• Startseite
  • Impulse
  • „Wer für Gerechtigkeit sorgen will, muss Frieden fördern und umgekehrt.“ (von Martina Basso, Berlin)
26. Oktober 2020

„Wer für Gerechtigkeit sorgen will, muss Frieden fördern und umgekehrt.“ (von Martina Basso, Berlin)

Drei Kinder sollen sich einen Kuchen teilen. Das erste Kind schlägt vor, ihn in drei gleich große Stück zu teilen (Gleichheit). Das zweite Kind möchte mehr als die anderen, weil es als einziges nicht zu Mittag gegessen hat (Grund-Bedürfnisse müssen befriedigt werden). Das dritte Kind möchte mehr, weil es am Kuchen backen maßgeblich beteiligt war (Leistung). Helfen könnte in so einer Situation ein Perspektivenwechsel, sich in die Lage der jeweils anderen zu versetzen: Wie würde ich es sehen, wenn ich in der Lage des anderen Kindes wäre?

Ich nähere mich aus den drei Blickwinkeln, die auch im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg angesprochen werden (Matthäus 20,1-16), dem Begriff „Gerechtigkeit“, nämlich über Gleichheit, (Grund-)Bedürfnisse und Leistung.

Gleichheit: Immer noch bin ich mir wie als Kind sicher, dass alle Menschen gleich sind. Gleich behandelt werden sie allerdings nur vor/von Gott.

(Grund-)Bedürfnisse: Alle haben ein Recht darauf, dass ihre Grundbedürfnisse abgedeckt werden können – was Grundbedürfnisse sind, ist in der jeweiligen Gesellschaft verhandelbar.

Leistung: Konkurriert häufig mit den beiden anderen Punkten. – Wie auch immer unterschiedliche Leistungen bewertet werden: Grundbedingung ist Fairness.

Wie ist das nun mit dem Kuchen? Auch wenn man sich in die Lage des jeweils anderen hineinversetzen kann, muss das nicht unbedingt zu einer für alle zufriedenstellenden Lösung führen, wenn dennoch alle auf ihrer Position beharren. Vielleicht kann Psalm 85 helfen: „dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen, dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; dass uns auch der HERR Gutes tue, und unser Land seine Frucht gebe; dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.“ (V. 11–14). Da ist etwas Entscheidendes festgehalten: keine Gerechtigkeit ohne Frieden, kein Frieden ohne Gerechtigkeit. Gerechtigkeit und Frieden leben von bzw. in Gleichzeitigkeit – im Psalm als Bild ausgedrückt: Sie küssen einander. Nicht nachgeordnet, nicht eines reduziert als Werkzeug zum Erreichen des anderen, nicht eines die Tugend, das andere ein statischer, utopischer Zustand, schreibt Fernando Enns. Wer für Gerechtigkeit sorgen und die sozialen Spannungen ausgleichen will, muss Frieden fördern und bewahren – und umgekehrt. Und das bedarf all unserer Nächstenliebe, Versöhnungsbereitschaft und unserer Bereitschaft zum Perspektivenwechsel – siehe die Kinder und der Kuchen.

Martina Basso ist Pastorin und Leiterin des Mennonitischen Friedenszentrums Berlin sowie Geschäftsführerin der Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden.

 

Weitere Artikel

Ökumene, “die bewohnte Erde” (von Frieda Wünsch, Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade)

13. September 2022
(aus der FRIEDENS-ZEITUNG) Ich bin Frieda Wünsch, Gesundheits- und Krankenpflegende und Absolventin eines Bachelorstudiums für Pflege. Neben meine…

Über die Rolle privater Stiftungen im weltweiten Gesundheitsgeschehen (ein Kommentar)

13. September 2022
Die Bill-und-Melinda-Gates Stiftung ist die zweitgrößte Geberin von Geldern für Programme der globalen Gesundheit. Gates Äußerung, dass seine Stift…

AUFRUF an die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen 2022 in Karlsruhe

4. September 2022
Die Welt brennt an vielen Orten: Der Klimawandel lässt überall Wälder brennen, Getreide wird verbrannt, das unzählige Menschen vor Hunger bewahren …
0
    0
    Einkaufswagen
    Der Einkaufswagen ist leerZurück zum Shop
      Versand berechnen
      Apply Coupon