Archiv der Kategorie: Presse

NEU: Friedensliederbuch

Neues Liederbuch mit 100 Liedern für den Frieden

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Ökumenischen FriedensDekade haben wir ein einzigartiges „Friedens-Liederbuch“ herausgegeben, das in Kürze fertiggestellt sein wird. 100 Friedenslieder für Kirchengemeinden, Aktionsgruppen und Friedensinitiativen finden sich in dieser wunderbaren Liedersammlung. Noten und Akkordsymbole erleichtern das Singen und Musizieren aller Lieder. Ein „must have“ für Gesangsbegeisterte und Friedensbewegte!

Das Liederbuch (ca. 140 Seiten) im Din A5-Format, gebunden mit festem Einband, kann bereits jetzt über unsere Homepage zum Preis von 9,80 € bestellt werden.

 

„Wenn möglich, bitte wenden!“

Von  Dr. Dorothee Godel (Mai 2020)
(als pdf-Datei)

„Wenn möglich, bitte wenden“. Da habe ich die richtige Abzweigung verpasst und werde kurz darauf von meinem Navigationsgerät freundlich aber wiederholt dazu aufgefordert umzudrehen. Bequemer wäre es, einfach weiter zu fahren und darauf zu setzen, dass irgendwann die nächste Möglichkeit zum Abbiegen kommt. Wenn das allerdings nicht der Fall ist, riskiere ich einen größeren Umweg. Ob ich tatsächlich umdrehe, ist Abwägungssache. Irgendwo zwischen Bequemlichkeit und Festhalten an der einmal eingeschlagenen Richtung, zwischen vorhandenen Möglichkeiten zum Wenden und der Befürchtung, mich ordentlich zu verfahren, entsteht gegebenenfalls die Motivation, umzudrehen.

Coronabedingt sind wir gerade in vielerlei Hinsichten zu Kehrtwenden gezwungen. Das bedeutet viele und teils schwer belastende Einschränkungen. Das zeigt aber auch, dass Änderungen unseres Lebensstils möglich sind. Zum Beispiel in ökologischer Hinsicht, wo sich die zur Zeit vorhandenen Einschränkungen durchaus positiv auswirken. Ob diese und andere, durch den Zwang der Situation bedingten positiven Veränderungen allerdings nachhaltig bleiben werden, ist fraglich.

In der Bibel, im Neuen Testament, gehört „Umkehr“ zu den Erfahrungen, die einen Menschen und sein ganzes Leben betreffen und verändern. Exemplarisch erzählt wird das von Zachäus, einem kleinen aber sehr wohlhabenden Zöllner. Als Jesus nach Jericho kommt, steigt Zachäus, um Jesus über die zusammengelaufene Menschenmenge hinweg sehen zu können, auf einen Maulbeerfeigenbaum. Und dort oben im Maulbeerfeigenbaum wird er von Jesus gesehen. Jesus fordert ihn auf, herunterzusteigen und lädt sich sozusagen bei Zachäus ein. Für den Zöllner ist das eine große Ehre, eine unverdiente Würdigung. Während die anderen wegen seiner Machenschaften mit Fingern auf ihn zeigen, sucht Jesus die Begegnung und das Gespräch. Und diese Erfahrung verändert den kleinen aber sehr wohlhabenden Zöllner Zachäus. „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“ Da erfährt ein Mensch so etwas wie Seelenfrieden, Versöhnung mit sich und seiner Umwelt. Geschenkt in der Gottesbegegnung.

Die Umkehr des Zachäus ist durch die Erfahrung des Anerkanntwerdens, des Angenommenseins motiviert. Offensichtlich ist das eine Erfahrung, die einen Menschen berühren und veranlassen kann, eingefahrene Wege hinter sich zu lassen. Wenn wir von der Umkehr zum Frieden sprechen, die wir in unserer Welt der gewaltsamen Konflikte zwischen Völkern, des innergesellschaftlichen Unfriedens und des zerstörerischen Umgangs mit Gottes Schöpfung so dringend nötig haben, können wir vielleicht an dieser Erfahrung anknüpfen. Denn wir wie alle Menschen leben im Grund aus der Erfahrung geschenkten Anerkanntwerdens und Angenommenseins und wissen darum, dass es sich lohnt, mit sich und der eigenen Umwelt versöhnt zu leben. Angesichts dessen wäre die Aufgabe doch einfach, solche Erfahrungen des Versöhntseins ins Blickfeld zu rücken, uns selbst und anderen zu Herzen gehen zu lassen und dafür zu sorgen, dass wir uns auf solche Erfahrungen des Angenommenseins und Versöhntseins ausrichten.

Frau Dr. Dorothee Godel ist Oberkirchenrätin, Referentin für Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche in Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Tatorte des Friedens

Von Friedemann Müller (April 2020)

Umkehr zum Frieden – das ist das zentrale Thema der Ökumenischen Friedensdekade überhaupt. Darum geht es den Akteuren der Friedensdekade nun schon 40 Jahre lang. Aktuell ist dieses Anliegen nach wie vor. Und es trifft uns in vielen Dimensionen unseres Lebens: Ganz persönlich umkehren, als Gesellschaft umkehren und als Weltgemeinschaft umkehren hin zum Frieden. Das setzt voraus, dass wir der Friedenshoffnung trauen. Frieden ist möglich. Gemeint ist damit nicht nur die Abwesenheit von physischer und psychischer Gewalt. Frieden ist Schalom, ein lebendiger Prozess des respektvollen Ausgleichs von Interessen, Versöhnung und Handeln im Horizont der Gerechtigkeit. So ist Frieden gleichermaßen persönlich und politisch.

Geboten scheint diese Umkehr zum Frieden allemal. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts spüren wir mehr denn je, die Notwendigkeit gemeinsam zu handeln, das Gegeneinander aufzugeben und Bedingungen zu schaffen, die auch den Kindern dieser Welt eine gute Zukunft versprechen. Frieden ist nachhaltig. Die großen Themen unserer Zeit wie die Verteilungsgerechtigkeit, Migrations-bewegungen, den Klimawandel und auch die Corona-Krise werden wir nur gemeinsam bewältigen. Das wird immer mehr Menschen klar.

Dann gibt es aber die anderen, die auf Rezepte alter Zeiten setzen, die Rüstungsausgaben erhöhen wie nie zuvor, die auf das Recht des Stärkeren setzen, die eine Ich-zuerst-Strategie zur ethischen Leitlinie erklären, die Grenzen dicht machen oder im Handstreich fremdes Land okkupieren, die Gesellschaften polarisieren und Hass säen, kurz, die den Kairos, die Zeichen der Zeit, nicht verstehen. Die Logik aber bleibt, was jemand sät, dass wird man ernten. Wer Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Es gibt keinen anderen Weg. Also Umkehren, Abwenden von allem, was uns hindert am Weg der Gerechtigkeit, am Weg eines fairen Miteinanders, am Weg zu einem lebenswerten Morgen. Dann merken wir, dass es nicht nur die anderen sind, die Umkehr nötig hätten. Es ist auch eine Frage der persönlichen Gestaltung von Beziehungen, des persönlichen Umgangs mit den Ressourcen dieser Welt, des persönlichen Widerstands gegen die zerstörerischen Mächte unserer Zeit.

Umkehr das ist im christlichen Glauben mit dem alten Wort „Buße“ ausgedrückt. Traditionell gehören zur Buße die Einsicht in falsches Handeln, das leidenschaftliche Wollen eines anderen Verhaltens (Reue) und zuletzt die Verhaltensänderung, also das Einüben in ein tatsächlich anderes Verhaltens. Wenn wir so Umkehr zum Frieden verstehen, werden wir uns fragen, was wir als Gesellschaft und einzelne auf dem Weg zum Frieden neu verstehen müssen? Was muss sich dringend ändern? Worin liegt Zukunft? Antworten auf diese Fragen wären ein Anfang.  Buße als „umkehren in die offenen Arme Gottes“ (Martin Luther) zeigt das Ziel dieser Neuausrichtung an, die Verwandlung des Lebens hin zu einem neuen Lebenswandel. Deshalb kann Umkehr zum Frieden nicht stehen bleiben bei Appellen und Situationsanalysen. Sie muss Visionen entwickeln, ein leidenschaftliches Wollen und Tat werden. Die Friedensdekade ist ein guter Ort damit weiter zumachen und Tatorte des Friedens zu schaffen.

Friedemann Müller, geb. 1962, Dipl.-Religionspädagoge, viele Jahre als Jugendreferent tätig, heute Theologischer Studienleiter im Evangelischen Bildungszentrum Hermannsburg

„UMKEHR ZUM FRIEDEN“

Ein Beitrag von Jan Gildemeister, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) – (hier zum Download als pdf-Datei)

Unübersehbar bewegen wir uns in eine Sackgasse: Immer mehr Menschen leiden unter Umweltkatastrophen, Ungerechtigkeit und Krieg, viele Menschen müssen flüchten oder wandern unfreiwillig aus. Zugleich gibt es nicht nur weltweit Proteste, viele Menschen verlassen auch die Unheil bringenden Wege. Das Motto der Ökumenischen FriedensDekade 2020 vermittelt zwei Botschaften: Eine Abkehr von der jetzigen Praxis ist notwendig und radikale Veränderungen sind machbar.

Ein Blick in die Welt ist ernüchternd und frustrierend: Die wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeit ist immens und wächst weiter, in sehr vielen Ländern fehlt jungen Menschen eine Perspektive. Die Umweltzerstörung nimmt zu, der Klimawandel schreitet voran und es mangelt auf allen Ebenen vielfach am Willen zur CO2-Reduktion, Müllvermeidung etc. Die Zahl der mit militärischer Gewalt ausgetragenen Konflikte wächst, die meisten Staaten rüsten auf, Atomwaffen werden „modernisiert“ und es werden nahezu ungehemmt Rüstungsgüter in alle Welt exportiert. Weitere Stichworte sind: Nationaler Egoismus und Schwächung internationaler Institutionen; Infragestellung der allgemein gültigen Menschenrechte und sinkende Handlungsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft; Rechtspopulismus, rechte und religiös motivierte Gewalt, Fakenews und Hatespeech nicht nur in sozialen Medien.

Und zugleich gibt es das Wissen um Alternativen und entsprechende Konzepte liegen vor. Im ökumenischen Kontext ist es der Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, der auch nach 37 Jahren die Ausrichtung für notwendige Veränderungen beschreibt. Für Staaten sind es die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bzw. die Agenda 2030. Es ist bekannt, was sich ändern muss, die Fridays for Future-Aktivist*innen fordern „nur“ die Umsetzung von dem, was Wissenschaftler*innen empfehlen. Die Kundgebung der EKD-Synode 2019 tritt ein „für eine Ethik, eine Ökonomie und einen Lebensstil des Genug“ und stellt fest: „Eine gerechtere, ressourcen-schonendere und die Würde achtende Weltordnung ist der wichtigste Beitrag für mehr globale Sicherheit und weniger Konflikte. Die wichtigen globalen Herausforderungen lassen sich nicht militärisch lösen, sie bedürfen des politischen Ausgleichs sowie der Berücksichtigung des Rechtes und des Wohles aller Beteiligten.“

Und nicht zuletzt gibt es auch eine erfolgreiche Praxis dieser Alterativen, um nur einige Beispiele zu nennen: gemeinwohlorientiertes Wirtschaften, CO2-freie Produktion, nachhaltige Landwirtschaft, gewaltfreie, konstruktive Transformation von Konflikten.

Woran hapert es, dass die notwendige „Umkehr zum Frieden“ von einer breiten Bewegung getragen wird und generell mehr Einfluss entfalten kann? Was können wir von den Regierenden erwarten? Was von einer Wirtschaft, die weltweit den Prinzipien der sogenannten freien Marktwirtschaft und dem Ziel der Gewinnmaximierung folgt?

Die Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnissen jedenfalls ist groß und wird in vielen Ländern auf der Straße sichtbar: insbesondere in Südamerika, aber auch in etlichen afrikanischen Staaten, in Hongkong, im Iran und Libanon sowie auch in Frankreich. Aber der Protest mündet zumeist nicht in grundlegende Veränderungen. Der Widerstand der jeweils Mächtigen ist zu groß oder neue Regierungen haben kein Interesse an einer radikalen Umkehr, ausgerichtet an den Wünschen und Bedürfnissen der Bevölkerung. Und wenn eine „Bewegung“ von unten wie im Sudan ein Regime gestürzt, einen Bürgerkrieg beendet und gewaltfreie Konflikttransformation erfolgreich auf den Weg gebracht hat, besteht die Gefahr, dass andere Akteure, darunter auch Staaten, aufgrund ihrer Interessen intervenieren und versuchen, alte Machtverhältnisse wiederherzustellen. Jenseits der Scheinwerfer unter Medien gibt es aber durchaus in vielen Regionen erfolgreiche Veränderungsprozesse, die vor allem von Frauen initiiert und getragen werden.

Der Handlungsdruck ist riesig und gefühlt gibt es genauso viele Rück- wie Fortschritte. Dennoch kann es keine schnellen Lösungen geben. So wenig wie militärische Interventionen zum Frieden führen, so wenig kann den Menschen das Umdenken verordnet werden, das für grundlegende, demokratische Veränderungen notwendig wäre. Letztlich muss der ökumenische Prozess weitergehen: Die langfristige Basisarbeit mit Informationsvermittlung, (Friedens-) Bildung und einer alternativen Praxis, Protest und politischer Lobbyarbeit u.v.a.m., wozu die AGDF-Mitgliedsorganisationen einen Beitrag leisten. Einige Bespiele: Die Friedenswoche Mutlangen setzt sich seit langem für die Abschaffung und Ächtung von Atomwaffen ein, andere AGDF-Mitglieder wie der Bund für die Soziale Verteidigung informieren über Alternativen zum Einsatz militärischer Gewalt.

Die Friedensarbeit ist in Deutschland eng verbunden mit Kriegserfahrungen. Vor 100 Jahren wurde nicht nur der Versailler Vertrag unterzeichnet, es fand auch das erste internationale Workcamp des Service Civil International statt. Und nach Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren setzten Friedensinitiativen verstärkt auf Bildungsarbeit: Angefangen von der Aufklärung über Kriegsursachen und -folgen bis hin zur Gewaltprävention und Methoden gewaltfreier Konfliktbearbeitung. Uns Deutschen reichten u.a. historische Friedenskirchen aus den USA die Hand und schafften die Ausgangsbasis für Versöhnungsprozesse und eine langfristige Friedensarbeit, wie die Geschichte des AGDF-Mitglieds ICJA Freiwilligenaustausch weltweit zeigt.

Eine permanente Aufgabe sind eine Szene übergreifende Kooperation und Vernetzung: Die Aktivist*innen von Fridays for Future können von Friedensorganisationen lernen und umgekehrt oder Eine Welt-Initiativen von Aktivist*innen für eine Agrarwende etc. Dies gilt national und natürlich auch international, oftmals verbunden mit der Herausforderung, trotz strukturellem Machtgefälle auf Augenhöhe zu kooperieren. Da haben wir noch viel miteinander zu lernen.

Das Motto der Ökumenischen Friedensdekade 2020 knüpft an die kontroversen Debatten um die Nachrüstung Anfang der 1980er Jahre an. „Umkehr zum Leben“ war die Losung des Deutschen Evangelischen Kirchentages (1983). Angesichts des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 zur atomaren „Nachrüstung“ in Zeiten des Kalten Krieges stand die Friedensfrage im Mittelpunkt des Kirchentages. Damals prägten die lila Tücher mit der Aufschrift „Die Zeit ist da für ein Nein ohne jedes Ja zu Massenvernichtungswaffen“ nicht nur das Bild des Abschlussgottesdienstes. Die Friedensbewegung trug mit zum Ende des kalten Krieges und den nachfolgenden erfolgreichen Abrüstungsverträgen bei – die Verträge, die aktuell gekündigt werden oder auslaufen. So unbefriedigend es auch ist: Frieden fällt nicht vom Himmel, vielmehr bedarf es immer wieder vielfältiger Anstrengungen für eine „Umkehr zum Frieden“. Und Christ*innen sind gewiss: über diese langfristig angelegten Arbeit liegt Gottes Segen.

Danke für Ihr Mitwirken!

Allen, die in diesem Jahr mitgeholfen haben, die Ökumenische FriedensDekade mitzugestalten, danken wir ganz herzlich.

Zentraler Gottesdienst in Saarbrücken

Am Sonntag, 17. November 2019, um 18 Uhr fand der zentrale Gottesdienst der Ökumenischen FriedensDekade in Saarbrücken statt Im Anschluss an den Gottesdienst wandten sich der Vorsitzende der ACK in Deutschland, Erzpriester Radu Constantin Miron, und der Minister für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes, Reinhold Jost, an die Gäste. (zum Bericht gehen)

Friedensbotin im Gespräch

Das Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade freut sich, die „Friedensbotin“ Birgitta Bolte vorstellen zu dürfen. Birgitta Bolte hat sich zur Aufgabe gemacht, das Leben ihrer Familie ökologisch nachhaltig umzukrempeln. Hier lesen Sie ein Interview mit unserer „Friedensbotin“.

Motto 2019: friedensklima

friedensklima, so lautet das Jahresmotto der Ökumenischen FriedensDekade für 2019. Über Hintergründe und biblische Bezugsquellen lesen Sie in unserer Pressemeldung.

Grußwort des EKD-Friedensbeauftragten

Grußwort von Renke Brahms, Leitender Geistlicher der Bremischen Evanglischen Kirche und Friedensbeauftragter der EKD (aus: Bittgottesdienst für den Frieden 2018) Das Grußwort können Sie hier nachlesen.

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste warnt vor Rassismus in der Asyldebatte

Gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus hat Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade, vor einer Abschottung und Rassismus in der Asyldebatte gewarnt. Sie können den vollständigen Text hier nachlesen.

Krieg 3.0 – Motto leider aktueller als gewünscht

Krieg 3.0: Killerroboter auf dem Vormarsch

Die Eskalation von Konflikten weltweit nimmt zu. Neben den bereits existenten Kriegsherden  verstärkt sich das Gefühl bei vielen Menschen, dass der Frieden weltweit in Gefahr ist, keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Mit dem Motto “Krieg 3.0” will die Ökumenische FriedensDekade vor den möglichen Gefahren eines 3. Weltkrieges warnen. Ein Übertreibung?

Themen wie Killerroboter und die zunehmende Automatisierung von Tötungsmaschinen, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz, die wir ebenfalls mit dem Motto “Krieg 3.0” thematisieren möchten, kommen unterdessen mehr und mehr in das Bewußtsein der Öffentlichkeit. Was sich hinter diesem beunruhigenden Thema verbirgt, können Sie den folgenden Filmen bzw. Dokumentationen entnehmen:

Killer-Roboter: Töten ohne Gewissen?

Monitor | 17.05.2018 | 06:57 Min. | Das Erste
Waffensysteme werden immer „intelligenter“. Sie navigieren, überwachen und können selbstständig zielen – und sie werden die Zukunft der Kriegsführung radikal verändern. Was aber bedeutet es, wenn künftig Algorithmen die Entscheidung über Leben und Tod treffen? Darüber wird inzwischen auch auf Ebene der UN diskutiert. Von einem Bann solcher Waffensysteme ist aber immer seltener die Rede, auch weil die Rüstungskonzerne hier neue Geschäftsfelder entdeckt haben. Der Krieg der Zukunft – er hat längst begonnen. Autor/-in: Jochen Taßler, Barbara Schmickler
https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-killer-roboter-toeten-ohne-gewissen-100.html

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Killer Roboter – Dürfen Maschinen töten?

ARD, 25.9.17 Verstößt es gegen die Menschenwürde, wenn Maschinen töten, oder kann moderne Technik den Tod von Zivilisten verhindern?
https://www.youtube.com/watch?v=oMZUJLg9H8A

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“Slaughterbot” Autonomous Killer Drones | Technology
(Englisch)

Waffensysteme werden immer „intelligenter“. Sie navigieren, überwachen und können selbstständig zielen – und sie werden die Zukunft der Kriegsführung radikal verändern. Was aber bedeutet es, wenn künftig Algorithmen die Entscheidung über Leben und Tod treffen? Darüber wird inzwischen auch auf Ebene der UN diskutiert. Von einem Bann solcher Waffensysteme ist aber immer seltener die Rede, auch weil die Rüstungskonzerne hier neue Geschäftsfelder entdeckt haben. Der Krieg der Zukunft – er hat längst begonnen. Autor/-in: Jochen Taßler, Barbara Schmickler

Grafisches Motiv für 2018 ausgewählt

Grafisches Motiv für 2018 ausgewählt

Motto „KRIEG 3.0“ wurde in einem Plakatwettbewerb grafisch umgesetzt

Bonn/Kassel, 02.02.2018. Das diesjährige zentrale Plakatmotiv der Ökumenischen FriedensDekade steht fest. Im Rahmen eines bundesweit ausgeschriebenen Plakatwettbewerbs entfiel nun die Auswahl auf den Entwurf von Michaele Gruchot aus Berlin.

Aus den insgesamt 43 eingereichten Entwürfen entschied sich  die Jury für den Entwurf von Michaela Gruchot. Das Motiv deutet einerseits die Zerstörung der Welt mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung zukünftiger Kriegführungen an (Krieg 3.0). Andererseits deutet es die Schönheit der Welt an und lässt Hoffnungszeichen durchscheinen. Den 2. Platz belegte Walter Dawid aus Eppelheim.  Gefolgt auf Platz 3 von Michael Göken aus Köln. Der Plakatwettbewerb ist mit einem Preisgeld von insgesamt 1.750 Euro verbunden.

Der Gewinnerentwurf wird als zentrales Plakatmotiv in der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade eingesetzt, um auf die vielfältigen Veranstaltungen während der zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag vom 11.-21. November aufmerksam zu machen. Zudem wird das Motiv die vielfältigen Arbeitsmaterialien schmücken, die zur diesjährigen FriedensDekade erstellt werden. Die Plätze zwei und drei werden im Rahmen eines Postkartensets ebenfalls gewürdigt.

Im Mittelpunkt der Ökumenischen Friedensdekade stehen die Bibelstelle Hosea 2, Vers 20 aus dem Alten Testament (Bogen, Schwert und Krieg werde ich zerbrechen und aus dem Land verbannen) und die neutamentliche Bibelstelle aus Matthäus 26, Vers 52 (die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen).

Mit dem Motto „Krieg 3.0“ möchte der Trägerkreis der Ökumenischen FriedensDekade angesichts der Gefahr der Eskalation vorhandener Konflikte weltweit auf die potenziellen Gefahren eines dritten Weltkriegs aufmerksam machen. Dabei soll die weltweite Aufrüstungsspirale, die sich auch in den Finanzplänen der kommenden Jahre für den Verteidigungshaushalt in Deutschland widerspiegelt, kritisch hinterfragt werden. Zugleich will die FriedensDekade den Fokus auf die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung kriegerischer Waffen legen. Ob Drohnen, Roboter oder Slaughterbots: Die Entwicklung unbemannter, eigenständig agierender Killermaschinen ist auf dem Vormarsch, um Kriege – auch in Form von Cyberwars – wieder führbar zu machen.

Herbert Sander gestorben – Schöpfer der Grafik “Schwerter zu Pflugscharen”

Herbert Sander gestorben – Schöpfer der Grafik “Schwerter zu Pflugscharen”

Am 10. Januar meldeten verschiedene Medien den Tod von Herbert Sander.

Herbert Sander hatte das aktuelle Symbol der Ökumenischen FriedensDekade “Schwerter zu Pflugscharen” in den 80er-Jahren für Kirchenkreise in der damaligen DDR entworfen. Aus den verschiendenen Pressemeldungen hier Meldung aus dem Berliner Kurier, dem Deutschlandfunk und epd-ZA vom 10.01.2018:

Trauer um Herbert Sander – Erfinder des Symbols „Schwerter zu Pflugscharen“ ist tot

Berlin. Ein Schmied, der ein Schwert zur Pflugschar macht. Das Bild kannte in der DDR jeder, war in den 80er-Jahren Symbol der Friedensbewegung der evangelischen Kirche. Der Schöpfer des Logos war Herbert Sander, der jetzt mit 79 Jahren starb.

Stillleben, Landschaften, gerne malte er auch jüdische Friedhöfe. Sander wurde vor allem von der brandenburgischen Kunstszene geschätzt. Viele Ausstellungen zeigten die Bilder des Stahnsdorfers.  Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der Künstler bereits am 4. Januar im Kreise seiner Familie an den Folgen eines Krebsleidens.

Symbol der Opposition

Sander studierte in Berlin Grafik und Malerei, arbeitete bis 1965 als Szenenbildassistent bei der Defa. Als freiberuflicher Grafiker und Maler gestaltete er 40 Jahre lang Plakate und Designs für Ausstellungen in den Schlössern und Gärten von Sanssouci. Doch sein bekanntestes Werk entwarf der Pazifist 1980 im Auftrag der evangelischen Kirche in der DDR: das Logo zu dem Bibelspruch „Schwerter zu Pflugscharen“. Mit dieser Grafik protestierte die Kirche gegen die Atomraketenpläne in Ost und West und gegen den Wehrkundeunterricht an DDR-Schulen.

Zuerst erschien das Bild auf Lesezeichen, dann auf Stoffaufnähern, die in den Gemeinden verteilt wurden. Etwa 100.000 Exemplare gab es. Vor allem Jugendliche trugen Sanders Grafik an Jacken oder Taschen.

Anfangs tolerierte die DDR-Führung das Symbol. Erstens war die Herstellung laut Gesetz legal, da das Bild auf Stoff und nicht auf Papier gedruckt wurde. Zweitens orientierte sich die Darstellung des „Schwerter zu Pflugscharen“-Schmiedes an einem Sowjet-Kunstwerk – an der Plastik des Bildhauers Jewgenij Wutschetisch, die die Sowjetunion 1959 der UNO schenkte. Das Denkmal war auch im Jugendweihe-Buch der DDR abgebildet.

Als der Aufnäher bekannter (und zum Symbol der Opposition) wurde, griff die Staatsmacht durch. Bei Polizeikontrollen mussten Träger den Aufnäher sofort abtrennen oder aufs Revier mitkommen, dort ihre Jacke abgeben. Jugendliche wurden wegen des Symbols von der Schule verwiesen. Auch Sander bekam Besuch von der Stasi, der aber ohne Folgen blieb. 2013 erhielt der Maler für sein Logo den Brandenburger Verdienstorden.

– Quelle: https://www.berliner-kurier.de/29464402 ©2018

Herbert Sander gestorben – Schöpfer der Grafik “Schwerter zu Pflugscharen”

Dlf24 vom 10. Januar 2018

Der Brandenburger Künstler Herbert Sander, zu DDR-Zeiten Schöpfer der Grafik “Schwerter zur Pflugscharen”, ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Damals habe er den Nerv der Zeit getroffen und als Künstler Position bezogen, würdigte Brandenburgs Ministerpräsident Woidke Sanders Werk. Er habe der Friedenssehnsucht Hunderttausender eine Plattform gegeben, die der Militarisierung der DDR skeptisch gegenüber standen.

Sander, der im thüringischen Nordhausen geboren wurde, schuf die Grafik nach der weltberühmten Plastik, die die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen geschenkt hatte. Als Aufnäher wurde sie in den 1980er Jahren Symbol der DDR-Friedensbewegung. Nach der Wende erarbeitete Sander die erste künstlerische Dokumentation von mehr als 60 jüdischen Friedhöfen im Land. Sander starb – wie erst jetzt bekannt wurde – bereits am 4. Januar.

Diese Nachricht wurde am 10.01.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

– Quelle: www.deutschlandfunk.de/brandenburg-herbert-sander-gestorben-schoepfer-der-grafik.1939.de.html?drn:news_id=837521

Erfinder des “Schwerter zu Pflugscharen”-Friedensemblems gestorben

Stahnsdorf (epd). Der Erfinder des Emblems “Schwerter zu Pflugscharen” der Friedensbewegung der DDR, der Künstler Herbert Sander, ist mit 79 Jahren gestorben. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte den Grafiker aus Stahnsdorf als Menschen, der “Position bezogen und damit der Friedenssehnsucht Hunderttausender eine Plattform gegeben” habe, “die der Militarisierung der DDR skeptisch gegenüberstanden”. Sander habe mit dem Aufnäher “den Nerv der Zeit getroffen”, erklärte Woidke am Mittwoch in Potsdam. Der 1938 in Nordhausen geborene Künstler starb nach Angaben des Heimatvereins Kleinmachnow am 3. Januar.

Sander habe in den 80er Jahren im Auftrag der Kirche auf dem Höhepunkt der Rüstungskonfrontation zwischen Ost und West ein “bleibendes Symbol der Friedensbewegung geschaffen”, betonte Woidke. Das Symbol sei zudem überaus klug ausgewählt gewesen, weil es sich auf ein Kunstwerk bezogen habe, das die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen geschenkt habe und “gegen das die DDR-Führung nicht Front machen konnte”.

Der Künstler, der nach einem Studium der Grafik und Malerei bis 1965 im Defa-Spielfilmstudio tätig war, habe sich auch anderweitig politisch engagiert, betonte Woidke. So habe er 1989 das oppositionelle Neue Forum in Kleinmachnow mitbegründet und sei Spuren jüdischen Lebens in Brandenburg nachgegangen. Über sein berühmtestes Werk hinaus habe Sander eine Vielzahl von Kunstwerken geschaffen, die seine Liebe zur Natur und zu den Menschen ausdrückten. Für die evangelische Auferstehungsgemeinde in Kleinmachnow hat er ein Kirchenfenster gestaltet. Der Künstler wurde 2014 mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet.