Archiv der Kategorie: Impulse

Den Ruf nach Gewaltlosigkeit wach halten (von Maria Krieg, Jena)

40 Jahre Friedensdekade – ein Jubiläum? Ich sehe mich als Jugendliche. Eine Sakristei – Treffpunkt der Jungen Gemeinde, mitten in einer ostdeutschen Stadt in den 1980er Jahren. Einer von uns kam herein, zeigte auf seinen Ärmel: „Ich bin angehalten worden. Der Aufnäher – ich musste ihn da lassen. Er wurde abgeschnitten.“ Das Übliche folgte: Polizeikontrolle, Ausweis, Befragung … Uns wurde das kleine Zeichen der Friedensdekade „heilig“. Ein bisschen aufständisch sein, recht zu behalten in der Seligpreisung „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Zaghaft, aber doch den Schießwettbewerb in der Schule ablehnen. So erlebte ich den Anfang.

15 Jahre später. Ich stehe vor den Vereinten Nationen in New York. Wie klein ist die Plastik des sowjetischen Künstlers Jewgeni Wutschetitsch und Micha 4,3 „We shall beat our swords into plowshares“ („Wir werden unsere Schwerter in Pflugscharen umschmieden“) von 1957 – auch heute noch Logo der FriedensDekade.

Klein, stetiges Samenkorn des Widerstehens, stetiges Sandkorn im Getriebe der Kriegslogik, das transportiert die Friedensdekade für mich. Den Ruf nach Gewaltlosigkeit wach halten ­gegen den scheinbar unbesiegbaren „­Goliath“: Rüstungsproduktion, Rüstungsexport. Da ist Erinnern an vergessenes Unheil, Ermutigendes bergen, anstößig sein und vernetzt, Aktionen hier und dort, auch in unserer Stadt Jena. Wir schweigen für den Frieden in der Fußgängerzone, ziehen einen alten Kahn aus dem Wasser, um ein Flüchtlingsboot vor die Stadtkirche zu stellen. Wir beten mit einer kleinen Gemeindegruppe in der eiskalten Kirche mitten im November. Zehn Tage Friedensbittandachten. Ich sehe den lebensgroßen Christus in unserer Kirche an. Wenn mit ihm hier nichts für den Frieden getan wird, dann wird hier nichts getan. 40 Jahre FriedensDekade, das sind auch Jahre der Wüstenwanderung. Sie mahnt, erinnert, ermutigt zum Engagement für gerechte Politik, für einen gerechten Frieden. Können wir ihn selbst leben? Wir können umkehren dorthin – täglich.

Maria Krieg ist Pfarrerin im Evangelisch-­Lutherischen Kirchengemeindeverband Lobeda und Mitglied im Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade

„Wenn möglich, bitte wenden!“

Von  Dr. Dorothee Godel (Mai 2020)
(als pdf-Datei)

„Wenn möglich, bitte wenden“. Da habe ich die richtige Abzweigung verpasst und werde kurz darauf von meinem Navigationsgerät freundlich aber wiederholt dazu aufgefordert umzudrehen. Bequemer wäre es, einfach weiter zu fahren und darauf zu setzen, dass irgendwann die nächste Möglichkeit zum Abbiegen kommt. Wenn das allerdings nicht der Fall ist, riskiere ich einen größeren Umweg. Ob ich tatsächlich umdrehe, ist Abwägungssache. Irgendwo zwischen Bequemlichkeit und Festhalten an der einmal eingeschlagenen Richtung, zwischen vorhandenen Möglichkeiten zum Wenden und der Befürchtung, mich ordentlich zu verfahren, entsteht gegebenenfalls die Motivation, umzudrehen.

Coronabedingt sind wir gerade in vielerlei Hinsichten zu Kehrtwenden gezwungen. Das bedeutet viele und teils schwer belastende Einschränkungen. Das zeigt aber auch, dass Änderungen unseres Lebensstils möglich sind. Zum Beispiel in ökologischer Hinsicht, wo sich die zur Zeit vorhandenen Einschränkungen durchaus positiv auswirken. Ob diese und andere, durch den Zwang der Situation bedingten positiven Veränderungen allerdings nachhaltig bleiben werden, ist fraglich.

In der Bibel, im Neuen Testament, gehört „Umkehr“ zu den Erfahrungen, die einen Menschen und sein ganzes Leben betreffen und verändern. Exemplarisch erzählt wird das von Zachäus, einem kleinen aber sehr wohlhabenden Zöllner. Als Jesus nach Jericho kommt, steigt Zachäus, um Jesus über die zusammengelaufene Menschenmenge hinweg sehen zu können, auf einen Maulbeerfeigenbaum. Und dort oben im Maulbeerfeigenbaum wird er von Jesus gesehen. Jesus fordert ihn auf, herunterzusteigen und lädt sich sozusagen bei Zachäus ein. Für den Zöllner ist das eine große Ehre, eine unverdiente Würdigung. Während die anderen wegen seiner Machenschaften mit Fingern auf ihn zeigen, sucht Jesus die Begegnung und das Gespräch. Und diese Erfahrung verändert den kleinen aber sehr wohlhabenden Zöllner Zachäus. „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“ Da erfährt ein Mensch so etwas wie Seelenfrieden, Versöhnung mit sich und seiner Umwelt. Geschenkt in der Gottesbegegnung.

Die Umkehr des Zachäus ist durch die Erfahrung des Anerkanntwerdens, des Angenommenseins motiviert. Offensichtlich ist das eine Erfahrung, die einen Menschen berühren und veranlassen kann, eingefahrene Wege hinter sich zu lassen. Wenn wir von der Umkehr zum Frieden sprechen, die wir in unserer Welt der gewaltsamen Konflikte zwischen Völkern, des innergesellschaftlichen Unfriedens und des zerstörerischen Umgangs mit Gottes Schöpfung so dringend nötig haben, können wir vielleicht an dieser Erfahrung anknüpfen. Denn wir wie alle Menschen leben im Grund aus der Erfahrung geschenkten Anerkanntwerdens und Angenommenseins und wissen darum, dass es sich lohnt, mit sich und der eigenen Umwelt versöhnt zu leben. Angesichts dessen wäre die Aufgabe doch einfach, solche Erfahrungen des Versöhntseins ins Blickfeld zu rücken, uns selbst und anderen zu Herzen gehen zu lassen und dafür zu sorgen, dass wir uns auf solche Erfahrungen des Angenommenseins und Versöhntseins ausrichten.

Frau Dr. Dorothee Godel ist Oberkirchenrätin, Referentin für Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche in Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Tatorte des Friedens

Von Friedemann Müller (April 2020)

Umkehr zum Frieden – das ist das zentrale Thema der Ökumenischen Friedensdekade überhaupt. Darum geht es den Akteuren der Friedensdekade nun schon 40 Jahre lang. Aktuell ist dieses Anliegen nach wie vor. Und es trifft uns in vielen Dimensionen unseres Lebens: Ganz persönlich umkehren, als Gesellschaft umkehren und als Weltgemeinschaft umkehren hin zum Frieden. Das setzt voraus, dass wir der Friedenshoffnung trauen. Frieden ist möglich. Gemeint ist damit nicht nur die Abwesenheit von physischer und psychischer Gewalt. Frieden ist Schalom, ein lebendiger Prozess des respektvollen Ausgleichs von Interessen, Versöhnung und Handeln im Horizont der Gerechtigkeit. So ist Frieden gleichermaßen persönlich und politisch.

Geboten scheint diese Umkehr zum Frieden allemal. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts spüren wir mehr denn je, die Notwendigkeit gemeinsam zu handeln, das Gegeneinander aufzugeben und Bedingungen zu schaffen, die auch den Kindern dieser Welt eine gute Zukunft versprechen. Frieden ist nachhaltig. Die großen Themen unserer Zeit wie die Verteilungsgerechtigkeit, Migrations-bewegungen, den Klimawandel und auch die Corona-Krise werden wir nur gemeinsam bewältigen. Das wird immer mehr Menschen klar.

Dann gibt es aber die anderen, die auf Rezepte alter Zeiten setzen, die Rüstungsausgaben erhöhen wie nie zuvor, die auf das Recht des Stärkeren setzen, die eine Ich-zuerst-Strategie zur ethischen Leitlinie erklären, die Grenzen dicht machen oder im Handstreich fremdes Land okkupieren, die Gesellschaften polarisieren und Hass säen, kurz, die den Kairos, die Zeichen der Zeit, nicht verstehen. Die Logik aber bleibt, was jemand sät, dass wird man ernten. Wer Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Es gibt keinen anderen Weg. Also Umkehren, Abwenden von allem, was uns hindert am Weg der Gerechtigkeit, am Weg eines fairen Miteinanders, am Weg zu einem lebenswerten Morgen. Dann merken wir, dass es nicht nur die anderen sind, die Umkehr nötig hätten. Es ist auch eine Frage der persönlichen Gestaltung von Beziehungen, des persönlichen Umgangs mit den Ressourcen dieser Welt, des persönlichen Widerstands gegen die zerstörerischen Mächte unserer Zeit.

Umkehr das ist im christlichen Glauben mit dem alten Wort „Buße“ ausgedrückt. Traditionell gehören zur Buße die Einsicht in falsches Handeln, das leidenschaftliche Wollen eines anderen Verhaltens (Reue) und zuletzt die Verhaltensänderung, also das Einüben in ein tatsächlich anderes Verhaltens. Wenn wir so Umkehr zum Frieden verstehen, werden wir uns fragen, was wir als Gesellschaft und einzelne auf dem Weg zum Frieden neu verstehen müssen? Was muss sich dringend ändern? Worin liegt Zukunft? Antworten auf diese Fragen wären ein Anfang.  Buße als „umkehren in die offenen Arme Gottes“ (Martin Luther) zeigt das Ziel dieser Neuausrichtung an, die Verwandlung des Lebens hin zu einem neuen Lebenswandel. Deshalb kann Umkehr zum Frieden nicht stehen bleiben bei Appellen und Situationsanalysen. Sie muss Visionen entwickeln, ein leidenschaftliches Wollen und Tat werden. Die Friedensdekade ist ein guter Ort damit weiter zumachen und Tatorte des Friedens zu schaffen.

Friedemann Müller, geb. 1962, Dipl.-Religionspädagoge, viele Jahre als Jugendreferent tätig, heute Theologischer Studienleiter im Evangelischen Bildungszentrum Hermannsburg

Umkehren, um ans Ziel zu kommen

Von Peter Herrfurth (März 2020) (- als pdf-Datei)

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der EKM

„Immer weiter so, immer weiter geradeaus. Koste es, was es wolle. Wer bremst, verliert!“ Was für eine Lebenshaltung!

In Island klappt sie nicht. Franziska ist zum ersten Mal in Island. Sie macht ein freiwilliges Auslandsjahr bei der Kirche. Sie besucht Veranstaltungen, bereitet mit vor, räumt auf und vieles mehr…  Sie ist dort Mädchen für alles.

 Dann muss sie in eine entfernte Gemeinde fahren. Mit dem Auto. Quer über die Insel. Über Brücken und durch Tunnel. Und weil in Island wenig Verkehr ist, gibt es auch einspurige Tunnel. Aber keine Ampel.

Und dann passiert es. Es kommt jemand von vorn. Blöd, dass Franziska noch nicht die Hälfte des 5 km langen Tunnels geschafft hat. Damit man sich nicht streitet, ist nämlich der Mittelpunkt der Strecke markiert.

Keine Chance, Franziska muss zurück. Über 2 km im Rückwärtsgang. Eine Wendestelle gibt es nicht. Nur der Rückfahrscheinwerfer spendet minimales Licht.

Es ist anstrengend, Meter um Meter rückwärts schleichen. Nach über 2000 Metern endlich ein Lichtschein – das Tunnelende. Der andere Fahrer kann nun auf die Gegenspur ausweichen und Franziska startet wieder neu.

Den Rückwärtsgang einlegen, nachdem man schon so weit gekommen war, das nervt. Doch es ist mitunter unumgänglich. Sonst komme ich nie ans Ziel. Es lässt sich im Leben nicht so einfach durch eine Markierung festlegen, wann ich zurück muss. Oft ist es ein inneres Abwägen.

GOTT segne Sie in solchen schwierigen Entscheidungen – Und ER sei Ihnen ein Licht am Ende des Tunnels.

Und wo müssen wir den Rückwärtsgang einlegen? Die Richtung ändern? Ganz persönlich? Regional? Global? Unsere Umkehr zum Frieden? Oder haben wir die Markierung längst überschritten und es gibt kein Zurück?

Mögen wir SEIN Licht sehen am Ende des Tunnels.

Von Peter Herrfurth ist Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

„UMKEHR ZUM FRIEDEN“

Ein Beitrag von Jan Gildemeister, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) – (hier zum Download als pdf-Datei)

Unübersehbar bewegen wir uns in eine Sackgasse: Immer mehr Menschen leiden unter Umweltkatastrophen, Ungerechtigkeit und Krieg, viele Menschen müssen flüchten oder wandern unfreiwillig aus. Zugleich gibt es nicht nur weltweit Proteste, viele Menschen verlassen auch die Unheil bringenden Wege. Das Motto der Ökumenischen FriedensDekade 2020 vermittelt zwei Botschaften: Eine Abkehr von der jetzigen Praxis ist notwendig und radikale Veränderungen sind machbar.

Ein Blick in die Welt ist ernüchternd und frustrierend: Die wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeit ist immens und wächst weiter, in sehr vielen Ländern fehlt jungen Menschen eine Perspektive. Die Umweltzerstörung nimmt zu, der Klimawandel schreitet voran und es mangelt auf allen Ebenen vielfach am Willen zur CO2-Reduktion, Müllvermeidung etc. Die Zahl der mit militärischer Gewalt ausgetragenen Konflikte wächst, die meisten Staaten rüsten auf, Atomwaffen werden „modernisiert“ und es werden nahezu ungehemmt Rüstungsgüter in alle Welt exportiert. Weitere Stichworte sind: Nationaler Egoismus und Schwächung internationaler Institutionen; Infragestellung der allgemein gültigen Menschenrechte und sinkende Handlungsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft; Rechtspopulismus, rechte und religiös motivierte Gewalt, Fakenews und Hatespeech nicht nur in sozialen Medien.

Und zugleich gibt es das Wissen um Alternativen und entsprechende Konzepte liegen vor. Im ökumenischen Kontext ist es der Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, der auch nach 37 Jahren die Ausrichtung für notwendige Veränderungen beschreibt. Für Staaten sind es die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bzw. die Agenda 2030. Es ist bekannt, was sich ändern muss, die Fridays for Future-Aktivist*innen fordern „nur“ die Umsetzung von dem, was Wissenschaftler*innen empfehlen. Die Kundgebung der EKD-Synode 2019 tritt ein „für eine Ethik, eine Ökonomie und einen Lebensstil des Genug“ und stellt fest: „Eine gerechtere, ressourcen-schonendere und die Würde achtende Weltordnung ist der wichtigste Beitrag für mehr globale Sicherheit und weniger Konflikte. Die wichtigen globalen Herausforderungen lassen sich nicht militärisch lösen, sie bedürfen des politischen Ausgleichs sowie der Berücksichtigung des Rechtes und des Wohles aller Beteiligten.“

Und nicht zuletzt gibt es auch eine erfolgreiche Praxis dieser Alterativen, um nur einige Beispiele zu nennen: gemeinwohlorientiertes Wirtschaften, CO2-freie Produktion, nachhaltige Landwirtschaft, gewaltfreie, konstruktive Transformation von Konflikten.

Woran hapert es, dass die notwendige „Umkehr zum Frieden“ von einer breiten Bewegung getragen wird und generell mehr Einfluss entfalten kann? Was können wir von den Regierenden erwarten? Was von einer Wirtschaft, die weltweit den Prinzipien der sogenannten freien Marktwirtschaft und dem Ziel der Gewinnmaximierung folgt?

Die Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnissen jedenfalls ist groß und wird in vielen Ländern auf der Straße sichtbar: insbesondere in Südamerika, aber auch in etlichen afrikanischen Staaten, in Hongkong, im Iran und Libanon sowie auch in Frankreich. Aber der Protest mündet zumeist nicht in grundlegende Veränderungen. Der Widerstand der jeweils Mächtigen ist zu groß oder neue Regierungen haben kein Interesse an einer radikalen Umkehr, ausgerichtet an den Wünschen und Bedürfnissen der Bevölkerung. Und wenn eine „Bewegung“ von unten wie im Sudan ein Regime gestürzt, einen Bürgerkrieg beendet und gewaltfreie Konflikttransformation erfolgreich auf den Weg gebracht hat, besteht die Gefahr, dass andere Akteure, darunter auch Staaten, aufgrund ihrer Interessen intervenieren und versuchen, alte Machtverhältnisse wiederherzustellen. Jenseits der Scheinwerfer unter Medien gibt es aber durchaus in vielen Regionen erfolgreiche Veränderungsprozesse, die vor allem von Frauen initiiert und getragen werden.

Der Handlungsdruck ist riesig und gefühlt gibt es genauso viele Rück- wie Fortschritte. Dennoch kann es keine schnellen Lösungen geben. So wenig wie militärische Interventionen zum Frieden führen, so wenig kann den Menschen das Umdenken verordnet werden, das für grundlegende, demokratische Veränderungen notwendig wäre. Letztlich muss der ökumenische Prozess weitergehen: Die langfristige Basisarbeit mit Informationsvermittlung, (Friedens-) Bildung und einer alternativen Praxis, Protest und politischer Lobbyarbeit u.v.a.m., wozu die AGDF-Mitgliedsorganisationen einen Beitrag leisten. Einige Bespiele: Die Friedenswoche Mutlangen setzt sich seit langem für die Abschaffung und Ächtung von Atomwaffen ein, andere AGDF-Mitglieder wie der Bund für die Soziale Verteidigung informieren über Alternativen zum Einsatz militärischer Gewalt.

Die Friedensarbeit ist in Deutschland eng verbunden mit Kriegserfahrungen. Vor 100 Jahren wurde nicht nur der Versailler Vertrag unterzeichnet, es fand auch das erste internationale Workcamp des Service Civil International statt. Und nach Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren setzten Friedensinitiativen verstärkt auf Bildungsarbeit: Angefangen von der Aufklärung über Kriegsursachen und -folgen bis hin zur Gewaltprävention und Methoden gewaltfreier Konfliktbearbeitung. Uns Deutschen reichten u.a. historische Friedenskirchen aus den USA die Hand und schafften die Ausgangsbasis für Versöhnungsprozesse und eine langfristige Friedensarbeit, wie die Geschichte des AGDF-Mitglieds ICJA Freiwilligenaustausch weltweit zeigt.

Eine permanente Aufgabe sind eine Szene übergreifende Kooperation und Vernetzung: Die Aktivist*innen von Fridays for Future können von Friedensorganisationen lernen und umgekehrt oder Eine Welt-Initiativen von Aktivist*innen für eine Agrarwende etc. Dies gilt national und natürlich auch international, oftmals verbunden mit der Herausforderung, trotz strukturellem Machtgefälle auf Augenhöhe zu kooperieren. Da haben wir noch viel miteinander zu lernen.

Das Motto der Ökumenischen Friedensdekade 2020 knüpft an die kontroversen Debatten um die Nachrüstung Anfang der 1980er Jahre an. „Umkehr zum Leben“ war die Losung des Deutschen Evangelischen Kirchentages (1983). Angesichts des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 zur atomaren „Nachrüstung“ in Zeiten des Kalten Krieges stand die Friedensfrage im Mittelpunkt des Kirchentages. Damals prägten die lila Tücher mit der Aufschrift „Die Zeit ist da für ein Nein ohne jedes Ja zu Massenvernichtungswaffen“ nicht nur das Bild des Abschlussgottesdienstes. Die Friedensbewegung trug mit zum Ende des kalten Krieges und den nachfolgenden erfolgreichen Abrüstungsverträgen bei – die Verträge, die aktuell gekündigt werden oder auslaufen. So unbefriedigend es auch ist: Frieden fällt nicht vom Himmel, vielmehr bedarf es immer wieder vielfältiger Anstrengungen für eine „Umkehr zum Frieden“. Und Christ*innen sind gewiss: über diese langfristig angelegten Arbeit liegt Gottes Segen.

Gebet für unsere Erde (Papst Franziskus in Enzyklika “Laudato si”)

Gebet für unsere Erde
(zum download)

Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns,
die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen,
zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
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Schlussgebet aus der Enzyklika „Laudato si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ (2015) von Papst Franziskus zum Thema Umwelt und Entwicklung.

DER NARR DENKT NUR AN SICH – Ein Impuls von Dr. Marc Witzenbacher

 

Für ein gutes Klima zu sorgen, das hat sich auch der reiche Kornbauer vorgenommen. Von ihm erzählt Jesus im Lukasevangelium (Lk 12,16-21). Der Abschnitt ist einer der biblischen Texte zum diesjährigen Motto der FriedensDekade „friedensklima“. Der Kornbauer plant Erweiterungsbauten für seine reichen Ernteerträge. Er trifft Vorsorge für die nächsten Jahre, er investiert und schafft Arbeitsplätze. Eigentlich scheint das vernünftig, unternehmerisch vorbildlich. Und doch bezeichnet Gott diesen Kornbauern als „Narr“. Denn noch während er plant, sich an seinen Vorräten gütlich zu tun, wird seine Seele gefordert. Und seine ganzen Bemühungen laufen ins Leere.

Seine Torheit ist die Selbstbezogenheit. Ein gutes Klima, das will der Kornbauer nämlich nur für sich. Er meint, für sich selbst planen, arbeiten und wirtschaften zu können. Dabei geraten seine Umwelt und seine Mitmenschen aus dem Blick. Doch ein gutes Klima kann ich nicht alleine schaffen. Das Klima umfasst mein gesamtes Lebensumfeld, und nicht nur das: mit dem Klima verbinden sich gesellschaftliche, ja globale Zusammenhänge. Wenn ich nur an mich denke, hat das nicht nur für mich Konsequenzen. Wenn wir nur darauf schielen, billige Lebensmittel und preisgünstige Textilien kaufen zu können, leiden Menschen bei uns und an vielen Orten der Welt. Wenn die Wasservorräte in bestimmten Ländern knapp werden, weil sie für unsere Nahrungsmittelproduktion genutzt werden, dann hat mein Alltag ganz konkret mit dem Klima zu tun. Wenn wir schonungslos mit unserem Verkehr und unserer Energiewirtschaft die Erdtemperatur in die Höhe schrauben, dann hat das jetzt schon Folgen für Menschen, deren Dörfer im gestiegenen Meer versinken. Und sehr bald wird es sich auch auf uns auswirken. Verrückte Wetterkapriolen und lange Sommerphasen stören schon jetzt unser vermeintliches „friedensklima“. Aber es drohen zahlreiche Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen um Wasser, um bewohnbare Gebiete und Ressourcen. All das ist Folge einer solchen Selbstbezogenheit, wie sie der reiche Kornbauer im Evangelium an den Tag legt.

Jesus deutet wenige Verse später im gleichen Kapitel des Lukasevangeliums an, wie ein „friedensklima“ erreicht werden kann: „Sucht Gottes Reich; dann wird euch das andere dazugegeben“ (Lk 12,31). Das Ziel unseres Lebens soll das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit sein. Von diesem Ziel her muss sich unser Umgang mit Erarbeitetem und Geerntetem bestimmen, unser Umgang mit den irdischen Gütern, mit der Umwelt und auch mit unseren Mitmenschen. Das bedeutet eben gerade nicht, als Einsiedler ins Gebet versunken der Welt zu entfliehen, sondern im Gegenteil gerade dort anzupacken, wo es am nötigsten ist. Wo wir uns am Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit orientieren, können wir heraustreten aus gott- und menschenvergessener Selbstbezogenheit. Wo wir uns für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, kann Neues wachsen. Wenn wir für alle einen Lebensraum mit gerechten Verhältnissen schaffen, erfahren wir ein „Reich sein bei Gott“ (Lk 12,21), in dem wir unseren eigenen Reichtum mit anderen teilen und uns dann das zufallen wird, was wir zuvor für das Wichtigste hielten. Geld und Besitz machen nicht glücklich, ja sie beruhigen nicht einmal, weil sie keine letzte Sicherheit unseres Lebens garantieren können. Besitz und Wohlstand nehmen uns vielmehr in die Pflicht, damit Sinnvolles zu stiften.

Wer sich wie der reiche Kornbauer nur durch seine eigenen Vorräte durchfuttern will, wird nicht satt, sondern geht am Ende leer aus. Die wahren Schätze tragen wir eben nicht in unseren Händen, sondern in unseren Herzen. Dort entstehen Gedanken des Friedens und der Versöhnung, die andere nicht aus dem Blickfeld verlieren. Die FriedensDekade 2019 ermutigt uns: Wenn wir unsere Selbstbezogenheit verlassen, dann arbeiten wir mit an einem „friedensklima“, das uns allen ein Leben in Frieden und Gelassenheit ermöglicht.

Dr. Marc Witzenbacher, Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland
und Referent für Öffentlichkeitsarbeit in der ACK – Ökumenische Zentrale

(im Februar 2019)

Hochzuckdrohne: Gedanken zum Plakatmotiv (von Peter Herrfurth)

Friedensklima – Plakatmotiv – Hochzuckdrohne
(zum Downlaod hier klicken)

Mein Lieblingsversprecher im Fernsehen war in der Tagesschau: „Von Westen her setzt sich eine Hochzuckdrohne durch.“ Was für ein Lacher! Daran musste ich denken, als ich unser Plakatmotiv gesehen habe.

Hochzuckdrohne – Damals habe ich bei „Drohne“ nur an die männliche Honigbiene gedacht. Sie sammelt keinen Honig, aber sie begattet die Königin. So hat es mir ein alter Imker erklärt. Die Drohne – oder vielleicht muss ich besser sagen: der Drohn – sorgt für Nachwuchs im Bienenstock und hat keinen Stachel. Wie friedlich! Den ganzen Tag lang Liebe machen, Leben schaffen und pazifistisch sein. Leider sind die Bienen und viele andere Insekten durch die industriell-technisierte Landnutzung und den Klimawandel inzwischen stark bedroht.

Ganz anders ist es bei den Drohnen, die im Drohnenkrieg ferngesteuert mit einem explosiven Bombenstachel ihre Ziele erreichen und effektiv vernichten. Die haben rasanten Nachwuchs. Da redet man von „autonom-operierenden Drohnen-Schwärmen“. Doch es sind nicht die Drohnen, die planlos vor sich hin töten. Es sind die Menschen in den Militärzentren hinter den Monitoren. Sie sitzen mit zuckenden Augenlidern an den Steuergeräten. Vormittags sind sie mit Drohnenkrieg beschäftigt, nachmittags holen sie ihre süßen Kleinen aus dem Kindergarten ab.

Ich wünsche mir, dass sich eine friedensklimatische Hochdruckzone durchsetzt. Dass wir mit hohem Druck für ein Friedensklima sorgen, in dem es keine bewaffneten Drohnen mehr gibt, sondern fröhliche Jahreszeiten, friedliche Menschen und summende Bienen. Und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Jes 2,4)

Peter Herrfurth (4.02.2019)
Landesjugendpfarrer der EKM

Weisheit ist besser als Kriegswaffen (von Dr. Marc Witzenbacher)

Das biblische Buch des Predigers spricht mir an vielen Stellen aus dem Herzen. „Alles hat seine Zeit“ (Pred 3,1) erinnert mich daran, den Augenblick zu genießen und in düsteren Momenten nicht die Hoffnung zu verlieren. Lebenspraktisch und hilfreich sind die gesammelten Sprichwörter, manchmal auch schwierig und provokativ. Doch immer geben sie mir etwas zum Nachdenken mit auf den Weg. Hängen geblieben bin ich dieser Tage an Pred 9,18: „Weisheit ist besser als Kriegswaffen; aber ein einziger Bösewicht verdirbt viel Gutes.“

Weisheit meint in den Texten des Alten Testaments das Bemühen, die Wirklichkeit zu ordnen, zu erfassen und zu erklären und sich so in dieser Welt zurechtzufinden. Wer weise ist, weiß um die Regeln, nach denen das Leben abläuft. Wer diese Regeln kennt und beachtet, dem gelingt das Leben. Wer die Regeln bricht, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch seine Umwelt. Weise zu handeln ist nach der Überzeugung des Predigers immer besser, als Waffen zu schmieden und eine kriegerische Lösung von Konflikten erreichen zu wollen. Weisheit weiß um die Bedürfnisse des anderen, sie ist besser als Stärke (Pred 9,16), ja sie erhält das Leben (Pred 7,12).

Doch ähnlich wie es der Prediger in den ersten Kapiteln des Buches wahrnimmt, ist der Blick in die gegenwärtige Situation eher ernüchternd. Man zählt nicht auf die Weisheit, sondern mehr auf die Kriegswaffen. Höhere Rüstungsausgaben werden gefordert, die Kriegs- und Tötungstechnik immer mehr verfeinert. Nimmt man den Tun-Ergehens-Zusammenhang, der in der weisheitlichen Literatur aufgestellt wird, ernst, dann schlägt diese Aufrüstung direkt auf den Menschen zurück: „Die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Mt 26,52). Eine steigende Aufrüstung vergrößert die Gefahr eines Krieges. Und je mehr die Rüstungsindustrie sich auf einen Krieg 3.0 präpariert, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein solcher Krieg auch ausbrechen kann. So einfach ist es und dabei ebenso bedrohlich.

Vor einer solchen realen Gefahr warnt auch der Prediger, wenn er dem einzigen Bösewicht die Vernichtung des Guten zuschreibt. Wir wissen heute darum, wie schnell die Emotionsausbrüche eines Machthabers zu blutigen Konsequenzen für viele Menschen führen können. Wer sich nicht von der Weisheit leiten lässt, verfällt rasch in eine Spirale von Aktion und Reaktion, von Hass und Gewalt. Wir leben immer noch auf einem Pulverfass. Es ist also an der Zeit, wieder mehr Weisheit zu lernen und ihr mehr zuzutrauen als allen Waffensystemen. Unsere Welt braucht die Weisheit, um in Frieden leben zu können. Weisheit könnte beispielsweise bedeuten, friedliche Konfliktlösungen auszubauen und diese auch in den aktuellen Krisenherden dieser Welt einzusetzen. Weise ist, wer auf Atomwaffen verzichtet und aus der Aufrüstungsmaschinerie aussteigt. Weise kann es sein, den Weg zueinander zu suchen und auf Gespräch und Diplomatie zu setzen. Weisheit bedeutet, das Geld für die Erhaltung des Lebens und nicht für dessen Zerstörung auszugeben.

Die FriedensDekade 2018 regt dazu an, mehr Weisheit zu wagen und die Gefahren deutlich beim Namen zu nennen, zu denen eine weisheitsferne Politik führen kann. Alles hat seine Zeit. Jetzt ist die Zeit, aufzustehen und für die Weisheit einzutreten. Denn „der Weisen Worte, in Ruhe vernommen, sind besser als des Herrschers Schreien unter den Törichten“ (Pred 9,17).

Dr. Marc Witzenbacher
Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland
und Referent für Öffentlichkeitsarbeit  in der ACK – Ökumenische Zentrale

Krieg 3.0 oder alles halb so schlimm?

von Jan Gildemeister, Vorsitzender der Ökumenischen FriedensDekade e. V.

2018 vor 400 Jahren: Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Vordergründig ging es um die Frage, welche Konfession sich in Europa durchsetzt. Faktisch ging es um Macht und Einfluss. Söldnerheere zogen brandschatzend durch die Länder.

2018 vor 100 Jahren: Ende des Ersten Weltkrieges. Auch hier ging es um Machtinteressen, die Diplomatie versagte, Freiwilligenheere zerstörten Dörfer und Städte. Giftgas wurde eingesetzt.

2018 vor 70 Jahren: Bildung der UNO, „um künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat“.

2018 vor 70 Jahren: Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen. Dieser positionierte sich eindeutig: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“

Wo stehen wir heute? Befinden wir uns vielleicht schon aufgrund der „Stellvertretungskriege“ in Syrien oder im Jemen, von Terroranschlägen und extralegalen Tötungen durch US-Drohnen in Afghanistan sowie Cyberwar-Attacken im Netz im permanenten Krieg? Oder ist alles halb so schlimm? Schließlich stagniert die Zahl der kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit. Nach dem Heidelberger Konfliktbarometer waren es 2017 20 Kriege (2016: 18) und 385 Konflikte, von denen die Hälfte gewaltsam ausgetragen wurde. Im Großen und Ganzen funktionieren die Institutionen und Mechanismen, die Kriege verhindern sollen, recht gut, oder?

Angst vor einem dritten Weltkrieg oder Verzweiflung angesichts der scheinbar nicht zu stoppenden Kriege in Syrien, im Jemen oder in Mali sind nachvollziehbar, erschweren aber den nüchternen Blick auf das, was kriegstreibend ist und auch auf das, was dagegen bereits unternommen wird und noch verstärkt werden sollte.

In Medienberichten oder in Reden von Politiker*innen wird der Eindruck erweckt, als ob wir zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt sind und uns dagegen militärisch schützen müssen, nur so könne unsere Sicherheit gewährleistet werden. Wer sich mit den Behauptungen näher auseinandersetzt, stellt schnell fest, dass die beste Vorbeugung vor vielen „Bedrohungen“ der Abbau von Ungerechtigkeit und ein besserer Klimaschutz wären. Wenn es um den Schutz vor (militärischer) Gewalt geht, so zeigen wissenschaftliche Studien, dass es u.a. eines Ausbaus der Friedens- und Versöhnungsarbeit, der Diplomatie sowie der Stärkung internationaler Institutionen bedarf – und nicht „mehr Militär“ und neuer Waffensysteme.

Die Tendenz geht heute zu vollautomatischen Waffen. Menschen übernehmen so immer weniger Verantwortung für die Kriegsführung, das Gewissen bleibt auf der Strecke. Versuche auch von Kirchen, diese Entwicklungen zu stoppen, um ein breites ethisches Nachdenken zu ermöglichen, lehnen (u.a.) die NATO-Staaten ab.

Notwendig ist, dass die Bevölkerung besser informiert wird und ein „Wegschauen“ nicht mehr möglich ist. Hier ist jede und jeder gefordert: Ob in persönlichen Gesprächen, durch Diskussionen in (Jugend-)Gruppen oder durch Veranstaltungen im Rahmen der Ökumenischen FriedensDekade: Aufklärung tut not. Hilfreich sind dabei die vielfältigen Angebote und Konzepte der Friedensbildung, wie sie beispielsweise die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden entwickelt hat.

Streit! – Klar positionieren und die demokratische Kultur fördern

Impulstext von Jan Gildemeister (AGDF), unter Beteiligung des Vorstandes der AGDF

Viele sind erschrocken über die Entwicklungen in den letzten Jahren: In der öffentlichen politischen Debatte und im Internet werden Menschen verunglimpft. Wer sich für Geflüchtete und Migrant/innen einsetzt, wird verunglimpft, manchmal auch persönlich bedroht. Es werden Lügen verbreitet und gut recherchierende Medien als “Lügenpresse” beschimpft. Rechtsradikale und Islamisten schrecken nicht vor Anschlägen gegen Menschen zurück. Kurz: Die Würde und Unverletzbarkeit von Menschen, von bestimmten Menschengruppen, wird offen in Frage gestellt. Dies geht an den Kern unserer Demokratie.

(Nicht nur) Christinnen und Christen sollten angesichts dieser Situation dem Ruf des Propheten Jeremia folgen, Recht und Gerechtigkeit zu schaffen (vgl. die biblische Bezugsstelle zum Motto: Jeremia 22,1-5). Es gilt klar Position zu beziehen, Partei zu ergreifen für die Opfer, die Schwächeren und die Menschenrechte. Und zugleich sollten wir uns fragen, was wir selbst dazu beitragen, dass Rechtspopulismus und Gewalt solchen Einfluss in Deutschland gewinnen konnten: Wann haben wir geschwiegen, wenn andere zu Unrecht beschimpft, herabgewürdigt wurden? Wann haben wir denen die öffentliche “Bühne” überlassen, die zu Gewalt gegenüber Fremden auffordern? Wann haben wir weggeschaut, wenn das Asylrecht erneut verschärft oder der militärische Schutz der EU-Außengrenzen verstärkt wurde?

Das Motto der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade “Streit!” fordert auf, meinungsbildend in die öffentliche Debatte einzugreifen. Es gilt – in Nachfolge Jesus Christus -, sich klar und offensiv vor bzw. auf die Seite der Schwachen zu stellen, Unrecht anzuprangern, Lügen aufzudecken und gegen den Abbau von Menschenrechten in Deutschland zu protestieren. .

Zugleich stehen wir vor der großen Herausforderung, in unserer Gesellschaft Gräben zu überwinden, Bedingungen für eine demokratische Streitkultur zu schaffen, die niemanden abhängt und ausgrenzt, und bei der es um eine konstruktive Lösung der vor uns stehenden Probleme geht. Notwendig ist eine inklusive, demokratische, gewaltfreie Debattenkultur, in der alle Meinungen ernst genommen werden, solange sie nicht den Diskurs dazu instrumentalisieren, Menschenfeindliche Positionen zu verbreiten und die Demokratie zu schwächen. Hierzu passt die zweite biblische Bezugsstelle zum Motto, die Ermutigung Jesu an seine Freundinnen und Freunde: „Wer bei Euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“ (siehe die biblische Bezugsstelle zum Motto: Matthäus 20, 20 – 28).

Die Überwindung von Gräbern durch eine demokratische Streitkultur ist umso schwieriger, weil wir in “Parallelgesellschaften” leben, die kaum miteinander im Dialog sind. Hinzu kommt, dass die Informationsbeschaffung immer differenzierter und schwieriger wird: Qualitätsjournalismus leidet unter Einsparungen und wird von Teilen der Bevölkerung diffamiert und Nachrichten im Internet werden i.d.R. nicht überprüft, erweisen sich häufig als “Fake-news”. Die letzte Wahl in den USA zeigt, dass sich angesichts der Transparenz auch Personen-bezogener Daten, die bspw. durch Recherchen im Internet erschlossen werden können, ein Wahlerfolg auch  gezielt beeinflusst werden kann. Wie sollen politische Debatten geführt werden, wenn Positionen auf “post-faktischen” Behauptungen fußen? Hinzu kommt, dass laut einer Emnid Umfrage im Auftrag von “chrismon”, 29% der Deutschen nach eigener Angabe in der Politik nichts versteht.

Es gibt aber auch genügend objektive Gründe, warum Menschen mit der aktuellen Politik nicht zufrieden sein können: wachsende Ungerechtigkeit. vernachlässigte Zukunftsprobleme wie der Klimawandel, eine Macht- und egoistische Interessenpolitik, immer mehr Geld für Rüstung und Militäreinsätze, eine Handels- und Finanzpolitik, die Fluchtursachen anheizt, statt sie zu bekämpfen …. Auch hier sind wir angewiesen, auf eine breite gesellschaftspolitische Suche nach (neuen) Lösungswegen, brauchen Fantasie und wohl auch neue Argumente und Begriffe.

Worauf kommt es also in Zukunft an: Wer angesichts der gesellschaftlichen Lage weg- oder zuschaut, macht sich auch schuldig. Das Motto der Friedensdekade 2017 fordert heraus, nicht passiv zu sein, sondern für Demokratie und Menschenwürde konstruktiv, entschieden und gewaltfrei zu streiten. Wir müssen unsere Argumente verständlich vermitteln, ohne die Komplexität der Realität zu vernachlässigen und unzulässig zu vereinfachen. Die Bedenken und Ängste von Menschen müssen ernst genommen werden. Wir brauchen eine kreative Lösungssuche für die existierenden gesellschaftspolitischen Probleme. Die Friedensbildungsarbeit muss massiv ausgebaut und auf eine breitere Basis gestellt werden. Die Bemühungen u.a. von AGDF-Mitgliedsorganisationen, Methoden in Ziviler Konfliktbearbeitung verstärkt in Deutschland an Orten einzusetzen, wo sich Konflikte abzeichnen oder bereits virulent sind, brauchen staatliche und auch kirchliche Unterstützung. Und schließlich brauchen wir mehr persönliche Begegnungen, sei es durch Internationale Freiwilligendienste, Workcamps, Jugendbegegnungen oder schlicht im Alltag. Erzählungen von Menschen mit anderem kulturellen und religiösen Hintergrund fördern, dass wir beispielsweise Geflüchtete nicht als Zahl, sondern als Menschen wahrnehmen und ihnen gegenüber barmherzig werden. Damit dies gelingt, bedarf es breiter Kooperationen, auch mit Organisationen, die nicht die Mehrheitsgesellschaft repräsentieren wie Selbstorganisationen von “schwarzen Deutschen”, Migrant/innen und derjenigen, die zu uns Geflüchtet sind.

Jan Gildemeister ist Geschäftsführer der AGDF

(Der Impulstext wird veröffentlicht in: Handreichung für Kirchengemeinden zu Friedensdekade 2017 der AGDF

Gerechter Frieden – Ein Impuls von Wiltrud Rösch-Metzler, pax christi

Nach Ansicht der katholischen Friedensbewegung pax christi ist im Vatikan derzeit ein Kurswechsel zu erkennen: Gewaltfreiheit soll wieder einen zentralen Stellenwert erhalten, die Lehre vom gerechten Krieg überwunden und gewaltfreie Praktiken zum Schutz von bedrohten Menschen gefördert werden. Dies betont die pax christi-Bundesvorsitzende Wiltrud Rösch-Metzler in einem Impuls der evangelischen Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) zum Reformationsjubiläum.

So sei pax christi erstmals gemeinsam mit dem Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden Veranstalter einer Konferenz „Gewaltfreiheit und Gerechter Frieden“ im vergangenen Jahr in Rom gewesen, wobei diese Einladung für die katholische Friedensbewegung überraschend gewesen sei, wie Wiltrud Rösch-Metzler einräumt. Ebenso sei erkennbar, dass der Vatikan, anders als über Jahrhunderte hinweg, wo es immer wieder Versuche gab, gerechtfertigte von nicht gerechtfertigten Kriegen zu unterscheiden, nun immer öfter deutlich mache, dass kein Krieg zu rechtfertigen sei.

Den vollständigen Text von Wiltrud Rösch-Metzler, Präsidentin von pax christi Deutschland, können Sie hier nachlesen.

Thesenanschlag im Ghetto – Ein Impuls von Dr. Vincenzo Petracca

Elvis´ Song ist im Pophimmel, Martin Luther King zum amerikanischen Nationalheiligen
verklärt worden, aber die Reise zu einer gerechten und friedlichen Welt ist keineswegs zu Ende. Welche 48 Thesen sollte man heute in einer sozial gespaltenen und militärisch hochgerüsteten Welt anschlagen?

Ein Impuls von Dr. Vincenzo Petracca, Pfarrer der Heidelberger Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz

Unterschriften gegen Kleinwaffen übergeben

4.157 Unterschriften über die FriedensDekade gesammelt

Paul Russmann von Ohne Rüstung Leben und Sprecher der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ übernimmt die Unterschriften der Ökumenischen FriedensDekade von Wiltrud Rösch-Metzler, Redakteurin der Materialien der FriedensDekade.

 

14.02.2017. Die Ökumenische FriedensDekade hat im Jahr 2016 insgesamt 4.157 Unterschriften gegen den Export von Kleinwaffen und Munition gesammelt. Zusammen mit zahlreichen weiteren Unterschriften werden diese in den nächsten Wochen an einen Vertreter der Bundesregierung übergeben.

Von Ampfing bis Zittau und von Coswig bis Breisach hatten sich Friedensgruppen und Kirchengemeinden vom  6.-16. November 2016 an der Unterschriftensammlung beteiligt. Kleinwaffen sind weltweit für mehr Tote, Verletzte und Flüchtlinge verantwortlich als jede andere Waffenart. Die in Genf herausgegebene Studie Small Arms Survey schätzt, dass Jahr für Jahr mindestens eine halbe Million Menschen durch Kleinwaffen zu Tode kommen. Rund zwölf Prozent davon sterben in militärischen Konflikten; der weit überwiegende Teil wird jedoch Opfer staatlicher Verfolgung unter Einsatz von Kleinwaffen oder von Straftaten – z.B. bei Überfällen, Amokläufen oder häuslicher Gewalt.

Deutschland zählt mit den USA und Italien weltweit zu den größten Exporteuren von Kleinwaffen. Abnehmer außerhalb der Europäischen Union und der NATO finden sich im Mittleren Osten (z.B. Katar, Kuwait, Saudi-Arabien), in Südasien (z.B. Indien, Indonesien, Malaysia) und in Südamerika (z.B. Brasilien, Chile).

(von Wiltrud Roesch-Metzler)

Friedensgebet von Bärbel Wartenberg-Potter (Impuls im August 2016)

Am 18.09.2010, anlässlich der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen der Ökumenischen FriedensDekade im Augustinerkloster in Erfurt, beendete Frau Bärbel Wartenberg-Potter (Bischöfin em. Lübeck) ihre damalige Ansprache mit folgendem Gebet:

Mit Franz von Assisi beten wir heute:

Gott, mache mich zum Werkzeug deines Friedens
Dass ich besser lerne  was dem Frieden dient
dass ich mutig bin – wo der Stammtisch spricht
dass ich einfach lebe – wo Verschwendung herrscht
dass ich Demut lerne – ein Geschöpf mit allen
dass ich mich entrüste – wo das Leben leidet.

Gott, mache mich zum Werkzeug deines Friedens
Dass ich demütig bezeuge – nicht im Mittelpunkt,
nicht Hauptsache, Herrscher und Verfüger
im Universum zu sein.
Dass ich DICH, Gott, ehre, verstehe, in mir leben lasse
DU BIST DA befähigend, schaffend, stärkend
Quelle des Lebens
Dass ich Tiere, Pflanzen, Elemente
als deine Boten, als dein Gewand zu sehen lerne.
Gott, mache micht zum Werkzeug deines Friedens,
Frieden auf Erden und Frieden mit der Erde.

Spuren von und zu Kriegen in Deutschland Impuls von Jan Gildemeister (April 2016)

Gedanken von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e. V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), eine der Trägerorganisation der Ökumenischen FriedensDekade, zum diesjährigen Jahresmotto “KRIEGSSPUREN”. In seinem Artikel zeigt Gildemeister Spuren von und zu Kriegen in Deutschland auf.

“Kriegerische Gewalt hinterlässt Spuren – beispielsweise an Gegenständen, wie es auf dem Motiv zur Ökumenischen FriedensDekade 2016 zu sehen ist: Historische Stätten werden ebenso zerstört wie Wohn- und Krankenhäuser oder die Infrastruktur eines Landes. Auch die Natur wird in Mitleidenschaft gezogen. Erschreckender sind aber noch die Spuren bei Menschen, die in Kriegsregionen in Syrien, Libyen, Sudan, Mali oder Afghanistan überleben: Es sind vor allem Zivilistinnen und Zivilisten, die Angehörige und Freunde verlieren, selber verletzt werden und/oder Traumata erleiden.” …

Den vollstänidgen Artikel finden Sie hier zum Download: Spuren von und zu Kriegen

PSALM 126 anno Domini 2016 (Impuls von Gerhard Bemm Oktober 2016)

PSALM 126 anno Domini 2016

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Wann werden wir sein

wie die Träumenden

und unser Mund voll Lachen?

 

Wenn wir die Angst überwinden,

mit der wir uns trennten

von den Menschen nebenan?

 

Wann werden wir sein

wie die Jubelnden

und unser Herz voll Freude?

 

Wenn wir den Neid überwinden,

mit dem wir uns trennten

von den Menschen nebenan?

 

Wann werden wir sein

wie die Siegenden

und unser Sinn voll Dank?

 

Wenn wir den Hass überwinden,

mit dem wir uns trennten

von den Menschen nebenan?

 

Dann werden wir sein

wie die Träumenden,

wenn wir nicht warten

auf den Beginn nebenan.

 

Gerhard Bemm

1989

 

Abschlussrede Ostermarsch Frankfurt Impuls von Wiltrud Rösch-Metzler (März 2016)

Rede von Wiltrud Rösch-Metzler, Bundesvorsitzende von pax christi Deutschland, auf der Abschlusskundgebung des Ostermarsches am 28.03.2016 in Frankfurt/M.

“Wir stehen vor einer neuen Aufrüstungswelle. Das Kabinett will den Militärhaushalt 2017 um knapp 7% erhöhen!  Deutschland gibt in diesem Jahr 36 Milliarden Euro fürs Militär aus. Wir können unser Geld doch vernünftiger ausgeben, Flüchtlinge aufnehmen und integrieren, Schulen, Wohnungen und Infrastruktur verbessern, und weltweit zivile Strukturen und eine gerechte Wirtschaft unterstützen. Das ist doch in unserem Interesse! Ähnlich wie bei der Aufnahme der Flüchtlinge, die Menschen auf der ganzen Welt als humane Geste verstehen und gut finden, würde Deutschland damit ein Zeichen setzen für Verantwortung in der Welt.”

Den vollstänidgen Artikel können Sie hier Rede_Ostermarschabschluss_Frankfurter Römerberg nachlesen.

Kritik an Bundeswehreinsatz in Syrien Dossier von MISEREOR (Januar 2016)

In der Debatte zum Syrien-Einsatz der Bundeswehr im Dezember 2015 warfen einige Politiker denjenigen, die sich gegen den Einsatz aussprachen, vor, dem Nichts-Tun das Wort zu reden. Nichthandeln und Zusehen hätte es lange genug gegeben. Innerhalb von nur einer Woche beschloss der Bundestag unter dem Eindruck der Terroranschläge in Paris einen Bundeswehreinsatz mit Tornado-Militärjets in Syrien. Seit dem 8. Januar fliegt die Bundeswehr “Aufklärungseinsätze” in Syrien.

Das katholischen Hilfswerk MISEREOR kritisierte in einem Mitte Januar 2016 veröffentlichten Positionspapier unter dem Ttiel “Wer Frieden will,  muss vom Frieden her denken!”  MISEREOR-Positionspapier zum Bundeswehreinsatz in Syrien die Politik der Bundesregierung. In dem Papier heißt es u.a.:
„Mit dem 11. September 2001 gewöhnen wir uns mehr und mehr daran, dass einzelne oder Gruppen von Staaten für sich das Recht in Anspruch nehmen, Krieg gegen andere Staaten, halbstaatliche Gruppen oder terroristische Vereinigungen zu führen, auch ohne explizites Mandat nach Kapitel VII der UN-Charta. … Immer wieder nutzen – man könnte auch sagen missbrauchen – einzelne Großmächte ihr Veto-Recht im UN-Sicherheitsrat im eigenen macht- und geostrategischen Interesse. Statt sich an zweifelhaften internationalen Militäreinsätzen zu beteiligen, stünde es der deutschen Politik gut an, sich mit Nachdruck für eine Stärkung – statt der weiteren Schwächung – der UN einzusetzen und sich noch stärker als bisher diplomatisch und humanitär zu engagieren.“

Das vollständige Positionspapier können Sie hier (MISEREOR Postionspapier Syrieneinsatz Bundeswehr) abrufen.

Der pazifistische Dickkopf Impuls von Pfarrer Matthias Gürtler (Feb. 2016)

Militärseelsorge: Pfarrer Matthias Gürtler kritisiert Kooperation zwischen Kirche und Staat

In der Tageszeitung taz erschien am 24.02.2016 ein Artikel über den Pfarrer Matthiar Gürtler unter dem Titel “Der pazifistische Dickkopf”. Pfarrer Gürtler ist voller Stolz auf das am Dom von Greifswald aufgehängte zwei Mal zwei Meter große Logo der Ökumenischen FriedensDekade (Schwerter zu Pflugscharen). Im taz-Gespräch widerspricht der Pfarrer dem Militärbischof der Ev. Kirche in Deutschland, Sigurd Rink, der gesagt hatte: “Die Einsätze der Bundeswehr dienen dem Frieden in der Welt.”

Den vollstänidgen Artikel können Sie unter taz-Artikel zu Militärseelsorge 24_02_2016 nachlesen.

Nachdenkliches zur Kirchentagseröffnung Offener Brief von Werner Dierlamm

Offener Brief

  1. Juni 2015 Fronleichnam, Evangelischer Kirchentag in Stuttgart

Sehr geehrter Herr Landesbischof, lieber Herr July,

gestern Morgen las ich aus dem Kapitel Segen und Fluch, 5. Buch Mose 28,  den ersten Teil der schrecklichen, unerträglich langen Fluchworte, heute Morgen den zweiten Teil.

Gestern fing ich auch an, das Buch  „Entrüstet euch!“ zu lesen, das von Margot Käßmann und Konstantin Wecker herausgegeben wurde. Es enthält auch das Gedicht von Wolfgang Borchert, das er 1947 geschrieben hat: DANN GIBT ES NUR EINS! Der erste Teil des Gedichts ist weithin bekannt. Wenn Menschen in vielen Berufen befohlen wird, an ihrem Ort für die Rüstungsindustrie zu arbeiten, sag NEIN! Der zweite Teil des Gedichts ist viel weniger bekannt. Er beginnt mit den Worten: „Denn wenn ihr nicht Nein sagt, Mütter, dann… Es folgen entsetzliche, unerträgliche Verse über die Folgen eines neuen Krieges, der mit solchen Waffen ausgefochten wird.

Gestern Abend sahen wir, meine Frau und ich, im Fernsehen den Eröffnungsgottesdienst zum Kirchentag auf dem Stuttgarter Schlossplatz, in dem Sie die Predigt hielten.  Am Schluss des Gottesdienstes folgten Grußworte. Das erste Grußwort sprach Bundespräsident Joachim Gauck. Es war offenbar das erste Mal, dass ein Bundespräsident beim Gottesdienst zur Eröffnung eines Kirchentages eingeladen wurde, ein Grußwort zu sprechen. Mir fiel  bei seinen Worten, dass wir auch bereit sein sollen zu „Kampf und Leiden“, sofort ein: „zum Kriegführen und Sterben.“

Heute Nacht ist mir ist plötzlich der Gleichklang der Fluchworte aus dem Alten Testament und der Fluchworte von Wolfgang Borchert aus dem Jahr 1947 bewusst geworden. Es ist die große Sünde der Nationen, besonders aber der Deutschen Nation, dass sie trotz der entsetzlichen Folgen des Ersten und Zweiten Weltkriegs die Produktion der Kriegswaffen, die von neuem maßloses Elend hervorbringen können, nicht beendet haben. Die Rüstungsproduktion wurde bis zum Jahr 2015 fortgesetzt, ja immer weiter entwickelt, und in ihrer verheerenden Wirkung tausendfach verschärft. Heute sind alle Voraussetzungen für einen Dritten Weltkrieg oder Weltbürgerkrieg, ja für den Untergang der Menschheit, auch durch kriegerische Gewalt, gegeben. Es ist vermessen, diese ständig drohende Möglichkeit zu ignorieren.

Bei der Eröffnung des Kirchentags in Stuttgart hat die evangelische Kirche ihren Auftrag verfehlt.  Sie soll ihre politische Verantwortung im Gegenüber zu den staatlichen Mächten wahrnehmen.

Nicht die Huldigung an die Staatsmacht, sondern die dringende Warnung, einen verhängnisvollen Weg fortzusetzen, ist das Gebot der Stunde.

Ihr Werner Dierlamm

Grenzerfahrung Flucht und Migration als Herausforderung und Chance (Feb. 2015)

Von Jan Gildemeister (Geschäftsführer der AGDF)

Flucht und Migration sind keine neuen Entwicklungen, gerade in der Geschichte Deutschlands. Mancher erinnert sich an das Thema Völkerwanderung im Geschichtsunterricht, die Aufnahme von Hugenotten in Preußen, an politische Flüchtlinge vor dem Terror der Nationalisten oder die Anwerbung von “Gastarbeitern” ab den 1950er Jahren. Ursachen für Flucht und Migration liegen in Armut, Ungerechtigkeit, religiöse und ethnische Intoleranz, Kriege oder Umweltkatastrophen, aber auch in ökonomischen Anreizen.

Über 46 Millionen Menschen registrierte das UN-Flüchtlingshilfswerk 2014, davon mussten allein im ersten Halbjahr 2014 5,5 Mio. ihr Zuhause verlassen, davon 1,4 Mio. auch ihr Land. Nur sehr wenige von ihnen fanden den Weg nach Deutschland. Flüchtlinge haben Schreckliches erlebt und konnten zumeist von ihrem Hab und Gut nichts oder weniges retten; sie sind daher auf Hilfe angewiesen. Häufig können sie nicht (so bald) in ihre Heimat zurückkehren.

Für aufnehmende Länder bedeuten Flucht und auch größere Migrationsströme eine Herausforderung. Länder wie der Libanon wurden dadurch politisch und sozial (weiter) destabilisiert und finanziell und von ihrer Infrastruktur und Ökologie her an ihre Grenze gebracht. Aber selbst für reiche europäische Länder ist die (befristete) Aufnahme von Menschen aus anderen kulturellen und religiösen Kontexten eine Herausforderung. Die besteht nicht primär darin, dass die “Neuen” sich an die Mehrheitsgesellschaft anpassen müssen und eine “Willkommensstruktur” nicht nur aus humanen Gründen erforderlich ist, sondern auch um eine Integration zu fördern. Chance und zugleich notwendig ist vielmehr, dass Bestehendes und “Fremdes” zu etwas gemeinsamen Neuen wachsen – wie beispielsweise die Essenskultur in Deutschland sich in den letzten 50 Jahren radikal verändert hat. Es ist auch nicht die Frage, ob der Islam (mittlerweile) zu Deutschland gehört, sondern welche Bedeutung ihm gesellschaftlich und politisch beigemessen wird.

Gesellschaftlich bedeuten Flucht und Migration eine Grenzerfahrung: Sie bieten beispielsweise die Chance, Deutschland zu einem weltoffenen und friedensfördernden Land weiter zu entwickeln. Vielfalt bereichert nicht nur unsere Speisekarte. Und zugleich sind sie eine Herausforderung. Zuwanderende bringen eine andere Kultur mit. Sie eignen sich als Feindbild – auch um von anderen Problemen und deren Ursachen abzulenken. Und zugleich zeigen beispielsweise die Gewalt gegen Muslimen und Juden sowie der islamistische Terror in Frankreich, dass sie ein Konfliktpotential darstellen – auch angesichts einer immer weiter zunehmenden Globalisierung. Polizeistaatliche Mittel sind ungeeignet, dies zu verhindern – bestenfalls können sie es begrenzen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Gesellschaft – auch Religionsgemeinschaften – sich offensiv mit dem Thema auseinandersetzen und die Chancen betonen, ohne die Herausforderung zu banalisieren. Denn es wäre falsch zu ignorieren, dass für westlich geprägte Menschen die Burka oder generell ein anders geprägtes Verhältnis zwischen den Geschlechtern befremdlich ist. Verständnis, Toleranz und Akzeptanz für die Verschiedenheit von kulturellen oder religiösen Gepflogenheiten sind auf beiden Seiten notwendig, aber es gibt auch Grenzen und Regeln, die akzeptiert werden müssen. So muss Gewalt – ob kulturell (z.B.”Fehdemorde”) oder fremdenfeindlich bedingt – konsequent geahndet werden.

Wer sich mit den Ursachen von Flucht beschäftigt, stößt unweigerlich auf die Frage, was wir damit zu tun haben. Die Antwort ist: erschreckend viel. Kleinwaffen aus Deutschland sind ein Exportschlager: Sie sind sehr geeignet zum Einsatz gegen die eigene Bevölkerung und in (Bürger-) Kriegen. Lebensmittelexporte aus der EU zerstören die subsidiäre Landwirtschaft in vielen Ländern und nehmen vielen Menschen die materielle Grundlage. Ungerechte Weltwirtschafts- und Handelsstrukturen halten Länder arm und berauben gerade jungen Menschen ihrer wirtschaftlichen Perspektive. Wie Untersuchungen zeigen, profitiert die deutsche Wirtschaft selbst von jedem Euro, der in die Entwicklungshilfe geht. Die Aufrechterhaltung unseres hohen Lebensstandards führt u.a. zur Ausbeutung von Rohstoffen und zur Umweltzerstörung. Es ist absehbar, dass die Zahl der sog. Klimaflüchtlinge in den nächsten Jahrzehnten rapide steigen wird. Notwendig sind daher radikale Veränderungen, damit die Zahl der Flüchtlinge nicht weiter wächst, sondern sinkt; sowohl auf der persönlichen Ebene, wie in der Politik und Wirtschaft.

Kirchen oder kirchlich Aktive engagieren sich bereits auf verschiedenen Ebenen: Sie protestieren gegen staatliche Willkür gegenüber Flüchtlingen und für ein liberales Asylrecht. Immer mehr Kirchengemeinden gewähren Flüchtlingen ein sog. Kirchenasyl, um sie vor einer Abschiebung in ein (Heimat-) Land zu bewahren, in dem ihnen Gewalt und Verfolgung drohen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft gegen Rechtsextremismus tritt gegen Fremdenfeindlichkeit – ob unter Christ/innen, in der Gesellschaft oder staatlichen Organen – ein. Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen sorgen sich um Flüchtlinge und setzen sich generell für die Würde von den Schwachen ein. Der interreligiöse Dialog bis hin zu gemeinsamer Friedensarbeit wird gefördert. Und auch die Ursachen für Flucht sind im Blick: Ob im Einsatz gegen ungerechte Strukturen oder durch die Förderung von konkreten Projekten und (kirchlichen und zivilgesellschaftlichen) Initiativen für mehr Frieden und Gerechtigkeit vor Ort. Dabei sind auch Mitglieder der AGDF auf den unterschiedlichen Ebenen (mit) engagiert. Von der Bekämpfung von Fluchtursachen wie Rüstungsexporten, über den Einsatz gegen Rassismus bis hin zur Förderung von einem interkulturellen Verständigung.

Migration wird es immer geben, Deutschland ist angesichts der demographischen Entwicklung auf eine Zuwanderung angewiesen. Die Ursachen für Flucht müssen bekämpft werden, zugleich muss leider davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Flüchtlinge sehr hoch bleiben wird. Eine Abschottung mit Gewalt – beispielsweise der EU-Außengrenzen – ist menschenfeindlich. Entscheidend ist daher, wie Staat und Gesellschaft auf Flucht und Migration reagieren. Wir alle können einen Beitrag dazu leisten, dass Herausforderungen bewältigt und Chancen zu einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands genutzt werden.

Ökumenische FriedensDekade sichtbar machen Beispiel: Schaukastengestaltung

Ein gelungenes Beispiel, wie mit einfachen Mitteln auf die Anliegen der Ökumenischen FriedensDekade aufmerksam gemacht werden kann, schickte uns jüngst Frau Sonya Weise aus Karlsruhe.

Wie in den Jahren zuvor hat Sie in Vorbereitung auf die diesjährige Ökumenische FriedensDekade den lokalen Schaukasten gestaltet. Gerne geben wir die Anregung als Impuls an Gemeinden und Initiativen weiter.

Gottesdienstentwurf zum 11. September 10 Jahre nach dem Attentat auf das World Trade Center in New York

Was tun 10 Jahre nach 9/11? Wie predigen an diesem Sonntag?

Einen Gottesdienstentwurf mit Predigtmeditation zum vorgeschlagenen Predigttext Jes. 29, 17 – 24  (12. Sonntags nach Trinitatis) steht im Internet auf der Seite des Zentrums Ökumene www.zentrum-oekumene-ekhn.de zur Verfügung.

Er kann auch telefonisch bestellt werden: 069 / 97 65 18 56.

Der Gottesdienstentwurf und weitere Anregungen zur Gestaltung des Sonntags und der Auseinandersetzung mit den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden erarbeitet von der Pfarrerin für Friedensarbeit im Zentrum Ökumene, Mechthild Gunkel und dem Stadtkirchenpfarrer an St. Katharinen in Frankfurt, Werner Schneider-Quindeau.

Der Gottesdienstentwurf kann auch hier herunter geladen werden:

Impuls_2014_Gottesdienstentwurf_911

Gier Macht Krieg Impulstext zum diesjährigen Motto

Entwicklung einer Perversion

Ich habe ausreichend
Du hast ausreichend
Wir haben ausreichend

Ich will mehr haben
Du willst mehr haben
Wir wollen mehr haben

Ich will mehr haben als du hast
Du willst mehr haben als ich habe
Wir wollen mehr haben als Andere haben

Ich will viel mehr haben als du hast
Du willst viel mehr haben als ich habe
Wir wollen viel mehr haben als Andere haben

Ich will immer noch mehr haben als Andere habe
Du willst immer noch mehr haben als Andere haben
Wir wollen immer noch mehr haben als Andere haben

Ich will mein Hab und Gut geschützt haben
Du willst dein Hab und Gut geschützt haben
Wir wollen unser Hab und Gut geschützt haben

Ich will mein Hab und Gut besser geschützt haben
Du willst dein Hab und Gut besser geschützt haben
Wir wollen unser Hab und Gut besser geschützt haben

Ich will mein Hab und Gut besser schützen lassen als du es kannst
Du willst dein Hab und Gut besser schützen lassen als ich es kann
Wir wollen unser Hab und Gut besser schützen lassen als Andere es können

Ich will mein Hab und Gut besser schützen lassen ohne Rücksicht auf Andere
Du willst dein Hab und Gut besser schützen lassen ohne Rücksicht auf Andere
Wir wollen unser Hab und Gut schützen lassen ohne Rücksicht auf Andere

Wir müssen unser Hab und Gut total schützen lassen
Koste es was es wolle –

von Gerhard Bemm

Gier Macht Krieg oder Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung Impuls zum Motto von Jan Gildemeister

Die Verfasser waren Realisten: Menschen werden in der Bibel immer wieder mit Habgier, Machtgier, Unterdrückung und Gewalttätigkeit in Verbindung gebracht (z.B. Jer. 22,17). Jakobus wirft den Gemeindemitgliedern vor, dass ihre Gier nach Macht, Recht zu bekommen und den eigenen Vorteil zu Streitigkeiten bis hin zu Krieg führt. Damit verbindet er das individuelle Streben mit der gesellschaftspolitischen Ebene.

Ein Blick in die Medien bestätigt die in der Bibel beschriebenen Erfahrungen: Der Bundespräsident wirft den Banken und der Politik vor, aus der Finanzkrise nicht gelernt zu haben. Der GAU beim Atomkraftwerk Fukushima wäre vielleicht nicht passiert, wenn sich mit Atomkraft nicht so große Gewinne – zu Lasten der Allgemeinheit und der Umwelt – erzielen ließen und die staatliche Aufsicht besser funktioniert hätte. Der Aufbruch in Nordafrika bringt ins öffentliche Bewusstsein, dass die westlichen Staaten jahrzehntelang akzeptierten, dass in Ägypten, Tunesien oder Libyen Machthaber ihr Volk unterdrückten, da die wirtschaftlichen Beziehungen florierten und das Erdöl preiswert floss. Fleißig wurden auch von deutschen Firmen Waffen verkauft, die in Libyen zur brutalen Aufstandsbekämpfung eingesetzt wurden. Das FDP-Entwicklungsministerium sorgt sich weniger darum, dass die weltweite Armut bekämpft wird und gewaltfreie Mittel der Konfliktbearbeitung Vorrang bekommen. Nein, Ziel ist es primär, durch das Engagement von China im Streben um den preiswerten Zugang zu Rohstoffen und gute Geschäfte mit häufig undemokratischen Regierungen afrikanischer Staaten nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Die Gier nach Reichtum schlägt sich im kapitalistischen Wirtschaftssystem im Streben von Aktiengesellschaften nach Gewinnmaximierung nieder. Durch Militär sollen Einflusszonen gesichert werden, um letztlich unseren Reichtum zu sichern. Und die Machtlosen, Ärmsten sowie die natürliche Umwelt bleiben auf der Strecke.

Ist dies der Lauf der Dinge? Gibt es dazu keine Alternativen?

Die Verfasser der Bibel sind deutlich: Gier wird verdammt und Gerechtigkeit an die erste Stelle gesetzt. Der „Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ ist quasi die Antiposition zu Gier Macht Krieg. Wer nach Gerechtigkeit strebt, will nicht seinen Reichtum vermehren, wem Mitmenschen und Umwelt am Herzen liegen, der verzichtet auf Streit und extensiven Ressourcenverbrauch. Und die Kirchen fordern, dass sich analog die Prioritäten für Wirtschaftsstrukturen und Politik verschieben. Der Konziliare Prozess wurde vom Ökumenischen Rat der Kirchen Ende der 1980iger Jahre beschlossen und hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Die Dekade zur Überwindung von Gewalt, die im Mai 2011 mit der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation in Jamaika offiziell ihren Abschluss fand und an der sich weltweit viele Kirchen und Gemeinden beteiligt haben, ist eine Konkretion des Konziliaren Prozesses.

Es bleibt die nüchterne Frage: Was hat sich in den letzten 25 Jahren verändert? Ist das Streben nach Gerechtigkeit und Frieden für die Kirchen wichtiger geworden? Gibt es weniger Kriege und mit Waffengewalt ausgetragene Konflikte in der Welt? Geht es den Ärmsten, den Flüchtlingen besser, hat die Umweltverschmutzung abgenommen? Die allgemeine Antwort darauf lautet: Es gibt Fortschritte, aber auch viele Fehlentwicklungen.

Entscheidend ist aber, dass wir als Christinnen und Christen aufgefordert sind, Verantwortung zu übernehmen, für unsere Lebensführung, für unsere Umwelt und für die Gesellschaft. Und da hilft es wahrzunehmen, dass wir nicht alleine auf dem Weg sind. Eine Vielzahl von Initiativen für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung ermutigt und schafft Möglichkeiten, sich konkret zu engagieren. Dazu gehören die 35 Mitgliedsorganisationen der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF).

Durch Kurse der Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion KURVE Wustrow werden Menschen aus aller Welt in ziviler Konfliktbearbeitung praxisnah geschult. Der Oekumenische Dienst Schalomdiakonat in Wethen begleitet von ihm qualifizierte Fachkräfte im In- und Ausland fachlich bei ihrer Konfliktarbeit. Junge und ältere Menschen aus verschiedenen Ländern leisten in mehrmonatigen Freiwilligendiensten von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste einen konkreten Versöhnungsdienst. Über 20 Ausstellungen der Friedensbibliothek / Antikriegsmuseum, Berlin werden in Deutschland, aber auch in benachbarten europäischen Ländern in Kirchen oder öffentlichen Einrichtungen gezeigt und informieren jährlich zigtausend Besucher/innen über Persönlichkeiten, die sich für Verfolgte und Benachteiligte und gegen Krieg eingesetzt haben. Durch Projekte der Aktionsgemeinschaft Friedenswoche Minden setzen sich Schüler/innen beim Bau von Lehmhütten „nebenbei“ mit Fragen von Umweltschutz, Ungerechtigkeit und mit unterschiedlichen Religionsgemeinschaften auseinander. In Workcamps des christlichen Friedensdienstes yap-cfd verbinden Jugendliche aus verschiedenen Ländern die praktische Arbeit für soziale Projekte mit gemeinsamer Freizeitgestaltung und dem inhaltlichen Austausch in sog. Studyparts. Speziell qualifizierte Erzieherinnen tauschen sich initiiert vom Friedenskreis Halle mit palästinensischen Kolleginnen über ihre jeweilige gewaltpräventive Arbeit in Kindergärten aus.

Das Motto der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade legt den Finger in die Wunden, weist auf grundlegend Verkehrtes hin. Zugleich wird deutlich, dass „Gier Macht Krieg“ von Gott nicht gutgeheißen werden und es Alternativen gibt, denen wir Christinnen und Christen verpflichtet sind.

Wer bist Du Ein Text in Anlehnung an Psalm 8 von Gerhard Bemm

PSALM 8 (nicht nur ein Gegenpsalm)

Wer bist DU
in deiner Abwesenheit
DU
dessen Name vergessen wird in allen Landen

In Planquadrate ist die Erde aufgeteilt
die Würde des Menschen
mit einer Verwaltungschiffre verdeckt
preisgegeben
den ideologischen Klischees
und ausgeliefert
der Angst
dem Neid
und der Rachgier des Mächtigeren

Im Dunst der Städte beginnen
vom Nichts gejagt
die Menschen die Reste deines Odems
auszuhusten
an den Folgen ihrer Ausdünstungen
beginnt Natur zu sterben
und Ekel breitet sich aus

Sinnlos ist es geworden
den Erdkreis noch
als Wunder deiner Schöpfung zu bestaunen
denn was verstanden wird
aus sich selbst entstanden zu sein
wird in sich selbst zerbrechen

Du hast den Menschen gehen lassen
nun treibt er sich selbst
wie DU zu werden
er preist seinen selbst gewählten Niedergang

Immer leiser werden die Stimmen
die die Botschaft deines Vermächtnisses
zu bewahren haben
und wir fragen
ob deine Abwesenheit erst beendet
wenn unser Niedergang vollkommen ist

Bist DU noch für uns
in deiner Abwesenheit
DU
dessen Name vergessen wird in allen Landen

Gerhard Bemm