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Schlagwort: Zivilisatorischer Fortschritt

Friedenspolitische Einordnung | Teil 5: Zwischen Aufrüstung und Aufklärung

Wenn Sicherheitspolitik sich verschiebt

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF (redaktionell aufbereitet für die FriedensDekade)

 

In Deutschland erleben wir auf verschiedenen Ebenen eine schleichende Militarisierung. Zuletzt stellte der Bundesinnenminister neue Planungen für den Bevölkerungsschutz vor – mit deutlichem Vorrang auf Maßnahmen im Kriegsfall. Die Auswirkungen betreffen letztlich alle, nicht zuletzt durch die entsprechende Priorisierung im Bundeshaushalt.

 

Die Eckwerte der Bundesregierung sehen beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung weitere Kürzungen von mindestens sechs Prozent vor. Betroffen sein dürften unter anderem der entwicklungspolitische Freiwilligendienst weltwärts und vermutlich auch der Zivile Friedensdienst – während für die Bundeswehr erheblich mehr Mittel vorgesehen sind.

 

Politisch wird das als Sachzwang dargestellt: Die weltweiten Krisen und Kriege bedrohten unsere Sicherheit, weshalb militärischer Schutz notwendig sei. Von Russland geht eine reale militärische Bedrohung für europäische NATO-Mitgliedsstaaten aus, für die Europa auch ohne den Beistand der USA gewappnet sein müsse. Das ist nicht von der Hand zu weisen.

 

Gleichzeitig bleibt es schwierig, diese Art einer Zeitenwende zu hinterfragen und überzeugende Alternativen aufzuzeigen. Wer den Umfang militärischer Verteidigungsfähigkeit zur Debatte stellt, braucht Friedensgeschichten, die auf die aktuelle Lage wirklich antworten, das wird eines der zentralen Themen der AGDF-Fachwerkstatt Friedensbotschaften im Februar 2027 sein.

 

So bleibt in einem erheblichen Teil der Bevölkerung eine latente Unzufriedenheit mit der Sicherheitspolitik und viel Verunsicherung. Protest lässt sich kaum organisieren – am ehesten noch durch Kreise, mit denen wir keine gemeinsame Sache machen wollen.

 

Was bleibt, ist eine Aufgabe, die wichtiger geworden ist als seit langem: eine längerfristig angelegte Aufklärungs- und Friedensbildungsarbeit. Sie braucht langen Atem – und sie lohnt ihn.

 


Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der Text basiert auf seinem Editorial im monatlichen AGDF-Newsletter.

Friedenspolitische Einordnung Teil 4 Ein notwendiger Perspektivwechsel

Friedenspolitische Einordnung | Teil 4: Perspektivwechsel

Die Möglichkeit des Friedens: Ein notwendiger Perspektivwechsel

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF (redaktionell aufbereitet für die FriedensDekade)

Historische Grundlagen des Zusammenlebens

Die große Zahl an Kriegen und despotisch bzw. autoritär regierten Staaten, die immense Konzentration an Besitz, (patriarchale) Herrschaftssysteme und Machtstrukturen – es gibt vieles, was derzeit daran zweifeln lässt, dass es in Bälde eine friedlichere und gerechtere Welt geben könnte.

In solchen Momenten hilft ein Perspektivwechsel: Die Menschheit hat über viele Jahrtausende friedlich und weitgehend gleichberechtigt gelebt. Die These, dass wir uns die Köpfe einschlagen, wenn man uns auf einer einsamen Insel aussetzt, wurde von Archäologen und Anthropologen widerlegt. Erst mit Sesshaftigkeit, Besitztum, enger Besiedlung und schließlich etablierten Herrschaftsstrukturen begannen die kriegerischen Auseinandersetzungen.

Die Konstruktion der Gewalt

Die Begeisterung, für Herrschende in den Krieg zu ziehen, blieb historisch gesehen jedoch gering. Frauen waren immer schon kritischer gegenüber Kriegen, und Männer müssen in der Regel erheblich verbogen werden, damit sie als Kämpfer taugen. Nicht umsonst braucht es tiefgreifende Kriegspropaganda.

Die gute Nachricht ist also: Die Menschheit ist durchaus willens und in der Lage, friedlich zusammenzuwohnen. Zudem gab es in den letzten beiden Jahrhunderten beachtliche zivilisatorische Fortschritte.

Wege aus der Resignation

Dies beantwortet aber noch nicht die Frage, wie wir die aktuellen Entwicklungen drehen können, damit kriegerische Gewalt und Ungerechtigkeit wieder abnehmen und die Menschheit sich gemeinsam um die Herausforderungen kümmert, vor denen wir stehen.

Um angesichts dieser Mammutaufgabe nicht zu verzweifeln, hilft die Osterbotschaft: Jesus hat den Tod am Kreuz überwunden, er ist auferstanden! Die Botschaft der Gewaltfreiheit hat letztlich die Oberhand behalten. Wenn wir weiter aktiv bleiben, Prozesse vorantreiben und andere überzeugen mitzumachen, werden wir schon den richtigen Weg finden – mit Gottes Hilfe.

Literaturhinweise zum Thema:

  • Irene Dänzer-Vanotti: Ist Krieg verlernbar? Anmerkungen für Friedenssuchende. In: Religion – Die Dokumentation, Bayern 2 (Podcast vom 5. April 2026).

  • Ralph Gerstenberg: Rutger Bregman – Warum der Mensch im Grunde gut ist. In: Andruck – Das Magazin für Politische Literatur, Deutschlandfunk (Audio-Archiv vom 8. Juni 2020).


Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der Text basiert auf seinem Editorial im monatlichen AGDF-Newsletter.

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