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15. Februar 2003: Die Welt sagt Nein– Über Mut, Gewissen und die Grenzen des Gehörtwerdens

Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert | Folge 3

Ein Artikel der ökumenischen FriedensDekade zum Jahresmotto 2026 „couragiert widerständig“ Das vollständige Porträt steht als PDF zum Download bereit.


15. Februar 2003: Die Welt sagt Nein

Über Mut, Gewissen und die Grenzen des Gehörtwerdens

Es ist Samstag, der 15. Februar 2003. In Berlin ist es kalt. Die Veranstalter hatten mit 80.000 gerechnet, vielleicht 150.000. Es kommen 500.000.¹ Ein Querschnitt, den es so selten gibt: Junge und Alte, Linke und Konservative, Schulklassen und Gewerkschaftsgruppen, Müllwerker und Hochschullehrer, Deutsche und in Deutschland lebende US-Amerikaner. Vom Podium spricht der Theologe Friedrich Schorlemmer: „Wir stehen hier in der großen Ökumene des Friedens.“²

An diesem Tag gehen weltweit zwischen sechs und zehn Millionen Menschen auf die Straße, in über 600 Städten, auf allen Kontinenten. Es ist der 15. Februar 2003. Die größte koordinierte Friedensdemonstration, die die Welt je gesehen hat.³

Fünf Wochen später beginnt der Angriff auf den Irak.

Die Weigerung zu schweigen

Keine zentrale Organisation, keine Führung. Was es gab: eine wachsende Überzeugung, dass dieser Krieg falsch war, und die Bereitschaft, das sichtbar zu machen. Menschen, die noch nie demonstriert hatten. Menschen, die wussten, dass sie wahrscheinlich nichts ausrichten würden, und die trotzdem kamen.

Das ist das Wesen von Zivilcourage: nicht die Gewissheit des Erfolgs, sondern die Weigerung zu schweigen.

Viele trugen eine Erinnerung mit sich, die größer war als der Tag selbst. Der 8. Mai 1945, das Kriegsende, die Befreiung, war für eine Generation noch keine Schulbucherinnerung. Es war die Geschichte ihrer Eltern, ihrer Großeltern. Das „Nie wieder“ hatte gerade in Deutschland eine andere Wucht. Weil die Erinnerung noch körperlich war.

Der Spiegel der Politik

Es gab Regierungen, die Nein sagten. Bundeskanzler Schröder hatte im August 2002 eine klare Linie gezogen. Am Vorabend des Angriffs bekräftigte er in einer Fernsehansprache: „Meine Antwort in diesem Fall war und ist: Nein.“⁴ Frankreichs Präsident Chirac drohte im UN-Sicherheitsrat mit einem Veto. War es Überzeugung? Politisches Kalkül? Wahrscheinlich beides. Diese Frage bleibt offen, und sie ist ehrlicher als jede Glorifizierung.

Auf der anderen Seite standen Geheimdienstberichte, die dem UN-Sicherheitsrat als gesicherte Beweise präsentiert wurden: Massenvernichtungswaffen im Irak. US-Außenminister Colin Powell trug sie vor, mit Satellitenbildern und Abhörprotokollen. Großbritanniens Premier Blair, wie Schröder Sozialdemokrat, stellte sein Land hinter diese Begründung, obwohl eine Million Menschen in London demonstriert hatten.

Was später festgestellt wurde: Die Belege waren falsch.⁵ Powell nannte seine Rede vor den Vereinten Nationen Jahre später den Schandfleck seiner Karriere. Konsequenzen für die Entscheidung selbst? Keine. Zwischen 275.000 und 306.000 Zivilisten starben bis 2019 infolge der Gewalt.⁶

Die Frage, was internationale Rechtsordnung wert ist, wenn Mächtige sie übergehen, stellte sich damals. Sie stellt sich 2026 dringlicher denn je.

Was Gewissen bedeutet, wenn die Stunde kommt

Die Bibel kennt diese Erschöpfung: Menschen, die reden und nicht gehört werden. Jeremia rief zur Umkehr, jahrzehntelang. Jerusalem fiel trotzdem. Aber er sagte es trotzdem. Weil Zeugnis nicht davon abhängt, ob es Erfolg hat. Weil der gerechte Friede eingefordert werden muss. Auch wenn die Mächtigen nicht hören. Gerade dann.

Was uns das heute sagt

Am 8. Mai 2026 gehen Schülerinnen und Schüler bundesweit auf die Straße. Bewusst an diesem Datum: dem Jahrestag des Kriegsendes 1945. Sie sagen Nein zur Wehrpflicht, Nein zu einer Politik, die Milliarden in Aufrüstung lenkt, während Bildung und Zukunft ihrer Generation zur Verhandlungsmasse werden.⁷ Andere Themen als 2003. Eine andere Generation. Dieselbe Geste.

Und ringsum: Kriege in der Ukraine, in Gaza, im Nahen Osten. Seit Ende Februar 2026 werden Militärschläge geflogen, begründet mit einem Atomprogramm, kurz nachdem die zuständige internationale Behörde erklärte, es gebe auf Basis der vorliegenden Informationen keinen Beweis dafür.⁸ Die Parallelen ziehen sich von selbst.

Was Europa antwortet? Vorsichtige Statements. Diplomatische Formeln. Haltung zu zeigen kostet mehr als 2003. Das stimmt. Aber Unübersichtlichkeit war noch nie ein Grund, zu schweigen.

Eine letzte Wahrheit

Der 15. Februar 2003 hat den Krieg nicht verhindert. Und doch haben die Millionen, die damals aufstanden, etwas hinterlassen: einen Maßstab, eine Erinnerung daran, dass es möglich ist, Nein zu sagen, laut, öffentlich, gewaltfrei. Dass es Menschen gab, die nicht geschwiegen haben. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist Zeugnis. Das ist Vermächtnis.

Gerade heute, in einer Welt, in der so viele gleichzeitig Haltung brauchen, brauchen wir diese Erinnerung. Nicht als Erfolgsgeschichte. Als Zeugnis.

Couragiert widerständig, wie die Millionen auf den Straßen vom 15. Februar 2003. Für eine Welt, in der kein Krieg mit falschen Belegen beginnt, und kein Friede mit Schweigen endet.

Quellenangaben

¹ Wissenschaft & Frieden / Universität Antwerpen: Sozialwissenschaftliche Befragung der Berliner Friedensdemonstration vom 15. Februar 2003. wissenschaft-und-frieden.de/artikel/die-friedensdemonstranten/

² Friedensratschlag: Dokumentation der bundesweiten Demonstration gegen den Irakkrieg, 15. Februar 2003. ag-friedensforschung.de/bewegung/15-02-2003/Welcome.html

³ German History in Documents and Images: Demonstration gegen den Irakkrieg (15. Februar 2003). germanhistorydocs.org/de/ein-neues-deutschland-1990-2023/demonstration-gegen-den-irakkrieg-15-februar-2003

⁴ Schröder, Gerhard: Fernsehansprache vom 18. März 2003. Zit. nach: germanhistory-intersections.org

⁵ evangelisch.de: Colin Powells „Schandfleck“-Rede vor 20 Jahren. Januar 2023. evangelisch.de/inhalte/211125/23-01-2023/falschinformationen-zum-irak-colin-powells-schandfleck-rede-vor-20-jahren

⁶ Watson Institute, Brown University: Costs of War Project. watson.brown.edu

⁷ Berliner Zeitung / Netzwerk Friedenskooperative: Schulstreiks gegen Wehrpflicht am 8. Mai 2026. berliner-zeitung.de/article/demonstration-gegen-die-wehrpflicht-tausende-schueler-streiken-am-8-mai-10034940 sowie friedenskooperative.de/aktion/schulstreiks-gegen-die-wehrpflicht-am-8-5

⁸ Bundeszentrale für politische Bildung: Chronik Irans Atomprogramm. Stand April 2026. bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/576705/chronik-irans-atomprogramm/

Geben wir stillschweigend auf, was aus den Trümmern von 1945 entstand?

 81 Jahre Kriegsende: Ein Versprechen und seine Erosion

Am 8. Mai 1945 endete in Europa der verheerendste Krieg der Geschichte. Was die Überlebenden daraus machten, war bemerkenswert. Sie setzten nicht auf Stärke. Sie setzten auf Recht. Die UN-Charta, das Völkerrecht, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, all das entstand in diesem Moment. Nicht aus Idealismus. Aus bitterer Erfahrung.

Die Lehre war einfach und radikal zugleich: Recht vor Macht. Kooperation vor Konfrontation. 81 Jahre später steht dieses Versprechen unter Druck.

Erinnern heißt auch: nachfragen

Der Sammelband Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) nimmt diesen Druck ernst. Er weicht den schwierigen Fragen nicht aus. Was bedeutet Sicherheit heute wirklich? Wer trägt Verantwortung für den Frieden? Und was hat die Generation, die 1945 „Nie wieder“ sagte, uns hinterlassen?

Wer diese Fragen nicht nur im Stillen stellen, sondern durchdenken möchte, findet im Band einen verlässlichen Denkpartner. Das Buch finden Sie aktuell in unserem Webshop.

Eine Ordnung unter Druck

Diese Ordnung ist heute nicht mehr selbstverständlich. Auf der geopolitischen Bühne erleben wir, wie Regierungen und Akteure weltweit die Verhandlungsgrundlage verschieben. Völkerrechtliche Verpflichtungen gelten zunehmend als Hindernis. Konfrontation ersetzt Kooperation. Und wer auf das gemeinsame Regelwerk pocht, wirkt schnell weltfremd.

Das ist keine Kleinigkeit. Es ist eine Umkehrung dessen, was 1945 mühsam errichtet wurde.

Rainer Keil benennt das im Buch „Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten“ ohne Beschönigung. Das Völkerrecht sei eine kostbare Errungenschaft – aber keine stabile. Es funktioniere nur, solange Staaten es gemeinsam tragen. Wo das aufhört, setzt sich die Stärke des Stärkeren durch. Nicht die Stärke des Rechts.

Und was bedeutet das konkret?

Jan Gildemeister zeigt in seinem Beitrag, wie sich diese geopolitische Verschiebung ganz konkret auf Menschen auswirkt. Das geplante Wehrdienstmodernisierungsgesetz senkt die Schwelle für eine Wehrpflicht auch in Friedenszeiten deutlich. Zivile Alternativen kommen in der öffentlichen Debatte kaum vor. Junge Menschen werden nicht gefragt, wie sie Verantwortung übernehmen wollen. Sie haben das Gefühl vor Entscheidungen gestellt zu werden. Auch ein Grund warum heute zum dritten Mal Schülerinnen und Schüler zur Demonstration gegen die Wehrpflicht und für einen gerechten Umgang der Politik mit ihrer Generation auf die Straße gehen.

Das außeracht lassen von zivilen Alternativen ist kein Zufall. Es ist die Konsequenz einer Sicherheitspolitik, die Stärke vor Recht stellt. Die militärische Antworten bevorzugt, bevor zivile Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Was der 8. Mai nicht vergessen lässt

Am 8. Mai 1945 endete etwas Grausames. Nicht langsam, nicht allmählich – sondern mit einer Plötzlichkeit, die Millionen Menschen atemlos zurückließ. Befreiung und Erschöpfung zugleich. Das Ende eines Albtraums, der Europa in Schutt gelegt hatte.

Was diese Generation daraus machte, hatte eine Klarheit, die nur aus gelebter Erfahrung kommt. Sie wussten, wovon sie redeten. Sie hatten gesehen, wohin Macht ohne Recht führt. Wohin Konfrontation ohne Kooperation führt. Und sie bauten – mühsam, unvollkommen, aber entschlossen – eine Ordnung, die genau das verhindern sollte. Institutionen, Verträge, das Völkerrecht. Nicht als Idealismus. Als Konsequenz.

Diese Ordnung steht heute zur Disposition. Nicht durch einen einzigen dramatischen Bruch, sondern durch viele kleine Verschiebungen. Durch Verträge, die nicht mehr eingehalten werden. Durch Institutionen, die ausgehöhlt werden. Durch eine Debatte, in der zivile Lösungen als naiv gelten und militärische Stärke als einzig realistische Antwort.

Was fehlt, ist nicht das Wissen. Es ist die Erinnerung. Die Erinnerung daran, was auf dem Spiel steht und warum es damals so klar war.

Das Motto der FriedensDekade 2026 couragiert widerständig meint genau das. Nicht Widerstand als Ablehnung. Sondern Haltung. Die tägliche Entscheidung, Recht vor Macht zu stellen. Kooperation vor Konfrontation. Auch wenn das unbequem ist. Gerade dann.

Im nächsten Friedensbrief greifen wir den dritten Bereich aus „Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten“ auf: die Kraft der Zivilgesellschaft und was zivile Konfliktbearbeitung weltweit konkret leisten kann.

„Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten“, herausgegeben von Jochen Cornelius-Bundschuh, Jan Gildemeister und Klara Butting, erschienen im Verlag Erev-Rav, ist jetzt in unserem Shop erhältlich.

Wangari Maathai – Bäume pflanzen für den Frieden

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“

„Until you dig a hole, you plant a tree, you water it and make it survive, you haven’t done a thing. You are just talking.“ (Solange du kein Loch gräbst, keinen Baum pflanzt, ihn wässerst und am Leben erhältst, hast du nichts getan. Du redest nur.)

Wangari Maathai (Kenia, 1940-2011) war keine Frau der leeren Worte. Sie war eine Frau der Taten. Über 51 Millionen Bäume hat ihre Bewegung gepflanzt. Für sie war klar: Schöpfungsbewahrung ist Friedensarbeit.

In unserer Reihe „Frauen des Friedens“ zur ökumenischen FriedensDekade 2026 stellen wir Pionierinnen mutiger Widerständigkeit vor. Die ersten drei Frauen (Bertha von Suttner (1843-1914), Sophie Scholl (1921-1943) und Petra Kelly (1947-1992)) standen für Aufbruch. Mit dieser Biografie beginnt der zweite thematische Schwerpunkt: Schöpfung & Gerechtigkeit. Wangari Maathai zeigt, dass Friedensarbeit und Schöpfungsbewahrung untrennbar verbunden sind.

2026 erleben wir verschärfte ökologische Krisen. Entwaldung, Wüstenbildung, Artensterben beschleunigen sich. Der Kampf um Ressourcen wie Wasser und fruchtbares Land wird härter. Besonders der Globale Süden trägt die Hauptlast dieser Zerstörung. Zerstörte Umwelt führt zu Armut, Armut zu Konflikten. Wangari Maathai hat diese Zusammenhänge früh erkannt.

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Mit diesem Kartenset können Sie Mut, Kraft und Unterstützung für andere Menschen pflanzen.

Bäume pflanzen als politischer Akt

1977 gründete Wangari Maathai das Green Belt Movement. Die Idee war radikal einfach: Frauen sollten Bäume pflanzen. Einheimische Arten. Dort, wo sie gebraucht wurden: um Felder, entlang von Flüssen, in erodierten Gebieten.

Was harmlos klingt, war hochpolitisch. Die Wälder Kenias verschwanden nicht zufällig. Holzkonzerne rodeten im Auftrag korrupter Politiker. Öffentliches Land wurde an Günstlinge verkauft. Die Folgen trugen die Ärmsten: Frauen, die immer weitere Wege gehen mussten für Brennholz. Bauern, deren Böden erodierten.

Wenn Frauen Bäume pflanzen, fordern sie nicht nur grüne Landschaft, sie fordern Gerechtigkeit. Jeder gepflanzte Baum war ein Akt des Widerstands gegen ein System, das die Umwelt und die Menschen ausbeutete. Die Frauen bekamen für jeden überlebenden Baum eine kleine Bezahlung. Das gab ihnen Einkommen und Selbstbewusstsein.

Was als kleines Projekt begann, wurde zu einer Bewegung. Bis zu Wangaris Tod hatte das Green Belt Movement über 51 Millionen Bäume gepflanzt. Aber wichtiger als die Bäume waren die Frauen selbst. Sie hatten gelernt: Wir sind nicht machtlos.

 

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Widerstand gegen Korruption

Kenias Präsident Daniel arap Moi (Kenia, 1924-2020) regierte autokratär und korrupt. 1989 wollte er einen 60-stöckigen Wolkenkratzer mitten im Uhuru Park bauen. Wangari Maathai sagte Nein. Öffentlich, laut, unüberhörbar.

Das Regime reagierte mit Hass. Wangari wurde als „verrückte Frau“ diffamiert. Das war ihr Moment des Mutes: Sie wusste, was ihr drohte. Ihre Hände zitterten vielleicht. Aber sie ging trotzdem. Der Wolkenkratzer wurde nie gebaut. Aber Wangari zahlte einen Preis. Sie verlor ihre Professur, wurde mehrfach verhaftet, misshandelt. Ihre Ehe zerbrach. Ihr Mann ließ sich scheiden mit der Begründung, sie sei „zu gebildet, zu stur“. Wangari kommentierte: „Er hatte recht.“

Wurzeln im Glauben

Wangari Maathai wuchs als Katholikin auf. Für sie war Schöpfungsbewahrung ein biblischer Auftrag. In Genesis 2,15 heißt es: „Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.“ Bebauen und bewahren, nicht ausbeuten und zerstören.

Sie sagte: „Die Umwelt ist Gottes Schöpfung. Wenn wir sie zerstören, zerstören wir Gottes Werk.“ Für sie war jeder Baum ein Zeugnis göttlicher Kreativität. Die Erde zu bewahren war für sie Gottesdienst.

Gleichzeitig blieb sie verbunden mit der Spiritualität der Kikuyu. Für die Kikuyu waren Bäume heilig, Orte der Ahnen, Orte der Kraft. Diese spirituelle Verwurzelung gab ihr Kraft. Als sie im Gefängnis saß, betete sie. Als sie zweifelte, ging sie in den Wald und pflanzte einen Baum.

2004 erhielt sie den Friedensnobelpreis als erste afrikanische Frau. Das Nobelkomitee: „Frieden auf der Erde hängt von unserer Fähigkeit ab, unsere natürliche Umwelt zu sichern.“

Was Wangari uns heute sagt

Schöpfungsbewahrung ist Friedensarbeit. Zerstörte Umwelt führt zu Armut, Armut zu Konflikten. Wer die Schöpfung bewahrt, schafft Grundlagen für Frieden. Wangari würde heute fragen: Säen wir Zerstörung oder pflanzen wir Zukunft?

Kleine Taten können Großes bewirken. Ein Baum scheint unbedeutend. Aber 51 Millionen Bäume verändern ein Land. Friedensarbeit beginnt mit dem ersten Schritt.

Frauen sind Friedensstifterinnen. Wangari arbeitete mit Frauen, weil sie wusste: Frauen tragen die Hauptlast von Umweltzerstörung. Aber Frauen haben die Kraft, Dinge zu verändern.

Wangari Maathai hat gezeigt, dass Veränderung möglich ist. Sie hat Samen gesät, im wörtlichen und übertragenen Sinn. Die Bäume wachsen noch heute.


Couragiert widerständig, wie Wangari Maathai. Für eine Welt, in der wir die Schöpfung bewahren.


Fragen zur Reflexion:

Wangari zeigte, dass Umweltzerstörung zu Konflikten führt. Wo sehen Sie den Zusammenhang zwischen Schöpfungsbewahrung und Frieden?

Wangari begann mit dem Pflanzen von Bäumen. Was wäre Ihr „erster Baum“ – eine kleine Handlung zur Bewahrung der Schöpfung?

Wangari wurde verhaftet, verspottet, bedroht. Was würde Ihnen helfen, auch unter Druck an Ihren Werten festzuhalten?


Gebet: Gott der Schöpfung, danke für Menschen wie Wangari Maathai, die die Erde heilten. Lehre uns, Deine Schöpfung zu bewahren. Gib uns Mut, für die Erde einzustehen.
Amen.


Zum Weiterlesen:

  • Wangari Maathai: „Unbowed. A Memoir“ (2006)
  • Wangari Maathai: „The Challenge for Africa“ (2009)
  • Green Belt Movement:greenbeltmovement.org

Frieden braucht Lebensgrundlagen: Wangari Maathai machte deutlich, dass Frieden ohne Gerechtigkeit und ohne den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen nicht möglich ist. Ihr Einsatz für Demokratie, Frauenrechte und Umwelt war ein Weckruf gegen strukturelle Gewalt und Ausbeutung. Wie Frieden als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe verstanden werden kann, greift auch der „Friedensruf der Friedenssynode – Friedensfähig werden!“ im Materialheft zur FriedensDekade 2025 auf (Seite 30). Sichern Sie sich diese praxisnahen Entwürfe im Materialheft 2025 zum Aktionspreis oder Bestellen Sie schon heute das Gesamtpaket im Abo für die Erstlieferung im Juni diesen Jahres.

Yurii Sheliazhenko: Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen unter akuter Bedrohung

Church & Peace und über 100 Organisationen weltweit fordern Schutz für ukrainischen Menschenrechtsverteidiger

Der ukrainische Menschenrechtsverteidiger und Kriegsdienstverweigerer Yurii Sheliazhenko ist in akuter Gefahr, verhaftet und zwangsrekrutiert zu werden. Über 100 internationale Organisationen, darunter unser Mitglied Church & Peace, haben sich in einer gemeinsamen Erklärung vom 23. Januar 2026 an die ukrainische Regierung und die internationale Gemeinschaft gewandt.

Wer ist Yurii Sheliazhenko?

Yurii Sheliazhenko ist Akademiker, Exekutivsekretär der Ukrainischen Pazifistischen Bewegung und Vorstandsmitglied des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung (EBCO) sowie von World Beyond War. Seit 1998 ist er öffentlich erklärter Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen.

Die aktuelle Bedrohung

Sheliazhenko erhielt zu Weihnachten eine Vorladung zur Musterung. Die ukrainischen Behörden, einschließlich des Parlamentarischen Beauftragten für Menschenrechte Dmytro Lubinets, haben schriftlich mitgeteilt, dass es in Kriegszeiten keine Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen in der Ukraine gibt.

Das System der allgemeinen Wehrerfassung wird durch Zwangsmaßnahmen durchgesetzt, einschließlich willkürlicher Verhaftungen und Zwangsüberstellungen zu Einberufungsstellen. Solche Praktiken zwingen Kriegsdienstverweigerer faktisch dazu, gegen ihre Überzeugungen zu handeln, und verstoßen gegen Artikel 18(2) des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR).

Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht

Die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen ist ein Menschenrecht, das in Artikel 18 des ICCPR über Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit verankert ist. Nach internationalem Menschenrechtsstandard gilt dieses Recht sowohl in Friedens- als auch in Kriegszeiten, wie der UN-Menschenrechtsausschuss bestätigt hat. Artikel 4, Absatz 2 des ICCPR erlaubt keine Abweichung von den Verpflichtungen eines Vertragsstaates bezüglich Artikel 18, selbst in Zeiten eines öffentlichen Notstands.

Berichten des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte und des Menschenrechtskommissars des Europarates zufolge wurden bereits mehrere Kriegsdienstverweigerer in der Ukraine gefoltert und inhaftiert.

Die Anklage gegen Sheliazhenko

Sheliazhenko wird nach Artikel 436-2 (2) des ukrainischen Strafgesetzbuches angeklagt, der Strafen von bis zu fünf Jahren Gefängnis und Vermögenseinziehung vorsieht. Der Vorwurf: Er habe durch das Versenden einer pazifistischen Erklärung an Präsident Wolodymyr Selenskyj die „russische Aggression gerechtfertigt“.

Die Erklärung „Friedensagenda für die Ukraine und die Welt“ enthält neben der Unterstützung der UN-Verurteilung der russischen Aggression Aufrufe an alle Konfliktparteien, die Rechte von Kriegsdienstverweigerern zu respektieren und gewaltfreien Widerstand zuzulassen. Sheliazhenkos Haus wurde 2023 durchsucht, sein Smartphone und Computer beschlagnahmt. Er stand bis Februar 2024 unter Hausarrest, das Verfahren dauert bis heute an.

Internationale Aufmerksamkeit

Der Fall Sheliazhenko wurde bereits in einer Mitteilung der UN-Sonderberichterstatter für Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Minderheitenfragen und Religionsfreiheit aufgegriffen. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte erwähnte seinen Fall in einem Bericht über Kriegsdienstverweigerung. Auch Amnesty International hat seinen Fall im Jahresbericht 2023/2024 hervorgehoben.

Was die unterzeichnenden Organisationen fordern

An die ukrainische Regierung:

  • Einstellung der Verfolgung von Kriegsdienstverweigerern, insbesondere von Yurii Sheliazhenko
  • Rücknahme der Anklage wegen angeblicher „Rechtfertigung russischer Aggression“
  • Schutz der Meinungsfreiheit und der Rechte von Kriegsdienstverweigerern im Einklang mit internationalen Standards

An die internationale Gemeinschaft:

  • Sicherstellung, dass Menschenrechtsverteidiger und Friedensaktivisten nicht für ihr Eintreten für Frieden und Gewaltfreiheit kriminalisiert werden
  • Vollständige Umsetzung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung gemäß internationalen Standards
  • Notwendiger Schutz für Kriegsdienstverweigerer gegen Verfolgung in ihren Herkunftsländern, auch durch Asyl

Demokratie braucht Gewissensfreiheit

Die Verletzung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen kann auch demokratische Prinzipien untergraben, die das Überleben einer inklusiven Gesellschaft sichern, anstatt einen Teil der Bürger zu unterdrücken, die beispielsweise Alternativen zur Kriegsführung suchen und unterstützen, um Frieden zu schaffen.

Mehr Informationen:

Die vollständige Erklärung (auf Englisch) mit allen unterzeichnenden Organisationen finden Sie auf der Website des European Bureau for Conscientious Objection (EBCO):


Über Church & Peace:
Church & Peace ist ein ökumenisches Netzwerk für Gewaltfreiheit und Mitglied im Trägerkreis der Ökumenischen FriedensDekade.

Ostermärsche 2026: Termine, Orte & Aktionsmaterial für den Frieden

Die Ostermärsche 2026 stehen bevor. In einer Zeit globaler Aufrüstung und anhaltender Kriege sind sie das wichtigste öffentliche Zeichen für Diplomatie, Abrüstung und Gewaltfreiheit. Während die Ökumenische FriedensDekade im November die spirituelle Basis schafft, bringen die Ostermärsche den Protest seit Jahrzehnten auf die Straße.

Warum sind die Ostermärsche 2026 entscheidend?

Geopolitische Spannungen fordern uns heraus, über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinauszublicken. Die Friedensbewegung setzt 2026 ein klares Statement gegen die Logik des Krieges. Erfahren Sie hier, wo Sie aktiv werden können und welches Material Sie für Ihren Auftritt benötigen.

Friedensbewegung Klassiker auch zu Ostern 2026 "Frieden schaffen ohne Waffen" Friedensdekade
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Die weltweite Verschärfung der geopolitischen Lage sowie die anhaltenden Kriege und Krisenherde fordern uns heraus, über den Tellerrand der eigenen Gemeindearbeit hinauszublicken. Während wir uns in der Ökumenischen FriedensDekade intensiv der spirituellen Friedensarbeit widmen, bieten die Ostermärsche seit Jahrzehnten die Bühne für den öffentlichen, politischen Protest.

Flagge zeigen: „Schwerter zu Pflugscharen“ im Einsatz

Damit Ihre Botschaft auf den Demonstrationen weithin sichtbar ist, bietet unser Webshop das passende Aktionsmaterial. Besonders symbolträchtig ist dabei das Motiv „Schwerter zu Pflugscharen“.

Dieses Symbol hat eine tiefe Geschichte: In den 1980er Jahren wurde es zum Erkennungszeichen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Trotz staatlicher Repressionen trugen mutige Menschen diesen Aufnäher auf ihren Jacken – ein Zeichen für den Wunsch nach einer Welt ohne Waffen. Heute führen wir dieses Erbe fort.

Friedensfahne Schwerter zu Pflugscharen für Ostermarsch 2026 bestellen
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Damit Sie auf den Demonstrationen auch visuell ein klares Statement für Gewaltfreiheit setzen können, weisen wir gerne auf unser Aktionsmaterial hin. Unsere Fahnen, Aufkleber, Pins und Aufnäher mit dem klassischen „Schwerter zu Pflugscharen“-Motiv sind ideale Begleiter für die Märsche und Kundgebungen.

Termine & Startorte: Ostermärsche 2026 in der Übersicht

Hier finden Sie eine Auswahl zentraler Termine. Eine tagesaktuelle Gesamtübersicht aller über 100 Veranstaltungenbietet das Netzwerk Friedenskooperative.

Karfreitag, 03. April 2026

  • Gronau (NRW): Ostermarsch zur Urananreicherungsanlage, 13:00 Uhr Urananreicherungsanage (Haupttor, Röntgenstraße 4) Aufruf mit Infos: https://www.bbu-online.de/Aktionen%20vor%20Ort/Aufruf%20PDF%20OMA%20Gronau%202026.pdf.

  • Bruchköbel (Hessen): Traditioneller Marsch nach Hanau, 10:30 Uhr am Freien Platz.

  • Jagel/Büchel: Mahnwachen gegen Atomwaffen, ab 11:00 Uhr an den Haupttoren.

 

Karsamstag, 04. April 2026 (Zentraler Aktionstag)

  • Berlin: Große Kundgebung, 12:00 Uhr, Karl-Marx-Allee (U-Bhf Schillingstraße).

  • Duisburg/Köln: Auftakt Rhein-Ruhr; Duisburg Hbf 10:30 Uhr; Köln Roncalliplatz 11:55 Uhr.

  • Stuttgart: Zentraler Ostermarsch Südwest, 11:55 Uhr am Schlossplatz.

  • München: Friedensmarsch durch die City, 11:00 Uhr am Marienplatz.

  • Hannover: Start 11:00 Uhr, Aegidientorplatz.

  • Leipzig – Historischer Boden: Auftakt 11:00 Uhr auf dem Nikolaikirchhof. Hier, wo die Montagsgebeten der Friedlichen Revolution ihren Ursprung hatten, ist die Verbindung von Glaube und politischem Handeln bis heute spürbar.

  • Kassel: Zentraler Ostermarsch Nordhessen, 11:00 Uhr ab Hauptbahnhof.

  • Nürnberg: Friedensmarsch, 11:30 Uhr ab Kopernikusplatz.

 

Ostersonntag, 05. April 2026

  • Potsdam: Friedensspaziergang, 14:00 Uhr am Alten Markt.

  • Frankfurt/Main: Fortsetzung des hessischen Ostermarsches, 10:30 Uhr ab Römerberg.

Ostermontag, 06. April 2026

  • Hamburg: Großer Abschlussmarsch, 12:00 Uhr ab Ohlsdorf oder Hauptbahnhof.

  • Müllheim (Baden): Deutsch-Französischer Ostermarsch – eine wichtige regionale Besonderheit, die die grenzüberschreitende Versöhnung in den Fokus rückt. Start 13:30 Uhr.

  • Erfurt: Abschlusskundgebung, 11:00 Uhr am Fischmarkt.

Helfen Sie mit, den Frieden zu wecken

Die Ostermärsche leben von der Vielfalt. Wir laden Sie herzlich ein, die kommenden Feiertage zu nutzen, um Ihre Sehnsucht nach einer gewaltfreien Welt öffentlich zu machen.  Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Passionszeit und kraftvolle Begegnungen bei den Ostermärschen!

Hashtags: #Ostermarsch2026 #Friedensbewegung #KriegVerweigern #SchwerterZuPflugscharen #Friedenskooperative #ÖkumenischeFriedensDekade

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