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Schlagwort: FriedensDekade 2026

Rita Süssmuth ist tot: Frieden braucht Haltung

Zum Tod einer couragierten, widerständigen Demokratin

Rita Süssmuth | 1. Februar 2026 | Bundestagspräsidentin | CDU | Friedensarbeit | Demokratie

Lesenswert: Der ausführliche Nachruf von Dr. Michael Borchard (Konrad-Adenauer-Stiftung)

Am 1. Februar 2026 starb Rita Süssmuth. Sie wurde 88 Jahre alt. Mit ihr verliert Deutschland eine Stimme, die weit über Parteigrenzen hinaus gehört wurde. Viele Nachrufe würdigen sie jetzt als Bundestagspräsidentin, als Pionierin der Gleichberechtigung, als streitbare Christdemokratin. Alles richtig. Aber auch für die Friedensarbeit lohnt ein genauerer Blick. Auf eine Frau, die Frieden nicht als fertigen Zustand verstand, sondern als ständige Aufgabe demokratischer Verantwortung.

Rita Süssmuth war keine Friedenspolitikerin im klassischen Sinn. Sie hat keine Abrüstungsverträge verhandelt und keine Friedensmärsche angeführt. Trotzdem steht ihre Lebensleistung beispielhaft für ein Friedensverständnis, das heute dringlicher ist denn je. Frieden als Ergebnis von Menschenwürde, Gerechtigkeit, Dialog. Und als Widerstand gegen Angst und Ausgrenzung.

Das Motto der ökumenischen FriedensDekade 2026 lautet „couragiert widerständig“. Diese Beschreibung passt auf wenige Politikerinnen so genau wie auf Rita Süssmuth. Nicht weil man ihr das nachträglich zuschreibt. Sondern weil sie genau so gelebt hat.

Couragiert: Die Stimme erheben, wenn es unbequem wird

Rita Süssmuth trat erst 1981 in die CDU ein, mit 44 Jahren. Eine klassische Seiteneinsteigerin, bereits Professorin für Erziehungswissenschaften auf dem Höhepunkt ihrer akademischen Karriere. Sie brachte eine eigene Perspektive mit, die nicht immer zu den herrschenden Strömungen ihrer Partei passte. Und das blieb so.

Als Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit (1985 bis 1988) stellte sie sich gegen Mehrheiten in der eigenen Partei, wenn sie Grundwerte in Gefahr sah. In der Asylpolitik, bei Fragen der Gleichberechtigung, im Umgang mit Krankheit und gesellschaftlicher Angst. Helmut Kohl hatte sie auf Vorschlag von Heiner Geißler ins Kabinett geholt. Er wusste um die wachsende Bedeutung der Familien- und Frauenpolitik und wollte wählende Frauen an die CDU binden. Das heißt aber nicht, dass Süssmuth sich dem Kanzler verpflichtet fühlte. Ihre eigenen politischen Wege ging sie trotzdem.

Die AIDS-Krise der 1980er Jahre zeigt das besonders deutlich. Während andere in ihrer Partei, nicht zuletzt Peter Gauweiler, eine Meldepflicht für AIDS-Kranke forderten und über Zwangsmaßnahmen diskutierten, widersetzte sich Süssmuth konsequent. Sie ließ sich intensiv informieren, erhöhte die Mittel für die Forschung und startete eine Aufklärungskampagne. Ihr Satz wurde legendär:

„Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Infizierten.“

Das ist bis heute ein Lehrstück für menschenwürdige Politik. Und ein deutliches Nein zu struktureller Gewalt, Stigmatisierung und Angstpolitik. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken würdigte bei Süssmuths Tod:

„Sie setzte auf Aufklärung statt Stigmatisierung und damit auf Menschlichkeit sowie wissenschaftliche Evidenz.“

Diese Haltung war kein taktisches Kalkül. Sie war Ausdruck einer tiefen Überzeugung, gespeist aus ihrem Glauben. Ein liberaler Katholizismus, so beschreibt es der Nachruf der Konrad-Adenauer-Stiftung,

„der den Menschen in seiner Freiheit, aber auch seinem Streben nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt“.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, würdigte sie als „engagierte Christin und herausragende Politikerin“, deren Engagement überzeugt vom christlichen Menschenbild gewesen sei.

Krisenfest war sie auch vorher schon gewesen. Wenige Monate nach ihrem Amtsantritt als Ministerin 1985 kam der Reaktorunfall in Tschernobyl. Von jetzt auf gleich lastet ihr eine Schlüsselrolle auf. Sie ruft sofort die Strahlenschutzkommission der Bundesregierung zusammen, lässt sich en detail informieren und sorgt dafür, dass alle Haushalte umgehend über die Gefahren durch erhöhte Strahlenwerte aufgeklärt werden. Eine auffällige, aber selten gesehene Parallele verbindet sie dabei mit Elisabeth Schwarzhaupt, der ersten Bundesministerin überhaupt, die als Gesundheitsministerin mit dem Contergan-Skandal ins kalteste politische Wasser geworfen wurde. Beide bewährten sich.

Widerständig: Standhalten über Jahre und Jahrzehnte

Widerstand bei Rita Süssmuth war selten laut. Er war beharrlich, argumentativ und langfristig angelegt. Sie blieb standhaft, auch wenn der Gegenwind aus den eigenen Reihen kam. Und der kam oft. Aus „lovely Rita“, wie sie manche anfangs nannten, wurde „lonely Rita“. In einem Interview bekannte sie später: „Ich habe Ablehnung in meiner Partei erfahren, ich habe viel Fremdheit empfunden. Es sind so wenige, auf die man sich wirklich verlassen, bei denen man ein offenes Wort wagen kann.“

Der Nachruf von Dr. Michael Borchard beschreibt sie treffend als jemanden, der es verstand, zugleich Störfaktor und Brückenbauerin zu sein. Unbequem, ohne zu verletzen. Klar, ohne zu polarisieren. Es gibt einen alten jesuitischen Leitsatz, der ihre politische Ethik präzise beschreibt:

„Fortiter in re, suaviter in modo“

Klar und kompromisslos in der Sache, verbindlich im Ton. In einer Zeit, in der Lautstärke oft mit Durchsetzungskraft verwechselt wird, blieb Rita Süssmuth widerständig, ohne schrill zu werden. Wer das Glück hatte, sie persönlich kennenzulernen, war vor allem von ihren menschlichen Fähigkeiten fasziniert. Ihre ausgeprägte Liebenswürdigkeit. Ihre wache, ernste und ehrliche Neugierde auf ihr jeweiliges Gegenüber. Ihre Fähigkeit zuzuhören. Eine Bodenständigkeit, die aus ihrer Kinder- und Jugendzeit erwuchs, in der sie mit ihren Schwestern früh Verantwortung bei der Pflege ihrer kranken Mutter übernehmen musste.

Diese Widerständigkeit zeigte sich über Jahrzehnte in ihrem Einsatz für die Gleichberechtigung der Frauen. Sie trat für politische Teilhabe, Quotenregelungen und die Sichtbarkeit weiblicher Stimmen ein, lange bevor diese Themen mehrheitsfähig wurden. Mit ihrem entschiedenen Eintreten für eine Frauenquote in Führungspositionen der CDU schlug sie 1991 in Hannover beim Bundesparteitag ein Kapitel auf, das erst 2024 am gleichen Ort mit dem Einstieg in eine verbindliche Quote geschlossen wurde.

Noch 2023 kritisierte sie, dass der Gesetzesentwurf zur Wahlrechtsreform keine Regelung zur paritätischen Vertretung von Männern und Frauen im Bundestag beinhalte. Sie konstatierte, dass eine demokratische Gesellschaft nicht vollständig sein könne, „wenn die Stimmen der Frauen nicht gehört werden“. Den Frauenanteil von unter 35 Prozent im Deutschen Bundestag empfand sie als hochproblematisch. Das trage dem „Engagement und den Erwartungen der Frauen in keiner Weise Rechnung. Sie werden schlichtweg ignoriert.“

Bundesfamilienministerin Karin Prien würdigte bei Süssmuths Tod: „Bis zuletzt kommentierte sie politisches Zeitgeschehen und ergriff Position in aktuellen Debatten, sie war in bester Weise streitbar und gleichzeitig Brückenbauerin.“ Ihre Stimme wird fehlen, sagte Prien. Das stimmt.

Nicht beugen: Der Bremer Parteitag und das Bundestagspräsidium

1988 berief Helmut Kohl Rita Süssmuth zur Bundestagspräsidentin. Als zweite Frau in diesem Amt, nach Annemarie Renger. Viele dachten damals, das sei eine Art Verschiebebahnhof gewesen. Kohl wollte die unbequeme Ministerin loswerden, die mit ihren Alleingängen zunehmend zum Problem wurde. Ein repräsentatives Amt sollte sie ein Stück weit ruhigstellen.

Das ging gründlich schief. Denn Süssmuth verstand ihr Amt keinesfalls nur repräsentativ, sondern als hochpolitische Plattform. Den Bundestag nannte sie eine „Werkstatt der Demokratie“. Kein Schaufenster, sondern ein Ort der Auseinandersetzung, des Ringens um Lösungen.

1989 gehörte sie zu jenen, die auf dem Bremer Parteitag Helmut Kohl als Parteivorsitzenden stürzen wollten. Der Versuch misslang. Heiner Geißler und Lothar Späth verloren in der Folge ihre Ämter. Rita Süssmuth aber konnte sich mit der Überparteilichkeit ihres Amtes als Bundestagspräsidentin über diese Krise hinwegretten. Ein Rettungsanker, der ihr auch danach ihren politischen Einfluss sicherte.

1998 fiel sie bei der Wahl zum Parteipräsidium durch. Mit der Abwahl Helmut Kohls sank auch ihr eigener politischer Stern. Doch aufgeben war für sie keine Option. Sie zitierte gern Samuel Beckett:

„Scheitern, weitermachen, nochmal scheitern, besser scheitern, weitermachen.“

Und sie hatte ein zweites Lebensmotto, das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Kondolenzschreiben hervorhob: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Diese Maxime prägte ihr Leben bis zuletzt. Auch nach der öffentlichen Bekanntmachung ihrer Brustkrebserkrankung im Juni 2024 blieb sie eine Stimme im politischen Diskurs. Wenige Tage vor ihrem Tod war sie noch bei der Gedenkstunde des Bundestages zum Holocaust-Gedenken anwesend.

Frieden durch Verständigung und persönliche Präsenz

Besonders deutlich wird Rita Süssmuths Friedensverständnis in ihrem Einsatz für internationale Verständigung. Früher als andere erkannte sie die Notwendigkeit der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Das brachte sie in Konflikt mit den Vertriebenenverbänden. Aber sie wusste: In der Transformationszeit des Übergangs auf ein freies Ostmitteleuropa war diese rasche Anerkennung eine schiere Notwendigkeit. Ihr Engagement für die deutsch-polnische Verständigung war Ausdruck eines historischen Bewusstseins, das Frieden nicht dem Zufall überließ. Von 2005 an leitete sie das Deutsche Polen-Institut als Präsidentin.

Ihr Verhältnis zu Israel war geprägt von Solidarität und persönlicher Präsenz. Schon 1990, gemeinsam mit Sabine Bergmann-Pohl, der Präsidentin der letzten frei gewählten Volkskammer der DDR, reiste sie nach Israel. Angesichts der sich abzeichnenden Wiedervereinigung wollten sie dort Ängste vor einem übermächtigen Deutschland nehmen.

1991 folgte sie der Einladung des israelischen Ministerpräsidenten Itzchak Schamir und des Präsidenten Chaim Herzog nach Israel. Ohne jedes Zögern, und das just in jener gefährlichen Zeit, in der irakische Raketen israelische Städte trafen. Niemand wusste damals, was in den Sprengköpfen verborgen war. Sie setzte damit ein starkes Zeichen der Solidarität, das in Israel bis heute nicht vergessen worden ist.

Dieses Zeichen war mehr als Symbolpolitik. Es war ein Akt des Beistehens in Gefahr. Frieden beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen. Genau das hat Rita Süssmuth vorgelebt.

Deutschland als Einwanderungsland: Gegen den Zeitgeist

Vielleicht am mutigsten war Rita Süssmuths Engagement für eine neue Migrationspolitik. Bereits Mitte der 1990er Jahre forderte sie als erste prominente CDU-Politikerin ein klares Bekenntnis: Deutschland ist ein Einwanderungsland und muss sich dieser Realität stellen. Zu einer Zeit, als in ihrer Partei noch das Mantra galt: „Deutschland ist kein Einwanderungsland.“

Als die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 eine Zuwanderungskommission einsetzte, übernahm Süssmuth deren Vorsitz. Sehr zum Unmut ihrer eigenen Partei, die die Mitarbeit in diesem Gremium ablehnte. Der 2001 vorgelegte Bericht begann mit dem programmatischen Satz: „Deutschland braucht Zuwanderinnen und Zuwanderer.“ Diese Kommission, bald nur noch „Süssmuth-Kommission“ genannt, markierte einen Wendepunkt in der deutschen Migrations- und Integrationsgeschichte.

Ihre Arbeit stieß in Teilen der Union auf heftige Ablehnung. Sie ließ sich nicht beirren. Von 2002 bis 2004 leitete sie den Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration, von 2003 bis 2005 arbeitete sie in der UN-Kommission zur internationalen Migration mit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte in seinem Kondolenzschreiben: „Rita Süssmuth hat mutig und maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland sich einer aufgeklärten Einwanderungspolitik öffnete. Integration war ihr ein Herzensanliegen.“

Auch hier zeigt sich: Frieden entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch Integration. Nicht durch Angst vor dem Fremden, sondern durch Aufklärung und Teilhabe.

Demokratie als Friedensarbeit

Vielleicht liegt Rita Süssmuths wichtigste friedenspolitische Leistung in ihrem tiefen Verständnis für die Fragilität demokratischer Ordnungen. Der Nachruf von Dr. Michael Borchard bringt das eindrucksvoll auf den Punkt: Sie wusste, „wie wenig man die Existenz liberaler, freiheitlicher Staatswesen als gegeben hinnehmen kann“.

Demokratie braucht Menschen, die bereit sind, „gegen den zu offensichtlichen Strich zu bürsten“, wie Borchard schreibt. Menschen, die sich gegen erbitterte Widerstände standhaft zeigen, wo nötig auch gegen den gesellschaftlichen oder politischen Mainstream. Menschen, die Gerechtigkeit und ein Umdenken einfordern, ohne deshalb in krampfhafte Ideologie zu verfallen.

Rita Süssmuth war mit Haut und Haaren Demokratin. Im sehenswerten Film „Die Unbeugsamen“ über die Frauen der Bonner Republik, an dessen Premiere sie selbst teilgenommen hatte, war sie eine der geachteten Hauptfiguren. Der Titel passt. Beugen musste sie sich am Ende nicht der Politik, sondern der Krankheit und dem Tod. Erst 2020 im Falle ihres Ehemannes Hans, den sie seit dem Abitur kannte. Und nun, wenige Wochen vor ihrem 89. Geburtstag, in ihrem eigenen Fall.

Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte sie als „Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen“. Bundespräsident Steinmeier schrieb: „Rita Süssmuth ist stets vorweg gegangen, war Vordenkerin, Vorkämpferin und Vorbild.“

Ein Vermächtnis für die Friedensarbeit

Rita Süssmuth verkörperte eine Haltung, die heute schmerzlich fehlt. Mut ohne Lautstärke, Widerstand ohne Verbitterung, Klarheit ohne Ausgrenzung. Ihr Leben erinnert daran, dass Frieden nicht dort beginnt, wo Konflikte enden, sondern dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen.

Für die FriedensDekade bleibt sie eine wichtige Referenzfigur. Nicht als Ikone, sondern als Ermutigung. Haltung zeigen. Brücken bauen. Standhaft bleiben. Die ökumenische FriedensDekade 2026 steht unter dem Motto „couragiert widerständig“. Rita Süssmuths Leben zeigt, was dieses Motto konkret bedeuten kann. Widerstand aus Gewissen, Mut aus Glauben, Beharrlichkeit aus Überzeugung.

Oder, mit ihren eigenen Worten und ihrem Leben gesprochen: Frieden braucht Menschen, die sich nicht beugen. Weder dem Zeitgeist noch der Angst. Ihr Andenken verpflichtet.

Weiterführende Informationen

Ausführlicher Nachruf: Dr. Michael Borchard, Konrad-Adenauer-Stiftung: „Rita Süssmuth – eine unbeugsame ‘Demokratin mit Haut und Haaren’“

Film: „Die Unbeugsamen“ (2021) – Dokumentarfilm über Frauen der Bonner Republik

Archiv: Teile des persönlichen Nachlasses von Rita Süssmuth werden im Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung verwahrt

Ökumenische FriedensDekade 2026

Die ökumenische FriedensDekade findet jährlich in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag im November statt. Das Motto 2026 „couragiert widerständig“ lädt Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen ein, konkrete Wege des gewaltfreien Widerstands zu erkunden.

Unterstützen Sie die ökumenische FriedensDekade und kirchliche Friedensarbeit durch Spenden und den Kauf von Materialien. Besonders empfehlen wir den Friedenskompass 2026, der ab Februar 2026 ausgeliefert wird und praktische Impulse, Texte und Gebete zum Jahresmotto bietet.

 

Wöchentliche Friedensgebete gestalten: Der neue Friedens-Kompass 2026 als liturgischer Begleiter

Viele Kirchengemeinden und Friedensgruppen stehen vor derselben Herausforderung: Wie lässt sich das wichtige Anliegen der Friedensarbeit über die zehn Tage der ökumenischen FriedensDekade im November hinaus im Gemeindeleben verankern? Der Wunsch nach Material für regelmäßige, wöchentliche Friedensgebete, die das aktuelle Jahresmotto aufgreifen, wurde in den letzten Jahren immer lauter.

Mit dem neuen „Friedens-Kompass 2026: couragiert widerständig“ reagiert die Redaktion der FriedensDekade direkt auf diese Bedürfnisse. Das Heft, das ab sofort vorbestellt werden kann und im Februar versendet wird, ist weit mehr als eine Materialsammlung: Es ist ein geistliches Werkzeug für ein ganzes Jahr voller Gebet und Aktion.

Ein lebendiges Archiv: Bewährte Gebete für die Herausforderungen von heute

Anstatt das Rad jedes Jahr neu zu erfinden, nutzt der Friedens-Kompass die immense theologische Tiefe der letzten 25 Jahre. Wir haben die kraftvollsten Impulse und Gebete aus den Jahren 2004 bis 2025 ausgewählt und sie in einen neuen, aktuellen Kontext gestellt. Diese Texte haben nichts von ihrer Relevanz verloren, im Gegenteil: Sie entfalten in der heutigen Zeit eine neue, oft prophetische Kraft.

Beispiel: Die Gewissensfrage in der Wehrpflicht-Debatte

Wie aktuell dieser Rückgriff auf bewährte Texte ist, zeigt das Thema Gewissensfreiheit und Kriegsdienstverweigerung. Angesichts der gegenwärtigen Debatten um eine neue Wehrpflicht oder Dienstpflicht stehen viele junge Menschen vor existenziellen Fragen.

Im Friedens-Kompass widmen wir diesem Thema eine eigene Etappe:

Die Courage-Phase: Wir nutzen einen Impuls zur Gewissensbildung, um Mut zu machen, die eigene Stimme zu finden. Wo erfordert es heute Courage, sich nicht von einer Logik der militärischen Stärke vereinnahmen zu lassen?

Die Widerstands-Phase: Wir vertiefen die Frage der Standhaftigkeit. Wie leisten wir widerständig Beistand für diejenigen, die aus Gewissensgründen „Nein“ sagen?

Der digitale Mehrwert: Ein integrierter QR-Code führt direkt zu den aktuellsten Beratungsangeboten der EAK (Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden) aus dem Jahr 2025.

Ihre Bestellung als Signal für die Zukunft

Dieses Format ist ein Pilotprojekt und gleichzeitig der erste Schritt auf einem großen Weg: Wir blicken bereits heute auf das 50. Jubiläum der ökumenischen FriedensDekade im Jahr 2030. Unser Ziel ist es, bis dahin ein umfassendes ökumenisches Friedens-Gebetsbuch zu entwickeln.

Ihre Vorbestellung zum jetzigen Zeitpunkt ist daher entscheidend. Sie geben uns damit die Rückmeldung, ob dieses Format Ihre Wünsche nach kontinuierlichem Material trifft. Wir laden Sie ein, Teil dieser Pilotphase zu werden und die Friedensarbeit in Ihrer Gemeinde nachhaltig zu stärken.

Fairer Preis für couragierte Gemeinden

Wir möchten die Arbeit in den Kirchengemeinden und Friedensgruppen bewusst unterstützen und fördern. Daher haben wir die Preise so gestaltet, dass eine Ausstattung ganzer Gruppen und Kreise unkompliziert möglich ist:

1 Stück: 2,00 €

5 Stück: 8,00 € (nur 1,60 €/Stk.)

15 Stück: 19,00 € (nur 1,33 €/Stk.)

50 Stück: 45,00 € (nur 0,90 €/Stk.)

(Preise zzgl. Versandkosten)

Warum der Friedens-Kompass 2026 in Ihr Friedensgebet gehört:

Struktur für das Kirchenjahr: 22 fertig ausgearbeitete Einheiten nach dem 11+11 Prinzip (Courage & Widerstand).

Liturgische Sicherheit: Mit Lesungen, Psalm-Vorschlägen und Liedern aus dem EG und GL.

Aktualität: Digitale Schnittstellen (QR-Codes) zu Podcasts, Videos und aktuellen Friedens-Themen 2025/2026.

Gemeinschaft: Werden Sie Teil des bundesweiten Mosaiks, das an vielen Orten zur gleichen Zeit die gleichen Anliegen vor Gott bringt.

Bestellen Sie jetzt vor, der Versand erfolgt ab Februar 2026. Sichern Sie sich Ihre Exemplare für Ihre Friedensgruppe oder den Schriftenstand Ihrer Gemeinde und helfen Sie uns, die Vision eines umfassenden Friedens-Gebetsbuches für 2030 Wirklichkeit werden zu lassen.

Couragiert widerständig: Als Hitler aus der Weihnachtskrippe verschwand

Das Motto der FriedensDekade 2026: Ein Akt des stillen Widerstands im Saarland 1935

Autorin: Dr. Pascale Jung, Fachreferentin Ökumene

Zur Aktualität des Mutes

Das Motto der kommenden Ökumenischen FriedensDekade 2026 lautet couragiert widerständig. Dieses Motto ist ein Aufruf zur Haltung in einer Welt, die von Polarisierung und militärischen Reflexen geprägt ist. Doch die Notwendigkeit von Mut und Gewissen ist nicht neu.

Gerade die Weihnachtszeit erinnert uns daran, dass der Ruf nach Frieden oft im Stillen beginnt. Die folgende historische Begebenheit, die sich 1935 im Saarland zutrug, zeigt auf beeindruckende Weise, wie ein kleiner, aber entscheidender Akt des Widerstands die Botschaft des Friedensfürsten in politisch dunklen Zeiten verteidigte. Sie liefert damit eine zeitlose Blaupause für unser Motto couragiert widerständig.

Couragiert und widerständig gegen Hitler in der Weihnachtskrippe

Saarland 1935. Nach dem ersten Weltkrieg war das Saargebiet unter Völkerbundverwaltung gestellt worden. Im Januar hatten die Saarländer:innen mit riesiger Mehrheit für die Rückgliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich entschieden. Die Bischöfe Franz Rudolf Bornewasser aus Trier und Ludwig Sebastian aus Speyer riefen bei der Saarabstimmung offen zur Stimmabgabe für Nazi-Deutschland auf.

Im Dezember wurde das erste Weihnachten unter der nationalsozialistischen Regierung gefeiert. Auf den ersten Blick war alles wie früher. In vielen Kirchen standen Krippendarstellungen. Josef und Maria, das Christkind, Ochs und Esel, die Hirten.

Die Krippe im politischen Zeitgeschehen

Doch in einem kleinen Dorf im nördlichen Saarland wird die Krippenszene noch erweitert.

Von links rückt das deutsche Heer vorbei an einer Gruppe mit dem Führer und anderen Personen des politischen Zeitgeschehens zur Krippe hin. Die Krippe sollte so in das Zeitgeschehen hineingestellt werden. Aufgestellt wurden die Figuren von einem nationalsozialistischen Pfarrer.

Es gab viel Diskussion darum, was der Führer in der Krippe zu suchen hätte, aber die Weihnachtstage vergingen und Hitler und das deutsche Heer marschierten immer noch stramm auf die Krippe zu.

Der Diebstahl des Kriegshetzers

Doch eines Tages nach Neujahr 1936 war die Hitlerfigur plötzlich verschwunden. Diebstahl in der Kirche und zudem die Figur des Führers! Die Ermittlungen begannen und bald war klar, dass der Täter ein junger Theologiestudent war, der sich auf Weihnachtsurlaub bei seinen Eltern befand. Er wird verurteilt und bekommt für den Fall, dass er einmal Priester im Saarland wird, schon vorsorglich die Befugnis entzogen, Religionsunterricht zu erteilen.

Diese Geschichte habe ich vor vielen Jahren gelesen. Immer wieder um die Weihnachtszeit fällt sie mir wieder ein.

Ein Mensch, der couragiert handelt, der weiß, was ihm blühen kann, wenn er erwischt wird, der aber seinem Gewissen folgt, der stillen Widerstand leistet. Er hat den Kriegshetzer aus der Krippe des Friedensfürsten herausgeholt. Er hat ihn herausgeholt aus der Schar der Engel, die singen „Friede auf Erden den Menschen“.

Auch in unserer Zeit braucht es Menschen, die ihrem Gewissen folgen, und manchmal mit kleinen Gesten und Handlungen gegen die Strukturen kämpfen, die wenig mit Menschlichkeit und Nächstenliebe zu tun haben, die sich einsetzten, dass die Botschaft des menschgewordenen Gottes wahr wird: „Ich liebe dich, du Welt und du Mensch“. (Karl Rahner)

Das Erbe des stillen Widerstands

Die Tat des jungen Theologiestudenten erinnert uns daran, dass der Ruf nach Frieden stets dort beginnen muss, wo unsere Werte bedroht werden. Sein Handeln, damals als krimineller Akt verfolgt, ist heute ein leuchtendes Beispiel für das, was couragiert widerständig bedeutet.

Lassen Sie uns in der heutigen Zeit, in der die Stimmen für Aufrüstung und Polarisierung laut sind, unserem Gewissen folgen. Die Ökumenische FriedensDekade lädt alle ein, Teil dieses stillen, aber wirkungsvollen Widerstands zu sein. Finden Sie in der Weihnachtszeit und darüber hinaus Ihre eigene Form der mutigen Haltung.

Für Frieden couragiert widerständig.

EINLADUNG: Schreibwerkstatt 2026: Werden Sie couragiert widerständig!

Jetzt schnell anmelden: Gestalten Sie die Friedensgebete der Ökumenischen FriedensDekade 2026 mit – Plätze sind erfahrungsgemäß schnell vergriffen.

Haben Sie Erfahrungen mit Friedensarbeit in Ihrer Gemeinde? Gestalten Sie möglicherweise selbst Friedensgebete? Dann laden wir Sie herzlich ein, aktiv zum Gelingen der Ökumenischen FriedensDekade 2026 beizutragen und Ihre Stimme einzubringen!

Aufgrund der großen Nachfrage und der schnellen Ausbuchung im vergangenen Jahr empfehlen wir dringend eine frühzeitige Anmeldung!

Ihr Beitrag zum Motto „couragiert widerständig“

Wir suchen 10 bis 15 Teilnehmende für unsere Schreibwerkstatt 2026 vom 30. Januar bis 1. Februar 2026 in Hatten (Niedersachsen).

Gemeinsam werden wir uns dem Motto „couragiert widerständig“ widmen. Im Schreiben, Hören und Austauschen entstehen Meditationen, Kurzandachten und Gebete, die später die Grundlage für das Gebets-Leporello 2026 und die peace and pray App bilden.

Das erwartet Sie in der Schreibwerkstatt:

  • Biblische Grundlage: Gemeinsames Suchen und Zusammenstellen passender Bibelstellen zum Thema Widerstand und Courage.

  • Kreatives Verfassen: Zeit zum Verfassen eigener Texte und zum gegenseitigen Vorstellen und Besprechen der Ergebnisse.

  • Spannende Exkursion: Wir tauchen tief in das Motto ein, indem wir Zeitzeugen der Auseinandersetzung um die Namensgebung der Universität Oldenburg nach Carl von Ossietzky treffen. Hier wird erlebbar, was couragiert widerständig in der Praxis bedeutet.

Organisation und Anmeldung

Datum Freitag, 30. Januar 2026 (bis 16:00 Uhr) – Sonntag, 1. Februar 2026 (ca. 13:00 Uhr)
Ort Evangelische Gästehäuser in Hatten
Kosten Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung werden von der FriedensDekade übernommen. Fahrtkosten werden zum Teil erstattet (bitte kostengünstig anreisen).
Anmeldeschluss 12. Januar 2026 (Aufgrund hoher Nachfrage bitten wir um zeitnahe Anmeldung!)
Anmeldung & Kontakt Bitte senden Sie Ihre Anmeldung per E-Mail an: friedensdekade@roesch-metzler.de (Bitte besondere Wünsche wie vegetarisches Essen angeben.)

Unterstützung ohne Teilnahme: Ihre Spende macht es möglich

Sie können an der Schreibwerkstatt nicht persönlich dabei sein, finden dieses Engagement aber unterstützenswert? Die Ökumenische FriedensDekade ist auf Spenden angewiesen, um die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die Durchführung von Exkursionen für unsere ehrenamtlichen Schreiberlinge zu übernehmen.

Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie, dass die Texte für das Leporello entstehen können und die Botschaft couragiert widerständig bundesweit verbreitet wird.

Couragiert widerständig: Junge Menschen ringen öffentlich um Frieden

Ökumenische FriedensDekade 2026 im Spannungsfeld von Wehrdienst, Gewissensfreiheit und zivilem Widerstand

Am 5. Dezember 2025 haben Zehntausende Schülerinnen und Schüler in vielen Städten Deutschlands öffentlich ihre Sorge und ihren Widerspruch gegen die geplante Reform des Wehrdienstes zum Ausdruck gebracht. Anlass war die abschließende Abstimmung des Deutschen Bundestages über ein Gesetz, das ab 2026 eine verpflichtende Musterung vorsieht. Die Proteste waren vielfältig, regional sehr unterschiedlich geprägt und Ausdruck eines breiten gesellschaftlichen Ringens um Sicherheit, Verantwortung und Frieden. (Quelle u. a.: Hamburger Abendblatt)

Dieses Ringen berührt den Kern des Mottos der Ökumenischen FriedensDekade 2026: couragiert widerständig.

Widerständig sein heißt: Fragen stellen, nicht verstummen

Viele der beteiligten Jugendlichen verstehen ihren Protest als Ausdruck demokratischer Teilhabe und als ernsthafte Gewissensentscheidung. Sie fragen, welche Formen von Sicherheit unserer Gesellschaft wirklich dienen und ob militärische Logiken die richtigen Antworten auf die Krisen unserer Zeit sind.

Andere erleben dieselben Proteste kritisch oder distanziert, sei es wegen ihrer Form, ihrer Sprache oder ihrer politischen Zuschreibungen. Auch diese Wahrnehmungen gehören zur Realität unseres Landes.

Aufkleber gibt es im Friedensdekade Webshop

Lernen zwischen Schule, Staat und Gewissen

In einigen Regionen reagierten Schulbehörden mit dem Hinweis auf unentschuldigte Fehlzeiten. Damit wurde sichtbar, wie junge Menschen zwischen schulischen Pflichten, politischer Bildung und persönlichem Gewissen stehen. Für viele Jugendliche ist diese Erfahrung prägend: Demokratie wird nicht nur im Unterricht behandelt, sondern im eigenen Handeln erprobt und ausgehandelt.

Couragiert widerständig zu sein bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, einfache Antworten zu geben, sondern Widersprüche auszuhalten und Verantwortung bewusst zu übernehmen.

Kritik und Zivilcourage: Warum die Jugend Widerstand leistet

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) würdigte die Courage der Protestierenden, betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit der Verteidigungsfähigkeit. Die FriedensDekade akzeptiert diese Anerkennung der Courage, lenkt den Fokus aber um: couragiert widerständig bedeutet, diese Energie in die Stärkung ziviler Strukturen zu investieren.

„Wir sollen für Deutschland kriegstauglich werden, doch was ist mit unserem Recht, in Frieden zu leben?“, fragte Phil Werring aus Münster.

Berichte, wie die eines Ex-Soldaten, der wegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit aus der Truppe austrat, unterstreichen die Diskrepanz zwischen dem idealisierten Bild und der Realität. Die Jugendlichen fordern daher mehr Geld für Bildung und Soziales statt für Aufrüstung und sehen in der Wehrpflicht einen falschen Weg.

Frieden braucht Haltung und Dialog

Die aktuellen Debatten zeigen, wie sehr unser Land nach Orientierung sucht. Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Er wächst dort, wo Menschen den Mut haben, Fragen zu stellen, Grenzen zu benennen und zugleich im Gespräch zu bleiben.

Die Ökumenische FriedensDekade 2026 lädt Gemeinden, Schulen, ökumenische Kreise und Initiativen ein, diesen Weg mitzugehen: nachdenklich, widerständig, dialogbereit.

Motto 2026: Den couragierten Widerstand begleiten

Die Ökumenische FriedensDekade 2026 wird diesen couragierten Widerstand begleiten. Unser Auftrag ist es, die Haltung der jungen Menschen zu unterstützen:

Räume der Auseinandersetzung ermöglichen: Wir unterstützen Foren für die Gewissensbildung und die Entscheidungsfindung der Jugendlichen.

Sichtbarkeit von Alternativen stärken: Wir helfen dabei, KDV-Beratung, Friedensbildung und zivile Konfliktlösung sichtbar zu machen.

Gemeinsames Handeln fördern: Wir ermutigen Gemeinden und Schulen, Friedenskompetenz aktiv zu lehren.

Wir stärken den Mut, Nein zur militärischen Logik zu sagen, um das Ja zu Frieden, Recht und Gerechtigkeit neu und gemeinsam zu entdecken. Damit festigen wir das Mosaik des Friedens, das durch die couragierte Haltung jedes Einzelnen in unserem Land entsteht.

Vertiefende Lektüre:

Weitere Informationen zum Schulstreik finden Sie hier:

Bleiben Sie couragiert widerständig!

Der couragierte Widerstand der jungen Generation zeigt uns den Weg: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern braucht unsere aktive Haltung.

Die FriedensDekade braucht Sie!

Um die Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade 2026 unter dem Motto couragiert widerständig auch im nächsten Jahr kraftvoll fortsetzen zu können, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung:

Kaufen Sie Materialien: Mit jeder Bestellung in unserem Online-Shop (Karten, Symbole) unterstützen Sie unsere finanzielle Basis und senden aktiv ein Friedenszeichen.

Spenden Sie: Ihre Spende oder Kollekte sichert die Planung und Durchführung unserer bundesweiten Friedensarbeit.

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Für Frieden couragiert widerständig.

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