Skip to main content

Autor: Thomas Oelerich

Worte schaffen Wirklichkeit (von Jens Haverland, ACK-Deutschland)

In den letzten Tagen war viel los. Als Referent der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland durfte ich bei den verschiedensten Gelegenheiten unsere Arbeit der ACK vorstellen und von Projekten, wie der FriedensDekade berichten. Sei es in Karlsruhe beim Neuapostolischen Kirchentag in Süddeutschland (Motto: Kommet her), in Berlin bei dem Demokratiefest der Bundesregierung (Motto: Wir feiern 75 Jahre Grundgesetz) oder in Erfurt auf dem Katholikentag (Motto: Zukunft hat der Mensch des Friedens). Steter Begleiter war das Rollup mit dem Motto und Motiv der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade „Erzähl mir vom Frieden“. Und natürlich wird das RollUp auch beim Europäischen Christentreffen in Frankfurt an der Oder (Motto: Nichts kann uns trennen) präsent sein und zum Erzählen einladen.

Und die Leute erzählten mir. Nein, sie stellten das Motto in Frage („in der heutigen Zeit reden doch alle nur vom Krieg und von noch mehr Waffen“), stellten mich in Frage („Wollen Sie mir was vom Frieden erzählen?“), stellten sich selbst in Frage („wissen Sie, ich bin seit Jahrzehnten in der Friedensarbeit aktiv, das hat doch alles nichts gebracht“) und stellten den Frieden in Frage („das wird doch alles nur noch schlimmer“).

Was sollte ich dagegen sagen? Zu gut konnte ich die Äußerungen verstehen, die Gefühle, die dahinter steckten nachvollziehen. Dennoch hinterfragte ich die Aussage und begann in dem sich entspinnenden Gespräch vom Frieden zu erzählen. Davon, dass wir in aller Freiheit zusammenkommen können und dass es in Karlsruhe nicht nur den Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgesetz gibt, sondern auch eine ehemalige Munitionsfabrik in ein großes Zentrum für Kunst und Medien umgebaut worden ist. Dass wir in Deutschland seit über 75 Jahren in Frieden leben und Dank einer friedlichen Revolution seit 35 Jahren ein gemeinsames Grundgesetz haben und dass ich meine Zukunft nicht den Menschen des Unfriedens überlassen möchte.

Zugegeben, es hat mich etwas Überwindung gekostet. Aber ich habe auch erleben dürfen, dass die Widerstände meines Gegenübers geringer wurden und manchmal hatte ich auch Glück und mein Gesprächspartner fasste dies in Worte: „Wenn doch mehr Menschen das so sähen“ oder „Bewahren Sie sich diese Hoffnung“. Diese Rückmeldungen haben mich nachdenklich gestimmt, hatte ich doch keine spektakuläre Wundergeschichte erzählt, sondern nur versucht den Blick bewusst auf das zu richten, was wir auch haben. Es gibt den Frieden.

Worte schaffen Wirklichkeit. Das wissen nicht nur Coaches oder Organisationsentwickler*innen, die auch darauf hinweisen, dass man sich immer dahin entwickelt wohin man schaut. Ähnlich ist es in dem Buch der Sprüche der biblischen Weisheitsliteratur formuliert: „Eine heilsame Zunge ist ein Baum des Lebens; aber eine lügenhafte bringt Herzeleid“ (Sprüche 15,4).

Wir haben eine Stimme, die wir für unterschiedliche Rede einsetzen können. In jedem Falle wird sie gehört, wenn wir sie nutzen. Das gilt auch für unsere Stimme bei der anstehenden Europawahl. Jede Stimme zählt. Setzen wir unsere Stimme für den Frieden ein und erzählen wir vom Frieden.

__________________________

Jens Haverland, Evangelischer Referent in der Ökumenischen Centrale der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland e.V. (ACK), Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade

 

Youssef (Impulstext von Conrad Krannich, Studentenpfarrer der ESG Halle)

„Speichere dir Youssefs Nummer für das nächste Mal, wenn du eine Mitfahrgelegenheit benötigst.“, schreibt Amit. Ein bisschen flapsig. Aber manchmal hilft das Flapsig-Sein, um überhaupt über den Horror sprechen zu können. Es ist nicht viel leichter vier Monate danach.

Auch Amit und Amits Freunde feiern am 7. Oktober auf dem Trance-Festival nahe dem Kibbuz Re’im im Süden Israels. Sie überleben den Überfall durch die Terroristen der Hamas; sie können dem Massaker entkommen. Dank Youssef.

Youssef bietet hin und wieder seine Fahrdienste an, und an jenem Morgen im Oktober chauffiert er die Festival-Besucher nach Re’im und zurück. Youssef ist Beduine; er ist Araber. Ob ihn die Terroristen deshalb verschont hätten – keiner weiß es.

Youssef nimmt nicht Reißaus. Als die Terroristen das Festivalgelände schon umstellt haben und das Morden beginnen, widersteht Youssef dem eigenen Fluchtreflex und bleibt. Er lädt so viele Menschen wie möglich in seinen Kleinbus. Und dann fährt er um sein Leben.

Dass er den Bus mit all den zum Teil schwer verletzten Menschen durch den Kugelhagel in die Sicherheit steuert – heldenhaft! Seine eigentliche Heldentat ist aber, dass er – als es drauf ankommt – nur Menschen sieht, die jetzt vor Tod und Terror zu bewahren sind.

Es gibt eine Zukunft. Miteinander. Denn am Ende trennt uns nur eine einzige unüberbrückbare Grenze voneinander: Sie verläuft nicht zwischen Religionen und Ethnien, sondern zwischen denen, die den Tod bringen und denen die das Leben wollen. Letztere werden immer mehr sein.

__________________________

Conrad Krannich ist Studierendenpfarrer der ESG Halle

 

Bekannte Posaunistin Monika Hofmann Friedensbotin der FriedensDekade 2024

Die Kirchenmusikerin und Diplom-Kulturmanagerin Monika Hofmann ist eine der diesjährigen Friedensbot*innen der Ökumenischen FriedensDekade. Zu Ihrem Ansatz der Friedensarbeit schreibt sie:

“Wir von Brass for Peace e.V. singen und spielen vom Frieden: „Dona nobis Pacem“ – unser online-Projekt (2022)* mit Blechbläser*innen und Sänger*innen aus Deutschland, Frankreich, Sierra Leone, Sumatra und Palästina. Diese Friedensbitte schickten wir in die Welt.

Weltfrieden aber schaffen wir nicht. Wir „üben“ Frieden im Kleinen. Und mit den Kleinen: unseren christlichen und muslimischen Schüler*innen der Lutherischen Schulen in der Region Bethlehem/Westjordanland. In Blechbläserunterricht und Ensemblearbeit, seit 2009.

Frieden ist wie das Erlernen eines Instrumentes und das Zusammenspiel in der Gruppe. Man braucht einen langen Atem, darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren, auch wenn nicht gleich alles oder erstmal gar nichts klappt oder Rückschläge kommen. Oft fragen unsere Anfänger*innen frustriert: „Warum klingt es nicht so schön wie bei dir?“ Man muss üben, dranbleiben, sich motivieren. Dann schafft man es ins Ensemble, wo mehrere Stimmen miteinander musizieren. Anfangs ist es oft auch ein Gegeneinander: „Wer war hier falsch?“ „Warum spielst du wieder so laut?“

Zuhören und Hinhören lernen – ein langer Weg. Die Kinder merken bald, dass alle wichtig sind, sie akzeptieren sich. „Wer hat falsch gespielt?“ – ist nicht mehr so wichtig. Sie werden toleranter und helfen sich gegenseitig. Nach und nach spüren sie einen gemeinsamen Puls – unglaublich, jetzt entsteht Musik! Die Dirigenten leiten zwar die Proben und setzen musikalische Ziele, doch das Ergebnis ist ein gemeinsamer Erfolg! Das prägt fürs Leben. Das ist Friedensarbeit, für ein Leben in Hoffnung auf Frieden, trotz Besatzung und Krieg.”
__________________________

Monika Hofmann, Kirchenmusikerin und Diplom-Kulturmanagerin, lebt in der Pfalz und unterrichtet seit 2001 als Professorin für Posaune und Kirchliche Bläserarbeit an der Hochschule für Kirchenmusik Herford-Witten, vorher war sie Landesposaunenwartin in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Posaunenchöre und die dort aktiven Menschen förderten und prägten sie seit ihrer Jugend. Ihre Unterrichtstätigkeit versteht sie immer auch als Herzensbildung.

Musikbegegnungen in fernen Ländern brachten ihr fremde Kulturen nahe. Auf Reisen in Israel und Palästina 2007 entstand die Idee zur Bläserarbeit an den dortigen Evangelisch-Lutherischen Schulen. 2009 wurde der Verein Brass for Peace gegründet. (www.brass-for-peace.de). Als ehrenamtliche zweite Vorsitzende verantwortet sie u.a. die organisatorische, inhaltliche und musikalische Ausrichtung der Projekte, immer in Kontakt mit den Menschen und Institutionen vor Ort. Von 2010 bis 2016 wohnte sie aus familiären Gründen mit Zweitwohnsitz in Betlehem. Dort erlebte sie viele Facetten des Nahostkonfliktes, die Besatzung und Gewalt und spürte, was „Nicht-Frieden“ mit Menschen macht. Ihre Erfahrung ist: Frieden ist mehr als nur das Gegenteil von Krieg.

https://www.youtube.com/watch?v=nCNyUDf0hu4

 

Wahlprüfsteine zu EU-Wahl: Für ein friedensfähiges und solidarisches Europa

Mehrere Friedensverbände und Organisationen, darunter auch Mitgliedsorganisationen aus dem Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade, haben im Vorfeld der Wahlen zum Europäischen Parlament am 9. Juni dazu aufgerufen, Kandidatinnen und Kandidaten zu wählen, die sich für ein friedensfähiges und solidarisches Europa einsetzen. Dazu haben sie Wahlprüfsteine veröffentlicht.

„Die Europäische Union entstand als ein Friedensprojekt“, erinnert Jan Gildemeister, der Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Die EU
habe in Weltkriegen verfeindete Länder zu friedlicher Kooperation motiviert und geholfen, nach Ende des Kalten Krieges auch die Ost-West-Spaltung Europas zu überwinden, so Gildemeister. Zu Recht erhebe sie daher den Anspruch, dass die Mitglieder sich demokratischen Normen, friedlicher Streitbeilegung und den Menschenrechten verpflichten müssten. „Wir wollen erreichen, dass sich die EU auch in ihren Außenbeziehungen zu einem Friedensprojekt entwickelt“, unterstützt dies
Christoph Bongard vom forumZFD.

Wenn es um Europa gehe, stünden seit Februar 2022 vor allem der Krieg Russlands gegen die Ukraine sowie die Unterstützung der Ukraine durch die EU und ihre
Mitgliedsstaaten im Fokus. „Wir wollen die Aufmerksamkeit mit unseren Wahlprüfsteinen auch auf Themen lenken, die im Schatten des Krieges kaum wahrgenommen werden, obwohl sie eine grundlegende Bedeutung für die weitere europäische und globale Entwicklung haben“, unterstreicht Antje Heider-Rottwilm, die Vorsitzende des europäischen friedenskirchlichen Netzwerkes von Church and Peace.

Zu diesen Herausforderungen gehören nach Ansicht der beteiligten Organisationen und Verbände die Gestaltung glaubwürdiger Klima- und Umweltpolitik und das Engagement für nachhaltiges Wirtschaften und fairen Handel, aber auch eine Außen- und Sicherheitspolitik, die einem neuen globalen Rüstungswettlauf entgegenwirkt und
Sicherheit nicht nur militärisch definiert, sondern menschliche Sicherheit in den Blick nimmt.

„Sicherheitspolitik muss so gestaltet werden, dass sie nicht zur Abschottung führt“, fordert Gerold König, der Vorsitzende der Deutschen Sektion der internationalen
Katholischen Friedensbewegung pax christi. Und Sicherheit in Europa dürfe nicht auf Kosten von Sicherheit und Menschenrechten an anderen Orten gehen, fügt er hinzu.
Daher sei es wichtig, dass der Aufbau von Institutionen friedlicher Streitbeilegung und von Instrumenten ziviler Konfliktbearbeitung konsequent unterstützt werde, auf
europäischer wie auch auf globaler Ebene. Nach Ansicht der Friedensverbände müssten hier staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure zusammenwirken, da nur so
die Kompetenzen und Erfahrungen zusammenkommen könnten.

Europäische Politik sei aber nur dann glaubwürdig, wenn sie die Beziehungen mit den Ländern des globalen Südens neu ausrichte und auf eine gerechtere Basis stelle, wenn
sie die Ursachen von Gewaltkonflikten in den Blick nehme und die eigenen Beiträge zum Unfrieden kritisch beleuchte, mahnt Martina Fischer von der Plattform Zivile
Konfliktbearbeitung an. Weiterhin kritisieren die Verbände: „Zahlreiche Waffen, die weltweit bei der Begehung schwerster Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen eingesetzt werden, stammen aus europäischer Produktion. Das muss sich ändern!“

Bei der Europawahl am 9. Juni hätten alle Bürgerinnen und Bürger das Recht und die Möglichkeit, die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments und damit die Politik der EU zu beeinflussen. „Die Wahlprüfsteine sollen dazu anregen, die Kandidatinnen und Kandidaten, die auf den Listen der Parteien stehen, kritisch zu befragen“,
unterstreicht Duška Borosac-Knabe, die Leiterin des Mennonitischen Friedenszentrums Berlin.

In den Wahlprüfsteinen geht es dabei konkret um mehrere Themen wie den Ausbau der Friedensförderung und der zivilen Friedensmissionen, eine menschenrechtsbasierte
Asyl- und Migrationspolitik, eine gerechtere Gestaltung der Beziehungen mit den Ländern des globalen Südens, eine Begrenzung und Kontrolle von Rüstungsprojekten
und Rüstungsexporten sowie eine Wiederbelebung der Rüstungskontrolle und der Abbau der Atomwaffen.

Die Wahlprüfsteine „Für ein friedensfähiges und solidarisches Europa“ finden sich im Internet bei Church and Peace e. V.

oder bei www.friedensdienste.de, www.paxchristi.de, www.forumZDF.de/de/eu-wahl-2024.

Zu den Herausgebern der Wahlprüfsteine gehören die AGDF, Church and Peace – Europäisches friedenskirchliches Netzwerk, das forum ZFD, Brot für die Welt, das
Mennonitische Friedenszentrum Berlin, pax christi und die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung.

Bonn, 2. Mai 2024

Für Rückfragen:
Jan Gildemeister (AGDF), Telefon 0228/24 999-13

 

ACK-Deutschland startet Projekt: “Hoffnung für die Erde leben. Gerechtigkeit – Frieden – Schöpfung”

Im Rahmen der 254. Mitgliederversammlung der ACK am 13./14. März 2024 ist das Projekt “Hoffnung für die Erde leben. Gerechtigkeit – Frieden – Schöpfung” an den Start gegangen.

Woher nehme ich Hoffnung, wenn ich von Krieg höre statt vom Frieden, von Klimakrise statt Bewahrung der Schöpfung, von Flucht aufgrund fehlender Lebensgrundlagen statt von Gerechtigkeit? Wie kann ich mich mit anderen Menschen verbinden und Teil der Lösung werden? Wie finden wir zueinander – mit unterschiedlichen Erfahrungen in dieser Gesellschaft? Wie können wir die vielen guten Ansätze stärken und umsetzen?

Die Initiative „Hoffnung für die Erde leben. Gerechtigkeit – Frieden – Schöpfung “ lädt Menschen ein, gemeinsam Antworten auf diese Fragen zu suchen und Teil einer Hoffnungsbewegung zu werden.

_____________________

Ausführliche Informationen über das Projekt, Materialangebote und Mitmachmöglichkeiten finden Sie auf der Website:

https://www.hoffnungleben2024.de

0
    0
    Einkaufswagen
    Der Einkaufswagen ist leerZurück zum Shop
      Versand berechnen
      Apply Coupon