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Autor: Thomas Oelerich

Wann beginnt der Vorkrieg?

Als Impulstext veröffentlichen wir diese Erklärung des AK-ReligionslehrerInnen im Institut für Theologie und Politik (ITP) von Mitte März zu Aussagen der Bundesbildungsministerin

Wir müssen den Mut haben, den Kindern den Frieden zu erklären!“ (Hermann Steinkamp)

Während des Höhepunktes der nuklearen Aufrüstung Anfang der 1980er Jahre schreibt Christa Wolf die Erzählung „Kassandra“. In ihr stellt sie eine noch immer gültige Frage:

„Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg. Falls es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen, in Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da? Da stünde, unter andern Sätzen: Lasst euch nicht von den Eignen täuschen.“

Der Vorkrieg hat spätestens dann begonnen, wenn von Frieden zu sprechen als Feigheit interpretiert wird, wenn nicht mehr gesagt werden darf, dass ein Weg zu einem Frieden nur über Verhandlungen möglich ist und wenn die einzig denkbare Form des „Friedens“ der Siegfrieden ist. Der Vorkrieg hat auch dann begonnen, wenn die Kriegsrhetorik sich in alle Fasern einer Gesellschaft ausbreitet – auch in die Schulen.

Den Krieg gut vorbereiten?

So müssen auch die Äußerungen der Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger gelesen werden. Sie ordnet den Krieg ein in eine Reihe von weiteren Krisen, Pandemien und Naturkatastrophen, auf die man sich „gut vorbereiten muss“. Die Frage nach den Gründen soll nicht mehr gestellt werden. Erlaubt ist einzig eine reaktive Antwort. Damit aber ist all das, was Bildung ausmacht, preisgegeben worden: zu verstehen! Den „Sorgen und Ängsten“, die bei unseren Schüler*innen auftauchen, muss lediglich „begegnet“ werden. Auch hier geht es um reaktive Eindämmung und Beruhigung und genau damit um Befähigung zum Krieg. Und die Bildzeitung macht am 16. März ganz unverhohlen eine Zusammenfassung: „Bundesbildungsministerin: Lehrer sollen Schüler auf Kriegsfall vorbereiten.“

Stark-Watzinger erntet damit viel Zustimmung (zum Beispiel vom Deutschen Lehrerverband), aber auch Kritik. Manchen geht das, was sie sagt, dann doch zu weit: Die Aussagen irritieren. Aber vielleicht tun sie das gerade deshalb, weil Stark-Watzinger offen ausspricht, was tatsächlich geschieht und so nicht benannt werden soll: dass wir uns schon längst im Vorkrieg befinden.

Lasst Euch nicht von den Eignen täuschen

Dazu gehören auch die Reaktionen auf die Äußerungen von Papst Franziskus: eine Außenministerin, die den Kopf schüttelt („Ich versteh‘s nicht. Also ich verstehe es wirklich nicht. In diesen Zeiten …“). Man hält die weiße Fahne für ein fragwürdiges Bild, man unterstellt, dass der Papst die Kapitulation will und assoziiert Feigheit … In der Öffentlichkeit sind viele Bilder aufgerufen worden. Aber Christa Wolf warnt uns: Lasst euch nicht von den Eignen täuschen!

Papst Franziskus und seinen Worten Feigheit oder Kapitulation zu unterstellen, missinterpretiert den Sinn der weißen Fahne: Sie ist das Zeichen des Parlamentärs, der bereit ist, in Verhandlungen einzutreten. Dies Kapitulation zu nennen, ist eine nachträgliche Interpretation. „Ich glaube, derjenige ist stärker, der die Lage erkennt, der ans Volk denkt und den Mut zur weißen Flagge hat, zum Verhandeln.“ Das ist eine verstehbare Formulierung des Papstes. Sie nicht zu verstehen, nicht verstehen zu wollen oder zu können, zeigt, wie wichtig die Warnung von Christa Wolf ist: Lasst euch nicht von den Eignen täuschen!

Den Kindern den Frieden erklären

Kaum einer der öffentlich zu Rate gezogenen Kriegs- und Militärfachleute vermag noch die anfängliche Zuversicht aufrechtzuerhalten; und die Kriegsparteien so wie alle anderen mittlerweile in den Krieg Verstrickten wissen ganz offensichtlich nicht, wie da ’rauskommen, wie die Logik des Kriegs-Status-Quo verlassen. Die Ausweitung des Vorkrieges in die Schulen wird nicht der Weg sein. Und deshalb können die Überlegungen der Bundesbildungsministerin nur zurückgewiesen werden: Das ist nicht die Aufgabe von Schule und Bildung, von Lehrerinnen und Lehrern!

Inmitten des 30jährigen Krieges unterrichtete und lehrte der Begründer der Didaktik, Jan Amos Comenius. Und er sah es als die vorrangige Aufgabe an, den Krieg aller gegen alle zu beenden. Seine Formel dafür war nicht eine allgemeine Kriegsertüchtigung, sondern „alle alles ganz zu lehren“. Der katholische Pastoraltheologe Hermann Steinkamp hat immer wieder darauf hingewiesen, vor welcher Herausforderung die Pädagoginnen und Pädagogen stehen, vor allem auch, wenn wir Comenius ernst nehmen: Man muss den Kindern den Frieden erklären – um den Vorkrieg zu beenden. Das wäre die Aufgabe von Bildung. Nicht die Herstellung der Kriegstauglichkeit.

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Der Text ist der Website des Instituts für Theologie und Politik (ITP) entnommen: www. itpol.de

IN EIGENER SACHE – Stellenausschreibung

Ausschreibung Honorarauftrag für Fundraising, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit

Seit über 40 Jahren engagiert sich die Ökumenische FriedensDekade für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Sie will einen Beitrag zur Vertiefung des christlichen Friedenszeugnisses leisten und zur friedenspolitischen Willensbildung in Kirchen, Gemeinden und Gesellschaft beitragen.

Getragen wird die FriedensDekade durch ehrenamtlich engagierte Mitglieder des Ökumenischen Gesprächsforums bzw. des ÖFD e.V. als Trägerverein.
Für diese Arbeit sucht der Ökumenische FriedensDekade e.V. Unterstützung im Rahmen eines langfristigen Honorarvertrages im Bereich Fundrasing, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im Umfang von ca. 40 Stunden im Monat ab Dezember 2024, da der Vorgänger aus Altersgründen ausscheidet.

Folgende Aufgaben sind zu erbringen:

Presse und Medienarbeit (u.a. Erstellung von Mitteilungen, Artikeln, Mediaplan, Anzeigenfüllern, Begleitung der SocialMediaArbeit, Weiterentwicklung und Pflege der Adressen und Kontakte).

  • Planung von Marketingaktivitäten zur jährlichen Ökumenischen FriedensDekade.
  • Überarbeitung von Werbematerial/Vorschläge für Neuerungen.
  • Begleitung der Auswahl und Neuentwicklung von Materialien (Angebote), Mitwirkung bei der Preispolitik.
  • Betreuung der Homepage und Aktualisierung im Rahmen eines Relaunches.
  • Ausbau systematischer Kundenbeziehungen (RelationshipMarketing) zusammen mit unserem Versanddienstleister.
  • Dokumentation der Arbeit (Pressemitteilungen, Kontakte, Presse und Kundenverteiler)
  • Teilnahme an den Sitzungen des Gesprächsforums Ökumenische FriedensDekade bzw. der Mitgliederversammlung des ÖFD e.V. (1tägig virtuell, 2tägig in Präsenz im Jahr) und ggf. an temporären Arbeitstreffen.
  • Planung und mitBetreuung von Infoständen bei Kirchentagen.

Damit verbunden ist die Verantwortung für die Zielerreichung im Fundraising und im Marketing.

Ihr Profil:
  • einschlägige Qualifikation und Erfahrungen
  • Kenntnisse über christliches Selbstverständnis und kirchliches Leben, theologische Grundkenntnisse (christlicher Hintergrund)
  • Kenntnisse und Interesse im Bereich der Friedensarbeit
  • Kompetenz in der Anwendung von online Anwendungen (Webseiten, CMS, WordPress)
Wir bieten:

Auf Honorarbasis eine Rahmenvereinbarung für eine auf einen längeren Zeitraum angelegte
Zusammenarbeit mit dem engagierten, multiprofessionellen und multikonfessionellen, wertschätzenden, bundesweit agierenden Team des Gesprächsforums der Ökumenischen FriedensDekade.

Weitere Informationen: https://www.friedensdekade.de/

Wenn Sie diese Aufgabenbeschreibung anspricht und Sie Lust haben, an einem bundesweiten etablierten Projekt der Friedensarbeit aktiv mitzuwirken, dann freuen wir uns auf Ihr Angebot, welches Ihre Kompetenzen anhand einschlägiger Referenzen belegt und Ihren Stundensatz inkl. Mehrwertsteuer beinhaltet. In diesem Stundensatz sollen sämtliche Nebenkosten (Büro und Büroausstattung, Kommunikationskosten etc.) enthalten sein. Reisekosten im Rahmen des Auftrages werden in Anlehnung an Bundesreisekostengesetz zusätzlich erstattet.

Angebote senden Sie bitte per EMail bis zum 1. Juli 2024 an: bewerbung@friedensdekade.de

Wir beabsichtigen 3 bis 5 Anbieter*innen zu einem persönlichen Gespräch einzuladen. Reisekosten für die Gespräche werden in Höhe der Bahnkosten 2. Klasse erstattet. Für Rückfragen können Sie sich gerne an Jan Gildemeister (jan.gildemeister@friedensdekade.de) wende

Happy End? (von Peter Herrfurth, Magdeburg)

Lieber Tatort als Blümchenwiese! Aber wenn schon Blümchenwiese, dann doch wenigstens mit einer verbuddelten Leiche…. Das bringt Quote. Das Böse verkauft sich immer besser. Es ist die alte Weisheit der Presseleute: “Bad news are good news!” Böse Geschichten funktionieren einfach besser. Aber nicht nur im Fernsehen. Sondern auch beim Sprücheklopfen in Kneipen oder bei manchen Reden in den Parlamenten.

Gruselgeschichten gibt da zu hören. Von Kopftuchmädchen und alimentierten Messermännern. Wer‘s glaubt wird nicht selig, sondern manipulierbar. Auch TikTok ist voll mit den Horror-Stories der blaubraunen Ecke. Und weil die Technik dahinter so genial ist, wird nach jeder dieser Storys schon die nächste aus dem gleichen üblen Märchenbuch serviert. Der Algorithmus befeuert die Angst vor Überfremdung und Bevölkerungstausch. Weil ich dort serviert bekomme, was mir schmeckt – und nicht das, was mein Weltbild hinterfragen könnte. Diese Angstmachergeschichten höre ich zweimal und glaube sie beim dritten Mal. Das machen sich Erzähler der extremen Rechten ganz bewusst zu nutze.

Lasst uns andere Geschichten erzählen! Aber nicht nur dort, wo ich in meiner Wohlfühlblase bin. Sondern dort, wo es das offene Wort braucht; das Widerwort; die gute Nachricht; die andere Perspektive. Geschichten vom Miteinander und von guten Lösungen. Geschichten mit Happy End! Hier gibt es gute Geschichten:

https://goodnews.eu

Täglich lösungsorientierte Nachrichten aus deutschen Medien. Wo ärztliche Behandlungsschulden erlassen werden. Oder Frauen in Somalia ihre eigene Fernsehsendung bekommen. Hören wir zu und erzählen es weiter. Good news braucht die Welt für ein Happy End.

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Februar 2024, von Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade

Plakatmotiv für 2024 entschieden

Pressemitteilung

Plakatwettbewerb der Ökumenischen FriedensDekade zum Jahresmotto „Erzähl mir vom Frieden“ entschieden

Bonn, 07.02.2024. Der Gewinner des diesjährigen Plakatwettbewerbs der Ökumenischen FriedensDekade steht fest. Die Jury entschied sich für den Entwurf des Grafikers Manuel Grebing aus Friedrichsdorf. Eine farbenfrohe Zeichnung einer interkulturell zusammengesetzten Gesprächsrunde setzt nach Auffassung der Jury das diesjährige Jahresmotto „Erzähl mir vom Frieden“ in besonderer Weise um. „Es gibt sie, die positiven Geschichten von Menschen, Initiativen und Organisationen, die trotz Krieg und Gewalt mit gewaltfreien Mitteln für den Frieden eintreten und Wege der Versöhnung finden“, formulierte es ein Jurymitglied. „Das ausgewählte Motiv deutet diese Hoffnung und Überzeugung in eindruckvoller Weise und überaus ansprechend an.“ Der prämierte Plakatentwurf wird in der FriedensDekade vom 10. bis 20. November 2024 als zentrale visuelle Erkennungsmarke genutzt.
Aus den 60 eingereichten Entwürfen entschied sich die Jury für den Entwurf von Manuel Grebing aus Friedrichsdorf. Den 2. Platz teilen sich Tobias Zerger aus Marnheim und Sebastian Schmidt aus Obertshausen. Neben dem Druck als Plakat wird sich der Gewinnerentwurf auf allen diesjährigen Arbeits- und Aktionsmaterialien der Ökumenischen FriedensDekade wiederfinden. Die beiden zweitplatzieren Entwürfe werden in einem Postkartenset zur diesjährigen FriedensDekade gedruckt und angeboten. Der Plakatwettbewerb ist mit einem Preisgeld von insgesamt 1.750 Euro ausgestattet.
Unter dem Motto „Erzähl mir vom Frieden“ wollen die Trägerorganisationen der Ökumenischen FriedensDekade, darunter die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), dem Übermaß an negativer Berichterstattung, die von vielen als Überforderung empfunden werde, mutmachende Geschichten sowohl aus Konfliktregionen als auch aus dem gesellschaftlichen wie nachbarschaftlichen Umfeld bei uns in Deutschland entgegenstellen. „Wir müssen nicht kriegstüchtig, sondern in erster Linie friedenstüchtig werden“, lautet der Grundkonsens des Gesprächsforums der Ökumenischen FriedensDekade, der bei der Auswahl des Plakatmotivs zum Ausdruck kam.
„Uns geht es darum, unter dem Motto „Erzähl mir vom Frieden“ an die biblische Hoffnung auf ein gerechtes Leben für alle zu erinnern, auch in schwierigen Zeiten, in denen pazifistische Positionen kaum noch wahrgenommen, ja sogar verunglimpft werden. Die FriedensDekade will Hoffnungsbilder unter die Menschen bringen, will Anregungen geben, Polarisierungen überwinden und Feindbilder in Frage stellen“, betont Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e. V.

 

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Das neue Jahresmotiv kann im Internet (www.friedensdekade.de) in druckfähiger Qualität heruntergeladen werden.
Oder Sie fordern eine druckfähige Vorlage  als jpg- oder pdf-Datei an unter: thomas.oelerich@friedensdekade.de.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Jan Gildemeister (AGDF), 0228/24 999 -13, E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
Thomas Oelerich, Tel. 0173/81 58 627, E-Mail: thomas.oelerich@friedensdekade.de
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