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PORTRÄT • FRIEDENSBOTIN 2026 Dr. Friederike F. Spengler – Couragiert widerständig seit 1982

Von der Nikolaikirche ins Bischofsamt: Warum die Friedensbotin 2026 den Frieden nicht nur als Ideal kennt, sondern als gelebte Haltung.

Es war ein Novemberabend, der sich ihr eingraviert hat. 1982, Nikolaikirche Leipzig. Friederike Spengler ist 14 Jahre alt, als ihr Vater (damals Präses der Leipziger Synode) sie nicht in ihre Heimatgemeinde mitnimmt, sondern hierher: in eine Kirche, die die DDR-Staatsführung längst zum politischen Risiko erklärt hat. Die Kreissynode hat sich verabredet, den Eröffnungsgottesdienst der Friedensdekade als Teilnehmende zu unterstützen. Ihr Vater gehört zu den Sprechenden der Fürbitten.

Die Staatssicherheit ist bereits eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn da. Großflächig über das Kirchenschiff verteilt, gut sichtbar. Als die Gemeinde nach dem Friedensgebet durch das Eingangstor hinaus in den Novemberabend tritt, ist die gesamte Etage des gegenüberliegenden Hauses hell erleuchtet. Männer mit Ferngläsern stehen hier. Die mit hinauslaufenden Stasileute scannen die Gesichter. „Ich bilde mir heute ein, damals mit anderen gemeinsam hinauf gewunken zu haben“, sagt Spengler. „Vielleicht ist das mehr Wunsch als reale Erinnerung, aber es war das Gefühl des Abends.“


Predigten & Impulse von Dr. Friederike F. Spengler

 

Als Schülerin „politisch unzuverlässig“

Friederike Spengler war ihrer Schule unbequem, auch weil sie in ihrem Jahrgang die Einzige war, die nicht zur Jugendweihe, sondern ausschließlich zur Konfirmation ging, sich nicht der Ideologie der DDR verpflichten wollte. Noch schwieriger wurde es für sie, als sie den militärisch aufgeladenen Unterricht kritisierte und deshalb das Aufsagen von Gedichten und Singen von Liedern mit Militär-verherrlichenden Inhalten ebenso verweigerte wie Sportübungen mit Attrappen von Gewehren und Handgranaten. Als sie sich in der 9. Klasse dem für Mädchen (parallel zum obligatorischen Wehrlager für Jungs) verpflichtendem Kurs für Erste Hilfe und Schutz vor atomaren Angriffen verweigerte und stattdessen bat, die Stunden in einer diakonischen Einrichtung arbeiten zu dürfen, drohte man mit nachhaltigen Konsequenzen. „Ich hatte Gott sei Dank Eltern, die hinter mir standen, und eine Kirchengemeinde, deren Gemeindeleben mir Kraft gab. Sonst hätte ich diesen Weg so nicht gehen können“, sagt sie. Über die Angebote kirchlicher Friedens- und Umweltarbeit kam sie mit Gleichgesinnten zusammen. Deshalb war es auch gar keine Frage, sondern nur folgerichtig, den Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ an der Jacke zu tragen. Für dieses Symbol habe ich gestritten und gelitten“, sagt sie heute. Wer in der DDR weiß, was dieser Stoff auf dem Ärmel bedeutete, versteht den Preis. Von nun an gab man ihr unumwunden zu verstehen, dass weder Abitur noch Fachschulausbildungen für sie möglich wären. Man hielt Wort.

Zwischen Bekenntnis und Denkschrift

Heute, als Regionalbischöfin in Thüringen und Mitglied der EKD-Synode, ist Friederike Spengler längst eine der markanten Stimmen in der evangelischen Friedensdebatte. Als die EKD bei ihrer Synode in Dresden 2025 ihre neue Friedensdenkschrift vorlegte, die den Rahmen für kirchliche Stellungnahmen zu Krieg und militärischer Gewalt neu absteckt, meldete sie sich zu Wort: Es tue ihr weh, welch marginale Stellung dem Pazifismus in dem Papier eingeräumt werde, sagte sie im Kirchenparlament. Auch, dass die Passage, der Dienst ohne Waffe ist das „deutlichere Zeugnis des gegenwärtigen Friedensgebots unseres Herrn“ nicht mehr länger Teil evangelischer Friedensethik sei, hinterfragte sie. Und sie übte Kritik an der Denkschrift in puncto Stellung zu atomarer Bewaffnung.

Friederike Spengler hatte bereits bei der EKD-Synode 2019 beantragt, Artikel 16 der Confessio Augustana, jenes Bekenntnisstück aus dem Jahr 1530, das Christen die Teilnahme an Kriegen und staatlicher Gewalt erlaubt, kritisch in den Blick zu nehmen, im Wortsinn: „Re-Vision“, sie erneut anzusehen und zeitgemäß zu interpretieren. Eine Kirche, die sich als „Kirche des gerechten Friedens“ verstehe, müsse konsequent vom Frieden her denken – nicht vom Krieg als geregeltem Ausnahmefall. Das ist theologische Grundsatzdiskussion, aber sie hat politische Konsequenzen. Und Spengler ist willens, sie zu ziehen.

Seelsorge als Fundament

Bevor Spengler ab 1989 Theologie studierte, fand sie bei Diakonie und Kirche Ausbildungsmöglichkeiten und arbeitete als Kinderdiakonin und in der Psychiatriepflege. Das sind für sie keine biografischen Fußnoten: Sie haben ihr Menschenbild geprägt und wie sie Kirche denkt. Auch Kirchenleitung. Sie mischt sich in ethische Debatten ein und meldet sich für jene zu Wort, deren Stimme überhört wird. Ihr Amt nutzt sie bewusst als Ökumenikerin, die den konfessionsübergreifenden Dialog ebenso wie für den zwischen Christen und Juden in Thüringen sucht und lebt. Sie unterstützt als Gesicht der EKM bei „Weltoffenes Thüringen“ demokratiefördernde Projekte und Initiativen. In ihrem Ehrenamt ist sie als Vorstandsvorsitzende des Thüringer Hospiz- und Palliativverbandes tätig. Die FriedensDekade 2026 bekommt mit ihr eine Botschafterin, für die Frieden kein bloßes Ideal ist, sondern auch Handwerk.

Der Kreis schließt sich

Wenn Friederike Spengler nun im Jahr 2026 als Friedensbotin auftritt, ist das für sie keine neue Rolle. Es ist Fortsetzung. Die FriedensDekade gehöre „elemtar“ zu ihrer Prägung, sagt sie und diese Formulierung klingt nach innerer Haltung. Wer die Nikolaikirche 1982 erlebt hat, wer für seine Überzeugung Nachteile in Kauf nehmen musste, wer in der EKD-Synode so deutliche Worte sagt, der glaubt man das.

„Martin Luther soll gesagt haben: Wes das Herz voll, des geht der Mund über. So ist es wohl.“– Dr. Friederike F. Spengler, in ihrer Zusage, das Amt der Friedensbotin für die FriedensDekade 2026 zu übernehmen

Ihren 90-jährigen Vater, der sie damals in die Nikolaikirche mitnahm, wird die Nachricht besonders freuen. Er habe immer Wert auf die Bedeutung ihres Vornamens gelegt, sagt sie. Friederike heißt „Friedensfrau“. Als Friedensbotin 2026 wird dieser Name erneut zur Aufgabe.

Zur Person

Dr. Friederike F. Spengler, Jahrgang 1968, ist seit 2019 Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Mitglied der 13. Synode der EKD und der Kirchenleitung der VELKD. Sie studierte Theologie in Jena, Erfurt und Marburg und wurde in Heidelberg promoviert. Sie war Gemeinde- und Schulpfarrerin und bekleidete eine landeskirchliche Pfarrstelle. Zuvor arbeitete sie als Kinderdiakonin, Psychiatriepflegerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Jena. Spengler ist verheiratet und hat drei Kinder.

Betty Williams – Den anderen nicht zum Feind machen

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“

„The only force which can break down those barriers is the force of love, the force of truth, soul-force.“ (Die einzige Kraft, die diese Barrieren überwinden kann, ist die Kraft der Liebe, die Kraft der Wahrheit, die Kraft der Seele.)

Betty Williams (Nordirland, 1943–2020) war keine Politikerin. Sie hatte keinen Friedensplan in der Schublade. Sie war Büroangestellte, Mutter und eine Frau aus Belfast. Am 10. August 1976 sah sie drei tote Kinder auf einer Straße. Wenige Tage später standen Tausende Menschen auf den Straßen Nordirlands.

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In unserer Reihe „Frauen des Friedens“ zur ökumenischen FriedensDekade 2026 stellen wir Pionierinnen mutiger Widerständigkeit vor. Im Juli zeigte uns Rosa Parks, dass Haltung zeigen Gemeinschaft braucht und aus Gemeinschaft erwächst. Betty Williams vertieft diesen Gedanken: Sie zeigt, dass Friede dort beginnt, wo Menschen aufhören, den anderen als Feind zu sehen.

 

Eine Frau greift zum Telefon

Nach dem Tod der drei Kinder ruft Betty Williams bei der Zeitung Irish News an und gibt ihre Telefonnummer weiter. In kurzer Zeit kommen mehr als 6.000 Unterschriften zusammen. Gemeinsam mit Mairead Corrigan, der Tante der getöteten Kinder, und dem Journalisten Ciaran McKeown gründet sie die Peace People. Es war nicht die Geschichte einer einzelnen Heldin. Es war die Geschichte von Menschen, die auf denselben Moment unterschiedlich reagierten und daraus gemeinsam etwas Neues entstehen ließen.

In den folgenden Monaten beteiligen sich Hunderttausende an den Kundgebungen. Menschen aus katholischen und protestantischen Gemeinschaften stehen nebeneinander auf Straßen, die sonst durch Angst und Feindbilder geprägt sind. Die Bewegung nennt sich nicht „die Katholiken für den Frieden“ und nicht „die Protestanten für den Frieden“. Sie nennt sich: Peace People. Friedensmenschen.

Den anderen nicht zum Feind machen

Betty Williams wusste, dass Demonstrationen allein einen Konflikt nicht lösen. In ihrer Nobelpreisrede spricht sie von den „Barrieren“, die Menschen voneinander trennen: physische, emotionale, ideologische. Diese Barrieren müssten nicht nur politisch, sondern zwischen den Menschen selbst abgebaut werden.

Darin liegt eine tiefe christliche Dimension ihrer Friedensarbeit. Der andere bleibt Mensch. Auch dann, wenn er mir fremd ist. Auch dann, wenn er mich verletzt hat. Jesus formuliert diesen Anspruch radikal: „Liebt eure Feinde.“ Feindesliebe bedeutet nicht, Gewalt zu verharmlosen. Sie bedeutet zunächst, dem anderen seine Menschlichkeit nicht abzusprechen. Wer den anderen wieder als Menschen sieht, kann mit ihm sprechen. Und wer miteinander spricht, kann beginnen, etwas über die Angst und die Hoffnungen des anderen zu verstehen.

1976 erhielten Betty Williams und Mairead Corrigan den Friedensnobelpreis. In Oslo sagte Williams: „The words are simple but the path is not easy.“ Die Worte sind einfach. Der Weg ist es nicht.

Was bleibt

Die Peace People gerieten unter Druck und zerfielen 1978 in ihrer ursprünglichen Form. Betty Williams engagierte sich später international für Kinderrechte. Sie starb am 17. März 2020 in Belfast.

Hat sie den Konflikt in Nordirland beendet? Nein. Aber die Peace People machten etwas sichtbar: dass Menschen auf beiden Seiten Frieden wollten. Dass Nachbarinnen und Nachbarn nicht zwangsläufig Feinde bleiben mussten. Dass der Wunsch nach Frieden nicht bei einem Wunsch bleiben musste.

Betty Williams begann mit einem Telefonanruf. Andere schlossen sich ihr an. Aus diesem ersten Schritt entstand eine Bewegung.

Couragiert widerständig, wie Betty Williams. Für eine Welt, in der Menschen nicht länger als Feinde leben müssen.

 

Fragen zur Reflexion:

Betty Williams reagierte unmittelbar auf den Tod dreier Kinder. Gab es in Ihrem Leben einen Moment, in dem Sie nicht mehr einfach zuschauen konnten?

Die Peace People brachten Menschen aus unterschiedlichen religiösen und politischen Lagern zusammen. Wo erleben Sie heute Trennlinien, die Menschen voneinander fernhalten?

„Liebt eure Feinde“ gehört zu den radikalsten Forderungen des christlichen Glaubens. Was könnte Feindesliebe heute konkret bedeuten, ohne Unrecht und Gewalt zu verharmlosen?

 

Gebet:

Gott des Friedens, schenke uns den Mut, nicht wegzusehen, wenn Gewalt das Leben bestimmt. Gib uns Mitgefühl für Menschen, die uns fremd geworden sind, und bewahre uns davor, den anderen nur noch als Gegner zu sehen. Lass uns nicht vergessen: Jeder Mensch ist dein Geschöpf. Amen.

 


Couragiert widerständig, wie Betty Williams.
Für eine Welt, in der Menschen nicht länger als Feinde leben müssen


Quellen und zum Weiterlesen:

Betty Williams: „Nobel Lecture“ (1977), abrufbar unter nobelprize.org
Richard Deutsch: „Mairead Corrigan, Betty Williams“ (1977)
Community of Peace People: www.peacepeople.com

 

 

Martin Luther Kings Botschaft aktueller denn je – Versöhnung braucht Gerechtigkeit

Eine Antwort des Erfurter Friedenstheologie Michael Haspel

Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit

Nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA und den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – aber auch mit Blick auf Gedenktage wie den 20. Juli – stellt sich die Frage: Welche Bedeutung haben die Ideale von Freiheit und Gleichheit heute, und für wen gelten sie wirklich?

In der aktuellen Ausgabe der Ökumenischen Rundschau (ÖR 2/2026) beantwortet der Erfurter Friedenstheologe Michael Haspel diese Fragen mit der Botschaft von Martin Luther King. Er erinnert daran, dass demokratische Gesellschaften nicht allein von ihren Gründungsdokumenten leben, sondern diese immer wieder neu mit Leben füllen müssen – ein wichtiger Impuls für unsere Friedensarbeit unter dem Jahresmotto „couragiert widerständig“.

Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit

250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung der USA antwortet der Erfurter Friedenstheologie Michael Haspel mit Martin Luther King auf die Frage: Welche Bedeutung haben die Ideale von Freiheit und Gleichheit heute – und für wen gelten sie wirklich? Offizielle Feiern wie die Aktion „Freedom 250“ verharmlosen oft die Widersprüche dieser Geschichte, indem sie vor allem die weiße Siedlerperspektive in den Mittelpunkt stellen.

In einem Beitrag der aktuellen Ausgabe der Ökumenischen Rundschau (ÖR 2/2026) analysiert Michael Haspel in seinem Beitrag „Am Anfang steht das Wundern“ Martin Luther Kings Denken und stellt zum einen dar, dass obwohl King den Begriff „Versöhnung“ selten direkt verwendet, ist sie der zentrale Kern seines politischen und theologischen Wirkens.

Der Erfurter Friedenstheologe Haspel zeigt, dass Kings Vision der „Beloved Community“ – einer versöhnten Gemeinschaft – weit über die Überwindung der Rassentrennung hinausweist. Gewaltfreiheit bedeutet für den Friedensnobelpreisträger Martin Luther King nicht Schwäche oder bloßer Verzicht auf Gewalt. Sie ist vielmehr eine aktive Kraft, die Gerechtigkeit schaffen und den Gegner nicht vernichten, sondern verändern soll. Ziel ist eine Gesellschaft, in der Menschen trotz aller Unterschiede in gegenseitiger Anerkennung zusammenleben.

Zugleich macht Haspel deutlich, dass Martin Luther King seine Position im Laufe der 1960er Jahre weiterentwickelte. Angesichts anhaltenden Rassismus, wachsender sozialer Ungleichheit und politischer Enttäuschungen rückte für ihn die Forderung nach struktureller Gerechtigkeit immer stäker in den Vordergrund. Liebe ohne Macht bleibe sentimental, Macht ohne Liebe zerstörerisch – beide müssten zusammenwirken, um gesellschaftliche Veränderung zu ermöglichen.

Damit formuliert der Systematische Theologe Michael Haspel eine Einsicht, die über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung hinausreicht: Versöhnung kann nicht an die Stelle von Gerechtigkeit treten. Sie setzt Gerechtigkeit voraus. Wo Diskriminierung, wirtschaftliche Ungleichheit oder politische Ausgrenzung fortbestehen, bleibt Versöhnung unvollendet.

Diese Erkenntnis erhält im Jubiläumsjahr besondere Bedeutung. 250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung erinnern die Vereinigten Staaten an die universellen Ideale von Freiheit und Gleichheit, während gleichzeitig kontrovers darüber diskutiert wird, wie diese Werte heute eingelöst werden können. Die offiziellen und zivilgesellschaftlichen Jubiläumsinitiativen verstehen das Gedenken ausdrücklich auch als Einladung, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der amerikanischen Demokratie nachzujagen.

Michael Haspel lädt mit seinem Beitrag dazu ein, Martin Luther King nicht nur als Symbol der Bürgerrechtsbewegung zu lesen, sondern als Denker, dessen Fragen bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben: Wie gelingt gesellschaftlicher Zusammenhalt? Welche Rolle spielen Gewaltfreiheit, Gerechtigkeit und politische Verantwortung? Und wie kann Versöhnung dort entstehen, wo Vertrauen verloren gegangen ist?

Im Jahr des 250. amerikanischen Jubiläums erinnert Michael Haspel mit Kings Vermächtnis daran, dass demokratische Gesellschaften nicht allein von ihren Gründungsdokumenten leben. Sie müssen nicht nur in Amerika die darin formulierten Versprechen immer wieder neu mit Leben füllen – durch Gerechtigkeit, gegenseitige Anerkennung und die Bereitschaft zum friedlichen Zusammenleben.

Artikel-Download & Hintergrund

Der vollständige Beitrag von Michael Haspel, „Versöhnte Gemeinschaft. Martin Luther Kings Theologie und Praxis der Versöhnung“, steht unter www.oekumenische-rundschau.de zum kostenlosen Download bereit.

Über die Ökumenische Rundschau:

Die Ökumenische Rundschau (ÖR) ist die führende deutschsprachige Zeitschrift zu Themen der Ökumene und erscheint vierteljährlich in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (EVA Leipzig). Im Jahr 2026 erscheint sie seit 1952 im 75. Jahrgang und wird presserechtlich von Pastor Jens D. Haverland verantwortet. Sie wird in Verbindung mit dem Deutschen Ökumenischen Studienausschuss (DÖSTA) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) herausgegeben.

Engagement & Materialien zur FriedensDekade

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FAQ: Prof. Dr. Michael Haspel (Martin Luther King & Ökumenische Rundschau)

Was besagt die Theologie der Versöhnung nach Martin Luther King?

Martin Luther King betonte, dass echte Versöhnung nicht ohne strukturelle Gerechtigkeit existieren kann. Gewaltfreiheit ist dabei keine Passivität, sondern eine aktive Kraft, die Diskriminierung abbaut und Feindschaft in eine versöhnte Gemeinschaft („Beloved Community“) verwandelt.

Warum ist Martin Luther Kings Botschaft im Jahr 2026 besonders aktuell?

Anlässlich des 250. Jahrestags der US-Unabhängigkeitserklärung erinnert Kings Erbe daran, dass demokratische Versprechen von Freiheit und Gleichheit nicht von allein bestehen, sondern durch stetigen Einsatz für Gerechtigkeit und soziale Teilhabe eingelöst werden müssen.

Wo finde ich vertiefende Arbeitshilfen und Downloads für die Gemeindearbeit?

Neben Veröffentlichungen wie der Ökumenischen Rundschau bietet die FriedensDekade im Online-Shop und im Mitgliederbereich umfangreiche Arbeitshilfen, Gebetsentwürfe und Informationsmaterialien für Gemeinden und Friedensgruppen an.

 

Rosa Parks – Die Frau, die sitzen blieb

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“

„People always say that I didn’t give up my seat because I was tired, but that isn’t true. No, the only tired I was, was tired of giving in.“ (Die Menschen sagen immer, ich habe meinen Sitzplatz nicht aufgegeben, weil ich müde war. Aber das stimmt nicht. Das Einzige, wessen ich müde war, war das Nachgeben.)

Rosa Parks (USA, 1913-2005) sprach aus bitterer Erfahrung. Montgomery, Alabama, 1. Dezember 1955. Nach einem langen Arbeitstag setzt sie sich in den Stadtbus. Als ein weißer Fahrgast keinen Platz findet, fordert der Fahrer sie auf aufzustehen. Rosa Parks bleibt sitzen. Sie wird verhaftet.

Was darauf folgt, verändert die Geschichte der Vereinigten Staaten. Aber Rosa Parks war weder erschöpft noch handelte sie spontan. Sie war eine geschulte Aktivistin, die genau wusste, was sie tat. Und sie war bereit, den Preis dafür zu zahlen.

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In unserer Reihe „Frauen des Friedens“ zur ökumenischen FriedensDekade 2026 stellen wir Pionierinnen mutiger Widerständigkeit vor. Im Mai zeigte uns Leymah Gbowee, dass Frieden von unten wächst. Im Juni zeigte uns Rigoberta Menchú Tum, dass Würde unteilbar ist. Rosa Parks verbindet beides: Sie zeigt, dass ziviler Ungehorsam keine Schwäche ist, sondern Ausdruck einer tiefen inneren Haltung.

Eine Frau, die schon lange widerstand

Rosa Louise McCauley wurde 1913 in Tuskegee, Alabama, geboren. Die sogenannten Jim-Crow-Gesetze regelten, wo Schwarze sitzen, essen, trinken und zur Schule gehen durften. Widerspruch konnte das Leben kosten.

Rosa Parks kannte diese Realität von Kindheit an. Sie heiratete Raymond Parks, Mitglied der NAACP, organisierte Wählerregistrierungen, dokumentierte Fälle rassistischer Gewalt. 1955 besuchte sie das Highlander Folk School in Tennessee, eine Bildungsstätte für gewaltfreien Widerstand. Was am 1. Dezember 1955 geschah, war kein Zufall. Es war der Moment, in dem eine Frau mit jahrzehntelanger Erfahrung sagte: Jetzt. Hier. Nicht mehr.

 

 

 

Spendenaufruf FriedensDekade 2026
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Der Abend, der eine Bewegung auslöste

Rosa Parks wurde verhaftet, angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt. Noch in derselben Nacht druckte Jo Ann Robinson über 35.000 Flugblätter: Boykottiert die Busse. Fahrt am Montag nicht.

Am 5. Dezember 1955 blieben die Busse fast leer. Der Boykott, der einen Tag dauern sollte, dauerte 381 Tage. Die Gemeinschaft organisierte Fahrgemeinschaften, lief zu Fuß, trug die Einbußen gemeinsam. Am 13. November 1956 erklärte der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung in Bussen für verfassungswidrig. Der Preis war hoch: Rosa Parks verlor ihre Arbeit, ihr Mann seine. Sie mussten Montgomery verlassen.

Ziviler Ungehorsam als Glaubenspraxis

Rosa Parks war tief in ihrer Kirchengemeinde verwurzelt. Die Schwarze Kirche in den Südstaaten war nicht nur Ort der Andacht, sondern Rückgrat der Bürgerrechtsbewegung. Für Rosa Parks war Widerstand gegen Ungerechtigkeit kein politisches Kalkül, sondern ein Gebot des Gewissens. Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes. Jeder Mensch trägt unantastbare Würde. Ein Gesetz, das diese Würde verletzt, hat keine moralische Grundlage.

Das Jahresmotto der ökumenischen FriedensDekade 2026 erinnert an die hebräischen Hebammen Schifra und Pua (Exodus 1), die sich dem Tötungsbefehl des Pharaos widersetzten. Rosa Parks steht in genau dieser Tradition: Wenn das Gesetz die Würde von Menschen verletzt, ist Ungehorsam keine Rebellion, sondern Treue zu einer höheren Ordnung.

 

Fragen zur Reflexion:

Rosa Parks handelte nicht spontan, sondern aus jahrzehntelangem Engagement heraus. Welche innere Vorbereitung braucht es, um in einem entscheidenden Moment Haltung zu zeigen?

Der Busboykott funktionierte, weil eine ganze Gemeinschaft mitzog. Wo in Ihrer Umgebung gibt es Ansätze gemeinsamer Widerständigkeit, die Unterstützung brauchen?

Rosa Parks verstand Gleichwürdigkeit als biblisches Gebot. Welche Strukturen in Ihrer Umgebung verletzen die Würde von Menschen, ohne dass es als Unrecht wahrgenommen wird?

 

 

Gebet: Gott der Würde, danke für Menschen wie Rosa Parks, die nicht nachgaben. Gib uns Mut, für die Würde des Nächsten einzustehen, auch wenn es uns etwas kostet. Amen.

 


Couragiert widerständig, wie Rigoberta Menchú Tum.
Für eine Welt, in der die Würde aller Völker geachtet und die Schöpfung bewahrt wird.


Quellen und zum Weiterlesen:

Rigoberta Menchú / Elisabeth Burgos: „Ich heiße Rigoberta Menchú und so entstand mein Gewissen“ (1983)
Rigoberta Menchú: „Die Enkel der Maya. Das Überleben der indigenen Kulturen Guatemalas“ (1998)
Fundación Rigoberta Menchú Tum: www.menchutum.org

 

 

Exklusiver Einblick in das Materialheft 2026

Die Vorbereitungen für die FriedensDekade 2026 laufen vielerorts bereits an. Mit dem neuen Materialheft zum Jahresthema „couragiert widerständig“ erhalten Gemeinden, Gruppen, Schulen und Bildungseinrichtungen vielfältige Anregungen für Gottesdienste, Bildungsarbeit und Veranstaltungen.

Auch in diesem Jahr haben unsere Autorinnen und Autoren aktuelle friedenspolitische Fragen, biblische Impulse und zahlreiche Praxisideen zusammengetragen. Entstanden ist ein Arbeitsheft, das Mut macht, Haltung zeigt und zum gemeinsamen Nachdenken und Handeln einlädt. Das gesamte Inhaltsverzeichniss finden Sie hier: INHALTSÜBERSICHT MATERIALHEFT

Spirituelle Impulse für Gottesdienst und Gemeinde

Den Auftakt bilden geistliche Zugänge zum Jahresthema. Neben einer Bildmeditation zum Plakatmotiv finden Sie das FriedensDekade-Lied, Auslegungen der diesjährigen Bibeltexte aus Exodus 1 und 2. Timotheus 1 sowie Bausteine für einen ökumenischen Gottesdienst und einen Kindergottesdienst. Ein weiterer Beitrag lädt dazu ein, darüber nachzudenken, warum auch das Innehalten und Ausruhen eine Form von Widerstand sein kann.

Wenn Sie schon vor Beginn der FriedensDekade nach geistlichen Impulsen suchen, empfehlen wir Ihnen einen Blick auf unsere Website. Dort veröffentlicht Friedensbotin Friederike Spengler regelmäßig neue Texte zum Jahresthema. Alle bisheringen Predigttexte finden Sei in unserem Mitgliederbereich noch einmal für Sie zusammengefasst.

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Für Friedensgebete vor, während und nach der FriedensDekade ergänzt der neue Friedenskompass 2026 das Materialheft mit Gebeten, Andachten und liturgischen Impulsen.

Ideen für die Bildungsarbeit

Das zweite Kapitel richtet sich an alle, die mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen arbeiten. Spiele, Übungen, Andachten und Gesprächsformate eröffnen unterschiedliche Zugänge zum Thema. Fragen wie Kriegsdienstverweigerung, Gewaltfreiheit, Friedensbildung an Schulen oder gelingende Friedensgespräche werden praxisnah aufgegriffen.

Menschen, die Haltung zeigen

Ein besonderer Schwerpunkt des Materialhefts sind Menschen, die couragiert widerständig gehandelt haben. Vorgestellt werden unter anderem Gisela Penteker, Carla Hinrichs, Stanislaw Petrow, Yurii Sheliazhenko, Olga Shparaga und weitere Persönlichkeiten, deren Lebenswege zeigen, wie unterschiedlich Einsatz für Frieden und Menschenwürde aussehen kann. Die Porträts laden dazu ein, über Zivilcourage, Verantwortung und den eigenen Handlungsspielraum ins Gespräch zu kommen.

Ergänzend dazu stellen wir auf unserer Website regelmäßig weitere Materialien bereit. Unsere Reihen „Frauen des Friedens“ erzählen von Menschen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung eingesetzt haben. Sie eignen sich hervorragend als zusätzliche Impulse für Unterricht, Gruppenstunden oder Gemeindeveranstaltungen. Auch diese Portraits finden Sie auf unserer Website und als Datein in unserem Mitgliederbereich.

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Widerstand verstehen und einordnen

Was bedeutet ziviler Widerstand? Welche Verantwortung tragen Kirchen in gesellschaftlichen Konflikten? Und wie lassen sich aktuelle friedenspolitische Entwicklungen einordnen?

Das vierte Kapitel verbindet Hintergrundwissen mit konkreten Beispielen und bietet eine fundierte Grundlage für Diskussionsabende, Seminare und Bildungsangebote.

Wer diese Themen weiter vertiefen möchte, findet auf unserer Website außerdem die Reihe „Friedenspolitische Einblicke“ von Jan Gildemeister sowie Hinweise auf Dialogveranstaltungen der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF).

Medien, Filme und weitere Materialien

Den Abschluss bildet ein umfangreicher Serviceteil mit Buch- und Medienempfehlungen, Ausstellungstipps, didaktischen Materialien sowie einer Filmempfehlung. Außerdem finden Sie Hinweise zur digitalen Materialsammlung, zur Peace and Pray-App und Möglichkeiten, eigene Veranstaltungen zur FriedensDekade bekannt zu machen.

Das Materialheft bestellen

Das Materialheft „couragiert widerständig“ ist Bestandteil der Materialmappe sowie des Gesamtpakets der FriedensDekade.

Mit dem Gesamtpaket erhalten Sie zusätzlich Zugang zur digitalen Materialsammlung mit Vorlagen, Bildern, Audiodateien und weiteren Arbeitshilfen für die Vorbereitung Ihrer Veranstaltungen. Finden Sie in unserem Onlineshop alles was Sie für Ihre Friedensdekade 2026 unter dem Motto courargiert widerständig benötigen.

Das ganze Jahr über informiert bleiben

Die FriedensDekade begleitet Sie nicht nur im November. Auf unserer Website veröffentlichen wir regelmäßig neue spirituelle Impulse, Hintergrundbeiträge, friedenspolitische Einblicke und weitere Materialien für Gemeinden, Gruppen und Interessierte.

Mit unserem Friedensbrief bleiben Sie über neue Veröffentlichungen, Veranstaltungen und Materialien auf dem Laufenden und erhalten regelmäßig Anregungen für Ihre Friedensarbeit.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Entdecken der neuen Materialien und eine inspirierende Vorbereitung auf die FriedensDekade 2026.

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