Zum Hauptinhalt springen

Schlagwort: Friedenssymbol

Schwerter zu Pflugscharen: Wie ein Symbol couragierten Widerstand in der DDR entfachte

Friedenszeugen: Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert | Folge 1

Ein Blogartikel der ökumenischen FriedensDekade zum Jahresmotto 2026 „couragiert widerständig“

Was bedeutet „Schwerter zu Pflugscharen“? Das Symbol basiert auf der biblischen Vision des Propheten Micha (4,3) und wurde in den 1980er Jahren zum zentralen Zeichen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Es steht für die Umwandlung von Rüstungsgütern in zivile Werkzeuge und verkörpert couragierten, gewaltfreien Widerstand gegen Militarisierung.

Es war ein kleiner Stoffaufnäher, kaum größer als eine Handfläche. Darauf zu sehen: eine kniende Figur, die ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet. Darunter die Worte aus dem Propheten Micha: „Schwerter zu Pflugscharen“. Dieser unscheinbare Aufnäher, in den frühen 1980er Jahren zu Tausenden auf Jacken und Mänteln junger Menschen in der DDR getragen, wurde zu einem der mächtigsten Symbole gewaltfreien Widerstands im Ostblock. Eine biblische Vision wurde zur politischen Provokation und brachte ein Regime in Bedrängnis, das sich selbst als Friedensstaat inszenierte.

Diesen Aufnäher gibt es noch immer im Onlineshop der ökumenischen FriedensDekade

Die Herkunft des Symbols: Von der UN-Statue zum DDR-Aufnäher

Die Geschichte dieses Symbols beginnt mit einer monumentalen Skulptur. 1959 schenkte die Sowjetunion den Vereinten Nationen eine bronzene Statue des sowjetischen Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch: einen muskulösen Mann, der ein Schwert zu einer Pflugschar umformt. Das Kunstwerk, heute noch vor dem UN-Hauptquartier in New York zu sehen, sollte den Friedenswillen der Sowjetunion demonstrieren. Die biblische Verheißung aus Micha 4,3  „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen“ wurde zum sozialistischen Friedenssymbol umgedeutet.

1980 griff die Evangelische Kirche in der DDR dieses Motiv auf. Anlässlich des Kirchentages in Wittenberg ließ sie Hunderttausende Stoffaufnäher mit einer vereinfachten Version der Statue drucken. Die Idee: Jugendliche sollten ein Zeichen für Frieden und Abrüstung tragen können. Was als kirchliche Friedensbotschaft gedacht war, entwickelte sich zu etwas völlig anderem, zu einem Symbol des Widerstands gegen Militarisierung, Wehrpflicht und staatliche Bevormundung.

Denn die jungen Menschen in der DDR verstanden die Botschaft anders als ihre sowjetischen und DDR-Oberen: Nicht „wir“ haben bereits Frieden geschaffen, sondern „wir fordern“ die Umwandlung von Waffen zu Werkzeugen des Lebens. Aus einem affirmativen Symbol wurde eine subversive Forderung.

Der Friedenskompass der Friedensdekade

Warum verbot die DDR das „Schwerter zu Pflugscharen“-Zeichen?

Die Reaktion des SED-Regimes ließ nicht lange auf sich warten. Was zunächst geduldet wurde, weil es ja ein sowjetisches Motiv war, wurde schnell zur Staatsbedrohung erklärt. Ab 1982 verboten Schulleiter und FDJ-Funktionäre das Tragen des Aufnähers. Jugendliche wurden von der Schule verwiesen, von Polizisten auf der Straße angehalten, die Aufnäher wurden mit Gewalt von Jacken gerissen. Manche Trägerinnen und Träger wurden verhört, ihre Namen notiert, ihre Zukunftschancen gefährdet.

Die offizielle Begründung war absurd: Der Aufnäher sei „antimilitaristisch“ und stelle damit die Politik des Warschauer Pakts infrage. Eine Friedensbotschaft wurde als feindliche Propaganda deklariert, weil sie ernst nahm, was die eigene Propaganda nur behauptete.

Friedensbewegung Ost und West: Verbunden durch ein Symbol

Das Bemerkenswerte an „Schwerter zu Pflugscharen“ war seine grenzüberschreitende Kraft. Während in der Bundesrepublik die Friedensbewegung gegen die NATO-Nachrüstung protestierte (gegen Pershing-II-Raketen und Cruise Missiles), trugen junge Menschen in der DDR denselben Aufnäher gegen die eigene Aufrüstung, gegen sowjetische SS-20-Raketen, gegen Wehrkundeunterricht und Militarisierung des Alltags.

Zum ersten Mal seit der Teilung Deutschlands gab es eine gemeinsame Bewegung, die sich nicht von Systemgrenzen aufhalten ließ. Die Friedensbewegung West solidarisierte sich mit den verfolgten Jugendlichen im Osten. Kirchengemeinden diesseits und jenseits der Mauer tauschten Erfahrungen aus. Das Symbol wurde zur Brücke – Jahre bevor die Mauer fiel.

Es war ein ökumenisches Zeugnis im wahrsten Sinne: Die weltweite Kirche, geeint nicht durch Doktrinen, sondern durch gemeinsames Handeln für den Frieden. Hier verwirklichte sich, was der Prophet Micha verheißen hatte: Menschen aus verschiedenen Völkern und Systemen, die gemeinsam die Vision einer entwaffneten Welt hochhielten.

Gewaltfreier Widerstand: Warum das Friedenssymbol so wirkungsvoll war

Die Trägerinnen und Träger des Aufnähers wussten genau, worauf sie sich einließen. Sie riskierten ihre Bildungschancen, ihre Karrieren, manchmal ihre Freiheit. Aber sie taten es aus Überzeugung, aus Gewissensgründen, aus dem Glauben heraus, dass Schweigen Komplizenschaft bedeutet hätte.

Was machte diesen Widerstand so wirkungsvoll?

Er war gewaltfrei. Niemand warf Steine, niemand zündete Autos an. Die Provokation lag in der bloßen Sichtbarkeit der Überzeugung. Ein Stoffaufnäher als Waffe, lächerlich für ein Regime, das Panzer und Stacheldraht kontrollierte. Und doch so gefährlich, dass es verboten werden musste.

Er war öffentlich. Anders als konspirative Widerstandsgruppen agierten die Jugendlichen im Alltag, in Schulen, auf der Straße, in Kirchen. Sie machten ihre Haltung sichtbar, unübersehbar. Das war der Skandal: Sie versteckten sich nicht.

Er war biblisch begründet. Das Regime konnte den Aufnäher verbieten, aber nicht die Bibel. Die prophetische Vision blieb gültig, auch wenn ihre Verkörperung unterdrückt wurde. Das schuf einen Freiraum, den selbst die Stasi nicht völlig schließen konnte.

Er war vernetzend. Wer den Aufnäher trug, fand Gleichgesinnte. Es entstand eine Bewegung ohne Hierarchie, ohne Anführer. Einfach Menschen, die dasselbe Symbol trugen und damit sagten: Ich bin nicht allein, und du bist es auch nicht.

Couragiert widerständig bedeutet 2026: Den Mut aufzubringen, die Logik der Aufrüstung durch zivile Alternativen zu ersetzen, genau wie die Jugendlichen der 80er Jahre, die trotz Repression an der Vision des Propheten Micha festhielten.

Parallelen zu heute: Wenn Frieden zur Provokation wird

2026 erleben wir wieder eine Zeit, in der Friedensforderungen als naiv gelten. In der Aufrüstung als alternativlos dargestellt wird. In der die Logik der Abschreckung dominiert: mehr Waffen für mehr Sicherheit, militärische Stärke als einzige Sprache, die Diktatoren verstehen.

„Schwerter zu Pflugscharen“ widerspricht dieser Logik fundamental. Die biblische Vision kennt keine Friedenssicherung durch Waffengewalt, sondern durch Gerechtigkeit und Verwandlung. Nicht Gleichgewicht des Schreckens, sondern Überwindung der Schwerter selbst.

Heute hören Friedensaktivistinnen und -aktivisten wieder Vorwürfe, die an die DDR-Propaganda erinnern: „naiv“, „realitätsfern“, „dem Feind nützlich“. Die Frage bleibt dieselbe: Wer definiert Realismus? Ist es realistisch, Krieg vorzubereiten, um Frieden zu sichern? Oder ist das die größte Illusion?

Spendenaufruf FriedensDekade 2026

Eine letzter Gedanke

„Schwerter zu Pflugscharen“ hat die DDR nicht befreit. Die Friedensbewegung allein hat die Mauer nicht zu Fall gebracht. Es waren viele Faktoren, viele Menschen, viele Entwicklungen.

Aber ohne die Jugendlichen, die diesen Aufnäher trugen – ohne ihren Mut, ihre Hartnäckigkeit, ihre Weigerung, sich einschüchtern zu lassen –, wäre die Geschichte anders verlaufen. Sie haben gezeigt: Es gibt Alternativen zur Gewalt. Es gibt Menschen, die nicht mitmachen. Es gibt Widerstand, auch wenn er aussichtslos scheint.

Der Aufnäher ist heute ein Museumsstück. Die Bronze-Statue steht noch in New York. Aber die Vision, die beide verkörpern, ist aktueller denn je. In einer Welt, die wieder aufrüstet, die Militärausgaben erhöht, die Kriege führt und vorbereitet, braucht es Menschen, die sagen: Es geht auch anders.

„Schwerter zu Pflugscharen“ ist keine Anleitung, kein Programm, kein Masterplan. Es ist eine Vision, die gelebt werden will. Von Menschen, die bereit sind, dafür einzustehen. Die sich nicht damit abfinden, dass Krieg normal ist. Die an eine Welt glauben, in der Waffen zu Werkzeugen des Lebens werden.

Couragiert widerständig das hieß 1982: einen Aufnäher tragen, obwohl es verboten war. Was heißt es 2026?

Diese Geschichte eröffnet unsere Serie „Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert“, in der wir historische Momente beleuchten, in denen gewaltfreier Widerstand Kriege verhinderte, Frieden schuf oder Gerechtigkeit herstellte.

Hintergrund zur Vision:Die Kraft dieses Symbols ist ungebrochen. Wie wir heute den „Frieden wecken“, beschreibt Jan Gildemeister in seiner Hinführung zum Jahresmotto 2025 auf Seite 4 des Materialheft 2025 . Erfahren Sie mehr über die 45-jährige Geschichte der FriedensDekade und ihre Symbole.

Zum Weiterlesen:

  • Ehrhart Neubert: „Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989″ (1997)
  • Reinhard Lampe: „Schwerter zu Pflugscharen – Ein Symbol verändert die DDR“ (2011)
  • Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt
  • Friedensbibliothek / Antikriegsmuseum, Berlin

 

Erzähl mir vom Frieden Episode 5 – Der Ulli-Thiel-Friedenspreis

Die Serie „Erzähl mir vom Frieden“ beleuchtet die Vielfalt und Lebendigkeit von Friedensaktionen, die unter dem Motto „Erzähl mir vom Frieden“ stattfanden. Sie gibt Einblicke in die Highlights, zeigt inspirierende Projekte und lässt Stimmen zu Wort kommen, die Hoffnung und Mut vermitteln. Im ersten Teil der Serie stand die Friedensaktion des Evangelischen Domgymnasiums Brandenburg an der Havel im Fokus, in der zweiten Episode führte uns unser Rückblick nach Bad Düben und einer Gesprächsrunde über Zukunftsfragen ,die dritte Episode erzählt vom Friedenslauf in Einbeck, und die vierte Episode nahm uns mit nach Baden zu Diskussion und Friedensgottesdienst.

Kinder und Jugendliche gestalten Frieden – der Ulli-Thiel-Friedenspreis

Wie engagieren sich junge Menschen für den Frieden? Was bewegt sie – und wie machen sie ihre Visionen sichtbar?
Der Ulli-Thiel-Friedenspreis 2025 zeigt eindrucksvoll, wie lebendig Friedensbildung an Schulen sein kann.

Am 11. Juli 2025 werden in Karlsruhe 13 kreative und mutige Beiträge von Kindern und Jugendlichen ausgezeichnet. Der Schulwettbewerb „Frieden schaffen ohne Waffen“ wurde bereits zum sechsten Mal ausgeschrieben und zeigt einmal mehr: Frieden beginnt im Klassenzimmer – und wächst in Köpfen, Herzen und Händen.

Einblicke in ausgewählte Projekte:

Ein Kalender für den Frieden
An der Gewerblichen Schule Schwäbisch Hall gestaltete eine internationale Klasse einen Friedenskalender. Die Schüler, viele von ihnen mit Fluchterfahrung, brachten Zeichnungen und Gedanken zum Frieden zu Papier – tiefgründig, berührend, poetisch.

Reverse Graffiti für den Schulhof
Mit Hochdruckreinigern statt Spraydosen setzten Schüler*innen der Paulinenpflege Winnenden friedliche Botschaften auf die Pflastersteine. „Vertrauen“, „Respekt“, „Frieden“ – sichtbar für alle im Alltag.

Literarische Visionen
Eine Schülerin des Nellenburg-Gymnasiums schrieb die Kurzgeschichte „Rahu und der Traum vom Frieden“ – über ein Mädchen, das inmitten des Krieges Hoffnung bewahrt. Ihr Text erzählt von Menschlichkeit und Erinnerung – leise, stark, eindrücklich.

Theater mit Grundschulkindern
Die Falkert Grundschule (Stuttgart) setzte das Bilderbuch „Das Sonnenblumenschwert“ als Theaterstück um. Aufgeführt beim Elterncafé, wurde daraus ein generationsübergreifendes Friedenszeichen.

Kunst und Haltung
Schüler*innen des Heisenberg-Gymnasiums in Bruchsal gestalteten unter anderem eine Plakatcollage mit Friedenstauben in den Farben Russlands und der Ukraine. Ein Poetry-Slam-Text rief zu friedlicher Kommunikation auf – statt Waffen, Worte.

Insgesamt nahmen 50 Beiträge aus 22 Schulen aller Schulformen teil – ein starkes Zeichen für die Friedensbildung an Schulen.

Wer war Ulli Thiel?

Ulli Thiel (1943–2014) war Lehrer, Friedensaktivist und Mitinitiator der Menschenkette Stuttgart–Neu-Ulm 1983 mit über 400.000 Teilnehmenden. Er prägte das Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ – das bis heute trägt. Der nach ihm benannte Preis wird getragen von einem breiten Bündnis: kirchlich, gewerkschaftlich, friedenspolitisch.

Frieden beginnt mit einer Idee – und wird lebendig durch Beteiligung.

Die FriedensDekade 2025 sagt Danke – an alle Kinder, Jugendlichen, Lehrkräfte und Unterstützer*innen.
Danke für eure Fantasie, euren Mut und eure Stimme für den Frieden.

👉 Mehr Friedensaktionen entdecken:
Mitmachen bei der FriedensDekade 2025 – „Komm den Frieden wecken“

Bleiben Sie informiert und machen Sie mit:

Entdecken Sie unsere Materialien im Online-Shop  und folgen Sie auf Instagram.

Wenn Glocken für den Frieden läuten – ein Klang, der verbindet – Ein Impuls von Peter Herrfurth

Ein Impulstext zum Jahresmotto der Ökumenischen FriedensDekade in 2025

Wenn Glocken für den Frieden läuten – ein Klang, der verbindet

Sie rufen zum Gebet, begleiten Trauer und Freude, und manchmal setzen sie ein stilles, unüberhörbares Zeichen: Friedensglocken. Landesjugendpfarrer Peter Herrfurth erzählt in seinem Impuls vom Schicksal tausender Kirchenglocken im Krieg – und von der Hoffnung, die in ihrem Klang liegt. Am Europatag lädt er ein, innezuhalten, wenn um 18 Uhr europaweit die Glocken läuten: Europe rings for Peace.

Friedensläuten

Ein Impuls von Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg, zuerst erschienen auf MDR Sachsen-Anhalt.

45.000 Glocken wurden im 2. Weltkrieg eingeschmolzen, dazu kamen nochmal ca. 35.000 Glocken aus den von Deutschland besetzen Gebieten. Die meisten wurden per Bahn nach Hamburg geschafft, bis sie unwiederbringlich im Schmelzofen landeten. Material für Kriegsgerät und Munition. Weitere 10.000 Glocken überlebten das Kriegsende und konnten von den Glockenfriedhöfen wieder zurückgebracht werden. Auch in Hettstedt, Oranienburg und Ilsenburg lagerten Glocken als Kriegsrohstoff.

Dabei sind Glocken Instrumente des Friedens. Ich durfte vor genau 25 Jahren die neue Kirchenglocke für Hermsdorf bei Magdeburg mitgestalten. Sie hat einen Durchmesser von einem Meter. 750 kg Bronze. Eine Friedenstaube ist auf der Glockenwandung zu sehen, dazu die Worte: „Friede sei mit euch“.

Die Vorgängerglocke war schon 1917 im ersten Weltkrieg vom Turm geholt worden. Ein Zimmermann hatte damals mit Bleistift auf einem Balken notiert: „Nun klinge heut zum letzten Mal, geliebtes Glöcklein du. Und bring uns nach der schweren Zeit nun endlich Fried und Ruh!“

Glocken läuten zum Gebet, zu Gottesdiensten, wenn Menschen gestorben sind oder – was besonders schön ist – wenn Menschen geboren werden.

Heute ist Europatag  – und heute abend um 18 Uhr werden mehr als 1.000 Glocken in Europa läuten. Europe rings for Peace!

Ein Zeichen. Ohne Worte. Jeder versteht es. Jeder hört es. Ein Klang. Ein Friedensläuten.

Und ich werde aufstehen und zuhören. Und ich werde im Stillen beten: Friede sei mit euch! Amen.


Friedenszeichen hören – und selbst zum Klangträger werden

Friedensarbeit beginnt oft leise. Ein Klang wie das Läuten von Glocken kann verbinden, erinnern, heilen. Am Europatag ist das Friedensläuten ein gemeinsames Zeichen über Ländergrenzen hinweg – und eine Einladung, selbst zum Träger des Friedens zu werden: durch Zuhören, Beten, Handeln.


Die FriedensDekade 2025 lädt unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ dazu ein, solche Zeichen des Friedens hörbar und sichtbar zu machen – in Gemeinden, Schulen, auf Straßen und Plätzen.

Entdecken Sie Impulse, Materialien und Aktionen in unserem Shop – und teilen Sie Ihre Friedenszeichen mit uns auf Instagram. Gemeinsam lassen wir den Ruf nach Frieden weiterklingen.

80 Jahre Tag der Befreiung – Hitler kaputt? – Ein Impuls von Peter Herrfurth

Ein Impulstext zum Jahresmotto der Ökumenischen FriedensDekade in 2025

Erinnern heißt Widerstehen – 80 Jahre nach der Befreiung

Am 8. Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal. Ein Tag der Befreiung – und doch ist die Frage bedrückend aktuell: Hitler kaputt? Landesjugendpfarrer Peter Herrfurth erinnert in seinem Impuls an die Sehnsucht nach Frieden, die mit dem Ende der NS-Herrschaft verbunden war – und mahnt eindringlich, wie lebendig rechtsextremes Gedankengut heute wieder ist. Wer Frieden will, muss sich erinnern. Und Haltung zeigen.

80 Jahre Tag der Befreiung – Hitler kaputt?

Ein Impuls von Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg, zuerst erschienen auf MDR Sachsen-Anhalt.

Am 8. Mai 1945 rollen Panzer durch die Straßen. Aber sie haben aufgehört zu schießen. Der Panzergrenadier sitzt auf seinem Verdeck und winkt den verschreckt schauenden Frauen und Kindern am Straßenrand zu: „Hitler kaputt!“ Er lacht und zieht an seiner Zigarette.

Hitler kaputt?

Man hat seine Leiche gefunden.  Er hatte sich wenige Tage vor Kriegsende mit seiner Frau das Leben genommen. Aus Angst, für seine Verbrechen nun zur Rechenschaft gezogen zu werden. 80 Jahre ist das her. Nur wenige, die sich noch erinnern können. Aber die Angst vor einem Krieg ist längst wieder da. Weil Herrschende sich von Größenwahn, Rohstoffneid und Machtgier leiten lassen – und viele das nicht sehen wollen und es verhindern.

Es gibt kaum noch Menschen, die sich an die Bombennächte erinnern, an die Toten, an die Zerstörungen. An das unsägliche Leid. An 50 Millionen Kriegstote.

Eine des letzten deutschen Kriegsruinen war die Dresdner Frauenkirche.  Heute ist alles wieder schick. Die Toten vergessen, die Ruinen beseitigt.

Hitler kaputt? Im Bundestag sitzen Abgeordnete, die das bewusst vergessen wollen – die ihn heimlich, manche sogar offen verehren. Der Grenadier damals hat sich wohl leider geirrt. Hitler ist nicht kaputt. Er ist wieder da.

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ sagt die Bibel.

Wenn wir Frieden stiften wollen, dann müssen wir uns hüten vor Hitler und vor denen, die ihm nachmarschieren mit ihren Gedanken und Sprüchen. Sonst geht die ganze Welt kaputt.


Frieden braucht Erinnerung – und den Mut zur Verständigung

80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeigt sich: Erinnern ist kein Akt der Vergangenheit, sondern eine Aufgabe für heute. Friedensarbeit beginnt dort, wo wir uns dem Vergessen entgegenstellen – und all jenen entgegentreten, die Hitler wieder salonfähig machen wollen.


Die FriedensDekade 2025 steht unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ – als Einladung, Geschichte nicht zu verdrängen, sondern aus ihr zu handeln.

Zeigen Sie Haltung – mit Materialien, Ideen und Aktionen aus unserem Shop und auf Instagram. Gemeinsam setzen wir Zeichen: für Erinnerung, für Verständigung, für Frieden.

Komm, den Frieden wecken – Warum das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ aktueller ist denn je

Zum MDR-Beitrag vom 20. März 2025 über das Friedenszeichen „Schwerter zu Pflugscharen“ der christlichen Friedensbewegung

Am 20. März 2025 rückte der MDR in einem vielbeachteten Beitrag das Symbol Schwerter zu Pflugscharen auch medial ins öffentliche Bewusstsein. Was als Aufnäher in der DDR begann, ist heute mehr als ein historisches Erinnerungsstück – es ist ein kraftvolles Zeichen der Hoffnung, ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit und das offizielle Logo der Ökumenischen FriedensDekade. Hier gehts zum Beitrag

Auf den diesjährigen Ostermärschen 2025 ist das Emblem in Reden aufgegriffen worden und verstärkt sichtbar gewesen: auf Transparenten, Buttons, Fahnen und Aufnähern. Menschen aller Generationen tragen es – als Ausdruck ihres Engagements für eine Welt ohne Krieg und als Erinnerung daran, dass Frieden nicht ohne Zeichen bleibt. 

Ein Symbol des Friedens, das Generationen verbindet – und heute aktueller ist denn je.

Als vor über vier Jahrzehnten das Motiv „Schwerter zu Pflugscharen“ die Friedensbewegung in der DDR prägte, ahnte kaum jemand, welch langes Leben dieses Bildmotiv einmal haben würde. Der evangelische Jugendpfarrer Harald Brettschneider brachte es in Umlauf – als Zeichen der Hoffnung, als Vision des gewaltfreien Widerstands, als Aufnäher auf Jacken junger Menschen, die sich nach Frieden sehnten.

Die zweite Friedensdekade 1981 brachte erstmals diese Zeichen in den öffentlichen Raum. Damals wie heute ging es um mehr als nur ein Logo: Es ging um den Mut zur Hoffnung. Um das Vertrauen in die Kraft der Gewaltfreiheit. Und um die Frage: Wie leben wir Frieden – trotz allem?

Gerade in Zeiten, in denen Symbole vereinnahmt und in widersprüchliche Kontexte gestellt werden – bei Demonstrationen, in politischen Diskussionen, auf Plattformen wie YouTube –, erinnert uns die FriedensDekade an den eigentlichen Kern dieser Bewegung: Frieden ist kein Besitz, sondern ein Weg. Ein gemeinschaftlicher Auftrag.

Ein Zeichen mit Geschichte – und Zukunft

Das Motiv geht auf eine Vision des Propheten Micha zurück:

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen“ (Micha 4,3).

In den 1980er Jahren wurde diese biblische Friedensverheißung in der DDR zur lebendigen Realität: Junge Menschen, Kirchenkreise und Friedensgruppen nähten das Zeichen auf ihre Kleidung, hielten es in die Luft und trugen es durch die Straßen – trotz staatlicher Repression. Es stand für Zivilcourage, für gewaltlosen Widerstand und für die Hoffnung auf eine Welt, in der Konflikte nicht mit Waffen, sondern mit Worten gelöst werden.

Heute ist das Symbol offiziell eingebettet in die FriedensDekade – als zentrales Erkennungszeichen der ökumenischen Bewegung, die jährlich im November zehntausende Menschen verbindet. Es steht für die Sehnsucht nach Frieden, für gemeinsames Handeln über Konfessionsgrenzen hinweg – und für das Vertrauen, dass Veränderung möglich ist.

Mit dem Kauf von Materialien mit dem Emblem „Schwerter zu Pflugscharen im Online-Shop der FriedensDekade unterstützen Sie direkt die Friedensarbeit – ideell und finanziell. Jeder Aufnäher, jeder Button, jede Postkarte trägt die Botschaft weiter und stärkt die Bewegung.

Komm, den Frieden wecken – durch Zeichen, Gebet und Engagement

Das diesjährige Motto „Komm, den Frieden wecken“ ist mehr als ein Aufruf: Es ist eine Einladung an uns alle, aktiv zu werden. In unseren Gemeinden, in der Öffentlichkeit, in Gesprächen, Gebeten und Zeichen.

Ein Aufruf an uns alle: Menschen, Gemeinden, Gemeinschaften und jede einzelne Stimme. Ein Ruf zur Besinnung auf die biblische Friedensverheißung, auf unser Miteinander, auf das, was uns eint – über Konfessionen, Länder und Meinungen hinweg. Lasst uns das Symbol von „Schwerter zu Pflugscharen“ in den Raum der Hoffnung verankern. In die Kraft der Gemeinschaft. In das lebendige Zeugnis, dass Frieden möglich ist – wenn wir ihn gemeinsam wecken.

Unterstützen Sie mit Ihrer Spenden die Bildungs- und Aktionsarbeit der ökumenischen FriedensDekade.

 

Jetzt ist die Zeit: Komm, den Frieden wecken.

Mit Zeichen, die verbinden. Mit Hoffnung, die trägt.

0
    0
    Einkaufswagen
    Der Einkaufswagen ist leerZurück zum Shop