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Schlagwort: Kriegsdienstverweigerung

Europäische Friedensarbeit im Blick: Church & Peace Rundbrief 1/2026

Von Georgien bis Serbien, von Wehrpflicht-Debatten bis zur zivilen Verteidigung: Unser Mitglied Church & Peace berichtet aus einem bewegten Europa

Während in Deutschland über Wehrpflicht und Aufrüstung diskutiert wird, protestieren Menschen in Serbien seit über einem Jahr gewaltfrei gegen Korruption, stehen Georgier*innen für ihren EU-Beitritt ein und ringen Friedensaktive europaweit um Räume für zivilen Widerstand. Der aktuelle Rundbrief 1/2026 von Church & Peace, unserem Mitglied im Trägerkreis der Ökumenischen FriedensDekade, gibt einen eindrucksvollen Einblick in die Vielfalt europäischer Friedensarbeit. Den vollständigen Rundbrief 1/2026 von Church & Peace können Sie auf der Website des Netzwerks lesen:

Gewaltfreier Widerstand in Serbien und Georgien

Marija Parnicki und Marijana Ajzenkol berichten von den anhaltenden Protesten in Serbien: „In Serbien ereignet sich seit einem Jahr der größte gewaltfreie Widerstand in Europa.“ Hunderte wurden verprügelt und verhaftet – doch der Widerstand bricht nicht. Auch in Georgien gehen seit Oktober 2024 Tausende auf die Straße, gegen manipulierte Wahlen und autoritären Kurswechsel. Mikheil Elizbarashvili schildert, wie Protestierende trotz Tränengas und Wasserwerfern nicht aufgeben.

„Stop ReArm Europe“ – Ein anderer Sicherheitsbegriff

Michel Monod aus der Schweiz plädiert für die wachsende Bewegung „Stop ReArm Europe“: „Wir brauchen keine weiteren Waffen … Was wir brauchen, ist ein völlig anderer Plan: echte, soziale, ökologische und gemeinsame Sicherheit für Europa und für die Welt.“ Er erinnert an erfolgreiche Beispiele zivilen Widerstands – von Gandhi über die Berliner Mauer bis zu den gewaltfreien Befreiungen in der DDR, Tschechien und Litauen.

Kroatien: „Welche Würde verteidigen wir?“

Ana Raffai berichtet aus Kroatien von einer Gesellschaft, in der nationalistische Gewalt zunimmt. Gleichzeitig gibt es hoffnungstragende Haltestellen: Die Konferenz „Gläubige für den Frieden“ in Omiš versammelte 60 Teilnehmende aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien. „Die Vorträge waren gut, aber das Beste waren die Gespräche in Kleingruppen, am Esstisch“, beschreibt eine Teilnehmerin. Dialog als Werkzeug der Mutigen.

Niederlande: Wenn links rechts wird

Geke van Vliet analysiert die politische Entwicklung in den Niederlanden: Nach den Parlamentswahlen 2025 ist die Linke kleiner denn je, während sich rechte Kräfte neu sortiert haben. Ihre Diagnose: „Von einer Wende kann hier keine Rede sein“ – eher eine kontinuierliche Verschiebung nach rechts.

Vielfalt und Vernetzung

Der Rundbrief stellt auch den neuen Vorstand vor, berichtet von der Europäischen Konferenz in Herrnhut unter dem Motto „Du lass dich nicht verhärten“ und gibt Einblicke in die Arbeit von Church & Peace in verschiedenen europäischen Ländern. Die scheidende Generalsekretärin Juliane Prüfert verabschiedet sich mit den Worten: „Ihr schafft eine Gegen-Gegenwart, eine Realität, die zeigt, wie Sicherheit durch Vertrauen und Mut entsteht.“

Friedensarbeit kennt keine Grenzen

Der Rundbrief macht deutlich: Friedensarbeit ist europäisch, vielfältig und konkret. Sie findet in Gesprächen am Küchentisch statt, in Workshops zur gewaltfreien Kommunikation, in mutigen Protesten auf den Straßen und in der geduldigen Begleitung von Kriegsdienstverweigerern.

Den vollständigen Rundbrief 1/2026 von Church & Peace können Sie auf der Website des Netzwerks lesen

 

Über Church & Peace:
Church & Peace ist ein europäisches ökumenisches Netzwerk von Friedenskirchen, friedenskirchlich orientierten Gemeinden, Kommunitäten und Friedensdiensten. Als Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade verbindet es friedensbewegte Menschen quer durch Europa.

Das ist mein Land

Gedanken zur Wehrpflicht-Debatte: Wie wir Zukunft gemeinsam gestalten, statt junge Menschen zu instrumentalisieren

Von Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg


Im März 2026 gehen Schülerinnen und Schüler erneut auf die Straße, gegen die Wehrpflicht, für ihre Zukunft. Nach dem ersten Schulstreik im Dezember 2025 hat der Bundestag die Wehrpflicht trotzdem beschlossen. Junge Menschen sollen für ihr Land einstehen, während ihre eigenen Bedürfnisse überhört werden. Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg, fragt: Was für ein Land ist das eigentlich, für das wir junge Menschen einspannen wollen?


Post von der Bundeswehr

Oh, Post im Briefkasten! Ein Fragebogen von der Bundeswehr und der Aufruf zur Musterung. Nein, die Post ist nicht für mich, aber Tausende junger Menschen werden in diesem Jahr solche Post bekommen. Dagegen hatten Schüler und Schülerinnen im Dezember laut protestiert. Der Bundestag hat die Wehrpflicht trotzdem beschlossen. Die Abgeordneten selbst betrifft es nicht, aber für sie ist klar: Deutschland muss sich verteidigen.

Junge Menschen bleiben auf der Strecke

Beschlossen wurde auch die Preisanhebung des Deutschlandtickets. Gleichzeitig leben über zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Armut. Das bedeutet Benachteiligung ihrer Entwicklung, ihrer Bildungschancen und ihrer Freizeit.

Das Verbrenner-Aus wird wieder in Frage gestellt. Aber wer badet die Klimafolgen später aus!? Die Kinder und Jugendlichen von heute!

Also junge Menschen sollen für ihr Land einstehen und werden selbst so wenig beachtet mit ihren Bedürfnissen.

Die Bushaltestelle: Eine Geschichte vom Dazugehören

Ich denke an eine Bushaltestelle in meinem Dorf. Immer wieder wurde sie von Jugendlichen demoliert und verdreckt. Bis die Jugendlichen die Haltestelle selbst farbig mit Graffiti gestalteten durften. Jetzt war es ihre Haltestelle. Und sie passten gut auf, dass da kein Mist passiert.

Ein Land, das allen gehört

Unser Land kann wie diese Bushaltestelle sein. Ein Ort, wo ich mich gern aufhalte, geschützt werde, wo ich andere treffe. Ein Ort, für den ich eintrete.

Unter dem Dach ist Platz für Alte und Junge. Für Menschen in aller Vielfalt, mit ihren Sprachen, Religionen und Kulturen. Ein Ort, den wir miteinander gestalten und erhalten. Das macht richtig Arbeit. Aber so ist das mit der Zukunft. Wir müssen engagiert für sie eintreten. Gemeinsam und nicht gegeneinander. Ehe der Bus für uns alle abgefahren ist.

Beitrag für MDR-Sachsen-Anhalt: Angedacht


Couragiert widerständig – auch junge Stimmen

Der zweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht zeigt: Junge Menschen nehmen ihre Zukunft selbst in die Hand. Sie stellen unbequeme Fragen und fordern Mitsprache bei Entscheidungen, die ihr Leben grundlegend verändern werden. Das ist gelebte Demokratie – und ein Beispiel für das, was unser Motto „couragiert widerständig“ bedeutet.

Die Ökumenische FriedensDekade begleitet diese Debatte mit einem klaren Standpunkt: Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen ist ein Menschenrecht – in Friedens- wie in Kriegszeiten. Junge Menschen, die für sich einen anderen Weg sehen als den Militärdienst, verdienen Respekt, rechtlichen Schutz und zivile Alternativen.

Ob im Schulstreik, im Gemeindegespräch oder in der persönlichen Gewissensentscheidung: Wer sich für Frieden einsetzt, braucht Mut. Und Unterstützung.

Mehr Informationen zur Kriegsdienstverweigerung und Gewissensfreiheit finden Sie auf unserer Website.

couragiert widerständig engagieren

Leitimpuls von Jan Gildemeister

Warum es 2026 Mut braucht und was wir füreinander tun können

Die Welt, in der wir leben, macht es einem nicht leicht, ruhig zu bleiben. Aufrüstung, Demokratieabbau, Klimakrise, wachsende Ungleichheit, es sind keine abstrakten Bedrohungen, sondern spürbare Realitäten, die viele Menschen lähmen. Und doch: Aufgeben ist keine Option. Jan Gildemeister, Vorstand der ökumenischen FriedensDekade, legt in seinem Leitimpuls zum Jahresmotto 2026 dar, warum es gerade jetzt Mut braucht  und was „couragiert widerständig“ konkret bedeutet.

Viele Entwicklungen in der Welt und auch in Deutschland lösen Ängste, Frust und Hoffnungslosigkeit aus

Mächtige Staaten und „Staatenlenker“ ignorieren internationale Regeln wie Völkerrecht und Menschenrechte sowie internationale Institutionen. Aufrüstung und der Einsatz von Waffengewalt nehmen zu. Angriffe auf Infrastruktur werden häufiger. Über soziale Medien werden Fake News verbreitet, die Macht der sog. Tech-Giganten wächst. Populistische und rechtsradikale Kräfte gewinnen an Einfluss und unterhöhlen demokratische Institutionen. Zivilgesellschaftliche Akteure, die sich für Menschenrechte, Recht und Gerechtigkeit einsetzen, verlieren immer mehr Freiräume und werden in vielen Staaten unterdrückt. Und schließlich scheint die Klimakrise noch schneller voranzuschreiten als befürchtet.

Dies ist das offizielle Motiv der ökumenischen FriedensDekade vom 08. bis 18. November 2026 zum Motto couragiert widerständig
Das offizielle Motiv der ökumenischen FriedensDekade vom 08. bis 18. November 2026 zum Motto couragiert widerständig von Olaf Warburg

Wir sitzen alle im gleichen Boot

Die Opfer dieser Entwicklungen und die zivilgesellschaftlichen Kräfte, die ihnen entgegensteuern, sind dabei in einem Boot. So erkundigen sich US-amerikanische Christ*innen bei uns, wie es in der NS-Zeit war, und in Europa können wir mit Blick auf Wahlerfolge rechtsextremer Parteien von Widerstand und Schutzkonzepten in anderen Staaten lernen.

Es braucht schon einigen Mut, sich nicht ins Private zurückzuziehen, passiv zu werden, sondern trotz möglicher Anfeindungen und schwieriger Bedingungen zu dem zu stehen, was für einen wichtig ist, und entsprechend aktiv zu werden. In Deutschland erleben wir, dass nicht nur Geflüchtete oder rassistisch Diskriminierte um ihre Sicherheit fürchten müssen, sondern auch diejenigen, die sich für deren Anliegen einsetzen oder politisch gegen Rechtsradikale engagieren.

Je mehr Menschen couragiert handeln, desto sicherer wird es für alle

Und je weniger Menschen sich couragiert vor Ort für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, umso größer sind die Risiken für sie und ihre Nächsten. Anders formuliert: je mehr gegen Rechtsradikale auf die Straße gehen oder sich im öffentlichen Nahverkehr, beim Einkauf, am Arbeitsplatz oder in sozialen Medien für Diskriminierte einsetzen, umso weniger Einfluss haben sog. Verfassungsfeinde und Populist*innen.

Damit dieses Engagement von Erfolg gekrönt wird, braucht es auch die Unterstützung einflussreicher gesellschaftlicher Institutionen wie Kirchen, Gewerkschaften, aber auch von Sport-, Schützen-, Karnevals- und Heimatvereinen. Wenn Sportvereine die Vielfalt ihrer Aktiven begrüßen, wenn beim Karneval für eine bunte Gesellschaft geworben wird oder sich die Kirchen für die Belange von Asylsuchenden einsetzen, ermutigt dies. Beispiele dafür gibt es viele, zugleich wird dies politisch ausgebremst, da immer noch nicht geklärt ist, welche öffentlichen Äußerungen von Vereinen im Rahmen des Gemeinnützigkeitsrechts legitim und wo Grenzen sind. Auch das pauschale Misstrauen nicht nur der AfD, sondern auch von Teilen der Unionsparteien gegen zivilgesellschaftliche Initiativen führt zu großer Unsicherheit bei den Betroffenen.

Widerständig sein bedeutet mehr als Demokratie verteidigen

Das Motto der Ökumenischen Friedensdekade 2026 fordert nicht nur zum couragierten Handeln auf, sondern zugleich widerständig zu sein. Aber geht es aktuell nicht darum, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen gegen diejenigen, die zum Widerstand gegen „das System“ aufrufen? Natürlich ist dies sehr wichtig, zugleich reicht es mit Blick auf die größere Perspektive von Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Mitschöpfung nicht aus. Gegen die Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen gilt es ebenso widerständig zu sein, wie gegen die ungebremste Aufrüstung und das Festhalten an der höchst problematischen nuklearen Abschreckung. Viel zu kurzfristig gedachte politische Entscheidungen, die notwendige Maßnahmen gegen die Klimakrise, Artenschutz und allgemein Umweltzerstörung zugunsten von Wirtschaftsinteressen ausbremsen, dürfen nicht hingenommen werden. Da gilt es im Rahmen demokratischer Spielregeln entschieden zu protestieren, durchaus auch mit gewaltfreiem Widerstand, ohne damit ungewollt Wasser auf die Mühlen Rechtsradikaler zu gießen.

Was couragiert widerständig in der Praxis bedeutet

Haupt- und noch erheblich mehr Ehrenamtliche sind bei Mitgliedsorganisationen der AGDF couragiert widerständig aktiv: Sie koordinieren Bündnisse gegen Rechts vor Ort oder gegen die Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen. Als Friedensfachkraft begleiten sie gefährdete Menschenrechtsverteidiger*innen oder unterstützen Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit in Krisenregionen. Junge Freiwillige leisten ihren Dienst in Projekten, die sich auch unter schwierigen Rahmenbedingungen für sozial Schwache einsetzen. AGDF-Mitglieder qualifizieren zudem für die professionelle Bearbeitung von Konflikten und bilden Campaigner*innen aus. Sie beraten junge Menschen, die vor der Frage stehen, ob sie den Kriegsdienst verweigern sollen.

Gemeinsam für eine bessere Welt

Wir brauchen viele Menschen, die sich gemeinsam für eine bessere Welt engagieren, trotz Anfeindungen und Repressionen. Die das Ziel einer Kriegstüchtigkeit oder Feindbilder in Frage stellen und dagegen wehren, dass unhinterfragt aufgerüstet und eine Militarisierung vorangetrieben wird bei gleichzeitiger Kürzung der Mittel für Instrumente der zivilen Konfliktbearbeitung, Soziales und Entwicklungszusammenarbeit oder für die Bekämpfung der Klimakrise. Genau dazu will die ökumenische FriedensDekade ermutigen: als ein Ort, an dem Gemeinden, Gruppen und Einzelne Jahr für Jahr neu innehalten, sich vernetzen und gestärkt werden für den langen Atem, den diese Arbeit braucht.


Der legendäre Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ gibt es weiterhin im Webshop der Dekade

Bleiben Sie couragiert widerständig

Friedensarbeit braucht einen langen Atem. Und Menschen, die sie tragen.

Wenn Sie die Arbeit der ökumenischen FriedensDekade unterstützen möchten, gibt es zwei Wege: Mit dem Kauf unserer Materialien helfen Sie, die Dekade lebendig zu halten. Wer darüber hinaus spenden möchte, ermöglicht uns, auch dort präsent zu sein, wo es besonders nötig ist.

Vor allem aber: Bleiben Sie selbst couragiert widerständig. Bleiben Sie treu Ihren Werten, Ihrer Menschlichkeit, der Liebe zu Ihren Nächsten. In einer Zeit, in der vieles wankt, ist das keine Kleinigkeit. Es ist ein Akt des Glaubens.

Mit Gottes Hilfe.


Spendenaufruf FriedensDekade 2026


Der Friedenskompass 2026: Liturgische Orientierung für couragiert widerständige Gemeinden

Wer jetzt schon mit seiner Gemeinde oder Gruppe in das Motto „couragiert widerständig“ eintauchen möchte, muss nicht bis November warten. Der Friedenskompass 2026 ist bereits heute im Onlineshop der ökumenischen FriedensDekade erhältlich.

Er greift das Jahresmotto auf und gibt ihm eine liturgische Richtung: mit historischen Impulsen, die zeigen, was couragierter Widerstand in der Geschichte des Glaubens bedeutet hat, und mit Gebeten und Texten, die helfen, diesen Geist in den eigenen Gemeindekontext zu übertragen. Der Friedenskompass ist kein fertiges Programm, sondern eine Orientierungshilfe für alle, die Friedensgebete, Andachten oder Gemeindeabende gestalten wollen.


Der Friedenskompass der Friedensdekade
Durch das Jahr mit Friedensgebeten, liturgischen Texten, Impulsen und ersten Einordnungen.

Das vollständige redaktionelle Gesamtpaket erscheint dann Mitte 2026: Die Materialmappe mit ausgearbeiteten liturgischen Bausteinen, theologischen Vertiefungen und praktischen Gestaltungsideen sowie das Gebetsleporello als kompaktes Format für die Hand in der Gemeinde. Beides ist darauf ausgelegt, die zehn Tage der Dekade im November inhaltlich zu tragen und gleichzeitig über die Dekade hinaus nutzbar zu bleiben.

Jetzt den Friedenskompass 2026 im Onlineshop bestellen

Jetzt das Gesamtpaket im Abo bestellen und die FriedensDekade langfristig unterstützen.

 

Über diesen Artikel

Dieser Leitimpuls zum Jahresmotto „couragiert widerständig“ wurde verfasst von Jan Gildemeister, Vorstand der ökumenischen FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Dienste für den Frieden (AGDF). Er erschien im Kontext der Vorbereitung auf die ökumenische FriedensDekade 2026, die vom 8. bis 18. November 2026 stattfindet.

Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung: Gewissen braucht Orientierung

Kriegsdienstverweigerung im Fokus: – EAK ruft junge Menschen am internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung (15.05) zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Standpunkt auf

In einer Zeit globaler Unsicherheit, wachsender Spannungen und hitziger Debatten um Wehrpflicht und Landesverteidigung erinnert die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) am Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung (15. Mai) daran: Junge Menschen brauchen Raum, um ihr Gewissen zu befragen – und Unterstützung bei dieser tiefgreifenden Entscheidung.

„Die eigene Haltung zum Wehrdienst oder zur Kriegsdienstverweigerung gehört zu den wichtigsten Entscheidungen, die einem jungen Menschen begegnen kann“, betont Gregor Rehm, Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche der Pfalz und Vorstandsmitglied der EAK. Die EAK sehe es als ihre zentrale Aufgabe, junge Menschen auf diesem Weg zu begleiten.

Gewissensbildung braucht Gespräch, Material und Mut

Die Auseinandersetzung mit Fragen wie „Würde ich im Ernstfall zur Waffe greifen?“ oder „Was bedeutet es, heute für Frieden einzustehen?“ ist keine abstrakte Übung – sondern hochaktuell. In den vergangenen Monaten erhielt die EAK zahlreiche Anfragen zur Kriegsdienstverweigerung: von jungen Menschen, aber auch von aktiven Soldat:innen und Reservist:innen.

Diese zunehmende Unsicherheit ist auch eine Reaktion auf aktuelle politische Entwicklungen. Besonders der Beschluss des Bundesgerichtshofs vom Januar 2025 hat für Irritation gesorgt: Darin wird erwogen, das im Grundgesetz verankerte Recht auf Kriegsdienstverweigerung (Art. 4, Abs. 3) im Kriegsfall einzuschränken. Eine „bedenkliche Tendenz“, so Martin Tontsch, Mitglied im EAK-Vorstand und Mitarbeiter der Arbeitsstelle Kokon der bayerischen Landeskirche.

Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung muss geschützt werden

Im Fokus stand beim BGH-Fall die drohende Auslieferung eines ukrainischen Kriegsdienstverweigerers. In der Ukraine ist dieses Recht im Kriegsfall ausgesetzt – mit Konsequenzen: Wer verweigert, riskiert Haft. Für die EAK ist klar: Das ist nicht akzeptabel.

Kriegsdienstverweigerung ist ein Menschenrecht, gerade auch im Krieg“, erklärt Wolfgang M. Burggraf, Geschäftsführer der EAK. Verfolgten Verweigerern müsse Asyl gewährt werden – auch in Deutschland. Deshalb unterstützt die EAK auch die europaweite #ObjectWarCampaign, die sich für Deserteur:innen und Verweigerer aus Russland, Belarus und der Ukraine einsetzt.

Gewissensentscheidung braucht Orientierung – und gute Materialien

Um junge Menschen bei der Gewissensbildung zu unterstützen, hat die EAK Anfang Mai die neue Broschüre „Wehrdienst? Mein Weg!“ veröffentlicht – ein praxisnahes Heft, das informiert, reflektiert und ermutigt. Es richtet sich gezielt an Schüler:innen, Konfirmand:innen, junge Erwachsene und Multiplikatoren.

Kriegsdienstverweigerung bleibt notwendig – und aktuell

Die Frage nach dem eigenen Beitrag zum Frieden ist aktueller denn je. In Zeiten, in denen wehrhafte Demokratie mit militärischer Stärke gleichgesetzt wird, braucht es Menschen, die mutig für gewaltfreie Wege einstehen – und junge Menschen, die sich trauen, auf ihr Gewissen zu hören.

Setzen Sie ein Zeichen und nutzen Sie die Materialien in unserem Onlineshop. Auf Instagram gibt es regelmäßig aktuelle Einblicke, Impulse und Stimmen aus der Friedensarbeit – nicht nur am 15. Mai.

Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung? – Neue EAK-Broschüre hilft jungen Menschen, ihren Weg zum Frieden zu finden

„Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“

So steht es in Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes – ein Satz, der in Zeiten wachsender internationaler Spannungen, sicherheitspolitischer Neuausrichtungen und der Debatte um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht neue Brisanz gewinnt.

Junge Menschen in Deutschland stehen wieder vermehrt vor der Frage: Bin ich bereit, im Ernstfall zur Waffe zu greifen – oder wähle ich den Weg der Kriegsdienstverweigerung (KDV)? Was bedeutet überhaupt Verantwortung für den Frieden – persönlich, politisch und spirituell?

Antworten und Orientierung bietet die neu erschienene Broschüre „Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung? Finde DEINEN Weg!“, die von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) herausgegeben wurde und auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2025 in Hannover Premiere hatte.

Die Publikation richtet sich insbesondere an junge Menschen, die sich in der aktuellen sicherheitspolitischen Lage mit ihrer eigenen Haltung zu Militär, Frieden und Gesellschaft auseinandersetzen wollen oder müssen.

Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Mitautorin der Broschüre und engagiert im Gesprächsforum der ökumenischen FriedensDekade, unterstreicht: „Der Weg zur Kriegsdienstverweigerung ist ein tief persönlicher und ethisch entscheidender. Es geht darum, auf das eigene Gewissen zu hören und sich bewusst zu machen, wie man für den Frieden einstehen kann.“

Ein Grundrecht mit Zukunft?

In der politischen Diskussion wird die Wehrpflicht derzeit wieder als sicherheitspolitisches Mittel erwogen – mit Blick auf die veränderte geopolitische Lage und einen „kriegsfähigeren Staat“. Damit rückt auch das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung verstärkt in den Fokus. Die neue Broschüre zeigt: Dieses Recht lebt vom informierten Gewissen – und der Bereitschaft junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen.

Landesbischof Friedrich Kramer, Friedensbeauftragter des Rates der EKD, betont immer wieder die Bedeutung einer friedensethischen Orientierung. In öffentlichen Stellungnahmen verweist er auf die Verantwortung, die wir als Gesellschaft für Frieden und Verständigung tragen – insbesondere in einer Zeit wachsender Spannungen und der Debatte um die sogenannte „Kriegstüchtigkeit“ Deutschlands. Seine Perspektive macht deutlich: Fragen von Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung sind nicht nur juristische Entscheidungen, sondern betreffen das ethische Fundament unseres Zusammenlebens.

Impulse zum Nachdenken und Handeln

„Mein Weg“ liefert nicht nur rechtliche Grundlagen zur KDV, sondern bietet Reflexionsräume: Was ist das Gewissen? Was bedeuten Krieg und Frieden? Wie prägt mein Menschenbild meine Entscheidung? Interviews mit Wehrdienstleistenden und Kriegsdienstverweigerern sowie Erfahrungsberichte aus der KDV-Beratung geben authentische Einblicke.

Mit einem besonderen Blick auf die Rolle von Religion, Geschlechterrollen und friedensethisches Denken hilft die Broschüre, sich eine eigene, informierte Meinung zu bilden. Die Autor:innen Sabine Müller-Langsdorf und Gregor Rehm verbinden dabei juristisches Wissen mit Impulsen aus der kirchlichen Friedensarbeit.

FriedensDekade 2025: Komm den Frieden wecken

Gerade in diesem Jahr bekommt das Thema eine zusätzliche Dimension. Die ökumenische FriedensDekade steht 2025 unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“. Ein Aufruf, der nicht nur symbolisch gemeint ist, sondern junge Menschen konkret einlädt, sich mit Frieden und Gewaltfreiheit auseinanderzusetzen – auch in Abgrenzung zur Logik des Militärischen.

Sabine Müller-Langsdorf bringt es auf den Punkt: „Frieden beginnt, wo Menschen den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen – mit Gewissen, mit Haltung und mit Hoffnung.“

Dieses Motto schlägt eine Brücke zwischen Gewissensentscheidung und gesellschaftlicher Verantwortung. Kriegsdienstverweigerung wird hier nicht als Rückzug, sondern als aktiver Beitrag zu einer friedlicheren Welt verstanden.

Broschüre kostenlos online

Die Broschüre „Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung? Finde DEINEN Weg!“ steht unter folgendem Link kostenlos zum Download bereit: https://www.eak-online.de/system/files/2025-04/kdv_friedensbroschuere_finde_deinen_weg.pdf

Ob für Schule, Gemeindegruppe oder individuelle Reflexion – sie ist ein starkes Werkzeug für alle, die ihre Haltung zum Frieden klären wollen.

FriedensDekade stärken – Komm den Frieden wecken!

Die ökumenische FriedensDekade lebt von Engagement, Beteiligung und Solidarität. Jede Stimme, jede Aktion und jede Spende trägt dazu bei, die Friedensbotschaft sichtbar und hörbar zu machen – in Kirchen, Schulen, auf Plätzen und in digitalen Räumen.

Unterstützen Sie die FriedensDekade aktiv: Starten Sie eigene Aktionen vor Ort – sei es ein Friedensgebet, eine Podiumsdiskussion, ein Workshop oder eine künstlerische Intervention. Lassen Sie uns von Ihren Aktionen wissen unter Kontakt@friedensdekade.de

Nutzen Sie die Materialien im Webshop der FriedensDekade – vom Plakat bis zur Postkarte, vom Themenheft bis zum Jugendimpuls. Alles hilft, das Motto „Komm den Frieden wecken“ weit zu tragen.

Mit einer Spende stärken Sie die inhaltliche Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Koordination – und setzen ein Zeichen für eine friedensfähige Gesellschaft.

Jetzt mehr erfahren und aktiv werden unter: www.friedensdekade.de

Frieden beginnt bei dir – und gemeinsam können wir ihn laut und kraftvoll wecken.

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