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Schlagwort: Friedensbildung

Couragiert widerständig: Junge Menschen ringen öffentlich um Frieden

Ökumenische FriedensDekade 2026 im Spannungsfeld von Wehrdienst, Gewissensfreiheit und zivilem Widerstand

Am 5. Dezember 2025 haben Zehntausende Schülerinnen und Schüler in vielen Städten Deutschlands öffentlich ihre Sorge und ihren Widerspruch gegen die geplante Reform des Wehrdienstes zum Ausdruck gebracht. Anlass war die abschließende Abstimmung des Deutschen Bundestages über ein Gesetz, das ab 2026 eine verpflichtende Musterung vorsieht. Die Proteste waren vielfältig, regional sehr unterschiedlich geprägt und Ausdruck eines breiten gesellschaftlichen Ringens um Sicherheit, Verantwortung und Frieden. (Quelle u. a.: Hamburger Abendblatt)

Dieses Ringen berührt den Kern des Mottos der Ökumenischen FriedensDekade 2026: couragiert widerständig.

Widerständig sein heißt: Fragen stellen, nicht verstummen

Viele der beteiligten Jugendlichen verstehen ihren Protest als Ausdruck demokratischer Teilhabe und als ernsthafte Gewissensentscheidung. Sie fragen, welche Formen von Sicherheit unserer Gesellschaft wirklich dienen und ob militärische Logiken die richtigen Antworten auf die Krisen unserer Zeit sind.

Andere erleben dieselben Proteste kritisch oder distanziert, sei es wegen ihrer Form, ihrer Sprache oder ihrer politischen Zuschreibungen. Auch diese Wahrnehmungen gehören zur Realität unseres Landes.

Aufkleber gibt es im Friedensdekade Webshop

Lernen zwischen Schule, Staat und Gewissen

In einigen Regionen reagierten Schulbehörden mit dem Hinweis auf unentschuldigte Fehlzeiten. Damit wurde sichtbar, wie junge Menschen zwischen schulischen Pflichten, politischer Bildung und persönlichem Gewissen stehen. Für viele Jugendliche ist diese Erfahrung prägend: Demokratie wird nicht nur im Unterricht behandelt, sondern im eigenen Handeln erprobt und ausgehandelt.

Couragiert widerständig zu sein bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, einfache Antworten zu geben, sondern Widersprüche auszuhalten und Verantwortung bewusst zu übernehmen.

Kritik und Zivilcourage: Warum die Jugend Widerstand leistet

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) würdigte die Courage der Protestierenden, betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit der Verteidigungsfähigkeit. Die FriedensDekade akzeptiert diese Anerkennung der Courage, lenkt den Fokus aber um: couragiert widerständig bedeutet, diese Energie in die Stärkung ziviler Strukturen zu investieren.

„Wir sollen für Deutschland kriegstauglich werden, doch was ist mit unserem Recht, in Frieden zu leben?“, fragte Phil Werring aus Münster.

Berichte, wie die eines Ex-Soldaten, der wegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit aus der Truppe austrat, unterstreichen die Diskrepanz zwischen dem idealisierten Bild und der Realität. Die Jugendlichen fordern daher mehr Geld für Bildung und Soziales statt für Aufrüstung und sehen in der Wehrpflicht einen falschen Weg.

Frieden braucht Haltung und Dialog

Die aktuellen Debatten zeigen, wie sehr unser Land nach Orientierung sucht. Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Er wächst dort, wo Menschen den Mut haben, Fragen zu stellen, Grenzen zu benennen und zugleich im Gespräch zu bleiben.

Die Ökumenische FriedensDekade 2026 lädt Gemeinden, Schulen, ökumenische Kreise und Initiativen ein, diesen Weg mitzugehen: nachdenklich, widerständig, dialogbereit.

Motto 2026: Den couragierten Widerstand begleiten

Die Ökumenische FriedensDekade 2026 wird diesen couragierten Widerstand begleiten. Unser Auftrag ist es, die Haltung der jungen Menschen zu unterstützen:

Räume der Auseinandersetzung ermöglichen: Wir unterstützen Foren für die Gewissensbildung und die Entscheidungsfindung der Jugendlichen.

Sichtbarkeit von Alternativen stärken: Wir helfen dabei, KDV-Beratung, Friedensbildung und zivile Konfliktlösung sichtbar zu machen.

Gemeinsames Handeln fördern: Wir ermutigen Gemeinden und Schulen, Friedenskompetenz aktiv zu lehren.

Wir stärken den Mut, Nein zur militärischen Logik zu sagen, um das Ja zu Frieden, Recht und Gerechtigkeit neu und gemeinsam zu entdecken. Damit festigen wir das Mosaik des Friedens, das durch die couragierte Haltung jedes Einzelnen in unserem Land entsteht.

Vertiefende Lektüre:

Weitere Informationen zum Schulstreik finden Sie hier:

Bleiben Sie couragiert widerständig!

Der couragierte Widerstand der jungen Generation zeigt uns den Weg: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern braucht unsere aktive Haltung.

Die FriedensDekade braucht Sie!

Um die Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade 2026 unter dem Motto couragiert widerständig auch im nächsten Jahr kraftvoll fortsetzen zu können, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung:

Kaufen Sie Materialien: Mit jeder Bestellung in unserem Online-Shop (Karten, Symbole) unterstützen Sie unsere finanzielle Basis und senden aktiv ein Friedenszeichen.

Spenden Sie: Ihre Spende oder Kollekte sichert die Planung und Durchführung unserer bundesweiten Friedensarbeit.

Teilen Sie unsere Artikel: Helfen Sie uns, die Botschaft des couragierten Widerstands zu verbreiten, teilen Sie diesen Artikel in Ihren Netzwerken!

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Für Frieden couragiert widerständig.

„couragiert widerständig.“ Das Motto 2026 im Angesicht der Wehrpflichtdebatte

Ein Impuls von Lars Blume 

Courage als Auftrag: Wie junge Menschen am 5. Dezember 2025 den Geist der FriedensDekade 2026 lebendig machen

Heute, am 5. Dezember 2025, treffen sich zwei entscheidende Perspektiven auf die Zukunft unseres Landes. Im Bundestag wurde die Entscheidung zur Wiedereinführung der Wehrpflicht verabschiedet. Gleichzeitig leben junge Menschen in über 100 Städten den couragierten Widerstand: Mit dem Schulstreik gegen die Wehrpflicht setzen sie ein machtvolles Zeichen. Ihr Handeln ist eine direkte Bestätigung für das Motto der Ökumenischen FriedensDekade 2026: „couragiert. widerständig.“.

Dieses Motto ist keine leere Formel, sondern ein Aufruf, sich den dominanten Narrativen entgegenzustellen. Die Jugend beweist, dass es heute darum geht, nicht nur den Frieden zu wecken (wie es das Motto des Vorjahres nahelegte), sondern ihn aktiv und öffentlich gegen alle Tendenzen der Militarisierung zu verteidigen.

Das Motto der Ökumenische FriedensDekade 2026 lädt ein, über echte Sicherheit nachzudenken: nicht laut gegen Menschen, sondern klar gegen Gewalt; nicht naiv gegenüber Bedrohungen, sondern mutig für Alternativen der Friedensbildung und des zivilen Engagements.

Mut und Motivation: Was treibt die jungen Menschen wirklich an?

Der Schulstreik zeigt eindrücklich: Die junge Generation ist bereit, Haltung zu zeigen. Doch was sind die tatsächlichen Motive, die heute junge Menschen bewegen, sei es zum Protest oder zum Dienst? Der Journalist Ulrich Schnabel beleuchtet in seinem Artikel „Die neuen Freiwilligen“ in der ZEIT (Nr. 52/2025) die komplexen Motive jener, die sich freiwillig für das Militär entscheiden. Schnabel stellt fest, dass die alten, von Hollywood oder der Netflix-Doku Marines transportierten Klischees vom hypermaskulinen Söldnertypen kaum noch tragen.

Die Forschung identifiziert vier soldatische „Archetypen“, deren Motive sich klar unterscheiden:

Der Freiheitskämpfer: Handelt extrinsisch, für ein höheres Ziel wie die Verteidigung der Demokratie.

Der Freiwillige: Handelt intrinsisch, liebt das Abenteuer, den Umgang mit Waffen und die Kameradschaft.

Der Profi: Sieht das Militär pragmatisch als Arbeitgeber mit Karrierechancen, liebt aber die Uniform und Hierarchie.

Der Söldner: Sieht das Militär rein pragmatisch als Job, dem die Umstände relativ egal sind, Hauptsache, das Geld stimmt.

Trotz dieser Kategorien kommt die Bewerberstudie der Bundeswehr zu einem überraschenden Ergebnis, das unsere These des couragierten Widerstands untermauert: Sowohl jene, die den Dienst wählen, als auch jene, die ihn ablehnen, sind überwiegend von Idealismus, Verantwortungsgefühl und dem Wunsch nach Gemeinschaft und Sinn getrieben. Werte wie Rücksicht, Partnerschaft und Eigenverantwortung sind entscheidender als Härte oder Nationalstolz.

Dieser Befund ist zentral für die Arbeit der FriedensDekade 2026. Denn diese tief verwurzelten Friedenswerte tragen auch die Friedensbewegung und sind die Grundlage für unser Motto „couragiert widerständig.“. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob junge Menschen Mut haben. Die Frage ist: Welche Vision von Sicherheit bietet unsere Gesellschaft und wohin lenkt sich ihre Courage?

Diesen und viele weiterer Artikel finden Sie in unserem Onlineshop

Was bedeutet Widerständigkeit im Kontext der Friedensarbeit?

Widerstand im Sinne des Mottos „couragiert. widerständig.“ ist eine aktive, gewaltfreie Haltung. Wir setzen einen widerständigen Impuls gegen:

Gesellschaftlichen Druck und Polarisierung: Wir stellen uns gegen die Tendenz, Krieg als alternativlos hinzunehmen und Sicherheit primär militärisch zu denken. Die Fokussierung auf die Wehrpflicht lenkt Ressourcen von der dringenden Stärkung ziviler Konfliktlösung ab.

Mangelnde Beteiligung: Wir wenden uns gegen eine Logik, die 18-Jährige mit Fragebögen konfrontiert, aber zu wenig Räume für Friedensbildung und tiefgehende Gewissensarbeit schafft. Die Geschichte des zivilen Ungehorsams, bezeugt durch die hebräischen Hebammen Schifra und Pua (Exodus 1,15-21), wird zum zentralen Thema der FriedensDekade 2026.

Die entscheidende Frage lautet: Welche Zukunft bauen wir mit diesen jungen Menschen? Eine, die sie in Uniform bringt, oder eine, die sie darin unterstützt, Konflikte konstruktiv und auf Basis ihrer mitgebrachten Friedenswerte zu lösen?

Unser Auftrag 2026: Die Courage für den Frieden stärken

Das Motto „couragiert widerständig.“ ist der Kompass für die Ökumenische FriedensDekade 2026 und leitet uns zu unterstützenden Schritten an:

Räume der Auseinandersetzung ermöglichen: Wir unterstützen die Entstehung von Foren und Diskussionsrunden, in denen junge Menschen ihre Fragen stellen, ihre Gewissensentscheidungen begleiten und ihre Haltung entwickeln können.

Sichtbarkeit von Alternativen stärken: Wir helfen dabei, KDV-Beratung, Friedensbildung und Gewissensarbeit sichtbar zu machen und alternative, zivile Wege zur Konfliktlösung zu stärken.

Gemeinsames Handeln fördern: Wir ermutigen Gemeinden und Schulen, Friedenskompetenz aktiv zu lehren. Unser Ziel ist es, den Mut zu stärken, Nein zu sagen, und das Ja zu Frieden, Recht und Gerechtigkeit neu zu entdecken.

Lasst uns gemeinsam eine widerständige Hoffnung pflegen. Eine Zukunft in der, Waffen und Abschreckung nicht als einzige Alternative verstanden werden. Wir laden Sie ein, sich uns anzuschließen und die FriedensDekade 2026 zu einem starken Signal für den Frieden zu machen.

Bleiben Sie couragiert widerständig!

Der couragierte Widerstand der jungen Generation zeigt uns den Weg: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern braucht unsere aktive Haltung.

Die FriedensDekade braucht Sie!

Um die Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade 2026 unter dem Motto couragiert widerständig auch im nächsten Jahr kraftvoll fortsetzen zu können, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung:

Kaufen Sie Materialien: Mit jeder Bestellung in unserem Online-Shop (Karten, Symbole) unterstützen Sie unsere finanzielle Basis und senden aktiv ein Friedenszeichen.

Spenden Sie: Ihre Spende oder Kollekte sichert die Planung und Durchführung unserer bundesweiten Friedensarbeit.

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Für Frieden couragiert widerständig.

Jetzt das Gesamtpaket der FriedensDekade 2025 sichern: „Komm den Frieden wecken“

Die ökumenische FriedensDekade 2025 rückt näher, und das neue Materialheft ist bereits Ende Juli an alle Abonnent*innen des Gesamtpakets versandt worden! Unter dem kraftvollen Motto „Komm den Frieden wecken“ bietet das Heft vielfältige Impulse für Ihre Friedensarbeit in Gemeinden, Schulen oder Gruppen.

Noch kein Heft erhalten? Bestellen Sie jetzt schnell vor Ihrem Urlaub und freuen Sie sich auf viele inspirierende Anregungen für Ihre Aktion vor Ort. Unser Versandteam der Caritas-Werkstätten ist aktuell im Urlaub und nimmt den regulären Versand ab Mitte August (dann auch täglich) wieder auf.

Ein erster Blick ins Materialheft 2025

Das Heft ist ein Schatz für alle, die Frieden aktiv gestalten möchten. In fünf Kapiteln finden Sie Inspirationen für Gottesdienste, Workshops, Diskussionen und mehr:

Kapitel 1: Anstöße zum Motto
Lernen Sie unsere Friedensbotschafter*innen 2025, Heidrun Kisters und Marcus Vetter, kennen, entdecken Sie die Bildmeditation zum Plakatmotiv, singen Sie das Themenlied „Komm, Frieden, lass dich wecken“ oder nutzen Sie die Bausteine für einen Friedensgottesdienst am 9. November. Besonders empfehlen wir den Film „War and Justice“ von unserem Friedensbotschafter Marcus Vetter, der eindrucksvoll zeigt, wie Gerechtigkeit und Frieden Hand in Hand gehen.

Kapitel 2: Frieden mit Jugendlichen und Erwachsenen
Von Konfi-Einheiten über Planspiele wie „UN im Klassenzimmer“ bis hin zu Debatten über soziale Verteidigung – hier finden Sie Ideen, um junge Menschen und Erwachsene einzubinden.

Kapitel 3: Weckrufe aus Geschichte und Gegenwart
Tauchen Sie ein in die Geschichte der Täuferbewegung, der Bauernkriege, der Ostermärsche oder des Friedensrufs der Ökumenischen Friedenssynode 2025 in Hannover.

Kapitel 4: Welchen Frieden wecken?
Aktuelle Themen wie Aufrüstung, Wehrpflicht, EU-Militarisierung und Friedensmüdigkeit werden kritisch beleuchtet, mit Impulsen für Diskussionen und Aktionen.

Kapitel 5: Anhang
Finden Sie Medienempfehlungen, einen Rückblick auf die FriedensDekade 2024, Infos zu Spenden und den Inhalt des USB-Sticks 2025.

Ergänzende Materialien für Ihre Friedensarbeit

Neben dem Materialheft bieten wir im Shop zahlreiche Begleitmaterialien, die Ihre Aktionen bereichern: Mutmacherkarten, Glückwunschkarten, Aufkleber, Gebetsleporellos und vieles mehr. Der USB-Stick, der dem Gesamtpaket beiliegt oder einzeln bestellt werden kann, enthält zusätzliche Inhalte für Ihre Arbeit vor Ort. Mit praktischen QR-Codes und Links (z. B. via tinyurl.com) gelangen Sie schnell zu ergänzenden Online-Materialien.

Warum jetzt bestellen?

Das Materialheft ist Ihr Begleiter für die FriedensDekade vom 9. bis 19. November 2025. Mit den vielfältigen Begleitmaterialien gestalten Sie Ihre Aktionen noch sichtbarer und inspirierender. Bestellen Sie jetzt, um rechtzeitig vorbereitet zu sein, denn der Versand startet ab Mitte August wieder täglich!

Gemeinsam für den Frieden

Mit Heidrun Kisters und Marcus Vetter als Friedensbotschafter*innen 2025 setzen wir starke Zeichen für eine friedliche Zukunft. Lassen Sie sich von ihren Impulsen und dem Film „War and Justice“ inspirieren, teilen Sie Ihre Veranstaltungen unter kontakt@friedensdekade.de und folgen Sie uns auf Instagram für aktuelle Anregungen.

Im November wecken wir gemeinsam den Frieden und zeigen, wie viele Menschen und Regionen sich für eine friedliche Zukunft einsetzen!

Wehrpflicht oder Friedenspflicht?

Ein Kommentar von Lars Blume zur aktuellen Debatte

Die Diskussion ist zurück: Braucht Deutschland eine neue Wehrpflicht? In einem vielbeachteten Streitgespräch „Wir müssen über die Wehrpflicht reden – jetzt!“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 13. Juli 2025 treffen zwei Positionen aufeinander. Arthur Kießling, 22 Jahre alt, plädiert für einen verpflichtenden gesellschaftlichen Dienst mit militärischer Option. Johannes Zerger, 64 Jahre alt, ehemaliger Zivildienstleistender, warnt eindringlich vor den gesellschaftlichen und menschlichen Konsequenzen. Ihre Argumente gehen über sicherheitspolitische Fragen hinaus. Sie fordern uns heraus, Frieden neu zu denken.

Das Gespräch beginnt mit einer klaren Haltung: Zerger, geprägt durch persönliche und familiäre Erlebnisse vergangener Kriege, lehnt verpflichtenden Wehrdienst ab. Für ihn steht das Selbstbestimmungsrecht im Zentrum. Krieg bleibt menschliches Leid. Kießling hingegen schaut auf die Zukunft Europas: für ihn sind Wehrpflicht oder neue Dienstmodelle Mittel zur Abschreckung und Durchhaltefähigkeit.

Beide Stimmen spiegeln die Debatte wider, die durch dem Bundesverteidigungsminister Pristorius in der Regierung Scholz mit einem „freiwilligen Wehrdienst“ begann, sich unter der Regierung Merz jedoch zunehmend verschärft. Merz hat mehrfach betont, dass allein Freiwilligkeit nicht genügt und dass „we’ll do whatever it takes“ – sogar auf Kredit – investiert wird, um Deutschlands Wehrfähigkeit auszubauen. Ausgaben für Verteidigung und bestimmte sicherheitspolitische Ausgaben ab einer bestimmten Höhe sollen künftig nicht mehr auf die Schuldenregel des Grundgesetzes angerechnet werden. (Bundestag.de 18.03.2025) Zusätzlich soll ein Modell gesetzlich verankert werden, das Pflichtdienste ermöglicht.
(Tagesschau vom 23.06.2025

„Angesichts der Bedrohungen unserer Freiheit und des Friedens
auf unserem Kontinent muss jetzt auch  für unsere Verteidigung gelten: Whatever it takes.“ – Friedrich Merz (ZDFheute 05.03.2025)

Genau dieser Wechsel im Narrativ ist entscheidend: eine Regierung, die bereit ist, Milliarden in Waffen und Personal zu investieren, deren Duktus in Richtung Rüstung statt Frieden geht, fordert uns heraus, genau hinzusehen und zu fragen: Was schützt uns wirklich?

Hinhören statt Hochrüsten

„Wir müssen über Wehrpflicht reden. Jetzt.“ So lautet Kießlings Appell. Angesichts zunehmender Spannungen mit Russland, einer unterbesetzten Bundeswehr und dem Gefühl, dass seine Generation mit zu viel Verantwortung allein gelassen wird, hält er einen verpflichtenden Dienst für notwendig. Zerger hält dagegen: Krieg ist niemals abstrakt. Er bedeutet Blut, Schweiß, Schmerz und Tod. Sein Vater, zweimal verwundet im Zweiten Weltkrieg, überlebte nur knapp. Die Erfahrung prägte seine Familie. Daraus erwuchs ein tiefes Nein zu jeder Form von Dienst, der Menschen gegen ihren Willen in Uniform zwingt.

Gerade in dieser Auseinandersetzung wird deutlich, wie dringend wir wieder Räume brauchen, in denen unterschiedliche Meinungen respektvoll nebeneinander stehen dürfen. Eine konstruktive Streitkultur ist Teil unserer demokratischen Verantwortung. Sie schützt uns davor, militärische Lösungen als alternativlos darzustellen. Statt Hochrüstung brauchen wir eine Kultur des Zuhörens, des Zweifelns, des Suchens. Denn: Frieden beginnt mit dem Gespräch. Und endet dort, wo Menschen zum Mittel militärischer Macht werden.

Was uns dieser Dialog lehrt

Dieses Streitgespräch offenbart eine seltene Qualität: Es ist keine Show, kein Aufrechnen von Parolen sondern ein ehrlicher Versuch, einander zu verstehen. Genau das ist Friedenskultur: Zuhören, Argumente prüfen, Positionen hinterfragen. Demokratie lebt von der Auseinandersetzung, vom Prüfen der Argumente und vom Mut, die eigene Haltung zu hinterfragen.

Auch in der Bibel begegnet uns die Spannung zwischen Freiheit und Sicherheit. Freiheit ist ein Geschenk. Sie ist jedoch kein Freibrief für Gewalt. Biblischer Frieden meint mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er bedeutet Gerechtigkeit, Verantwortung und Respekt vor jedem einzelnen Leben. „Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin“, heißt es im Psalm 139. Und Paulus schreibt im Galaterbrief: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Und er beginnt dort, wo wir uns daran erinnern: Der Mensch steht im Zentrum. Jeder Soldat ist Sohn oder Tochter, Vater oder Mutter. Mensch. Und jedes Leben ist kostbar. In der jüdisch-christlichen Tradition steht klar: „Du sollst nicht töten.“ (2. Mose 20,13). Gewalt darf niemals zur selbstverständlichen Option werden.

Frieden gestalten mit Herz und Haltung

Johannes Zerger fordert, über Alternativen zu sprechen. Ziviler Friedensdienst, Bildungsarbeit, Freiwilligendienste – all das sind Räume, in denen Frieden wachsen kann. Nicht durch Pflicht, sondern durch Überzeugung. Nicht durch Waffen, sondern durch Begegnung.

Auch Arthur Kießling bringt eine wichtige Perspektive ein. Viele junge Menschen fühlen sich überfordert von globalen Krisen und gesellschaftlicher Verantwortung. Auch das sind Stimmen, die gehört werden dürfen.

Doch das Gefühl der Ohnmacht darf uns nicht zu kurzfristigen Reaktionen treiben. Ein verpflichtender Dienst, wie auch immer er ausgestaltet wird, darf nicht zum trojanischen Pferd einer mentalen Kriegstüchtigkeit werden. Sprache schafft Wirklichkeit und Begriffe wie „wehrtüchtig“ oder „Verteidigungsfähigkeit“ zeigen, wie tief die Denklogik von Bedrohung und Gewalt längst wieder salonfähig ist.

Wir dürfen nicht vergessen: Krieg ist kein Mittel gegen Angst. Er schafft neue Wunden. Dialog dagegen heilt. Und Zuhören öffnet Räume.

„Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9)

Frieden braucht viele Stimmen. Viele Wege. Und das Vertrauen, dass Sicherheit mehr ist als Abschreckung – sie beginnt mit Beziehung, mit Herz und Haltung.

Gemeinsam für eine Kultur des Friedens

Stellen Sie sich vor: Jeder Mensch, der diesen Text liest, führt ein Gespräch. Mit Freund*innen, in der Gemeinde, im Schulunterricht. Über Krieg und Frieden, über Wehrpflicht und Würde. Über das, was wir wollen – und was wir niemals wieder zulassen dürfen.

Begleiten Sie mit uns die FriedensDekade unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ vom 9. bis 19. November 2025 – in Schulen, Kirchengemeinden, Initiativen und im Alltag. Nutzen Sie unsere Materialien im Shop oder als Download, gestalten Sie Andachten, teilen Sie Lieder und Geschichten.

Ein besonders bewegender Impuls: das Lied „Nein meine Söhne geb ich nicht “ von Reinhard Mey & Friends. Es ist mehr als ein musikalisches Statement, es ist eine Erinnerung an das, was zählt: das Leben. Die Menschlichkeit. Und die ungebrochene Hoffnung auf eine gewaltfreie Zukunft.

Gemeinsam machen wir Frieden hörbar. Mit Stimme, Haltung und Glauben.

Mit Schulen den Frieden wecken – Projekte und Impulse für die FriedensDekade 2025

Gemeinsam den Frieden wecken – Mitmach-Tipps der FriedensDekade

Die FriedensDekade 2025 ruft auf: „Komm den Frieden wecken!“
In sechs Etappen geben wir konkrete Impulse, wie Sie als Gruppe, Einrichtung oder Einzelperson ein sichtbares Friedenszeichen setzen können – mit Ihrer Stimme, Ihrer Kreativität, Ihrer Präsenz vor Ort. Heute richten wir uns an Schulen und Klassen, denn die Friedensbildung beginnt dort, wo junge Menschen täglich zusammenkommen, Fragen stellen – und Haltung entwickeln.

Friedensbildung an Schulen – Verantwortung im Klassenzimmer

Schulen sind mehr als Lernorte: Sie sind Lebensräume. Orte der Begegnung, des Austauschs und des Zusammenhalts. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Polarisierung, Konflikte und Zukunftssorgen viele Kinder und Jugendliche beschäftigen, bietet die FriedensDekade einen Rahmen, um sich kreativ, kritisch und aktiv mit dem Thema Frieden auseinanderzusetzen – im Klassenzimmer, auf dem Schulhof oder digital.

Friedensbildung stärkt demokratische Werte, soziale Kompetenzen und fördert die Fähigkeit, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Und sie zeigt: Jede*r kann etwas bewegen – im Kleinen wie im Großen.

Mitmach-Tipps für Schulen und Klassen – Vielfalt, Tiefe, Wirkung

Ob als Projektwoche, einzelne Aktion oder fächerübergreifende Unterrichtseinheit – jede Schule findet ihren Weg, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Hier sind einige Impulse, die sich einfach umsetzen und mit Tiefe gestalten lassen:

1. Friedens-Tag an der Schule
Ein ganzer Tag im Zeichen des Friedens: Klassen gestalten Workshops, Ausstellungen, Theaterstücke oder Musikbeiträge. Denkbar sind z. B. Themenstationen zu gewaltfreier Kommunikation, globalem Lernen, Friedenssymbolen oder Antidiskriminierung. Der Tag kann mit einer gemeinsamen Friedensaktion enden – etwa dem Pflanzen eines „Baums des Friedens“, einem Open Mic auf dem Pausenhof oder einem Schul-Rundgang mit Friedenszitaten.

2. Kreativwerkstatt: Frieden sichtbar machen
Ob Wandzeitung, Podcast, Videobeitrag, Schulradio oder Instagram-Reel – Schülerinnen setzen sich kreativ mit dem Motto „Komm den Frieden wecken“ auseinander. Wichtig: Inhalte dürfen von ihnen selbst entwickelt und gestaltet werden. So wird aus Lernen eigenes Handeln.
Besonders wirkungsvoll sind Beiträge, die lokal wirken: Interviews mit Passantinnen, Statements aus der Schulgemeinschaft, Umfragen oder Straßenaktionen.

3. Friedensbrief-Projekt – Schreiben statt Schweigen
Klassen schreiben Friedensbriefe – an Politiker*innen, an fiktive Personen in Kriegsgebieten, an zukünftige Generationen oder an sich selbst. Diese Briefe können ausgestellt, in einer Lesung geteilt oder auch postalisch verschickt werden. In Kombination mit Deutsch- oder Ethikunterricht entsteht so ein tiefgreifender Zugang zum Thema Verantwortung, Empathie und Zukunft.

4. Klassenaktion: Eine Stunde für den Frieden
Eine symbolische Stunde pro Woche wird bewusst dem Frieden gewidmet – durch Gesprächsrunden, Lesungen, Achtsamkeitsübungen, Gruppenspiele oder gemeinsame Meditation. Lehrkräfte begleiten den Prozess als Ermöglichende. So entstehen Rituale des Innehaltens und Verbindens.

5. Friedensprojekt über Fächer hinweg
Frieden ist ein Querschnittsthema: In Geschichte kann z. B. über Friedensverträge gesprochen werden, in Biologie über Konfliktvermeidung im Tierreich, in Mathe über weltweite Militärausgaben. Nutzen Sie das Thema als verbindende Klammer für eine projektbasierte Lernwoche – inkl. Präsentationen, Ausstellungen oder einer Abschlussveranstaltung.

Warum Friedensbildung in Schulen zählt

Friedensbildung ist Demokratiebildung. Sie stärkt Kinder und Jugendliche darin, eigene Haltungen zu entwickeln, kritisch zu denken und mit anderen friedlich zusammenzuleben. Gerade in Schulen kann der Samen für eine friedensfähige Gesellschaft gelegt werden. Die FriedensDekade 2025 bietet einen inspirierenden Anlass, diesen Weg zu gehen – mit vielfältigem Material, guter Sichtbarkeit und einem starken Netzwerk.

Materialien für Ihre Schulaktion

Ein umfangreiches Paket unterstützt Sie bei der Umsetzung:

Ideenheft mit Anleitungen & Hintergrundwissen

Friedensliederbuch mit Liedern aus aller Welt

Plakate, Banner, Aufkleber, Postkarten

Online-Materialien für Unterricht und Aktion

Texte für Elternbriefe oder Pressearbeit

Alles unter: www.friedensdekade.de/shop

Mitmachen ist einfach – Ihre Aktion zählt

1. Idee finden – Was passt zu Ihrer Schule oder Klasse?

2. Material nutzen – Online oder im Shop erhältlich.

3. Aktion anmelden – Für unseren Aktionskalender (optional): kontakt@friedensdekade.de

4. Teilen Sie Ihr Zeichen – unter dem Hashtag #friedensdekade2025

Jetzt mitmachen und gemeinsam den Frieden wecken!

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