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Autor: Thomas Oelerich

Wovor hast du Angst? (von Peter Herrfurth, Magdeburg)

Ich bin ziemlich erschrocken. Denn ich habe gerade gehört, wovor junge Menschen besonders große Angst haben:

80 % der Jugendlichen zwischen 12 und 25 haben Angst vor Krieg. Die meisten fürchten sich außerdem vor einer Wirtschaftskrise und dem Klimawandel.

Und sie können nichts dafür. Nicht für die Gewalt und nicht für die Kriege. Nicht für die angespannte wirtschaftliche Situation und auch nicht für die Folgen der Erderwärmung.

Ich überlege, wie war das damals bei mir? Hatte ich Angst vor Krieg? Sorge um die Zukunft, Angst vor einem Kollaps des Planeten? Das hat mich schon alles beschäftigt – damals, als ich jugendlich war. Darum hab‘ ich den Kriegsdienst verweigert und hatte Aufkleber für Umweltschutz auf meinem Zeug. Aber Angst?

Irgendwie habe ich immer daran geglaubt, dass am Ende alles gut wird.

Diese positive Grundhaltung zum Leben haben viele jungen Menschen heute nicht mehr. Was macht diese Angst mit ihnen? Über die Hälfte interessiert sich für Politik, das finde ich gut. Aber viele Jugendliche ordnen sich politisch rechts ein. Weil sie kein Vertrauen oder keine Träume haben? Dann wird’s gefährlich. Denn Angst ist kein guter Ratgeber.

Und trotzdem glaube ich daran, dass sich Angst überwinden lässt. Dass Hoffnung stärker ist. Und ich träume: die Jugendlichen von heute erzählen einmal ihren Enkeln, wie sie früher Angst hatten vor Krieg. Und sie sagen: „Das könnt ihr euch gar nicht mehr vorstellen!“

„Und?“ fragen die Kinder dann, „Was habt ihr da gemacht?

„Wir haben angefangen, unsere Träume ernst zu nehmen. Schießen wurde verboten. Kriegsdrohnen wurden zum Säen und Bewässern umgebaut. Wir haben endlich gelernt, gerecht zu leben und zu teilen. Und so wurde es endlich anders.“

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November 2024, von Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade

„PEACE AND PRAY“ – App jetzt online

Vom 10. – 20. November 2024 findet bundesweit die Ökumenische FriedensDekade statt. Sie lädt in ökumenischer Verbundenheit zum Friedensgebet ein. Das Motto der diesjährigen FriedensDekade: „Erzähl mir vom Frieden“.

Mit einer App wird das Material des Ökumenische FriedensDekade e.V. auf digitalem Weg ergänzt. Die App macht das Engagement für den Frieden mobil: ein täglicher Impuls zum Nachdenken als Push-Nachricht, ein Aktionsvorschlag und ein Friedenslied für jeden Tag. Dazu eine komplette Liturgie für ein tägliches Friedensgebet.

Ganz einfach verfügbar, an jedem Ort. So wird es Friedensengagierten leichter gemacht, eine Andacht zu feiern, sich gemeinsam unter dem Motto „Erzähl mir vom Frieden“ zu verbinden, zum Mitmachen einzuladen.

Passend zum Motto der diesjährigen FriedensDekade wird es für jeden Tag in der App eine Podcast-Folge geben (nähere Infos zum Podcast sind über diesen Link zu finden), in der Menschen aus aller Welt zu Wort kommen, die gewaltfrei auf Gewalt reagiert haben und mit ihrem Handeln beweisen: Gewalt muss nicht Gegengewalt erzeugen. Die Spirale der Gewalt kann durchbrochen werden.

Eine Perspektive gegen den Trend, denn im Zuge der sicherheitspolitischen Zeitenwende seit 2022 stellen sich militärische Ansätze zur Lösung gewaltvoller Konflikte zunehmend als alternativlos dar.

Die App Peace and pray steht kostenfrei für Android und IOS zum Download zur Verfügung. Einfach herunterladen: Peace and pray im App Store (apple.com) oder Peace and pray – Apps bei Google Play. Bitte aktualisieren Sie Ihre App über den AppStore, damit Ihnen die aktuellen Impulse angezeigt werden!!!

Erzähl mir DEINEN Frieden – ein Podcast

Im Podcast „Erzähl mir DEINEN Frieden“ kommen Menschen aus aller Welt zu Wort, die gewaltfrei auf Gewalt reagiert haben und mit ihrem Handeln beweisen: Gewalt muss nicht Gegengewalt erzeugen, die Spirale der Gewalt kann durchbrochen werden. Eine Perspektive gegen den Trend, denn im Zuge der sicherheitspolitischen Zeitenwende seit 2022 stellen sich militärische Ansätze zur Lösung gewaltvoller Konflikte zunehmend als alternativlos dar. In vielen Überlegungen und Debatten mangelt es schlicht an Vorstellungen, an Ideen, an realen Beispielen, wie nicht gewaltvolle und friedenslogische Handlungsmöglichkeiten aussehen könnten. Im Podcast sollen genau diese realen Beispiele hörbar werden.

Entgegen dem Brauch wurden die ersten elf Folgen gemeinsam veröffentlicht, denn kurz nach der Veröffentlichung findet im November 2024 die Ökumenische Friedensdekade statt. Der Podcast will die elf Tage der Dekade begleiten und findet sich auch in der APP „Peace and Pray“, die an jedem Tag der Friedensdekade einen Impuls, ein Friedenslied, eine Andacht und eine Friedensgeschichte bietet.

Der Podcast ist seit 22.10.2024 veröffentlicht und findet sich bei Spotify, Apple Podcast, YouTube und Podcast.de. Nachfolgend finden sich die voll ausgeschriebenen Links zu den jeweiligen Plattformen. Unter der Überschrift „Bewerbung“ sind außerdem Aushänge mit den entsprechenden QR-Codes, sowie Hinweise auf SharePi zu finden.

Das Konzept für diesen Podcast entstand im Kontext der Weiterbildung zur „Fachkraft für Friedensarbeit“ bei „Gewaltfrei Handeln e.V.“ als Projektarbeit. Finanziert wird das Projekt durch die Arbeitsstelle Frieden und Umwelt der EvangelischenKirche der Pfalz.

Spotify:

Apple Podcast:

https://podcasts.apple.com/de/podcast/erz%C3%A4hl-mir-deinen-frieden/id1759115234

YouTube:

Podcast.de:

https://www.podcast.de/podcast/3485573/erzähl-mir-deinen-frieden

„KRIEGSTÜCHTIG?“ (von Lioba Meyer)

MUSS PISTORIUS SICH KORRIGIEREN?

Sprache ist verräterisch. Ende Oktober 2023 erklärte Bundesverteidigungsminister Pistorius: „Wir brauchen einen Mentalitätswechsel (…) Wir brauchen ihn in der gesamten Gesellschaft (…) Wir müssen kriegstüchtig werden.“ Und er fordert Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime für die Bundeswehr. Diese Forderungen können nicht unwidersprochen hingenommen werden. Sie sind geschichtslos und gefährlich. Sie bergen die Gefahr, dass kriegsverherrlichende Rhetorik wieder salonfähig wird.

Boris Pistorius war in den Jahren 2006 bis 2013 Oberbürgermeister von Osnabrück, einer Stadt, die im Jahr 2023 den 375. Jahrestag des Westfälischen Friedens beging. Der Friedensvertrag von 1648, der den grausamen Dreißigjährigen Krieg beendete, sollte jedem Oberbürgermeister Osnabrücks eine Verpflichtung sein. Darin heißt es: „Es sollen alle mit Worten, Schriften oder Taten zugefügten Beleidigungen (und) Gewalttaten (…) gegeneinander aufgehoben sein, auf dass alles (…) immerwährendem Vergessen anheimgegeben sei.“ Dieser Friedensschluss beweist, dass dauerhafter Frieden nur mit Verhandlungen gelingen kann, nicht mit Waffen und kriegerischer Rhetorik. Deshalb gilt der Westfälische Friede in dermodernen Friedens- und Konfliktforschung bis heute als Vorbild für die Beendigung von Kriegen.

Als ehemaliger Oberbürgermeister ist Pistorius natürlich mit dem Werk und Leben des ebenfalls aus Osnabrück stammenden Schriftstellers Erich Maria Remarque vertraut und sollte dessen Warnung vor den Gefahren von Kriegsbegeisterung kennen. Remarque warnt: „Krieg ist zu allen Zeiten ein brutales Werkzeug der Ruhmgier und Macht gewesen.“ Für Remarque wäre eine Tüchtigkeit zum Krieg undenkbar gewesen.

In seinem Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ schildert Remarque, wie junge Menschen durch Kriegspropaganda verführt werden und ihre Zukunft in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs verlieren.

Eine Schlüsselpassage dort lautet: „Wie sinnlos ist alles, was geschrieben, getan, gedacht wurde (…), wenn so etwas möglich ist, wenn die Kultur von Jahrtausenden nicht einmal verhindern konnte, dass diese Ströme von Blut fließen.“ Auch Henri Barbusse, französischer Pazifist und Autor des Kriegstagebuchs „Le Feu“ von 1916, Vorbild von „Im Westen nichts Neues“, fordert: „Man muss den Geist des Krieges in den Köpfen töten.“ Denn Krieg beginnt im Denken.

Angesichts des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine appellierten Prominente aus Osnabrück im Februar in einemBrief an den Verteidigungsminister, „alles Mögliche zu tun, um Wege und Perspektiven für Verhandlungen und für einen Frieden zu eröffnen“ Sie argumentierten, dass eine eindimensionale Fokussierung auf Militär und Waffen nur zur Verlängerung des Krieges führe. Pistorius schloss sich dieser Forderung öffentlich und ohne Einschränkung an. Der Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel und der Krieg im Gazastreifen mit dem Leid der palästinensischen Bevölkerung unterstreichen die Dringlichkeit dieser Forderung.

Ein Blick zurück in die deutsche Nachkriegsgeschichte zeigt, dass es neben Verschweigen und Verdrängen auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Kriegsverherrlichung in Literatur, bildender Kunst, Film, Musik und Theater gab. Das Grundgesetz von 1949 formulierte eine klare Absage an Krieg und Kriegsrhetorik. Die Forderung der Präambel, „dem Frieden der Welt zu dienen“, bedeutete Verpflichtung zu verantwortungsvollem Handeln für den Erhalt des Friedens.

Die Forderung vo n Boris Pistorius, wir müssten „kriegstüchtig“ werden, steht im Widerspruch dazu. Er hat sich damit der Kriegslogik angeschlossen. Als Bundesverteidigungsminister ist er dem Friedensgebot des Grundgesetzes verpflichtet. Auch Sprache kann in den Köpfen Krieg vorbereiten.

Genau das meint Christa Wolf, wenn sie ihre Figur der Seherin Kassandra warnen lässt: „Wann Krieg beginnt, das kann man wissen. Aber wann beginnt der Vorkrieg? Falls es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da? Da stünde, unter anderen Sätzen: Lasst euch nicht von den Eigenen täuschen.“

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Der Text ist unserem 52-seitigem Arbeitsheft entnommen (S. 35), das jedem Gesamtpaket und jeder Materialmappe beiliegt.

AUTORIN

LIOBA MEYER, ehemalige Osnabrücker Bürgermeisterin und Kinderbuchautorin schrieb im Februar 2023 zusammen mit vielen anderen Osnabrücker Bürger:innen einen offenen Brief an Verteidigungsminister Boris Pistorius. Er wird aufgefordert alle diplomatischen Wege und Kanäle für Friedensverhandlungen und eine baldige Beendigung des Krieges zu nutzen. Lioba Meyer war im Jahr 2023 Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade

„Dona Nobis Pacem“

Die Kirchenmusikerin und Diplom-Kulturmanagerin Monika Hofmann, diesjährige Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade, schreibt in ihrem Beitrag für das Arbeitsheft (Bestandteil von Gesamtpaket und Materialmappe, d. Red.) der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade: „Frieden ist wie das Erlernen eines Instrumentes und das Zusammenspiel in der Gruppe“. Lesen Sie hier den vollständigen Text und hören Sie hier das international online eingespielte Lied „Dona Nobis Pacem“.

„Wir von Brass for Peace e.V. singen und spielen vom Frieden: „Dona nobis Pacem“ – unser online-Projekt (2022)* mit Blechbläser*innen und Sänger*innen aus Deutschland, Frankreich, Sierra Leone, Sumatra und Palästina. Diese Friedensbitte schickten wir in die Welt.

Weltfrieden aber schaffen wir nicht. Wir „üben“ Frieden im Kleinen. Und mit den Kleinen: unseren christlichen und muslimischen Schüler*innen der Lutherischen Schulen in der Region Bethlehem/Westjordanland. In Blechbläserunterricht und Ensemblearbeit, seit 2009.

Frieden ist wie das Erlernen eines Instrumentes und das Zusammenspiel in der Gruppe. Man braucht einen langen Atem, darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren, auch wenn nicht gleich alles oder erstmal gar nichts klappt oder Rückschläge kommen. Oft fragen unsere Anfänger*innen frustriert: „Warum klingt es nicht so schön wie bei dir?“ Man muss üben, dranbleiben, sich motivieren. Dann schafft man es ins Ensemble, wo mehrere Stimmen miteinander musizieren. Anfangs ist es oft auch ein Gegeneinander: „Wer war hier falsch?“ „Warum spielst du wieder so laut?“

Zuhören und Hinhören lernen – ein langer Weg. Die Kinder merken bald, dass alle wichtig sind, sie akzeptieren sich. „Wer hat falsch gespielt?“ – ist nicht mehr so wichtig. Sie werden toleranter und helfen sich gegenseitig. Nach und nach spüren sie einen gemeinsamen Puls – unglaublich, jetzt entsteht Musik! Die Dirigenten leiten zwar die Proben und setzen musikalische Ziele, doch das Ergebnis ist ein gemeinsamer Erfolg! Das prägt fürs Leben. Das ist Friedensarbeit, für ein Leben in Hoffnung auf Frieden, trotz Besatzung und Krieg.“
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Monika Hofmann, Kirchenmusikerin und Diplom-Kulturmanagerin, lebt in der Pfalz und unterrichtet seit 2001 als Professorin für Posaune und Kirchliche Bläserarbeit an der Hochschule für Kirchenmusik Herford-Witten, vorher war sie Landesposaunenwartin in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Posaunenchöre und die dort aktiven Menschen förderten und prägten sie seit ihrer Jugend. Ihre Unterrichtstätigkeit versteht sie immer auch als Herzensbildung.

Musikbegegnungen in fernen Ländern brachten ihr fremde Kulturen nahe. Auf Reisen in Israel und Palästina 2007 entstand die Idee zur Bläserarbeit an den dortigen Evangelisch-Lutherischen Schulen. 2009 wurde der Verein Brass for Peace gegründet. (www.brass-for-peace.de). Als ehrenamtliche zweite Vorsitzende verantwortet sie u.a. die organisatorische, inhaltliche und musikalische Ausrichtung der Projekte, immer in Kontakt mit den Menschen und Institutionen vor Ort. Von 2010 bis 2016 wohnte sie aus familiären Gründen mit Zweitwohnsitz in Betlehem. Dort erlebte sie viele Facetten des Nahostkonfliktes, die Besatzung und Gewalt und spürte, was „Nicht-Frieden“ mit Menschen macht. Ihre Erfahrung ist: Frieden ist mehr als nur das Gegenteil von Krieg.

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Hier der Link zum online eingespielten „Dona Nobis Pacem“:

https://www.youtube.com/watch?v=nCNyUDf0hu4

 

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