Autor: Thomas Oelerich

„ZUSAMMEN:HALT“ (von Jan Gildemeister, Bonn)

Zusammenhalt fördern ‚Halt‘ rufen bei den Ursachen von Unfrieden

Das Motto der Ökumenischen FriedensDekade 2022 „ZUSAMMEN:HALT“ verbindet verschiedene politische Frage- bzw. Aufgabenstellungen. Während wir eine verstärkte Fragmentierung unserer Gesellschaft, aber auch der Weltgemeinschaft erleben, nehmen die zu bewältigenden Probleme auf nationaler wie internationaler Ebene zu. Um die zentralen Herausforderungen, die weltweite soziale Ungerechtigkeit, die zahlreichen gewalttätig ausgetragener Konflikte und die Zerstörung der Schöpfung bewältigen zu können, braucht es zum einen Zusammenhalt, ein allgemeines Problembewusstsein und ein solidarisches Handeln. Und es braucht ein unüberhörbares „HALT!“. Denn es ist notwendig, bestehende strukturelle Ungerechtigkeiten zu beenden, das maßlose internationale Aufrüsten zu unterbinden und der Umweltzerstörung Einhalt zu gebieten.

 Gesellschaftlichen Zusammenhalt durch konstruktive Konfliktbearbeitung fördern

Für ein friedliches Zusammenleben braucht es Zusammenhalt. Konflikte können zum Spaltpilz werden, vor allem, wenn sie von Populist*innen und Rechtsradikalen angeheizt werden, um die Demokratie auszuhöhlen. In Deutschland gibt es verschiedene Konfliktlinien. Strittig ist der richtige Umgang mit Geflüchteten und Migrant*innen, der Umgang mit aufgrund von Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder anderer Merkmale diskriminierten Gruppen. Damit verbunden geht es auch um die Macht „weißer älterer Männer“, um Ausgrenzung bzw. Inklusion und Partizipation. Andere Konflikte betreffen den Umweltschutz und den Umgang mit der Klimakrise: Wo dürfen Windräder stehen, werden Strom- oder Bahntrassen gebaut? Sind wir im „globalen Norden“ bereit, unseren Ressourcenverbrauch und unseren CO2-Ausstoß massiv zu reduzieren, mit den damit verbundenen Konsequenzen für Gesellschaft, Wirtschaft und jede*n Einzelne*n von uns? Und schließlich hat die COVID-19-Pandemie nicht nur bestehende soziale Defizite stärker ins Bewusstsein gebracht, sondern auch die Fragmentierung unserer Gesellschaft befördert.
Konflikte (und deren Ursachen) zu ignorieren oder zu verschleiern führt zumeist dazu, dass sie früher oder später eskalieren – eine Erfahrung, die wir auch im Alltag machen. Darum ist es wichtig, einen konstruktiven Umgang mit Konflikten zu finden, sie gemeinsam zu bearbeiten und zu transformieren. Während es „im Kleinen“ bereits etablierte Instrumente gibt – beispielsweise bei der außergerichtlichen Mediation oder durch Streitschlichter*innen-Programme in Schulen –, kommen bei gesellschaftlichen oder internationalen Konflikten etablierte Strukturen und demokratische Institutionen an ihre Grenzen und es fehlen vielfach geeignete Programme oder die Anerkennung und finanzielle Förderung vorhandener Instrumente.
Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) setzt sich mit Mitgliedern und befreundeten Organisationen und in der Ökumenischen FriedensDekade (ÖFD) dafür ein, dass zivile Instrumente der Konfliktbearbeitung auch im Inland ein eigenständiges und besser gefördertes Arbeitsfeld werden. Basierend auf erfolgreichen Projekten beispielsweise in der Kommunalen Konfliktbearbeitung sollten das vorhandene Knowhow stärker genutzt sowie die entsprechenden Methoden breiter eingesetzt werden. Ein zentrales Element ziviler Konfliktbearbeitung ist dabei immer, die Beteiligten mit ihren Interessen und Sichtweisen aktiv in die Suche nach Lösungswegen zu beteiligen. Für ihren Erfolg ist es zudem unabdingbar, von staatlicher Seite die von den Betroffenen erarbeiteten Vorschläge zur Konfliktbearbeitung und zur Beseitigung der Konfliktursachen zu berücksichtigen und ernst zu nehmen.

Kooperation und zivile Konfliktbearbeitung weltweit!

Um den Zusammenhalt in der Welt ist es nicht gut bestellt. Viele Krisen verschärfen sich, nationaler Egoismus und kriegerisch ausgetragene Konflikte nehmen zu. Bemühungen um intensivere Kooperationen, Versöhnung, Abrüstung und eine Stärkung internationaler Institutionen wie den Vereinten Nationen haben es schwer. Die neue Koalitionsregierung will sich zwar weltweit für mehr Kooperation und Abrüstung einsetzen, doch es ist mehr als enttäuschend, dass in den Koalitionsvereinbarungen viel über die Bundeswehr und deren Aufrüstung geschrieben steht, der Zivile Friedensdienst (ZFD) hingegen noch nicht einmal Erwähnung findet. Dieses staatlich finanzierte Instrument zur zivilen Konfliktbearbeitung geht auf eine vor 30 Jahren als Konsequenz aus dem damaligen Jugoslawienkrieg gestartete zivilgesellschaftlich und kirchlich getragene Initiative zurück. Bei allen Fortschritten und verbesserter finanzieller Ausstattung des ZFD, die es seit seiner Gründung gab, fehlt offenbar weiterhin der politische Wille, Maßnahmen der Krisenprävention und der zivilen Konflikttransformation Vorrang vor einem militärischen Sicherheitsdenken einzuräumen.

Ursachen des Unfriedens politisch bekämpfen

Angesichts der massiven Fehlentwicklungen weltweit, von der Umweltzerstörung bis zur erneut zunehmenden Armut in vielen Ländern der Welt, ist eines offensichtlicher denn je: Es kann nicht so weitergehen wie bisher. Die Aufrüstung muss beendet, die soziale Ungerechtigkeit als Hindernis für den gesellschaftlichen Zusammenhalt massiv abgebaut und die Ursachen der Klimakrise müssen zeitnah bekämpft werden. Es braucht einen breit getragenen Ruf nach einem „Halt“, einem „so nicht mehr“ – und ein anderes Handeln.

Progressive soziale Bewegungen verbinden ihr Handeln für eine bessere Welt mit einer vielfältigen, offenen und demokratisch strukturierten Gemeinschaft der Aktiven. Die (neuere) Friedensbewegung ist Anfang der 1980er Jahre als Protestbewegung gestartet. Millionen Menschen haben sich Initiativen angeschlossen oder neue gegründet und angesichts der damaligen nuklearen Aufrüstung laut „Halt“ gerufen. Die Verbindung kommt in den letzten beiden Strophen des bekannten Liedes „Sieben Tage lang“ der niederländischen Musikgruppe Bots, deren Texte nach einem Auftritt beim Festival „Rock gegen Rechts“ im Juni 1979 auch ins Deutsche übersetzt wurden, beispielhaft zum Ausdruck: Jetzt müssen wir streiten, keiner weiß wie lang. Ja für ein Leben, ohne Zwang. Dann kriegt der Frust uns nicht mehr klein. Wir halten zusammen, keiner kämpft allein. Wir gehen zusammen, nicht allein.“

Protest und Widerstand entfalten nur solidarisch mit anderen ihre Wirkung. Dabei sollte immer leitend sein, was gesamtgesellschaftlich und auch weltweit (weitgehend) ein Grundkonsens ist: die Einhaltung von Menschenwürde, die Nächsten- und auch Feindesliebe einschließt, die Bewahrung von Menschenrechten, von Partizipationsmöglichkeiten, gegenseitigem Respekt und demokratischen Regeln. Dafür ist unabdingbar: Pauschalisierung und Feindbilder sind kontraproduktiv und abzulehnen, die Diskriminierung Andersdenkender muss überwunden werden und destruktives „Rechthaben-Wollen“ ist alles andere als zielführend. Unrecht muss zwar als Unrecht und auch Täter*innen müssen benannt werden, aber „der Ton macht die Musik“. Gewalt, Lügen oder Verleumdungen dürfen nicht Mittel zur Erreichung eines (angeblich) guten Zwecks werden, wie wir es insbesondere bei rechtspopulistischen Strömungen erleben.

Unsere Gesellschaft, ja die ganze Menschheit braucht dringend Zusammenhalt, damit sie überleben kann. Dafür bedarf ehrlichen Dialog und Verständnis füreinander; zivile, konstruktive Konfliktbearbeitung bietet dafür Methoden und Instrumente. Zugleich aber braucht es Protest, gewaltfreien Widerstand und politische Lobbyarbeit überall dort, wo soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung mit Füßen getreten werden. Beides, Zusammenhalt und der politische Streit, sind Kernanliegen der AGDF, ihrer Mitgliedsorganisationen und der Ökumenischen FriedensDekade mit dem Ziel, Frieden für alle nachhaltig zu gestalten.

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Jan Gildemeister ist Vorsitzender des Ökumenischen FriedensDekade e. V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) mit Sitz in Bonn

 

Schreibwerkstatt für Friedensgebete vom 28.-30. Januar 2022 im Kloster Donndorf/Thüringen

Zu einer Schreibwerkstatt für Friedensgebete lädt die Ökumenische Friedensdekade vom vom 28.-30. Januar 2022 in das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Donndorf in Roßleben-Wiehe/ Thüringen ein. Die Texte und Gebete zum Motto “ZUSAMMEN:HALT” finden Eingang in die Materialien der FriedensDekade, die vom 6.-16. November 2022 von Friedensgruppen und Gemeinden bundesweit durchgeführt wird. (Programm der Schreibwerkistatt)

Informationen über:
Wiltrud Rösch-Metzler
Telefon 07 11 – 2 62 67 20
Infos unter: friedensdekade@roesch-metzler.de

Ausschreibung Aktionswettbewerb zum Motto 2022 “ZUSAMMEN:HALT”

Um das öffentliche Interesse an der Ökumenischen FriedensDekade zu erhöhen und um ihre gesellschafts- wie kirchenpolitische Wirksamkeit zu stärken, suchen wir eine übergreifende Aktionsidee zur FriedensDekade im November 2022 unter dem Motto „ZUSAMMEN:HALT“.

Die Aktion soll von Gruppen und Gemeinden vor Ort umgesetzt werden können: Von Anstößen zu digitaler Aktivität über künstlerische Aktionsideen, vom Aufpeppen traditioneller Mahnwachen-Formaten bis zu Graswurzellobbying oder Unterschriftenaktionen. Der Aufruf zu der bundesweiten Aktion wird nach den Sommerferien an Beteiligte der FriedensDekade versandt und soll im November ein Höhepunkt der Aktivitäten während der Ökumenischen FriedensDekade sein.

Aus den eingegangenen Aktionsvorschlägen wählt das Gesprächsforum der Ökumenischen Friedensdekade eine Aktion als zentrales Aktionselement für die FriedensDekade 2022 aus. Zur Umsetzung der Aktion erstellt die FriedensDekade benötigtes Material und bietet dieses den Kirchengemeinden und Friedensgruppen an.

Für die ausgewählte Aktionsidee lässt die Ökumenische FriedensDekade dem/der Ideengeber/in ein Preisgeld in Höhe von 250 € zukommen.

Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge!

Die vollständige Ausschreibung finden Sie hier als pdf-Datei.

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Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Berthold Keunecke
Tel.: 05221- 14 35 692
aktion@friedensdekade.de

Ausschreibung Plakatwettbewerb

Ökumenische FriedensDekade sucht grafisches Motiv für 2022

Bonn, 13. Dezember 2021. Das Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade hat einen Plakatwettbewerb für die Gestaltung des grafischen Motivs zum Motto 2022 ausgeschrieben. „ZUSAMMEN:HALT“ lautet das neue Motto, unter dem im kommenden Jahr vom 6. – 16. November die 42. Ökumenische  FriedensDekade begangen wird.

Wie in den Vorjahren ist der Wettbewerb mit insgesamt 1.750 € für die besten drei ausgewählten Motive dotiert. Bis zum 28. Januar 2022 können Entwürfe zur grafischen Gestaltung des Jahresmottos eingereicht werden. Am 7. Februar wird die Jury des Gesprächsforums der Ökumenischen FriedensDekade die Auswahl vornehmen. „Wir hoffen wieder auf vielfältige Beteiligung am Plakatwettbewerb und sind zuversichtlich, auch für das Jahr 2022 zahlreiche ansprechende Entwürfe zu erhalten“, sagt Jan Gildemeister, Vorsitzender der Ökumenischen FriedensDekade e. V.

Grafiker*innen, Gestalter*innen und Agenturen ebenso wir Privatpersonen oder Schülerinnen und Schüler sind eingeladen, sich am Wettbewerb zu beteiligen. Rahmenvorgaben, die bei der Gestaltung der grafischen Entwürfe unbedingt zu berücksichtigen sind, sowie Hintergrundtexte zum ausgewählten Jahresmotto „Reichweite Frieden“ finden sich auf den Internetseiten der Ökumenischen FriedensDekade unter www.friedensdekade.de.

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Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.friedensdekade.de.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Wiltrud Rösch-Metzler
Redaktion Ökumenische FriedensDekade
Telefon 07 11 – 2 62 67 20
plakatwettbewerb@friedensdekade.de

 

Motto für 2022 lautet: “ZUSAMMEN:HALT”

Auf seiner Sitzung am 30.11. hat das Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade das Motto für das Jahr 2022 festgelegt.

Es lautet: ZUSAMMEN:HALT

Hier finden Sie die Pressemeldung zum neuen Motto.

 

„ZUSAMMEN:HALT“

 Ökumenische FriedensDekade legt Jahresmotto für 2022 fest

Bonn/Frankfurt, 2. Dezember 2021. Das Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade legte Anfang der Woche das Motto für 2022 fest. Es lautet: „ZUSAMMEN:HALT“. Unter diesem Motto werden im kommenden Jahr an den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag (6. – 16. November) bundesweit mehrere Tausend Gottesdienste, Friedensgebete und Informationsveranstaltungen durchgeführt.

Unter dem Motto „ZUSAMMEN:HALT“ wollen die Trägerorganisationen, darunter die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), auf die Notwendigkeit internationaler Kooperation und einer verstärkten Zusammenarbeit aufmerksam machen. Zusammenhalt ist die Basis dafür, die zukünftigen Herausforderungen gemeinsam angehen und bewältigen zu können. Zu diesen Herausforderungen gehören nach Auffassung der Ökumenischen FriedensDekade in besonderer Weise die Klimakrise (Bewahrung der Schöpfung), die Friedensfrage (internationale Konflikte und Machtkämpfe, Spaltungstendenzen in den Gesellschaften, Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung) sowie die soziale Gerechtigkeit (in Fragen von Welternährung, Flucht und Migration, soziale Schere, Zugang zu sauberem Wasser etc.).

Das Motto „ZUSAMMEN:HALT“ verbindet „zusammen“ durch einen Doppelpunkt mit dem Wort „halt“. Dem Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade ist neben dem Eintreten für gesellschaftlichen Zusammenhalt und internationale Zusammenarbeit zugleich wichtig, zum „Einhalt gebieten“ aufzurufen, beispielsweise für ein Ende der weltweiten Aufrüstung, der Zerstörung der natürlichen Umwelt oder der extremen sozialen Ungerechtigkeit zwischen Ländern des globalen Südens und des Nordens. „Die Corona-Pandemie hat einmal mehr gezeigt, dass die Herausforderungen der Zukunft nur auf globaler Ebene angegangen werden können. Uns ist wichtig mit dem Motto ZUSAMMEN:HALT“ über unseren eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, den weltweiten Zusammenhalt zu fördern und zugleich deutlich „halt“ zu rufen, wo Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung mit Füßen getreten werden.“, sagt Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenischen FriedensDekade e. V.

Die Ökumenische FriedensDekade will auch Anstöße geben, wie die Kirchen, Christinnen und Christen dem biblischen Friedensauftrag angesichts der Herausforderungen gerecht werden können. Ob durch Beiträge für den gesellschaftspolitischen Zusammenhalt oder durch die kritische Begleitung friedenspolitischer Entwicklungen wie Rüstungsexporte, nukleare Teilhabe in der NATO, Erhöhung des bundesdeutschen Verteidigungsetats oder in Fragen autonomer Waffensysteme. Hier fordert die Ökumenische FriedensDekade eine alternative Friedenspolitik ein und ruft zu einem neuen Denken auf, dass das etablierte Sicherheitsverständnis hinterfragt.

Als eine biblische Bezugsquelle wurde aus dem Hebräerbrief Vers 24 in Kapitel 10 ausgewählt: „Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen.“ Aus dem Alten Testament wurde aus dem Buch der Weisheit Vers 7 in Kapitel 1 ausgesucht: „Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis und er, der alles zusammenhält, kennt jede Stimme“.

Im Rahmen eines ausgeschriebenen Plakatwettbewerbs wird die Ökumenische FriedensDekade Anfang Februar 2022 ein grafisches Motiv auswählen, mit dem das Jahresmotto ZUSAMMEN:HALT gestalterisch umgesetzt wird. Das ausgewählte Plakatmotiv wird als zentrales visuelles Element auf allen Bildungs- und Aktionsmaterialien im Jahr 2022 eingesetzt.

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Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.friedensdekade.de.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Jan Gildemeister (AGDF), 0228/24999-13, E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
Thomas Oelerich, Tel. 0173/81 58 627 E-Mail: thomas.oelerich@friedensdekade.de
Trägerorganisationen des Gesprächsforums der Ökumenischen FriedensDekade sind die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) in Bonn und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) mit Sitz in Frankfurt. Weiterhin wirken Vertreterinnen und Vertreter der EKD und evangelischer Landeskirchen, evangelisch-freikirchliche und römisch-katholische Vertreter*innen mit. Weitere Trägerorganisationen sind pax christi, die Arbeitsgemeinschaft der Ev. Jugend (aej), PRO ASYL, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und der Internationale Versöhnungsbund/Dt. Zweig.
Foto: elkm/c. Meyer

„Frieden geht nicht ohne Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“

Ludwigslust (cme). Das Motto „Reichweite Frieden“ stand im Mittelpunkt der diesjährigen Ökumenische FriedensDekade. Beim bundesweit zentralen Gottesdienst am Mittwoch (17. November) in Ludwigslust verwies Pastorin Christine Oberlin in ihrer Predigt darauf, dass es „den Frieden nicht gibt“. Vielmehr habe er viele Gesichter, Farben und Formen. Zugleich betonte die Gemeindepastorin der Evangelisch-reformierten Kirche in Mecklenburg-Bützow: „Frieden geht nicht ohne Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.“

Die vollständige Pressemitteilung des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreise Mecklenburg finden Sie hier.

Friedensfragen im Mittelpunkt – Bundesweiter Start der zehntägigen Ökumenischen FriedensDekade mit Gottesdiensten und Friedensgebeten

Bonn, 08.11.2021. Am gestrigen Sonntag wurde mit zahlreichen Gottesdiensten, Friedensgebeten und Veranstaltungen die diesjährige Ökumenische FriedensDekade begonnen. In den zehn Tagen bis zum Buß- und Bettag (7. -17. November) widmen sich bundesweit Kirchengemeinden, Initiativen und Aktionsgruppen dem Friedensthema. Unter dem Jahresmotto „REICHWEITE FRIEDEN“ wird es Impulse, Anregungen und Forderungen geben, wie ein Beitrag zu mehr weltweitem Frieden, sozialer Gerechtigkeit und zur Bewahrung der Schöpfung geleistet werden kann.

Das Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade, getragen von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF/Bonn) und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK/Frankfurt), hat für die Kirchengemeinden und Friedensgruppen auch in diesem Jahr umfangreiches Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt. In ganz Deutschland wird vom 7. bis zum 17. November unter dem Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ zu Veranstaltungen, Konzerten, Ausstellungen, Andachten und Gottesdiensten anlässlich der FriedensDekade eingeladen.

„Wir sind optimistisch, dass auch in diesem Jahr in ganz Deutschland viele Gemeinden und Gruppen in den zehn Tag der FriedensDekade das Thema Frieden in Hunderten von Veranstaltungen aufgreifen werden. Gerade in der heutigen Zeit, in der das Friedensthema in den Hintergrund zu rücken scheint, ist das wichtiger denn je“, sagt Jan Gildemeister, Geschäftsführer der AGDF und Vorsitzender des Ökumenischen FriedensDekade e.V.

 Unter dem Jahresmotto „REICHWEITE FRIEDEN“ legt die FriedensDekade in diesem Jahr den Fokus darauf, dass Frieden weitaus mehr bedeutet als nur die Abwesenheit von Krieg. Frieden widerstehe jeglichen nationalistischen und rassistischen Tendenzen, fördere und fordere soziale Gerechtigkeit und schließe den dringend erforderlichen Klimaschutz mit ein. „Besonders wichtig ist uns – gerade nach dem Scheitern des militärischen Einsatzes in Afghanistan –, auf die zahlreichen zivilen Alternativen im Umgang mit Konflikten aufmerksam zu machen und von der Bundesregierung mehr finanzielle Ressourcen für diese präventiven Friedensansätze einzufordern“, macht Jan Gildemeister deutlich. Dies sei auch der Grund dafür, warum die Ökumenische FriedensDekade in diesem Jahr Unterschriften für die Zachäus-Kampagne für Steuergerechtigkeit sammelt, die u.a. vom Ökumenischen Rat der Kirchen angeregt wurde.

Erstmals bietet die Ökumenische FriedensDekade mit einer eigenen App (Peace and pray) auf den Social-Media-Kanälen die Möglichkeit an, sich an jedem Tag der Dekade bis zum 17. November einen Gedanken- und/oder Gebetsimpuls herunterzuladen. Dieses neue Angebot geht auf eine Initiative der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland zurück, finanziell gefördert durch den Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland).

Der Organisatoren rechnen auch in diesem Jahr mit mehreren tausend Veranstaltungen im Kontext der Ökumenischen FriedensDekade. Neben den zahlreichen lokalen Angeboten findet am 17. November der zentrale Gottesdienst der diesjährigen FriedensDekade, gestaltet von Vertreter*innen verschiedener Kirchen – evangelisch, katholisch, neuapostolisch, orthodox und reformiert – in der Evangelischen Stadtkirche Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern statt.

Ausführliche Informationen zur Ökumenischen FriedensDekade finden sich im Internet unter www.friedensdekade.de.

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Das diesjährige Jahresmotiv kann im Internet (www.friedensdekade.de) in druckfähiger Qualität heruntergeladen werden.

Oder Sie fordern eine druckfähige Vorlage als jpg- oder pdf-Datei unter thomas.oelerich[at]friedensdekade.de an.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Jan Gildemeister (AGDF), 0228/24 999 -13, E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de

Thomas Oelerich, Tel. 0173/81 58 627 E-Mail: thomas.oelerich@friedensdekade.de

Peace and pray – Handy-App zur Ökumensichen FriedensDekade seit Mitte Oktober online

Die FriedensDekade auf dem Handy oder Tablet: zum Hören, Lesen, Mitbeten, Teilen, Engagieren. Damit Frieden weiter reicht. Die App steht kostenfrei für Android und IOS zum Download zur Verfügung.

Jeden Tag ein Impuls zum Nachdenken als Push-Nachricht und ein Aktionsvorschlag. Dazu eine komplette Liturgie für ein Friedensgebet im Gesprächskreis, der Mitarbeiter*innenandacht bei Diakonie, Kirchenverwaltung oder Schule, wie auch bei den Aktionen im Rahmen der FriedensDekade.

Materialien zur Friedensdekade können unter www.friedensdekade.de bestellt werden. Das bekannte Gesamtpaket mit Arbeitsheft, Gottesdienstvorlagen, Andachtsleporello, Aufklebern, Plakat und Stick ist für 25,80 € bei erhältlich. Einzelbestellungen sind auch möglich.

In der FriedensDekade kommen seit mehr als 40 Jahren Menschen verschiedener Konfessionen zusammen, verbinden sich für zehn Tage im Gebet für den Frieden, machen Friedenshandeln sichtbar.

Die App zur FriedensDekade ist eine Initiative der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens (EVLKS) und der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM). Ermöglicht wurde die Entwicklung und Bereitstellung dieser App durch eine finanzielle Förderung durch den Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD.

Zentraler Gottesdienst in der Stadtkirche Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern)

Ludwigslust (22.20.2021,cme). „Reichweite Frieden“ – unter diesem Motto lädt die Ökumenische FriedensDekade zum bundesweit zentralen Gottesdienst am Mittwoch, 17. November 2021, um 17.30 Uhr in die Evangelische Stadtkirche Ludwigslust nach Mecklenburg-Vorpommern ein.

„Unser diesjähriges Motto wirft die Frage auf, welche gesellschaftlichen und politischen Veränderungen zum biblischen Friedensgedanken auf Erden notwendig sind. Und damit ebenso die ganz konkrete Frage, in welcher Welt wir eigentlich leben wollen, wenn wir es ernst nehmen, Friedensstifter*innen zu sein“, sagt Dr. Marina Kiroudi. Die Theologin aus Frankfurt am Main vertritt die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK Deutschland) im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade, das diese Aktion jährlich vorbereitet.

„Die Predigt wird Pastorin Christine Oberlin halten. Sie ist Gemeindepastorin der Evangelisch-reformierten Kirche in Bützow und beruflich als NDR-Radiopastorin tätig“, so Pastor Albrecht Lotz, der für die Stadtkirchengemeinde Ludwigslust den besonderen Gottesdienst mitgestaltet. „Musikalisch begleiten unsere Kantorin Annegret Böhm und der Jugendchor der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde die Bittstunde um Frieden.“

Überhaupt wird der Ökumenische Gottesdienst durch Vertreter*innen verschiedener Kirchen – evangelisch, katholisch, neuapostolisch, orthodox und reformiert – gestaltet. „Uns allen ist es, angesichts von gesellschaftlicher Polarisierung, der Bedrohung von Lebensgrundlagen sowie anhaltender verbaler wie militärischer Konflikte im internationalen Kontext ein Anliegen, gemeinsam um Frieden zu beten“, so Julika Koch, Referentin für Friedensbildung in der evangelischen Nordkirche, die herzlich nach Ludwigslust einlädt. Der Präsident der Stadtvertretung, Helmut Schapper, werde zudem im Anschluss an den Gottesdienst ein Grußwort halten.

„Zehn Tage am Ende des Kirchenjahres für den Frieden zu beten, über die Wege zum Frieden nachzudenken und Denkanstöße für die Gesellschaft zu geben – das ist bereits seit 40 Jahren das Anliegen der Ökumenischen FriedensDekade“, erinnert Priester Dirk Oertel von der neuapostolischen Gemeinde Ludwigslust. Im Jahr 1980 sei diese von engagierten Christen ins Leben gerufen worden, um für eine Umkehr zum Frieden zu werben und zu zeigen, wie militärische und kriegerische Gewalt Schritt für Schritt überwunden werden kann.

In ganz Deutschland wird vom 7. bis zum 17. November unter dem Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ zu Veranstaltungen, Konzerten, Ausstellungen, Andachten und Gottesdiensten anlässlich der FriedensDekade eingeladen. Raphaela Hellwig von der Katholischen Kirchengemeinde Ludwigslust betont: „Die zehn Tage sollen einen Beitrag zur Vertiefung des christlichen Friedenszeugnisses leisten und zur friedenspolitischen Willensbildung in Kirchen, Gemeinden und Gesellschaft beitragen.“

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ Micha 4.3

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(den vollständigen Pressetext des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreiess Mecklenburg auch hier als pdf-Datei)

 

 

 

 

Friedensappell “Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!”

Im September 2022 kommt die Welt nach Deutschland: Zum ersten Mal wird die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Deutschland stattfinden. In Karlsruhe treffen sich dann die Delegierten von rund 350 ÖRK-Mitgliedskirchen. Sie vertreten über 500 Millionen Christinnen und Christen aus mehr als 120 Ländern.

Zu den Erstunterzeichnenden des Friedensappells gehören die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Prof. Dr. Margot Käßmann, der Liedermacher Konstantin Wecker und der langjährige ÖRK-Generalsekretär Prof. Dr. Konrad Raiser. Initiiert wurde der Appell von der Friedensorganisation Ohne Rüstung Leben, zahlreiche weitere Organisationen und christliche Institutionen, darunter auch die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), eine Trägerorganisation der Ökumenischen FriedensDekade, unterstützen ihn!

Hier finden Sie den vollständigen Appell und die Namen und Institutionen der Erstunterzeichnenden.

 

 

 

Global Prayer!

Eine tolle Aktionsidee wurde von Anke-Maria Büker-Mamy, Pfarrerin der Martinskirche, gemeinsam mit Ehrenamtlichen in Bottrop entwickelt und umgesetzt. Nachdem in der Gemeinde bereits ein Antependium mit dem Symbol der Ökumenischen FriedensDekade für ein den Altar erstellt wurde, hat die Martinsgemeinde im Rahmen einer kulturellen Woche unter dem Motto “Global Prayer” ein spannende Veranstaltung durchgeführt.

Vielleicht eine Anregung für alle, die noch nach Formen und Möglichkeiten suchen, das Jahresmotto “REICHWEITE FRIEDEN”  im Kontext der Ökumenischen FriedensDekade aufzugreifen. Ein Video von der Veranstaltung in Bottrop finden Sie hier.

 

 

 

Steuergerechtigkeit jetzt!

Digitale Auftaktveranstaltung der ökumenischen „Zachäus-Kampagne“ für globale soziale und ökologische Steuergerechtigkeit

Die „Zachäus-Kampagne“ ist eine von zahlreichen ökumenischen Partnern (Ökumenischer Rat der Kirchen, Lutherischer Weltbund, Weltgemeinschaft Reformierte Kirchen und Weltmissionsrat) gemeinsam getragene weltweite Kampagne, die sich unter Bezugnahme auf die biblische Geschichte des Zöllners Zachäus (Lukas 19,1-10) für soziale und ökologische Steuergerechtigkeit einsetzt. Die Kampagne, zu deren Unterstützung die Ökumenische FriedensDekade in diesem Jahr mit einer Unterschriftenaktion aufruft, befasst sich vor allem mit der zunehmenden Ungleichheit innerhalb wie zwischen Staaten sowie der Klimakrise und ihren Folgen insbesondere für den globalen Süden. Sie zielt darauf ab, innerhalb der Kirchen und ihrer Gemeinden das Bewusstsein für ein gerechtes internationales Steuersystem zu stärken und ruft dazu auf, selbst politisch aktiv zu werden.

Am Montag, den 04. Oktober, von 14.00 – 16.00 Uhr, findet eine digitale Auftaktveranstaltung der Kampagne statt (Anmeldung hier bis zum 29.9., Einladung mit Programm hier).

Den “Zachäus-Appell”, gerichtet als Aufruf an die Kirchen, Landeskirchen, Diözesen, Synoden und Katholikenräte, können Sie hier einsehen und die entsprechenden Unterschriftenlisten bestellen.

Ausführliche Informationen zur “Zachäus-Kampagne” finden Sie auf der Website von Kairos Europa.

Und noch ein Hinweis auf einen Studientag zum Thema “Globale Steuergerechtigkeit jetzt! – Die Zachäus-Kampagne der weltweiten Ökumene”, der am 30. November 2020 in der Zeit von 11.00 bis 17.00 Uhr im Großen Saal im Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt/M. stattfindet. Hier finden Sie das Programm.

 

 

Afghanistan – Ein absehbares Debakel

Pressemitteilung des BSV zur Situation in Afghanistan (17.08.2021)

Mit Schrecken blicken wir in diesen Tagen nach Afghanistan. Die Freude über den längst überfälligen Abzug der internationalen Truppen, den die Friedensbewegung seit so vielen Jahren gefordert hat, ist der Sorge um die vielen Menschen gewichen, die jetzt vor den Taliban zu fliehen versuchen und um ihr Leben fürchten. Zu ihnen gehören nicht nur diejenigen, die für das internationale Militär oder für andere staatliche Einrichtungen der Besatzer gearbeitet haben. Zu ihnen gehören auch viele Menschen aus der Zivilgesellschaft – besonders auch die Frauen, die nach dem Ende der Taliban-Herrschaft angefangen hatten, private und berufliche Freiheit für sich zu erobern. Menschen, die sich darauf verlassen hatten, dass der Wandel nachhaltig sein und nicht von heute auf morgen grundsätzlich infrage gestellt würde.

„Es muss deutlich gesagt werden: Der eigentliche Fehler – das eigentliche Verbrechen – war der Überfall auf Afghanistan 2001“, sagt Dr. Christine Schweitzer, die Geschäftsführerin des Bund für Soziale Verteidigung. „Er hat nicht nur über zwei Billionen US-Dollar (1) gekostet, sondern das Leiden der Menschen in Afghanistan verstärkt, Hass gesät und Konflikte unter den Volksgruppen Afghanistans weiter angeheizt. Was jetzt geschieht, ist die Ernte von zwanzig Jahren, in denen man meinte, Toleranz, Akzeptanz grundlegender Menschenrechte und Demokratie durch Gewehre und Drohnen erzwingen zu können.“ Gerechtfertigt wurde der Angriff auf Afghanistan 2001 durch die Attentate des 11. Septembers und die Behauptung der Geheimdienste, dass Bin Laden von der Taliban-Regierung unterstützt und versteckt werde. (In Klammern: Gefunden und ermordet wurde er von USTruppen dann allerdings in Pakistan.) Der Preis war immens: Es wird geschätzt, dass zwischen 2001 und 2021 mindestens 38.000 Zivilist*innen in dem Krieg getötet wurden; eine andere Quelle spricht von 78.000. Wie viele afghanische Kombattanten auf Seiten der Taliban und anderer Milizen ums Leben kamen, wird nicht genannt; bei Polizei und Militär der afghanischen Regierung wird von jährlich 10.000 gesprochen; bei den internationalen Truppen gab es rund 3.000 Opfer insgesamt.(2)

Der Truppenabzug nach 20 Jahren war überfällig. Es war abzusehen, dass es die Taliban sein würden, die das entstehende Gewaltvakuum füllen würden. Über die Korruption in der Regierung und die schwankenden Loyalitäten bei den insbesondere auch von Deutschland mit immensem Aufwand (3) ausgebildeten afghanischen Sicherheitskräften wusste man doch schon seit Jahren. Hat man wirklich geglaubt, dass sie die Taliban militärisch in Schach würden halten können? Und, wenn über kurz oder lang sowieso von ihrer Niederlage ausgegangen wurde, warum hätten sie erst noch verlustreiche Kämpfe führen sollen? Dass die Evakuierungen der sog. Ortsmitarbeiter und ihrer Familien so spät begann, ist ein Vorwurf an die Bundesregierung. „Einmal mehr scheint es, dass die deutsche Innenpolitik, insbesondere die Sorge unserer Politiker*innen vor einer neuen Welle von Geflüchteten, die Politik leitete. So hat man, als noch Zeit gewesen wäre, die Ausreise von denjenigen, die während der Besatzung für die Deutschen gearbeitet haben, verschleppt“, meint Schweitzer. „Jetzt haben diejenigen, die nicht in Kabul, sondern in einer der Provinzen leben,
überhaupt keine Chance mehr, zu fliehen; und ob es denjenigen gelingt, die das Privileg haben, in Kabul zu sein, werden die nächsten Tage zeigen.“

Die Drohung von Außenminister Maas von letzter Woche, dass die deutsche Regierung Kabul die Mittel für den zivilen Wiederaufbau streichen werde, sofern die Taliban die Macht übernähmen, wirkt genauso hilflos wie unsinnig. Es geht hier nicht um Hilfe an die Taliban. (In Klammern: Sie haben indirekt schon genug Hilfe bekommen – viele Waffen gelangten von den westlichen Länder in ihre Hände, wie schon seit spätestens 2009 bekannt ist.(4) Es geht um Hilfe für die Menschen in Afghanistan. Sie wird nicht dadurch weniger wichtig, dass jetzt eine neue Regierung das Sagen hat, so sehr man deren Politik und Ausrichtung auch ablehnen mag. Dass verschiedene internationale und deutsche Hilfswerke das Land nicht verlassen und anscheinend auch in den Regionen, die von den Taliban kontrolliert werden, weiter arbeiten können, ist hier eine ermutigende Information (5), ebenso wie das Weitersenden des TV-Senders TOLO-News. Angesichts der Herrschaft der Taliban vor 2001 ist es schwierig, Vertrauen in ihre Erklärungen zu haben, dass sie Kollaborateure mit den internationalen Truppen nicht verfolgen würden und dass alle Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens – ausdrücklich auch die weiblichen – ihre Arbeit weiter tun sollten. Aber sie sollten auch nicht unbesehen verworfen werden. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob den Worten auch Taten folgen. In der Zwischenzeit ist es wichtig, die Situation sorgfältig zu beobachten und Informationen gründlich zu prüfen, auch um Gerüchten oder bewussten Falschmeldungen, die lanciert werden könnten, entgegenzuwirken.

(1) Allein den USA. Siehe https://watson.brown.edu/costsofwar/figures/2021/human-and-budgetarycosts- date-us-war-afghanistan-2001-2021; https://www.tagesspiegel.de/politik/kriegskosten-3-2-billionen-dollar/4339124.html. Die deutschen Kosten bezifferte die Bundesregierung im April 20021 auf 12,5 Milliarden Euro. Siehe https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/verteidigung-kosten- 101.html
(2) https://www.france24.com/en/live-news/20210706-the-war-in-afghanistan-by-the-numbers. https://watson.brown.edu/costsofwar/costs/human/civilians/afghan spricht von 78.000. Die Zahl des afghanischen Militärs stammt von Winfried Nachtwei (ARD-Brennpunkt).
(3) Allein 80 Milliarden gaben die USA für die Ausbildung aus, siehe Foreign Policy vom 16.8.21.
(4) Siehe https://www.gao.gov/assets/gao-09-366t.pdf und René Heilig im Neues Deutschland, 13. Oktober 2009 (http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Bundeswehr/pistolen.html
(5) Siehe die Interviews mit Stefan Recker von Caritas International in Kabul, die in den vergangenen beiden Tagen publiziert wurden, zum Beispiel: https://www.domradio.de/themen/caritas/2021-08- 16/wir-arbeiten-ja-nicht-fuer-die-taliban-caritas-international-will-programme-unter-taliban . Auch Ärzte ohne Grenzen bleiben laut einer Meldung von ap vom 16.8. im Lande.

(Die Stellungnahme des BSV zur dramatischen Situation in Afghanistan ist der Homepage der AGDF entnommen)
https://friedensdienst.de/aktuelles/erklaerung-zur-situation-afghanistan-des-bund-fuer-soziale-verteidigung-bsv

FRIEDENSDEKADE GEHT MOBIL – Die APP zur ÖKUMENISCHEN FRIEDENSDEKADE

Die Ökumenische FriedensDekade immer dabei: in der Jacke, in der Hosentasche, auf dem Schreibtisch … Ein kurzer Impuls für jeden Tag, ein Vorschlag für eine konkrete Aktion oder ein tägliches Friedensgebet. Alles an einem Ort und schnell griffbereit: die App zur FriedensDekade.

Mein Mobiltelefon ist mittlerweile meine ständige Begleiterin. Eine hervorragende Ratgeberin, Informations- und Inspirationsquelle. Es macht mir das Leben oftmals einfach leichter. Für fast
alle Lebenslagen hat es eine App. Ganz egal, ob ich eine Zugverbindung suche, eine Sprache lernen oder ein Hörbuch hören möchte. Mein Mobiltelefon kennt Übungswege für Achtsamkeit und Spiritualität. Jeden Morgen zeigt es mir die tägliche Losung an. Selbst eine Morgen-, Mittag- oder Abendandacht hat mein Telefon jeden Tag neu für mich parat. Um diese für mich allein oder auch in Gemeinschaft mit anderen zu feiern.

In der Passions-, Oster, Advents- und Weihnachtszeit lädt es mit einem kurzen täglichen Impuls zum Innehalten ein. Nur während der ökumenischen FriedensDekade, da war mein Mobiltelefon
bisher merkwürdig still. Das soll sich ändern. Seit über vierzig Jahren feiern Menschen die FriedensDekade, verbinden sich für zehn Tage im Gebet für den Frieden, machen Friedenshandeln sichtbar. In der Begegnung, im persönlichen Austausch – ganz analog. Doch die Welt um uns verändert sich rasant. Heute gehört die Online-Kommunikation für die meisten von uns zum Alltag. Die digitale Welt bietet wunderbare Möglichkeiten, sich inspirieren zu lassen, auszutauschen, mit anderen Menschen zu verbinden. Damit eröffnen sich auch für die Ökumenische FriedensDekade ganz neue Chancen, Menschen zu erreichen, Denkanstöße für ein friedliches Miteinander zu geben und zum Handeln zu inspirieren.

Mit einer App wird das Material des Ökumenische FriedensDekade e. V. nun auf digitalem Weg ergänzt. Sie macht das Engagement für den Frieden mobil: ein täglicher Impuls zum Nachdenken
als Push-Nachricht und ein Aktionsvorschlag für jeden Tag. Dazu eine komplette Liturgie für ein tägliches Friedensgebet. Ganz einfach verfügbar, an jedem Ort. So wird es Friedensengagierten
leichter gemacht, eine Andacht zu feiern, sich gemeinsam unter dem Motto „Reichweite Frieden“ zu verbinden. Ob im Gesprächskreis der Kirchengemeinde, der MitarbeiterInnenandacht bei Diakonie, Kirchenverwaltung oder Schule, wie auch bei den verschiedenen Aktionen im Rahmen der FriedensDekade. Zudem wird sicherlich auch das Erzählen von der FriedensDekade und vor
allem die Einladung zum Mitmachen durch die App leichter werden. In den letzten Jahren ist es mir immer öfter passiert: sprach ich von der FriedensDekade, wusste mein Gegenüber nicht
so recht, worüber ich rede. Irgendwie schien diese aus dem Bewusstsein vieler Menschen schleichend entschwunden zu sein. Gern und mit Begeisterung habe ich dann erzählt. Doch zum Mitmachen einzuladen? Das fiel mir nicht immer leicht. Mit der App zur FriedensDekade habe ich nun eine Einladung immer zur Hand.

Vom 7. bis 17. November in diesem Jahr habe ich die FriedensDekade immer mit dabei. In meiner Jackentasche. Als Impuls zum Anhören auf dem Weg ins Büro, für eine Andacht in der Gemeinde, dem Pflegeheim, im Kreis der KollegInnen … Die FriedensDekade auf dem Handy, Tablet oder im Web: zum Hören, Mitbeten, Teilen, Engagieren. Einfach herunterladen. Damit Frieden weiter reicht.

Nutzen Sie dieses Angebot. Die App zur FriedensDekade ist ab dem 15. Oktober 2021 in allen App-Stores herunterladbar.

von JENS LATTKE
(Leiter des Lothar-Kreyssig – Ökumenezentrums und Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland)

Die App zur FriedensDekade ist eine Initiative der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens (EVLKS) und der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM). Ermöglicht wurde die Entwicklung und Bereitstellung dieser App durch eine finanzielle Förderung durch den Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD.

„Dass Gott Frieden schafft, indem er die Logik der Gewalt überwindet, gilt oft als anstößig.“

von Christine Busch (Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)

 

Liebe Freundinnen und Freunde!

Der blaue Planet liegt unter einem Netz von Flugbahnen. Weiße Friedenstauben sind in alle Richtungen unterwegs. Ihnen ist kein Weg zu weit, selbst unwirtliche Gegenden wie die Arktis und die Antarktis liegen auf ihrer Bahn. Im Weltkugel-Logo der Friedensdekade 2021 steckt das Bild eines universalen Friedens: einerseits als Aufgabe und Ziel für die Weltgemeinschaft und für unsere eine Erde, und andererseits als Zeichen für Gottes uraltes Versprechen eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Gottes Friedensreich liegt vor uns, und doch ist seine Wirklichkeit schon jetzt zu spüren! Denn Gottes Friede braucht immer Hände und Füße, Herzen und Verstand von Menschen, die sich in ihrem Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und den Schutz der Schöpfung nicht beirren lassen. Wo sie dafür arbeiten, das Leben friedlicher und gerechter, solidarisch und zukunftsfähig zu machen, sind sie auf Gottes Spuren unterwegs. Solche Friedensarbeit, die Gerechtigkeit und Frieden in einer unlösbaren Beziehung versteht, ist eine Daueraufgabe. Sie lebt davon, dass sich Menschen und Verhältnisse durch sie verändern. Sie ist ein dynamischer Prozess, der langen Atem braucht und in der Regel nicht spektakulär daherkommt. Auf diesem Wege ist die Ökumenische FriedensDekade ein Knotenpunkt: zehn Tage des Nachdenkens, des Austauschs und der Ermutigung. Friedensboten aus Gemeinden, professionelle Friedensarbeiterinnen, phantasievolle Künstlerinnen bringen ihre Geschichten und Erfahrungen, ihre Vorstellungen und Ideen mit. Die FriedensDekade ist eine nun 41 Jahre alte, unbegrenzte „Fortsetzungsgeschichte“ und eine für die AGDF unverzichtbare ökumenische Plattform. Die AGDF und ihre Mitgliedsorganisationen sind eine Stimme des Friedens in Kirche und Gesellschaft. Inspiriert von Gottes Schalom, sprechen sie lebensfeindliche, gewaltförmige Strukturen offen und kritisch an; sie bestehen auf dem Vorrang des Zivilen, auf Prävention und dem Weg der Gewaltfreiheit.

Aktiv tritt sie für Gerechtigkeit und die Einhaltung der universalen Menschenrechte ein. Ihre Arbeit hat interkulturelle und interreligiöse Dimensionen, besonders im Dialog mit Menschen, die andere Praktiken des Glaubens und der ethischen Vergewisserung leben. Vor allem erweist sich die präventive Arbeit der Friedensbildung und der Qualifizierung als Schlüssel auf dem Weg zu einer Kultur, in der Konflikte gewaltfrei gelöst werden. Dass diese Arbeit der AGDF und ihrer Mitglieder seit langem politisch gefördert wird, zeigt ihren Stellenwert für die Gesellschaft. Diese Erfahrung zieht sich durch dieses Heft. Sie ist der Cantus Firmus für alle Überlegungen im Blick auf Reichweiten des Friedens, auf deren Messbarkeit und Nachweisbarkeit. Sie impliziert auch die Begrenztheit unseres Handelns: der neue Himmel und die neue Erde, in der Gerechtigkeit und Friede sich küssen, liegen noch vor uns. Unsere Welt ist noch nicht befreit. Wir stehen in der Verantwortung, sie friedlich und lebensdienlich zu gestalten, indem wir uns an dem gewaltfreien Friedenshandeln Jesu Christi ausrichten. Die Maximen der Bergpredigt, Gewalt zu lassen und Feinde zu lieben, sind keine ausgewogenen oder in Reichweiten zu bemessenden biblisch-ethischen Grundsätze. Ihre politische Anschlussfähigkeit wird auch im kirchlichen Bereich angefragt. Dass Gott Frieden schafft, indem er die Logik der Gewalt überwindet, gilt oft als anstößig. Wer aber das eigene Handeln an dieser Friedenslogik orientiert, nimmt die Herausforderung an, sich diesem Ziel Schritt für Schritt zu nähern, selbst wenn es letztlich unerreichbar ist. „Die Kirche muss und darf den Frieden als ethischen Anspruch im Sinne der Bergpredigt absolut setzen, auch wo dies in weltlicher Logik als Torheit erscheint“, heißt es in einem landeskirchlichen Beschluss. Kirchliche Friedensarbeit in diesem Sinn ist eine prophetische Stimme von erstaunlicher Reichweite – und sie ist praxistauglich, lebensnah und vor allem für junge Menschen attraktiv. Sie bedeutet einen unermesslichen Mehrwert für das Zusammenleben, für die Gesellschaft und für internationale Beziehungen.

40 Jahre FriedensDekade standen im Jubiläumsjahr 2020 unter dem Motto „Umkehr zum Frieden“. Das diesjährige Thema „Reichweite Frieden“ wirkt eher nüchtern, bilanzierend, technisch und spröde angesichts einer verwundeten Schöpfung und einer gequälten Welt. Die Klimakrise, die systemische wirtschaftliche Ungerechtigkeit, zunehmende Auswüchse von Populismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, aber auch die digitale Revolution erfordern Antworten. Die COVID-19-Pandemie hat die Zerrissenheit der Gesellschaft verdeutlicht und Verwundbarkeiten aufgedeckt. Solidarität wurde in Frage gestellt; Abgrenzung oder Konkurrenz haben individuelles und politisches Handeln regiert. Wir stecken in einer Ausnahmesituation, für die es keine Analogien gibt. Wo der Krisenmodus Jo-Jo-Effekte her-vorbringt, entstehen große Vertrauensverluste. Welche Themen und Aufgaben werden angesichts der Pandemie zurücktreten oder auf der Strecke bleiben? Wie werden friedenspolitische Forderungen in diesem Superwahljahr 2021 aufgenommen, z.B. in Bezug auf die Rüstungsexportkontrolle, den Atom-waffenverbotsvertrag, die Krisenprävention und die zivile Konfliktbearbeitung, die Auslandseinsätze der Bundeswehr, die Lage von Geflüchteten, die Situation von Minderheiten? Wird es gelingen, die not-wendigen gesellschaftspolitischen Debatten fair und tiefgründig zu führen? Die kirchliche Friedensarbeit kann mit Methoden der gewaltfreien Konfliktbearbeitung dazu beitragen. Sie bietet an Fähigkeiten einzuüben, um in einer immer vielfältigeren Gesellschaft friedlich, tolerant und achtsam miteinander zu leben. Dass ihre Angebote auch Menschen erreichen, die in den Kirchen nicht zu Hause sind, die einen anderen oder keinen Glauben haben, zeigt ihre Dialogfähigkeit und ihre Bedeutung für die Zivilgesellschaft. Der blaue Planet unter dem Flugbahnennetz der Friedenstauben ist ein gutes Symbol auch für die gegenwärtige Ökumene. Diese ist Institution, Struktur und Bewegung zugleich. Gerechtigkeit, Frieden und sichtbare Einheit sind ihre Ziele. Die ökumenische FriedensDekade trägt Jahr für Jahr verlässlich dazu bei, dass wir auf diesem Weg gemeinsam vorankommen. Herzlichen Dank!

(entnommen der Handreichung der AGDF zur Ökumenischen FriedensDekade 2021)

Einfaches Formular für Email-Bestellungen erstellt

Wie in den Vorjahren hat die Ökumenische FriedensDekade erneut ein Bestellformular für Sie angelegt, über das Sie Ihre Bestellung auch per E-mail an uns weiterleiten können, sollten Sie nicht direkt über den Online-Shop bestellen wollen. Sie laden sich das Formular hier herunter, füllten es aus und schicken es über einen Klick auf den Button unten rechts auf direktem Weg über Ihr Email-Programm an uns weiter. Viel einfacher geht es nicht!

Leiten Sie das Formular gerne weiter!

Außerdem lässt sich das Formular, das ganz einfach heruntergeladen werden kann, wunderbar an Kolleg*innen, Bekannte und Freund*innen weiterleiten, die sich für die Ökumenische FriedensDekade interessieren könnten. So helfen Sie mit, die Ökumenische FriedensDekade bekannter zu machen. Herzlichen Dank!

Friedenspolitische Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl

Friedens- und entwicklungspolitische Organisationen haben gemeinsam friedenspolitische „Wahlprüfsteine“ erarbeitet. Diese umfassen einen Katalog mit konkreten Fragen, die Politiker*innen gestellt werden können, die sich um ein Bundestagsmandat bewerben.

Es geht in der nächsten Legislaturperiode darum, ob Deutschland immer mehr Mittel in militärische Optionen investiert oder stattdessen Instrumente stärkt, die zur Prävention von Gewalt und zu nicht-militärischen, gewaltfreien und nachhaltigen Wegen aus Konflikten beitragen.

Die Wahlprüfsteine sind eine Hilfestellung für all diejenigen, die Ihre Bundestagskanditat*innen für die Wahl im September 2021 nach ihren friedens- und sicherheitspolitischen Vorstellungen befragen möchten. Die Wahlprüfsteine helfen außerdem, in den Wahlkreisen, Kommunen, Kirchengemeinden und Initiativen friedens- und sicherheitspolitische Diskussionen vorzubereiten und durchzuführen. Stellen Sie Ihren Kandidat*innen Fragen zu deren friedenspolitischen Vorstellungen.

Die Wahlprüfsteine werden von diesen Organisationen herausgegeben:

  • Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)
  • Brot für die Welt, dem Bund für Soziale Verteidigung e. V.
  • Church and Peace – Europäisches Friedenskirchliches Netzwerk
  • Forum Ziviler Friedensdienst e. V. (forumZFD)
  • Ohne Rüstung Leben e. V.
  • pax christi – Deutsche Sektion
  • Plattform Zivile Konfliktbearbeitung
  • Initiative „Sicherheit neu denken

Wahlprüfsteine zum Download

 

„REICHWEITE FRIEDEN“ (von Jan Gildemeister, Bonn)

Das Motto der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade erschließt sich nicht sofort, vielmehr mag es den einen oder die andere zunächst irritieren. Und das ist mit dem Motto auch beabsichtigt; es soll zum Nachdenken anregen. Es spielt mit den drei Worten Reich – Weite – Frieden und nutzt zudem einen Begriff, der aus den Natur- und empirischen Sozialwissenschaften bekannt ist: Reichweite. Was also verbirgt sich hinter dem Motto „Reichweite Frieden“?

Das Reich Gottes steht im Kontrast zu dem, was wir oftmals als Ergebnis des menschlichen Handelns erleben müssen. Und zugleich ist der Frieden Gottes trotz bewaffneter Gewalt, Ungerechtigkeit, Rassismus und Zerstörung der natürlichen Umwelt bereits Realität und weltweit zu finden und aufzuspüren – wie im Himmel, so auf Erden, im Kleinen wie im Großen. Und es braucht uns und alle anderen Menschen guten Willens, damit der Frieden an (Reich-)Weite gewinnt.

Die Reichweite von Raketen, (bewaffneten) Drohnen oder Gewehrkugeln lässt sich berechnen. Es lässt sich feststellen, wo Rüstungsgüter aus Deutschland weltweit zum Einsatz kommen und welchen tödlichen Schaden sie anrichten. Auch die offensichtlichen Wirkungen von Bundeswehreinsätzen oder die Ergebnisse „technischer“ Entwicklungszusammenarbeit wie der Bau von Brunnen oder Solaranlagen sind sichtbar – die unerwünschten Folgen allerdings bleiben uns oftmals verborgen.

Aber wie lässt sich die Reichweite von Frieden oder von Friedensarbeit generell ermitteln? Frieden wird durch und für Menschen gemacht: Durch Bildungs- und Versöhnungsarbeit, durch Aufklärung und Informationsvermittlung, durch Demonstrationen, Petitionen und gewaltfreie Aktionen, aber auch durch Gottesdienste und Friedensgebete wird versucht andere zu einem Engagement für den Frieden zu bewegen.

Frieden – Schalom – umfasst dabei auch die Bewahrung der Schöpfung. Wenn wir die natürliche Umwelt respektieren und ihr den Raum geben, den sie benötigt, schützt uns dies auch vor Pandemien. Die Reichweite des Schalom beinhaltet auch Gerechtigkeit. Wenn Menschen weltweit kostenlosen Zugang zu Sozial- und Gesundheitssystemen haben, lassen sich die katastrophalen Folgen von Pandemien weitaus einfacher begrenzen.

Die Wirkung einzelner Friedensaktivitäten und Projekte lässt sich über definierte Kriterien messen: Wie viele Personen nahmen an einer Veranstaltung teil oder unterzeichneten eine Petition? Die Wirkung internationaler Freiwilligendienste, die interkulturelles, globales Lernen und Völkerverständigung fördern wollen, wurde vielfach wissenschaftlich untersucht. Es wurden positive Wirkungen bei den einzelnen Freiwilligen, ihrem sozialen Umfeld, aber auch bei den als Träger, Partner oder Einsatzstellen involvierten Organisationen festgestellt. Die Evaluation des Programms Ziviler Friedensdienst, gestartet im Jahr 1999 und getragen von neun deutschen Friedens- und Entwicklungsorganisationen gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen, erwies 2012 den sichtbaren Nutzen dieses Instrumentes der zivilen Konfliktbearbeitung.

Durch Evaluierungen lässt sich aber die Reichweite des Friedensengagements nicht in Gänze erfassen. Wissenschaftler*innen untersuchen im Nachgang von Konflikten, was die Ursachen für „friedliche Revolutionen“ oder das Ende eines bewaffneten Konfliktes waren. Aufgrund der Komplexität und der dynamischen Entwicklungen dieser Ereignisse sind die Schlussfolgerungen aus den Forschungsergebnissen aber in vielen Fällen eher allgemeiner Natur. Eindeutige Ursachenzuordnungen sind in der Regel nicht möglich.

Nahezu unmöglich ist es herauszufinden, ob durch spezifische Aktivitäten von sozialen Bewegungen, Organisationen oder (staatlichen) Institutionen verhindert wurde, dass ein gesellschaftlicher oder zwischenstaatlicher Konflikt nicht in Gewalt mündete, sondern friedlich geschlichtet und konstruktiv bearbeitet wurde.

Die Vorbeugung vor Krieg, sozialer Ungerechtigkeit oder Umweltverschmutzung wäre immer die beste Lösung, aber es ist leider weiterhin sehr schwierig für präventive Friedensarbeit Fördermittel zu bekommen. Auch Spenden lassen sich besser für Katastrophenhilfe sammeln als für Aktivitäten, die Krieg, Hunger oder Sturmschäden verhindern helfen. Und die Finanzierung von Militär erscheint auch deshalb so attraktiv, weil sein Einsatz auf den ersten Blick schnelle Lösungen verspricht. Aber durch militärische Gewalt lässt sich, dies wiederum zeigen Untersuchungen, langfristig kein Frieden herstellen.

Friedensarbeit zielt darum zumeist auf die Prävention von Gewalt, auf die Förderung einer Kultur des Friedens und die Ermutigung zum Friedensengagement. So soll die Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit anregen, dass aus (negativen) historischen Erfahrungen Lehren und Konsequenzen für heute gezogen werden – durch Aktivitäten gegen Rassismus, Antisemitismus oder Aufrüstung. Und drei weitere Beispiele: Durch Traumaarbeit erfahren Menschen Heilung, können den Kreislauf der Gewalt verlassen und im besten Fall ihren Täter*innen(-gruppen) vergeben. Internationale Jugendbegegnungen beugen Vorurteilen vor. Qualifizierungskurse erschließen den Teilnehmenden die Möglichkeiten gewaltfreier Konfliktbearbeitung und befähigen sie, diese Methoden in ihrer Arbeit anzuwenden.

Die Reichweite dieser und anderer vielfältiger Friedensaktivitäten lässt sich zumeist nur schwer ermitteln. Dennoch scheinen einige eher allgemeine Aussage möglich, die nachdenklich machen sollten: Christliches Friedensengagement hat dazu beigetragen, dass der Umbruch in der DDR friedlich erfolgte. Und die langjährige zivilgesellschaftliche Unterstützung und Zusammenarbeit gerade auch christlicher Initiativen ermutigte und stärkte diejenigen, die erfolgreich gegen die Apartheit in Südafrika kämpften oder die sich heute für einen gewaltfreien Wandel in Belarus einsetzen.

Der Frieden Gottes reicht weit und braucht unser menschliches Handeln, um seine Wirkung auf Erden zu entfalten. Das Motto „Reichweite Frieden“ der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade ist daher Hoffnung und Auftrag zugleich.

Jan Gildemeister ist Vorsitzender des Ökumenischen FriedensDekade e. V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) mit Sitz in Bonn

 

„REICHWEITE FRIEDEN“ (von Jan Gildemeister, Bonn)

Das Motto der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade erschließt sich nicht sofort, vielmehr mag es den einen oder die andere zunächst irritieren. Und das ist mit dem Motto auch beabsichtigt; es soll zum Nachdenken anregen. Es spielt mit den drei Worten Reich – Weite – Frieden und nutzt zudem einen Begriff, der aus den Natur- und empirischen Sozialwissenschaften bekannt ist: Reichweite. Was also verbirgt sich hinter dem Motto „Reichweite Frieden“?

Das Reich Gottes steht im Kontrast zu dem, was wir oftmals als Ergebnis des menschlichen Handelns erleben müssen. Und zugleich ist der Frieden Gottes trotz bewaffneter Gewalt, Ungerechtigkeit, Rassismus und Zerstörung der natürlichen Umwelt bereits Realität und weltweit zu finden und aufzuspüren – wie im Himmel, so auf Erden, im Kleinen wie im Großen. Und es braucht uns und alle anderen Menschen guten Willens, damit der Frieden an (Reich-)Weite gewinnt.

Die Reichweite von Raketen, (bewaffneten) Drohnen oder Gewehrkugeln lässt sich berechnen. Es lässt sich feststellen, wo Rüstungsgüter aus Deutschland weltweit zum Einsatz kommen und welchen tödlichen Schaden sie anrichten. Auch die offensichtlichen Wirkungen von Bundeswehreinsätzen oder die Ergebnisse „technischer“ Entwicklungszusammenarbeit wie der Bau von Brunnen oder Solaranlagen sind sichtbar – die unerwünschten Folgen allerdings bleiben uns oftmals verborgen.

Aber wie lässt sich die Reichweite von Frieden oder von Friedensarbeit generell ermitteln? Frieden wird durch und für Menschen gemacht: Durch Bildungs- und Versöhnungsarbeit, durch Aufklärung und Informationsvermittlung, durch Demonstrationen, Petitionen und gewaltfreie Aktionen, aber auch durch Gottesdienste und Friedensgebete wird versucht andere zu einem Engagement für den Frieden zu bewegen.

Frieden – Schalom – umfasst dabei auch die Bewahrung der Schöpfung. Wenn wir die natürliche Umwelt respektieren und ihr den Raum geben, den sie benötigt, schützt uns dies auch vor Pandemien. Die Reichweite des Schalom beinhaltet auch Gerechtigkeit. Wenn Menschen weltweit kostenlosen Zugang zu Sozial- und Gesundheitssystemen haben, lassen sich die katastrophalen Folgen von Pandemien weitaus einfacher begrenzen.

Die Wirkung einzelner Friedensaktivitäten und Projekte lässt sich über definierte Kriterien messen: Wie viele Personen nahmen an einer Veranstaltung teil oder unterzeichneten eine Petition? Die Wirkung internationaler Freiwilligendienste, die interkulturelles, globales Lernen und Völkerverständigung fördern wollen, wurde vielfach wissenschaftlich untersucht. Es wurden positive Wirkungen bei den einzelnen Freiwilligen, ihrem sozialen Umfeld, aber auch bei den als Träger, Partner oder Einsatzstellen involvierten Organisationen festgestellt. Die Evaluation des Programms Ziviler Friedensdienst, gestartet im Jahr 1999 und getragen von neun deutschen Friedens- und Entwicklungsorganisationen gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen, erwies 2012 den sichtbaren Nutzen dieses Instrumentes der zivilen Konfliktbearbeitung.

Durch Evaluierungen lässt sich aber die Reichweite des Friedensengagements nicht in Gänze erfassen. Wissenschaftler*innen untersuchen im Nachgang von Konflikten, was die Ursachen für „friedliche Revolutionen“ oder das Ende eines bewaffneten Konfliktes waren. Aufgrund der Komplexität und der dynamischen Entwicklungen dieser Ereignisse sind die Schlussfolgerungen aus den Forschungsergebnissen aber in vielen Fällen eher allgemeiner Natur. Eindeutige Ursachenzuordnungen sind in der Regel nicht möglich.

Nahezu unmöglich ist es herauszufinden, ob durch spezifische Aktivitäten von sozialen Bewegungen, Organisationen oder (staatlichen) Institutionen verhindert wurde, dass ein gesellschaftlicher oder zwischenstaatlicher Konflikt nicht in Gewalt mündete, sondern friedlich geschlichtet und konstruktiv bearbeitet wurde.

Die Vorbeugung vor Krieg, sozialer Ungerechtigkeit oder Umweltverschmutzung wäre immer die beste Lösung, aber es ist leider weiterhin sehr schwierig für präventive Friedensarbeit Fördermittel zu bekommen. Auch Spenden lassen sich besser für Katastrophenhilfe sammeln als für Aktivitäten, die Krieg, Hunger oder Sturmschäden verhindern helfen. Und die Finanzierung von Militär erscheint auch deshalb so attraktiv, weil sein Einsatz auf den ersten Blick schnelle Lösungen verspricht. Aber durch militärische Gewalt lässt sich, dies wiederum zeigen Untersuchungen, langfristig kein Frieden herstellen.

Friedensarbeit zielt darum zumeist auf die Prävention von Gewalt, auf die Förderung einer Kultur des Friedens und die Ermutigung zum Friedensengagement. So soll die Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit anregen, dass aus (negativen) historischen Erfahrungen Lehren und Konsequenzen für heute gezogen werden – durch Aktivitäten gegen Rassismus, Antisemitismus oder Aufrüstung. Und drei weitere Beispiele: Durch Traumaarbeit erfahren Menschen Heilung, können den Kreislauf der Gewalt verlassen und im besten Fall ihren Täter*innen(-gruppen) vergeben. Internationale Jugendbegegnungen beugen Vorurteilen vor. Qualifizierungskurse erschließen den Teilnehmenden die Möglichkeiten gewaltfreier Konfliktbearbeitung und befähigen sie, diese Methoden in ihrer Arbeit anzuwenden.

Die Reichweite dieser und anderer vielfältiger Friedensaktivitäten lässt sich zumeist nur schwer ermitteln. Dennoch scheinen einige eher allgemeine Aussage möglich, die nachdenklich machen sollten: Christliches Friedensengagement hat dazu beigetragen, dass der Umbruch in der DDR friedlich erfolgte. Und die langjährige zivilgesellschaftliche Unterstützung und Zusammenarbeit gerade auch christlicher Initiativen ermutigte und stärkte diejenigen, die erfolgreich gegen die Apartheit in Südafrika kämpften oder die sich heute für einen gewaltfreien Wandel in Belarus einsetzen.

Der Frieden Gottes reicht weit und braucht unser menschliches Handeln, um seine Wirkung auf Erden zu entfalten. Das Motto „Reichweite Frieden“ der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade ist daher Hoffnung und Auftrag zugleich.

Jan Gildemeister ist Vorsitzender des Ökumenischen FriedensDekade e. V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) mit Sitz in Bonn

 

Ausschreibung Plakatwettbewerb

Ökumenische FriedensDekade sucht grafisches Motiv für 2021

Bonn, 10. Dezember 2020. Das Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade hat einen Plakatwettbewerb für die Gestaltung des grafischen Motivs zum Motto 2021 ausgeschrieben. „Reichweite Frieden“ lautet das neue Motto, unter dem im kommenden Jahr vom 7. – 17. November die 41. Ökumenische  FriedensDekade begangen wird.

Wie in den Vorjahren ist der Wettbewerb mit insgesamt 1.750 € für die besten drei ausgewählten Motive dotiert. Bis zum 25. Januar 2021 können Entwürfe zur grafischen Gestaltung des Jahresmottos eingereicht werden. Am 8. Februar wird die Jury des Gesprächsforums der Ökumenischen FriedensDekade die Auswahl vornehmen. „Wir hoffen wieder auf vielfältige Beteiligung am Plakatwettbewerb und sind zuversichtlich, auch für das Jahr 2021 zahlreiche ansprechende Entwürfe zu erhalten“, sagt Jan Gildemeister, Vorsitzender der Ökumenischen FriedensDekade e. V.

Grafiker*innen, Gestalter*innen und Agenturen ebenso wir Privatpersonen oder Schülerinnen und Schüler sind eingeladen, sich am Wettbewerb zu beteiligen. Rahmenvorgaben, die bei der Gestaltung der grafischen Entwürfe unbedingt zu berücksichtigen sind, sowie Hintergrundtexte zum ausgewählten Jahresmotto „Reichweite Frieden“ finden sich auf den Internetseiten der Ökumenischen FriedensDekade unter www.friedensdekade.de.

 

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Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.friedensdekade.de.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Jan Gildemeister (AGDF), 0228/24999-13, E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
Thomas Oelerich, Tel. 0173/ 8158627 E-Mail: thomas.oelerich@friedensdekade.de

 

“Reichweite Frieden” (Motto für 2021 festgelegt)

Bonn/Frankfurt, 3. Dezember 2020. Das Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade legte Anfang der Woche das Jahresmotto für das Jahr 2021 fest: „Reichweite Frieden“. Unter diesem Motto sollen im kommenden Jahr an den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag (7. – 17. November) Gottesdienste, Friedensgebete und Informationsveranstaltungen stehen, die im Rahmen der FriedensDekade durchgeführt werden. In der Regel finden in diesem Zeitraum bundesweit mehrere tausend Veranstaltungen statt, in denen die Friedensthematik in das Zentrum von Gebeten, Gottesdiensten und Bildungsveranstaltungen gestellt wird.

 Unter dem Motto „Reichweite Frieden“ wollen die Trägerorganisationen, darunter die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), den Fokus auf die Frage legen, welche gesellschaftlichen und politischen Veränderungen notwendig sind, wenn der biblische Friedensgedanke des Reiches Gottes auf Erden wirklich ernst genommen wird. Auch für die Kirchen soll reflektiert werden, welche Aufgabe ihnen zukommt, um dem biblischen Friedensauftrag gerecht zu werden. Ob in Fragen der Rüstungsexporte oder des Atomwaffenstandortes Deutschland, ob in der Ankündigung der Erhöhung des Militäretats durch die Bundesregierung und die Europäische Union oder ob des Einsatzes von autonomen Waffen: Die FriedensDekade will die Fragen nach einer alternativen Friedenspolitik in das Bewusstsein rücken und das vorherrschende Denken einer auf Gewalt ausgerichteten Sicherheitspolitik hinterfragen.

 „Aber auch die Reichweite von Frieden hinein in verschiedene gesellschaftliche Bereiche wie wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit weltweit, in die Herausforderungen im Klimaschutz bis hin zu der Fragestellung an uns alle, was Frieden für den Umgang miteinander in einer sich zunehmend polarisierenden Welt (weltweit wie bei uns in Deutschland) bedeutet, wollen wir unter dem Motto „Reichweite Frieden“ thematisieren“, erläutert Jan Gildemeister, Vorstandsvorsitzender des Ökumenischen FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF.  Marina Kiroudi,  orthodoxe Referentin der ACK in Deutschland und Geschäftsführerin des Gesprächsforums der Ökumenischen FriedensDekade, macht zudem für die FriedensDekade darauf aufmerksam, dass unter dem Motto „Reichweite Frieden“ auch die Frage aufgeworfen werden soll, wie interkulturelles und interreligiöses Zusammenleben langfristig in einer globalen Welt so gestaltet werden kann, dass alle in Frieden zusammenleben können. „Das Motto ‚Reichweite Frieden‘ wirft letztlich auch die Frage auf, in welcher Welt wir eigentlich leben wollen, wenn wir den biblischen Auftrag, Friedensstifter*innen zu sein, ernst nehmen“, so Marina Kiroudi.

Als biblische Bezugsquellen wurde Vers 10 aus Kapitel 6 des Matthäus-Evangeliums („Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“) ausgewählt. Aus dem Alten Testament suchten die Verantwortlichen die Verse 1-9 aus Jesaja Kapitel 11 als begleitende Geschichte zum Jahresmotto aus.

Im Rahmen der Ausschreibung eines Plakatwettbewerbs wird die Ökumenische FriedensDekade bis Ende Januar 2021 ein zentrales grafisches Motiv auswählen, mit dem das Jahresmotto „Reichweite Frieden“ gestalterisch umgesetzt wird. Das grafische Motiv wird als Plakatmotiv genutzt und als zentrales grafisches Element auf allen Bildungs- und Aktionsmaterialien für das Jahr 2021 eingesetzt.

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Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.friedensdekade.de.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Jan Gildemeister (AGDF), 0228/24999-13, E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
Thomas Oelerich, Tel. 0173/81 58 627 E-Mail: thomas.oelerich@friedensdekade.de

 

Aufruf zur “Umkehr zum Frieden” (Zentraler Gottesdienst in Dresden)

Der zentrale Gottesdienst der Ökumenischen Friedensdekade fand in diesem Jahr am Buß- und Bettag, dem 18.11.2020 in Dresden statt. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland e. V. hatte zusammen mit der ACK Sachsen und dem Stadtökumenekreis Dresden in die Kreuzkirche eingeladen.

Das Motto „Umkehr zum Frieden“ wurde dabei vielfältig aufgenommen. Im entfalteten Kyrie wurden die vier Jahrzehnte der Ökumenischen Friedensdekade bedacht, wie der Kalte Krieg, der Einsatz für soziale Gerechtigkeit hier und weltweit, die Dekade zur Überwindung von Gewalt, und sowie die Herausforderung durch den Klimawandel und die Corona-Pandemie.

In seiner Predigt analysierte Prof. Dr. Ulf Liedke von der Evangelischen Hochschule Dresden Worte des 18. Kapitels im Prophetenbuch Ezechiel, dem das Motto entnommen ist. Er machte als eine der Gefährdungen für den Frieden bei uns die Spaltung der Gesellschaft aus. Ursachen könnten liegen in Verlust- und Unsicherheitserfahrungen angesichts der massiven gesellschaftlichen Umbrüche seit dem Ende der DDR, die als Bedrohung und Negierung der Lebensleistung der Elterngeneration erfahren wurde. Niemand jedoch, das zeige die Weisung des Propheten, werde auf die Vergangenheit festgelegt, „weder auf die eigene noch auf die einer bestimmten Generation. Gott lädt uns ein, dass wir uns mit unserer Geschichte für die Zukunft entscheiden. Er ermöglicht es, aus den Zuschreibungen auszubrechen und den Frieden zu wählen.“

Umkehr zum Frieden bestimmte auch die Fürbitten. Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher waren eingeladen, ihre Bitten und Hoffnungen aufzuschreiben, um sie acht Vertretern der Kirchen des Stadtökumenekreises mit in ihre Gemeinden zu geben. Einige wurden auch im Gottesdienst gesprochen.

Rabbiner Akiva Weingarten von der Jüdischen Gemeinde zu Dresden spendete am Ende des Gottesdienstes den Segen des Aron auf Hebräisch, Superintendent Christian Behr auf Deutsch. In den anschließenden Grußworten bedankte sich Frau Annekatrin Klepsch, die 2. Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden, für das Engagement der Anwesenden und hob hervor, dass es notwendig ist, sich für Frieden einzusetzen, „solange unser Staat, die Bundesrepublik Deutschland, zu den größten Waffenexporteuren der Welt gehört und solang auf deutschem Boden Atomwaffen stationiert sind.“ Doch auch gesellschaftliche Konflikte bedrohten den Frieden, umso wichtiger sei es, „Konflikte nicht eskalieren zu lassen, sondern zu lernen, konstruktiv zu streiten im Sinne einer Umkehr zum Frieden“. Die Botschaft, die von den Kirchen der Ökumene und den Religionen für den Erhalt des Friedens ausgehe, sei insofern unverzichtbar, weil damit Menschen ganz unterschiedlichen Glaubens erreicht würden.

Erzpriester Radu Constantin Miron, Vorsitzender der ACK Deutschland, gebrauchte in seinem Grußwort das engl. Verkehrsschild des „U-Turn“, gesprochen: You turn, um deutlich zu machen, worum es geht bei der Umkehr zum Frieden: nicht das schnelle Abwälzen auf das You, also auf Du, der/die sich ändern muss, führt uns weiter. „Umkehr zum Frieden fängt bei mir selbst an. Nur wenn ich umkehre, fängt Frieden an. I turn zum U-Turn“, so Miron. Da er selbst krankheitsbedingt nicht anreisen konnte, wurde sein Grußwort von Frau Dr. Verena Hammes, Geschäftsführerin der ACK Deutschland, vorgetragen. Dank gilt dem Ökumenischen Informationszentrum Dresden e. V., das maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung des Gottesdienstes beteiligt war.

Foto: BESHT Dresden
Mitwirkende beim zentralen Gottesdienst zur Ökumenischen FriedensDekade in der Kreuzkirche in Dresden aus der ACK Deutschland, der ACK Sachsen und dem Stadtökumenekreis Dresden.

Berichte dazu finden Sie auch hier (ACK-Sachsen) und hier (ACK-Deutschland).

Bundeswehr zum Technischen Hilfswerk transformieren (von Ralf Becker, Wethen)

Deutschland und Europa sollen und wollen mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen. Unsere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer versteht darunter die Ausweitung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr – die gleichzeitig auch der Durchsetzung deutscher Interessen dienen sollen.

Bestehende zivile Alternativen zu dieser Art von Politik sind nachhaltiger und dauerhafter in ihrer Wirkung – das zeigt ein Szenario der Evangelischen Landeskirche in Baden. Das Szenario „Sicherheit neu denken – von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik“ lädt dazu ein, eine Zukunft zu denken, in der wir pro Jahr 80 Mrd. Euro in die zivile Krisenprävention und in die Vereinten Nationen anstatt in die Bundeswehr investieren. Grundlage sind bereits erprobte und realisierte Instrumente ziviler Prävention, gerechtes Wirtschaften, die Förderung nachhaltiger Entwicklung im Nahen Osten und Afrika sowie eine Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaft mit Russland bzw. der Eurasischen Wirtschaftsunion.

So könnte die OSZE zur polizeilichen Sicherheitsorganisation für Europa ausgebaut und die Bundeswehr komplett zum Technischen Hilfswerk transformiert werden. Dank jährlicher Investitionen in Höhe von 33 Mrd. Euro könnten wir die Vereinten Nationen und die OSZE zu starken und wirksamen Institutionen ausbauen. Dann könnten die Vereinten Nationen ihre Aufgaben in der weltweiten Friedenssicherung wirksam wahrnehmen. Und die Ernährungs-, Klima- und Flüchtlingshilfefonds der UNO wären endlich mit genügend Geld ausgestattet.

Es braucht eine gemeinsame Kampagne der Zivilgesellschaft und der Kirchen, um zu einem entsprechenden Paradigmenwechsel in der deutschen Politik zu kommen. Friedensfreund*innen aus der FriedensDekade können diesen Paradigmenwechsel, diese Umkehr zum Frieden, mitgestalten.

Ralf Becker ist im Auftrag der Evangelischen Kirche in Baden Koordinator der Initiative „Sicherheit neu denken“. Diese will einen Paradigmenwechsel in der deutschen Politik hin zu einer rein zivilen Sicherheitspolitik erreichen.

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