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Schlagwort: couragiert widerständig

Friedenspolitische Einordnung | Teil 1: Wenn internationale Regeln zur Verhandlungsmasse werden

Warum Europa jetzt Alternativen zur Abhängigkeit von Großmächten braucht

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF


Was bedeutet „couragiert widerständig“ im Jahr 2026? Jan Gildemeister zeigt es in seiner aktuellen Einordnung: Widerstand beginnt dort, wo wir nicht schweigen zu Völkerrechtsbrüchen – egal, von wem sie begangen werden. Und Mut bedeutet, Alternativen zu denken, wenn die Großmächte die Welt in Einflusszonen aufteilen wollen. Dieser Text erschien zuerst im Newsletter 295 von Februar 2026 der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und ordnet weltpolitische Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein.


Die USA unter Präsident Donald Trump bestimmen im neuen Jahr wieder die außenpolitischen Schlagzeilen. Zuerst interveniert US-Militär in Venezuela und lässt den dortigen Präsidenten entführen, der nun vor ein US-Gericht gestellt wird. Beides ist klar völkerrechtswidrig, was die Bundesregierung aber nicht verlautbaren mag. Dann verkündet Trump, Grönland den USA einzuverleiben – durch Kauf, ansonsten mit Gewalt. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gab er sich, vermutlich aufgrund des Widerstandes aus Teilen der EU und NATO, „nur“ mit einem Deal zufrieden, der seinen Interessen weitgehend Rechnung trägt und bei dessen Aushandlung weder die dänische noch die grönländische Regierung einbezogen war. Ein Waffenstillstand und Vertrag zum Krieg in der Ukraine ist dafür für ihn gerade nicht so wichtig.

Europas Schweigen kostet Glaubwürdigkeit

Die Reaktionen auf diese alle internationalen Regeln, die Position der betroffenen Staaten und erst recht die Situation der Bevölkerung(en) weitgehend ignorierende US-Politik sind unterschiedlich. Die meisten EU- und europäischen NATO-Mitgliedsstaaten halten sich mit Kritik extrem zurück und lassen sich – wie auch die EU in Gänze – auf Vereinbarungen ein, die weitgehend den Interessen der US-Regierung entsprechen. Dazu gehören Importe von Gas und Rüstung aus den USA im Milliardenumfang oder die Zurücknahme von Regeln für die Praxis der sogenannten Tech-Giganten.

Dies liegt auch daran, dass die Abhängigkeit von den USA groß ist und es an einer Strategie fehlt, wie diese verringert werden kann.

Es gibt Alternativen

Vorschläge gibt es einige:

Kooperation auf Augenhöhe: Eine vertiefte Zusammenarbeit mit Staaten und internationalen Zusammenschlüssen, denen der Erhalt von internationalen Regeln und Institutionen wichtig ist und die kein Interesse daran haben, dass USA, China und Russland die Welt in Machtzonen aufteilen – auch im Handel oder in Rüstungsfragen.

Echte Unabhängigkeit: Eine zunehmende Unabhängigkeit von Importen von Gas, Öl, seltenen Rohstoffen durch den Ausbau regenerativer Energie und verstärktes Recycling sowie die Verabschiedung von der Illusion ewigen Wirtschaftswachstums.

Druck von unten ist nötig

Da es von Seiten der Bundesregierung keinerlei Interesse gibt, Alternativen zu denken und voranzutreiben, muss der Druck aus der Zivilgesellschaft kommen – weltweit. Dazu brauchen wir eine verständlich formulierte, überzeugende Vision, wie es anders gehen könnte, für die viele bereit sind, sich zu engagieren.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber wir sollten in unserem Bereich einen Beitrag dazu leisten.

Schalom


Werden Sie zur ausgleichenden Kraft

Die großen politischen Entwicklungen können überwältigend wirken. Doch Friedensarbeit beginnt auch vor Ort, in Ihrer Gemeinde, in Ihrem Umfeld, in Gesprächen mit Nachbar*innen. Werden Sie aktiv:

Planen Sie Veranstaltungen zur FriedensDekade vom 8. bis 18. November 2026 in Ihrer Gemeinde. Jedes Friedensgebet, jede Andacht, jeder Dialog ist ein Zeichen.

Bestellen Sie Materialien aus unserem Webshop, der Friedenskompass 2026 begleitet Sie liturgisch durchs ganze Jahr, das Gesamtpaket 2026 erscheint im Sommer.

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende. So ermöglichen Sie, dass wir weiterhin Impulse setzen, Materialien entwickeln und Friedensarbeit vernetzen können.

Wir brauchen (keine) großen Gesten, wir brauchen auch viele Menschen, die couragiert und widerständig vor Ort für den Frieden eintreten. Gemeinsam sind wir die ausgleichende Kraft.

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Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle weltpolitische Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der vollständige Text erscheint jeweils im monatlichen Newsletter der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) als Vorwort. Newsletter der AGDF abonnieren

Ihre Stimme zählt: Was die Umfrage zeigt und was wir daraus machen

Rückblick, Aufbruch und ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgedacht haben

Die Ergebnisse unserer großen Umfrage zum Ende der ökumenischen FriedensDekade 2025 liegen vor, und wir haben uns Zeit genommen, Ihre Rückmeldungen zu lesen. Nicht nur zu überfliegen, sondern zu verstehen: Was bewegt Sie? Was brauchen Sie für Ihre Friedensarbeit vor Ort? Und wo können wir besser werden? Heute möchten wir mit Ihnen teilen, was dabei herausgekommen ist und was wir bereits auf den Weg gebracht haben.

Das läuft gut

Ihr Feedback hat uns gutgetan. Es zeigt: Vieles von dem, was wir tun, kommt bei Ihnen an und hilft Ihnen in Ihrer Arbeit. Danke!

Die Website friedensdekade.de nutzen viele von Ihnen als erste Anlaufstelle, wenn es um Informationen, Materialien oder Termine geht. Schön zu hören, dass Sie sich dort gut zurechtfinden und schnell das finden, was Sie brauchen.

Der Friedensbrief (früher Newsletter) scheint den richtigen Ton zu treffen. Fast die Hälfte von Ihnen öffnet ihn regelmäßig. Für Newsletter-Verhältnisse ist das außergewöhnlich hoch und zeigt uns: Die Mischung aus Impulsen, Hintergründen und praktischen Hinweisen passt.

Materialheft, Gebetsleporello und „Schwerter zu Pflugscharen“ haben sich besonders bewährt. Diese Materialien sind aus Ihrer Arbeit vor Ort nicht mehr wegzudenken.

In den sozialen Medien, vor allem im November, konnten wir Menschen erreichen, die uns vorher nicht kannten. 60 Prozent der erreichten Personen waren noch keine Follower. Die Friedensbotschaft trägt weiter, als wir manchmal denken. Folgen Sie uns schon bei Instagram?

Was Sie sich wünschen

Natürlich haben Sie uns auch gesagt, wo wir nachlegen können. Das nehmen wir ernst, denn nur so können wir besser werden.

Jüngere Menschen erreichen
Mehr Material für Konfirmandenarbeit und Schulen, frischere Gottesdienst-Formate, die auch die erreichen, die sonst nicht kommen. Diese Wünsche haben uns mehrfach erreicht.

Praktische Hilfen für den Alltag
Konkrete Impulse für den Gemeindekaffee, Gesprächsleitfäden zu aktuellen gesellschaftlichen Themen, neue Werbemittel wie Rollups oder Mutmacherkarten, die im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit schaffen.

Inhaltliche Tiefe
Gewaltfreier Widerstand, Zivilcourage, Schutz vor Ausgrenzung. Das Motto „couragiert widerständig“ soll richtig durchbuchstabiert werden, nicht nur als Schlagwort, sondern als Haltung.

Was wir bereits getan haben

Wir haben nicht nur zugehört, sondern auch angefangen. Alle Ihre Themen und Anregungen liegen bei unseren Arbeitskreisen auf dem Tisch und fließen direkt in die Materialerstellung für 2026 ein.

Der Friedensbrief ist da
Der Newsletter heißt jetzt Friedensbrief und kommt alle drei Wochen mit klarerem Fokus und mehr Tiefgang. Hier gehts zum Abo

Der FriedensKompass 2026
Sie haben sich mehr liturgische Inhalte fürs ganze Jahr gewünscht, nicht nur für die zehn Tage im November. Also haben wir 22 Einheiten für Friedensgebete entwickelt, die Sie durchs Jahr begleiten. Der FriedensKompass ist bereits verfügbar und bietet Ihnen den langen Atem, den Friedensarbeit braucht. Bestellen Sie den hier.

Serie „Frauen des Friedens“
Starke Biografien, die Mut machen und zum Nachdenken anregen, auch als ausführliche PDF-Version für Gruppen, Schulen und Gemeinden. Begonnen haben wir im Januar mit Bertha von Suttner und 11 weitere Frauen des Friedens werden folgen.

Serie „Friedenspolitische Einordnung“
Monatlich ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, weltpolitische Ereignisse aus friedenspolitischer Perspektive ein. Von Völkerrechtsbrüchen über Aufrüstungsdebatten bis zu zivilgesellschaftlichen Alternativen.

Weitere Formate in Arbeit
Es kommt noch mehr. Wir bleiben dran. Veränderung braucht Zeit und nicht alles werden wir bereits zur Dekade 2026 erfolgreich umgesetzt haben. Seien Sie versichert, wir bleiben dran.

Machen Sie mit

Friedensarbeit funktioniert nur gemeinsam. Deshalb laden wir Sie ein, dabei zu sein.

Werden Sie aktiv
Sprechen Sie Ihre Gemeinde an, planen Sie etwas für die FriedensDekade vom 8. bis 18. November 2026. Jedes Friedensgebet, jede Andacht, jede kleine Aktion ist ein Zeichen.

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Schreibwerkstatt 2026: Wenn Friedensgebete im Schnee entstehen

Wie bereits im Februar die liturgische Grundlage für die FriedensDekade im November gelegt wird

Die FriedensDekade wird Jahr für Jahr im November sichtbar, wenn bundesweit Friedensaktionen gefeiert werden. Doch die Arbeit dafür beginnt viel früher. Bereits jetzt, im Februar, wird die liturgische Basis für die zehn Tage vom 8. bis 18. November gelegt. In der Schreibwerkstatt entstehen die Texte, die später in Kirchen und Gemeindehäusern gebetet werden. Die Texte aus den vergangene Jahren sind als Friedenskompass 2026 für die unterjährige Friedensgebete bereits verfügbar. Parallel arbeiten andere Kreise am Materialheft, der Vorsitzende schreibt seinen Leitartikel, das Gewinnermotiv für 2026 steht fest. Die FriedensDekade ist längst in vollem Gang.

Ein Wochenende im verschneiten Norden 

von Wiltrud Rösch-Metzler (Redaktionsleitung ökumenische FriedensDekade) 

Rund ein Dutzend friedensbewegte Autorinnen und Autoren sind Ende Januar einer Einladung des Vereins der Ökumenischen FriedensDekade zu einer Schreibwerkstatt für Friedensgebete gefolgt. In den tief verschneiten, gastfreundlichen Evangelischen Gästehäusern Sandkrug in Hatten bei Oldenburg tauschten sie sich ein Wochenende lang zum Motto der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“ aus.

Im wunderschönen Ambiente verfassten sie Impulstexte und stellten die elf neuen Friedensgebete für die diesjährige bundesweite FriedensDekade zusammen. In der Regel werden diese in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag (in diesem Jahr vom 8. bis 18. November) in Kirchen und Gemeindehäusern gebetet.

Zum Ablauf des Wochenendes gehört auch eine kleine, zum Motto passende Exkursion, die in diesem Jahr aufgrund der Wetterlage umgeplant werden musste. Die Gruppe ließ sich für ihre Andachtstexte von einem Reisebericht über die Kairos-Palästina Konferenz im November 2025 in Bethlehem und die Situation in Bethlehem und den umliegenden Dörfern sowie vom Film „Das trojanische Pferd“ über den Widerstand gegen das Stuttgarter Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 inspirieren.

Friedensarbeit braucht viele Hände und einen langen Atem

Was in der Schreibwerkstatt entsteht, ist nur ein Teil eines größeren Ganzen. Während die einen an liturgischen Texten feilen, arbeiten andere am Materialheft, an pädagogischen Impulsen, an Grafiken und Plakaten. Der Vorsitzende schreibt seinen Leitartikel, das Redaktionsteam plant die kommenden Friedensbriefe, das Gewinnermotiv von Olaf Warburg ist bereits im Einsatz.

All das geschieht Monate vor dem November, damit Sie vor Ort gut vorbereitet sind, wenn die zehn Tage der FriedensDekade beginnen. Friedensarbeit braucht Zeit, Planung und Menschen, die sich einbringen. Die Schreibwerkstatt ist ein schönes Beispiel dafür, wie aus gemeinsamer Arbeit etwas entsteht, das trägt.

Nächstes Jahr wieder dabei sein?

Die Ökumenische FriedensDekade lädt auch im nächsten Jahr wieder zu einer Schreibwerkstatt ein. Wenn Sie Interesse haben, vorbeizukommen und mitzuschreiben, merken Sie sich den Termin schon jetzt vor.

Infos: friedensdekade@roesch-metzler.de

couragiert widerständig engagieren

Leitimpuls von Jan Gildemeister

Warum es 2026 Mut braucht und was wir füreinander tun können

Die Welt, in der wir leben, macht es einem nicht leicht, ruhig zu bleiben. Aufrüstung, Demokratieabbau, Klimakrise, wachsende Ungleichheit, es sind keine abstrakten Bedrohungen, sondern spürbare Realitäten, die viele Menschen lähmen. Und doch: Aufgeben ist keine Option. Jan Gildemeister, Vorstand der ökumenischen FriedensDekade, legt in seinem Leitimpuls zum Jahresmotto 2026 dar, warum es gerade jetzt Mut braucht  und was „couragiert widerständig“ konkret bedeutet.

Viele Entwicklungen in der Welt und auch in Deutschland lösen Ängste, Frust und Hoffnungslosigkeit aus

Mächtige Staaten und „Staatenlenker“ ignorieren internationale Regeln wie Völkerrecht und Menschenrechte sowie internationale Institutionen. Aufrüstung und der Einsatz von Waffengewalt nehmen zu. Angriffe auf Infrastruktur werden häufiger. Über soziale Medien werden Fake News verbreitet, die Macht der sog. Tech-Giganten wächst. Populistische und rechtsradikale Kräfte gewinnen an Einfluss und unterhöhlen demokratische Institutionen. Zivilgesellschaftliche Akteure, die sich für Menschenrechte, Recht und Gerechtigkeit einsetzen, verlieren immer mehr Freiräume und werden in vielen Staaten unterdrückt. Und schließlich scheint die Klimakrise noch schneller voranzuschreiten als befürchtet.

Dies ist das offizielle Motiv der ökumenischen FriedensDekade vom 08. bis 18. November 2026 zum Motto couragiert widerständig
Das offizielle Motiv der ökumenischen FriedensDekade vom 08. bis 18. November 2026 zum Motto couragiert widerständig von Olaf Warburg

Wir sitzen alle im gleichen Boot

Die Opfer dieser Entwicklungen und die zivilgesellschaftlichen Kräfte, die ihnen entgegensteuern, sind dabei in einem Boot. So erkundigen sich US-amerikanische Christ*innen bei uns, wie es in der NS-Zeit war, und in Europa können wir mit Blick auf Wahlerfolge rechtsextremer Parteien von Widerstand und Schutzkonzepten in anderen Staaten lernen.

Es braucht schon einigen Mut, sich nicht ins Private zurückzuziehen, passiv zu werden, sondern trotz möglicher Anfeindungen und schwieriger Bedingungen zu dem zu stehen, was für einen wichtig ist, und entsprechend aktiv zu werden. In Deutschland erleben wir, dass nicht nur Geflüchtete oder rassistisch Diskriminierte um ihre Sicherheit fürchten müssen, sondern auch diejenigen, die sich für deren Anliegen einsetzen oder politisch gegen Rechtsradikale engagieren.

Je mehr Menschen couragiert handeln, desto sicherer wird es für alle

Und je weniger Menschen sich couragiert vor Ort für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, umso größer sind die Risiken für sie und ihre Nächsten. Anders formuliert: je mehr gegen Rechtsradikale auf die Straße gehen oder sich im öffentlichen Nahverkehr, beim Einkauf, am Arbeitsplatz oder in sozialen Medien für Diskriminierte einsetzen, umso weniger Einfluss haben sog. Verfassungsfeinde und Populist*innen.

Damit dieses Engagement von Erfolg gekrönt wird, braucht es auch die Unterstützung einflussreicher gesellschaftlicher Institutionen wie Kirchen, Gewerkschaften, aber auch von Sport-, Schützen-, Karnevals- und Heimatvereinen. Wenn Sportvereine die Vielfalt ihrer Aktiven begrüßen, wenn beim Karneval für eine bunte Gesellschaft geworben wird oder sich die Kirchen für die Belange von Asylsuchenden einsetzen, ermutigt dies. Beispiele dafür gibt es viele, zugleich wird dies politisch ausgebremst, da immer noch nicht geklärt ist, welche öffentlichen Äußerungen von Vereinen im Rahmen des Gemeinnützigkeitsrechts legitim und wo Grenzen sind. Auch das pauschale Misstrauen nicht nur der AfD, sondern auch von Teilen der Unionsparteien gegen zivilgesellschaftliche Initiativen führt zu großer Unsicherheit bei den Betroffenen.

Widerständig sein bedeutet mehr als Demokratie verteidigen

Das Motto der Ökumenischen Friedensdekade 2026 fordert nicht nur zum couragierten Handeln auf, sondern zugleich widerständig zu sein. Aber geht es aktuell nicht darum, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen gegen diejenigen, die zum Widerstand gegen „das System“ aufrufen? Natürlich ist dies sehr wichtig, zugleich reicht es mit Blick auf die größere Perspektive von Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Mitschöpfung nicht aus. Gegen die Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen gilt es ebenso widerständig zu sein, wie gegen die ungebremste Aufrüstung und das Festhalten an der höchst problematischen nuklearen Abschreckung. Viel zu kurzfristig gedachte politische Entscheidungen, die notwendige Maßnahmen gegen die Klimakrise, Artenschutz und allgemein Umweltzerstörung zugunsten von Wirtschaftsinteressen ausbremsen, dürfen nicht hingenommen werden. Da gilt es im Rahmen demokratischer Spielregeln entschieden zu protestieren, durchaus auch mit gewaltfreiem Widerstand, ohne damit ungewollt Wasser auf die Mühlen Rechtsradikaler zu gießen.

Was couragiert widerständig in der Praxis bedeutet

Haupt- und noch erheblich mehr Ehrenamtliche sind bei Mitgliedsorganisationen der AGDF couragiert widerständig aktiv: Sie koordinieren Bündnisse gegen Rechts vor Ort oder gegen die Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen. Als Friedensfachkraft begleiten sie gefährdete Menschenrechtsverteidiger*innen oder unterstützen Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit in Krisenregionen. Junge Freiwillige leisten ihren Dienst in Projekten, die sich auch unter schwierigen Rahmenbedingungen für sozial Schwache einsetzen. AGDF-Mitglieder qualifizieren zudem für die professionelle Bearbeitung von Konflikten und bilden Campaigner*innen aus. Sie beraten junge Menschen, die vor der Frage stehen, ob sie den Kriegsdienst verweigern sollen.

Gemeinsam für eine bessere Welt

Wir brauchen viele Menschen, die sich gemeinsam für eine bessere Welt engagieren, trotz Anfeindungen und Repressionen. Die das Ziel einer Kriegstüchtigkeit oder Feindbilder in Frage stellen und dagegen wehren, dass unhinterfragt aufgerüstet und eine Militarisierung vorangetrieben wird bei gleichzeitiger Kürzung der Mittel für Instrumente der zivilen Konfliktbearbeitung, Soziales und Entwicklungszusammenarbeit oder für die Bekämpfung der Klimakrise. Genau dazu will die ökumenische FriedensDekade ermutigen: als ein Ort, an dem Gemeinden, Gruppen und Einzelne Jahr für Jahr neu innehalten, sich vernetzen und gestärkt werden für den langen Atem, den diese Arbeit braucht.


Der legendäre Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ gibt es weiterhin im Webshop der Dekade

Bleiben Sie couragiert widerständig

Friedensarbeit braucht einen langen Atem. Und Menschen, die sie tragen.

Wenn Sie die Arbeit der ökumenischen FriedensDekade unterstützen möchten, gibt es zwei Wege: Mit dem Kauf unserer Materialien helfen Sie, die Dekade lebendig zu halten. Wer darüber hinaus spenden möchte, ermöglicht uns, auch dort präsent zu sein, wo es besonders nötig ist.

Vor allem aber: Bleiben Sie selbst couragiert widerständig. Bleiben Sie treu Ihren Werten, Ihrer Menschlichkeit, der Liebe zu Ihren Nächsten. In einer Zeit, in der vieles wankt, ist das keine Kleinigkeit. Es ist ein Akt des Glaubens.

Mit Gottes Hilfe.


Spendenaufruf FriedensDekade 2026


Der Friedenskompass 2026: Liturgische Orientierung für couragiert widerständige Gemeinden

Wer jetzt schon mit seiner Gemeinde oder Gruppe in das Motto „couragiert widerständig“ eintauchen möchte, muss nicht bis November warten. Der Friedenskompass 2026 ist bereits heute im Onlineshop der ökumenischen FriedensDekade erhältlich.

Er greift das Jahresmotto auf und gibt ihm eine liturgische Richtung: mit historischen Impulsen, die zeigen, was couragierter Widerstand in der Geschichte des Glaubens bedeutet hat, und mit Gebeten und Texten, die helfen, diesen Geist in den eigenen Gemeindekontext zu übertragen. Der Friedenskompass ist kein fertiges Programm, sondern eine Orientierungshilfe für alle, die Friedensgebete, Andachten oder Gemeindeabende gestalten wollen.


Der Friedenskompass der Friedensdekade
Durch das Jahr mit Friedensgebeten, liturgischen Texten, Impulsen und ersten Einordnungen.

Das vollständige redaktionelle Gesamtpaket erscheint dann Mitte 2026: Die Materialmappe mit ausgearbeiteten liturgischen Bausteinen, theologischen Vertiefungen und praktischen Gestaltungsideen sowie das Gebetsleporello als kompaktes Format für die Hand in der Gemeinde. Beides ist darauf ausgelegt, die zehn Tage der Dekade im November inhaltlich zu tragen und gleichzeitig über die Dekade hinaus nutzbar zu bleiben.

Jetzt den Friedenskompass 2026 im Onlineshop bestellen

Jetzt das Gesamtpaket im Abo bestellen und die FriedensDekade langfristig unterstützen.

 

Über diesen Artikel

Dieser Leitimpuls zum Jahresmotto „couragiert widerständig“ wurde verfasst von Jan Gildemeister, Vorstand der ökumenischen FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Dienste für den Frieden (AGDF). Er erschien im Kontext der Vorbereitung auf die ökumenische FriedensDekade 2026, die vom 8. bis 18. November 2026 stattfindet.

Couragiert widerständig: Papst Leo XIV ruft zur Demut der Wahrheit

Wie die Neujahrsansprache des Papstes das Motto der ökumenischen FriedensDekade 2026 lebendig macht

Video der vollständigen Ansprache auf Vatican News

Vollständiger Text der Rede auf vatican.va

In seiner ersten Ansprache an das Diplomatische Korps im Januar 2026 hat Papst Leo XIV eine Vision des Friedens entworfen, die in bemerkenswerter Weise mit dem Jahresmotto der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“ resoniert. Seine Worte sind ein prophetischer Ruf zu einer Form des Widerstands, die auf Demut und Wahrheit gründet, ein Widerstand, der nicht mit Gewalt, sondern mit dem Mut der Vergebung arbeitet.

Widerstand gegen semantische Manipulation

Der Papst schildert die tiefgreifende Krise unserer Zeit: den Verlust der Eindeutigkeit der Sprache.

„Die Sprache ist nicht mehr das bevorzugte Mittel der Menschen, um sich kennenzulernen und sich zu begegnen, sondern wird in den Windungen der semantischen Mehrdeutigkeit immer mehr zu einer Waffe.“

Er warnt vor einer „neuen Sprache mit orwellschem Beigeschmack“, die im Namen der Inklusivität jene ausschließt, die sich nicht anpassen. Couragiert widerständig zu sein heißt hier: klar zu benennen, was ist, gegen den Strom der semantischen Beliebigkeit.

Gewissensfreiheit: Treue zu sich selbst

Besonders eindrücklich ist Leo XIVs Verteidigung der Gewissensfreiheit. Er beschreibt die Verweigerung aus Gewissensgründen nicht als Rebellion, sondern als „einen Akt der Treue zu sich selbst“. Diese Definition gibt dem Motto eine spirituelle Tiefendimension: Widerstand wurzelt in der Treue zur eigenen Gewissenswahrheit.

Der Papst warnt, dass selbst demokratische Staaten zunehmend die Gewissensfreiheit in Frage stellen. Die wahre Stärke des Widerstands liegt nicht in der Macht über andere, sondern in der Unbeugsamkeit der eigenen moralischen Identität.

Der Mut der Vergebung

Vielleicht am revolutionärsten ist Leo XIVs Betonung dessen, was er den „Mut der Vergebung“ nennt. In einer Welt, die zunehmend von der „Diplomatie der Stärke“ geprägt ist, wo „Krieg wieder in Mode gekommen“ ist, fordert der Papst einen radikalen Gegenentwurf. Frieden zu stiften erfordert „die Demut der Wahrheit und den Mut der Vergebung“.

Diese beiden Pole definieren, was couragiert widerständig im christlichen Sinne bedeutet. Demut ist die Fähigkeit, die Wahrheit über sich selbst anzuerkennen. Mut ist die Kraft zur Vergebung, selbst wenn Ungerechtigkeit erlitten wurde. Der Papst verweist auf Weihnachten und Ostern als Urbilder: das ewige Wort wird demütiges Fleisch, der Gerechte vergibt seinen Verfolgern.

Franz von Assisi: Vorbild für 2026

Am Ende verweist Leo XIV auf den heiligen Franz von Assisi, dessen 800. Todestag im Oktober 2026 begangen wird. Franz wird als „Mann des Friedens und des Dialogs“ beschrieben, dessen Leben vom Bewusstsein beseelt war, „dass eine friedliche Welt von einem demütigen Herzen her errichtet wird“.

Dieses franziskanische Modell verbindet alle Stränge: Demut gegenüber der Wahrheit, Mut zur Vergebung, Widerstand gegen Gewalt, Hingabe an die Schwächsten. Franz‘ Begegnung mit dem Sultan zeigt, wie Dialog möglich ist, nicht als naive Harmoniesuche, sondern als mutiger Schritt über Feindbilder hinweg.

Was bedeutet das konkret?

Sprache zurückgewinnen: Klarheit der Worte, Widerstand gegen semantische Beliebigkeit

Gewissen schärfen: Treue zu eigenen Überzeugungen, auch wenn sie unpopulär sind

Vergebung üben: Spiralen der Gewalt durchbrechen, neue Wege eröffnen

Dialog wagen: Wie Franz von Assisi Brücken bauen, ohne Identität aufzugeben

Ein demütiges und friedensstiftendes Herz

Leo XIVs Ansprache verbindet die Weisheit des heiligen Augustinus mit franziskanischer Spiritualität und wendet beides auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts an. Das Ergebnis ist eine Vision von Widerstand, die weder naiv noch militant ist, sondern auf Wahrheit, Demut und Vergebung gründet.

Das Motto „couragiert widerständig“ findet hier seine tiefste Auslegung: Es geht nicht darum, gegen Menschen zu kämpfen, sondern gegen Strukturen der Ungerechtigkeit. Nicht um Macht über andere, sondern um die Kraft, der Wahrheit treu zu bleiben. Nicht um Vergeltung, sondern um Vergebung.

Der Papst wünscht jedem „ein demütiges und friedensstiftendes Herz“. Das ist die beste Zusammenfassung dessen, was es bedeutet, couragiert widerständig zu sein: ein Herz, das demütig genug ist, die Wahrheit zu erkennen, und mutig genug, ihr zu folgen.

 

Über die ökumenische FriedensDekade

Die ökumenische FriedensDekade findet jährlich in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag im November statt. Sie bietet Raum für Friedensgebete, Aktionen und Reflexionen über christliche Friedensethik. Das Motto 2026 „couragiert widerständig“ lädt Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen ein, konkrete Wege des gewaltfreien Widerstands zu erkunden.

Unterstützen Sie die ökumenische FriedensDekade und kirchliche Friedensarbeit durch Spenden und den Kauf von Materialien. Besonders empfehlen wir den Friedenskompass 2026, der ab Februar 2026 ausgeliefert wird und praktische Impulse, Texte und Gebete zum Jahresmotto „couragiert widerständig“ bietet, ein unverzichtbarer Begleiter für Gemeinden und Friedensgruppen durch das Jahr.

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