Zum Hauptinhalt springen

Schlagwort: Gewaltfreiheit

Frieden geht schon heute

Unsere Friedensbotin zum Weltfriedenstag am 21. September

Die Vereinten Nationen haben den 21. September zum Weltfriedenstag erklärt. Ein Tag, der daran erinnert, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist und dass wir ihn immer wieder neu suchen und gestalten müssen.

Für die Ökumenische FriedensDekade 2026 steht dieser Gedanke unter dem Motto „couragiert widerständig“. Unsere Friedensbotin macht in ihrem neuen Video deutlich, was dieses Motto für sie bedeutet: Frieden beginnt nicht erst dort, wo große politische Entscheidungen getroffen werden. Frieden beginnt bei uns. Bei dir und bei mir. In unserem Alltag, in unserer Haltung und in der Bereitschaft, für die Würde anderer einzustehen.

„Frieden ist ein so hohes, so wertvolles Gut, die Voraussetzung für gutes Leben miteinander auf der Erde überhaupt.“

Sie vertraut auf die Kraft ziviler Friedensarbeit, auf Bildung und darauf, dass Menschen sich für Gerechtigkeit einsetzen. Auf die Liebe zum Nächsten und die Achtung vor seiner Würde. Und sie widerspricht der Vorstellung, Frieden könne mit Waffen geschaffen werden.

Armeen können ihrer Ansicht nach Schutzräume bieten, humanitäre Korridore ermöglichen oder Verhandlungen absichern. Frieden selbst aber können sie nicht bringen. Frieden wächst dort, wo Menschen sich couragiert und widerständig für ihn einsetzen.

Als Christin orientiert sie sich dabei an Jesus, dem „Frieden in Person“. Sein Wort aus der Bergpredigt ist für sie zugleich Zuspruch und Auftrag:

„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

Frieden zu suchen, Frieden zu leben und Frieden auszubreiten, das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. Mit Kreativität und Fantasie. Mit der Kraft des Wortes und der Tat. Im persönlichen Umfeld ebenso wie in gesellschaftlichem Engagement.

Auch Musik kann ein solcher Weg sein. In ihrem Frauenchor singt unsere Friedensbotin derzeit das Chorstück „What Is Peace“ von Kim André Arnesen. Das Stück beschreibt Frieden nicht als stillen Zustand und nicht als Abwarten. Frieden ist Aktivität. Er braucht Leidenschaft, Entschlossenheit und den bewussten Willen, sich für ihn einzusetzen.

Frieden ist nichts, worauf wir nur hoffen können. Frieden braucht Menschen, die ihn wollen, suchen und mitgestalten.

Die Ökumenische FriedensDekade lädt in diesem Jahr dazu ein, genau dort anzufangen: couragiert und widerständig, mit offenen Augen und offenen Armen.

Denn Frieden geht schon heute.

Schauen Sie das Video unserer Friedensbotin und lassen Sie sich von ihrer Botschaft inspirieren.

Vom 8. bis 18. November 2026 wird die Ökumenische FriedensDekade bundesweit unter dem Motto „couragiert widerständig“ begangen. Viele Gemeinden, Gruppen und Initiativen setzen sich in diesen Tagen mit Gottesdiensten, Veranstaltungen, Aktionen und Bildungsangeboten für Frieden auseinander.

Machen Sie mit. Setzen auch Sie ein Zeichen für den Frieden.

Haltung zeigen und Mut machen: Projekte und Impulse für Schulen zur FriedensDekade 2026

Unter dem Jahresmotto „couragiert widerständig“ ruft die FriedensDekade 2026 dazu auf, gesellschaftlicher Spaltung, Gewalt und Machtlosigkeit aktive Zivilcourage entgegenzusetzen. Schule ist dafür der ideale Ort: Hier kommen junge Menschen täglich zusammen, stellen kritische Fragen und lernen, wie gewaltfreie Konfliktlösung und demokratischer Widerstand im Alltag funktionieren.

Friedensbildung ist Demokratiebildung. In Zeiten globaler Unsicherheiten stärkt die FriedensDekade Kinder und Jugendliche darin, Haltung zu entwickeln, Ausgrenzung mutig entgegenzutreten und Verantwortung für ein friedliches Miteinander zu übernehmen.

Dranbleiben & Vernetzen: Abonnieren Sie unseren Friedensbrief für regelmäßige Updates und besuchen Sie uns auf Instagram und LinkedIn, um Ihre Aktionen zu teilen

Der rote Faden: Das Materialheft & die Online-Angebote der FriedensDekade

Damit Ihre Schulprojekte, Projekttage oder Unterrichtseinheiten ohne großen Aufwand gelingen, steht das offizielle Materialheft als inhaltliches Fundament bereit.

Jetzt das Materialheft 2026 & Unterrichtsmaterialien im Shop bestellen

1. Highlight für Schule & Kunstkurse: Die Ausstellung „Frauen des Friedens“

Die Ausstellung „Frauen des Friedens“ bietet weit mehr als reine Information – sie ist ein hervorragendes Praxisprojekt für Kunstkurse, Projektwochen und die Oberstufe.

Praktisches Lernen: „Wie kuratiere ich eine Ausstellung?“: Schüler*innen übernehmen selbst die Regie. Sie erarbeiten Raumkonzepte für Schulaula, Flure oder Fachräume, konzipieren Führungskonzepte für jüngere Klassen, schreiben Begleit-Interpretationen oder ergänzen die Porträts um eigene lokale Recherchen.

Flexible Bereitstellung: Die Ausstellung steht im Shop als fertiges Druckset oder als preiswerte Drucklizenz zur Verfügung. Mit der Lizenz können Kunst- und Grafikkurse das Material eigenständig vor Ort drucken, vergrößern, aufziehen oder digital weiterverarbeiten.

Eröffnung als Schulevent: Nutzen Sie die Ausstellung für Vernissagen im Rahmen von Schulfesten, Elternabenden oder Projekttagen zur Zivilcourage.

2. Bausteine aus dem Materialheft 2026 für den Unterricht

Das offizielle Materialheft bietet fertige Methoden und Impulse für die Fächer Religion, Ethik, Geschichte, Politik und Deutsch:

Friedenstage an Schulen & Gewaltfreie Konfliktlösung (S. 21): Konkrete Praxis-Impulse, wie Schüler*innen lernen, im Schulalltag gewaltfrei mit Konflikten umzugehen und Zivilcourage zu beweisen.

Kriegsdienstverweigerung & Gewissensentscheidung (S. 20): „Dienst an der Waffe oder Kriegsdienstverweigerung?“ – Eine Orientierungshilfe für die Oberstufe zur Frage, wie Gewissen und gesellschaftliche Verantwortung zusammenhängen.

Mein erstes Friedensgespräch (S. 22–23): Die Methodenanleitung „Der Friede muss bewaffnet sein“ eignet sich hervorragend für Podiumsdiskussionen, Debattierclubs oder den Politikunterricht.

Lebensbilder: Couragiert widerständige Menschen (Kapitel 3, S. 29–36): Echte Vorbilder für Referate und Gruppenarbeiten:

    • Carla Hinrichs (S. 31): Klimaaktivismus und ziviler Ungehorsam vor Gericht.

    • Stanislaw Petrow (S. 33): Der Mann, der durch besonnenes Handeln den Atomkrieg verhinderte.

    • Gisela Penteker (S. 30): Mutiger Einsatz als Ärztin für Geflüchtete.

    • Yurii Sheliazhenko (S. 35) & Olga Shparaga (S. 36): Pazifismus in der Ukraine und fragiler Widerstand in Belarus.

Resilienz & psychische Widerstandskraft (S. 26): Wissen und Impulse zur Resilienzförderung – wie junge Menschen in Krisenzeiten mental stark bleiben.

Kreativ- & Medienbausteine (Kapitel 5, S. 45–49): Didaktische Medienempfehlungen sowie die Besprechung des Films „Von Menschen, die auf Bäume steigen“ (S. 49) für Filmgespräche.

3. Fortlaufende Online-Impulse & ergänzende Partner-Angebote

Monatliche Reihen auf friedensdekade.de:

  • Monatlich: Neue Porträts der „Frauen des Friedens“ – ideal für regelmäßige Wandzeitungen oder digitale Displays auf dem Schulhof.
  • Alle 2 Monate: Biografische Beiträge zu den „Friedenszeugen“.
  • Friedenspolitische Reihe von Jan Gildemeister: Sachkundige friedenspolitische Analysen als Hintergrundlektüre für Lehrkräfte und die Oberstufe.

ACK – Ergänzendes Jugendmaterial: Die ACK stellt speziell für die Arbeit mit Jugendlichen Materialien wie Martin Luther Kings „6 Prinzipien der Gewaltlosigkeit“, Arbeitsblätter zu Rosa Parks sowie Jugendkultur-Formate (Poetry Slams und den Song „Psalmen aus Plastik“) bereit.
Mehr zu den ACK-Impulsen

Peace & Pray Messenger-Impulse: Täglich kurze Audios, Gebete und Denkanstöße direkt auf das Smartphone von Lehrkräften und Jugendlichen via Signal, WhatsApp und Telegram.

4. Materialien bestellen & Termine eintragen

Shop: Das Materialheft 2026, die Ausstellung „Frauen des Friedens“ (Druckset oder Drucklizenz), Plakate, Postkarten und Aktionsmedien bestellen Sie direkt unter: www.friedensdekade.de/shop

Downloads: Freie Downloads, Grafiken und Materialien finden Sie unter: www.friedensdekade.de/download

Termine eintragen: Schulthementage, Vernissagen und Aktionen können Sie direkt selbst in den Terminkalender eintragen unter: www.friedensdekade.de/termine

MALALA YOUSAFZAI – BILDUNG ALS STÄRKSTE WAFFE GEGEN GEWALT

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“

„Ein Kind, eine Lehrkraft, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern.“

sagte Malala Yousafzai (Pakistan/Großbritannien, geboren 1997). Und doch schienen Kugeln diese Stimme für immer zum Schweigen bringen zu wollen, als ein Taliban-Kämpfer 2012 auf ihren Schulbus schoss. Diese Verbindung aus tödlicher Bedrohung und unerschütterlicher Bildungshoffnung machte sie zur jüngsten Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte.

In unserer Reihe „Frauen des Friedens“ zur ökumenischen FriedensDekade 2026 stellen wir Pionierinnen mutiger Widerständigkeit vor. Malala steht für eine Generation, die sich gegen die Zerstörung von Zukunftschancen und religiösen Fanatismus aufbegehrt.

2026 erleben wir erneut eine Welt, in der Bildungschancen durch Kriege und Krisen weltweit bedroht sind. Während Schulen zerstört werden und Millionen Kinder keinen Zugang zu Unterricht haben, lautet die gesellschaftliche Antwort oft nur auf Aufrüstung und militärische Sicherheit. Malala würde heute dieselben Fragen stellen: Was ist eine Sicherheit wert, die Kindern die Zukunft nimmt?

 

Wenn das Recht auf Bildung zur Lebensgefahr wird

Malala wuchs im pakistanischen Swat-Tal auf, wo ihr Vater eine Mädchenschule leitete. Als ab 2007 die Taliban an Einfluss gewannen und Mädchen den Schulbesuch verboten, begann die elffähre Malala unter einem Pseudonym für die BBC zu bloggen. Sie schrieb über die Angst, aber vor allem über den unstillbaren Hunger nach Wissen.

Aus persönlichem Widerstand wurde eine globale Mission: Der Kampf für das Recht aller Kinder auf Bildung. Die wachsende Bekanntheit machte sie zur Zielscheibe – am 9. Oktober 2012 verübten die Taliban das Attentat auf sie. Doch sie überlebte und antwortete auf Gewalt nicht mit Rache, sondern mit Büchern und Stiften.

Der Malala Fund und weltweite Solidarität

Nach ihrer Genesung in Großbritannien hielt sie 2013 eine historische Rede vor den Vereinten Nationen. Zusammen mit ihrem Vater gründete sie den Malala Fund, der sich weltweit für zwölf Jahre kostenlose, sichere und hochwertige Bildung für Mädchen einsetzt. Malala verbindet ihren muslimischen Glauben mit dem universellen Einsatz für Menschenrechte und Frieden.

Innere Quellen des Widerstands

Malala zeigt, dass Mut keine Frage des Alters ist, sondern eine Haltung des Gewissens. Sie reist in Flüchtlingslager, in Krisenregionen und zu Mädchen, die unter Unterdrückung leiden. Sie gibt denen eine Stimme, die sonst überhört werden.

In unserem neuen Mitgliederbereich erhalten Sie das vollständige Porträt als PDF zum Download.

Tragen Sie sich ein für Ihre kostenlosen Mitglieder-Zugang (Testversion 2026):

Sie erhalten: Ausgewählte Texte als hochwertige Druck-PDFs & Regelmäßiger Friedensbrief direkt per E-mail. Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Was Malala uns heute sagt

  • Bildung ist Friedensarbeit: Wer Kindern Wissen verweigert, nimmt ihnen die Zukunft und bereitet den Nährboden für Gewalt.
  • Die Stimme erheben: Malala zeigt, dass auch scheinbar machtlose junge Menschen totalitäre Systeme herausfordern können.
  • Gewaltfrei antworten: Ihre Stärke liegt im Geist, im Buch und im Stift – nicht in Waffen.

Couragiert widerständig, wie Malala Yousafzai.

Für eine Welt, in der jedes Kind lernen kann und Bildung stärker ist als die Angst vor Gewalt.


Fragen zur Reflexion:

Malala hat ihre Stimme erhoben, obwohl dies lebensgefährlich war. Wo könnten Sie heute Ihre Stimme für einen anderen Menschen einsetzen?

Für Malala ist Bildung eine zentrale Voraussetzung für Freiheit und Frieden. Welche Möglichkeiten eröffnet Bildung, die wir im Alltag oft als selbstverständlich ansehen?

Malala spricht aus ihrem Glauben heraus und verbindet ihn mit universellen Werten. Wo können gemeinsame Überzeugungen Menschen über Grenzen hinweg verbinden?

 

Gebet

Gott des Friedens,
schenke allen Kindern die Möglichkeit zu lernen und ihren eigenen Weg zu gehen.
Gib uns den Mut, dort unsere Stimme zu erheben, wo Bildung und Freiheit bedroht werden.
Lass uns Frieden mit Wissen, Zusammenhalt und Menschlichkeit bauen.
Amen.

Zum Weiterlesen

  • Malala Yousafzai: „Ich bin Malala“ (2013)
  • Malala Yousafzai: „Wir sind Vertriebene“ (2019)
  • Malala Fund: www.malala.org

In unserem neuen Mitgliederbereich erhalten Sie das vollständige Porträt als PDF zum Download.

Tragen Sie sich ein für Ihre kostenlosen Mitglieder-Zugang (Testversion 2026):

Sie erhalten: Ausgewählte Texte als hochwertige Druck-PDFs & Regelmäßiger Friedensbrief direkt per E-mail. Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer ist Malala Yousafzai?

Malala Yousafzai (geboren 1997) ist eine pakistanische Aktivistin für das Recht auf Bildung und die jüngste Trägerin des Friedensnobelpreises der Geschichte.

Warum steht Malala für „couragierten Widerstand“?

Weil sie sich trotz massiver Morddrohungen und eines überlebten Attentats durch die Taliban niemals zum Schweigen hat bringen lassen und konsequent für die Rechte von Mädchen kämpft.

Wo finde ich weitere Biografien der Reihe?

Alle Porträts unserer biographischen Reihe zu den Pionierinnen mutiger Widerständigkeit sind direkt auf unserer Übersichtsseite für Sie zusammengestellt.

„Frieden ist möglich!“ – Predigt unserer Friedensbotin 2026 Dr. Friederike F. Spengler

Unter dem Jahresthema „couragiert widerständig“ setzt die Ökumenische FriedensDekade 2026 Zeichen für Zivilcourage, Gewaltfreiheit und politische Sprachfähigkeit. In einer Zeit, in der Aufrüstung oft als alternativlos dargestellt wird und die Sprache des Krieges den öffentlichen Diskurs prägt, fragen wir: Wo finden wir Halt? Woran halten wir uns fest?

Unsere Friedensbotin 2026, Bischöfin Dr. Friederike F. Spengler, weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, für den Frieden Haltung zu zeigen: Bereits 1982 war sie als 14-Jährige in der Nikolaikirche Leipzig dabei, als die FriedensDekade unter den Augen der Staatssicherheit ihren Anfang nahm.

Anlässlich des Festgottesdienstes zur Wieder-Indienstnahme und Namensgebung der neuen „Friedenskirche“ im Ortsteil Aue am Berg (Saalfeld) hielt sie am 26. Juli 2026 die folgende Festpredigt zu Jesaja 2,1–5. Wir dokumentieren ihre Worte sowie die Liturgie zur Benennung der Kirche im Wortlaut.

In unserem neuen Mitgliederbereich erhalten Sie die Druckbare-PDF zum Download

Tragen Sie sich ein für Ihre kostenlosen Mitglieder-Zugang (Testversion 2026):

Sie erhalten: Ausgewählte Texte als hochwertige Druck-PDFs & Regelmäßiger Friedensbrief direkt per E-mail. Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Frieden ist möglich!

Predigt zur Ersten Schriftlesung aus Jesaja 2,1-5

Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem.

2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, feststehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,

3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem

4 Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Gnade sei mit Euch…

Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder,

heute lesen wir uns den Predigttext vom Ende her ins Leben: „Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“ Also, auf, Gemeinden, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“ Vielleicht denkt Ihr jetzt im Stillen: Wenn das nur so einfach wäre!

Was uns daran hindert, gleich damit zu beginnen, sind wohl unsere tagtäglichen Erfahrungen. Und die, da brauchen wir gar nicht lange nachzudenken, widersprechen dem Bild vom Frieden, wie es uns die Bibel vorhält.

Der Prophet Jesaja denkt und spricht ganz konkret von Jerusalem. Damals bereits eine Multi-Kulti-Stadt und Zentrum des Judentums. Heute ist Jerusalem Zentrum mehrerer Religionen: Judentum, Christentum und Islam. Und bereits der Name der Stadt ist Programm: hebräisch übesetzt „Gründung des Gottes ‚Schalem‘“. Ihr kennt das Wort „Schalom“, Friede, also: „Stadt von Gottes Frieden.“ Dieser Umstand macht Jerusalem zur „Heiligen Stadt“. So heißt sie bei Juden, Christen und Muslimen, und El Quds, „die Heilige“ heißt sie auf Arabisch. Jede der Religionen erhebt Anspruch auf die Stadt. Keiner kann sich vorstellen, dass es Frieden geben könnte, wenn die jeweils Anderen in Jerusalem das Sagen hätten. Nun sind in der Gegenwart Vertreter aller drei Religionen dort und es geht alles andere als friedlich zu. Jeder beansprucht die Heilige Stadt letztlich für sich, die jeweils Anderen werden in einer Art „Burgfrieden“ mehr oder weniger geduldet. Und was seit dem 7. Oktober 2023 in Stadt und Land los ist, kann man sich unfriedlicher kaum vorstellen…Was sich in Jerusalem, ja momentan im ganzen Nahen Osten zeigt, ist wie ein Blick durch einen Brennspiegel auf die Welt.

Seit 81 Jahren lebt Deutschland in Frieden. Und ebenso ergeht es vielen unserer Nachbarländer. Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine haben wir allerdings eine Ahnung davon, dass unser Frieden alles andere als selbstverständlich, vielmehr großes Glück, ja, ein Geschenk ist!

Ganz zu schweigen von anderen Teilen der Welt. Es gibt Gebiete auf unserer Erde, wo Familien bereits in dritter Generation ohne eine Periode Frieden leben müssen! Kaum vorstellbar!

Liebe Gemeinde, Frieden in unserem Land ist das Eine, aber geht es deshalb auch unter uns, unter Euch hier vor Ort, friedlich zu? Wenn ja, wunderbar, Gott sei Dank! Wenn nein, wie ist das zueinander zu bringen? Geht es uns vielleicht zu gut, um das Geschenk des Friedens so zu würdigen, wie dieser es verdient? Merken wir etwa erst bei Abwesenheit eines guten, heilsamen Zustands, was uns fehlt? Lernen wir erst, wenn Menschen schon einander schänden, vertreiben, morden, was Heil, Ruhe, was also Frieden bedeutet?

Mit Blick auf die Welt sehen wir große Kriege, Religionskriege, Wirtschaftskriege, Vertreibungskriege, Terrorkriege. Mit Blick auf uns, hier in Dörfern und Städten, sehen wir Kleinkriege, Nachbarschaftskriege, Familienkriege, Rosenkriege, Deutungskriege. Wir sehen Neid und hören üble Nachrede, auch eine Form von Krieg. Wir hörten mit Entsetzen vom gestrigen Anschlag auf Leib und Leben inmitten eines friedlichen Festes (CSD) in Berlin, auch eine Form von Krieg. Und wer in den sozialen Medien unterwegs ist, der weiß um mediale Kriege, die da ausgefochten werden, per Mausklick oder Daumen runter, per Foto oder Hasskommentar, schlimmste Beleidigungen und Hetze.

„Es wird sein zur letzten Zeit“…Wenn heute Abend die Tagesschausprecherin so beginnen würde, hätten wir nichts Gutes zu erwarten. Dann würden apokalyptische Bilder über den Bildschirm ergießen, – vielleicht, um Schuldige an einer Situation zu entlarven, vielleicht, um der eigenen Lust am Untergang zu frönen, vielleicht um die anderen endlich aufzurütteln, vielleicht, um die eigenen Lösungsvorschläge an die Frau und den Mann zu bringen. Vielleicht auch – solche Stimmen hört man wieder – um durch die Katastrophe hindurch und nach Beseitigung aller Hindernisse und bösen Widersacher, endlich das Reich der eigenen Wahrheiten aufrichten zu können.

Ganz anders klingt der Satz bei Jesaja, dem großen Propheten, der im 8. Jh vor Christus im Südreich, in Juda, Gottes Stimme war. Hören wir noch einmal genau hin:

Das „wird zur letzten Zeit geschehen…“: eine Welt, in der niemand mehr Schwert oder Faust erhebt und keiner mehr von Hass und Gewalt weiß. Und das, obwohl die Welt, in der Jesaja lebte, so gewalttätig war wie die unsere, erfüllt vom Gedröhn von Soldatenstiefeln und schwerem Gerät und vom Geschrei der Leidenden. In dieser Welt hatte Jesaja eine Botschaft auszurichten, und unserer Welt heute haben wir diese Botschaft auszurichten. Und die heißt Frieden ist möglich. Jesaja sagt: Die Menschen werden kommen, ja, sie wollen zu Gott kommen und sein Wort hören und es wird in ihre Herzen und Gewissen dringen. Sie werden ihre Konflikte friedlich schlichten und sich zurechtrücken lassen, sie werden alle Waffen in Handwerkszeug und landwirtschaftliches Gerät umarbeiten und werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Keiner wird mehr dem Anderen ein Fremder sein, und jedes Gesicht im großen Heer der Völker wird uns das Gesicht eines Freundes sein.

ACH! Was ist das für ein schönes, ermutigendes, tröstliches Bild. Ein Bild des Paradieses, ein Bild des Himmels. Und deshalb könnte man meinen. Das ist ja viel zu schön, um wahr zu sein. Aber das Bild vom Frieden ist alles andere als billiger Peace-Kitsch. Ja, das Bild vom Frieden balanciert auch bei Jesaja, schon bei ihm, am Rande der Wirklichkeit. Nicht nur, dass sich keiner vorstellen kann, wie die Welt zu einem Ort des Friedens werden könnte, auch, dass wir nicht wissen, was wir dafür tun sollten. Dazu reicht unsere Fantasie nicht aus. Dazu bedarf es eines Wunders.

Und genau deshalb schildert Jesaja fast unbemerkt ein solches Wunder: Der Zionsberg, in Wirklichkeit nur ein Hügelchen, wird durch Gottes Wort zum Berg der Berge, zum Berg über alle anderen. Und alle Menschen, alle Völker entschließen sich, zu Gott zu kommen. Sie hören auch auf ihn, keiner steht mehr dazwischen, und seine Worte sind ihnen klar. Sie vertrauen seinem Wort und lassen ihre Konflikte von ihm schlichten. Schwerter zu Pflugscharen wird ihrer aller Motto, und keiner übt mehr für den Krieg. Na, wenn das mal kein Wunder ist! Ein Wunder, was aber leider noch aussteht.

Heute, hier vor Ort, kann aber bereits erlebt werden, wie die Vision eines göttlichen Weltfriedens anbricht. Denn Gott verbindet sein Tun mit unserem Tun, wenn wir in seinem Sinne handeln. Ja, jeder Friedensprozess ist anstrengend. Um im Bild des Propheten zu bleiben: Aus einem Schwert eine Pflugschar zu schmieden, ist mit viel Arbeit, mit Hitze, Kraft, und Schweiß. Und mit Ausdauer. Jede Waffe muss einzeln für eine friedlichen Zweck umgestaltet, und in ihrem Kern verändert werden.

Und auch ja, den Frieden zu leben, bedarf der Übung. Frieden muss man trainieren. Er beginnt mit dem Nachdenken über solch wichtige Fragen wie: Wie gehe ich mit Mitmenschen um, die mir so gar nicht passen? Wie versöhnt man sich? Heißt Vergeben, einfach zu vergessen?

Frieden fordert ganzen Einsatz. Und der ist nötig, wenn wir uns von der Vision Gottes erreichen lassen und so zu Friedensstiftern in unserem Umfeld werden. Und genau damit sind wir ganz bei uns und der Verantwortung, die aus diesem wunderbaren Bild vom Frieden erwächst: Wenn Gottes Reich mitten unter uns entsteht, ja bereits da ist, ist dieses Reich ein Friedensreich. Ganz klar. Und deshalb wird uns das Mühen um den Frieden, das Sich-Ausstrecken, Das-Jagen-nach-Frieden zugemutet. Und es wird uns zugetraut! Im Evangelium ist euch gesagt „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt!“. Jesus rechnet mit euch. Er zählt auf euch, dass wir mit dem Frieden, den Gott am Ende der Zeit für die Welt bereithält, heute schon beginnen: als Frieden in Partnerschaften und Ehen, in Familien und Gemeinden, zwischen den Generationen. Frieden beginnt, wenn du ein gutes Wort, eine hilfreiche Geste findest, um eine Situation zu beruhigen. Und er setzt sich fort, wo Du es als Gewinn betrachtest, dich über gute Gemeinschaft und nicht über Abgrenzung zu definieren. Frieden stiften heißt, seinem Gegenüber zu Gerechtigkeit zu verhelfen. Dich also dafür einzusetzen, dass er/sie sein/ihr Recht bekommt.

Bei Euch hier, liebe Gemeinde, könnte beginnen, was im großen Frieden Gottes mündet. Ja, ihr habt richtig gehört: Bei Euch kann beginnen, was im Frieden Gottes sein Ziel hat! Frieden ist möglich. Seht doch hin, erkennt ihr ihn denn nicht?

Dazu eine kleine Begebenheit zum Schluss:

In einer Stadt mit Bewohnenden aus aller Welt, betritt eine Frau einen Gemüseladen. Sie schaut den Händler an: „Sie sehen aber müde aus“, sagt sie.

„Ja“, sagt er, „es ist Ramadan, ich faste. Was möchten Sie denn?“

„Ich will Gemüse einkaufen für den Schabbat. Ich bin Jüdin.“

Stille

Dann sagt er verwundert: „Noch nie hat eine Jüdin bei mir eingekauft, As-salamu alaykum, Friede sei mit dir“.

“Schalom aleicha, Friede auch mit dir“, sagt sie.“

Liebe Schwestern und Brüder: Friede sei mit Euch!

Amen.

Und der Friede Gottes, höher als unsere Vorstellungskraft, der bewahre und erhalte eure Herzen und Sinne im HERRN des Friedens, Jesus Christus.

HINTERGRUND: Eine Kirche wird zur „Friedenskirche“

Dass die Vision vom Frieden konkret werden kann, zeigte sich in Aue am Berg: Die dortige romanische Kirche hatte bisher keinen Namen. Nach fünfjähriger Bauzeit (infolge von Hausschwammbefall) nutzte die Gemeinde die Wieder-Indienstnahme für einen starken Akzent: Sie entschied sich für den Namen „Friedenskirche“ und bat Dr. Friederike F. Spengler um die feierliche Benennung.

Vor voll besetzten Bänken und vielen Gästen im Außenbereich wurde nicht nur der Gottesdienst gefeiert, sondern auch die liturgische Benennung vollzogen:

Benennung der Kirche als „Friedenskirche“ in Aue am Berg

L: Wir hören auf Worte aus dem 1. Buch Mose im 35. Kapitel:

Lektor/in: Gott sprach zu Jakob: Mach dich auf und zieh nach Bethel und wohne dort und errichte einen Altar dem Gott, der dir erschien, als du flohst vor deinem Bruder Esau. Und sie brachen auf. Und Jakob kam nach Lus im Lande Kanaan, das nun Bethel heißt, samt all dem Volk, das mit ihm war, und er baute als Altar und nannte die Stätte El-Beth-el, weil Gott sich ihm dort offenbart hatte, als er vor seinem Bruder floh. (1. Mose 35,1.5.6.7)

L: Im Vertrauen auf Gott, der ewigen Frieden schaffen wird; auf Gott, der uns bei unserem Namen zum Frieden ruft; auf Gott, der sich an Orte bindet, die mit ihrem Namen von ihm zeugen, wollen wir heute dieser Kirche einen Namen geben.

Wir beten:

Lieber himmlischer Vater,

wir danken dir

für den Segen, den du auf dieses Haus gelegt hast,

damit wir einen Ort haben,

an dem wir deiner Nähe gewiss werden,

zu dir beten und dich loben,

und an dem du uns immer wieder neu zu Teilen deiner Gemeinde machst.

Gib, dass der Name,

den wir diesem Haus nun geben,

öffentlich erkennbar werden lässt, dass deine Wohnung ein Ort des Friedens ist,

der denen, die hier ein und ausgehen,

Frieden schenkt und sie dann selbst zu Friedensstiftern werden.

Das bitten wir durch Jesus Christus,

G: Amen.

L: So sei diese Kirche von nun an „Friedenskirche“ genannt.

Friede diesem Haus von Gott, unserem himmlischen Vater.

Friede diesem Haus von seinem Sohn, der unser Frieder ist.

Friede diesem Haus vom Heiligen Geist, der Leben schafft.

Im Namen [+] des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G: Amen.

Miterleben, Gestalten, Vernetzen: Bleiben Sie couragiert widerständig

Frieden braucht Menschen, die ihn tragen, und Orte, an denen er gelernt und gelebt wird. Ob in der eigenen Kirchengemeinde, in der Schule oder in der Nachbarschaft: Setzen auch Sie im Jahr 2026 ein Zeichen.

  • Materialien & Aktionshilfen: Die vollständige Predigt sowie die Liturgie stehen für Ihre Gemeindearbeit und Friedensgebete als PDF im neuen Mitgliederbereich bereit.

    Tragen Sie sich ein für Ihre kostenlosen Mitglieder-Zugang (Testversion 2026):

    Sie erhalten: Ausgewählte Texte als hochwertige Druck-PDFs & Regelmäßiger Friedensbrief direkt per E-mail. Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

  • Aktionsmaterialien bestellen: Vom Plakat über Themenhefte bis hin zu den beliebten Friedenskerzen finden Sie alles für Ihre Friedensarbeit im Online-Shop der FriedensDekade.

  • Auf dem Laufenden bleiben: Abonnieren Sie unseren kostenlosen Friedensbrief, um regelmäßig aktuelle Impulse zu erhalten.

 

FAQ: Dr. Friederike F. Spengler (Friedensbotin 2026 & Schwerter zu Pflugscharen)

Wer ist die Friedensbotin 2026 der Ökumenischen FriedensDekade?

Die Thüringer Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler ist die Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026. Sie steht in der Tradition der Friedensbewegung der Leipziger Nikolaikirche von 1982 und setzt sich für zivilcouragierte, gewaltfreie Friedensarbeit ein.

Wofür steht das Jahresthema „couragiert widerständig“ der FriedensDekade 2026?

Das Motto „couragiert widerständig“ ruft dazu auf, Hass, Aufrüstung und gesellschaftlicher Spaltung aktiv entgegenzutreten. Es ermutigt Menschen, auf Grundlage des christlichen Glaubens Zivilcourage zu zeigen und sich gewaltfrei für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.

Wo kann man Materialien und Aktionshefte zur FriedensDekade 2026 bestellen?

Alle offiziellen Arbeitsmaterialien, Plakate, Gottesdienstbausteine und Aktionsmedien zum Jahresthema „couragiert widerständig“ können direkt im Online-Shop der FriedensDekade bestellt werden.

Martin Luther Kings Botschaft aktueller denn je – Versöhnung braucht Gerechtigkeit

Eine Antwort des Erfurter Friedenstheologie Michael Haspel

Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit

Nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA und den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – aber auch mit Blick auf Gedenktage wie den 20. Juli – stellt sich die Frage: Welche Bedeutung haben die Ideale von Freiheit und Gleichheit heute, und für wen gelten sie wirklich?

In der aktuellen Ausgabe der Ökumenischen Rundschau (ÖR 2/2026) beantwortet der Erfurter Friedenstheologe Michael Haspel diese Fragen mit der Botschaft von Martin Luther King. Er erinnert daran, dass demokratische Gesellschaften nicht allein von ihren Gründungsdokumenten leben, sondern diese immer wieder neu mit Leben füllen müssen – ein wichtiger Impuls für unsere Friedensarbeit unter dem Jahresmotto „couragiert widerständig“.

Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit

250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung der USA antwortet der Erfurter Friedenstheologie Michael Haspel mit Martin Luther King auf die Frage: Welche Bedeutung haben die Ideale von Freiheit und Gleichheit heute – und für wen gelten sie wirklich? Offizielle Feiern wie die Aktion „Freedom 250“ verharmlosen oft die Widersprüche dieser Geschichte, indem sie vor allem die weiße Siedlerperspektive in den Mittelpunkt stellen.

In einem Beitrag der aktuellen Ausgabe der Ökumenischen Rundschau (ÖR 2/2026) analysiert Michael Haspel in seinem Beitrag „Am Anfang steht das Wundern“ Martin Luther Kings Denken und stellt zum einen dar, dass obwohl King den Begriff „Versöhnung“ selten direkt verwendet, ist sie der zentrale Kern seines politischen und theologischen Wirkens.

Der Erfurter Friedenstheologe Haspel zeigt, dass Kings Vision der „Beloved Community“ – einer versöhnten Gemeinschaft – weit über die Überwindung der Rassentrennung hinausweist. Gewaltfreiheit bedeutet für den Friedensnobelpreisträger Martin Luther King nicht Schwäche oder bloßer Verzicht auf Gewalt. Sie ist vielmehr eine aktive Kraft, die Gerechtigkeit schaffen und den Gegner nicht vernichten, sondern verändern soll. Ziel ist eine Gesellschaft, in der Menschen trotz aller Unterschiede in gegenseitiger Anerkennung zusammenleben.

Zugleich macht Haspel deutlich, dass Martin Luther King seine Position im Laufe der 1960er Jahre weiterentwickelte. Angesichts anhaltenden Rassismus, wachsender sozialer Ungleichheit und politischer Enttäuschungen rückte für ihn die Forderung nach struktureller Gerechtigkeit immer stäker in den Vordergrund. Liebe ohne Macht bleibe sentimental, Macht ohne Liebe zerstörerisch – beide müssten zusammenwirken, um gesellschaftliche Veränderung zu ermöglichen.

Damit formuliert der Systematische Theologe Michael Haspel eine Einsicht, die über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung hinausreicht: Versöhnung kann nicht an die Stelle von Gerechtigkeit treten. Sie setzt Gerechtigkeit voraus. Wo Diskriminierung, wirtschaftliche Ungleichheit oder politische Ausgrenzung fortbestehen, bleibt Versöhnung unvollendet.

Diese Erkenntnis erhält im Jubiläumsjahr besondere Bedeutung. 250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung erinnern die Vereinigten Staaten an die universellen Ideale von Freiheit und Gleichheit, während gleichzeitig kontrovers darüber diskutiert wird, wie diese Werte heute eingelöst werden können. Die offiziellen und zivilgesellschaftlichen Jubiläumsinitiativen verstehen das Gedenken ausdrücklich auch als Einladung, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der amerikanischen Demokratie nachzujagen.

Michael Haspel lädt mit seinem Beitrag dazu ein, Martin Luther King nicht nur als Symbol der Bürgerrechtsbewegung zu lesen, sondern als Denker, dessen Fragen bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben: Wie gelingt gesellschaftlicher Zusammenhalt? Welche Rolle spielen Gewaltfreiheit, Gerechtigkeit und politische Verantwortung? Und wie kann Versöhnung dort entstehen, wo Vertrauen verloren gegangen ist?

Im Jahr des 250. amerikanischen Jubiläums erinnert Michael Haspel mit Kings Vermächtnis daran, dass demokratische Gesellschaften nicht allein von ihren Gründungsdokumenten leben. Sie müssen nicht nur in Amerika die darin formulierten Versprechen immer wieder neu mit Leben füllen – durch Gerechtigkeit, gegenseitige Anerkennung und die Bereitschaft zum friedlichen Zusammenleben.

Artikel-Download & Hintergrund

Der vollständige Beitrag von Michael Haspel, „Versöhnte Gemeinschaft. Martin Luther Kings Theologie und Praxis der Versöhnung“, steht unter www.oekumenische-rundschau.de zum kostenlosen Download bereit.

Über die Ökumenische Rundschau:

Die Ökumenische Rundschau (ÖR) ist die führende deutschsprachige Zeitschrift zu Themen der Ökumene und erscheint vierteljährlich in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (EVA Leipzig). Im Jahr 2026 erscheint sie seit 1952 im 75. Jahrgang und wird presserechtlich von Pastor Jens D. Haverland verantwortet. Sie wird in Verbindung mit dem Deutschen Ökumenischen Studienausschuss (DÖSTA) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) herausgegeben.

Engagement & Materialien zur FriedensDekade

Exklusive Inhalte im Mitgliederbereich: Besuchen Sie unseren internen Bereich für Abonnentinnen und Mitglieder, um weitere vertiefende Hintergründe, Arbeitshilfen und Downloads für Ihre Gemeindearbeit zu nutzen.

Tragen Sie sich ein für Ihre kostenlosen Mitglieder-Zugang (Testversion 2026):

Sie erhalten: Ausgewählte Texte als hochwertige Druck-PDFs & Regelmäßiger Friedensbrief direkt per E-mail. Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Materialien zum Jahresthema: Weitere Impulse, Bausteine für Friedensgebete und Broschüren unter dem Motto „couragiert widerständig“ finden Sie in unserem Online-Shop.

Friedensbrief abonnieren: Bleiben Sie informiert und melden Sie sich für unseren kostenlosen Newsletter an.

FAQ: Prof. Dr. Michael Haspel (Martin Luther King & Ökumenische Rundschau)

Was besagt die Theologie der Versöhnung nach Martin Luther King?

Martin Luther King betonte, dass echte Versöhnung nicht ohne strukturelle Gerechtigkeit existieren kann. Gewaltfreiheit ist dabei keine Passivität, sondern eine aktive Kraft, die Diskriminierung abbaut und Feindschaft in eine versöhnte Gemeinschaft („Beloved Community“) verwandelt.

Warum ist Martin Luther Kings Botschaft im Jahr 2026 besonders aktuell?

Anlässlich des 250. Jahrestags der US-Unabhängigkeitserklärung erinnert Kings Erbe daran, dass demokratische Versprechen von Freiheit und Gleichheit nicht von allein bestehen, sondern durch stetigen Einsatz für Gerechtigkeit und soziale Teilhabe eingelöst werden müssen.

Wo finde ich vertiefende Arbeitshilfen und Downloads für die Gemeindearbeit?

Neben Veröffentlichungen wie der Ökumenischen Rundschau bietet die FriedensDekade im Online-Shop und im Mitgliederbereich umfangreiche Arbeitshilfen, Gebetsentwürfe und Informationsmaterialien für Gemeinden und Friedensgruppen an.

 

0
0
Einkaufswagen
Der Einkaufswagen ist leerZurück zum Shop