Was bedeutet „Schwerter zu Pflugscharen“? Das Symbol basiert auf der biblischen Vision des Propheten Micha (4,3) und wurde in den 1980er Jahren zum zentralen Zeichen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Es steht für die Umwandlung von Rüstungsgütern in zivile Werkzeuge und verkörpert couragierten, gewaltfreien Widerstand gegen Militarisierung.
Es war ein kleiner Stoffaufnäher, kaum größer als eine Handfläche. Darauf zu sehen: eine kniende Figur, die ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet. Darunter die Worte aus dem Propheten Micha: „Schwerter zu Pflugscharen“. Dieser unscheinbare Aufnäher, in den frühen 1980er Jahren zu Tausenden auf Jacken und Mänteln junger Menschen in der DDR getragen, wurde zu einem der mächtigsten Symbole gewaltfreien Widerstands im Ostblock. Eine biblische Vision wurde zur politischen Provokation und brachte ein Regime in Bedrängnis, das sich selbst als Friedensstaat inszenierte.
Diesen Aufnäher gibt es noch immer im Onlineshop der ökumenischen FriedensDekade
Die Herkunft des Symbols: Von der UN-Statue zum DDR-Aufnäher
Die Geschichte dieses Symbols beginnt mit einer monumentalen Skulptur. 1959 schenkte die Sowjetunion den Vereinten Nationen eine bronzene Statue des sowjetischen Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch: einen muskulösen Mann, der ein Schwert zu einer Pflugschar umformt. Das Kunstwerk, heute noch vor dem UN-Hauptquartier in New York zu sehen, sollte den Friedenswillen der Sowjetunion demonstrieren. Die biblische Verheißung aus Micha 4,3 „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen“ wurde zum sozialistischen Friedenssymbol umgedeutet.
1980 griff die Evangelische Kirche in der DDR dieses Motiv auf. Anlässlich des Kirchentages in Wittenberg ließ sie Hunderttausende Stoffaufnäher mit einer vereinfachten Version der Statue drucken. Die Idee: Jugendliche sollten ein Zeichen für Frieden und Abrüstung tragen können. Was als kirchliche Friedensbotschaft gedacht war, entwickelte sich zu etwas völlig anderem, zu einem Symbol des Widerstands gegen Militarisierung, Wehrpflicht und staatliche Bevormundung.
Denn die jungen Menschen in der DDR verstanden die Botschaft anders als ihre sowjetischen und DDR-Oberen: Nicht „wir“ haben bereits Frieden geschaffen, sondern „wir fordern“ die Umwandlung von Waffen zu Werkzeugen des Lebens. Aus einem affirmativen Symbol wurde eine subversive Forderung.
Warum verbot die DDR das „Schwerter zu Pflugscharen“-Zeichen?
Die Reaktion des SED-Regimes ließ nicht lange auf sich warten. Was zunächst geduldet wurde, weil es ja ein sowjetisches Motiv war, wurde schnell zur Staatsbedrohung erklärt. Ab 1982 verboten Schulleiter und FDJ-Funktionäre das Tragen des Aufnähers. Jugendliche wurden von der Schule verwiesen, von Polizisten auf der Straße angehalten, die Aufnäher wurden mit Gewalt von Jacken gerissen. Manche Trägerinnen und Träger wurden verhört, ihre Namen notiert, ihre Zukunftschancen gefährdet.
Die offizielle Begründung war absurd: Der Aufnäher sei „antimilitaristisch“ und stelle damit die Politik des Warschauer Pakts infrage. Eine Friedensbotschaft wurde als feindliche Propaganda deklariert, weil sie ernst nahm, was die eigene Propaganda nur behauptete.
Friedensbewegung Ost und West: Verbunden durch ein Symbol
Das Bemerkenswerte an „Schwerter zu Pflugscharen“ war seine grenzüberschreitende Kraft. Während in der Bundesrepublik die Friedensbewegung gegen die NATO-Nachrüstung protestierte (gegen Pershing-II-Raketen und Cruise Missiles), trugen junge Menschen in der DDR denselben Aufnäher gegen die eigene Aufrüstung, gegen sowjetische SS-20-Raketen, gegen Wehrkundeunterricht und Militarisierung des Alltags.
Zum ersten Mal seit der Teilung Deutschlands gab es eine gemeinsame Bewegung, die sich nicht von Systemgrenzen aufhalten ließ. Die Friedensbewegung West solidarisierte sich mit den verfolgten Jugendlichen im Osten. Kirchengemeinden diesseits und jenseits der Mauer tauschten Erfahrungen aus. Das Symbol wurde zur Brücke – Jahre bevor die Mauer fiel.
Es war ein ökumenisches Zeugnis im wahrsten Sinne: Die weltweite Kirche, geeint nicht durch Doktrinen, sondern durch gemeinsames Handeln für den Frieden. Hier verwirklichte sich, was der Prophet Micha verheißen hatte: Menschen aus verschiedenen Völkern und Systemen, die gemeinsam die Vision einer entwaffneten Welt hochhielten.
Gewaltfreier Widerstand: Warum das Friedenssymbol so wirkungsvoll war
Die Trägerinnen und Träger des Aufnähers wussten genau, worauf sie sich einließen. Sie riskierten ihre Bildungschancen, ihre Karrieren, manchmal ihre Freiheit. Aber sie taten es aus Überzeugung, aus Gewissensgründen, aus dem Glauben heraus, dass Schweigen Komplizenschaft bedeutet hätte.
Was machte diesen Widerstand so wirkungsvoll?
Er war gewaltfrei. Niemand warf Steine, niemand zündete Autos an. Die Provokation lag in der bloßen Sichtbarkeit der Überzeugung. Ein Stoffaufnäher als Waffe, lächerlich für ein Regime, das Panzer und Stacheldraht kontrollierte. Und doch so gefährlich, dass es verboten werden musste.
Er war öffentlich. Anders als konspirative Widerstandsgruppen agierten die Jugendlichen im Alltag, in Schulen, auf der Straße, in Kirchen. Sie machten ihre Haltung sichtbar, unübersehbar. Das war der Skandal: Sie versteckten sich nicht.
Er war biblisch begründet. Das Regime konnte den Aufnäher verbieten, aber nicht die Bibel. Die prophetische Vision blieb gültig, auch wenn ihre Verkörperung unterdrückt wurde. Das schuf einen Freiraum, den selbst die Stasi nicht völlig schließen konnte.
Er war vernetzend. Wer den Aufnäher trug, fand Gleichgesinnte. Es entstand eine Bewegung ohne Hierarchie, ohne Anführer. Einfach Menschen, die dasselbe Symbol trugen und damit sagten: Ich bin nicht allein, und du bist es auch nicht.
Couragiert widerständig bedeutet 2026: Den Mut aufzubringen, die Logik der Aufrüstung durch zivile Alternativen zu ersetzen, genau wie die Jugendlichen der 80er Jahre, die trotz Repression an der Vision des Propheten Micha festhielten.
Parallelen zu heute: Wenn Frieden zur Provokation wird
2026 erleben wir wieder eine Zeit, in der Friedensforderungen als naiv gelten. In der Aufrüstung als alternativlos dargestellt wird. In der die Logik der Abschreckung dominiert: mehr Waffen für mehr Sicherheit, militärische Stärke als einzige Sprache, die Diktatoren verstehen.
„Schwerter zu Pflugscharen“ widerspricht dieser Logik fundamental. Die biblische Vision kennt keine Friedenssicherung durch Waffengewalt, sondern durch Gerechtigkeit und Verwandlung. Nicht Gleichgewicht des Schreckens, sondern Überwindung der Schwerter selbst.
Heute hören Friedensaktivistinnen und -aktivisten wieder Vorwürfe, die an die DDR-Propaganda erinnern: „naiv“, „realitätsfern“, „dem Feind nützlich“. Die Frage bleibt dieselbe: Wer definiert Realismus? Ist es realistisch, Krieg vorzubereiten, um Frieden zu sichern? Oder ist das die größte Illusion?
Eine letzter Gedanke
„Schwerter zu Pflugscharen“ hat die DDR nicht befreit. Die Friedensbewegung allein hat die Mauer nicht zu Fall gebracht. Es waren viele Faktoren, viele Menschen, viele Entwicklungen.
Aber ohne die Jugendlichen, die diesen Aufnäher trugen – ohne ihren Mut, ihre Hartnäckigkeit, ihre Weigerung, sich einschüchtern zu lassen –, wäre die Geschichte anders verlaufen. Sie haben gezeigt: Es gibt Alternativen zur Gewalt. Es gibt Menschen, die nicht mitmachen. Es gibt Widerstand, auch wenn er aussichtslos scheint.
Der Aufnäher ist heute ein Museumsstück. Die Bronze-Statue steht noch in New York. Aber die Vision, die beide verkörpern, ist aktueller denn je. In einer Welt, die wieder aufrüstet, die Militärausgaben erhöht, die Kriege führt und vorbereitet, braucht es Menschen, die sagen: Es geht auch anders.
„Schwerter zu Pflugscharen“ ist keine Anleitung, kein Programm, kein Masterplan. Es ist eine Vision, die gelebt werden will. Von Menschen, die bereit sind, dafür einzustehen. Die sich nicht damit abfinden, dass Krieg normal ist. Die an eine Welt glauben, in der Waffen zu Werkzeugen des Lebens werden.
Couragiert widerständig das hieß 1982: einen Aufnäher tragen, obwohl es verboten war. Was heißt es 2026?
Diese Geschichte eröffnet unsere Serie „Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert“, in der wir historische Momente beleuchten, in denen gewaltfreier Widerstand Kriege verhinderte, Frieden schuf oder Gerechtigkeit herstellte.
Hintergrund zur Vision:Die Kraft dieses Symbols ist ungebrochen. Wie wir heute den „Frieden wecken“, beschreibt Jan Gildemeister in seiner Hinführung zum Jahresmotto 2025 auf Seite 4 des Materialheft 2025 . Erfahren Sie mehr über die 45-jährige Geschichte der FriedensDekade und ihre Symbole.
Zum Weiterlesen:
Ehrhart Neubert: „Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989″ (1997)
Reinhard Lampe: „Schwerter zu Pflugscharen – Ein Symbol verändert die DDR“ (2011)
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt
„Komm den Frieden wecken“ Ein Weckruf, der weiterklingt
Die Ökumenische FriedensDekade 2025 ist mit dem Buß- und Bettag zu Ende gegangen. Unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ haben vom 9. bis 19. November Zehntausende Menschen in Gemeinden, Schulen, Initiativen und kirchlichen Einrichtungen ein kraftvolles Zeichen gesetzt: Frieden ist möglich, Frieden ist nötig – und Frieden beginnt bei uns.
Trotz gesellschaftlicher Spannungen und lauter Debatten über Wehrpflicht, Sicherheitspolitik oder geopolitische Konflikte zeigte sich in diesen Tagen deutlich die tiefe Sehnsucht nach einem solidarischen, gewaltfreien Miteinander. Menschen kamen ins Gespräch, suchten Annäherung, entwickelten gemeinsame Ideen und trugen Verantwortung füreinander.
„Komm den Frieden wecken‘ war mehr als ein Motto – es war ein Weckruf“, sagt Jan Gildemeister, Vorsitzender der Ökumenischen FriedensDekade. „Und dieser Weckruf hallt weit über die zehn Tage hinaus.“
Ein kraftvoller Auftakt und bewegende Höhepunkte
Mit über 200 Eröffnungsgottesdiensten am 9. November wurde sichtbar, wie breit der Wunsch ist, sich für Frieden einzusetzen. Ein besonderer Höhepunkt war der zentrale Gottesdienst am 12. November in der Jakobikirche Chemnitz, gestaltet von der ACK und der Stadtökumene. In der Kulturhauptstadt Europas 2025 entstand ein eindrucksvolles Zeichen für Versöhnung, Zukunftsvertrauen und gesellschaftliche Zusammenarbeit.
Während der gesamten Dekade formten sich überall im Land vielfältige Räume des Friedens: tägliche Friedensgebete, Lichterwege, Andachten, Diskussionsrunden, Workshops, Schulaktionen und musikalische Formate. In vielen Orten erinnerten Gedenk- und Kunstaktionen an die Schrecken vergangener Kriege und an die Bedeutung gewaltfreier Zukunftsperspektiven. Gleichzeitig beteiligten sich Chöre, Jugendgruppen und Gemeinden mit kreativen Friedensimpulsen – und das Friedenslied „Komm, Frieden, lass dich wecken“ von Eugen Eckert klang wie ein verbindender Ton über viele dieser Begegnungen.
Diese Vielfalt machte deutlich, dass Menschen sich nach Miteinander, Vergebung, gemeinsamer Gestaltungskraft und friedlichen Perspektiven sehnen – und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Die digitale Ausstellung justice.peace.imagination begleitete die FriedensDekade mit täglich neuen Werken aus einem bundesweiten Sketchbook-Projekt. Über 300 Teilnehmende setzten sich darin kreativ mit der Frage auseinander, wo ihnen Frieden und Gerechtigkeit begegnen und wo sie fehlen. Die Ausstellung geht ab März 2026 auf Tour durch Ostdeutschland.
Das Plakatmotiv von Sebastian Schmidt – eine weiße Taube, die aus einem roten Megafon fliegt – zeigte eindrücklich: Frieden braucht eine Stimme. Ergänzt wurde es durch das historische Zeichen „Schwerter zu Pflugscharen“, das seit seinen Anfängen in der DDR-Friedensbewegung als Symbol für gewaltfreien Wandel, Gerechtigkeit und Versöhnung steht. Beide Motive prägten die diesjährige FriedensDekade sichtbar und stärkten die Kontinuität des friedensethischen Engagements.
Zeitgeist trifft Weckruf
Inmitten politischer Unsicherheiten und zunehmend polarisierter Debatten wurde die FriedensDekade zu einem Gegenbild: ein Raum für Dialog statt Fronten, für Zuversicht statt Resignation.
Der Landesbischof Friedrich Kramer, Friedensbeauftragter des Rates der EKD und Landesbischof der EKM, beschreibt dieses Anliegen so: „‚Komm den Frieden wecken‘ – das Motto der diesjährigen FriedensDekade ist ein Weckruf im wahrsten Sinne des Wortes: Er will uns in Bewegung setzen, damit wir bei uns und anderen die Bereitschaft wecken, am gerechten Frieden mitzuarbeiten.“
Genau diese Bewegung war während der Zehn Tage deutlich spürbar, in großen Aktionen ebenso wie in leisen Momenten. Es sind diese Augenblicke der Verbundenheit, in denen spürbar wird, wie sich starre Herzen öffnen und ein stilles Lächeln den Weg zurück ins Leben findet.
Kurz nach Abschluss der FriedensDekade tritt das Gesprächsforum Ende November in Fulda zusammen, um das Jahresmotto für 2026 festzulegen. Gleichzeitig beginnt ein strategischer Blick auf die kommenden fünf Jahre – bis zum 50-jährigen Jubiläum der Ökumenischen FriedensDekade im Jahr 2030, das bereits jetzt in Vorbereitung genommen wird.
Der Beitrag bei Kirche im hr über das Friedenszeichen „Schwerter zu Pflugscharen“ gibt Anlass, dieses biblische Motiv erneut zu bedenken: Wo ehemals Krieg und Gewalt standen, kann Frieden erwachsen. Und zwar genau dort, wo Menschen das Alte loslassen und gemeinsam Neues gestalten. Das biblische Bild „Schwerter zu Pflugscharen“ (Jesaja 2,4) steht seit Generationen für die Hoffnung, dass Gewalt in Leben und Krieg in Wandel verwandelt werden kann. Es erinnert uns daran: Frieden fällt nicht vom Himmel. Friedenwächst dort, wo Menschen sich aktiv für Verständigung, Verantwortung und Miteinander entscheiden.
Die FriedensDekade 2025 greift diese Botschaft auf und lädt dazu ein, das alte Bild neu mit Leben zu füllen. Wo in unserem Alltag können wir Schwerter zu Pflugscharen machen? Vielleicht im offenen Gespräch mit jemandem, der anders denkt? Im Teilen von Zeit und Aufmerksamkeit? Oder in einer gemeinsamen Aktion, die Hoffnung sichtbar macht.
So wie aus Metall Werkzeug werden kann, kann auch aus Konflikt Verbindung entstehen. Die FriedensDekade 2025 ist eine Einladung, genau dort anzusetzen. Das Bild „Schwerter zu Pflugscharen“ erinnert daran, dass Frieden nicht einfach ein Zustand ist, sondern im Handeln begründet wird. Lassen Sie uns gemeinsam Wandel statt Stillstand wählen. Weitere Hintergründe zu dem Friedenszeichen finden Sie in unserem Beitrag: „Warum das Symbol ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ aktueller ist denn je“.
Frieden sichtbar machen. Gemeinsam aktiv zur FriedensDekade 2025
Frieden entsteht dort, wo Menschen aktiv werden. Die FriedensDekade 2025 lebt von diesem Engagement: von Gemeinden, Schulen, Initiativen und Einzelpersonen, die Verantwortung übernehmen und Hoffnung sichtbar machen. Auf der Übersichtsseite zur FriedensDekade 2025 finden Sie alle Informationen, Materialien und Termine rund um das Motto „Komm den Frieden wecken!“. Bestellen Sie jetzt Ihre Materialien im Online-Shop oder laden Sie die kostenlosen Downloads für Ihre Vorbereitung herunter damit Sie rechtzeitig zum Start der FriedensDekade bereit sind.
Was haben Ihr Morgenkaffee oder ein Stück Schokolade mit Frieden zu tun? Die Antwort liegt in ihren Geschichten: vom Anbau über Ernährungssicherheit und gerechte Löhne bis hin zu globalen Konflikten. Um dies spürbar und verständlich zu machen, starten wir in diesem Herbst gemeinsam mit dem Ostdeutschen Förderkreis von Oikocredit ein Pilotprojekt und Sie können dabei sein.
Schon am 5. September haben wir in Jena-Lobeda den Auftakt gefeiert. 20 junge Teilnehmende erlebten, wie Kakao als ein Symbol globaler Ungleichheit wirkt. Jetzt geht es weiter: bis März 2026 erproben wir gemeinsam, wie Bildung, Dialog und Erlebnisformate eine Haltung des friedenschaffenden Konsums fördern können.
Erlebnisformat „Ressourcen, Konflikt & Flucht“
Dieses interaktive Format macht sichtbar, wie Ressourcenknappheit, globaler Handel und Konflikte zusammenhängen – und welche Verantwortung wir tragen. Es eignet sich als kraftvoller Einstieg in Diskussionsabende in Gemeinden, Schulen, Initiativen. Wenn Sie mitmachen möchten, bieten wir Ende September und Anfang Oktober zwei Online‐Workshops an. Dort bekommen Sie alle Materialien und Anleitung an die Hand, um das Format selbst durchzuführen. Melden Sie sich gerne vorab an unter kontakt@friedensdekade.de.
Walk & Talk in Berlin im Herbst 2025
Kommen Sie mit uns auf Spurensuche – mitten in der Stadt:
Berlin-Moabit – Spur der Schokolade: 15. Oktober 2025, Start mit Meditation um 19:00 Uhr, dann Walk & Talk Reformations-Campus e.V., Wiclefstraße 32, 10551 Berlin Anmeldung:kontakt@friedensdekade.de oder spontan dazukommen
Berlin-Marzahn – Spur des Kaffees: 25. Oktober 2025, 15:00 Uhr
Ev. Kirchengemeinde Marzahn, Alt Marzahn 61, 12685 Berlin Anmeldung:kontakt@friedensdekade.de oder einfach hingehen
Berlin-Tempelhof – Spur der Schokolade: 12. November 2025, 18:00 Uhr Ev. Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, Götzstraße 24 b, 12099 Berlin Anmeldung:kontakt@friedensdekade.de oder spontan mitmachen
Einladung an Gemeinden 2026
Sie möchten eines dieser Bildungsformate auch in Ihrer Gemeinde oder Schule umsetzen? Von Februar bis März 2026 suchen wir Orte und Gruppen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die das Format vor Ort erproben und mitgestalten möchten. Später möchten wir weitere Bundesländer dazugewinnen, vielleicht bald auch Sie. Melden Sie sich, wir freuen uns auf Ihre Ideen: kontakt@friedensdekade.de.
Machen Sie mit – Frieden braucht Sie
Ob Erlebnisformat oder Walk & Talk – jede Aktion setzt ein Zeichen. Nutzen Sie unsere Mitmachtipps auf der Website oder stärken Sie Ihr Format mit Materialien aus dem Webshop der FriedensDekade.
Gemeinsam wecken wir den Frieden; nachhaltig, erfahrbar, bewegend.
Erinnern. Verstehen. Verantwortung übernehmen. Für eine friedensorientierte Politik aus Europa.
Am 8. Mai 2025 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal.Dieses Datum markiert nicht nur das Ende eines beispiellosen Leids, sondern auch den Beginn einer Ära des Friedens und der Zusammenarbeit in Europa.In einer Zeit, in der erneut Kriege auf unserem Kontinent toben, ist es wichtiger denn je, die Lehren der Vergangenheit zu reflektieren und unsere Verantwortung für eine friedensorientierte Zukunft wahrzunehmen.
Das Motto der diesjährigen FriedensDekade „Komm den Frieden wecken“ erinnert daran: Frieden beginnt nicht abstrakt in internationalen Verträgen – er beginnt mit Menschen, die handeln. Die sich erinnern, Verantwortung übernehmen und ihr Umfeld wachrütteln.
Ein Impuls von Lars Blume
Der lange Weg zum Frieden
Der Zweite Weltkrieg hinterließ Europa in Trümmern: Millionen Tote, zerstörte Städte, traumatisierte Generationen. Diese Katastrophe war nicht nur ein militärischer Zusammenbruch, sondern auch ein zivilisatorischer. Die Erinnerung daran verpflichtet.
„Wer an Europa zweifelt,
wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen!
Nirgendwo besser, nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender ist zu spüren, was das europäische Gegeneinander an Schlimmstem bewirken kann.
Das Nicht-Zusammenleben-Wollen und das Nicht-Zusammenleben-Können haben im 20. Jahrhundert 80 Millionen Menschen das Leben gekostet.
Jede Stunde des Zweiten Weltkrieges hat 1045 Tote gebracht.“ – Jean-Claude Juncker
Rückblick auf 80 Jahre Frieden – eine historische Errungenschaft
Trotz aller Krisen und Konflikte: Die Jahrzehnte nach 1945 waren in weiten Teilen Europas eine Phase des Friedens und des Wiederaufbaus. Versöhnung zwischen ehemaligen Kriegsgegnern, die Gründung der Europäischen Union, der Fall des Eisernen Vorhangs – all das zeugt davon, dass gemeinsame Sicherheit und Zusammenarbeit möglich sind. Dass die europäische Friedensordnung kein Selbstläufer ist, wurde mit den Kriegen in Ex-Jugoslawien (ab 1991) und dem Angriff Russlands auf die Ukraine (2022) schmerzhaft deutlich. Dennoch gilt: Acht Jahrzehnte ohne Flächenkrieg in Mittel- und Westeuropa sind eine zivilisatorische Leistung – und ein Auftrag.
Zunehmende Aufrüstung – Europas friedenspolitisches Erbe in Gefahr?
Im Angesicht neuer Bedrohungen dominieren in der politischen Debatte derzeit Schlagworte wie Wehrhaftigkeit, Kriegsfähigkeit, Aufrüstung. Viele Staaten, auch Deutschland stocken ihre Militäretats massiv auf. Das kann aus sicherheitspolitischer Sicht nachvollziehbar erscheinen – doch droht dabei das europäische Friedensversprechen in den Hintergrund zu geraten?
Der 80. Jahrestag des Kriegsendes ist ein Moment des Innehaltens: Europas Stärke liegt nicht nur in militärischer Kapazität, sondern in seiner Fähigkeit zur Diplomatie, zur Verständigung und zum Aufbau tragfähiger internationaler Beziehungen. Frieden braucht Sicherheit – aber Sicherheit braucht auch Dialog, Vertrauen und Gerechtigkeit.
Die Lehren von damals – Erinnern heißt Verantwortung übernehmen
Die Befreiung vom Nationalsozialismus war auch eine moralische Zäsur. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus – dieser Schwur war die Grundlage für die Friedens- und Demokratiebewegungen in Europa. Daraus erwuchs das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“, das seit Jahrzehnten für zivile Konfliktlösung und Abrüstung steht.
Gerade heute ist es wichtiger denn je, sich an diese Werte zu erinnern und sie gegen Instrumentalisierung und populistische Vereinfachungen zu schützen. Die FriedensDekade erinnert an die Kraft der gewaltfreien Veränderung – damals wie heute.
Europäische Friedensverantwortung heute – klug, besonnen, entschlossen
Friedenspolitik heute heißt nicht Naivität. Sie heißt, Konflikte nicht mit weiterer Eskalation zu beantworten. Sie heißt, Menschenrechte zu wahren und den Mut zu haben, auch in Zeiten der Spannungen Räume für Diplomatie zu schaffen. Frieden beginnt mit Worten, mit Haltung, mit Verzicht auf Feindbilder – und mit dem Willen, Verantwortung über Grenzen hinweg zu teilen.
„Aber der Friede erfordert unentwegen, zähen, dauernden Dienst, er verlangt Ausdauer, erlaubt keinen Zweifel.“ – Aristide Briand
Frieden als gemeinsame Aufgabe
Der Frieden in Europa ist ein kostbares Gut, das es zu bewahren gilt.Angesichts der aktuellen Herausforderungen ist es unsere gemeinsame Aufgabe, die Lehren der Vergangenheit nicht zu vergessen und uns für eine friedliche Zukunft einzusetzen.Die Geschichte lehrt uns, dass Frieden nicht durch Aufrüstung, sondern durch Dialog und Verständigung erreicht wird. Wie der französische Politiker Aristide Briand in der gleichen Rede 1929 sagte: „Um den Frieden zu sichern, muß man Europa organisieren.„Diese Worte sind heute aktueller denn je.Europa muss seine Kräfte bündeln, um als Einheit für Frieden und Stabilität einzutreten.
Komm den Frieden wecken – jetzt!
Die Ökumenische FriedensDekade ruft dazu auf, den Frieden in den Herzen und im Alltag wachzurufen – durch klare Worte, stille Zeichen und mutige Gespräche. Jede Handlung, so klein sie erscheinen mag, kann ein Anfang sein: Eine Postkarte mit einer Friedensbotschaft. Eine Spende für friedensstiftende Initiativen. Die Teilnahme an einem Gebet, einem Austausch, einer Gedenkveranstaltung, einer Friedensaktion, z.B. am 7. Mai bei der Friedensdemonstration in Moabit, dort wird 80 Jahre Kriegsende gefeiert und gefragt: Wie werden wir Friedensfest statt kriegstüchtig? Weitere Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet am Ende des Artikels.
Mit der Sonderedition „Gute Karten“ – fünf Motive aus 45 Jahren FriedensDekade und der neu aufgelegten Karte „Schwerter zu Pflugscharen“ – laden wir ein, Botschaften des Friedens in die Welt zu senden. Machen Sie mit: Komm den Frieden wecken!
Möge der 8. Mai nicht nur ein Tag des Gedenkens, sondern auch ein Tag des Handelns sein.
Quellen:
Jean-Claude Juncker: „Wer an Europa zweifelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen!“ Gedenkrede im Deutschen Bundestag anlässlich des Volkstrauertages am 16. November 2008. gouvernement.lu [Anm.: Im ersten Teil zitiert Juncker aus seiner gehaltenen Rede auf dem Soldatenfriedhof in Luxemburg am 4. Juni 2005]
Richard von Weizsäcker: Rede zum 8. Mai 1985.
Aristide Briand: „Um den Frieden zu sichern, muß man Europa organisieren.“
Dans la Voie de la Paix, Discours du 8 Novembre 1929, prononcé à la Chambre des Députés
Bundesweite Gedenkveranstaltungen zum 8. Mai 2025
Berlin:
Themenwoche „80 Jahre Kriegsende – Befreiung Europas vom Nationalsozialismus“ (2.–11. Mai):Über 100 Veranstaltungen, darunter Ausstellungen, Führungen, Konzerte und Diskussionsrunden.Ein Highlight ist die Open-Air-Ausstellung „… endlich Frieden?!“ auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor.
Gedenkstunde im Deutschen Bundestag (8. Mai, 12:30 Uhr):Mit Reden von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Museum Berlin-Karlshorst (8. Mai, 10:00–21:00 Uhr):Sonderprogramm am historischen Ort der Kapitulation.
Nordrhein-Westfalen:
Münster (2. April):Zentrale Gedenkveranstaltung an der Kriegsgräberstätte Lauheide.
Paderborn-Wewer (31. März):Vortrag zur Panzerschlacht bei Schloss Hamborn.
Porta Westfalica (1. April):Gedenken an die Räumung der KZ-Außenlager.
Sachsen:
Chemnitz (8. Mai):Veranstaltung „Europa: Erinnern und weiterdenken“ zum 80. Jahrestag des Kriegsendes.Erinnerungskultur
Mecklenburg-Vorpommern:
Rostock (8. Mai):Aufführung des Oratoriums „Wir die Lebenden“ zum Gedenken an das Kriegsende.Startseite
Hamburg:
Mahnmal St. Nikolai:Zentrale Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an das Kriegsende.
Nürnberg:
Stadtweite Veranstaltungen:Gedenkveranstaltungen und Ausstellungen zum 80. Jahrestag des Kriegsendes.
Kleve:
Candle in the Wind (16. Mai, 13:00 Uhr):Gedenkveranstaltung auf dem Ehrenfriedhof Reichswalde.kleve.de