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Schlagwort: Versöhnung

Ökumenische FriedensDekade 2025 endet mit starkem Zeichen für Frieden

PRESSEMITTEILUNG

„Komm den Frieden wecken“ Ein Weckruf, der weiterklingt

Die Ökumenische FriedensDekade 2025 ist mit dem Buß- und Bettag zu Ende gegangen. Unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ haben vom 9. bis 19. November Zehntausende Menschen in Gemeinden, Schulen, Initiativen und kirchlichen Einrichtungen ein kraftvolles Zeichen gesetzt: Frieden ist möglich, Frieden ist nötig – und Frieden beginnt bei uns.

Trotz gesellschaftlicher Spannungen und lauter Debatten über Wehrpflicht, Sicherheitspolitik oder geopolitische Konflikte zeigte sich in diesen Tagen deutlich die tiefe Sehnsucht nach einem solidarischen, gewaltfreien Miteinander. Menschen kamen ins Gespräch, suchten Annäherung, entwickelten gemeinsame Ideen und trugen Verantwortung füreinander.

„Komm den Frieden wecken‘ war mehr als ein Motto – es war ein Weckruf“, sagt Jan Gildemeister, Vorsitzender der Ökumenischen FriedensDekade. „Und dieser Weckruf hallt weit über die zehn Tage hinaus.“

Ein kraftvoller Auftakt und bewegende Höhepunkte

Mit über 200 Eröffnungsgottesdiensten am 9. November wurde sichtbar, wie breit der Wunsch ist, sich für Frieden einzusetzen. Ein besonderer Höhepunkt war der zentrale Gottesdienst am 12. November in der Jakobikirche Chemnitz, gestaltet von der ACK und der Stadtökumene. In der Kulturhauptstadt Europas 2025 entstand ein eindrucksvolles Zeichen für Versöhnung, Zukunftsvertrauen und gesellschaftliche Zusammenarbeit.

Während der gesamten Dekade formten sich überall im Land vielfältige Räume des Friedens: tägliche Friedensgebete, Lichterwege, Andachten, Diskussionsrunden, Workshops, Schulaktionen und musikalische Formate. In vielen Orten erinnerten Gedenk- und Kunstaktionen an die Schrecken vergangener Kriege und an die Bedeutung gewaltfreier Zukunftsperspektiven. Gleichzeitig beteiligten sich Chöre, Jugendgruppen und Gemeinden mit kreativen Friedensimpulsen – und das Friedenslied „Komm, Frieden, lass dich wecken“ von Eugen Eckert klang wie ein verbindender Ton über viele dieser Begegnungen.

Diese Vielfalt machte deutlich, dass Menschen sich nach Miteinander, Vergebung, gemeinsamer Gestaltungskraft und friedlichen Perspektiven sehnen – und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Die digitale Ausstellung justice.peace.imagination begleitete die FriedensDekade mit täglich neuen Werken aus einem bundesweiten Sketchbook-Projekt. Über 300 Teilnehmende setzten sich darin kreativ mit der Frage auseinander, wo ihnen Frieden und Gerechtigkeit begegnen und wo sie fehlen. Die Ausstellung geht ab März 2026 auf Tour durch Ostdeutschland.

Das Plakatmotiv von Sebastian Schmidt – eine weiße Taube, die aus einem roten Megafon fliegt – zeigte eindrücklich: Frieden braucht eine Stimme. Ergänzt wurde es durch das historische Zeichen „Schwerter zu Pflugscharen“, das seit seinen Anfängen in der DDR-Friedensbewegung als Symbol für gewaltfreien Wandel, Gerechtigkeit und Versöhnung steht. Beide Motive prägten die diesjährige FriedensDekade sichtbar und stärkten die Kontinuität des friedensethischen Engagements.

Zeitgeist trifft Weckruf

Inmitten politischer Unsicherheiten und zunehmend polarisierter Debatten wurde die FriedensDekade zu einem Gegenbild: ein Raum für Dialog statt Fronten, für Zuversicht statt Resignation.

Der Landesbischof Friedrich Kramer, Friedensbeauftragter des Rates der EKD und Landesbischof der EKM, beschreibt dieses Anliegen so: „‚Komm den Frieden wecken‘ – das Motto der diesjährigen FriedensDekade ist ein Weckruf im wahrsten Sinne des Wortes: Er will uns in Bewegung setzen, damit wir bei uns und anderen die Bereitschaft wecken, am gerechten Frieden mitzuarbeiten.“

Genau diese Bewegung war während der Zehn Tage deutlich spürbar, in großen Aktionen ebenso wie in leisen Momenten. Es sind diese Augenblicke der Verbundenheit, in denen spürbar wird, wie sich starre Herzen öffnen und ein stilles Lächeln den Weg zurück ins Leben findet.

Kurz nach Abschluss der FriedensDekade tritt das Gesprächsforum Ende November in Fulda zusammen, um das Jahresmotto für 2026 festzulegen. Gleichzeitig beginnt ein strategischer Blick auf die kommenden fünf Jahre – bis zum 50-jährigen Jubiläum der Ökumenischen FriedensDekade im Jahr 2030, das bereits jetzt in Vorbereitung genommen wird.

 

Pressekontakt:
Jan Gildemeister
Vorsitz Ökumenische FriedensDekade e.V./ AGDF
E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
Tel.: 0228 / 24 999 -13

Ökumenische FriedensDekade 2025 beginnt am 9. November

PRESSEMITTEILUNG

Ökumenische FriedensDekade 2025 beginnt am 9. November

„Komm den Frieden wecken“ – Friedensbewegung steht auf breiter gesellschaftlicher Basis

Bonn, 4. November 2025.  Unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ beginnt am 9. November die diesjährige Ökumenische FriedensDekade. Bis zum 19. November stellen sich Menschen in Kirchen, Schulen, Vereinen, Kommunen und Initiativen den Fragen von Frieden und Gerechtigkeit. In ihrem 45. Jahr ist die Ökumenische FriedensDekade zu einem starken Zeichen für den Frieden über konfessionelle, gesellschaftliche und politische Grenzen hinweg geworden. Bereits vor der Wiedervereinigung verband sie Menschen in Ost und West, die gemeinsam an eine friedliche Zukunft glaubten.

„Die FriedensDekade ruht auf einer breiten gesellschaftlichen Basis“, sagt Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenischen FriedensDekade e. V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden. „Durch eine Vielfalt an verschiedenen Aktionen werden im ländlichen Bereich, in Dörfern und Städten in diesen 10 Tagen zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen durchgeführt. Jede einzelne Aktion entzündet einen Funken Hoffnung und zusammen bilden sie ein deutliches Zeichen für die Möglichkeit und Notwendigkeit, Frieden zu gestalten.“

Der zentrale bundesweite Gottesdienst der Ökumenischen FriedensDekade wird am 12. November 2025 in Chemnitz, der Kulturhauptstadt Europas 2025, gefeiert. Chemnitz steht für Transformation, Aufbruch und Geschichte. An diesem Ort soll mit Musik, Gebet und künstlerischen Beiträgen ein Signal der Versöhnung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts gesetzt werden.

„Frieden wecken heißt, Vertrauen wachsen zu lassen über Grenzen, Generationen und Religionen hinweg“, sagt Pastor Jens Haverland, Referent der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland und Geschäftsführer des Gesprächsforums der Ökumenischen FriedensDekade. „Gerade in Zeiten wachsender Polarisierung sind Begegnung und gemeinsames Handeln Zeichen der Hoffnung, die unserer Gesellschaft guttun.“

 

Pressekontakt:
Jan Gildemeister
Vorsitz Ökumenische FriedensDekade e.V./ AGDF
E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
Tel.: 0228 / 24 999 -13

Komm den Frieden wecken: Die FriedensDekade 2025 im Überblick

Zwischen Erinnerung, Kreativität und Engagement: zehn Tage, in denen Frieden gehört wird.

„Komm den Frieden wecken!“ – unter diesem Motto steht die 45. Ökumenische FriedensDekade vom 9. bis 19. November 2025. In einer Zeit, die von Kriegen, Klimakrise und sozialer Spaltung geprägt ist, ruft die Friedensbewegung dazu auf, Frieden aktiv zu gestalten: durch Dialog, gewaltfreie Lösungen und gelebte Versöhnung.

Die FriedensDekade hat eine lange Tradition: Seit den 1980er-Jahren verbindet sie Kirchengemeinden, Schulen und Initiativen über die damalige innerdeutsche Grenze hinweg. Besonders in der DDR war sie ein wichtiger Raum, um trotz staatlicher Einschränkungen Friedensfragen sichtbar zu machen und Gemeinschaft zu erleben.

2025 steht das Motto im Zeichen des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs. Es erinnert uns daran, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, sondern täglich erkämpft werden muss.

Warum „Komm den Frieden wecken“?

Das Motto lädt uns ein, Frieden nicht passiv zu erwarten, sondern bewusst zu aktivieren. In der Bildmeditation „Komm den Frieden wecken“ werden Fragen gestellt wie: Welche Farbe hätte ich als Konfettistreifen? Wo würden Lichtpunkte des Lebens notwendig? Bilder, die dazu anregen, die Welt mit anderen Augen zu sehen und eigene Sehnsüchte für Frieden ins Bild zu bringen.

So wird das Motto konkret: Wir sind nicht nur Betrachter:innen, sondern Mitschöpfer:innen. Frieden beginnt da, wo wir unsere Innenräume öffnen, uns auf das Staunen einlassen und bereit sind, neue Perspektiven zuzulassen.

Biblisch gerahmt verweist es auf Gottes Verheißung (z. B. Römer 13,11–12: „Die Stunde ist da“) und politisch mahnt es gegen allzu einfache Antworten: Aufrüstung schafft keinen Frieden. Stattdessen braucht es zivile Konfliktbearbeitung, soziale Gerechtigkeit und Menschen, die bereit sind, aktiv zu werden – im Kleinen wie im Großen.

Mitmachen bei der FriedensDekade 2025: Ideen, Materialien und Aktionen

Mitmachen kann jede:r: Gemeinden, Schulen, Vereine, Initiativen und Einzelpersonen sind eingeladen, Teil der FriedensDekade 2025 zu sein. Die Mitmachmöglichkeiten sind vielfältig und reichen vom kleinen Friedenszeichen bis zur größeren Aktion.

Sie können auf verschiedene Weise mitmachen:

  • Nutzen Sie die kostenlosen Plakate, Postkarten und Minifaltblätter, die Sie hier herunterladen oder im Online-Shop bestellen können.

  • Planen Sie eigene Veranstaltungen: von Friedensgottesdiensten über Lesungen bis hin zu Straßenaktionen. Inspiration finden Sie in unseren spezifischen Mitmachtipps.

  • Teilen Sie Ihre Erfahrungen: Berichten Sie von Friedensprojekten in Ihrer Gemeinde oder Initiative und tragen Sie Ihre Veranstaltungen per E-Mail an kontakt@friedensdekade.de ein.

So entsteht ein lebendiges Netzwerk, in dem Frieden nicht abstrakt bleibt, sondern im Miteinander erfahrbar wird.

Zentrale Veranstaltungen der FriedensDekade 2025 und Terminübersicht

Ein Höhepunkt der FriedensDekade 2025 ist der zentrale Gottesdienst in Chemnitz. Hier verbinden sich Musik, Geschichte und gesellschaftliches Engagement zu einem eindrucksvollen Zeichen für Frieden und Gemeinschaft. Mehr Informationen finden Sie hier.

Darüber hinaus laden wir alle ein, eigene Veranstaltungen zu gestalten:
Besuchen Sie die Terminübersicht, lassen Sie sich inspirieren und tragen Sie Ihre eigene Aktion bei. Gemeinsam gestalten wir zehn Tage, in denen Frieden nicht nur Thema ist, sondern erfahrbar wird.

„Komm, Frieden, lass dich wecken“ – der Ohrwurm zur FriedensDekade 2025

Zur FriedensDekade 2025 schenkt Liedermacher Eugen Eckert ein neues Lied: „Komm, Frieden, lass dich wecken“. Es ist Einladung und Gebet zugleich: ein Ohrwurm, der Herz und Verstand verbindet und die Botschaft des Mottos musikalisch erfahrbar macht.

Das Lied will Mut machen, Frieden zu ersehnen, zu singen und gemeinsam hörbar werden zu lassen. So wird das Motto „Komm den Frieden wecken“ nicht nur gedacht, sondern auch geklungen. Mehr zum Lied und den Noten finden Sie hier.

Gemeinsam den Frieden wecken – Ihr Beitrag zählt!

Die FriedensDekade 2025 ist Einladung und Herausforderung zugleich: Frieden beginnt im Kleinen, in Gemeinden, in Schulen, auf Straßen und in Gesprächen. Wenn viele Menschen mitmachen, entsteht ein starkes Signal für Gerechtigkeit, Versöhnung und Hoffnung.

 

Frieden im Dialog: Militärpfarrer Claus-Jörg Richter über Friedenstüchtigkeit und seelsorgerliche Verantwortung

Ein Gespräch zwischen Militär und Friedensethik

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ stellen wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade vor, die seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintritt. In regelmäßigen Gesprächen teilen Akteure aus dem Gesprächsforum, dem Redaktionskreis und weiteren Netzwerken ihre Erfahrungen, Visionen und Impulse. Dieses Mal trifft Lars Blume auf Militärpfarrer Claus-Jörg Richter. Ein Gespräch, das im Spannungsfeld zwischen Militär und Friedensethik steht und seltene Einblicke in die seelsorgerliche Begleitung von Soldatinnen und Soldaten gibt – geprägt von Verantwortung, Gewissen und der Suche nach Sinn.

Claus-Jörg Richter und Lars Blume im Dialog

In der Reihe Frieden im Dialog treffen sehr unterschiedliche Stimmen aufeinander. Dieses Mal ist es ein Gespräch, das in einem besonderen Spannungsfeld steht: Frieden und Militär. Militärpfarrer Claus-Jörg Richter begleitet Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätzen, er hört ihre Ängste, ihre Zweifel, ihre Hoffnungen. Seine Antworten auf unsere Fragen geben einen seltenen Einblick in die seelsorgerliche Perspektive innerhalb der Bundeswehr.

Im Dialog mit Lars Blume wird deutlich, wie sehr die Themen Verantwortung, Gewissen und die Suche nach Sinn die Arbeit eines Militärpfarrers prägen. Lars bringt seine eigenen friedensethischen Fragen und Erfahrungen ein. So entsteht ein Gespräch, das keine einfachen Antworten gibt, sondern den Raum für ehrliche Auseinandersetzung öffnet.

 

Lars Blume: Herr Richter, das Motto der FriedensDekade 2025 lautet „Komm den Frieden wecken“. Was bedeutet es für Sie als Militärpfarrer?

Claus-Jörg Richter: „Als Militärpfarrer verstehe ich mich als Seelsorger. Eingebunden bin ich in die Militärseelsorge, die mit ca. 100 Dienststellen im Inland und 4 Dienststellen im Ausland für die Soldaten und deren Angehörigen da sein will. Nachdem das Wort ‚Kriegstüchtigkeit‘ aufgetaucht ist, bewegt mich vielmehr auch der Gedanke: Wie können wir ‚friedenstüchtig‘ sein bzw. werden?“

Lars Blume: Das finde ich sehr spannend. In meiner Arbeit in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in 8 Kohleregionen in verschiedenen Ländern habe ich erfahren dürfen, wie zentral es ist, Räume zu schaffen, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Erst wenn Vertrauen da ist, haben Worte und Taten Gewicht, ein Punkt, den Sie mit Ihrer Frage nach „Friedenstüchtigkeit“ berühren. Wie erleben Sie Friedensarbeit in einem militärischen Umfeld?

Claus-Jörg Richter: „Ich kann jetzt nur von meinem Umfeld in Sigonella/Sizilien sprechen. Wir sind hier Gast in einem europäischen Land. Auf der einen Seite gibt es einen sog. militärischen Auftrag, eingebunden in die Zusammenarbeit mit anderen Nationen der NATO. Auf der anderen Seite ist Sizilien im Vergleich zu Norditalien sehr arm. Diese Armut ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Um diese Not ein wenig zu lindern, rufen wir vom Evangelischen Militärpfarramt zweimal jährlich zu einer Lebensmittelspendenaktion auf. Ebenso nehmen wir Kleiderspenden entgegen. Diese Spenden liefern wir an eine kirchliche Sozialstation. Das ist der Beitrag der Soldaten und ihrer Angehörigen. Wir nehmen teil an und richten auch aus die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag oder an den Tagen, an denen die jeweiligen Nationen ihre Gedenktage der Gefallenen der beiden letzten Kriegen begehen. Das tun wir unter Einbeziehung der jeweiligen einheimischen Bevölkerung. Soldaten stellen da immer eine Abordnung bereit. In meinen Ansprachen nehme ich auch immer Bezug auf den friedensethischen Aspekt. Bei den sich anschließenden Zusammenkünfte finden wertvolle und wertschätzende Begegnungen statt zwischen Menschen, deren Großväter sich bekämpften.“

Lars Blume: Diese Begegnungen zwischen den Generationen erinnern mich an meine Arbeit in Vietnam, wo ich gelernt habe: Erst muss Vertrauen wachsen, dann können Worte und Handlungen Wirkung entfalten. Auch hier zeigt sich: Friedensarbeit braucht Zeit, Geduld und oft kleine Schritte im Alltag. Welche Rolle spielt Ihr eigener Glaube in dieser Arbeit?

Claus-Jörg Richter: „Diese Frage lässt mich ein wenig schmunzeln und ich erinnere mich an die 80-er Jahre und die Friedensbewegung. Was war ich ein glühender Verfechter, angetrieben von den Gedanken von Martin Luther King und Mahatma Gandhi. Dorothe Sölle und Franz Alts Buch über die Bergpredigt hatten mich sehr inspiriert.“

Lars Blume: Ich kann das gut nachvollziehen. In meiner Zeit in der Entwicklungszusammenarbeit habe ich erfahren, wie wichtig eine innere Haltung ist; Geduld, Achtsamkeit, die Bereitschaft zuzuhören. Das finde ich, übertragbar auf Ihre Arbeit, sehr wertvoll.

Sie haben viel vom Dialog gesprochen. Gab es Situationen, in denen Sie erlebt haben, dass Dialog tatsächlich Frieden ermöglicht hat?

Claus-Jörg Richter: „Frieden kann nur im Dialog mit dem fremden Gegenüber (Bereitschaft und Interesse bei beiden Seiten vorausgesetzt) gesucht und auch gefunden werden. So paradox das klingt: Erst wenn der Frieden (auch militärisch) gesichert ist, können diese Gespräche stattfinden. Ich sage das auf dem Hintergrund meiner Erfahrung als Seelsorger in Afghanistan. In einem gesicherten Umfeld konnte ich respektvolle Gespräche mit muslimischen Geistlichen auch über den Frieden führen.“

Lars Blume: Genau das habe ich in Asien und Afrika erlebt: Ohne einen sicheren Rahmen gibt es keine echten Begegnungen. Und selbst wenn dieser Rahmen da ist, bleibt es komplex und vielschichtig, es ist ein ständiges reflektieren, zuhören und die Bereitschaft das eigene Handeln anzupassen.

Wie gestalten Sie den Alltag, um Friedensimpulse zu setzen, auch wenn Spannungen auftreten?

Claus-Jörg Richter: „Wie in jedem anderen Zusammenleben und Zusammenarbeiten auch, treten manchmal Meinungsunterschiede und Spannungen auf. Da verstehe ich mich als Mediator, Vermittler, dass zwei Parteien wieder zusammenfinden können. Dieses Zusammenfinden wird beschlossen mit: Jetzt reicht einander wieder die Hand. Das ist ein offenes Zeichen für die christliche Botschaft der gegenseitigen Vergebung und Versöhnung, auch wenn das manchmal nicht so bewusst ist.“

Lars Blume: Ich kenne das aus Transformationsprozessen in Kohleregionen: Kleine Zeichen der Versöhnung, gemeinsame Rituale oder einfache Gesten können enorme Wirkung entfalten. Selbst in angespannten Situationen ist es oft ein Perspektivwechsel, der den Dialog ermöglicht. Wie kann man Friedensimpulse auch dort setzen, wo Gewalt und Krisen präsent sind?

Claus-Jörg Richter: „Pausen. Tief durchatmen. Kühlen Kopf bewahren. Das Gebet.“

Lars Blume: Das ist ein inspirierender Ansatz und wenn ich darüber nachdenke sehr wertvoll. In der Natur und beim bewussten Durchatmen finde ich häufig Lösungen, die friedlicher und nachhaltiger sind, als wenn ich sofort handel.

Wie nehmen die Soldaten die Verantwortung für Frieden wahr?

Claus-Jörg Richter: „Im sog. Lebenskundlichen Unterricht wird auch die friedensethische Frage behandelt. Den Soldaten ist es sehr bewusst, dass sie sich auch unter Einsatz des Lebens für friedenserhaltende und friedensfördernde Maßnahmen einsetzen. Über das sog. ‚scharfe Ende‘ wird auch gesprochen. Ein Soldat brachte es einmal auf den Punkt: ‚Auch unter Einsatz militärischer Mittel stehe ich ein für die Durchsetzung und Aufrechterhaltung eines vorläufigen Friedens, der dann mit diplomatischen Mitteln weiter vorangetrieben wird. Dabei sehe ich manchmal das Dilemma, ein größeres Übel mit einem kleineren Übel zu bekämpfen.‘“

Lars Blume: Das zeigt die Komplexität, die wir in vielen relevanten Fragen zur Zeit erleben: Entscheidungen sind selten schwarz-weiß, schwierige Abwägungen begleiten jede friedensethische Handlung. Und trotzdem schöpfen Sie Hoffnung, woher kommt sie?

Claus-Jörg Richter: „Ich bin getragen von Gottes Zusage, ‚die Welt nicht mehr zu verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.‘ (Genesis 8,21) Leider bereiten Statements und Aktionen mancher Staatenlenker Kopfschütteln. Ich halte dem entgegen: ‚Ihr habt nicht das letzte Wort.‘ Ferner, schon vor Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine habe ich eingeladen zu einem wöchentlichen Friedensgebet. Das ist im Zusammenhang zu sehen mit der Friedensspiritualität, von der auch der erwähnte Debattenbeitrag spricht. Hoffnung schöpfe ich aus dem nicht nachlassenden Gebet und der Hoffnung, dass Gottes unverfügbare Geistkraft Menschen zum Frieden bewegen kann.“

Lars Blume: Für mich ist das ein schönes Bild: Hoffnung entsteht durch konstante Praxis, sei es Gebet, Zuhören oder Engagement in Gemeinschaften und sie kann weit über die eigene Handlung hinaus wirken. Was möchten Sie Menschen mitgeben, die glauben, sie könnten nichts für Frieden tun?

Claus-Jörg Richter: „Eine Person alleine kann die Welt nicht retten. Dazu braucht es eine Bewegung sehr vieler Gleichgesinnter. Und wenn ich alleine die Welt nicht retten kann, so kann ich doch in meinem nächsten Umfeld versuchen, mit jedem Menschen in Frieden zusammenzuleben. Einer der Hauptschlüssel sind Vergebung und Versöhnung. Vorgeschaltet ist das große Wort der Gnade. Also gnädig mit sich selbst und dem anderen umgehen. Ich bin überzeugt, dass das dann weitere Kreise zieht.“

Lars Blume: Herzlichen Dank, Herr Richter. Gerade jetzt, wo über Wehrpflicht und ‚Kriegstüchtigkeit‘ debattiert wird, ist es entscheidend, die Frage zu stellen: Wie werden wir ‚friedenstüchtig‘? Die FriedensDekade 2025 kann dafür Räume eröffnen – für Dialog, Diplomatie und die Kraft der Worte. Frieden braucht mehr als Waffen: er braucht Begegnung, Zuhören und gegenseitige Anerkennung.

Frieden im Dialog: Stimmen, Aktionen und Materialien der FriedensDekade entdecken

Zum Weiterlesen und Mitgestalten laden wir Sie herzlich ein: Entdecken Sie weitere Beiträge der Serie „Frieden im Dialog“, stöbern Sie in den Materialien der FriedensDekade in unserem Online-Shop und teilen Sie Ihre eigenen Geschichten und Aktionen mit uns unter kontakt@friedensdekade.de. Folgen Sie uns auf Instagram und melden Sie sich für den Newsletter an, um aktuelle Impulse zu erhalten, und unterstützen Sie unsere Arbeit durch eine Spende – jeder Beitrag stärkt die Friedensarbeit.

Denn: Jede Begegnung, jede Aktion, jede Stimme zählt. Gemeinsam können wir den Frieden wecken!

Bildungsformate: Kaffee, Schokolade und Frieden erleben.

Was haben Ihr Morgenkaffee oder ein Stück Schokolade mit Frieden zu tun? Die Antwort liegt in ihren Geschichten: vom Anbau über Ernährungssicherheit und gerechte Löhne bis hin zu globalen Konflikten. Um dies spürbar und verständlich zu machen, starten wir in diesem Herbst gemeinsam mit dem Ostdeutschen Förderkreis von Oikocredit ein Pilotprojekt und Sie können dabei sein.

Schon am 5. September haben wir in Jena-Lobeda den Auftakt gefeiert. 20 junge Teilnehmende erlebten, wie Kakao als ein Symbol globaler Ungleichheit wirkt. Jetzt geht es weiter: bis März 2026 erproben wir gemeinsam, wie Bildung, Dialog und Erlebnisformate eine Haltung des friedenschaffenden Konsums fördern können.

Erlebnisformat „Ressourcen, Konflikt & Flucht“

Dieses interaktive Format macht sichtbar, wie Ressourcenknappheit, globaler Handel und Konflikte zusammenhängen – und welche Verantwortung wir tragen. Es eignet sich als kraftvoller Einstieg in Diskussionsabende in Gemeinden, Schulen, Initiativen. Wenn Sie mitmachen möchten, bieten wir Ende September und Anfang Oktober zwei Online‐Workshops an. Dort bekommen Sie alle Materialien und Anleitung an die Hand, um das Format selbst durchzuführen. Melden Sie sich gerne vorab an unter kontakt@friedensdekade.de.

Walk & Talk in Berlin im Herbst 2025

Kommen Sie mit uns auf Spurensuche – mitten in der Stadt:

Berlin-Moabit – Spur der Schokolade: 15. Oktober 2025, Start mit Meditation um 19:00 Uhr, dann Walk & Talk
Reformations-Campus e.V., Wiclefstraße 32, 10551 Berlin
Anmeldung: kontakt@friedensdekade.de oder spontan dazukommen

Berlin-Marzahn – Spur des Kaffees: 25. Oktober 2025, 15:00 Uhr
Ev. Kirchengemeinde Marzahn, Alt Marzahn 61, 12685 Berlin
Anmeldung: kontakt@friedensdekade.de oder einfach hingehen

Berlin-Tempelhof – Spur der Schokolade: 12. November 2025, 18:00 Uhr
Ev. Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, Götzstraße 24 b, 12099 Berlin
Anmeldung: kontakt@friedensdekade.de oder spontan mitmachen

Einladung an Gemeinden 2026

Sie möchten eines dieser Bildungsformate auch in Ihrer Gemeinde oder Schule umsetzen? Von Februar bis März 2026 suchen wir Orte und Gruppen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die das Format vor Ort erproben und mitgestalten möchten. Später möchten wir weitere Bundesländer dazugewinnen, vielleicht bald auch Sie. Melden Sie sich, wir freuen uns auf Ihre Ideen: kontakt@friedensdekade.de.

Machen Sie mit – Frieden braucht Sie

Ob Erlebnisformat oder Walk & Talk – jede Aktion setzt ein Zeichen. Nutzen Sie unsere Mitmachtipps auf der Website oder stärken Sie Ihr Format mit Materialien aus dem Webshop der FriedensDekade.

Gemeinsam wecken wir den Frieden; nachhaltig, erfahrbar, bewegend.

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