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Schlagwort: Friedensarbeit

Mut vor der Rosenstraße – Als Liebe stärker war als Terror

Mut vor der Rosenstraße – Als Liebe stärker war als Terror

Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert | Folge 2

Aus der Serie „Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert“ zur Ökumenischen FriedensDekade zum Jahresmotto 2026 „couragiert widerständig“.
Das vollständige Porträt steht als PDF zum Download bereit.

Im Februar 1943 herrschte in Berlin der totale Krieg. Die Maschinerie des NS-Regimes lief auf Hochtouren, Deportationszüge rollten Tag für Tag in Richtung Osten. Widerstand schien aussichtslos, jede Kritam lebensgefährlich. Doch in der Rosenstraße, einer unscheinbaren Straße im Herzen Berlins, geschah etwas Außergewöhnliches: Etwa 2.000 Frauen versammelten sich vor einem Verwaltungsgebäude, in dem ihre jüdischen Ehemänner festgehalten wurden. Sie kamen wieder und wieder, trotz Drohungen, trotz vorgehaltener Gewehre, trotz der Angst vor Verhaftung und Tod.

Die Fabrik-Aktion: Wenn Menschen zu Nummern werden

Am 27. Februar 1943 begann die sogenannte „Fabrik-Aktion“ – die letzte große Verhaftungswelle von Jüdinnen und Juden in Berlin. Die Gestapo verhaftete über 10.000 Menschen an ihren Arbeitsplätzen, in ihren Wohnungen, auf offener Straße. Etwa 2.000 der Verhafteten waren Männer in sogenannten „Mischehen“ mit nichtjüdischen Frauen. Diese Männer wurden in der Rosenstraße 2-4 interniert, einem ehemaligen Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde.

Die Frauen dieser Männer wussten, was Deportation bedeutete. Sie kannten die Gerüchte aus dem Osten, das Unfassbare, das man sich nicht zu Ende denken wagte. Und so taten sie das Unmögliche: Sie gingen hin. Stellten sich auf die Straße. Und blieben.

Der Friedenskompass der Friedensdekade

Der Protest: Als Präsenz zur Macht wurde

Was genau Charlotte Israel, Elsa Holzer und Grete Moser bewegte, vor das Gebäude zu gehen, wissen wir nicht. War es Verzweiflung? Hoffnung? Die schiere Unmöglichkeit, zu Hause zu bleiben? Sie kamen und sie waren nicht allein.

Aus einzelnen Frauen wurde eine Menge. Aus einem Tag wurde eine Woche. Die Frauen riefen nach ihren Männern: „Gebt uns unsere Männer wieder!“ Immer wieder dieser Ruf durch die eiskalten Februartage.

„Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20) – diese Verheißung Jesu bekam in der Rosenstraße eine politische Dimension. Die Versammlung der Wenigen wurde zur Macht durch Präsenz, durch das sture Beharren auf dem Menschlichen in einer Zeit, die das Menschliche systematisch auslöschte.

Die Drohung: Mut trotz Todesangst

Die SS rückte an. Maschinengewehre wurden in Stellung gebracht. „Räumen Sie die Straße, oder wir schießen!“

Die Frauen wichen zurück. Einige gingen nach Hause. Aber sie kamen wieder. Am nächsten Tag. Und am übernächsten. Ihre Angst war real, ihre Verwundbarkeit offensichtlich. Aber stärker als die Angst war die Liebe zu ihren Männern, die Treue zueinander, ein letzter Rest Glauben daran, dass Menschlichkeit nicht ganz ausgelöscht werden kann.

In biblischer Sprache: Sie zogen aus wie David gegen Goliath – unbewaffnet gegen eine militarisierte Todesmaschinerie. Aber ihre Waffe war die Gewaltfreiheit selbst, jene paradoxe Macht, die in ihrer Schwäche stark ist (2 Kor 12,10).

Der Erfolg: Wenn das Undenkbare geschieht

Am 6. März 1943, nach einer Woche Protest, geschah das Undenkbare: Die Männer wurden freigelassen. Nicht alle sofort, aber sie kamen frei. Die meisten von ihnen überlebten das Kriegsende.

War es der Protest allein? Historiker streiten darüber. Manche argumentieren, das Regime habe bereits zuvor gezögert. Andere verweisen auf die Angst der Machthaber vor Unruhen in der bombardierten Hauptstadt.

Doch diese Debatte verkennt das Wesentliche: Die Frauen wussten nicht, ob ihr Protest erfolgreich sein würde. Sie kamen trotzdem. Sie handelten im Vertrauen, dass ihr Tun richtig war, ohne Garantie, ohne Sicherheit. Das ist das Wesen prophetischen Handelns: aufstehen, weil es geboten ist, nicht weil der Sieg sicher ist.

Parallelen zu heute: Zivilcourage in Zeiten der Gewalt

2026 leben wir in einer Welt, in der wieder Panzer rollen, in der Autokraten ihre Macht zementieren, in der Waffenexporte steigen und Diplomatie als Schwäche gilt. Die Rosenstraße erzählt eine andere Geschichte von Sicherheit, von der Macht der Zivilgesellschaft, der Kraft gewaltfreien Widerstands, der Bedeutung öffentlicher Präsenz.

Sie erinnert uns: Autoritäre Systeme sind verwundbarer, als sie erscheinen, gerade wenn Menschen ihre Angst überwinden und zusammenstehen.

Couragiert widerständig: Was wir lernen können

Das Jahresmotto der ökumenischen FriedensDekade 2026 „couragiert widerständig“ ist keine romantische Phrase. Die Frauen der Rosenstraße zeigen uns, was diese Haltung bedeutet:

Couragiert: nicht furchtlos, sondern trotz der Furcht handelnd. Mut ist die Entscheidung, das Richtige zu tun, obwohl man Angst hat.

Widerständig: nicht aus Opposition um ihrer selbst willen, sondern aus Treue zur Menschenwürde. Widerstand beginnt dort, wo Unrecht System wird.

Öffentlich: nicht im stillen Kämmerlein, sondern sichtbar, vernehmbar. Öffentlichkeit ist Schutz und Zeugnis zugleich.

Beharrlich: nicht ein Tag Empörung, sondern das geduldige Aushalten, das Wiederkommen, das Nicht-Aufgeben.

Gewaltfrei: weil der Weg die Botschaft ist und das Mittel das Ziel prägt.

Spendenaufruf FriedensDekade 2026

Eine letzter Gedanke

Die Geschichte der Rosenstraße ist keine Erfolgsgarantie. Sie ist kein Beweis dafür, dass Zivilcourage immer siegt. Tausende andere protestierten nicht und ihre Angehörigen wurden ermordet. Millionen gingen in den Tod, weil zu wenige aufstanden, zu viele schwiegen.

Aber die Rosenstraße ist ein Zeichen. Ein Friedenszeugnis. Eine Erinnerung daran, dass Menschen nicht machtlos sind, auch nicht unter Diktaturen. Dass das vermeintlich Unmögliche möglich werden kann. Dass Liebe stärker sein kann als Terror.

Die Frauen der Rosenstraße haben nicht die Welt gerettet. Aber sie haben ihre Männer gerettet. Sie haben gezeigt, dass es Widerstand gab, auch im dunkelsten Deutschland. Sie haben ein Licht angezündet, das bis heute leuchtet.

Das ist das Wesen von Friedenszeugen: Sie verändern vielleicht nicht alles. Aber sie verändern etwas. Sie brechen das Schweigen. Sie durchbrechen die Logik der Gewalt. Sie werden selbst zur Botschaft, ein lebendiges Zeichen dafür, dass eine andere Welt möglich ist.

In der Rosenstraße steht heute eine Gedenkstätte. Ein Ort, der fragt: Was würdest du tun? Wofür würdest du aufstehen? Wen würdest du nicht aufgeben?

Couragiert widerständig das ist keine historische Kategorie. Das ist eine Lebenshaltung. Für heute. Für morgen. Für uns alle.

Friedenspolitische Einordnung | Teil 2: Harte Zeiten für Friedensarbeit

Warum wir jetzt Sichtbarkeit, Zusammenhalt und Mut brauchen

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF (redaktionell aufbereitet für die FriedensDekade)

 

Bei der letzten Vorstandssitzung der AGDF haben wir uns intensiv mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt und in Deutschland befasst. Abgesehen von einigen Lichtblicken sind es harte Zeiten für zivilgesellschaftliches Engagement für Gerechtigkeit und Frieden weltweit und sie könnten noch härter werden. Was wir dort besprochen haben, betrifft nicht nur AGDF-Mitglieder, sondern die gesamte deutsche Friedenslandschaft, auch die Ökumenische FriedensDekade.

Wenn treue Partner wegbrechen

Die EKD-Friedensdenkschrift hinterlässt den Eindruck, als ob die Friedensarbeit kaum gesehen und nicht wertgeschätzt wird. Sind wir dabei, einen „treuen Partner“ und Unterstützer zu verlieren und angesichts notwendiger Einsparungen auch dessen finanzielle Förderung?

Das betrifft nicht nur einzelne Organisationen. Es betrifft alle, die in Deutschland für Frieden arbeiten: Gemeinden, die Friedensgebete feiern. Friedensdienste, die in Konfliktregionen vermitteln. Bildungsträger, die gewaltfreie Kommunikation lehren. Die gesamte Infrastruktur ziviler Konfliktbearbeitung steht unter Druck.

Die Arbeit geht weiter – in der Defensive

Trotz der immensen Herausforderungen gibt es unverändert eine kontinuierliche, langfristig angelegte, professionelle und insgesamt erfolgreiche Arbeit der AGDF-Mitglieder und anderer Friedensorganisationen. Sie ist allerdings in der Defensive, muss sich um den Erhalt von Finanzen oder neue Quellen kümmern, Resilienz und Schutz vor Angriffen verstärken, mit massiver Unsicherheit umgehen.

Was das konkret bedeutet? Friedensfachkräfte werden aus Projekten abgezogen. Bildungsprogramme müssen reduziert werden. Gemeinden bekommen weniger Material und Unterstützung. Die Expertise von Jahrzehnten droht verloren zu gehen – genau dann, wenn sie am meisten gebraucht wird.

Was jetzt zu tun ist

Insofern stehen wir vor mehreren Herausforderungen: Wie können wir die Friedensarbeit und ihren Wert stärker in die (kirchliche) Öffentlichkeit bringen und Entscheidungsträger*innen überzeugen, für sie weiterhin finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen? Wie können die Akteure der Friedensarbeit gestärkt und ermutigt werden, wie gemeinsam Perspektiven entwickeln?

Denn sie werden gebraucht, damit Konflikte konstruktiv bearbeitet, gewalttätige Auseinandersetzungen deeskaliert, Schwache empowert, Versöhnungsprozesse erfolgreich aufgesetzt werden und der Einfluss autoritärer Kräfte zurückgedrängt wird.

Es sind harte Zeiten für Friedensarbeit in Deutschland. Aber genau deshalb braucht es jetzt Menschen, die couragiert widerständig daran festhalten: Frieden ist möglich. Frieden braucht professionelle Arbeit. Und Frieden braucht Unterstützung.


Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der Text basiert auf seinem Editorial im monatlichen AGDF-Newsletter.

Ihre Stimme zählt: Was die Umfrage zeigt und was wir daraus machen

Rückblick, Aufbruch und ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgedacht haben

Die Ergebnisse unserer großen Umfrage zum Ende der ökumenischen FriedensDekade 2025 liegen vor, und wir haben uns Zeit genommen, Ihre Rückmeldungen zu lesen. Nicht nur zu überfliegen, sondern zu verstehen: Was bewegt Sie? Was brauchen Sie für Ihre Friedensarbeit vor Ort? Und wo können wir besser werden? Heute möchten wir mit Ihnen teilen, was dabei herausgekommen ist und was wir bereits auf den Weg gebracht haben.

Das läuft gut

Ihr Feedback hat uns gutgetan. Es zeigt: Vieles von dem, was wir tun, kommt bei Ihnen an und hilft Ihnen in Ihrer Arbeit. Danke!

Die Website friedensdekade.de nutzen viele von Ihnen als erste Anlaufstelle, wenn es um Informationen, Materialien oder Termine geht. Schön zu hören, dass Sie sich dort gut zurechtfinden und schnell das finden, was Sie brauchen.

Der Friedensbrief (früher Newsletter) scheint den richtigen Ton zu treffen. Fast die Hälfte von Ihnen öffnet ihn regelmäßig. Für Newsletter-Verhältnisse ist das außergewöhnlich hoch und zeigt uns: Die Mischung aus Impulsen, Hintergründen und praktischen Hinweisen passt.

Materialheft, Gebetsleporello und „Schwerter zu Pflugscharen“ haben sich besonders bewährt. Diese Materialien sind aus Ihrer Arbeit vor Ort nicht mehr wegzudenken.

In den sozialen Medien, vor allem im November, konnten wir Menschen erreichen, die uns vorher nicht kannten. 60 Prozent der erreichten Personen waren noch keine Follower. Die Friedensbotschaft trägt weiter, als wir manchmal denken. Folgen Sie uns schon bei Instagram?

Was Sie sich wünschen

Natürlich haben Sie uns auch gesagt, wo wir nachlegen können. Das nehmen wir ernst, denn nur so können wir besser werden.

Jüngere Menschen erreichen
Mehr Material für Konfirmandenarbeit und Schulen, frischere Gottesdienst-Formate, die auch die erreichen, die sonst nicht kommen. Diese Wünsche haben uns mehrfach erreicht.

Praktische Hilfen für den Alltag
Konkrete Impulse für den Gemeindekaffee, Gesprächsleitfäden zu aktuellen gesellschaftlichen Themen, neue Werbemittel wie Rollups oder Mutmacherkarten, die im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit schaffen.

Inhaltliche Tiefe
Gewaltfreier Widerstand, Zivilcourage, Schutz vor Ausgrenzung. Das Motto „couragiert widerständig“ soll richtig durchbuchstabiert werden, nicht nur als Schlagwort, sondern als Haltung.

Was wir bereits getan haben

Wir haben nicht nur zugehört, sondern auch angefangen. Alle Ihre Themen und Anregungen liegen bei unseren Arbeitskreisen auf dem Tisch und fließen direkt in die Materialerstellung für 2026 ein.

Der Friedensbrief ist da
Der Newsletter heißt jetzt Friedensbrief und kommt alle drei Wochen mit klarerem Fokus und mehr Tiefgang. Hier gehts zum Abo

Der FriedensKompass 2026
Sie haben sich mehr liturgische Inhalte fürs ganze Jahr gewünscht, nicht nur für die zehn Tage im November. Also haben wir 22 Einheiten für Friedensgebete entwickelt, die Sie durchs Jahr begleiten. Der FriedensKompass ist bereits verfügbar und bietet Ihnen den langen Atem, den Friedensarbeit braucht. Bestellen Sie den hier.

Serie „Frauen des Friedens“
Starke Biografien, die Mut machen und zum Nachdenken anregen, auch als ausführliche PDF-Version für Gruppen, Schulen und Gemeinden. Begonnen haben wir im Januar mit Bertha von Suttner und 11 weitere Frauen des Friedens werden folgen.

Serie „Friedenspolitische Einordnung“
Monatlich ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, weltpolitische Ereignisse aus friedenspolitischer Perspektive ein. Von Völkerrechtsbrüchen über Aufrüstungsdebatten bis zu zivilgesellschaftlichen Alternativen.

Weitere Formate in Arbeit
Es kommt noch mehr. Wir bleiben dran. Veränderung braucht Zeit und nicht alles werden wir bereits zur Dekade 2026 erfolgreich umgesetzt haben. Seien Sie versichert, wir bleiben dran.

Machen Sie mit

Friedensarbeit funktioniert nur gemeinsam. Deshalb laden wir Sie ein, dabei zu sein.

Werden Sie aktiv
Sprechen Sie Ihre Gemeinde an, planen Sie etwas für die FriedensDekade vom 8. bis 18. November 2026. Jedes Friedensgebet, jede Andacht, jede kleine Aktion ist ein Zeichen.

Bestellen Sie das Abo-Gesamtpaket
Es kommt schon im Juni oder Juli 2026 zu Ihnen und gibt Ihnen Planungssicherheit. Hier

Bleiben Sie in Kontakt
Abonnieren Sie den Friedensbrief, folgen Sie uns auf Instagram, leiten Sie Infos weiter. Hier

Unterstützen Sie uns
Mit Spenden oder durch den Kauf von Materialien machen Sie es möglich, dass wir auch 2026 „couragiert widerständig“ sein können.

Gemeinsam machen wir Frieden sichtbar. Danke, dass Sie dabei sind.

Schreibwerkstatt 2026: Wenn Friedensgebete im Schnee entstehen

Wie bereits im Februar die liturgische Grundlage für die FriedensDekade im November gelegt wird

Die FriedensDekade wird Jahr für Jahr im November sichtbar, wenn bundesweit Friedensaktionen gefeiert werden. Doch die Arbeit dafür beginnt viel früher. Bereits jetzt, im Februar, wird die liturgische Basis für die zehn Tage vom 8. bis 18. November gelegt. In der Schreibwerkstatt entstehen die Texte, die später in Kirchen und Gemeindehäusern gebetet werden. Die Texte aus den vergangene Jahren sind als Friedenskompass 2026 für die unterjährige Friedensgebete bereits verfügbar. Parallel arbeiten andere Kreise am Materialheft, der Vorsitzende schreibt seinen Leitartikel, das Gewinnermotiv für 2026 steht fest. Die FriedensDekade ist längst in vollem Gang.

Ein Wochenende im verschneiten Norden 

von Wiltrud Rösch-Metzler (Redaktionsleitung ökumenische FriedensDekade) 

Rund ein Dutzend friedensbewegte Autorinnen und Autoren sind Ende Januar einer Einladung des Vereins der Ökumenischen FriedensDekade zu einer Schreibwerkstatt für Friedensgebete gefolgt. In den tief verschneiten, gastfreundlichen Evangelischen Gästehäusern Sandkrug in Hatten bei Oldenburg tauschten sie sich ein Wochenende lang zum Motto der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“ aus.

Im wunderschönen Ambiente verfassten sie Impulstexte und stellten die elf neuen Friedensgebete für die diesjährige bundesweite FriedensDekade zusammen. In der Regel werden diese in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag (in diesem Jahr vom 8. bis 18. November) in Kirchen und Gemeindehäusern gebetet.

Zum Ablauf des Wochenendes gehört auch eine kleine, zum Motto passende Exkursion, die in diesem Jahr aufgrund der Wetterlage umgeplant werden musste. Die Gruppe ließ sich für ihre Andachtstexte von einem Reisebericht über die Kairos-Palästina Konferenz im November 2025 in Bethlehem und die Situation in Bethlehem und den umliegenden Dörfern sowie vom Film „Das trojanische Pferd“ über den Widerstand gegen das Stuttgarter Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 inspirieren.

Friedensarbeit braucht viele Hände und einen langen Atem

Was in der Schreibwerkstatt entsteht, ist nur ein Teil eines größeren Ganzen. Während die einen an liturgischen Texten feilen, arbeiten andere am Materialheft, an pädagogischen Impulsen, an Grafiken und Plakaten. Der Vorsitzende schreibt seinen Leitartikel, das Redaktionsteam plant die kommenden Friedensbriefe, das Gewinnermotiv von Olaf Warburg ist bereits im Einsatz.

All das geschieht Monate vor dem November, damit Sie vor Ort gut vorbereitet sind, wenn die zehn Tage der FriedensDekade beginnen. Friedensarbeit braucht Zeit, Planung und Menschen, die sich einbringen. Die Schreibwerkstatt ist ein schönes Beispiel dafür, wie aus gemeinsamer Arbeit etwas entsteht, das trägt.

Nächstes Jahr wieder dabei sein?

Die Ökumenische FriedensDekade lädt auch im nächsten Jahr wieder zu einer Schreibwerkstatt ein. Wenn Sie Interesse haben, vorbeizukommen und mitzuschreiben, merken Sie sich den Termin schon jetzt vor.

Infos: friedensdekade@roesch-metzler.de

couragiert widerständig engagieren

Leitimpuls von Jan Gildemeister

Warum es 2026 Mut braucht und was wir füreinander tun können

Die Welt, in der wir leben, macht es einem nicht leicht, ruhig zu bleiben. Aufrüstung, Demokratieabbau, Klimakrise, wachsende Ungleichheit, es sind keine abstrakten Bedrohungen, sondern spürbare Realitäten, die viele Menschen lähmen. Und doch: Aufgeben ist keine Option. Jan Gildemeister, Vorstand der ökumenischen FriedensDekade, legt in seinem Leitimpuls zum Jahresmotto 2026 dar, warum es gerade jetzt Mut braucht  und was „couragiert widerständig“ konkret bedeutet.

Viele Entwicklungen in der Welt und auch in Deutschland lösen Ängste, Frust und Hoffnungslosigkeit aus

Mächtige Staaten und „Staatenlenker“ ignorieren internationale Regeln wie Völkerrecht und Menschenrechte sowie internationale Institutionen. Aufrüstung und der Einsatz von Waffengewalt nehmen zu. Angriffe auf Infrastruktur werden häufiger. Über soziale Medien werden Fake News verbreitet, die Macht der sog. Tech-Giganten wächst. Populistische und rechtsradikale Kräfte gewinnen an Einfluss und unterhöhlen demokratische Institutionen. Zivilgesellschaftliche Akteure, die sich für Menschenrechte, Recht und Gerechtigkeit einsetzen, verlieren immer mehr Freiräume und werden in vielen Staaten unterdrückt. Und schließlich scheint die Klimakrise noch schneller voranzuschreiten als befürchtet.

Dies ist das offizielle Motiv der ökumenischen FriedensDekade vom 08. bis 18. November 2026 zum Motto couragiert widerständig
Das offizielle Motiv der ökumenischen FriedensDekade vom 08. bis 18. November 2026 zum Motto couragiert widerständig von Olaf Warburg

Wir sitzen alle im gleichen Boot

Die Opfer dieser Entwicklungen und die zivilgesellschaftlichen Kräfte, die ihnen entgegensteuern, sind dabei in einem Boot. So erkundigen sich US-amerikanische Christ*innen bei uns, wie es in der NS-Zeit war, und in Europa können wir mit Blick auf Wahlerfolge rechtsextremer Parteien von Widerstand und Schutzkonzepten in anderen Staaten lernen.

Es braucht schon einigen Mut, sich nicht ins Private zurückzuziehen, passiv zu werden, sondern trotz möglicher Anfeindungen und schwieriger Bedingungen zu dem zu stehen, was für einen wichtig ist, und entsprechend aktiv zu werden. In Deutschland erleben wir, dass nicht nur Geflüchtete oder rassistisch Diskriminierte um ihre Sicherheit fürchten müssen, sondern auch diejenigen, die sich für deren Anliegen einsetzen oder politisch gegen Rechtsradikale engagieren.

Je mehr Menschen couragiert handeln, desto sicherer wird es für alle

Und je weniger Menschen sich couragiert vor Ort für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, umso größer sind die Risiken für sie und ihre Nächsten. Anders formuliert: je mehr gegen Rechtsradikale auf die Straße gehen oder sich im öffentlichen Nahverkehr, beim Einkauf, am Arbeitsplatz oder in sozialen Medien für Diskriminierte einsetzen, umso weniger Einfluss haben sog. Verfassungsfeinde und Populist*innen.

Damit dieses Engagement von Erfolg gekrönt wird, braucht es auch die Unterstützung einflussreicher gesellschaftlicher Institutionen wie Kirchen, Gewerkschaften, aber auch von Sport-, Schützen-, Karnevals- und Heimatvereinen. Wenn Sportvereine die Vielfalt ihrer Aktiven begrüßen, wenn beim Karneval für eine bunte Gesellschaft geworben wird oder sich die Kirchen für die Belange von Asylsuchenden einsetzen, ermutigt dies. Beispiele dafür gibt es viele, zugleich wird dies politisch ausgebremst, da immer noch nicht geklärt ist, welche öffentlichen Äußerungen von Vereinen im Rahmen des Gemeinnützigkeitsrechts legitim und wo Grenzen sind. Auch das pauschale Misstrauen nicht nur der AfD, sondern auch von Teilen der Unionsparteien gegen zivilgesellschaftliche Initiativen führt zu großer Unsicherheit bei den Betroffenen.

Widerständig sein bedeutet mehr als Demokratie verteidigen

Das Motto der Ökumenischen Friedensdekade 2026 fordert nicht nur zum couragierten Handeln auf, sondern zugleich widerständig zu sein. Aber geht es aktuell nicht darum, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen gegen diejenigen, die zum Widerstand gegen „das System“ aufrufen? Natürlich ist dies sehr wichtig, zugleich reicht es mit Blick auf die größere Perspektive von Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Mitschöpfung nicht aus. Gegen die Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen gilt es ebenso widerständig zu sein, wie gegen die ungebremste Aufrüstung und das Festhalten an der höchst problematischen nuklearen Abschreckung. Viel zu kurzfristig gedachte politische Entscheidungen, die notwendige Maßnahmen gegen die Klimakrise, Artenschutz und allgemein Umweltzerstörung zugunsten von Wirtschaftsinteressen ausbremsen, dürfen nicht hingenommen werden. Da gilt es im Rahmen demokratischer Spielregeln entschieden zu protestieren, durchaus auch mit gewaltfreiem Widerstand, ohne damit ungewollt Wasser auf die Mühlen Rechtsradikaler zu gießen.

Was couragiert widerständig in der Praxis bedeutet

Haupt- und noch erheblich mehr Ehrenamtliche sind bei Mitgliedsorganisationen der AGDF couragiert widerständig aktiv: Sie koordinieren Bündnisse gegen Rechts vor Ort oder gegen die Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen. Als Friedensfachkraft begleiten sie gefährdete Menschenrechtsverteidiger*innen oder unterstützen Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit in Krisenregionen. Junge Freiwillige leisten ihren Dienst in Projekten, die sich auch unter schwierigen Rahmenbedingungen für sozial Schwache einsetzen. AGDF-Mitglieder qualifizieren zudem für die professionelle Bearbeitung von Konflikten und bilden Campaigner*innen aus. Sie beraten junge Menschen, die vor der Frage stehen, ob sie den Kriegsdienst verweigern sollen.

Gemeinsam für eine bessere Welt

Wir brauchen viele Menschen, die sich gemeinsam für eine bessere Welt engagieren, trotz Anfeindungen und Repressionen. Die das Ziel einer Kriegstüchtigkeit oder Feindbilder in Frage stellen und dagegen wehren, dass unhinterfragt aufgerüstet und eine Militarisierung vorangetrieben wird bei gleichzeitiger Kürzung der Mittel für Instrumente der zivilen Konfliktbearbeitung, Soziales und Entwicklungszusammenarbeit oder für die Bekämpfung der Klimakrise. Genau dazu will die ökumenische FriedensDekade ermutigen: als ein Ort, an dem Gemeinden, Gruppen und Einzelne Jahr für Jahr neu innehalten, sich vernetzen und gestärkt werden für den langen Atem, den diese Arbeit braucht.


Der legendäre Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ gibt es weiterhin im Webshop der Dekade

Bleiben Sie couragiert widerständig

Friedensarbeit braucht einen langen Atem. Und Menschen, die sie tragen.

Wenn Sie die Arbeit der ökumenischen FriedensDekade unterstützen möchten, gibt es zwei Wege: Mit dem Kauf unserer Materialien helfen Sie, die Dekade lebendig zu halten. Wer darüber hinaus spenden möchte, ermöglicht uns, auch dort präsent zu sein, wo es besonders nötig ist.

Vor allem aber: Bleiben Sie selbst couragiert widerständig. Bleiben Sie treu Ihren Werten, Ihrer Menschlichkeit, der Liebe zu Ihren Nächsten. In einer Zeit, in der vieles wankt, ist das keine Kleinigkeit. Es ist ein Akt des Glaubens.

Mit Gottes Hilfe.


Spendenaufruf FriedensDekade 2026


Der Friedenskompass 2026: Liturgische Orientierung für couragiert widerständige Gemeinden

Wer jetzt schon mit seiner Gemeinde oder Gruppe in das Motto „couragiert widerständig“ eintauchen möchte, muss nicht bis November warten. Der Friedenskompass 2026 ist bereits heute im Onlineshop der ökumenischen FriedensDekade erhältlich.

Er greift das Jahresmotto auf und gibt ihm eine liturgische Richtung: mit historischen Impulsen, die zeigen, was couragierter Widerstand in der Geschichte des Glaubens bedeutet hat, und mit Gebeten und Texten, die helfen, diesen Geist in den eigenen Gemeindekontext zu übertragen. Der Friedenskompass ist kein fertiges Programm, sondern eine Orientierungshilfe für alle, die Friedensgebete, Andachten oder Gemeindeabende gestalten wollen.


Der Friedenskompass der Friedensdekade
Durch das Jahr mit Friedensgebeten, liturgischen Texten, Impulsen und ersten Einordnungen.

Das vollständige redaktionelle Gesamtpaket erscheint dann Mitte 2026: Die Materialmappe mit ausgearbeiteten liturgischen Bausteinen, theologischen Vertiefungen und praktischen Gestaltungsideen sowie das Gebetsleporello als kompaktes Format für die Hand in der Gemeinde. Beides ist darauf ausgelegt, die zehn Tage der Dekade im November inhaltlich zu tragen und gleichzeitig über die Dekade hinaus nutzbar zu bleiben.

Jetzt den Friedenskompass 2026 im Onlineshop bestellen

Jetzt das Gesamtpaket im Abo bestellen und die FriedensDekade langfristig unterstützen.

 

Über diesen Artikel

Dieser Leitimpuls zum Jahresmotto „couragiert widerständig“ wurde verfasst von Jan Gildemeister, Vorstand der ökumenischen FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Dienste für den Frieden (AGDF). Er erschien im Kontext der Vorbereitung auf die ökumenische FriedensDekade 2026, die vom 8. bis 18. November 2026 stattfindet.

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