gemeint?
„Friedenslogik“ bezeichnet einen Ansatz, der auf zivile statt militärische Mittel setzt: Stärkung internationaler Institutionen, Rüstungsbegrenzung und Abrüstung, Krisenprävention und Konflikttransformation. Sie steht der sogenannten „Sicherheitslogik“ gegenüber, die auf Abschreckung und militärische Stärke setzt.

Warum wird die Glaubwürdigkeit der deutschen Friedensszene aktuell diskutiert?
Ein wiederkehrender Vorwurf an die Friedensszene ist eine Doppelmoral beim Völkerrecht: Je nach politischer Haltung wird die „Völkerrechtswidrigkeit“ eines Krieges mal als zentraler Maßstab herangezogen, mal ausgeblendet oder relativiert. Kritiker:innen werfen der Szene vor, das Völkerrecht selektiv zu nutzen, statt es konsequent auf alle Kriege gleichermaßen anzuwenden. Diese Uneinheitlichkeit schwächt ihre Glaubwürdigkeit insgesamt.

 

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