couragiert widerständig engagieren
Leitimpuls von Jan Gildemeister
Warum es 2026 Mut braucht und was wir füreinander tun können
Die Welt, in der wir leben, macht es einem nicht leicht, ruhig zu bleiben. Aufrüstung, Demokratieabbau, Klimakrise, wachsende Ungleichheit, es sind keine abstrakten Bedrohungen, sondern spürbare Realitäten, die viele Menschen lähmen. Und doch: Aufgeben ist keine Option. Jan Gildemeister, Vorstand der ökumenischen FriedensDekade, legt in seinem Leitimpuls zum Jahresmotto 2026 dar, warum es gerade jetzt Mut braucht und was „couragiert widerständig“ konkret bedeutet.
Viele Entwicklungen in der Welt und auch in Deutschland lösen Ängste, Frust und Hoffnungslosigkeit aus
Mächtige Staaten und „Staatenlenker“ ignorieren internationale Regeln wie Völkerrecht und Menschenrechte sowie internationale Institutionen. Aufrüstung und der Einsatz von Waffengewalt nehmen zu. Angriffe auf Infrastruktur werden häufiger. Über soziale Medien werden Fake News verbreitet, die Macht der sog. Tech-Giganten wächst. Populistische und rechtsradikale Kräfte gewinnen an Einfluss und unterhöhlen demokratische Institutionen. Zivilgesellschaftliche Akteure, die sich für Menschenrechte, Recht und Gerechtigkeit einsetzen, verlieren immer mehr Freiräume und werden in vielen Staaten unterdrückt. Und schließlich scheint die Klimakrise noch schneller voranzuschreiten als befürchtet.

Wir sitzen alle im gleichen Boot
Die Opfer dieser Entwicklungen und die zivilgesellschaftlichen Kräfte, die ihnen entgegensteuern, sind dabei in einem Boot. So erkundigen sich US-amerikanische Christ*innen bei uns, wie es in der NS-Zeit war, und in Europa können wir mit Blick auf Wahlerfolge rechtsextremer Parteien von Widerstand und Schutzkonzepten in anderen Staaten lernen.
Es braucht schon einigen Mut, sich nicht ins Private zurückzuziehen, passiv zu werden, sondern trotz möglicher Anfeindungen und schwieriger Bedingungen zu dem zu stehen, was für einen wichtig ist, und entsprechend aktiv zu werden. In Deutschland erleben wir, dass nicht nur Geflüchtete oder rassistisch Diskriminierte um ihre Sicherheit fürchten müssen, sondern auch diejenigen, die sich für deren Anliegen einsetzen oder politisch gegen Rechtsradikale engagieren.
Je mehr Menschen couragiert handeln, desto sicherer wird es für alle
Und je weniger Menschen sich couragiert vor Ort für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, umso größer sind die Risiken für sie und ihre Nächsten. Anders formuliert: je mehr gegen Rechtsradikale auf die Straße gehen oder sich im öffentlichen Nahverkehr, beim Einkauf, am Arbeitsplatz oder in sozialen Medien für Diskriminierte einsetzen, umso weniger Einfluss haben sog. Verfassungsfeinde und Populist*innen.
Damit dieses Engagement von Erfolg gekrönt wird, braucht es auch die Unterstützung einflussreicher gesellschaftlicher Institutionen wie Kirchen, Gewerkschaften, aber auch von Sport-, Schützen-, Karnevals- und Heimatvereinen. Wenn Sportvereine die Vielfalt ihrer Aktiven begrüßen, wenn beim Karneval für eine bunte Gesellschaft geworben wird oder sich die Kirchen für die Belange von Asylsuchenden einsetzen, ermutigt dies. Beispiele dafür gibt es viele, zugleich wird dies politisch ausgebremst, da immer noch nicht geklärt ist, welche öffentlichen Äußerungen von Vereinen im Rahmen des Gemeinnützigkeitsrechts legitim und wo Grenzen sind. Auch das pauschale Misstrauen nicht nur der AfD, sondern auch von Teilen der Unionsparteien gegen zivilgesellschaftliche Initiativen führt zu großer Unsicherheit bei den Betroffenen.
Widerständig sein bedeutet mehr als Demokratie verteidigen
Das Motto der Ökumenischen Friedensdekade 2026 fordert nicht nur zum couragierten Handeln auf, sondern zugleich widerständig zu sein. Aber geht es aktuell nicht darum, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen gegen diejenigen, die zum Widerstand gegen „das System“ aufrufen? Natürlich ist dies sehr wichtig, zugleich reicht es mit Blick auf die größere Perspektive von Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Mitschöpfung nicht aus. Gegen die Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen gilt es ebenso widerständig zu sein, wie gegen die ungebremste Aufrüstung und das Festhalten an der höchst problematischen nuklearen Abschreckung. Viel zu kurzfristig gedachte politische Entscheidungen, die notwendige Maßnahmen gegen die Klimakrise, Artenschutz und allgemein Umweltzerstörung zugunsten von Wirtschaftsinteressen ausbremsen, dürfen nicht hingenommen werden. Da gilt es im Rahmen demokratischer Spielregeln entschieden zu protestieren, durchaus auch mit gewaltfreiem Widerstand, ohne damit ungewollt Wasser auf die Mühlen Rechtsradikaler zu gießen.
Was couragiert widerständig in der Praxis bedeutet
Haupt- und noch erheblich mehr Ehrenamtliche sind bei Mitgliedsorganisationen der AGDF couragiert widerständig aktiv: Sie koordinieren Bündnisse gegen Rechts vor Ort oder gegen die Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen. Als Friedensfachkraft begleiten sie gefährdete Menschenrechtsverteidiger*innen oder unterstützen Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit in Krisenregionen. Junge Freiwillige leisten ihren Dienst in Projekten, die sich auch unter schwierigen Rahmenbedingungen für sozial Schwache einsetzen. AGDF-Mitglieder qualifizieren zudem für die professionelle Bearbeitung von Konflikten und bilden Campaigner*innen aus. Sie beraten junge Menschen, die vor der Frage stehen, ob sie den Kriegsdienst verweigern sollen.
Gemeinsam für eine bessere Welt
Wir brauchen viele Menschen, die sich gemeinsam für eine bessere Welt engagieren, trotz Anfeindungen und Repressionen. Die das Ziel einer Kriegstüchtigkeit oder Feindbilder in Frage stellen und dagegen wehren, dass unhinterfragt aufgerüstet und eine Militarisierung vorangetrieben wird bei gleichzeitiger Kürzung der Mittel für Instrumente der zivilen Konfliktbearbeitung, Soziales und Entwicklungszusammenarbeit oder für die Bekämpfung der Klimakrise. Genau dazu will die ökumenische FriedensDekade ermutigen: als ein Ort, an dem Gemeinden, Gruppen und Einzelne Jahr für Jahr neu innehalten, sich vernetzen und gestärkt werden für den langen Atem, den diese Arbeit braucht.

Bleiben Sie couragiert widerständig
Friedensarbeit braucht einen langen Atem. Und Menschen, die sie tragen.
Wenn Sie die Arbeit der ökumenischen FriedensDekade unterstützen möchten, gibt es zwei Wege: Mit dem Kauf unserer Materialien helfen Sie, die Dekade lebendig zu halten. Wer darüber hinaus spenden möchte, ermöglicht uns, auch dort präsent zu sein, wo es besonders nötig ist.
Vor allem aber: Bleiben Sie selbst couragiert widerständig. Bleiben Sie treu Ihren Werten, Ihrer Menschlichkeit, der Liebe zu Ihren Nächsten. In einer Zeit, in der vieles wankt, ist das keine Kleinigkeit. Es ist ein Akt des Glaubens.
Mit Gottes Hilfe.
Der Friedenskompass 2026: Liturgische Orientierung für couragiert widerständige Gemeinden
Wer jetzt schon mit seiner Gemeinde oder Gruppe in das Motto „couragiert widerständig“ eintauchen möchte, muss nicht bis November warten. Der Friedenskompass 2026 ist bereits heute im Onlineshop der ökumenischen FriedensDekade erhältlich.
Er greift das Jahresmotto auf und gibt ihm eine liturgische Richtung: mit historischen Impulsen, die zeigen, was couragierter Widerstand in der Geschichte des Glaubens bedeutet hat, und mit Gebeten und Texten, die helfen, diesen Geist in den eigenen Gemeindekontext zu übertragen. Der Friedenskompass ist kein fertiges Programm, sondern eine Orientierungshilfe für alle, die Friedensgebete, Andachten oder Gemeindeabende gestalten wollen.

Das vollständige redaktionelle Gesamtpaket erscheint dann Mitte 2026: Die Materialmappe mit ausgearbeiteten liturgischen Bausteinen, theologischen Vertiefungen und praktischen Gestaltungsideen sowie das Gebetsleporello als kompaktes Format für die Hand in der Gemeinde. Beides ist darauf ausgelegt, die zehn Tage der Dekade im November inhaltlich zu tragen und gleichzeitig über die Dekade hinaus nutzbar zu bleiben.
Jetzt den Friedenskompass 2026 im Onlineshop bestellen
Jetzt das Gesamtpaket im Abo bestellen und die FriedensDekade langfristig unterstützen.
Über diesen Artikel
Dieser Leitimpuls zum Jahresmotto „couragiert widerständig“ wurde verfasst von Jan Gildemeister, Vorstand der ökumenischen FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Dienste für den Frieden (AGDF). Er erschien im Kontext der Vorbereitung auf die ökumenische FriedensDekade 2026, die vom 8. bis 18. November 2026 stattfindet.
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