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Schlagwort: Regionalbischöfin Erfurt

Wolkig mit Aussicht auf Musik“: Die Kantate-Predigt von Friedensbotin Dr. Friederike F. Spengler

Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler hört in ihrer Predigt zum Sonntag Kantate auf das, was Musik mit Frieden zu tun hat und warum Gottes Gegenwart sich manchmal nur erahnen lässt.

Was hat ein fertiggestellter Tempel mit Friedenssehnsucht zu tun? Und warum klingt das Widderhorn, das einst zum Dienst an der Waffe rief, bei Salomo plötzlich als Musikinstrument? Unsere Friedensbotin, Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler, predigt am Sonntag Kantate in der Johanniskirche Gera über 2. Chronik 5 – und entfaltet dabei ein überraschendes Bild: Gotteslob als Zeichen des Friedens, Klang als Ort der Gegenwart Gottes, und eine Wolke, die mal weiß und flauschig, mal schwer und dunkel ist.

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Die Predigt im Wortlaut

Wolkig mit Aussicht auf Musik

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Wolkig

Gott ist mit den Menschen unterwegs. Solange die Bibel denken kann, ist das so. Immer wieder hat es Versuche gegeben, ihn dingfest zu machen: Gott mit Etiketten zu versehen, auf denen draufsteht, wie er ist, wo sie wohnt.

Dabei hatte das Volk Israel Gott ganz anders kennengelernt. Als Gott mit ihnen. Mitziehend. Als einen, der immer dabei war. Den man vorausgehen sah – etwa tagsüber in einer Wolke und nachts in einem Feuerschein. So kannten sie Gott. Und so trugen sie auch ihr Heiligtum mit sich herum. Ein bisschen wie ein mobiles Mobiliar:  In einem großen Kasten trug das Volk die Tafeln, auf die Mose die Zehn Gebote von Gott geschrieben hatte, mit sich. Das war ihr Heiligtum. „Lade“ nannten sie den Kasten. In der gesamten Zeit ihrer jahrzehntelangen Wanderung haben sie die Lade mit sich genommen und waren sich damit Gottes sicher

Und weil das Volk inzwischen sesshaft wurde, braucht auch – so stellten sich die Leute das vor – natürlich auch Gott ein Haus! Im biblischen Buch der Könige wird uns erzählt, wie König David die Lade nach Jerusalem brachte. König Salomo bringt nun das Werk seines Vorgängers zuende, die Lade zu Ruhe.

Der Tempel ist fertiggebaut, ein Prachtbau sondergleichen! Jetzt kann die Lade einziehen und Gott hat einen festen Wohnsitz. Das Volk hofft damit auf ruhige, friedliche Zeiten. Dafür hat im Auftrag Gottes ein König zu sorgen. Das galt und gilt bis heute: Gott will, dass die Herrscher dieser Welt in seinem Namen für Frieden sorgen. Für Beruhigung des Lebens durch Gerechtigkeit Schalom also. Deshalb König Salomo. In seinem Namen steckt das Wort „Shalom“ schon drin. Sei Name ist Programm für: Friede, Ruhe, Heil, Gutes. Ganz schöne hohe Erwartungen an einen König.

Die Erfahrung der Menschen damals wie heute: Könige, Herrscher allgemein, haben ihre ganz eigenen Vorstellungen und scheren sich wenig darum, was Gott Gutes für seine Erde will. Hier geht es vor allem um Machterhalt und Sicherheit: und dazu braucht es Schutz, natürlich durch Armeen. Ohne Abschreckung keine Ruhe vor den Feinden, sagen sie und finanzieren Waffen über alles hinausgehend, was sich ein Land leisten kann. Ohne Vorbereitung auf einen Krieg keinen Frieden, sagen sie und beginnen schon mal mit der Musterung der jungen Menschen ab 18.

Schaut man sich die Zeiten an, hat es in beinah jeder Generation Kriege gegeben. Ich denke, so rechnete auch das Gottesvolk damit, dass ihr Salomo verfahren würde. Damals rief man mithilfe eines Widderhorns an die Waffen. Salomo aber ließ nicht zu den Waffen rufen, sondern zum Gottesdienst! Aus dem Horn des Krieges wird ein Musikinstrument, aus Kampfübungen wird gemeinsames Musizieren. Nicht Kampf, Gewalt und zur Schau gestellte Macht soll das Zeichen von Gottes Volk sein – sondern gemeinsames Gotteslob.

Im Predigttext heißt es: Es war, als wären alle wie eine einzige Stimme – als würden die vielen Trompeter und Sänger denselben, guten, friedfertigen Ton zur Ehre Gottes treffen. Wie „ein Herz und eine Seele“. Alle hatten dieselbe Ausrichtung: Gott zu loben. Und in diesem Moment passiert dann – und seitdem immer wieder – etwas ganz Besonderes: Die Menschen spüren Gottes Gegenwart. Ganz dicht bei ihnen. Neben dir und dir und mir Gott. In unserer Mitte und ganz am Rand. Ganz nah. Die Bibel beschreibt das mit der Wolke, die den Tempel erfüllt.

Gott in einer Wolke daher und füllt den ganzen Raum aus. Alles voll Gott.

Wolkig erscheint Gott.

Als Kind habe ich vieler solcher Bilder gemalt: kuschlig-schöne, weiße Flauschwolken. Ich konnte mich herrlich hineinträumen in Wolkenlandschaften. Alles schön, friedlich und gut. Wer schon mal geflogen ist, der hat es vielleicht erlebt: Wolken über einem und dann stößt die Nase des Fliegers durch die Wolkendecke. Man schwebt dann über den Wolken dahin, blendendes Sonnenlicht von allen Seiten und unter einem ein Teppich wie aus weißer Watte.

Gott als Wolke heißt aber auch: nicht greifbar, gleichzeitig da und sich verflüchtigend, unverfügbar, nicht zu fassen. Wolkig.

Jetzt erinnert ihr euch vielleicht: mitnichten sind Wolken nur weiß und leuchtend. Oder rosarot, weil die Sonne gerade majestätisch im Meer versinkt. Wolken können auch grau und schwer, zerrissen und dunkel, tiefhängend und bedrohlich sein. Stehen also auch für das, was wir von Gott nicht erkennen. Oder nicht mit seiner Liebe zusammenbringen. Schwere Zeiten etwa. Menschen, die alles verlassen und fliehen müssen, Leute, die ihre Liebsten loslassen müssen, Enttäuschungen, Krankheit, Trennung, Schmerz… Da ist nichts mit Schäfchenwolken oder solchen wie aus rosa Zuckerwatte. Da liegen die Wolken schwer auf mir und ich komme nicht hindurch.

Ich kenne solche Zeiten und ihr sicher auch. Und nicht immer fällt mir dabei immer gleich ein, dass Gott doch „im Dunkel wohnen will“. Und, dass er das Dunkel erhellen kann. Aber so hat er es versprochen und ich will mich darauf verlassen!

Ja, Gott ist nicht berechenbar. Nicht einhegbar, nicht domestizierbar. Weder zwischen Aktendeckel noch in schöne Kirchen. Gott ist unverfügbar. Gott lässt sich auch nicht für unsere Ziele einspannen (Gott sei Dank!). Aber finden lässt er sich, wenn du ihn suchst. Finden lässt er sich an allen Orten, auch in dieser Kirche hier. Und manchmal lässt er sich spüren. Wenn das passiert, ist das ein Geschenk. Im Lied, welches wir nach der Predigt singen, wird das so beschrieben: „Du durchdringest alles, lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so, still und froh, deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“ (EG 165,6)

…mit Aussicht auf Musik

Ich spüre Gott besonders in der Musik. Du auch? Etwa, wenn die Orgel einsetzt oder ein Chor so richtig gut singt. Oder wenn die Handglocken perfekt aufeinander abgestimmt sind. Wenn der Posaunenchor den Rhythmus vorgibt und ich kaum stillsitzen kann und alles in mir vibriert, ein Gospelchor oder eine Band die ganze Kirche zum Kochen bringt. Dann fällt alles ab von mir, was mich bedrückt und beschäftigt und ich spüre: Gott will mein Bestes! Sein Shalom hüllt mich ein.

Zur Zeit von König Salomo war das mit der Musik im Tempel ganz anders als heute. Da gab es noch keinen Gemeindegesang, bei dem alle mitsingen. Musik war die Aufgabe von Profis – den Leviten und Priestern. Die hier aufgezählten Profis für Trompeten (die damals eher Fanfaren glichen, denn es gab noch keine Instrumente mit Ventilen und Klappen) und Gesang waren bei aller Vielstimmigkeit einstimmig unterwegs. Auch wieder ein Friedensbild: Dass alle ihre Bedürfnisse zur Sprache bringen können, dass alle die Freiheit ihres Selbst-Seins leben können und dennoch im Ziel, als Gemeinschaft EINS sind. Das muss einen sagenhaften Klang ergeben haben. Bibelwissenschaftler kommen bei Nachzählen von hier Musikbeteiligten auf 288 Leute. Was für eine Klangwolke! Da ist sie ja wieder die Wolke. Gott in der Wolke, also auch in der Klangwolke. Dort, wo um des Gemeinsamen Willen der eine, gute Ton getroffen wird, ist Gott gegenwärtig!

Der Predigttext erzählt, dass Salomo Musik im Gottesdienst sehr wichtig war. Er wusste: Gesungenes Gotteslob kann etwas verändern: Es richtet unseren Blick nach oben. Und gibt dadurch eine neue Perspektive. Also: „Lobe den Herrn, meine Seele“!

Das Wort für „Seele“ (im Hebräischen näfesch) bedeutet eigentlich „Kehle“ – also das, womit wir atmen. Das heißt: Loben kann schon beim Atmen anfangen.

Beim Einatmen: Ich empfange Leben von Gott.

Beim Ausatmen: Ich gebe ihm meinen Dank zurück.

So wird dein Atem zum Gotteslob. Gotteslob muss ja nicht laut sein. Manchmal passiert es ganz leise – einfach dadurch, dass du atmest und dabei dankbar bist.

Und gleichzeitig kann Gott loben wunderbar kräftig und unüberhörbar klingen. Denn seit inzwischen Jahrhunderten singen wir alle. Besonders die Reformatoren hatten es sich auf die Fahnen geschrieben, die ganze Gemeinde durch Lieder an Gotteslob, Klage, dem Ausdruck von Freude und Dank, der Suche in Zeiten der Not u.s.w. zu beteiligen. Kirchenlieder wurden geschrieben und tragen seitdem auch zur Demokratisierung kirchlichen Lebens bei: alle können, keiner muss singen. Und in Zeiten, in denen dir die Stimme versagt, kannst du dich auf die der anderen verlassen, die für dich mitsingen. Singende Gemeinde trägt einander auf der Wolke des Klangs.

Auf Kirchentagen, Bläser – und Chortreffen ist das Gotteslob laut und unüberhörbar. Und das ist gut so. Das braucht unsere Gesellschaft. So wie unsere Glocken in den mehr als 3000 Kirchtürmen unserer Landeskirche. Glocken sind ja Instrumente und haben ganz eindeutige Aufträge: Die Menschen ans Gotteslob zu erinnern etwa, zum Gottesdienst zu versammeln, zum Frieden aufzurufen. Unsere alten und neuen Lieder, die wir an Sonn- und Feiertagen als Gemeinde singen, haben orientierenden Charakter. Und: Menschen, die miteinander singen und musizieren, gehen nicht aufeinander los, schießen nicht aufeinander. Auch das ist eine Erfahrung, die wir bewusst machen, eine Wahrheit, die wir weitersagen sollen.

Liebe Gemeinde, singen und musizieren wir also gemeinsam das Lob Gottes: zur Ehre des Höchsten und uns zum Shalom. Denn „Gott ist gegenwärtig“! Amen

 

Predigtlied: EG 165,1.4-6.8

 


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Über die Friedensbotin: Dr. Friederike F. Spengler ist seit 2022 Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Sie bringt ihre eigene Geschichte aus der Friedensbewegung in die Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade 2026 ein.

„Das Ende ist mein“: Die Osterpredigt von Friedensbotin Dr. Friederike F. Spengler

Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler blickt in ihrer Osterpredigt für die FriedensDekade 2026 auf die „Tische der Macht“ und kontrastiert sie mit Gottes Einladung zum Frieden.

Was macht eine „Erfolgsgeschichte“ wirklich aus? In einer Zeit, in der Aufrüstung und Abschreckung wieder als alternativlos gelten, setzt unsere Friedensbotin, Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler, einen bewussten Gegenakzent. Sie verbindet ihre eigene Geschichte in der Friedensbewegung mit einer radikalen biblischen Vision: dem Festmahl auf dem Berge Zion. In unserem neuen Mitgliederbereich erhalten Sie die Osterpredigt auch  als PDF zum Download

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Die Osterpredigt im Wortlaut

Liebe österliche Gemeinde,

„Die erfolgreichste Geschichte der Welt: Sie waren kaum mehr als 20 Jünger, als ihr Anführer starb. Es wurden Milliarden Christen. Kaum zu glauben, wie aus einer kopflosen Sekte eine Hochreligion werden konnte.“ So titelte eine bekannte deutsche Wochenzeitung. Ich gestehe: Mit „erfolgreich“ tue ich mich schwer, wenn es um den Glauben geht, den wir einander bekennen und bekräftigen mit dem Ruf „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!“

„Erfolgreich“ ist nicht die Kategorie, nach der Gott die Welt rettet, ja es bereits getan hat. Natürlich haben die Journalisten mit der Bestandsaufnahme ansonsten recht. Denn das, was als kleine innerjüdische Bewegung mit Jesus von Nazareth, wahrer Mensch und wahrer Gott, begann, hat in den 2000 Jahren unzählige Menschen erreicht. Milliarden sind gelinde gesagt, leicht untertrieben. Und das – und das ist für mich das größte Osterwunder – mit und trotz aller Bedrohung, Angst und Furcht durch die Geschichte. Mit und trotz aller Abgründe und Schuld der Kirche. Mit und trotz aller Unzulänglichkeiten beim Bodenpersonal Gottes, uns heute eingeschlossen. Ich ahne, was da der Heilige Geist so zu tun hat…

„Die erfolgreichste Geschichte der Welt“ handelt von Gottes Reich. Das war Jesu Botschaft. Alle seine Gleichnisse, seine empathischen Zuwendungen, seine heilenden Berührungen dienten der Beschreibung dieses Gottesreiches. Er hat bei den Leuten die Sehnsucht geweckt, dazuzugehören. Er hat unter den Trostlosen Hoffnungsbilder geformt, unter den Ängstlichen Ermutigung gestiftet, unter den Einsamen und Ausgegrenzten Anerkennung ausgegossen. Alles Erfahrungen, die den Worten vom Reich Gottes Nahrung gaben.

Ein Bild für das Unvorstellbare

Denn, machen wir uns nichts vor: Es ist schwer, sich das Gottes Reich konkret vorzustellen. Das wusste schon Jesaja, der Prophet. Die Leute brauchen etwas Greifbares, etwas zum Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen, um auch nur ansatzweise eine Ahnung davon zu bekommen. Deshalb beschreibt Jesaja ganz bildhaft, was er für unser aller Zukunft sieht:

Jesaja 25,6-9
6 Und der Herr Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.
7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind.
8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der Herr hat’s gesagt.
9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der Herr, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

 

Jesaja werden von Gott Vorstellungen von etwas Unvorstellbarem geschenkt. Nicht nur für sich, sondern zum Ausrichten an die, die es gerade nötig haben. Das ist der Beruf eines Propheten, nicht mehr und nicht weniger: Mund Gottes für Israel zu sein. Gottes Volk hatte das wohl damals genauso nötig wie heute. Um etwa 320 vor Christi Geburt muss es gewesen sein, als Jesaja Gottes Wort weitergab. Wenn ich lese, was diese Zeit damals ausmachte, bekomme ich Gänsehaut: das ganze heutige Europa und Asien wurde gebeutelt von jahrzehntelangen Kriegen, ein Kommen und Gehen unter den Herrschern, man ließ die Muskeln spielen und gefiel sich in Drohgebärden, hatte dagegen alle Verbindung zum Volk verloren.

Die Tische der Macht

Mir fallen heutige Herrscherhäuser ein: Ich sehe etwa einen Mann an einem über 6 m langen Tisch, der vorhergehende war noch länger. Der Staatschef auf der einen Seite, die ihn aufsuchenden Männer und Frauen, ganz gleich ob aus dem Land, für welches er Verantwortung trägt oder nicht, auf der anderen. Oder der mit dem überdimensionalen Schreibtisch aus hochpoliertem Edelholz: Der dahinter sitzt, thront in Sicherheit, lässt sich von tiefbewegten Menschen umbeten und segnen; wer davorsteht, muss sich fügen. Deutlicher lässt sich die Distanz zwischen selbstbewusster und ausgeübter Macht kaum darstellen.

Und Gott sprach zu Jesaja. Und Jesaja spricht Gottes Zielbild für die Welt heute zu uns. Das klingt etwa so: „Am Ende der Zeit werden alle herrschaftlichen Sekretäre, alle Konferenztische, alle militärischen Kartentische, alle einschüchternden, erhöhten Tische aus Gerichtssälen und jene aus den Kommandozentralen herausgeräumt und aneinandergereiht auf dem Berg Gottes. Und über ihre aufpolierten Oberflächen, die die Wucht niedersausender Fäuste kennen (denn einer muss ja mal richtig auf den Tisch hauen!) und die Einkerbungen der Richterhammer und die winzigen Löcher, die durch Nadeln auf Schlachtplänen entstanden sind, werden mit feinem weißem Leinen bedeckt.

Und dann tafelt Gott auf: das Beste vom Besten ist ihm gerade gut genug, ER lässt es sich etwas kosten. ER dient am Tisch der Völker und ermöglicht damit den Frieden unter ihnen. Für einen Frieden, der es wert ist, Friede genannt zu werden, ist Gott nichts zu teuer!“

Gottes Jahrhundertwein und die Festtafel der Völker

Jesaja schwärmt von dem, was aufgetafelt wird. Und dabei läuft ihm sicher das Wasser im Mund zusammen, so sehr sehnt er sich mit allem Volk nach gutem, sättigendem Essen und Trinken. Gott serviert wunderbare Speisen und Getränke. Der hebräische Urtext ist hier sehr genau. Die Worte beschreiben, dass das, was sonst für das Opfer am Tempel an gutem Fleisch beiseitegelegt wurde, auf Gottes Friedenstisch für die Völker kommt. Dazu ein Jahrhundertwein! Das Hebräische schwelgt, ihn zu beschreiben und ist sich der vielen „Ah!s“ und „Oh!s“ der kostenden Münder sicher.

Das Bild, welches Jesaja vor das innere Auge seiner Zuhörenden malt, führt unmittelbar in staunende Freude über diese Festtafel. Und nun sitzen sie alle an einem Tisch: die Putins und Trumps, die Xi Jinpings, Macrons, Netanjahus, Mullahs und Merzens ebenso, wie alle anderen Staatsoberhäupter der Erde: Alle sind geladen, alle sind gekommen. Und nein, kein „Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen“, denn es ist für alle gesorgt. Gott selbst bindet sich die Schürze um und trägt auf, die Gläser blinken und die Tische biegen sich unter der Last der Köstlichkeiten.

Und wer sitzt hier so alles? Nicht nur die Staatsoberhäupter, alle haben Platz an Gottes langer Friedenstafel, alle, alle, alle. Keiner wird abgewiesen, alle heißt Gott willkommen. Mit seinem Friedensmahl wird er ihre verkrampften Minen aufhellen und ihre versteinerten Herzen weich werden lassen wie Butter in der Sonne. Bereits nach der Vorspeise legen die Waffentragenden ihr Kriegsgerät ab. Deren Geschichte ist zu Ende, ein für alle Mal. Sie taugen ab heute nur noch zum Ackergerät. Und spätestens nach dem Hauptgang ist man selbst mit dem größten Gegner auf „Du und Du“. Dann wird angestoßen auf Schwestern- und Brüderschaft und diese wird halten bis ans Ende aller Tage.

Die Wahrheit wird sichtbar

Was für ein Bild! Jesaja kann gar nicht so verzückt sprechen, wie ihm gerade zumute ist. Sein Gesicht leuchtet, wird er doch Zeuge davon, wie die Decke der Bosheit und Dummheit, der Gier und Macht von den Augen aller weggezogen wird. Was hervorkommt, ist kaum zu fassen: Wahrheit steht auf einmal allen vor Augen und die Lügen haben ausgedient. Es gibt nichts Verdecktes mehr, keine Machenschaften, keine unlauteren Absichten, keine Klüngeleien, keine Korruption. Alles beendet.

Und wenn der Hauptgang verzehrt ist, serviert Gott das Dessert und mit diesem wird auch der letzte Gang des Lebens vertilgt: der Tod. „Verschlungen in den Sieg“, Gott hat den Fresser des Lebens selbst verschlungen, schaut Jesaja. Aus ist es mit dem Tod, er wird nie wieder Nahrung erhalten, wird vom Erdboden vertilgt, ist Geschichte. Keiner wird ihn mehr vermissen.

Während nun die so Verköstigten noch gar nicht recht fassen können, wie ihnen geschieht, zu Tränen gerührt, tief im Herzen berührt sind, steht Gott erneut neben ihnen. Und mit der Geste größter Aufmerksamkeit tupft er mit seinem blütenweißen Taschentuch Tränen von ihren Gesichtern. „Alles wird gut“, flüstert er. „Alles wird gut, denn das Ende ist mein“, spricht er.

Das österliche „ABER“

Ihr Lieben, den Drohgebärden des Todes und der Hölle begegnen wir täglich beim Blick auf die Welt. Noch! Und die Argumente, sich durch riesige Waffenarsenale schützen zu müssen, werden immer selbstbewusster vorgetragen. So als hätten wir nichts gelernt aus den Jahrzehnten des kalten Krieges, so als wüssten wir nichts von der Logik der Abschreckung, die einzig zum Wettrüsten führt und den Teufelskreislauf der Vernichtung anheizt. Da werden Ressourcen verschleudert, die für großen Herausforderungen der Zukunft so wichtig wären. Ach, es ist ein Jammer und manch einer von uns schwindet mitunter die Hoffnung.

ABER: Gottes Frieden bricht in unsere Welt ein. Es wird Ostern! Mit der Kraft der Ohnmacht setzt sich Gottes Aber durch, bricht mit einem Wort hinein in alles, was ängstigt und kleinlaut macht. Jesaja ist Gottes Mund für uns. Er lässt uns nicht im Unklaren über Gottes Pläne. Auch Jesus bezog sich auf ihn. Etwa beim Abendmahl mit den Seinen: „Ich werde von jetzt an nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinke im Reich Gottes.“

Daran erinnern wir uns als Gemeinde Gottes und feiern ihn und seine Auferstehung. Heute ist er unter uns. Heute spricht er uns unsere Auferstehung zu. Wisst also um die himmlische Festtafel, gebaut aus den Tischen der Macht: Den Völkern zum Frieden, Euch zum Heil. Es ist um Gottes Willen bereits alles vorbereitet. Gebt die Einladung weiter: Furchtlos und mit vertrauensvollen Herzen, denn, so spricht der Herr: „Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.“

Amen.

Und der Friede Gottes, höher als alle Vernunft, bewahre und erhalte eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem HERRN.


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Über die Friedensbotin: Dr. Friederike F. Spengler ist seit 2022 Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Sie bringt ihre eigene Geschichte aus der Friedensbewegung in die Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade 2026 ein.

Dr. Friederike F. Spengler wird Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026

Regionalbischöfin aus Erfurt bringt eigene Geschichte der Friedensbewegung mit

Dr. Friederike F. Spengler, Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt, wird Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026. Ihr Engagement für Frieden und Gerechtigkeit ist tief in der Geschichte der DDR-Friedensbewegung verwurzelt.

Zur vollständigen Pressemitteilung (pdf): Dr. Friederike F. Spengler Wird Friedensbotin Der Ökumenischen FriedensDekade 2026


Die Ökumenische FriedensDekade hat ihre Friedensbotin für 2026 bekanntgegeben: Dr. Friederike F. Spengler, Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die FriedensDekade findet vom 8. bis 18. November 2026 statt. Kirchengemeinden und Initiativen in ganz Deutschland laden in dieser Zeit zu Gebeten, Diskussionen und Aktionen ein.

Eine Biografie im Zeichen des Friedens

Aufgewachsen in einem christlich engagierten Elternhaus in Leipzig, war Friederike Spengler 14 Jahre alt, als die FriedensDekade 1982 in der Nikolaikirche eröffnet wurde – unter den Augen der Staatssicherheit. Jugendliche wie sie trugen das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ auf der Jacke und nahmen dafür Repressalien in Kauf. Was damals als gewaltloser Widerstand begann, mündete wenige Jahre später in die Friedliche Revolution von 1989, in der die Nikolaikirche eine zentrale Rolle spielte.

„Die FriedensDekade gehört elementar zu meiner Prägung. Ich erinnere mich noch gut, wie wir als Jugendliche für das Logo ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ gestritten und gelitten haben. Diese Erfahrung, dass Glaube und Zivilcourage zusammengehören, motiviert mich bis heute.“

Dr. Friederike F. Spengler

Bevor sie Theologie studierte, arbeitete Spengler als Kinderdiakonin und in der Psychiatrie- und Heilerziehungspflege – Erfahrungen, die ihr Amtsverständnis bis heute prägen. Als Regionalbischöfin und Mitglied der EKD-Synode tritt sie öffentlich dafür ein, die Vision eines gerechten Friedens nicht preiszugeben – auch dann nicht, wenn politische Debatten von Gewaltlogik und Aufrüstung dominiert werden.

„Angesichts der aktuellen Krisen dürfen wir uns nicht mit der Logik der Gewalt abfinden. Wir müssen couragiert widersprechen, wo Hass und Aufrüstung das Wort führen, und stattdessen Räume für Versöhnung schaffen.“

Dr. Friederike F. Spengler

Das Motto der FriedensDekade 2026 lautet: „couragiert widerständig“.

Was ist eine Friedensbotin?

Seit 2020 benennt die Ökumenische FriedensDekade jährlich eine oder mehrere Friedensbotinnen bzw. Friedensboten. Sie unterstützen das Friedensengagement der FriedensDekade mit ihrer Persönlichkeit und ihrem öffentlichen Wirken, geben Impulse für die Aktionswoche und machen das Anliegen der FriedensDekade in Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit sichtbar. Die Rolle löste 2020 die frühere Schirmherrschaft ab, die u. a. von Margot Käßmann (2010–2012) und Malu Dreyer (2017) wahrgenommen worden war. Friedensbotinnen bzw. Friedensboten waren bisher unter anderem der Liedermacher Konstantin Wecker und Lioba Meyer, Kinderbuchautorin und ehemalige Bürgermeisterin von Osnabrück.

Spendenaufruf FriedensDekade 2026
Mit Ihrer finanziellen Unterstützung zünden wir jedes Jahr aufs Neue das Friedenslicht im November an
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