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Schlagwort: Schwerter zu Pflugscharen

„Frieden ist möglich!“ – Predigt unserer Friedensbotin 2026 Dr. Friederike F. Spengler

Unter dem Jahresthema „couragiert widerständig“ setzt die Ökumenische FriedensDekade 2026 Zeichen für Zivilcourage, Gewaltfreiheit und politische Sprachfähigkeit. In einer Zeit, in der Aufrüstung oft als alternativlos dargestellt wird und die Sprache des Krieges den öffentlichen Diskurs prägt, fragen wir: Wo finden wir Halt? Woran halten wir uns fest?

Unsere Friedensbotin 2026, Bischöfin Dr. Friederike F. Spengler, weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, für den Frieden Haltung zu zeigen: Bereits 1982 war sie als 14-Jährige in der Nikolaikirche Leipzig dabei, als die FriedensDekade unter den Augen der Staatssicherheit ihren Anfang nahm.

Anlässlich des Festgottesdienstes zur Wieder-Indienstnahme und Namensgebung der neuen „Friedenskirche“ im Ortsteil Aue am Berg (Saalfeld) hielt sie am 26. Juli 2026 die folgende Festpredigt zu Jesaja 2,1–5. Wir dokumentieren ihre Worte sowie die Liturgie zur Benennung der Kirche im Wortlaut.

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Frieden ist möglich!

Predigt zur Ersten Schriftlesung aus Jesaja 2,1-5

Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem.

2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, feststehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,

3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem

4 Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Gnade sei mit Euch…

Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder,

heute lesen wir uns den Predigttext vom Ende her ins Leben: „Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“ Also, auf, Gemeinden, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“ Vielleicht denkt Ihr jetzt im Stillen: Wenn das nur so einfach wäre!

Was uns daran hindert, gleich damit zu beginnen, sind wohl unsere tagtäglichen Erfahrungen. Und die, da brauchen wir gar nicht lange nachzudenken, widersprechen dem Bild vom Frieden, wie es uns die Bibel vorhält.

Der Prophet Jesaja denkt und spricht ganz konkret von Jerusalem. Damals bereits eine Multi-Kulti-Stadt und Zentrum des Judentums. Heute ist Jerusalem Zentrum mehrerer Religionen: Judentum, Christentum und Islam. Und bereits der Name der Stadt ist Programm: hebräisch übesetzt „Gründung des Gottes ‚Schalem‘“. Ihr kennt das Wort „Schalom“, Friede, also: „Stadt von Gottes Frieden.“ Dieser Umstand macht Jerusalem zur „Heiligen Stadt“. So heißt sie bei Juden, Christen und Muslimen, und El Quds, „die Heilige“ heißt sie auf Arabisch. Jede der Religionen erhebt Anspruch auf die Stadt. Keiner kann sich vorstellen, dass es Frieden geben könnte, wenn die jeweils Anderen in Jerusalem das Sagen hätten. Nun sind in der Gegenwart Vertreter aller drei Religionen dort und es geht alles andere als friedlich zu. Jeder beansprucht die Heilige Stadt letztlich für sich, die jeweils Anderen werden in einer Art „Burgfrieden“ mehr oder weniger geduldet. Und was seit dem 7. Oktober 2023 in Stadt und Land los ist, kann man sich unfriedlicher kaum vorstellen…Was sich in Jerusalem, ja momentan im ganzen Nahen Osten zeigt, ist wie ein Blick durch einen Brennspiegel auf die Welt.

Seit 81 Jahren lebt Deutschland in Frieden. Und ebenso ergeht es vielen unserer Nachbarländer. Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine haben wir allerdings eine Ahnung davon, dass unser Frieden alles andere als selbstverständlich, vielmehr großes Glück, ja, ein Geschenk ist!

Ganz zu schweigen von anderen Teilen der Welt. Es gibt Gebiete auf unserer Erde, wo Familien bereits in dritter Generation ohne eine Periode Frieden leben müssen! Kaum vorstellbar!

Liebe Gemeinde, Frieden in unserem Land ist das Eine, aber geht es deshalb auch unter uns, unter Euch hier vor Ort, friedlich zu? Wenn ja, wunderbar, Gott sei Dank! Wenn nein, wie ist das zueinander zu bringen? Geht es uns vielleicht zu gut, um das Geschenk des Friedens so zu würdigen, wie dieser es verdient? Merken wir etwa erst bei Abwesenheit eines guten, heilsamen Zustands, was uns fehlt? Lernen wir erst, wenn Menschen schon einander schänden, vertreiben, morden, was Heil, Ruhe, was also Frieden bedeutet?

Mit Blick auf die Welt sehen wir große Kriege, Religionskriege, Wirtschaftskriege, Vertreibungskriege, Terrorkriege. Mit Blick auf uns, hier in Dörfern und Städten, sehen wir Kleinkriege, Nachbarschaftskriege, Familienkriege, Rosenkriege, Deutungskriege. Wir sehen Neid und hören üble Nachrede, auch eine Form von Krieg. Wir hörten mit Entsetzen vom gestrigen Anschlag auf Leib und Leben inmitten eines friedlichen Festes (CSD) in Berlin, auch eine Form von Krieg. Und wer in den sozialen Medien unterwegs ist, der weiß um mediale Kriege, die da ausgefochten werden, per Mausklick oder Daumen runter, per Foto oder Hasskommentar, schlimmste Beleidigungen und Hetze.

„Es wird sein zur letzten Zeit“…Wenn heute Abend die Tagesschausprecherin so beginnen würde, hätten wir nichts Gutes zu erwarten. Dann würden apokalyptische Bilder über den Bildschirm ergießen, – vielleicht, um Schuldige an einer Situation zu entlarven, vielleicht, um der eigenen Lust am Untergang zu frönen, vielleicht um die anderen endlich aufzurütteln, vielleicht, um die eigenen Lösungsvorschläge an die Frau und den Mann zu bringen. Vielleicht auch – solche Stimmen hört man wieder – um durch die Katastrophe hindurch und nach Beseitigung aller Hindernisse und bösen Widersacher, endlich das Reich der eigenen Wahrheiten aufrichten zu können.

Ganz anders klingt der Satz bei Jesaja, dem großen Propheten, der im 8. Jh vor Christus im Südreich, in Juda, Gottes Stimme war. Hören wir noch einmal genau hin:

Das „wird zur letzten Zeit geschehen…“: eine Welt, in der niemand mehr Schwert oder Faust erhebt und keiner mehr von Hass und Gewalt weiß. Und das, obwohl die Welt, in der Jesaja lebte, so gewalttätig war wie die unsere, erfüllt vom Gedröhn von Soldatenstiefeln und schwerem Gerät und vom Geschrei der Leidenden. In dieser Welt hatte Jesaja eine Botschaft auszurichten, und unserer Welt heute haben wir diese Botschaft auszurichten. Und die heißt Frieden ist möglich. Jesaja sagt: Die Menschen werden kommen, ja, sie wollen zu Gott kommen und sein Wort hören und es wird in ihre Herzen und Gewissen dringen. Sie werden ihre Konflikte friedlich schlichten und sich zurechtrücken lassen, sie werden alle Waffen in Handwerkszeug und landwirtschaftliches Gerät umarbeiten und werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Keiner wird mehr dem Anderen ein Fremder sein, und jedes Gesicht im großen Heer der Völker wird uns das Gesicht eines Freundes sein.

ACH! Was ist das für ein schönes, ermutigendes, tröstliches Bild. Ein Bild des Paradieses, ein Bild des Himmels. Und deshalb könnte man meinen. Das ist ja viel zu schön, um wahr zu sein. Aber das Bild vom Frieden ist alles andere als billiger Peace-Kitsch. Ja, das Bild vom Frieden balanciert auch bei Jesaja, schon bei ihm, am Rande der Wirklichkeit. Nicht nur, dass sich keiner vorstellen kann, wie die Welt zu einem Ort des Friedens werden könnte, auch, dass wir nicht wissen, was wir dafür tun sollten. Dazu reicht unsere Fantasie nicht aus. Dazu bedarf es eines Wunders.

Und genau deshalb schildert Jesaja fast unbemerkt ein solches Wunder: Der Zionsberg, in Wirklichkeit nur ein Hügelchen, wird durch Gottes Wort zum Berg der Berge, zum Berg über alle anderen. Und alle Menschen, alle Völker entschließen sich, zu Gott zu kommen. Sie hören auch auf ihn, keiner steht mehr dazwischen, und seine Worte sind ihnen klar. Sie vertrauen seinem Wort und lassen ihre Konflikte von ihm schlichten. Schwerter zu Pflugscharen wird ihrer aller Motto, und keiner übt mehr für den Krieg. Na, wenn das mal kein Wunder ist! Ein Wunder, was aber leider noch aussteht.

Heute, hier vor Ort, kann aber bereits erlebt werden, wie die Vision eines göttlichen Weltfriedens anbricht. Denn Gott verbindet sein Tun mit unserem Tun, wenn wir in seinem Sinne handeln. Ja, jeder Friedensprozess ist anstrengend. Um im Bild des Propheten zu bleiben: Aus einem Schwert eine Pflugschar zu schmieden, ist mit viel Arbeit, mit Hitze, Kraft, und Schweiß. Und mit Ausdauer. Jede Waffe muss einzeln für eine friedlichen Zweck umgestaltet, und in ihrem Kern verändert werden.

Und auch ja, den Frieden zu leben, bedarf der Übung. Frieden muss man trainieren. Er beginnt mit dem Nachdenken über solch wichtige Fragen wie: Wie gehe ich mit Mitmenschen um, die mir so gar nicht passen? Wie versöhnt man sich? Heißt Vergeben, einfach zu vergessen?

Frieden fordert ganzen Einsatz. Und der ist nötig, wenn wir uns von der Vision Gottes erreichen lassen und so zu Friedensstiftern in unserem Umfeld werden. Und genau damit sind wir ganz bei uns und der Verantwortung, die aus diesem wunderbaren Bild vom Frieden erwächst: Wenn Gottes Reich mitten unter uns entsteht, ja bereits da ist, ist dieses Reich ein Friedensreich. Ganz klar. Und deshalb wird uns das Mühen um den Frieden, das Sich-Ausstrecken, Das-Jagen-nach-Frieden zugemutet. Und es wird uns zugetraut! Im Evangelium ist euch gesagt „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt!“. Jesus rechnet mit euch. Er zählt auf euch, dass wir mit dem Frieden, den Gott am Ende der Zeit für die Welt bereithält, heute schon beginnen: als Frieden in Partnerschaften und Ehen, in Familien und Gemeinden, zwischen den Generationen. Frieden beginnt, wenn du ein gutes Wort, eine hilfreiche Geste findest, um eine Situation zu beruhigen. Und er setzt sich fort, wo Du es als Gewinn betrachtest, dich über gute Gemeinschaft und nicht über Abgrenzung zu definieren. Frieden stiften heißt, seinem Gegenüber zu Gerechtigkeit zu verhelfen. Dich also dafür einzusetzen, dass er/sie sein/ihr Recht bekommt.

Bei Euch hier, liebe Gemeinde, könnte beginnen, was im großen Frieden Gottes mündet. Ja, ihr habt richtig gehört: Bei Euch kann beginnen, was im Frieden Gottes sein Ziel hat! Frieden ist möglich. Seht doch hin, erkennt ihr ihn denn nicht?

Dazu eine kleine Begebenheit zum Schluss:

In einer Stadt mit Bewohnenden aus aller Welt, betritt eine Frau einen Gemüseladen. Sie schaut den Händler an: „Sie sehen aber müde aus“, sagt sie.

„Ja“, sagt er, „es ist Ramadan, ich faste. Was möchten Sie denn?“

„Ich will Gemüse einkaufen für den Schabbat. Ich bin Jüdin.“

Stille

Dann sagt er verwundert: „Noch nie hat eine Jüdin bei mir eingekauft, As-salamu alaykum, Friede sei mit dir“.

“Schalom aleicha, Friede auch mit dir“, sagt sie.“

Liebe Schwestern und Brüder: Friede sei mit Euch!

Amen.

Und der Friede Gottes, höher als unsere Vorstellungskraft, der bewahre und erhalte eure Herzen und Sinne im HERRN des Friedens, Jesus Christus.

HINTERGRUND: Eine Kirche wird zur „Friedenskirche“

Dass die Vision vom Frieden konkret werden kann, zeigte sich in Aue am Berg: Die dortige romanische Kirche hatte bisher keinen Namen. Nach fünfjähriger Bauzeit (infolge von Hausschwammbefall) nutzte die Gemeinde die Wieder-Indienstnahme für einen starken Akzent: Sie entschied sich für den Namen „Friedenskirche“ und bat Dr. Friederike F. Spengler um die feierliche Benennung.

Vor voll besetzten Bänken und vielen Gästen im Außenbereich wurde nicht nur der Gottesdienst gefeiert, sondern auch die liturgische Benennung vollzogen:

Benennung der Kirche als „Friedenskirche“ in Aue am Berg

L: Wir hören auf Worte aus dem 1. Buch Mose im 35. Kapitel:

Lektor/in: Gott sprach zu Jakob: Mach dich auf und zieh nach Bethel und wohne dort und errichte einen Altar dem Gott, der dir erschien, als du flohst vor deinem Bruder Esau. Und sie brachen auf. Und Jakob kam nach Lus im Lande Kanaan, das nun Bethel heißt, samt all dem Volk, das mit ihm war, und er baute als Altar und nannte die Stätte El-Beth-el, weil Gott sich ihm dort offenbart hatte, als er vor seinem Bruder floh. (1. Mose 35,1.5.6.7)

L: Im Vertrauen auf Gott, der ewigen Frieden schaffen wird; auf Gott, der uns bei unserem Namen zum Frieden ruft; auf Gott, der sich an Orte bindet, die mit ihrem Namen von ihm zeugen, wollen wir heute dieser Kirche einen Namen geben.

Wir beten:

Lieber himmlischer Vater,

wir danken dir

für den Segen, den du auf dieses Haus gelegt hast,

damit wir einen Ort haben,

an dem wir deiner Nähe gewiss werden,

zu dir beten und dich loben,

und an dem du uns immer wieder neu zu Teilen deiner Gemeinde machst.

Gib, dass der Name,

den wir diesem Haus nun geben,

öffentlich erkennbar werden lässt, dass deine Wohnung ein Ort des Friedens ist,

der denen, die hier ein und ausgehen,

Frieden schenkt und sie dann selbst zu Friedensstiftern werden.

Das bitten wir durch Jesus Christus,

G: Amen.

L: So sei diese Kirche von nun an „Friedenskirche“ genannt.

Friede diesem Haus von Gott, unserem himmlischen Vater.

Friede diesem Haus von seinem Sohn, der unser Frieder ist.

Friede diesem Haus vom Heiligen Geist, der Leben schafft.

Im Namen [+] des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G: Amen.

Miterleben, Gestalten, Vernetzen: Bleiben Sie couragiert widerständig

Frieden braucht Menschen, die ihn tragen, und Orte, an denen er gelernt und gelebt wird. Ob in der eigenen Kirchengemeinde, in der Schule oder in der Nachbarschaft: Setzen auch Sie im Jahr 2026 ein Zeichen.

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FAQ: Dr. Friederike F. Spengler (Friedensbotin 2026 & Schwerter zu Pflugscharen)

Wer ist die Friedensbotin 2026 der Ökumenischen FriedensDekade?

Die Thüringer Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler ist die Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026. Sie steht in der Tradition der Friedensbewegung der Leipziger Nikolaikirche von 1982 und setzt sich für zivilcouragierte, gewaltfreie Friedensarbeit ein.

Wofür steht das Jahresthema „couragiert widerständig“ der FriedensDekade 2026?

Das Motto „couragiert widerständig“ ruft dazu auf, Hass, Aufrüstung und gesellschaftlicher Spaltung aktiv entgegenzutreten. Es ermutigt Menschen, auf Grundlage des christlichen Glaubens Zivilcourage zu zeigen und sich gewaltfrei für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.

Wo kann man Materialien und Aktionshefte zur FriedensDekade 2026 bestellen?

Alle offiziellen Arbeitsmaterialien, Plakate, Gottesdienstbausteine und Aktionsmedien zum Jahresthema „couragiert widerständig“ können direkt im Online-Shop der FriedensDekade bestellt werden.

Frieden im Dialog mit Ruben Kurschat

Frieden im Dialog: Ruben Kurschat über das couragierte Aufeinanderzugehen. Der Widerstand gegen das Schubladendenken.

Frieden im Dialog – mit Ruben Kurschat

Couragierte Widerständigkeit heißt aufeinander zugehen FRIEDENSGESPRÄCHE. WERTSCHÄTZEND + KONTROVERS

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ stellen wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade vor, die seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintritt. In regelmäßigen Gesprächen teilen Akteure aus dem Gesprächsforum, dem Redaktionskreis und weiteren Netzwerken ihre Erfahrungen, Visionen und Impulse. Dieses Mal treffen sich Lars Blume und Ruben Kurschat, Koordinator des Projektes „Friedensgespräche. Wertschätzend + Kontrovers“ der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden.

 


Lars: Herzlich willkommen bei „Frieden im Dialog“, einer Serie der Ökumenischen FriedensDekade. In dieser Reihe möchten wir die Menschen und Ideen sichtbar machen, die Frieden gestalten. Es geht mir nicht um ein klassisches Interview, sondern um einen echten Dialog auf Augenhöhe. Heute bin ich mit Ruben Kurschat im Gespräch, Koordinator des Projektes „Friedensgespräche. Wertschätzend + Kontrovers“ der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden. Ruben, schön, dass du da bist. Ich starte direkt persönlich: Wenn du gerade mal nicht als Koordinator aktiv bist, wo tankst du Kraft und was lässt dich hoffnungsvoll bleiben?

Ruben: Zunächst mal: If in doubt, go out! Mir hilft es, in den Wald zu gehen, um aufzutanken. Und dann erlebe ich die sozialen Netze als essenziell. Also die echten – Freunde, Familie, Kolleginnen und Kollegen.

Lars: Wald und Natur, das kenne ich gut. Für mich sind das auch echte Kraftorte. Du hast außerdem in Bosnien-Herzegowina gelebt, einem Land, das weiß, was es bedeutet, wenn gesellschaftlicher Zusammenhalt zerbricht. Was hat dich das über Frieden gelehrt, was kein Seminar dir hätte beibringen können?

Ruben: Es sind oft die lauten Stimmen, die rufen „Wir können nicht miteinander!“ Das ist machtvoll, folgt der Kriegslogik und führt schlimmstenfalls zu „ethnischen Säuberungen“ und Genozid. Und ich habe erlebt, dass es immer auch Menschen gibt, die sich davon nicht beirren lassen. Die wieder und wieder das Gegenteil beweisen, indem sie Räume öffnen und das Miteinander leben. Die der Friedenslogik folgen und sagen „Wir können nur miteinander.“ Dieses Handeln ist Kraftquell für alle, die auf der Suche sind, wie Gewalt beendet werden kann. Solche Kraftquellen aufzuspüren und zu stärken, bringt uns dem Frieden näher.

Lars: „Wir können nur miteinander.“ Das ist ein Satz, der tief sitzt – erst recht, wenn man bedenkt, wie viel Mut es erfordert, ihn angesichts von Krieg und existenzieller Gewalt laut auszusprechen. Das zeigt ja: Gemeinschaft und echter Dialog entstehen nicht im geschützten Wohlfühlraum, sondern oft genau dort, wo es extrem ungemütlich und schmerzhaft ist. Das bringt mich direkt zu eurem Format. „Friedensgespräche“ klingt zunächst fast harmlos. Was steckt wirklich dahinter, und warum ist es gerade jetzt alles andere als selbstverständlich?

Ruben: Wenn wir harmlos verstehen können als den Versuch, Schaden abzuwenden, sind wir schon mal auf einem guten Weg. In unseren sozialen Alltagsstrukturen – in der Nachbarschaft, in der Kirchengemeinde, im Chor – stellen wir vielerorts die essentiellen Fragen von Krieg und Frieden gar nicht mehr, weil wir befürchten, das Gespräch entgleitet uns und wir entzweien uns darüber. Auf die Dauer wird es unserer Gesellschaft nicht gut tun, im Vermeidungszustand zu verharren. Friedensgespräche laden dazu ein, das Beschweigen zu überwinden.

Lars: Viele schweigen lieber, als Positionen zu beziehen, aus Angst, sofort etikettiert zu werden, als „Putinversteher“ oder „Bellizist“. Wie schafft ihr in einem Friedensgespräch diesen geschützten Raum, ohne die Kontroversität zu verlieren?

Ruben: Die Strategie, Menschen in Schubladen zu stecken, um uns die Welt zu erklären, ist gerade sehr en vogue. Es scheint leichter, anderen ein Etikett aufzukleben, als sich mit ihnen zu befassen. Ich finde das sehr verständlich in einer Zeit, in der wir spüren, dass wir in unserem Sein bedroht sind. Die Menschen hören, dass es ihre individuelle Verantwortung ist, sich vor sozialer Not zu bewahren. Mittel für Soziales, Kultur, Entwicklungszusammenarbeit usw. werden massiv gekürzt, während zugleich die Ausgaben für Waffenproduktion explodieren und kollektiv zu schultern sind. Das führt zu Wut und Ohnmachtsgefühlen: Ich fühle mich in meiner Integrität angegriffen, verteidige mich und reagiere meinerseits mit Angriff. Etikettierungen sind die einfachste Form von Angriff. Denn meistens sind wir nicht einverstanden mit dem Etikett, das uns jemand aufklebt. Dann ärgern wir uns und reißen es ab und versuchen uns ins richtige Licht zu rücken oder kleben schnell noch der anderen Seite ein Label auf. Nun ist es naheliegend, dass die das auch nicht mag. Der Schlagabtausch ist im vollen Gange und der Gegenstand der Auseinandersetzung spielt keine Rolle mehr. Und dann merken wir die Kosten der Schubladen – wir geraten in einen Strudel von Angriff und Selbstverteidigung. Und jetzt kommt das Überraschende: Viel leichter ist es, wenn wir uns die ganze Energie sparen, die in Angriff und Verteidigung gehen. Und stattdessen erleben, was „die anderen“ und wir eigentlich zu sagen haben.

Lars: Als Online-Redakteur erlebe ich das durchaus. Ich versuche, nicht jede Meinung zu kommentieren oder Menschen zu überzeugen. Manchmal ist meine Rolle eher die eines Blitzableiters: die Verzweiflung hinter einer Aussage erkennen und einfach sein lassen. Das kostet weniger Energie als ich dachte. Euer Ansatz setzt auf Wahrnehmen vor Bewerten. Was passiert in einem Raum, wenn Menschen das wirklich aushalten?

Ruben: Ein Teilnehmer einer Aktivistengruppe sagte in einer Abschlussrunde eines Friedensgesprächs: Ich wünschte, wir würden jedes künftige Treffen damit beginnen, dass einer von uns zehn Minuten aus seinem Leben erzählt. Wenn wir einander und uns selbst wieder als Menschen erleben, die Ängste und Hoffnungen haben und mit diesen Gefühlen auf der Suche sind nach Antworten auf die drängenden Fragen, dann knistert die Luft. Denn wenn Schubladen nicht mehr taugen, fangen wir an, neue Möbelstücke zu entwerfen, die uns andere Ordnungssysteme ermöglichen. Das fordert Mut und zugleich wirkt es unglaublich befreiend!

Lars: Plötzlich steht der Mensch im Vordergrund und nicht mehr die Position. Wenn jemand wirklich von sich erzählt, und der Raum lang genug dafür ist, entstehen keine Phrasen mehr sondern echte Begegnung. Der Mensch wird erfahrbar, jenseits der Polarisierung. Du machst neben deiner Prozessbegleitung auch Audiokunst. Was hat Klang mit Frieden zu tun?

Ruben: In der Klangkunst beschäftigt mich ja vor allem der Audiowalk, also die Verbindung von Hören und Unterwegssein. Und ein Element der Friedensgespräche ist der Moment danach, der Heimweg. Wenn die Teilnehmenden für sich das Erlebte noch mal nachklingen lassen. Was habe ich gehört und wo spüre ich jetzt noch eine Resonanz in mir? Und dann geht das Friedensgespräch nämlich weiter. Noch bevor die Menschen zu Hause ankommen, sind sie eingeladen, einen Nachhall an die Menschen zu senden, die sich noch mit dem Gedanken tragen, ob sie auch ein Friedensgespräch initiieren wollen. Dieser Nachhall kann eine Ermutigung sein, eine methodische Anregung, ein persönliches Erlebnis. Übermittelt wird der Nachhall als Nachricht auf einem Anrufbeantworter. Und diese Sprachnachrichten helfen dabei, die Friedensgespräche weiter zu entwickeln.

Lars: Der Nachhall auf dem Heimweg. Ich kenne diese Qualität aus Singkreisen: die Stille zwischen den Liedern, in der der Moment einfach nachklingen darf, bevor das nächste beginnt. Aus dieser Stille entsteht oft etwas Neues. Ein Gedanke, manchmal ein ganzes Lied. Das Friedensgespräch geht also weiter, auch wenn der Abend vorbei ist. Ihr stellt eine Handreichung bereit, damit Gruppen selbst ein Friedensgespräch initiieren können. Wer kann das anstoßen?

Ruben: Zunächst braucht es jemanden, die oder der sagt: Ich möchte eine Situation verändern. Diese Person sucht sich am besten noch weitere, denen es ähnlich geht. Damit ist der Anfang gemacht. Und die Handreichung der Friedensgespräche, von der du sprachst, ist wie ein Geländer. Das führt mich in der Vorbereitung durch die entscheidenden Fragen: Wer lädt ein? Was ist unser Thema und wie machen wir daraus einen Titel für das Friedensgespräch? Moderieren wir das selbst oder suchen wir uns da Unterstützung? Wie viel Zeit sollten wir einplanen? Ein Geländer greife ich mir dann, wenn ich festen Halt brauche und lasse es los, wenn ich selbst sicheren Grund habe.

Lars: Das Motto der FriedensDekade 2026 lautet „couragiert widerstständig“. Was bedeutet das für euch konkret, wo braucht es diesen Mut?

Ruben: Sich nicht abzufinden mit dem Bestehenden, erfordert Mut. Den anderen nicht mehr überzeugen zu wollen, erfordert Mut. Und sich selbst zu hinterfragen noch mehr. Das ist übrigens etwas, was ich auch von dir erlebe, Lars. Du bist Online-Redakteur für ein breites Publikum und trägst gleichzeitig eine klare Friedenshaltung. Wie hältst du diese Offenheit aufrecht?

Lars: Ich glaube, gemeinsame Positionen entstehen genau dann, wenn wir aufhören, uns hinter der eigenen Haltung zu verschanzen. Nicht weil wir uns anpassen, sondern weil wir wirklich zuhören. Das ist für mich der Unterschied zwischen Diskutieren und Gespräch. „Couragiert widerstständig“ klingt nach Reibung. Aber Friedensgespräche setzen ja gerade auf Begegnung. Ist das kein Widerspruch?

Ruben: Wenn ich dir sage, was du alles falsch siehst, verstehst, tust, und du zählst mir auf, wo ich daneben liege, führt das zu einer Reibung, die wir rasch vermeiden werden. Wir gehen aus der Begegnung. Was bleibt, sind Annahmen über den Gegenüber, Anschuldigungen, Zuschreibungen. Wenn ich mich jedoch an dem reibe, was ich von dir über dich höre, dann ist Veränderung möglich. Ich kann etwas neu verstehen, ich kann mich von einer Überzeugung verabschieden oder ich kann in ihr gestärkt werden.

Lars: Reibung als Kraftquelle, nicht als Abbruch. Kirchengemeinden, Bürgerinitiativen, Nachbarschaften, an wen richtet sich das Format und was habt ihr bisher beobachtet?

Ruben: Die Friedensgespräche sind ein ganz junges Format, wir bekommen gerade sehr vielfältige Rückmeldungen, wo das angedockt und ausprobiert werden soll. Als ein Element auf dem Gemeindefest, als einmalige Gesprächsabend – offen eingeladen, oder als neue methodische Anregung für eine sich regelmäßig treffende Gruppe. Friedensgespräch als Begegnung zwischen zwei Menschen oder für eine Großveranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmenden. Ich bin gespannt, wohin uns das trägt und was die Community sich noch einfallen lässt.

Lars: Die FriedensDekade ist seit Jahrzehnten ein fester Ort im kirchlichen Jahr. Was kann das Format dort bewegen, was eine Andacht oder ein Vortrag nicht kann?

Ruben: Friedensgespräche sorgen dafür, dass alle Menschen, die zu einem Thema zusammenkommen, selbst etwas beitragen können. Sie reden von sich und ihren Ideen und Erlebnissen, sie zögern und schweigen, sie sprechen etwas aus, was sie vielleicht noch nie mit anderen geteilt haben. Friedensgespräche sind das kollektive aktive Suchen nach Veränderung. Ohne Besserwisser.

Lars: Ohne Besserwisser. Das sitzt. Die AGDF steht für „Freiden schaffen ohne Waffen“, eine klare Haltung. Wie verhält sich das zum Anspruch, wirklich alle Milieus einzuladen?

Ruben: In Friedensgesprächen kommen Menschen zu Wort, nicht Vertreterinnen und Vertreter von Gruppen oder Ideologien. Niemand muss Angst haben, in diesem Begegnungsformat die eigene Haltung um die Ohren gehauen zu bekommen. Denn wir reden von uns. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Welt friedlicher und gerechter machen, ist größer, wenn wir das gemeinsam versuchen, als wenn wir sagen, du musst nur tun, was ich für richtig definiere.

Lars: Ruben, eine letzte Frage: Wenn die Teilnehmenden eines Friedensgesprächs den Raum verlassen und nach Hause gehen, was sollten sie im Idealfall im Kopf oder im Herzen mitnehmen?

Ruben: Ich lasse da eine Teilnehmerin eines Friedensgesprächs zu Wort kommen. Sie sagte im Nachhinein: Mir hat die Kleingruppenarbeit gut getan! Ich bin mit jemandem ins Gespräch gekommen, mit der ich sonst wahrscheinlich nie so gesprochen hätte. Ich habe mich vorher gefragt: soll ich da hingehen? Jetzt sage ich DANKE!

Lars: Ruben, vielen Dank. Für dieses Gespräch, für das Format und für die Hoffnungskraft, die darin steckt. Wer selbst ein Friedensgespräch initiieren möchte, findet die Handreichung und alle weiteren Informationen unter friedensgespraeche.org. Der digitale Kick-off findet am 27. Mai 2026 von 17 bis 19 Uhr statt, die Anmeldung läuft über das hier verlinkte Formular. Der erste regionale DialogStarter-Tag für Menschen, die die Methode kennenlernen und selbst anwenden möchten, findet am 24. Juni in Berlin statt. Hier gibt es die Details. Bis zur nächsten Folge, bleibt im Dialog.

 

Gehen Sie in Begegnung und wagen Sie sich couragiert widerständig gemeinsam an die großen Themen!

Frieden im Dialog mit dem Gewinner des Motivwettbewerbes 2026 der ökumenischen FriedensDekade Olaf Warburg

Frieden im Dialog: Olaf Warburg über bunte Tauben vor Gefängnissgittern. Das Motiv, das der FriedensDekade 2026

Frieden im Dialog – mit Olaf Warburg

„Couragierte Widerständigkeit“ und die Kunst des Brückenbauens

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ stellen wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade vor, die seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintritt. In regelmäßigen Gesprächen teilen Akteure aus dem Gesprächsforum, dem Redaktionskreis und weiteren Netzwerken ihre Erfahrungen, Visionen und Impulse. Dieses Mal treffen sich Lars Blume und Olaf Warburg, Grafiker und Gewinner des Motivwettbewerbs für die FriedensDekade 2026.

Das Gewinnermotiv ziert bereits alle Materialien und Produkte und lädt ab sofort deutschlandweit auf Plakaten zur FriedensDekade und zu vielfältigen Aktivitäten ein. Hier geht es direkt zu den Motiven.

Ein Gespräch über die Kraft der Symbole, den Mut zum gewaltfreien Widerstand und die Frage, wie Kunst in Zeiten der Aufrüstung neue Freiräume schaffen kann.


Lars: Herzlich willkommen bei „Frieden im Dialog“. Heute blicken wir bereits auf den November 2026. Vor mir liegt dein Motiv für die FriedensDekade 2026 unter dem Motto couragiert widerständig, das dann an tausenden Kirchenwänden und Plakatwänden hängen wird: Zwei bunte Tauben, die ein Gitterfenster überwinden. Gestaltet hat es Olaf Warburg. Olaf, schön dass du dabei bist.

Olaf: Danke für die Einladung!

Lars: Ich fange gerne persönlich an. Was macht dich als Mensch aus, wenn du nicht gerade am Zeichentisch sitzt?

Olaf: Es sind die kleinen Momente, Begegnungen und Situationen, die mir Hoffnung und Mut geben. Momente der Empathie, der Toleranz, des Verständnisses. Viel Kraft schöpfe ich aus meiner Familie.

Lars: Das kann ich gut nachempfinden. Gerade als Vater merkt man ja oft, dass Familie nicht nur eine Kraftquelle ist, sondern das stärkste Friedensargument überhaupt, weil dort Söhne, Töchter und Väter sind, die niemand im Krieg verlieren will. Du hast dich entschieden, dieses Herzblut in ein Motiv für die FriedensDekade zu stecken. Was hat dich dazu bewogen?

Olaf: Wenn ich die Nachrichten schaue, frage ich mich oft: Wie konnte es wieder so weit kommen? Warum ist es inzwischen offenbar „unethisch“, Gewalt abzulehnen? Dagegen anzureden, erfordert in heutigen Zeiten mehr Mut denn je. Als Grafiker ist das eine naheliegende Form, sich damit auseinanderzusetzen.

Lars: Das Wort „unethisch“ in diesem Kontext ist ein deutlicher Befund, aber ich verstehe genau, was du meinst: Die pazifistische Stimme wirkt heute oft fast rechtfertigungspflichtig. Was bedeutet Frieden vor diesem Hintergrund für dich ganz persönlich?

Olaf: Zuhören. Verstehen wollen. Kompromissfähigkeit. Miteinander.

Lars: Vier Begriffe, die eigentlich schon den Kern des neuen Mottos treffen. „Couragiert widerständig“ klingt für 2026 ja erstmal sehr offensiv. Wie hast du auf dieses Motto reagiert?

Olaf: Ich empfinde Widerstand eher nicht als „Dagegen sein“, sondern als „Öffnung zur anderen Seite“. Es bringt gar nichts, Andersdenkende aufgrund ihrer Ansichten zu verurteilen oder gar zu ignorieren. Lasst uns weiter miteinander im Gespräch bleiben. Das allein erfordert Mut genug. Meist stellt sich heraus, dass (fast) niemand Gewalt befürwortet.

Lars: Das ist ein wunderbarer Akzent: Widerstand nicht als Mauer, sondern als Öffnung. Das ist genau das Brückenbauen, das wir im Dialog brauchen. In unserer letzten Folge Frieden im Dialog mit Miriam Kähne und ihrem Projekt justice.peace.imagination ging es viel darum, dass Kunst ausdrücken kann, was Worte oft nicht erreichen. Wie ist bei dir aus diesem Gedanken das Bild entstanden?

Olaf: Zurzeit ist Street Art eine sehr beachtete Kunstform, vor allem aufgrund der Popularität ihres bekanntesten Vertreters Banksy – für dessen Arbeit ich persönlich schon seit langer Zeit sehr empfänglich bin. Obwohl mein Motiv nicht im urbanen Umfeld, sondern auf Papier und am Computer entstand, soll es genauso zum Denken anregen. Insgesamt habe ich drei gänzlich unterschiedliche Entwürfe eingereicht. Zwei davon möchte ich hier nicht näher erläutern. 🙂

Lars: (lacht) Die bleiben dann wohl dein künstlerisches Geheimnis. Aber bleiben wir beim Gewinner-Motiv. Warum ist ein Fenster mit Gittern für dich das passende Bild für das Jahr 2026?

Olaf: Natürlich ist ein Gefängnis zunächst kein Symbol für Frieden. Wenn man aber weiß, wie viele Menschen allein aufgrund ihres Einsatzes für ein gewaltfreies Leben eingesperrt sind, gibt das schon zu denken. Das Gitterfenster macht aber nur einen kleinen Teil am Rand des Motivs aus. Im Zentrum stehen zwei Tauben, die sich über diese Unfreiheit erheben.

Lars: Ein Mitglied der Jury hat in deiner Grafik ein „Durchbrechen“ der Gitterstäbe gesehen. Fliegen die Tauben für dich eher hindurch oder zerstören sie das Hindernis aktiv?

Olaf: Da die Gitterstäbe leider noch intakt sind, stehen sie wohl eher für ein gedankliches, geistiges Durchbrechen, das hoffentlich jeder und jedem erhalten bleibt, der oder die für ihre Courage unter Druck gerät. „Die Gedanken sind frei.“ Auf dass sie sich erheben und möglichst viele Menschen erreichen.

Lars: Ein starkes Bild für die innere Freiheit. Du hast dich dabei gegen die klassische weiße Taube entschieden. Ein Wunsch aus der Community war auch, mehr über die Farbwahl der Tauben zu erfahren. Warum diese bunte Variante?

Olaf: Tatsächlich gab es einen Vorentwurf mit einfarbig schwarzen Tauben. Ich fand aber, dass sie so nicht genügend Gegenkontrast zum tristen Umfeld hatten. Ich wollte ihnen Kraft und Mut mitgeben, was mit satten Farben eindeutig besser funktioniert. Das Blau und Rot habe ich dann dem Auftritt der Ökumenischen FriedensDekade – insbesondere dem Signet „Schwerter zu Pflugscharen“ entnommen.

Lars: Du hast das Logo also direkt in die Illustration integriert.

Olaf: Die Farben werden von den Tauben zitiert. Wenn man so möchte, übernehmen die Gitterstäbe die Rolle eines Schwertes, welches es neu zu schmieden gilt.

Lars: „Neu schmieden“ das passt auch gut zu deiner Heimat Dortmund, einer Stadt mit industrieller Geschichte. Spielt diese Herkunft eine Rolle dabei, wie du Zusammenhalt und Widerstand wahrnimmst?

Olaf: Leider nehme ich auch in meiner Heimat den wachsenden Zuspruch zu mehr militärischer Präsenz wahr. Gleichzeitig gibt es auch nicht wenige Stimmen, die sich nach einer Führungspersönlichkeit und längst überwunden geglaubte Vorstellungen von vornehmlich patriarchalischer und rassistischer Vorherrschaft sehnen. Offenbar geraten Konsens- und Kompromissfähigkeit immer mehr ins Hintertreffen. Umfragen zeigen, dass der „starke Mann“ wieder gefragt ist – mit all seinen Klischees, Vorurteilen und Machtansprüchen. So entstehen neue Gefängnisse – nicht nur gedanklich.

Lars: Das ist eine Beobachtung, die viele von uns teilen: In der Überforderung durch Krisen suchen Menschen einfache Antworten und starke Figuren. Dein Motiv setzt dem etwas entgegen. Was sollen die Menschen im November 2026 fühlen, wenn sie im Alltag an deinem Plakat vorbeigehen?

Olaf: Ich hoffe, dass sie trotz des tristessen Hintergrunds – einer grauen Betonmauer mit einem dunklen Gitterfenster, und das auch noch in einer nicht minder farblosen Jahreszeit – dennoch spüren, dass es um Mut, Kraft, Aufbegehren und Beharrlichkeit geht. Es darf und muss erlaubt sein, gegen Kriegstüchtigkeit und für Menschenrechte einzustehen! Und das in einer Zeit, in der Aufrüstung ein gesellschaftlicher Konsens zu sein scheint.

Lars: Ein Plakat als Erlaubnis, bei der eigenen gewaltfreien Haltung zu bleiben – das ist ein schöner Gedanke. Zum Abschluss: Welchen Impuls gibst du uns mit auf den Weg?

Olaf: Bleib bei dir. Bleib bei deinen Werten. Auch wenn du das Gefühl hast, dass alle um dich herum anders denken: Steh zu deiner Haltung! Lass dich nicht gedanklich einsperren. Befreie dich von vermeintlich Allgemeingültigem. Braucht unsere Welt wirklich noch mehr Waffen?

Lars: Eine Frage, die wir mit in die FriedensDekade 2026 nehmen. Olaf, vielen Dank für dieses Gespräch und für deine Arbeit. Wer mehr über das Motiv und die Produkte erfahren möchte, findet alle Infos auf friedensdekade.de. Bis zur nächsten Folge, bleiben Sie im Dialog.


Ein kleiner Hinweis für alle, die das neue Design in ihre Friedensarbeit tragen wollen: Das Motiv von Olaf ist bereits auf Postkarten, Postern und den ersten Aktionsmaterialien in unserem Shop erhältlich. Ab dem 11.05. gibt es dort auch das Leporello und in Kürze unsere beliebten Friedens-Streichhölzer.

 

Schauen Sie vorbei und bleiben Sie couragiert widerständig!

Ostermärsche 2026: Termine, Orte & Aktionsmaterial für den Frieden

Die Ostermärsche 2026 stehen bevor. In einer Zeit globaler Aufrüstung und anhaltender Kriege sind sie das wichtigste öffentliche Zeichen für Diplomatie, Abrüstung und Gewaltfreiheit. Während die Ökumenische FriedensDekade im November die spirituelle Basis schafft, bringen die Ostermärsche den Protest seit Jahrzehnten auf die Straße.

Warum sind die Ostermärsche 2026 entscheidend?

Geopolitische Spannungen fordern uns heraus, über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinauszublicken. Die Friedensbewegung setzt 2026 ein klares Statement gegen die Logik des Krieges. Erfahren Sie hier, wo Sie aktiv werden können und welches Material Sie für Ihren Auftritt benötigen.

Friedensbewegung Klassiker auch zu Ostern 2026 "Frieden schaffen ohne Waffen" Friedensdekade
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Die weltweite Verschärfung der geopolitischen Lage sowie die anhaltenden Kriege und Krisenherde fordern uns heraus, über den Tellerrand der eigenen Gemeindearbeit hinauszublicken. Während wir uns in der Ökumenischen FriedensDekade intensiv der spirituellen Friedensarbeit widmen, bieten die Ostermärsche seit Jahrzehnten die Bühne für den öffentlichen, politischen Protest.

Flagge zeigen: „Schwerter zu Pflugscharen“ im Einsatz

Damit Ihre Botschaft auf den Demonstrationen weithin sichtbar ist, bietet unser Webshop das passende Aktionsmaterial. Besonders symbolträchtig ist dabei das Motiv „Schwerter zu Pflugscharen“.

Dieses Symbol hat eine tiefe Geschichte: In den 1980er Jahren wurde es zum Erkennungszeichen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Trotz staatlicher Repressionen trugen mutige Menschen diesen Aufnäher auf ihren Jacken – ein Zeichen für den Wunsch nach einer Welt ohne Waffen. Heute führen wir dieses Erbe fort.

Friedensfahne Schwerter zu Pflugscharen für Ostermarsch 2026 bestellen
Im Webshop der FriedensDekade erhältlich

Damit Sie auf den Demonstrationen auch visuell ein klares Statement für Gewaltfreiheit setzen können, weisen wir gerne auf unser Aktionsmaterial hin. Unsere Fahnen, Aufkleber, Pins und Aufnäher mit dem klassischen „Schwerter zu Pflugscharen“-Motiv sind ideale Begleiter für die Märsche und Kundgebungen.

Termine & Startorte: Ostermärsche 2026 in der Übersicht

Hier finden Sie eine Auswahl zentraler Termine. Eine tagesaktuelle Gesamtübersicht aller über 100 Veranstaltungenbietet das Netzwerk Friedenskooperative.

Karfreitag, 03. April 2026

  • Gronau (NRW): Ostermarsch zur Urananreicherungsanlage, 13:00 Uhr Urananreicherungsanage (Haupttor, Röntgenstraße 4) Aufruf mit Infos: https://www.bbu-online.de/Aktionen%20vor%20Ort/Aufruf%20PDF%20OMA%20Gronau%202026.pdf.

  • Bruchköbel (Hessen): Traditioneller Marsch nach Hanau, 10:30 Uhr am Freien Platz.

  • Jagel/Büchel: Mahnwachen gegen Atomwaffen, ab 11:00 Uhr an den Haupttoren.

 

Karsamstag, 04. April 2026 (Zentraler Aktionstag)

  • Berlin: Große Kundgebung, 12:00 Uhr, Karl-Marx-Allee (U-Bhf Schillingstraße).

  • Duisburg/Köln: Auftakt Rhein-Ruhr; Duisburg Hbf 10:30 Uhr; Köln Roncalliplatz 11:55 Uhr.

  • Stuttgart: Zentraler Ostermarsch Südwest, 11:55 Uhr am Schlossplatz.

  • München: Friedensmarsch durch die City, 11:00 Uhr am Marienplatz.

  • Hannover: Start 11:00 Uhr, Aegidientorplatz.

  • Leipzig – Historischer Boden: Auftakt 11:00 Uhr auf dem Nikolaikirchhof. Hier, wo die Montagsgebeten der Friedlichen Revolution ihren Ursprung hatten, ist die Verbindung von Glaube und politischem Handeln bis heute spürbar.

  • Kassel: Zentraler Ostermarsch Nordhessen, 11:00 Uhr ab Hauptbahnhof.

  • Nürnberg: Friedensmarsch, 11:30 Uhr ab Kopernikusplatz.

 

Ostersonntag, 05. April 2026

  • Potsdam: Friedensspaziergang, 14:00 Uhr am Alten Markt.

  • Frankfurt/Main: Fortsetzung des hessischen Ostermarsches, 10:30 Uhr ab Römerberg.

Ostermontag, 06. April 2026

  • Hamburg: Großer Abschlussmarsch, 12:00 Uhr ab Ohlsdorf oder Hauptbahnhof.

  • Müllheim (Baden): Deutsch-Französischer Ostermarsch – eine wichtige regionale Besonderheit, die die grenzüberschreitende Versöhnung in den Fokus rückt. Start 13:30 Uhr.

  • Erfurt: Abschlusskundgebung, 11:00 Uhr am Fischmarkt.

Helfen Sie mit, den Frieden zu wecken

Die Ostermärsche leben von der Vielfalt. Wir laden Sie herzlich ein, die kommenden Feiertage zu nutzen, um Ihre Sehnsucht nach einer gewaltfreien Welt öffentlich zu machen.  Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Passionszeit und kraftvolle Begegnungen bei den Ostermärschen!

Hashtags: #Ostermarsch2026 #Friedensbewegung #KriegVerweigern #SchwerterZuPflugscharen #Friedenskooperative #ÖkumenischeFriedensDekade

Dr. Friederike F. Spengler wird Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026

Regionalbischöfin aus Erfurt bringt eigene Geschichte der Friedensbewegung mit

Dr. Friederike F. Spengler, Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt, wird Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026. Ihr Engagement für Frieden und Gerechtigkeit ist tief in der Geschichte der DDR-Friedensbewegung verwurzelt.

Zur vollständigen Pressemitteilung (pdf): Dr. Friederike F. Spengler Wird Friedensbotin Der Ökumenischen FriedensDekade 2026


Die Ökumenische FriedensDekade hat ihre Friedensbotin für 2026 bekanntgegeben: Dr. Friederike F. Spengler, Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die FriedensDekade findet vom 8. bis 18. November 2026 statt. Kirchengemeinden und Initiativen in ganz Deutschland laden in dieser Zeit zu Gebeten, Diskussionen und Aktionen ein.

Eine Biografie im Zeichen des Friedens

Aufgewachsen in einem christlich engagierten Elternhaus in Leipzig, war Friederike Spengler 14 Jahre alt, als die FriedensDekade 1982 in der Nikolaikirche eröffnet wurde – unter den Augen der Staatssicherheit. Jugendliche wie sie trugen das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ auf der Jacke und nahmen dafür Repressalien in Kauf. Was damals als gewaltloser Widerstand begann, mündete wenige Jahre später in die Friedliche Revolution von 1989, in der die Nikolaikirche eine zentrale Rolle spielte.

„Die FriedensDekade gehört elementar zu meiner Prägung. Ich erinnere mich noch gut, wie wir als Jugendliche für das Logo ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ gestritten und gelitten haben. Diese Erfahrung, dass Glaube und Zivilcourage zusammengehören, motiviert mich bis heute.“

Dr. Friederike F. Spengler

Bevor sie Theologie studierte, arbeitete Spengler als Kinderdiakonin und in der Psychiatrie- und Heilerziehungspflege – Erfahrungen, die ihr Amtsverständnis bis heute prägen. Als Regionalbischöfin und Mitglied der EKD-Synode tritt sie öffentlich dafür ein, die Vision eines gerechten Friedens nicht preiszugeben – auch dann nicht, wenn politische Debatten von Gewaltlogik und Aufrüstung dominiert werden.

„Angesichts der aktuellen Krisen dürfen wir uns nicht mit der Logik der Gewalt abfinden. Wir müssen couragiert widersprechen, wo Hass und Aufrüstung das Wort führen, und stattdessen Räume für Versöhnung schaffen.“

Dr. Friederike F. Spengler

Das Motto der FriedensDekade 2026 lautet: „couragiert widerständig“.

Was ist eine Friedensbotin?

Seit 2020 benennt die Ökumenische FriedensDekade jährlich eine oder mehrere Friedensbotinnen bzw. Friedensboten. Sie unterstützen das Friedensengagement der FriedensDekade mit ihrer Persönlichkeit und ihrem öffentlichen Wirken, geben Impulse für die Aktionswoche und machen das Anliegen der FriedensDekade in Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit sichtbar. Die Rolle löste 2020 die frühere Schirmherrschaft ab, die u. a. von Margot Käßmann (2010–2012) und Malu Dreyer (2017) wahrgenommen worden war. Friedensbotinnen bzw. Friedensboten waren bisher unter anderem der Liedermacher Konstantin Wecker und Lioba Meyer, Kinderbuchautorin und ehemalige Bürgermeisterin von Osnabrück.

Spendenaufruf FriedensDekade 2026
Mit Ihrer finanziellen Unterstützung zünden wir jedes Jahr aufs Neue das Friedenslicht im November an
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