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Schlagwort: Zivilcourage

Frieden geht schon heute

Unsere Friedensbotin zum Weltfriedenstag am 21. September

Die Vereinten Nationen haben den 21. September zum Weltfriedenstag erklärt. Ein Tag, der daran erinnert, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist und dass wir ihn immer wieder neu suchen und gestalten müssen.

Für die Ökumenische FriedensDekade 2026 steht dieser Gedanke unter dem Motto „couragiert widerständig“. Unsere Friedensbotin macht in ihrem neuen Video deutlich, was dieses Motto für sie bedeutet: Frieden beginnt nicht erst dort, wo große politische Entscheidungen getroffen werden. Frieden beginnt bei uns. Bei dir und bei mir. In unserem Alltag, in unserer Haltung und in der Bereitschaft, für die Würde anderer einzustehen.

„Frieden ist ein so hohes, so wertvolles Gut, die Voraussetzung für gutes Leben miteinander auf der Erde überhaupt.“

Sie vertraut auf die Kraft ziviler Friedensarbeit, auf Bildung und darauf, dass Menschen sich für Gerechtigkeit einsetzen. Auf die Liebe zum Nächsten und die Achtung vor seiner Würde. Und sie widerspricht der Vorstellung, Frieden könne mit Waffen geschaffen werden.

Armeen können ihrer Ansicht nach Schutzräume bieten, humanitäre Korridore ermöglichen oder Verhandlungen absichern. Frieden selbst aber können sie nicht bringen. Frieden wächst dort, wo Menschen sich couragiert und widerständig für ihn einsetzen.

Als Christin orientiert sie sich dabei an Jesus, dem „Frieden in Person“. Sein Wort aus der Bergpredigt ist für sie zugleich Zuspruch und Auftrag:

„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

Frieden zu suchen, Frieden zu leben und Frieden auszubreiten, das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. Mit Kreativität und Fantasie. Mit der Kraft des Wortes und der Tat. Im persönlichen Umfeld ebenso wie in gesellschaftlichem Engagement.

Auch Musik kann ein solcher Weg sein. In ihrem Frauenchor singt unsere Friedensbotin derzeit das Chorstück „What Is Peace“ von Kim André Arnesen. Das Stück beschreibt Frieden nicht als stillen Zustand und nicht als Abwarten. Frieden ist Aktivität. Er braucht Leidenschaft, Entschlossenheit und den bewussten Willen, sich für ihn einzusetzen.

Frieden ist nichts, worauf wir nur hoffen können. Frieden braucht Menschen, die ihn wollen, suchen und mitgestalten.

Die Ökumenische FriedensDekade lädt in diesem Jahr dazu ein, genau dort anzufangen: couragiert und widerständig, mit offenen Augen und offenen Armen.

Denn Frieden geht schon heute.

Schauen Sie das Video unserer Friedensbotin und lassen Sie sich von ihrer Botschaft inspirieren.

Vom 8. bis 18. November 2026 wird die Ökumenische FriedensDekade bundesweit unter dem Motto „couragiert widerständig“ begangen. Viele Gemeinden, Gruppen und Initiativen setzen sich in diesen Tagen mit Gottesdiensten, Veranstaltungen, Aktionen und Bildungsangeboten für Frieden auseinander.

Machen Sie mit. Setzen auch Sie ein Zeichen für den Frieden.

Bärbel Bohley – DIE KUNST DER UNGEHORSAMKEIT

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der Ökumenischen FriedensDekade: „couragiert widerständig“

„Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen, um sie dann zu übernehmen.“

— Bärbel Bohley, 1991

Bärbel Bohley (Berlin, 1945–2010) war Malerin. Sie lebte in Ost-Berlin, arbeitete in ihrem Atelier und bewegte sich in der unabhängigen Kunstszene. Doch sie wollte nicht nur malen. Die Frage nach Krieg und Frieden ließ sie nicht los. In der DDR wuchs die Militarisierung, und es wurde immer schwieriger, öffentlich zu widersprechen. Bohley tat es trotzdem.

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1104-006 / Thomas Lehmann / CC-BY-SA 3.0

Frauen für den Frieden

1982 gründet Bärbel Bohley gemeinsam mit anderen Frauen die Gruppe „Frauen für den Frieden“. Der Anlass ist ein neues Wehrdienstgesetz, das Frauen im Verteidigungsfall zum Militärdienst verpflichten soll. Am 12. Oktober 1982 übergeben 150 Frauen eine Eingabe an Erich Honecker. Sie fordern eine öffentliche Diskussion und stellen sich gegen die Militarisierung.

Die Evangelische Kirche bietet dafür Räume. Hier treffen sich Friedensgruppen, hier finden Friedensgebete statt. Unabhängige politische Gruppen sind in der DDR nicht erlaubt; wer sich außerhalb staatlich kontrollierter Organisationen organisiert, muss mit Überwachung rechnen. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) erfasst die Gruppe im Operativen Vorgang „Wespen“.

Ende 1983 schlägt die Staatssicherheit zu. Bärbel Bohley wird gemeinsam mit Ulrike Poppe vom 12. Dezember 1983 bis zum 24. Januar 1984 in Untersuchungshaft gehalten. Vorwurf: „Verdacht auf landesverräterische Nachrichtenübermittlung“. Nach internationalen Protesten werden sie freigelassen. Die Folgen bleiben: Ausreiseverbot, Ausstellungsboykott, Ausschluss aus dem Verband Bildender Künstler.

Über die Haftanstalt Hohenschönhausen schrieb sie später:

„Das Personal, ja selbst das Mobiliar war absurd. Alles war bieder, primitiv und simpel, dabei wollten sie doch das ‚Schild und Schwert der Partei‘ sein.“

Frieden braucht Freiheit

Die Frauen für den Frieden sprechen nicht nur über Waffen. Sie sprechen über Wehrunterricht, über Militarisierung, über die Möglichkeit, Nein zu sagen, und über Menschenrechte. Damit verändert sich auch ihr Friedensbegriff: Frieden bedeutet nicht nur, dass keine Waffen eingesetzt werden. Frieden braucht Freiheit. Frieden braucht Menschen, die ihre Meinung sagen können.

1985 gehört Bärbel Bohley zu den Mitbegründerinnen der „Initiative Frieden und Menschenrechte“, die bewusst außerhalb der Kirche agiert. 1988 wird sie erneut verhaftet und genötigt, die DDR zu verlassen. Sie geht nach England, behält ihren DDR-Pass und kehrt im August 1988 zurück. Sie hätte bleiben können. Sie kehrt trotzdem zurück, weil sie will, dass sich dort etwas verändert, wo sie lebt.

1989 und danach

Im September 1989 entsteht in Grünheide der Gründungsaufruf des Neuen Forums: „Aufbruch 89“. Am 4. November spricht Bärbel Bohley vor mehr als einer halben Million Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz. Am 9. November fällt die Mauer.

Bärbel Bohley möchte eine demokratische DDR. Bei der ersten freien Volkskammerwahl im März 1990 erhält das Bündnis 90 2,9 Prozent der Stimmen. Bohleys Vorstellungen setzen sich nicht durch. Aber die Menschen können nun selbst entscheiden. Genau dafür hatte sie gearbeitet.

1990 beteiligt sie sich an der Besetzung der Berliner Stasi-Zentrale und setzt sich für die Zugänglichkeit der Unterlagen ein. Ein Satz von ihr wird später berühmt:

„Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat.“

Die genaue Überlieferung ist komplizierter; Bohley sprach über die Spannung zwischen dem Wunsch nach Gerechtigkeit und den Grenzen des Rechtsstaats. Aber die Frage dahinter bleibt: Was bedeutet Gerechtigkeit nach einer Diktatur?

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Was Bärbel Bohley uns heute sagt

Die Evangelische Kirche in der DDR war nicht nur Ort des Glaubens. Sie war ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen konnten. Sie hielt Räume offen, wo Unterdrückung sie schließen wollte. Bärbel Bohley hat diese Räume genutzt, sie größer gemacht und andere Menschen ermutigt, ihre Stimme zu finden.

Frieden braucht Menschen, die widersprechen können. Frieden braucht Freiheit. Und Frieden braucht den Mut, beides gemeinsam zu verteidigen – couragiert widerständig, wie Bärbel Bohley. Für eine Welt, in der Menschen nicht schweigen müssen, um sicher zu sein.

couragiert widerständig, wie Bärbel Bohley. Für eine Welt, in der Menschen nicht schweigen müssen, um sicher zu sein.

 

Fragen zur Reflexion

  1. Widerspruch wagen: Bärbel Bohley begann mit anderen Frauen, sich gegen Militarisierung und für Frieden einzusetzen. Wo erleben Sie heute Situationen, in denen Widerspruch notwendig wäre?

  2. Schutzräume öffnen: Die Evangelische Kirche bot Friedensgruppen in der DDR Räume für Austausch und gemeinsames Handeln. Welche Räume brauchen Menschen heute, um gemeinsam für Frieden einzutreten?

  3. Unbequem bleiben: Bohley blieb auch nach 1989 unbequem und hielt an Fragen fest, die keine mehrheitsfähige Antwort fanden. Was bedeutet es für Sie, couragiert widerständig zu sein, wenn die eigene Haltung nicht mehrheitsfähig ist?

 

Gebet

Gott des Friedens,

gib uns Mut, wenn Schweigen einfacher wäre,

und stärke uns, wenn Widerstand schwerfällt.

Lass uns Menschen finden, mit denen wir gemeinsam für Frieden eintreten können,

und Räume, in denen das möglich wird.

Amen.

 

 

Quellen und zum Weiterlesen

Häufig gestellte Fragen

Wer ist Bärbel Bohley?

Bärbel Bohley (1945–2010) war eine ostdeutsche Bürgerrechtlerin, Malerin und Mitbegründerin der Gruppe „Frauen für den Frieden“ sowie des „Neuen Forums“. Sie setzte sich in der DDR unerschrocken gegen die staatliche Militarisierung ein und gilt als eine der prägenden Stimmen der Friedens- und Demokratiebewegung von 1989.

Warum war Bärbel Bohley „couragiert widerständig“?

Weil sie sich weigerte, sich den Repressionen des SED-Regimes anzupassen. Trotz Verhaftungen, Berufsverboten und der Ausbürgerung auf Zeit blieb sie unbequem, stellte staatliche Strukturen infrage und kämpfte unermüdlich für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie.

Was ist die Initiative „Frauen für den Frieden“?

„Frauen für den Frieden“ war eine unabhängige ostdeutsche Friedensbewegung, die sich 1982 aus Protest gegen ein neues Wehrdienstgesetz gründete, das auch Frauen zum Militärdienst verpflichten sollte.

Wo kann ich das Buch und die Langversionen erhalten?

Die vollständige Geschichte dieses Mutes und alle Porträts der Ausstellung finden Sie im gedruckten Buch „Frauen des Friedens“. Die vertiefenden Langversionen der Episoden stehen exklusiv im Mitgliederbereich der Ökumenischen FriedensDekade als PDF zum Download bereit. Sowohl das Buch als auch die Materialien zur Ausstellung können direkt über den Shop der FriedensDekade erworben werden.

 

Neue Ausstellung der Ökumenischen FriedensDekade: „Frauen des Friedens“ geht nach erfolgreicher Startphase in Produktion

Bonn/Berlin, 19.08.2026 – Die Ökumenische FriedensDekade veröffentlicht im Vorfeld der diesjährigen FriedensDekade das neue dezentrale Ausstellungs-Set „Frauen des Friedens“. Bereits am ersten Tag nach der Ankündigung wurde das gesteckte Mindestziel an Vorbestellungen erreicht. Damit steht fest: Das Projekt wird realisiert und im Herbst bundesweit an zahlreichen Orten zu sehen sein.

Seit über 45 Jahren steht die Ökumenische FriedensDekade für Gerechtigkeit, gerechten Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Angesichts der weltweiten Herausforderungen setzt die neue Plakatreihe ein Zeichen für ziviles Engagement und stellt das Wirken herausragender Friedensstifterinnen in den Mittelpunkt.

„Dass bereits innerhalb von zehn Stunden genügend Vorbestellungen eingegangen sind, zeigt das große Interesse in den Gemeinden an konkreten Beispielen für gewaltfreien Widerstand“, erläutert Lars Blume, Initiator des Ausstellungs-Konzepts. „Durch den frühen Rücklauf können wir direkt in die finale Gestaltung und redaktionelle Ausarbeitung einsteigen.“

15 Plakattafeln mit multimedialem Zugang

Die zeitlos angelegte Ausstellung porträtiert auf 15 Tafeln zwölf prägende Persönlichkeiten aus verschiedenen Epochen und Kontinenten; darunter Bertha von Suttner, Sophie Scholl, Wangari Maathai, Malala Yousafzai und Leymah Gbowee.

Um den Aufwand vor Ort gering zu halten, setzt das Projekt auf eine digitale Drucklizenz: Ausstellende laden die Vorlagen herunter und lassen sie direkt vor Ort drucken. Ergänzt werden die visuellen Porträts (Gestaltung: Karla Ritter) durch Kurzvideos (Reels) via QR-Code, eine pädagogische Handreichung sowie eine Vorlage zur Einbindung regionaler Friedensstifterinnen aus der eigenen Gemeindegeschichte.

Der vergünstigte Presale-Preis von 42,00 Euro für die digitale Drucklizenz gilt auf friedensdekade.de/shop weiterhin bis zum 6. September 2026 (danach 49,00 Euro).

Spende ermöglicht Freilizenzen und Druckkostenzuschüsse 

Zusätzlich erhielt das Projekt eine Großspende. Diese Mittel werden gezielt eingesetzt, um finanziell schwächer aufgestellten Einrichtungen, Schulen, Jugendgruppen oder kleinen Gemeinden die Nutzung der Ausstellung zu ermöglichen. Interessierte Gruppen können sich ab sofort um eine geförderte Freilizenz oder einen Druckkostenzuschuss bewerben.

Interessierte Kirchengemeinden, Schulen und Initiativen finden alle Informationen sowie die Möglichkeit zur Bestellung unter: www.friedensdekade.de

Pressebild-Hinweis: Ein hochauflösendes Entwurfs- und Visualisierungsfoto der Ausstellung zur redaktionellen Nutzung steht unter www.friedensdekade.de/downloads zum Download bereit. Bildnachweis: Ökumenische FriedensDekade / KI-Visualisierung

 

Über die Ökumenische FriedensDekade Die Ökumenische FriedensDekade ist eine bundesweite Aktionszeit der Kirchen und Friedensinitiativen. Sie findet jedes Jahr in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag im November statt und bringt seit 1980 Menschen unterschiedlicher Konfessionen im gemeinsamen Friedens-Engagement zusammen. Kirchengemeinden, Initiativen und Gruppen laden in dieser Zeit zu Gottesdiensten, Friedensgebeten, Veranstaltungen und Mitmach-Aktionen ein.

 

Pressekontakt:
Jan Gildemeister
Vorsitz Ökumenische FriedensDekade e.V./ AGDF
E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
Tel.: 0228 / 24 999 -13

Starkes Zeichen vor Ort: Machen Sie „Frauen des Friedens“ zu Ihrer FriedensDekade Ausstellung 2026!

Von Bertha von Suttner bis Malala Yousafzai – Jetzt vorbestellen und die Veröffentlichung sichern.

In den Rückmeldungen zum Friedensbrief taucht seit Monaten ein Wunsch immer wieder auf: Könnte man die „Frauen des Friedens“ nicht als Ausstellung vor Ort zeigen? Nicht nur digital lesen, sondern im Gemeindehaus, in der Schule oder im Foyer davor stehen bleiben, ins Gespräch kommen und Haltung zeigen. Diese Idee stammt direkt aus Ihrer Leserschaft. Wir wollen sie gemeinsam umsetzen.

Ehrlich gesagt ist das ein Experiment: Wir gehen erst dann in die finale Gestaltung und Produktion, wenn wir wissen, dass die Idee getragen wird. Mit Ihrer Vorbestellung entscheiden Sie mit, ob es diese Ausstellung im November geben wird. Die Vorbestellung läuft getrennt von unseren übrigen Shop-Artikeln und erfolgt risikofrei auf Rechnung. Kommt bis Mitte September nicht die nötige Mindestanzahl zusammen, verfällt Ihre Bestellung automatisch. Es entstehen keinerlei Kosten. Erreichen wir das Ziel, geht die Ausstellung sofort in Produktion.

Wir wollen dieses Wagnis eingehen, aber dafür brauchen wir jetzt Ihre Vorbestellung!

Ob aus der Idee eine fertige Ausstellung wird, liegt in Ihren Händen. Wir bitten Sie daher: Bestellen Sie schon jetzt, um das Projekt überhaupt erst zu ermöglichen.

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(Der Vorverkaufs-Rabatt von 42,00 € statt 59,00 € wird automatisch berücksichtigt. Sollte das Mindestziel nicht erreicht werden, stornieren wir die Bestellung kostenfrei.)

15 Tafeln, dezentral und flexibel als digitale Drucklizenz

Aus den zwölf Biografien entsteht ein flexibles Ausstellungs-Set als digitale Drucklizenz. Keine schweren Kisten, kein Logistikaufwand. Sie drucken die Plakate vor Ort, vom Gemeindedrucker in A3 bis zur lokalen Druckerei in A1. Die Druckkosten liegen erfahrungsgemäß bei ca. 50 bis 70 Euro für ein A1-Ganzset.

Das Set enthält neben Intro- und Outro-Tafel eine Vorlage für eine 13. Tafel, die Sie beliebig oft gestalten können: für Frauen aus Ihrer Region, Ihrer Kirchengemeinde oder Stadtgeschichte. Dazu eine pädagogische Handreichung mit Bausteinen für Gottesdienste, Schulstunden, Raum-Tipps und Pressemitteilungen.

Diese zwölf Frauen warten auf Ihren Einsatz

Pionierinnen brechen Tabus:
Bertha von Suttner (Österreich), Sophie Scholl (Deutschland), Petra Kelly (Deutschland)

Frieden ist unteilbar:
Wangari Maathai (Kenia), Leymah Gbowee (Liberia), Rigoberta Menchú Tum (Guatemala)

Standhaftigkeit im Alltag leben:
Rosa Parks (USA), Betty Williams (Nordirland), Bärbel Bohley (DDR)

Hoffnungskraft praktizieren:
Dorothy Day (USA), Dorothee Sölle (Deutschland), Malala Yousafzai (Pakistan)

Die Drucklizenz ist bis Anfang September zum Vorverkaufspreis von 42 Euro erhältlich, danach 49 Euro. Am einfachsten bestellen Sie die Ausstellung separat, ohne weitere Artikel im Warenkorb.

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Was Sie mit der Bestellung erhalten:
Eine dauerhafte digitale Nutzungslizenz für einen Standort inklusive 15 hochauflösender Druckvorlagen und pädagogischer Handreichung. Die Ausstellungstafeln selbst werden nicht mit der Lizenz geliefert, sondern von Ihnen vor Ort auf eigene Kosten gedruckt.

Greenham Common (1981): Als Frauen den Zaun umarmten

Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert | Folge 5

Aus der Serie „Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert“ zur Ökumenischen FriedensDekade zum Jahresmotto 2026 „couragiert widerständig“.

Web-Version | Juli 2026

Über Beharrlichkeit, Atomwaffen und die Frage, was Sicherheit wirklich bedeutet

Es ist der 27. August 1981. In Cardiff, Wales, brechen 36 Frauen, vier Männer und einige Kinder zu einem Marsch auf. Ihr Ziel: ein Militärstützpunkt in der englischen Grafschaft Berkshire, 190 Kilometer entfernt. RAF Greenham Common. Dort sollen amerikanische Cruise Missiles stationiert werden – Atomraketen, jede einzelne um ein Vielfaches stärker als die Bombe, die Hiroshima zerstörte.

Die Gruppe nennt sich „Women for Life on Earth“. Ihr erster Schritt nach der Ankunft am 5. September 1981: Sie übergeben dem Kommandanten des Stützpunkts einen offenen Brief. Darin schreiben sie:

„Wir sind hier, weil wir glauben, dass das Wettrüsten mit Atomwaffen die größte Bedrohung darstellt, der die Menschheit und unser lebendiger Planet je ausgesetzt war.“¹

Der Kommandant antwortet, sie dürften so lange bleiben, wie sie wollten.

Sie bleiben 19 Jahre.

Diese Episode unserer Serie „Friedenszeugen“ erzählt von Frauen, die aus einem Marsch ein Protestcamp machten. Aus dem Protestcamp entstand eine Bewegung, die ihren Teil dazu beitrug, dass einer der wichtigsten Abrüstungsverträge des 20. Jahrhunderts möglich wurde.

Ein Lager, das nicht geplant war

Ann Pettitt, eine Bäuerin aus Wales, hatte einen Zeitungsartikel gelesen. Darin ging es um amerikanische Atomraketen, die auf britischem Boden stationiert werden sollten. Eine Entscheidung, die getroffen worden war, ohne die Bevölkerung einzubeziehen. Sie rief Freundinnen an. Gemeinsam planten sie einen Marsch – kein Lager, keinen jahrelangen Protest, nur einen Marsch.

Ann Pettitt sagte später:

„Ich kann nicht sagen, dass Greenham das Wettrüsten gestoppt hat, weil ich denke, dass es einer von vielen Faktoren war, die es für die Verantwortlichen unausweichlich machten, Abrüstung ernst zu nehmen. Aber es veränderte die Atmosphäre.“²

Was folgte, war nicht geplant. Als der Marsch sein Ziel erreichte und der Kommandant die Frauen gewähren ließ, entschieden einige: Wir gehen nicht. Wir bleiben. Bis die Raketen verschwinden.

Aus dieser spontanen Entscheidung entstand die längste Friedensbesetzung der britischen Geschichte.

Was am Zaun geschah

Der Zaun um RAF Greenham Common war neun Meilen lang. Er wurde zum Mittelpunkt eines der kreativsten und beharrlichsten Proteste, den Europa im 20. Jahrhundert erlebt hat.

Im Dezember 1982 umarmten mehr als 30.000 Frauen den gesamten Stützpunkt – Schulter an Schulter, Hand in Hand, den Zaun entlang.³ Sie befestigten Fotos ihrer Kinder und Familien am Stacheldraht, dazu Berichte und Bilder aus Hiroshima und Nagasaki. Ihr Protest war persönlich. Sie wollten zeigen: Hinter der Debatte über Atomwaffen stehen Menschen, Familien und zukünftige Generationen.

Sie wurden verhaftet, immer wieder. Geräumt, immer wieder. Jean Hutchinson, eine der letzten Frauen im Camp, war in den 19 Jahren mehr als 15 Mal inhaftiert.⁴ Sie kam jedes Mal zurück.

Was machte diesen Widerstand so schwer zu brechen?

Es gab keine Zentrale, die man schließen konnte. Keine Anführerin, die man ausschalten konnte. Das Camp veränderte sich ständig, neue Frauen kamen hinzu, andere gingen. Wie der Zaun selbst: Man konnte einzelne Abschnitte beseitigen. Der Rest blieb.

Frieden als Schöpfungsbewahrung

Die Frauen von Greenham Common haben selten mit theologischer Sprache argumentiert. Und doch hatte ihr Handeln eine tiefe spirituelle Dimension. Sie stellten das Leben gegen die Logik der Vernichtung.

Atomwaffen sind keine gewöhnlichen Waffen. Sie bedrohen nicht einzelne Menschen, sondern die Lebensgrundlagen ganzer Regionen und Generationen. Wer sich ihnen entgegenstellt, entscheidet sich für das Leben, für die Erde und für kommende Generationen.

In der biblischen Tradition hat das einen Namen: Zeugnis ablegen. Nicht, weil der Erfolg sicher ist, sondern weil Verantwortung nicht vom Ausgang abhängt.

Die Frauen am Zaun wussten, dass die Raketen vielleicht trotzdem kommen würden. 1983 wurden sie tatsächlich stationiert. Die Frauen blieben trotzdem.

Rebecca Johnson, die von 1982 bis 1987 im Lager lebte, beschrieb später, wie sich das Camp entwickelte. Ursprünglich wollten die Frauen eine öffentliche Debatte mit der Regierung erzwingen. Mit der Zeit wurde Greenham aber zu einem Ort, an dem Frauen aus vielen Ländern zusammenkamen und erfuhren, dass sie mit ihrem Engagement nicht allein waren.⁵

Was uns das heute sagt

Greenham Common hat gewirkt, auch wenn die Raketen zunächst kamen. Die Bewegung trug, so der Historiker Martin Shaw, entscheidend zum INF-Vertrag von 1987 bei – dem ersten Vertrag, der eine ganze Klasse von Atomwaffen abschaffte.⁶ Die letzten Cruise Missiles verließen Greenham 1991.

2026 ist der INF-Vertrag Geschichte. Er wurde 2019 aufgekündigt. Neue Atomwaffen werden entwickelt, über neue Stationierungen wird diskutiert und erneut wird Abschreckung als Sicherheitsgarantie präsentiert. Die Fragen, die die Frauen von Greenham 1981 stellten, sind deshalb erstaunlich aktuell.

Was wäre heute ein Äquivalent zum Zaun von Greenham?

Diese Frage stellen wir als FriedensDekade bewusst. Nicht weil wir eine fertige Antwort hätten. Sondern weil sie gestellt werden muss.

Und noch etwas: Greenham Common war bewusst eine Frauenbewegung. In einer Welt, in der Entscheidungen über Krieg und Frieden bis heute überwiegend von Männern getroffen werden, bleibt das mehr als eine historische Randnotiz. Es ist eine Perspektive, die in der Friedensarbeit bis heute wichtig ist.

Eine letzte Wahrheit

Das Lager bestand 19 Jahre. Länger als viele politische Bewegungen, Parteien oder Regierungen.

Es endete am 5. September 2000, genau 19 Jahre nach seinem Beginn.

Was blieb?

Ein Gedenkort. Eine Bewegung, die Frauen weltweit inspirierte. Ein Beitrag zu einem Abrüstungsvertrag, der Geschichte schrieb. Und die Erinnerung daran, dass Beharrlichkeit Geschichte verändern kann – auch wenn ihre Wirkung oft erst Jahre später sichtbar wird.

Ann Pettitt sagte am Ende:

„Es veränderte die Atmosphäre.“

Der Satz wirkt zurückhaltend. Seine Bedeutung ist es nicht.

Couragiert widerständig, wie die Frauen am Zaun von Greenham Common. Für eine Welt, in der Sicherheit nicht auf der Drohung mit Vernichtung beruht, sondern auf dem Mut, Leben zu schützen.

Reflexionsfragen

  1. Die Frauen von Greenham Common blieben 19 Jahre. Was braucht es, damit Beharrlichkeit nicht zur Erschöpfung wird?
  2. Greenham war eine bewusste Frauenbewegung. Was bedeutet das für unser Verständnis von Friedens-Engagement heute?
  3. Der INF-Vertrag, zu dem Greenham beitrug, ist aufgekündigt. Was bedeutet das für die Frage, ob Protest „etwas bringt“?

 

FAQ: Häufige Fragen zu Greenham Common

Was war das Greenham Common Women’s Peace Camp?

Ein Friedenscamp in England, das von 1981 bis 2000 vor dem Militärstützpunkt RAF Greenham Common bestand. Gegründet wurde es von Frauen aus Wales, die gegen die Stationierung amerikanischer Atomraketen protestierten. Es entwickelte sich zur längsten Friedensbesetzung der britischen Geschichte und wurde weltweit zu einem Symbol des gewaltfreien Widerstands.

Haben die Proteste in Greenham 1991 etwas bewirkt?

Ja. Nach Einschätzung zahlreicher Historiker:innen trug die Bewegung zum politischen Klima bei, das den INF-Vertrag von 1987 ermöglichte. Dieser Vertrag beseitigte erstmals eine komplette Kategorie nuklearer Mittelstreckenwaffen. Die letzten Cruise Missiles verließen Greenham 1991. Ob der Protest allein ausschlaggebend war, lässt sich nicht sagen. Dass er Teil dieser Entwicklung war, gilt jedoch als gut belegt.

Warum waren die Proteste in Geenham 1991 eine Frauenbewegung?

Ganz bewusst. Die Gründerinnen sahen Frauen in der damaligen Friedens- und Sicherheitspolitik kaum vertreten. Greenham sollte ein Ort sein, an dem Frauen ihren Protest selbst organisierten und sichtbar machten.

Was bedeutet Greenham Common für heute?

Der INF-Vertrag wurde 2019 aufgekündigt. Neue Atomwaffen werden entwickelt und über neue Stationierungen wird erneut diskutiert. Die Fragen, die die Frauen 1981 am Zaun stellten, sind deshalb bis heute aktuell: Wie entsteht Sicherheit? Welche Risiken sind wir bereit einzugehen? Und welche Verantwortung trägt die Zivilgesellschaft?

Quellenangaben

¹ People’s History Museum: Greenham Common Peace Camp.
phm.org.uk/blogposts/greenham-common-peace-camp/

² Ann Pettitt, zit. nach:
greenhamwomeneverywhere.co.uk/ann-pettit-und-karmen-thomas/

³ Imperial War Museum: The Women Who Took On The British Government’s Nuclear Programme.
iwm.org.uk/history/cold-war/nuclear-threat/the-women-who-took-on-the-british-governments-nuclear-programme

⁴ Jean Hutchinson.
Wikipedia:
en.wikipedia.org/wiki/Jean_Hutchinson

⁵ Rebecca Johnson, zit. nach:
keymilitary.com/article/women-long-wire

⁶ Martin Shaw, zit. nach:
en.wikipedia.org/wiki/Greenham_Common_Women’s_Peace_Camp

 

 

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