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Schlagwort: Friedensarbeit

Rita Süssmuth ist tot: Frieden braucht Haltung

Zum Tod einer couragierten, widerständigen Demokratin

Rita Süssmuth | 1. Februar 2026 | Bundestagspräsidentin | CDU | Friedensarbeit | Demokratie

Lesenswert: Der ausführliche Nachruf von Dr. Michael Borchard (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Am 1. Februar 2026 starb Rita Süssmuth. Sie wurde 88 Jahre alt. Mit ihr verliert Deutschland eine Stimme, die weit über Parteigrenzen hinaus gehört wurde. Viele Nachrufe würdigen sie jetzt als Bundestagspräsidentin, als Pionierin der Gleichberechtigung, als streitbare Christdemokratin. Alles richtig. Aber auch für die Friedensarbeit lohnt ein genauerer Blick. Auf eine Frau, die Frieden nicht als fertigen Zustand verstand, sondern als ständige Aufgabe demokratischer Verantwortung.

Rita Süssmuth war keine Friedenspolitikerin im klassischen Sinn. Sie hat keine Abrüstungsverträge verhandelt und keine Friedensmärsche angeführt. Trotzdem steht ihre Lebensleistung beispielhaft für ein Friedensverständnis, das heute dringlicher ist denn je. Frieden als Ergebnis von Menschenwürde, Gerechtigkeit, Dialog. Und als Widerstand gegen Angst und Ausgrenzung.

Das Motto der ökumenischen FriedensDekade 2026 lautet „couragiert widerständig“. Diese Beschreibung passt auf wenige Politikerinnen so genau wie auf Rita Süssmuth. Nicht weil man ihr das nachträglich zuschreibt. Sondern weil sie genau so gelebt hat.

Couragiert: Die Stimme erheben, wenn es unbequem wird

Rita Süssmuth trat erst 1981 in die CDU ein, mit 44 Jahren. Eine klassische Seiteneinsteigerin, bereits Professorin für Erziehungswissenschaften auf dem Höhepunkt ihrer akademischen Karriere. Sie brachte eine eigene Perspektive mit, die nicht immer zu den herrschenden Strömungen ihrer Partei passte. Und das blieb so.

Als Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit (1985 bis 1988) stellte sie sich gegen Mehrheiten in der eigenen Partei, wenn sie Grundwerte in Gefahr sah. In der Asylpolitik, bei Fragen der Gleichberechtigung, im Umgang mit Krankheit und gesellschaftlicher Angst. Helmut Kohl hatte sie auf Vorschlag von Heiner Geißler ins Kabinett geholt. Er wusste um die wachsende Bedeutung der Familien- und Frauenpolitik und wollte wählende Frauen an die CDU binden. Das heißt aber nicht, dass Süssmuth sich dem Kanzler verpflichtet fühlte. Ihre eigenen politischen Wege ging sie trotzdem.

Die AIDS-Krise der 1980er Jahre zeigt das besonders deutlich. Während andere in ihrer Partei, nicht zuletzt Peter Gauweiler, eine Meldepflicht für AIDS-Kranke forderten und über Zwangsmaßnahmen diskutierten, widersetzte sich Süssmuth konsequent. Sie ließ sich intensiv informieren, erhöhte die Mittel für die Forschung und startete eine Aufklärungskampagne. Ihr Satz wurde legendär:

„Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Infizierten.“

Das ist bis heute ein Lehrstück für menschenwürdige Politik. Und ein deutliches Nein zu struktureller Gewalt, Stigmatisierung und Angstpolitik. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken würdigte bei Süssmuths Tod:

„Sie setzte auf Aufklärung statt Stigmatisierung und damit auf Menschlichkeit sowie wissenschaftliche Evidenz.“

Diese Haltung war kein taktisches Kalkül. Sie war Ausdruck einer tiefen Überzeugung, gespeist aus ihrem Glauben. Ein liberaler Katholizismus, so beschreibt es der Nachruf der Konrad-Adenauer-Stiftung,

„der den Menschen in seiner Freiheit, aber auch seinem Streben nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt“.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, würdigte sie als „engagierte Christin und herausragende Politikerin“, deren Engagement überzeugt vom christlichen Menschenbild gewesen sei.

Krisenfest war sie auch vorher schon gewesen. Wenige Monate nach ihrem Amtsantritt als Ministerin 1985 kam der Reaktorunfall in Tschernobyl. Von jetzt auf gleich lastet ihr eine Schlüsselrolle auf. Sie ruft sofort die Strahlenschutzkommission der Bundesregierung zusammen, lässt sich en detail informieren und sorgt dafür, dass alle Haushalte umgehend über die Gefahren durch erhöhte Strahlenwerte aufgeklärt werden. Eine auffällige, aber selten gesehene Parallele verbindet sie dabei mit Elisabeth Schwarzhaupt, der ersten Bundesministerin überhaupt, die als Gesundheitsministerin mit dem Contergan-Skandal ins kalteste politische Wasser geworfen wurde. Beide bewährten sich.

Widerständig: Standhalten über Jahre und Jahrzehnte

Widerstand bei Rita Süssmuth war selten laut. Er war beharrlich, argumentativ und langfristig angelegt. Sie blieb standhaft, auch wenn der Gegenwind aus den eigenen Reihen kam. Und der kam oft. Aus „lovely Rita“, wie sie manche anfangs nannten, wurde „lonely Rita“. In einem Interview bekannte sie später: „Ich habe Ablehnung in meiner Partei erfahren, ich habe viel Fremdheit empfunden. Es sind so wenige, auf die man sich wirklich verlassen, bei denen man ein offenes Wort wagen kann.“

Der Nachruf von Dr. Michael Borchard beschreibt sie treffend als jemanden, der es verstand, zugleich Störfaktor und Brückenbauerin zu sein. Unbequem, ohne zu verletzen. Klar, ohne zu polarisieren. Es gibt einen alten jesuitischen Leitsatz, der ihre politische Ethik präzise beschreibt:

„Fortiter in re, suaviter in modo“

Klar und kompromisslos in der Sache, verbindlich im Ton. In einer Zeit, in der Lautstärke oft mit Durchsetzungskraft verwechselt wird, blieb Rita Süssmuth widerständig, ohne schrill zu werden. Wer das Glück hatte, sie persönlich kennenzulernen, war vor allem von ihren menschlichen Fähigkeiten fasziniert. Ihre ausgeprägte Liebenswürdigkeit. Ihre wache, ernste und ehrliche Neugierde auf ihr jeweiliges Gegenüber. Ihre Fähigkeit zuzuhören. Eine Bodenständigkeit, die aus ihrer Kinder- und Jugendzeit erwuchs, in der sie mit ihren Schwestern früh Verantwortung bei der Pflege ihrer kranken Mutter übernehmen musste.

Diese Widerständigkeit zeigte sich über Jahrzehnte in ihrem Einsatz für die Gleichberechtigung der Frauen. Sie trat für politische Teilhabe, Quotenregelungen und die Sichtbarkeit weiblicher Stimmen ein, lange bevor diese Themen mehrheitsfähig wurden. Mit ihrem entschiedenen Eintreten für eine Frauenquote in Führungspositionen der CDU schlug sie 1991 in Hannover beim Bundesparteitag ein Kapitel auf, das erst 2024 am gleichen Ort mit dem Einstieg in eine verbindliche Quote geschlossen wurde.

Noch 2023 kritisierte sie, dass der Gesetzesentwurf zur Wahlrechtsreform keine Regelung zur paritätischen Vertretung von Männern und Frauen im Bundestag beinhalte. Sie konstatierte, dass eine demokratische Gesellschaft nicht vollständig sein könne, „wenn die Stimmen der Frauen nicht gehört werden“. Den Frauenanteil von unter 35 Prozent im Deutschen Bundestag empfand sie als hochproblematisch. Das trage dem „Engagement und den Erwartungen der Frauen in keiner Weise Rechnung. Sie werden schlichtweg ignoriert.“

Bundesfamilienministerin Karin Prien würdigte bei Süssmuths Tod: „Bis zuletzt kommentierte sie politisches Zeitgeschehen und ergriff Position in aktuellen Debatten, sie war in bester Weise streitbar und gleichzeitig Brückenbauerin.“ Ihre Stimme wird fehlen, sagte Prien. Das stimmt.

Nicht beugen: Der Bremer Parteitag und das Bundestagspräsidium

1988 berief Helmut Kohl Rita Süssmuth zur Bundestagspräsidentin. Als zweite Frau in diesem Amt, nach Annemarie Renger. Viele dachten damals, das sei eine Art Verschiebebahnhof gewesen. Kohl wollte die unbequeme Ministerin loswerden, die mit ihren Alleingängen zunehmend zum Problem wurde. Ein repräsentatives Amt sollte sie ein Stück weit ruhigstellen.

Das ging gründlich schief. Denn Süssmuth verstand ihr Amt keinesfalls nur repräsentativ, sondern als hochpolitische Plattform. Den Bundestag nannte sie eine „Werkstatt der Demokratie“. Kein Schaufenster, sondern ein Ort der Auseinandersetzung, des Ringens um Lösungen.

1989 gehörte sie zu jenen, die auf dem Bremer Parteitag Helmut Kohl als Parteivorsitzenden stürzen wollten. Der Versuch misslang. Heiner Geißler und Lothar Späth verloren in der Folge ihre Ämter. Rita Süssmuth aber konnte sich mit der Überparteilichkeit ihres Amtes als Bundestagspräsidentin über diese Krise hinwegretten. Ein Rettungsanker, der ihr auch danach ihren politischen Einfluss sicherte.

1998 fiel sie bei der Wahl zum Parteipräsidium durch. Mit der Abwahl Helmut Kohls sank auch ihr eigener politischer Stern. Doch aufgeben war für sie keine Option. Sie zitierte gern Samuel Beckett:

„Scheitern, weitermachen, nochmal scheitern, besser scheitern, weitermachen.“

Und sie hatte ein zweites Lebensmotto, das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Kondolenzschreiben hervorhob: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Diese Maxime prägte ihr Leben bis zuletzt. Auch nach der öffentlichen Bekanntmachung ihrer Brustkrebserkrankung im Juni 2024 blieb sie eine Stimme im politischen Diskurs. Wenige Tage vor ihrem Tod war sie noch bei der Gedenkstunde des Bundestages zum Holocaust-Gedenken anwesend.

Frieden durch Verständigung und persönliche Präsenz

Besonders deutlich wird Rita Süssmuths Friedensverständnis in ihrem Einsatz für internationale Verständigung. Früher als andere erkannte sie die Notwendigkeit der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Das brachte sie in Konflikt mit den Vertriebenenverbänden. Aber sie wusste: In der Transformationszeit des Übergangs auf ein freies Ostmitteleuropa war diese rasche Anerkennung eine schiere Notwendigkeit. Ihr Engagement für die deutsch-polnische Verständigung war Ausdruck eines historischen Bewusstseins, das Frieden nicht dem Zufall überließ. Von 2005 an leitete sie das Deutsche Polen-Institut als Präsidentin.

Ihr Verhältnis zu Israel war geprägt von Solidarität und persönlicher Präsenz. Schon 1990, gemeinsam mit Sabine Bergmann-Pohl, der Präsidentin der letzten frei gewählten Volkskammer der DDR, reiste sie nach Israel. Angesichts der sich abzeichnenden Wiedervereinigung wollten sie dort Ängste vor einem übermächtigen Deutschland nehmen.

1991 folgte sie der Einladung des israelischen Ministerpräsidenten Itzchak Schamir und des Präsidenten Chaim Herzog nach Israel. Ohne jedes Zögern, und das just in jener gefährlichen Zeit, in der irakische Raketen israelische Städte trafen. Niemand wusste damals, was in den Sprengköpfen verborgen war. Sie setzte damit ein starkes Zeichen der Solidarität, das in Israel bis heute nicht vergessen worden ist.

Dieses Zeichen war mehr als Symbolpolitik. Es war ein Akt des Beistehens in Gefahr. Frieden beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen. Genau das hat Rita Süssmuth vorgelebt.

Deutschland als Einwanderungsland: Gegen den Zeitgeist

Vielleicht am mutigsten war Rita Süssmuths Engagement für eine neue Migrationspolitik. Bereits Mitte der 1990er Jahre forderte sie als erste prominente CDU-Politikerin ein klares Bekenntnis: Deutschland ist ein Einwanderungsland und muss sich dieser Realität stellen. Zu einer Zeit, als in ihrer Partei noch das Mantra galt: „Deutschland ist kein Einwanderungsland.“

Als die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 eine Zuwanderungskommission einsetzte, übernahm Süssmuth deren Vorsitz. Sehr zum Unmut ihrer eigenen Partei, die die Mitarbeit in diesem Gremium ablehnte. Der 2001 vorgelegte Bericht begann mit dem programmatischen Satz: „Deutschland braucht Zuwanderinnen und Zuwanderer.“ Diese Kommission, bald nur noch „Süssmuth-Kommission“ genannt, markierte einen Wendepunkt in der deutschen Migrations- und Integrationsgeschichte.

Ihre Arbeit stieß in Teilen der Union auf heftige Ablehnung. Sie ließ sich nicht beirren. Von 2002 bis 2004 leitete sie den Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration, von 2003 bis 2005 arbeitete sie in der UN-Kommission zur internationalen Migration mit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte in seinem Kondolenzschreiben: „Rita Süssmuth hat mutig und maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland sich einer aufgeklärten Einwanderungspolitik öffnete. Integration war ihr ein Herzensanliegen.“

Auch hier zeigt sich: Frieden entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch Integration. Nicht durch Angst vor dem Fremden, sondern durch Aufklärung und Teilhabe.

Demokratie als Friedensarbeit

Vielleicht liegt Rita Süssmuths wichtigste friedenspolitische Leistung in ihrem tiefen Verständnis für die Fragilität demokratischer Ordnungen. Der Nachruf von Dr. Michael Borchard bringt das eindrucksvoll auf den Punkt: Sie wusste, „wie wenig man die Existenz liberaler, freiheitlicher Staatswesen als gegeben hinnehmen kann“.

Demokratie braucht Menschen, die bereit sind, „gegen den zu offensichtlichen Strich zu bürsten“, wie Borchard schreibt. Menschen, die sich gegen erbitterte Widerstände standhaft zeigen, wo nötig auch gegen den gesellschaftlichen oder politischen Mainstream. Menschen, die Gerechtigkeit und ein Umdenken einfordern, ohne deshalb in krampfhafte Ideologie zu verfallen.

Rita Süssmuth war mit Haut und Haaren Demokratin. Im sehenswerten Film „Die Unbeugsamen“ über die Frauen der Bonner Republik, an dessen Premiere sie selbst teilgenommen hatte, war sie eine der geachteten Hauptfiguren. Der Titel passt. Beugen musste sie sich am Ende nicht der Politik, sondern der Krankheit und dem Tod. Erst 2020 im Falle ihres Ehemannes Hans, den sie seit dem Abitur kannte. Und nun, wenige Wochen vor ihrem 89. Geburtstag, in ihrem eigenen Fall.

Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte sie als „Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen“. Bundespräsident Steinmeier schrieb: „Rita Süssmuth ist stets vorweg gegangen, war Vordenkerin, Vorkämpferin und Vorbild.“

Ein Vermächtnis für die Friedensarbeit

Rita Süssmuth verkörperte eine Haltung, die heute schmerzlich fehlt. Mut ohne Lautstärke, Widerstand ohne Verbitterung, Klarheit ohne Ausgrenzung. Ihr Leben erinnert daran, dass Frieden nicht dort beginnt, wo Konflikte enden, sondern dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen.

Für die FriedensDekade bleibt sie eine wichtige Referenzfigur. Nicht als Ikone, sondern als Ermutigung. Haltung zeigen. Brücken bauen. Standhaft bleiben. Die ökumenische FriedensDekade 2026 steht unter dem Motto „couragiert widerständig“. Rita Süssmuths Leben zeigt, was dieses Motto konkret bedeuten kann. Widerstand aus Gewissen, Mut aus Glauben, Beharrlichkeit aus Überzeugung.

Oder, mit ihren eigenen Worten und ihrem Leben gesprochen: Frieden braucht Menschen, die sich nicht beugen. Weder dem Zeitgeist noch der Angst. Ihr Andenken verpflichtet.

Weiterführende Informationen

Ausführlicher Nachruf: Dr. Michael Borchard, Konrad-Adenauer-Stiftung: „Rita Süssmuth – eine unbeugsame ‘Demokratin mit Haut und Haaren’“

Film: „Die Unbeugsamen“ (2021) – Dokumentarfilm über Frauen der Bonner Republik

Archiv: Teile des persönlichen Nachlasses von Rita Süssmuth werden im Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung verwahrt

Ökumenische FriedensDekade 2026

Die ökumenische FriedensDekade findet jährlich in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag im November statt. Das Motto 2026 „couragiert widerständig“ lädt Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen ein, konkrete Wege des gewaltfreien Widerstands zu erkunden.

Unterstützen Sie die ökumenische FriedensDekade und kirchliche Friedensarbeit durch Spenden und den Kauf von Materialien. Besonders empfehlen wir den Friedenskompass 2026, der ab Februar 2026 ausgeliefert wird und praktische Impulse, Texte und Gebete zum Jahresmotto bietet.

 

Das Fundament für 2026: Warum wir heute „couragiert widerständig“ sein müssen

Ein Impuls von Lars Blume, zur Ausrichtung unseres Onlinematerials für die FriedensDekade.

Das Motto der kommenden FriedensDekade, „couragiert widerständig“, ist kein leeres Schlagwort. Es ist eine Antwort auf eine Zeit, in der die Sprache der Aufrüstung lauter wird und die Hoffnung auf diplomatische Lösungen oft im Lärm der Konflikte untergeht. Wir haben uns entschieden, dieses Jahr ein digitales Fundament zu bauen, das zeigt: Widerstand für den Frieden ist möglich, er hat Tradition und er ist tief in der menschlichen Seele verwurzelt.

Ihre Stimme zählt: Gestalten Sie mit!

Dieser Artikel ist ein erster Impuls – kein fertiges Konzept. Bis Ende Januar läuft unsere Umfrage, in der Sie den inhaltlichen Rahmen unserer digitalen Arbeit 2026 aktiv mitbestimmen können. Welche Themen und Formate wünschen Sie sich? Welche Schwerpunkte sind Ihnen wichtig?

Ihre Erfahrungen, Ihre Ideen, Ihre Schwerpunkte sind gefragt. Nur gemeinsam können wir Material schaffen, das wirklich trägt, in Gemeinden, in der Bildungsarbeit, in sozialen Medien.

Drei zentrale Säulen für 2026

Unsere Onlineredaktion wird das Motto im kommenden Jahr durch drei zentrale Säulen beleuchten, deren Ausgestaltung Sie noch bis Ende Januar mitbestimmen können:

1. Friedenszeugen: Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert

Oft wird behauptet, man könne gegen die „große Politik“ nichts ausrichten. Unsere Serie zu historischen Beispielen beweist das Gegenteil. Wir blicken auf Momente, in denen Menschen durch ihren Mut Kriege verhinderten, verkürzten oder den Weg zum Frieden ebneten.

Der Protest in der Rosenstraße 1943, wo Berliner Frauen die Freilassung ihrer jüdischen Männer erzwangen. Der weltweite Widerstand gegen den Vietnamkrieg, der eine Supermacht zum Umdenken zwang. Die Friedliche Revolution in Deutschland, die ohne einen Schuss Mauern zum Einsturz brachte. Das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“, das Ost und West verband, lange bevor die Mauer fiel.

Diese Geschichten sollen uns daran erinnern: Wir sind nicht ohnmächtig. Gewaltfreier Widerstand hat Geschichte geschrieben und kann es wieder tun.

Welche Beispiele fehlen aus Ihrer Sicht? Welche Momente sollten wir unbedingt erzählen? Schreiben Sie uns gerne unter kontakt@friedensdekade.de

2. Worte, die bleiben: Klassiker der Friedensbewegung

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Solche Sätze sind mehr als Slogans, sie sind das konzentrierte Gewissen einer Gesellschaft. In einer minimalistischen Serie speziell für soziale Medien beleuchten wir die großen Friedensaufrufe und Sprüche, die heute Klassiker sind.

Wir fragen: Was bedeutet dieser Satz heute? Wie wurde er zum Symbol einer couragiert widerständigen Haltung? Diese reduzierten Grafiken und prägnanten Texte sollen dazu einladen, die schlichte, aber radikale Wahrheit hinter diesen Worten neu zu entdecken und sie in die digitale Welt von heute zu tragen, teilbar, merkfähig, wirksam.

Welche Friedensworte haben Sie geprägt? Welche Sätze sollten nicht vergessen werden? Teilen Sie Ihre Vorschläge per E-Mail mit uns: kontakt@friedensdekade.de

3. Biographien: Menschen, die vorangingen

In unserer dritten Säule rücken wir Menschen in den Fokus, die durch ihr Leben Zeugnis für den Frieden ablegten. Von Bertha von Suttner, der ersten Friedensnobelpreisträgerin, über Martin Luther King bis hin zu weniger bekannten Friedensstifterinnen und -stiftern: Wir erzählen von Menschen, die couragiert widerständig waren, oft gegen alle Widerstände, oft unter persönlichen Opfern.

Diese Biographien sollen inspirieren und ermutigen: Wenn sie es konnten, können wir es auch. Friedensarbeit hat Gesichter, Namen, Geschichten; sie ist menschlich, nahbar, möglich.

Wessen Lebensgeschichte sollte erzählt werden? Welche Friedenspioniere fehlen in der öffentlichen Wahrnehmung? Senden Sie uns Ihre Vorschläge: kontakt@friedensdekade.de

 

Jetzt mitmachen – bis Ende Januar!

Dieser Artikel ist der erste Schritt auf dem Weg zum Jahresmotto 2026. Die konkrete Ausrichtung unserer digitalen Arbeit liegt noch nicht fest – sie entsteht im Dialog mit Ihnen. Bis Ende Januar haben Sie die Möglichkeit, durch unsere Umfrage aktiv mitzugestalten:

  • Welche thematischen Schwerpunkte sind Ihnen wichtig?
  • Sollten wir 2026 eine Serie zu spirituellen Wurzeln des Widerstands entwickeln?
  • Wie können wir das Material so gestalten, dass es in Ihrer Arbeit wirklich hilfreich ist?

Ihre Expertise, Ihre Erfahrungen aus der Friedensarbeit, Ihre theologischen Perspektiven, all das möchten wir einfließen lassen. Nur so entsteht Material, das wirklich trägt und inspiriert.

Zur Umfrage: Link

Konkrete Vorschläge für historische Momente, Friedenszitate oder Biographien? Wenn Sie bestimmte historische Situationen, Friedenssprüche oder Namen von Friedenspionieren vorschlagen möchten, wenden Sie sich gerne direkt per E-Mail an: kontakt@friedensdekade.de

Unser Ziel für 2026

Wir wollen Material schaffen, das nicht nur informiert, sondern ermutigt. Material, das in Gemeinden geteilt wird, das in der Bildungsarbeit Impulse gibt, das in sozialen Medien Hoffnung verbreitet. Material, das zeigt: Eine Gesellschaft, die couragiert widerständig für den Frieden eintritt, ist die stärkste Kraft der Welt.

Lassen Sie uns gemeinsam dieses digitale Fundament bauen: mit Ihren Ideen, Ihrer Erfahrung, Ihrem Mut.

Couragiert widerständig. Gemeinsam gestalten wir 2026!

Ein göttlicher Exodus: Papst-Botschaft als Kompass für „couragiert widerständig“

Die Weihnachtsansprache 2025 von Papst Leo XIV. ist mehr als ein Gruß, sie ist eine theologische Grundlegung für den Frieden in stürmischen Zeiten.

In seiner Weihnachtsansprache an die Römische Kurie hat Papst Leo XIV. Worte gewählt, die wie eine Blaupause für die kommende Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade wirken. Wer die Rede liest, erkennt schnell: Frieden ist für diesen Papst kein passiver Zustand, sondern ein aktiver, oft unbequemer Weg. Es ist ein Weg, der Mut erfordert, oder, wie wir es für 2026 formulieren: ein Weg, der couragiert widerständig gegangen werden muss.

Der Widerstand gegen die „Logik des Egoismus“

Ein zentraler Pfeiler der päpstlichen Rede ist der Aufruf zur Umkehr von einer Gesellschaft, die auf Individualismus baut. Der Papst wird hier sehr deutlich:

„Die Liebe des Vaters […] befähigt uns im Heiligen Geist, Zeichen einer neuen Menschheit zu sein, die nicht mehr auf der Logik des Egoismus und Individualismus beruht, sondern auf gegenseitiger Liebe und Solidarität.“

Hier liegt der erste Anknüpfungspunkt für unser Motto: Widerstand leistet heute bereits derjenige, der sich der herrschenden Logik von „Ich zuerst“ entzieht. Es braucht Courage, in einer Welt, die zunehmend von Aggressivität und Wut (auch in der digitalen Welt) geprägt ist, konsequent auf Solidarität zu setzen. Der Papst fordert uns auf, diese Logik zu durchbrechen – ein zutiefst widerständiger Akt im Sinne des Evangeliums.

Mut zur Niedrigkeit: Das Vorbild Dietrich Bonhoeffer

Besonders bemerkenswert ist, dass Papst Leo XIV. den evangelischen Märtyrer Dietrich Bonhoeffer zitiert, um das Geheimnis von Weihnachten zu erklären:

„Gott schämt sich der Niedrigkeit des Menschen nicht, er geht mitten hinein […]. Gott […] liebt das Verlorene, das Unbeachtete, Unansehnliche, das Ausgestoßene, das Schwache und Zerbrochene.“

Dieser Bezug ist für die ökumenische Friedensarbeit von unschätzbarem Wert. Er zeigt: Gott selbst ist der erste, der „couragiert“ handelt. Er verlässt die Sicherheit des Himmels (der Papst nennt dies den „göttlichen Exodus“) und begibt sich dorthin, wo es wehtut – in die menschliche Not.

Couragiert widerständig zu sein bedeutet für uns im Jahr 2026 genau das: Nicht wegzusehen, wenn Menschen ausgegrenzt werden, sondern „mitten hinein“ zu gehen, auch wenn es den eigenen Komfort oder die eigene Sicherheit kostet.

Keine „kleinen Gärtner“: Der weite Horizont des Friedens

Ein weiterer Aspekt der Rede ist die Warnung vor einer kirchlichen und gesellschaftlichen Selbstbezogenheit. Der Papst erinnert uns daran, dass wir eine universale Aufgabe haben:

„Wir sind keine kleinen Gärtner, die sich um ihren eigenen Garten kümmern, sondern wir sind Jünger und Zeugen des Reiches Gottes, die berufen sind, in Christus Sauerteig einer universalen Geschwisterlichkeit […] zu sein.“

Dieser „Sauerteig“ verändert den ganzen Teig. Friedensarbeit darf nicht im geschützten Raum der eigenen Gemeinde stehen bleiben. Couragierter Widerstand ist laut Papst Leo XIV. ein prophetisches Zeichen. Es geht darum, Sauerteig für eine Geschwisterlichkeit zu sein, die keine Grenzen von Religionen, Kulturen oder Sprachen kennt.

Fazit: Weihnachten als Startschuss für 2026

Die Ansprache macht deutlich: Mission und Gemeinschaft sind untrennbar mit dem Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden verbunden. Papst Leo XIV. ruft uns dazu auf, Baumeister einer Kirche zu sein, die auf die „großen kirchlichen, pastoralen und sozialen Herausforderungen der heutigen Zeit ausgerichtet ist“.

Für die Ökumenische FriedensDekade 2026 bedeutet das: Wir nehmen den Rückenwind aus dem Vatikan mit. Wir lassen uns ermutigen, Sauerteig zu sein. Wir bleiben dran – couragiert in der Liebe und widerständig gegen alles, was das menschliche Miteinander vergiftet.

Machen Sie mit!

Die Worte des Papstes zeigen: Jede Hand wird gebraucht. Gestalten Sie die Friedensgebete und Texte für das Jahr 2026 mit. In unserer Schreibwerkstatt (30.01.–01.02.2026) bringen wir das Motto „couragiert widerständig“ aufs Papier und in die Welt.

EINLADUNG: Schreibwerkstatt 2026: Werden Sie couragiert widerständig!

Jetzt schnell anmelden: Gestalten Sie die Friedensgebete der Ökumenischen FriedensDekade 2026 mit – Plätze sind erfahrungsgemäß schnell vergriffen.

Haben Sie Erfahrungen mit Friedensarbeit in Ihrer Gemeinde? Gestalten Sie möglicherweise selbst Friedensgebete? Dann laden wir Sie herzlich ein, aktiv zum Gelingen der Ökumenischen FriedensDekade 2026 beizutragen und Ihre Stimme einzubringen!

Aufgrund der großen Nachfrage und der schnellen Ausbuchung im vergangenen Jahr empfehlen wir dringend eine frühzeitige Anmeldung!

Ihr Beitrag zum Motto „couragiert widerständig“

Wir suchen 10 bis 15 Teilnehmende für unsere Schreibwerkstatt 2026 vom 30. Januar bis 1. Februar 2026 in Hatten (Niedersachsen).

Gemeinsam werden wir uns dem Motto „couragiert widerständig“ widmen. Im Schreiben, Hören und Austauschen entstehen Meditationen, Kurzandachten und Gebete, die später die Grundlage für das Gebets-Leporello 2026 und die peace and pray App bilden.

Das erwartet Sie in der Schreibwerkstatt:

  • Biblische Grundlage: Gemeinsames Suchen und Zusammenstellen passender Bibelstellen zum Thema Widerstand und Courage.

  • Kreatives Verfassen: Zeit zum Verfassen eigener Texte und zum gegenseitigen Vorstellen und Besprechen der Ergebnisse.

  • Spannende Exkursion: Wir tauchen tief in das Motto ein, indem wir Zeitzeugen der Auseinandersetzung um die Namensgebung der Universität Oldenburg nach Carl von Ossietzky treffen. Hier wird erlebbar, was couragiert widerständig in der Praxis bedeutet.

Organisation und Anmeldung

Datum Freitag, 30. Januar 2026 (bis 16:00 Uhr) – Sonntag, 1. Februar 2026 (ca. 13:00 Uhr)
Ort Evangelische Gästehäuser in Hatten
Kosten Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung werden von der FriedensDekade übernommen. Fahrtkosten werden zum Teil erstattet (bitte kostengünstig anreisen).
Anmeldeschluss 12. Januar 2026 (Aufgrund hoher Nachfrage bitten wir um zeitnahe Anmeldung!)
Anmeldung & Kontakt Bitte senden Sie Ihre Anmeldung per E-Mail an: friedensdekade@roesch-metzler.de (Bitte besondere Wünsche wie vegetarisches Essen angeben.)

Unterstützung ohne Teilnahme: Ihre Spende macht es möglich

Sie können an der Schreibwerkstatt nicht persönlich dabei sein, finden dieses Engagement aber unterstützenswert? Die Ökumenische FriedensDekade ist auf Spenden angewiesen, um die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die Durchführung von Exkursionen für unsere ehrenamtlichen Schreiberlinge zu übernehmen.

Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie, dass die Texte für das Leporello entstehen können und die Botschaft couragiert widerständig bundesweit verbreitet wird.

Den Frieden wecken: Warum „Frieden“ ein Prozess für Gerechtigkeit ist

Die FriedensDekade 2025 ruft mit ihrem Motto „Komm den Frieden wecken“ dazu auf, sich aktiv und kritisch mit dem Begriff und der Praxis des Friedens auseinanderzusetzen. Der folgende Impuls liefert eine wichtige Grundlage für diese Auseinandersetzung, indem er den Friedensbegriff erweitert und neu beleuchtet.

Dieser Impuls bezieht sich auf den Artikel „Frieden“, ein umkämpfter Begriff von Pro Peace „Ein Impuls aus der praktischen Friedensarbeit“ von Lea Heuser und Christoph Bongard (Pro Peace)

Im Angesicht weltweiter Konflikte und tief gespaltener Debatten stellt sich die Frage: Was bedeutet „Frieden“ heute eigentlich noch?

Man könnte meinen, er sei der kleinste gemeinsame Nenner. Doch beim Blick in Nachrichten und Talkshows reibt man sich verwundert die Augen: Der Begriff polarisiert, wird plötzlich instrumentalisiert und scheint alles andere als eine geteilte Utopie zu sein. Die politische Debatte neigt dazu, Frieden entweder als etwas zu sehen, das nur mit Waffen verteidigt werden kann, oder als etwas, das die pazifistische Ablehnung jeder Gewalt voraussetzt.

Die FriedensDekade 2025 ruft uns mit ihrem Motto „Komm den Frieden wecken“ dazu auf, dieses scheinbar Eingeschlafene neu zu beleben. Doch wie weckt man etwas auf, dessen Definition selbst umkämpft ist?

Frieden als Prozess: Mehr als die Abwesenheit von Gewalt

Für uns ist diese Reduktion zu kurz gedacht. Frieden ist viel mehr als die Abwesenheit von Gewalt. Die Organisation Pro Peace, vertreten durch Lea Heuser und Christoph Bongard, arbeitet für einen sogenannten Positiven Frieden, ein Konzept, das auf den Friedensforscher Johan Galtung zurückgeht. Dieser umfassende Ansatz schließt neben der Abwesenheit direkter, physischer Gewalt auch die Abwesenheit struktureller und kultureller Gewalt ein. Es geht um:

  • Gerechtigkeit

  • Die Verwirklichung der Menschenrechte

  • Demokratische Teilhabe

  • Die Überwindung diskriminierender und rassistischer Strukturen

Ein einfacher Waffenstillstand ist aus dieser Perspektive nicht das Ende, sondern kann bestenfalls der Beginn eines Friedensprozesses sein, der die tieferliegenden Ursachen von Konflikten adressiert.

„Komm den Frieden wecken“: Ein Aufruf zur aktiven Gestaltung

Genau hier wird das Motto „Komm den Frieden wecken“ für die FriedensDekade 2025 greifbar und relevant. Den Frieden zu wecken, bedeutet, ihn nicht als passiven Zustand hinzunehmen, sondern diesen umfassenden Prozess aktiv anzustoßen und zu begleiten. Es heißt, sich nicht mit der bloßen Waffenruhe zufriedenzugeben, sondern die Gerechtigkeitsfragen anzugehen, die immer wieder zu Konflikten führen.

Für die praktische Friedensarbeit gilt der zentrale Leitsatz, den wir uns zu eigen machen sollten:

„Frieden ist kein Zustand, Frieden ist ein Prozess abnehmender Gewalt und zunehmender Gerechtigkeit.“

Lassen Sie uns gemeinsam für dieses umfassende Verständnis streiten und den Friedensbegriff aus der Schusslinie holen, wie Heuser und Bongard appellieren.

Machen Sie mit: Unterstützung und Ausblick

Die FriedensDekade lädt Sie ein, diesen Prozess der zunehmenden Gerechtigkeit zu begleiten.

  • Materialien: Um das Motto „Komm den Frieden wecken“ in die Tat umzusetzen, finden Sie alle Materialien zur FriedensDekade. HIER GEHTS ZUM SHOP

  • Spenden: Ihre Spende ermöglicht uns die Fortführung dieser wichtigen Arbeit und die Begleitung von Projekten für einen positiven Frieden. Frieden spenden – Jetzt unterstützen!

Seien Sie außerdem dabei, wenn wir ab Anfang Dezember das neue Motto für 2026 bekannt geben, das diesen Weg entschlossen weiterführen wird.

Zum Original-Impuls: Den vollständigen Artikel von Lea Heuser und Christoph Bongard von Pro Peace können Sie HIER LESEN.

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