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Schlagwort: Rüstungskritik

Wangari Maathai – Bäume pflanzen für den Frieden

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“

„Until you dig a hole, you plant a tree, you water it and make it survive, you haven’t done a thing. You are just talking.“ (Solange du kein Loch gräbst, keinen Baum pflanzt, ihn wässerst und am Leben erhältst, hast du nichts getan. Du redest nur.)

Wangari Maathai (Kenia, 1940-2011) war keine Frau der leeren Worte. Sie war eine Frau der Taten. Über 51 Millionen Bäume hat ihre Bewegung gepflanzt. Für sie war klar: Schöpfungsbewahrung ist Friedensarbeit.

In unserer Reihe „Frauen des Friedens“ zur ökumenischen FriedensDekade 2026 stellen wir Pionierinnen mutiger Widerständigkeit vor. Die ersten drei Frauen (Bertha von Suttner (1843-1914), Sophie Scholl (1921-1943) und Petra Kelly (1947-1992)) standen für Aufbruch. Mit dieser Biografie beginnt der zweite thematische Schwerpunkt: Schöpfung & Gerechtigkeit. Wangari Maathai zeigt, dass Friedensarbeit und Schöpfungsbewahrung untrennbar verbunden sind.

2026 erleben wir verschärfte ökologische Krisen. Entwaldung, Wüstenbildung, Artensterben beschleunigen sich. Der Kampf um Ressourcen wie Wasser und fruchtbares Land wird härter. Besonders der Globale Süden trägt die Hauptlast dieser Zerstörung. Zerstörte Umwelt führt zu Armut, Armut zu Konflikten. Wangari Maathai hat diese Zusammenhänge früh erkannt.

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Mit diesem Kartenset können Sie Mut, Kraft und Unterstützung für andere Menschen pflanzen.

Bäume pflanzen als politischer Akt

1977 gründete Wangari Maathai das Green Belt Movement. Die Idee war radikal einfach: Frauen sollten Bäume pflanzen. Einheimische Arten. Dort, wo sie gebraucht wurden: um Felder, entlang von Flüssen, in erodierten Gebieten.

Was harmlos klingt, war hochpolitisch. Die Wälder Kenias verschwanden nicht zufällig. Holzkonzerne rodeten im Auftrag korrupter Politiker. Öffentliches Land wurde an Günstlinge verkauft. Die Folgen trugen die Ärmsten: Frauen, die immer weitere Wege gehen mussten für Brennholz. Bauern, deren Böden erodierten.

Wenn Frauen Bäume pflanzen, fordern sie nicht nur grüne Landschaft, sie fordern Gerechtigkeit. Jeder gepflanzte Baum war ein Akt des Widerstands gegen ein System, das die Umwelt und die Menschen ausbeutete. Die Frauen bekamen für jeden überlebenden Baum eine kleine Bezahlung. Das gab ihnen Einkommen und Selbstbewusstsein.

Was als kleines Projekt begann, wurde zu einer Bewegung. Bis zu Wangaris Tod hatte das Green Belt Movement über 51 Millionen Bäume gepflanzt. Aber wichtiger als die Bäume waren die Frauen selbst. Sie hatten gelernt: Wir sind nicht machtlos.

 

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Widerstand gegen Korruption

Kenias Präsident Daniel arap Moi (Kenia, 1924-2020) regierte autokratär und korrupt. 1989 wollte er einen 60-stöckigen Wolkenkratzer mitten im Uhuru Park bauen. Wangari Maathai sagte Nein. Öffentlich, laut, unüberhörbar.

Das Regime reagierte mit Hass. Wangari wurde als „verrückte Frau“ diffamiert. Das war ihr Moment des Mutes: Sie wusste, was ihr drohte. Ihre Hände zitterten vielleicht. Aber sie ging trotzdem. Der Wolkenkratzer wurde nie gebaut. Aber Wangari zahlte einen Preis. Sie verlor ihre Professur, wurde mehrfach verhaftet, misshandelt. Ihre Ehe zerbrach. Ihr Mann ließ sich scheiden mit der Begründung, sie sei „zu gebildet, zu stur“. Wangari kommentierte: „Er hatte recht.“

Wurzeln im Glauben

Wangari Maathai wuchs als Katholikin auf. Für sie war Schöpfungsbewahrung ein biblischer Auftrag. In Genesis 2,15 heißt es: „Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.“ Bebauen und bewahren, nicht ausbeuten und zerstören.

Sie sagte: „Die Umwelt ist Gottes Schöpfung. Wenn wir sie zerstören, zerstören wir Gottes Werk.“ Für sie war jeder Baum ein Zeugnis göttlicher Kreativität. Die Erde zu bewahren war für sie Gottesdienst.

Gleichzeitig blieb sie verbunden mit der Spiritualität der Kikuyu. Für die Kikuyu waren Bäume heilig, Orte der Ahnen, Orte der Kraft. Diese spirituelle Verwurzelung gab ihr Kraft. Als sie im Gefängnis saß, betete sie. Als sie zweifelte, ging sie in den Wald und pflanzte einen Baum.

2004 erhielt sie den Friedensnobelpreis als erste afrikanische Frau. Das Nobelkomitee: „Frieden auf der Erde hängt von unserer Fähigkeit ab, unsere natürliche Umwelt zu sichern.“

Was Wangari uns heute sagt

Schöpfungsbewahrung ist Friedensarbeit. Zerstörte Umwelt führt zu Armut, Armut zu Konflikten. Wer die Schöpfung bewahrt, schafft Grundlagen für Frieden. Wangari würde heute fragen: Säen wir Zerstörung oder pflanzen wir Zukunft?

Kleine Taten können Großes bewirken. Ein Baum scheint unbedeutend. Aber 51 Millionen Bäume verändern ein Land. Friedensarbeit beginnt mit dem ersten Schritt.

Frauen sind Friedensstifterinnen. Wangari arbeitete mit Frauen, weil sie wusste: Frauen tragen die Hauptlast von Umweltzerstörung. Aber Frauen haben die Kraft, Dinge zu verändern.

Wangari Maathai hat gezeigt, dass Veränderung möglich ist. Sie hat Samen gesät, im wörtlichen und übertragenen Sinn. Die Bäume wachsen noch heute.


Couragiert widerständig, wie Wangari Maathai. Für eine Welt, in der wir die Schöpfung bewahren.


Fragen zur Reflexion:

Wangari zeigte, dass Umweltzerstörung zu Konflikten führt. Wo sehen Sie den Zusammenhang zwischen Schöpfungsbewahrung und Frieden?

Wangari begann mit dem Pflanzen von Bäumen. Was wäre Ihr „erster Baum“ – eine kleine Handlung zur Bewahrung der Schöpfung?

Wangari wurde verhaftet, verspottet, bedroht. Was würde Ihnen helfen, auch unter Druck an Ihren Werten festzuhalten?


Gebet: Gott der Schöpfung, danke für Menschen wie Wangari Maathai, die die Erde heilten. Lehre uns, Deine Schöpfung zu bewahren. Gib uns Mut, für die Erde einzustehen.
Amen.


Zum Weiterlesen:

  • Wangari Maathai: „Unbowed. A Memoir“ (2006)
  • Wangari Maathai: „The Challenge for Africa“ (2009)
  • Green Belt Movement:greenbeltmovement.org

Frieden braucht Lebensgrundlagen: Wangari Maathai machte deutlich, dass Frieden ohne Gerechtigkeit und ohne den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen nicht möglich ist. Ihr Einsatz für Demokratie, Frauenrechte und Umwelt war ein Weckruf gegen strukturelle Gewalt und Ausbeutung. Wie Frieden als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe verstanden werden kann, greift auch der „Friedensruf der Friedenssynode – Friedensfähig werden!“ im Materialheft zur FriedensDekade 2025 auf (Seite 30). Sichern Sie sich diese praxisnahen Entwürfe im Materialheft 2025 zum Aktionspreis oder Bestellen Sie schon heute das Gesamtpaket im Abo für die Erstlieferung im Juni diesen Jahres.

Petra Kelly – Die grüne Rebellin des Friedens

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“

„Ich bin keine Traumtänzerin, ich bin eine politische Realistin“

sagte Petra Kelly (Deutschland/USA, 1947-1992). Und doch träumte sie von einer Welt ohne Atomwaffen, ohne Krieg, ohne Umweltzerstörung. Diese Verbindung von Realismus und Vision machte sie zur Ikone der Grünen und der Friedensbewegung.

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In unserer Reihe „Frauen des Friedens“ zur ökumenischen FriedensDekade 2026 stellen wir Pionierinnen mutiger Widerständigkeit vor. Die ersten drei Frauen, Bertha von Suttner (Österreich-Ungarn, 1843-1914), Sophie Scholl (Deutschland, 1921-1943) und Petra Kelly, stehen für Aufbruch: Haltung zeigen, Gewissen bewahren, Rüstung kritisieren. Petra Kelly steht für eine Generation, die in den 1980er Jahren gegen die Logik nuklearer Abschreckung aufbegehrte.


Den Aufkleber mit dem Motto Klassiker der FriedensDekade „Frieden schaffen ohne Waffen“ bei uns im Webshop

2026 erleben wir erneut eine Zeit massiver Aufrüstung. Hundert Milliarden Sonderschulden für Rüstung, die Wehrpflicht-Debatte. Während in der Ukraine und Palästina Menschen sterben, während Spannungen um Iran, Venezuela und Grönland eskalieren, lautet die Antwort überall: mehr Waffen. Petra Kelly würde heute dieselben Fragen stellen wie damals.

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Wenn persönlicher Schmerz politisch wird

Petra Karin Kelly wurde 1947 in Günzburg geboren. Die Familie zog in die USA, wo ihre Mutter einen amerikanischen Offizier heiratete. Mit zehn Jahren erlebte Petra etwas Prägendes: Ihre jüngere Halbschwester Grace erkrankte an Krebs und starb 1970 mit 13 Jahren. Der Verdacht, dass Atomwaffentests und Umweltverschmutzung die Krankheit verursacht haben könnten, ließ Petra nie mehr los.

Aus persönlichem Schmerz wurde politische Mission: Kampf gegen Atomwaffen, gegen Umweltzerstörung, gegen ein System, das Profite über Leben stellt. Diese Verbindung von Persönlichem und Politischem machte Petras Engagement so authentisch und radikal.

Der Bruch und die Gründung einer Bewegung

Als die SPD unter Helmut Schmidt (Deutschland, 1918-2015) 1979 dem NATO-Doppelbeschluss zustimmte, brach Petra mit der Partei. Die Stationierung von Pershing-II-Raketen in Westdeutschland war für sie keine Friedenssicherung, sondern Wahnsinn. Dieser Bruch war eine Gewissensentscheidung.

1979 war sie Mitbegründerin der Grünen. 1983 zogen die Grünen erstmals in den Bundestag ein. Petra trug Blumen statt Aktenkoffer, sprach von Liebe statt Machtpolitik. Die etablierte Politik reagierte mit Spott. Ihre Hände zitterten manchmal vor wichtigen Reden. Aber sie sprach trotzdem. Das ist Mut: nicht die Abwesenheit von Angst, sondern das Handeln trotz der Angst.

Rüstungskritik als Überlebensfrage

Petras Argumente gegen Aufrüstung waren radikal, aber nicht weltfremd. Sie organisierte Menschenketten gegen Atomraketen, Sitzblockaden vor Militärstützpunkten. 1983 in Prag forderte sie Abrüstung in Ost und West. Sie kritisierte sowjetische SS-20-Raketen genauso wie westliche Pershing II. Das brachte ihr Feinde auf beiden Seiten ein. Petra stand zwischen allen Stühlen. Und blieb bei ihrer Überzeugung: Frieden ist unteilbar.

Sie argumentierte ökonomisch: Jede Milliarde für Raketen fehlt bei Schulen und Krankenhäusern. Sie argumentierte strategisch: Abschreckung führt zur Eskalation, nicht zur Sicherheit. Diese Argumente klingen 2026 erschreckend aktuell.

Innere Quellen des Widerstands

Petra Kelly war tief geprägt von der Bergpredigt, von Gandhi (Indien, 1869-1948) und Martin Luther King (USA, 1929-1968). Sie schrieb: „Wir müssen lernen, die Waffen des Geistes zu benutzen: Liebe, Mut, Hoffnung, Gewaltfreiheit.“

Diese innere Überzeugung machte sie verwundbar. Sie litt unter Depressionen, fühlte sich oft überfordert. Der Druck war enorm: Tausende erwarteten, dass sie die Ikone blieb. Aber Petra war auch nur ein Mensch mit Ängsten, Zweifeln, Erschöpfung. Ihr Mut zeigte sich gerade darin, dass sie trotz dieser Ängste weitermachte.

Am 1. Oktober 1992 wurden Petra Kelly und Gert Bastian (Deutschland, 1923-1992) tot in ihrer Bonner Wohnung gefunden. Petra war 44 Jahre alt.

Was Petra uns heute sagt

Rüstungskritik ist Friedensarbeit. Petra würde heute gegen die Aufrüstungsspirale protestieren. Ihre Frage bleibt aktuell: Macht mehr Rüstung uns sicherer oder befeuert sie nur die Gewalt?

Persönliches und Politisches gehören zusammen. Petras Engagement erwuchs aus persönlichem Schmerz. Diese Verbindung macht Friedensarbeit authentisch.

Mut bedeutet: trotz Angst handeln. Petra hatte Depressionen, Selbstzweifel, Erschöpfung. Sie machte trotzdem weiter.

Petra Kelly hat eine Generation politisiert. Sie hat gezeigt, dass Widerstand möglich ist. Sie hat den Diskurs verändert. Das ist die Wahrheit über Friedensarbeit: Sie zeigt Wirkung, auch wenn der Erfolg nicht sofort sichtbar ist.


Couragiert widerständig, wie Petra Kelly. Für eine Welt, in der Rüstung nicht die Antwort ist.


Fragen zur Reflexion:

Petra Kelly brach mit der SPD, als diese aufrüstete. Wann müsste für Sie Loyalität enden, weil das Gewissen etwas anderes fordert?

Petra argumentierte: Jede Milliarde für Waffen fehlt bei Schulen. Wie bewerten Sie die aktuellen Rüstungsausgaben?

Petra litt unter Depressionen, kämpfte aber trotzdem weiter. Was hilft Ihnen, auch in Momenten des Zweifels festzuhalten?


Gebet: Gott des Friedens, danke für Menschen wie Petra Kelly, die trotz Zweifeln für ihre Überzeugung eintraten. Gib uns Mut zur Rüstungskritik, Kraft zum Widerstand. Lass uns Friedensstifter sein.
Amen.


Zum Weiterlesen:

  • Petra Kelly: „Um Hoffnung kämpfen“ (1983)
  • Sara Parkin: „The Life and Death of Petra Kelly“ (1994)
  • Petra-Kelly-Stiftung, München

Widerständig bleiben, wenn der Weg lang ist: Petra Kelly stand für eine Friedenspolitik, die sich nicht an Mehrheiten orientierte, sondern am Gewissen. Ihr Leben zeigt, wie couragiertes Handeln in demokratischen Konflikten aussehen kann und warum Frieden Ausdauer braucht. Wie solche Alternativen zur militärischen Logik heute diskutiert werden, zeigt der Beitrag „Debatte um Soziale Verteidigung – Wehrhaft ohne Waffen“ im Materialheft zur FriedensDekade 2025 auf Seite 22. Sichern Sie sich diese praxisnahen Entwürfe im Materialheft 2025 zum Aktionspreis oder Bestellen Sie schon heute das Gesamtpaket im Abo für die Erstlieferung im Juni diesen Jahres.

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Angst-Einschlaflied – Ein Impuls von Berthold Keunecke

Ein Impulstext zum Jahresmotto der Ökumenischen FriedensDekade in 2025

„Bevor der Frieden kommt, darf die Angst zur Ruhe finden“

Bevor wir den Frieden wecken, müssen wir vielleicht erst die Angst zur Ruhe bringen.
In seinem Impuls zur FriedensDekade 2025 beschreibt [Name des Autors] eindrücklich, wie lähmend Angst wirkt – und wie Vertrauen, Empathie und der Glaube an die Kraft der Liebe neue Räume öffnen.
Ein Text, der uns erinnert: Frieden beginnt, wo wir den Mut finden, anders hinzusehen.

Angst-Einschlaflied

„Komm den Frieden wecken!“ sagen wir in der diesjährigen Friedensdekade. Aber vielleicht müssen wir zunächst unserer Angst ein Lied zum Schlafengehen singen: „La-le-lu, liebe Angst, geh nun zur Ruh‘ …“?

„Mutig – stark – beherzt“ – war das Motto des Kirchentages in Hannover.  Aber die wenigsten meiner Gespräche dort waren von dem Mut und der Aufbruchstimmung geprägt, den das Motto beabsichtigte. Auch bei vielen von uns Christinnen und Christen ist die Angst stärker als das Vertrauen. So viele Leute sind erfüllt von Angst und meinen, nur überlegene Waffen könnten noch Sicherheit bieten. Ich spüre: Die Angst ist ein Gefühl, welches das Denken einschränkt. Je höher ein Konflikt eskaliert, desto weniger ist Nachdenklichkeit möglich. Feindbilder prägen die Konfliktdynamik schon vor der Gewalteskalationsstufe – wenn diese Stufe aber erreicht ist, wird jede Kritik an der Gewalt der eigenen Gruppe als Unterstützung des Gegners gewertet.

Ich glaube, dass uns Jesus von Nazareth mit der Feindesliebe eine wichtige Möglichkeit der Deeskalation ans Herz gelegt hat. Feindesliebe heißt ja nicht, Unrecht zu akzeptieren, sondern sie bedeutet, sich in den Gegner hineinzudenken. Auf der anderen Seite Menschen zu erkennen, die Interessen verfolgen. Das wäre eine Grundlage für Kommunikation. Das gerät aber aus dem Blick, wenn die Waffen alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn Angst unseren Blickwinkel verengt.

Über die Komplexität und Geschichte des Konfliktes in der Ukraine herrscht bei uns erschreckende Ignoranz, so mein Eindruck vom Kirchentag. Gründe dafür sind u.a. Feindbilder und die Angst vor „den Russen“, die seit über 100 Jahren in unserem Land Raum gewonnen haben. Jesus macht uns dagegen Mut, in ihnen Menschen zu erkennen. Das fällt leider schwer, wenn die Angst unsere Seelen besetzt. Die Rüstungslobbyisten reden deshalb viel von Bedrohung, und wenig von Kommunikationsmöglichkeiten.

Ich bin dankbar für so viele Erfahrungen mit der Kraft der Gewaltfreiheit, und dass mein Glaube stärker geworden ist als alle Angst. Ich glaube nicht mehr an die Macht der Waffen, sondern an die Kraft der Liebe. Ich glaube, dass gute Beziehungen eher den Frieden sichern als militärische Stärke. Ein entwaffnendes Lächeln kann einen Streit in der Familie beenden, und Versöhnungsbereitschaft kann eine Konfliktdynamik wenden. Willy Brandts Entspannungspolitik hat den Fall der Mauer 1989 ermöglicht. Ich werde mich also immer gegen die Angst wenden, die mit Begriffen wie „Zeitenwende“ und „nötiger Kriegstüchtigkeit“ geschürt wird – ich sage mutig: „Nie wieder Krieg!“ und vertraue auf den, der sagt: „Selig sind, die Frieden stiften“. Ich singe meiner Angst immer wieder ein Einschlaflied und versuche, unter uns den Frieden zu wecken.


Den Frieden wecken – das beginnt im Kleinen: in unseren Gesprächen, in unserer Haltung, in unserer Sprache.


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