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Schlagwort: Mut

Rosa Parks – Die Frau, die sitzen blieb

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der ökumenischen FriedensDekade „couragiert widerständig“

„People always say that I didn’t give up my seat because I was tired, but that isn’t true. No, the only tired I was, was tired of giving in.“ (Die Menschen sagen immer, ich habe meinen Sitzplatz nicht aufgegeben, weil ich müde war. Aber das stimmt nicht. Das Einzige, wessen ich müde war, war das Nachgeben.)

Rosa Parks (USA, 1913-2005) sprach aus bitterer Erfahrung. Montgomery, Alabama, 1. Dezember 1955. Nach einem langen Arbeitstag setzt sie sich in den Stadtbus. Als ein weißer Fahrgast keinen Platz findet, fordert der Fahrer sie auf aufzustehen. Rosa Parks bleibt sitzen. Sie wird verhaftet.

Was darauf folgt, verändert die Geschichte der Vereinigten Staaten. Aber Rosa Parks war weder erschöpft noch handelte sie spontan. Sie war eine geschulte Aktivistin, die genau wusste, was sie tat. Und sie war bereit, den Preis dafür zu zahlen.

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In unserer Reihe „Frauen des Friedens“ zur ökumenischen FriedensDekade 2026 stellen wir Pionierinnen mutiger Widerständigkeit vor. Im Mai zeigte uns Leymah Gbowee, dass Frieden von unten wächst. Im Juni zeigte uns Rigoberta Menchú Tum, dass Würde unteilbar ist. Rosa Parks verbindet beides: Sie zeigt, dass ziviler Ungehorsam keine Schwäche ist, sondern Ausdruck einer tiefen inneren Haltung.

Eine Frau, die schon lange widerstand

Rosa Louise McCauley wurde 1913 in Tuskegee, Alabama, geboren. Die sogenannten Jim-Crow-Gesetze regelten, wo Schwarze sitzen, essen, trinken und zur Schule gehen durften. Widerspruch konnte das Leben kosten.

Rosa Parks kannte diese Realität von Kindheit an. Sie heiratete Raymond Parks, Mitglied der NAACP, organisierte Wählerregistrierungen, dokumentierte Fälle rassistischer Gewalt. 1955 besuchte sie das Highlander Folk School in Tennessee, eine Bildungsstätte für gewaltfreien Widerstand. Was am 1. Dezember 1955 geschah, war kein Zufall. Es war der Moment, in dem eine Frau mit jahrzehntelanger Erfahrung sagte: Jetzt. Hier. Nicht mehr.

 

 

 

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Der Abend, der eine Bewegung auslöste

Rosa Parks wurde verhaftet, angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt. Noch in derselben Nacht druckte Jo Ann Robinson über 35.000 Flugblätter: Boykottiert die Busse. Fahrt am Montag nicht.

Am 5. Dezember 1955 blieben die Busse fast leer. Der Boykott, der einen Tag dauern sollte, dauerte 381 Tage. Die Gemeinschaft organisierte Fahrgemeinschaften, lief zu Fuß, trug die Einbußen gemeinsam. Am 13. November 1956 erklärte der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung in Bussen für verfassungswidrig. Der Preis war hoch: Rosa Parks verlor ihre Arbeit, ihr Mann seine. Sie mussten Montgomery verlassen.

Ziviler Ungehorsam als Glaubenspraxis

Rosa Parks war tief in ihrer Kirchengemeinde verwurzelt. Die Schwarze Kirche in den Südstaaten war nicht nur Ort der Andacht, sondern Rückgrat der Bürgerrechtsbewegung. Für Rosa Parks war Widerstand gegen Ungerechtigkeit kein politisches Kalkül, sondern ein Gebot des Gewissens. Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes. Jeder Mensch trägt unantastbare Würde. Ein Gesetz, das diese Würde verletzt, hat keine moralische Grundlage.

Das Jahresmotto der ökumenischen FriedensDekade 2026 erinnert an die hebräischen Hebammen Schifra und Pua (Exodus 1), die sich dem Tötungsbefehl des Pharaos widersetzten. Rosa Parks steht in genau dieser Tradition: Wenn das Gesetz die Würde von Menschen verletzt, ist Ungehorsam keine Rebellion, sondern Treue zu einer höheren Ordnung.

 

Fragen zur Reflexion:

Rosa Parks handelte nicht spontan, sondern aus jahrzehntelangem Engagement heraus. Welche innere Vorbereitung braucht es, um in einem entscheidenden Moment Haltung zu zeigen?

Der Busboykott funktionierte, weil eine ganze Gemeinschaft mitzog. Wo in Ihrer Umgebung gibt es Ansätze gemeinsamer Widerständigkeit, die Unterstützung brauchen?

Rosa Parks verstand Gleichwürdigkeit als biblisches Gebot. Welche Strukturen in Ihrer Umgebung verletzen die Würde von Menschen, ohne dass es als Unrecht wahrgenommen wird?

 

 

Gebet: Gott der Würde, danke für Menschen wie Rosa Parks, die nicht nachgaben. Gib uns Mut, für die Würde des Nächsten einzustehen, auch wenn es uns etwas kostet. Amen.

 


Couragiert widerständig, wie Rigoberta Menchú Tum.
Für eine Welt, in der die Würde aller Völker geachtet und die Schöpfung bewahrt wird.


Quellen und zum Weiterlesen:

Rigoberta Menchú / Elisabeth Burgos: „Ich heiße Rigoberta Menchú und so entstand mein Gewissen“ (1983)
Rigoberta Menchú: „Die Enkel der Maya. Das Überleben der indigenen Kulturen Guatemalas“ (1998)
Fundación Rigoberta Menchú Tum: www.menchutum.org

 

 

Frieden im Dialog mit Ruben Kurschat

Frieden im Dialog: Ruben Kurschat über das couragierte Aufeinanderzugehen. Der Widerstand gegen das Schubladendenken.

Frieden im Dialog – mit Ruben Kurschat

Couragierte Widerständigkeit heißt aufeinander zugehen FRIEDENSGESPRÄCHE. WERTSCHÄTZEND + KONTROVERS

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ stellen wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade vor, die seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintritt. In regelmäßigen Gesprächen teilen Akteure aus dem Gesprächsforum, dem Redaktionskreis und weiteren Netzwerken ihre Erfahrungen, Visionen und Impulse. Dieses Mal treffen sich Lars Blume und Ruben Kurschat, Koordinator des Projektes „Friedensgespräche. Wertschätzend + Kontrovers“ der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden.

 


Lars: Herzlich willkommen bei „Frieden im Dialog“, einer Serie der Ökumenischen FriedensDekade. In dieser Reihe möchten wir die Menschen und Ideen sichtbar machen, die Frieden gestalten. Es geht mir nicht um ein klassisches Interview, sondern um einen echten Dialog auf Augenhöhe. Heute bin ich mit Ruben Kurschat im Gespräch, Koordinator des Projektes „Friedensgespräche. Wertschätzend + Kontrovers“ der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden. Ruben, schön, dass du da bist. Ich starte direkt persönlich: Wenn du gerade mal nicht als Koordinator aktiv bist, wo tankst du Kraft und was lässt dich hoffnungsvoll bleiben?

Ruben: Zunächst mal: If in doubt, go out! Mir hilft es, in den Wald zu gehen, um aufzutanken. Und dann erlebe ich die sozialen Netze als essenziell. Also die echten – Freunde, Familie, Kolleginnen und Kollegen.

Lars: Wald und Natur, das kenne ich gut. Für mich sind das auch echte Kraftorte. Du hast außerdem in Bosnien-Herzegowina gelebt, einem Land, das weiß, was es bedeutet, wenn gesellschaftlicher Zusammenhalt zerbricht. Was hat dich das über Frieden gelehrt, was kein Seminar dir hätte beibringen können?

Ruben: Es sind oft die lauten Stimmen, die rufen „Wir können nicht miteinander!“ Das ist machtvoll, folgt der Kriegslogik und führt schlimmstenfalls zu „ethnischen Säuberungen“ und Genozid. Und ich habe erlebt, dass es immer auch Menschen gibt, die sich davon nicht beirren lassen. Die wieder und wieder das Gegenteil beweisen, indem sie Räume öffnen und das Miteinander leben. Die der Friedenslogik folgen und sagen „Wir können nur miteinander.“ Dieses Handeln ist Kraftquell für alle, die auf der Suche sind, wie Gewalt beendet werden kann. Solche Kraftquellen aufzuspüren und zu stärken, bringt uns dem Frieden näher.

Lars: „Wir können nur miteinander.“ Das ist ein Satz, der tief sitzt – erst recht, wenn man bedenkt, wie viel Mut es erfordert, ihn angesichts von Krieg und existenzieller Gewalt laut auszusprechen. Das zeigt ja: Gemeinschaft und echter Dialog entstehen nicht im geschützten Wohlfühlraum, sondern oft genau dort, wo es extrem ungemütlich und schmerzhaft ist. Das bringt mich direkt zu eurem Format. „Friedensgespräche“ klingt zunächst fast harmlos. Was steckt wirklich dahinter, und warum ist es gerade jetzt alles andere als selbstverständlich?

Ruben: Wenn wir harmlos verstehen können als den Versuch, Schaden abzuwenden, sind wir schon mal auf einem guten Weg. In unseren sozialen Alltagsstrukturen – in der Nachbarschaft, in der Kirchengemeinde, im Chor – stellen wir vielerorts die essentiellen Fragen von Krieg und Frieden gar nicht mehr, weil wir befürchten, das Gespräch entgleitet uns und wir entzweien uns darüber. Auf die Dauer wird es unserer Gesellschaft nicht gut tun, im Vermeidungszustand zu verharren. Friedensgespräche laden dazu ein, das Beschweigen zu überwinden.

Lars: Viele schweigen lieber, als Positionen zu beziehen, aus Angst, sofort etikettiert zu werden, als „Putinversteher“ oder „Bellizist“. Wie schafft ihr in einem Friedensgespräch diesen geschützten Raum, ohne die Kontroversität zu verlieren?

Ruben: Die Strategie, Menschen in Schubladen zu stecken, um uns die Welt zu erklären, ist gerade sehr en vogue. Es scheint leichter, anderen ein Etikett aufzukleben, als sich mit ihnen zu befassen. Ich finde das sehr verständlich in einer Zeit, in der wir spüren, dass wir in unserem Sein bedroht sind. Die Menschen hören, dass es ihre individuelle Verantwortung ist, sich vor sozialer Not zu bewahren. Mittel für Soziales, Kultur, Entwicklungszusammenarbeit usw. werden massiv gekürzt, während zugleich die Ausgaben für Waffenproduktion explodieren und kollektiv zu schultern sind. Das führt zu Wut und Ohnmachtsgefühlen: Ich fühle mich in meiner Integrität angegriffen, verteidige mich und reagiere meinerseits mit Angriff. Etikettierungen sind die einfachste Form von Angriff. Denn meistens sind wir nicht einverstanden mit dem Etikett, das uns jemand aufklebt. Dann ärgern wir uns und reißen es ab und versuchen uns ins richtige Licht zu rücken oder kleben schnell noch der anderen Seite ein Label auf. Nun ist es naheliegend, dass die das auch nicht mag. Der Schlagabtausch ist im vollen Gange und der Gegenstand der Auseinandersetzung spielt keine Rolle mehr. Und dann merken wir die Kosten der Schubladen – wir geraten in einen Strudel von Angriff und Selbstverteidigung. Und jetzt kommt das Überraschende: Viel leichter ist es, wenn wir uns die ganze Energie sparen, die in Angriff und Verteidigung gehen. Und stattdessen erleben, was „die anderen“ und wir eigentlich zu sagen haben.

Lars: Als Online-Redakteur erlebe ich das durchaus. Ich versuche, nicht jede Meinung zu kommentieren oder Menschen zu überzeugen. Manchmal ist meine Rolle eher die eines Blitzableiters: die Verzweiflung hinter einer Aussage erkennen und einfach sein lassen. Das kostet weniger Energie als ich dachte. Euer Ansatz setzt auf Wahrnehmen vor Bewerten. Was passiert in einem Raum, wenn Menschen das wirklich aushalten?

Ruben: Ein Teilnehmer einer Aktivistengruppe sagte in einer Abschlussrunde eines Friedensgesprächs: Ich wünschte, wir würden jedes künftige Treffen damit beginnen, dass einer von uns zehn Minuten aus seinem Leben erzählt. Wenn wir einander und uns selbst wieder als Menschen erleben, die Ängste und Hoffnungen haben und mit diesen Gefühlen auf der Suche sind nach Antworten auf die drängenden Fragen, dann knistert die Luft. Denn wenn Schubladen nicht mehr taugen, fangen wir an, neue Möbelstücke zu entwerfen, die uns andere Ordnungssysteme ermöglichen. Das fordert Mut und zugleich wirkt es unglaublich befreiend!

Lars: Plötzlich steht der Mensch im Vordergrund und nicht mehr die Position. Wenn jemand wirklich von sich erzählt, und der Raum lang genug dafür ist, entstehen keine Phrasen mehr sondern echte Begegnung. Der Mensch wird erfahrbar, jenseits der Polarisierung. Du machst neben deiner Prozessbegleitung auch Audiokunst. Was hat Klang mit Frieden zu tun?

Ruben: In der Klangkunst beschäftigt mich ja vor allem der Audiowalk, also die Verbindung von Hören und Unterwegssein. Und ein Element der Friedensgespräche ist der Moment danach, der Heimweg. Wenn die Teilnehmenden für sich das Erlebte noch mal nachklingen lassen. Was habe ich gehört und wo spüre ich jetzt noch eine Resonanz in mir? Und dann geht das Friedensgespräch nämlich weiter. Noch bevor die Menschen zu Hause ankommen, sind sie eingeladen, einen Nachhall an die Menschen zu senden, die sich noch mit dem Gedanken tragen, ob sie auch ein Friedensgespräch initiieren wollen. Dieser Nachhall kann eine Ermutigung sein, eine methodische Anregung, ein persönliches Erlebnis. Übermittelt wird der Nachhall als Nachricht auf einem Anrufbeantworter. Und diese Sprachnachrichten helfen dabei, die Friedensgespräche weiter zu entwickeln.

Lars: Der Nachhall auf dem Heimweg. Ich kenne diese Qualität aus Singkreisen: die Stille zwischen den Liedern, in der der Moment einfach nachklingen darf, bevor das nächste beginnt. Aus dieser Stille entsteht oft etwas Neues. Ein Gedanke, manchmal ein ganzes Lied. Das Friedensgespräch geht also weiter, auch wenn der Abend vorbei ist. Ihr stellt eine Handreichung bereit, damit Gruppen selbst ein Friedensgespräch initiieren können. Wer kann das anstoßen?

Ruben: Zunächst braucht es jemanden, die oder der sagt: Ich möchte eine Situation verändern. Diese Person sucht sich am besten noch weitere, denen es ähnlich geht. Damit ist der Anfang gemacht. Und die Handreichung der Friedensgespräche, von der du sprachst, ist wie ein Geländer. Das führt mich in der Vorbereitung durch die entscheidenden Fragen: Wer lädt ein? Was ist unser Thema und wie machen wir daraus einen Titel für das Friedensgespräch? Moderieren wir das selbst oder suchen wir uns da Unterstützung? Wie viel Zeit sollten wir einplanen? Ein Geländer greife ich mir dann, wenn ich festen Halt brauche und lasse es los, wenn ich selbst sicheren Grund habe.

Lars: Das Motto der FriedensDekade 2026 lautet „couragiert widerstständig“. Was bedeutet das für euch konkret, wo braucht es diesen Mut?

Ruben: Sich nicht abzufinden mit dem Bestehenden, erfordert Mut. Den anderen nicht mehr überzeugen zu wollen, erfordert Mut. Und sich selbst zu hinterfragen noch mehr. Das ist übrigens etwas, was ich auch von dir erlebe, Lars. Du bist Online-Redakteur für ein breites Publikum und trägst gleichzeitig eine klare Friedenshaltung. Wie hältst du diese Offenheit aufrecht?

Lars: Ich glaube, gemeinsame Positionen entstehen genau dann, wenn wir aufhören, uns hinter der eigenen Haltung zu verschanzen. Nicht weil wir uns anpassen, sondern weil wir wirklich zuhören. Das ist für mich der Unterschied zwischen Diskutieren und Gespräch. „Couragiert widerstständig“ klingt nach Reibung. Aber Friedensgespräche setzen ja gerade auf Begegnung. Ist das kein Widerspruch?

Ruben: Wenn ich dir sage, was du alles falsch siehst, verstehst, tust, und du zählst mir auf, wo ich daneben liege, führt das zu einer Reibung, die wir rasch vermeiden werden. Wir gehen aus der Begegnung. Was bleibt, sind Annahmen über den Gegenüber, Anschuldigungen, Zuschreibungen. Wenn ich mich jedoch an dem reibe, was ich von dir über dich höre, dann ist Veränderung möglich. Ich kann etwas neu verstehen, ich kann mich von einer Überzeugung verabschieden oder ich kann in ihr gestärkt werden.

Lars: Reibung als Kraftquelle, nicht als Abbruch. Kirchengemeinden, Bürgerinitiativen, Nachbarschaften, an wen richtet sich das Format und was habt ihr bisher beobachtet?

Ruben: Die Friedensgespräche sind ein ganz junges Format, wir bekommen gerade sehr vielfältige Rückmeldungen, wo das angedockt und ausprobiert werden soll. Als ein Element auf dem Gemeindefest, als einmalige Gesprächsabend – offen eingeladen, oder als neue methodische Anregung für eine sich regelmäßig treffende Gruppe. Friedensgespräch als Begegnung zwischen zwei Menschen oder für eine Großveranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmenden. Ich bin gespannt, wohin uns das trägt und was die Community sich noch einfallen lässt.

Lars: Die FriedensDekade ist seit Jahrzehnten ein fester Ort im kirchlichen Jahr. Was kann das Format dort bewegen, was eine Andacht oder ein Vortrag nicht kann?

Ruben: Friedensgespräche sorgen dafür, dass alle Menschen, die zu einem Thema zusammenkommen, selbst etwas beitragen können. Sie reden von sich und ihren Ideen und Erlebnissen, sie zögern und schweigen, sie sprechen etwas aus, was sie vielleicht noch nie mit anderen geteilt haben. Friedensgespräche sind das kollektive aktive Suchen nach Veränderung. Ohne Besserwisser.

Lars: Ohne Besserwisser. Das sitzt. Die AGDF steht für „Freiden schaffen ohne Waffen“, eine klare Haltung. Wie verhält sich das zum Anspruch, wirklich alle Milieus einzuladen?

Ruben: In Friedensgesprächen kommen Menschen zu Wort, nicht Vertreterinnen und Vertreter von Gruppen oder Ideologien. Niemand muss Angst haben, in diesem Begegnungsformat die eigene Haltung um die Ohren gehauen zu bekommen. Denn wir reden von uns. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Welt friedlicher und gerechter machen, ist größer, wenn wir das gemeinsam versuchen, als wenn wir sagen, du musst nur tun, was ich für richtig definiere.

Lars: Ruben, eine letzte Frage: Wenn die Teilnehmenden eines Friedensgesprächs den Raum verlassen und nach Hause gehen, was sollten sie im Idealfall im Kopf oder im Herzen mitnehmen?

Ruben: Ich lasse da eine Teilnehmerin eines Friedensgesprächs zu Wort kommen. Sie sagte im Nachhinein: Mir hat die Kleingruppenarbeit gut getan! Ich bin mit jemandem ins Gespräch gekommen, mit der ich sonst wahrscheinlich nie so gesprochen hätte. Ich habe mich vorher gefragt: soll ich da hingehen? Jetzt sage ich DANKE!

Lars: Ruben, vielen Dank. Für dieses Gespräch, für das Format und für die Hoffnungskraft, die darin steckt. Wer selbst ein Friedensgespräch initiieren möchte, findet die Handreichung und alle weiteren Informationen unter friedensgespraeche.org. Der digitale Kick-off findet am 27. Mai 2026 von 17 bis 19 Uhr statt, die Anmeldung läuft über das hier verlinkte Formular. Der erste regionale DialogStarter-Tag für Menschen, die die Methode kennenlernen und selbst anwenden möchten, findet am 24. Juni in Berlin statt. Hier gibt es die Details. Bis zur nächsten Folge, bleibt im Dialog.

 

Gehen Sie in Begegnung und wagen Sie sich couragiert widerständig gemeinsam an die großen Themen!

Frieden im Dialog mit dem Gewinner des Motivwettbewerbes 2026 der ökumenischen FriedensDekade Olaf Warburg

Frieden im Dialog: Olaf Warburg über bunte Tauben vor Gefängnissgittern. Das Motiv, das der FriedensDekade 2026

Frieden im Dialog – mit Olaf Warburg

„Couragierte Widerständigkeit“ und die Kunst des Brückenbauens

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ stellen wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade vor, die seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintritt. In regelmäßigen Gesprächen teilen Akteure aus dem Gesprächsforum, dem Redaktionskreis und weiteren Netzwerken ihre Erfahrungen, Visionen und Impulse. Dieses Mal treffen sich Lars Blume und Olaf Warburg, Grafiker und Gewinner des Motivwettbewerbs für die FriedensDekade 2026.

Das Gewinnermotiv ziert bereits alle Materialien und Produkte und lädt ab sofort deutschlandweit auf Plakaten zur FriedensDekade und zu vielfältigen Aktivitäten ein. Hier geht es direkt zu den Motiven.

Ein Gespräch über die Kraft der Symbole, den Mut zum gewaltfreien Widerstand und die Frage, wie Kunst in Zeiten der Aufrüstung neue Freiräume schaffen kann.


Lars: Herzlich willkommen bei „Frieden im Dialog“. Heute blicken wir bereits auf den November 2026. Vor mir liegt dein Motiv für die FriedensDekade 2026 unter dem Motto couragiert widerständig, das dann an tausenden Kirchenwänden und Plakatwänden hängen wird: Zwei bunte Tauben, die ein Gitterfenster überwinden. Gestaltet hat es Olaf Warburg. Olaf, schön dass du dabei bist.

Olaf: Danke für die Einladung!

Lars: Ich fange gerne persönlich an. Was macht dich als Mensch aus, wenn du nicht gerade am Zeichentisch sitzt?

Olaf: Es sind die kleinen Momente, Begegnungen und Situationen, die mir Hoffnung und Mut geben. Momente der Empathie, der Toleranz, des Verständnisses. Viel Kraft schöpfe ich aus meiner Familie.

Lars: Das kann ich gut nachempfinden. Gerade als Vater merkt man ja oft, dass Familie nicht nur eine Kraftquelle ist, sondern das stärkste Friedensargument überhaupt, weil dort Söhne, Töchter und Väter sind, die niemand im Krieg verlieren will. Du hast dich entschieden, dieses Herzblut in ein Motiv für die FriedensDekade zu stecken. Was hat dich dazu bewogen?

Olaf: Wenn ich die Nachrichten schaue, frage ich mich oft: Wie konnte es wieder so weit kommen? Warum ist es inzwischen offenbar „unethisch“, Gewalt abzulehnen? Dagegen anzureden, erfordert in heutigen Zeiten mehr Mut denn je. Als Grafiker ist das eine naheliegende Form, sich damit auseinanderzusetzen.

Lars: Das Wort „unethisch“ in diesem Kontext ist ein deutlicher Befund, aber ich verstehe genau, was du meinst: Die pazifistische Stimme wirkt heute oft fast rechtfertigungspflichtig. Was bedeutet Frieden vor diesem Hintergrund für dich ganz persönlich?

Olaf: Zuhören. Verstehen wollen. Kompromissfähigkeit. Miteinander.

Lars: Vier Begriffe, die eigentlich schon den Kern des neuen Mottos treffen. „Couragiert widerständig“ klingt für 2026 ja erstmal sehr offensiv. Wie hast du auf dieses Motto reagiert?

Olaf: Ich empfinde Widerstand eher nicht als „Dagegen sein“, sondern als „Öffnung zur anderen Seite“. Es bringt gar nichts, Andersdenkende aufgrund ihrer Ansichten zu verurteilen oder gar zu ignorieren. Lasst uns weiter miteinander im Gespräch bleiben. Das allein erfordert Mut genug. Meist stellt sich heraus, dass (fast) niemand Gewalt befürwortet.

Lars: Das ist ein wunderbarer Akzent: Widerstand nicht als Mauer, sondern als Öffnung. Das ist genau das Brückenbauen, das wir im Dialog brauchen. In unserer letzten Folge Frieden im Dialog mit Miriam Kähne und ihrem Projekt justice.peace.imagination ging es viel darum, dass Kunst ausdrücken kann, was Worte oft nicht erreichen. Wie ist bei dir aus diesem Gedanken das Bild entstanden?

Olaf: Zurzeit ist Street Art eine sehr beachtete Kunstform, vor allem aufgrund der Popularität ihres bekanntesten Vertreters Banksy – für dessen Arbeit ich persönlich schon seit langer Zeit sehr empfänglich bin. Obwohl mein Motiv nicht im urbanen Umfeld, sondern auf Papier und am Computer entstand, soll es genauso zum Denken anregen. Insgesamt habe ich drei gänzlich unterschiedliche Entwürfe eingereicht. Zwei davon möchte ich hier nicht näher erläutern. 🙂

Lars: (lacht) Die bleiben dann wohl dein künstlerisches Geheimnis. Aber bleiben wir beim Gewinner-Motiv. Warum ist ein Fenster mit Gittern für dich das passende Bild für das Jahr 2026?

Olaf: Natürlich ist ein Gefängnis zunächst kein Symbol für Frieden. Wenn man aber weiß, wie viele Menschen allein aufgrund ihres Einsatzes für ein gewaltfreies Leben eingesperrt sind, gibt das schon zu denken. Das Gitterfenster macht aber nur einen kleinen Teil am Rand des Motivs aus. Im Zentrum stehen zwei Tauben, die sich über diese Unfreiheit erheben.

Lars: Ein Mitglied der Jury hat in deiner Grafik ein „Durchbrechen“ der Gitterstäbe gesehen. Fliegen die Tauben für dich eher hindurch oder zerstören sie das Hindernis aktiv?

Olaf: Da die Gitterstäbe leider noch intakt sind, stehen sie wohl eher für ein gedankliches, geistiges Durchbrechen, das hoffentlich jeder und jedem erhalten bleibt, der oder die für ihre Courage unter Druck gerät. „Die Gedanken sind frei.“ Auf dass sie sich erheben und möglichst viele Menschen erreichen.

Lars: Ein starkes Bild für die innere Freiheit. Du hast dich dabei gegen die klassische weiße Taube entschieden. Ein Wunsch aus der Community war auch, mehr über die Farbwahl der Tauben zu erfahren. Warum diese bunte Variante?

Olaf: Tatsächlich gab es einen Vorentwurf mit einfarbig schwarzen Tauben. Ich fand aber, dass sie so nicht genügend Gegenkontrast zum tristen Umfeld hatten. Ich wollte ihnen Kraft und Mut mitgeben, was mit satten Farben eindeutig besser funktioniert. Das Blau und Rot habe ich dann dem Auftritt der Ökumenischen FriedensDekade – insbesondere dem Signet „Schwerter zu Pflugscharen“ entnommen.

Lars: Du hast das Logo also direkt in die Illustration integriert.

Olaf: Die Farben werden von den Tauben zitiert. Wenn man so möchte, übernehmen die Gitterstäbe die Rolle eines Schwertes, welches es neu zu schmieden gilt.

Lars: „Neu schmieden“ das passt auch gut zu deiner Heimat Dortmund, einer Stadt mit industrieller Geschichte. Spielt diese Herkunft eine Rolle dabei, wie du Zusammenhalt und Widerstand wahrnimmst?

Olaf: Leider nehme ich auch in meiner Heimat den wachsenden Zuspruch zu mehr militärischer Präsenz wahr. Gleichzeitig gibt es auch nicht wenige Stimmen, die sich nach einer Führungspersönlichkeit und längst überwunden geglaubte Vorstellungen von vornehmlich patriarchalischer und rassistischer Vorherrschaft sehnen. Offenbar geraten Konsens- und Kompromissfähigkeit immer mehr ins Hintertreffen. Umfragen zeigen, dass der „starke Mann“ wieder gefragt ist – mit all seinen Klischees, Vorurteilen und Machtansprüchen. So entstehen neue Gefängnisse – nicht nur gedanklich.

Lars: Das ist eine Beobachtung, die viele von uns teilen: In der Überforderung durch Krisen suchen Menschen einfache Antworten und starke Figuren. Dein Motiv setzt dem etwas entgegen. Was sollen die Menschen im November 2026 fühlen, wenn sie im Alltag an deinem Plakat vorbeigehen?

Olaf: Ich hoffe, dass sie trotz des tristessen Hintergrunds – einer grauen Betonmauer mit einem dunklen Gitterfenster, und das auch noch in einer nicht minder farblosen Jahreszeit – dennoch spüren, dass es um Mut, Kraft, Aufbegehren und Beharrlichkeit geht. Es darf und muss erlaubt sein, gegen Kriegstüchtigkeit und für Menschenrechte einzustehen! Und das in einer Zeit, in der Aufrüstung ein gesellschaftlicher Konsens zu sein scheint.

Lars: Ein Plakat als Erlaubnis, bei der eigenen gewaltfreien Haltung zu bleiben – das ist ein schöner Gedanke. Zum Abschluss: Welchen Impuls gibst du uns mit auf den Weg?

Olaf: Bleib bei dir. Bleib bei deinen Werten. Auch wenn du das Gefühl hast, dass alle um dich herum anders denken: Steh zu deiner Haltung! Lass dich nicht gedanklich einsperren. Befreie dich von vermeintlich Allgemeingültigem. Braucht unsere Welt wirklich noch mehr Waffen?

Lars: Eine Frage, die wir mit in die FriedensDekade 2026 nehmen. Olaf, vielen Dank für dieses Gespräch und für deine Arbeit. Wer mehr über das Motiv und die Produkte erfahren möchte, findet alle Infos auf friedensdekade.de. Bis zur nächsten Folge, bleiben Sie im Dialog.


Ein kleiner Hinweis für alle, die das neue Design in ihre Friedensarbeit tragen wollen: Das Motiv von Olaf ist bereits auf Postkarten, Postern und den ersten Aktionsmaterialien in unserem Shop erhältlich. Ab dem 11.05. gibt es dort auch das Leporello und in Kürze unsere beliebten Friedens-Streichhölzer.

 

Schauen Sie vorbei und bleiben Sie couragiert widerständig!

Angst-Einschlaflied – Ein Impuls von Berthold Keunecke

Ein Impulstext zum Jahresmotto der Ökumenischen FriedensDekade in 2025

„Bevor der Frieden kommt, darf die Angst zur Ruhe finden“

Bevor wir den Frieden wecken, müssen wir vielleicht erst die Angst zur Ruhe bringen.
In seinem Impuls zur FriedensDekade 2025 beschreibt [Name des Autors] eindrücklich, wie lähmend Angst wirkt – und wie Vertrauen, Empathie und der Glaube an die Kraft der Liebe neue Räume öffnen.
Ein Text, der uns erinnert: Frieden beginnt, wo wir den Mut finden, anders hinzusehen.

Angst-Einschlaflied

„Komm den Frieden wecken!“ sagen wir in der diesjährigen Friedensdekade. Aber vielleicht müssen wir zunächst unserer Angst ein Lied zum Schlafengehen singen: „La-le-lu, liebe Angst, geh nun zur Ruh‘ …“?

„Mutig – stark – beherzt“ – war das Motto des Kirchentages in Hannover.  Aber die wenigsten meiner Gespräche dort waren von dem Mut und der Aufbruchstimmung geprägt, den das Motto beabsichtigte. Auch bei vielen von uns Christinnen und Christen ist die Angst stärker als das Vertrauen. So viele Leute sind erfüllt von Angst und meinen, nur überlegene Waffen könnten noch Sicherheit bieten. Ich spüre: Die Angst ist ein Gefühl, welches das Denken einschränkt. Je höher ein Konflikt eskaliert, desto weniger ist Nachdenklichkeit möglich. Feindbilder prägen die Konfliktdynamik schon vor der Gewalteskalationsstufe – wenn diese Stufe aber erreicht ist, wird jede Kritik an der Gewalt der eigenen Gruppe als Unterstützung des Gegners gewertet.

Ich glaube, dass uns Jesus von Nazareth mit der Feindesliebe eine wichtige Möglichkeit der Deeskalation ans Herz gelegt hat. Feindesliebe heißt ja nicht, Unrecht zu akzeptieren, sondern sie bedeutet, sich in den Gegner hineinzudenken. Auf der anderen Seite Menschen zu erkennen, die Interessen verfolgen. Das wäre eine Grundlage für Kommunikation. Das gerät aber aus dem Blick, wenn die Waffen alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn Angst unseren Blickwinkel verengt.

Über die Komplexität und Geschichte des Konfliktes in der Ukraine herrscht bei uns erschreckende Ignoranz, so mein Eindruck vom Kirchentag. Gründe dafür sind u.a. Feindbilder und die Angst vor „den Russen“, die seit über 100 Jahren in unserem Land Raum gewonnen haben. Jesus macht uns dagegen Mut, in ihnen Menschen zu erkennen. Das fällt leider schwer, wenn die Angst unsere Seelen besetzt. Die Rüstungslobbyisten reden deshalb viel von Bedrohung, und wenig von Kommunikationsmöglichkeiten.

Ich bin dankbar für so viele Erfahrungen mit der Kraft der Gewaltfreiheit, und dass mein Glaube stärker geworden ist als alle Angst. Ich glaube nicht mehr an die Macht der Waffen, sondern an die Kraft der Liebe. Ich glaube, dass gute Beziehungen eher den Frieden sichern als militärische Stärke. Ein entwaffnendes Lächeln kann einen Streit in der Familie beenden, und Versöhnungsbereitschaft kann eine Konfliktdynamik wenden. Willy Brandts Entspannungspolitik hat den Fall der Mauer 1989 ermöglicht. Ich werde mich also immer gegen die Angst wenden, die mit Begriffen wie „Zeitenwende“ und „nötiger Kriegstüchtigkeit“ geschürt wird – ich sage mutig: „Nie wieder Krieg!“ und vertraue auf den, der sagt: „Selig sind, die Frieden stiften“. Ich singe meiner Angst immer wieder ein Einschlaflied und versuche, unter uns den Frieden zu wecken.


Den Frieden wecken – das beginnt im Kleinen: in unseren Gesprächen, in unserer Haltung, in unserer Sprache.


Lass dich inspirieren und werde Teil der FriedensDekade: Folge uns auf Instagram für Impulse, Zitate und Aktionen rund um das Motto „Komm den Frieden wecken“. Materialien, Postkarten und Denkanstöße findest du im  Online-Shop. Lasst uns gemeinsam den Frieden wecken!

Frieden im Dialog: Neue Stimmen, gelebte Spiritualität

Ein Gespräch mit Miriam Meyer und Lars Blume über junge Perspektiven, lokale Begegnungsorte und die Verbindung von Spiritualität und Friedensarbeit.

Frieden im Dialog: Perspektiven für ein gemeinschaftliches Engagement

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ möchten wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade sichtbar machen. In regelmäßigen Gesprächen kommen Personen aus dem Gesprächsforum, Redaktionskreis oder anderen Netzwerken zu Wort, teilen ihre Perspektiven und geben Einblicke in die Arbeit, die die FriedensDekade so lebendig macht. Ob persönliche Geschichten, Visionen oder die Auseinandersetzung mit dem Wandel in der Friedensarbeit – dieser Dialog lädt ein, gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie Frieden gestaltet werden kann.

Heute im Gespräch: Miriam Meyer, Vertreterin des europäischen Netzwerkes „Church and Peace“, und dem neuesten Mitgliede des Gesprächsforums der FriedensDekade. Miriam ist schöpferisch bei der REFO Moabit tätig, wo sie lokale Friedensarbeit mit spirituellen Impulsen verbindet. Sie trifft auf Lars Blume, der die Öffentlichkeitsarbeit der ökumenischen FriedensDekade gestaltet. Gemeinsam sprechen sie über die Kraft junger Stimmen, die Verbindung von Glauben und Aktion und wie das Motto „Komm den Frieden wecken“ 2025 in Europa und darüber hinaus lebendig werden kann.

Neue Perspektiven durch junge Stimmen

Lars: Miriam, als eines der jüngsten Mitglieder unseres Gesprächsforums und Vertreterin von „Church and Peace“ bringst du frische Perspektiven in die FriedensDekade. Was möchtest du aus deiner Arbeit bei der REFO Moabit und „Church and Peace“ einbringen?

Miriam: Ich bin Teil des Konvents der REFO Moabit, einer Gemeinschaft von rund 60 Personen in Berlin, die Mitglied im Netzwerk „Church and Peace“ ist. Wir gestalten den REFO Campus – bestehend aus Kirchgebäude, Kita, Wohnhäusern und Gemeinschaftsflächen – als offenen, lebendigen Ort für bis zu 600 Menschen, die täglich ein und aus gehen. Seit 2011 haben wir die einst leerstehende Reformationskirche zu einem vielfältigen Begegnungsort entwickelt, an dem Menschen aus Kunst, Bildung, Politik und Spiritualität zusammenwirken – darunter auch das Netzwerk Inklusiver Islam, ein Theater, die Cantorei und soziale Einrichtungen. Unsere Arbeit ist getragen von der Vision einer Kirche, die nachhaltig Beziehung lebt und zu einem friedlichen gesellschaftstransformierenden Miteinander beiträgt. In einem Projekt von „Church and Peace“ bin ich dort schöpferisch tätig, und diese Erfahrungen möchte ich in die FriedensDekade einbringen, ebenso wie den Austausch und die Begegnungen aus „Church and Peace“, wo wir europaweit voneinander lernen und um Themen ringen.

Lars: Das klingt nach einem echten Mikrokosmos für Frieden! Die FriedensDekade lebt von solchen Orten, wo Menschen zusammenkommen. Du hast gesagt, dass „Church and Peace“ auch junge Menschen begeistert. Wie gelingt euch das?

Miriam: Bei „Church and Peace“ kommen Menschen aus Europa und darüber hinaus zusammen, die sich nach Frieden, Gerechtigkeit und Gemeinschaft sehnen – Menschen jeden Alters. Es gibt viel Expertise und Erfahrungen, die geteilt werden, was das Netzwerk für jüngere Menschen so interessant macht. Ich selbst bin mit 33 Jahren eine der jüngeren Personen und finde es faszinierend, wie Menschen in Deutschland und Ländern wie Kroatien oder Serbien gewaltfreien Widerstand leisten und sich für eine friedliche Gesellschaft einsetzen. Das ermutigt mich sehr. Ich erlebe ein Netzwerk, in dem Fragen offen gestellt werden können, wo Menschen sich untereinander wahrnehmen und wertschätzen – egal wie jung oder alt, erfahren oder unerfahren sie sind. Durch Konferenzen und Austauschformate schaffen wir Räume, in denen Menschen Vertrauen, Spiritualität und Widerstand lernen können – auf Augenhöhe.

Miriam: Lars, du bist in der Öffentlichkeitsarbeit der FriedensDekade aktiv. Wie schafft ihr es, junge Menschen einzubinden, und was siehst du als die größte Stärke der FriedensDekade, um neue Stimmen zu fördern?

Lars: Die FriedensDekade lebt von ihrer offenen Struktur: Jede Person kann sie mit eigenen Inhalten füllen, sei es durch Friedensgebete, Kunstprojekte oder Diskussionen in Schulen. Unsere Materialien sprechen Gemeinden, Schulen, Universitäten und zivilgesellschaftliche Gruppen an, um Frieden lokal zu verankern. Für junge Menschen versuchen wir Räume zu schaffen in denen gelebtes Friedensarbeit wie deine aus der REFO Moabit gehört werden. Formate wie der Kirchentag 2025 in Hannover oder unsere peace-and-pray-App helfen uns, junge Stimmen zu erreichen und zu inspirieren. Die größte Stärke ist, dass wir Menschen ermutigen, nicht in Ohnmacht zu verharren, sondern aktiv zu werden – mit Hoffnung und Entschlossenheit. Dafür biete die ökumenische FriedensDekade in den 10 Tagen im November den Raum und die Materialien.

Verbindung von Spiritualität und Aktion

Lars: Du hast betont, wie wichtig die geistliche Verankerung für die Friedensarbeit ist. Warum ist das für dich so unverzichtbar?

Miriam: Als Christen und christliche Gemeinschaften sind wir beauftragt, Frieden zu stiften und kreativ an Gottes Schöpfungshandeln mitzuwirken. Eine veränderte, gerechte und friedliche Welt braucht die Transformation der Herzen und Systeme. Ich glaube, dass die Transformation der Herzen im Gebet und in der Beheimatung in Gott beginnt. Im Glauben und im Gebet wird mir die Verbundenheit mit Gott und meinen Mitmenschen bewusst. Meine Hoffnung auf ein transzendentes Mehr – auf etwas, das über diese Welt hinausreicht – wird gestärkt. Die Mystik weist auf die Verbundenheit allen Seins hin, und das verstehe ich als Grundlage des gewaltfreien Zusammenlebens, dem Ziel der Friedensarbeit.

Miriam: Lars, du hast oft von der Verbindung zwischen Spiritualität und gelebtem Glauben gesprochen, besonders in Bezug auf die Natur. Wie siehst du die Rolle von Spiritualität in der FriedensDekade, und wie spielt die Verbindung zu „Mutter Erde“ dabei eine Rolle?

Lars: Spiritualität ist für mich zentral, weil sie uns erdet und Hoffnung gibt. Frieden ist kein statischer Zustand, sondern ein aktiver Prozess, der im Kleinen beginnt – in unserem Umgang miteinander und mit der Schöpfung. Die Verbindung zu „Mutter Erde“ erinnert uns daran, dass Frieden auch Verantwortung für die Schöpfung bedeutet. Das Motto „Komm den Frieden wecken“ für 2025 ist ein Aufruf, wachsam zu sein, nicht nur für gesellschaftliche Konflikte, sondern auch für unsere Umwelt. Aktionen wie der Friedenslauf oder unsere Schreibwerkstatt zeigen, wie wir durch gemeinsames Handeln die Schöpfung ehren und neue Wege zu Gott finden können. Für mich persönlich ist die Natur ein Ort, an dem ich die Verbundenheit mit allem Leben spüre, was die Friedensarbeit stärkt.

Lars: Wie setzt ihr diese Verbindung bei der REFO Moabit oder „Church and Peace“ um? Gibt es konkrete Projekte, die Spiritualität und Aktion verbinden?

Miriam: Bei der REFO verbinden wir Spiritualität und Aktion durch Gottesdienste, die politische Themen aufgreifen, oder Veranstaltungen, die Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenbringen. Bei „Church and Peace“ schaffen wir in der PEACEBUILDING-Reihe Räume, wo spirituelle Impulse wie Gebete mit Workshops zu gewaltfreier Kommunikation oder Konflikttransformation kombiniert werden. Das ermöglicht es, Frieden praktisch zu erleben. Ich könnte mir vorstellen, solche Projekte oder Geschichten von Aktivistinnen und Aktivisten aus unserem Netzwerk während der FriedensDekade vorzustellen.

Lars: Das ist ein großartiges Angebot, Miriam! Die Idee, Projekte und Geschichten aus der PEACEBUILDING-Reihe oder von Aktivistinnen und Aktivisten von „Church and Peace“ in die FriedensDekade einzubringen, passt perfekt zu unserem Ziel, konkrete Beispiele gewaltfreier Arbeit sichtbar zu machen. Wir könnten solche Geschichten in unseren Materialien, auf friedensdekade.de oder beim Kirchentag 2027 in Düsseldorf teilen. Lass uns das unbedingt weiterverfolgen, um die FriedensDekade 2025 mit diesen Impulsen zu bereichern!

 

Frieden über Grenzen hinweg

Lars: Das Motto „Komm den Frieden wecken“ ruft 2025 dazu auf, aktiv zu werden. Du hast gesagt, dass „Church and Peace“ dabei helfen könnte, es international zu verbreiten. Wie genau?

Miriam: Das Motto ist eine Einladung an uns und andere, und es ist aktuell, weil viele Menschen in Europa und darüber hinaus sich mit Krieg und Frieden beschäftigen. Ein wichtiger Schritt wäre, das Motto und die Materialien der FriedensDekade in unseren Netzwerken zu streuen, die über den DACH-Raum hinausgehen – dafür wären Materialien in anderen Sprachen hilfreich. Wir könnten Kooperationen mit Kirchen, Gemeinden oder zivilgesellschaftlichen Bewegungen wie Seebrücke oder Fridays for Future eingehen, etwa für Veranstaltungen oder längerfristige Netzwerkarbeit. „Church and Peace“ hat Kontakte in ganz Europa, von Großbritannien bis Serbien. Das Motto und die Grafik der FriedensDekade sind hervorragend geeignet, um Menschen zu motivieren, sich mit Frieden und Gerechtigkeit zu befassen.

Miriam: Lars, wie plant die FriedensDekade, das Motto 2025 zu verbreiten, und welche Rolle spielen Netzwerke wie „Church and Peace“ dabei?

Lars: Das Motto „Komm den Frieden wecken“ ist für 2025 ein Aufruf, der Menschen anspricht, weil Krisen und Polarisierung global sind. Unser Fokus liegt zunächst auf dem deutschsprachigen Raum, wo wir die FriedensDekade überall sichtbar machen wollen – bisher ist unsere Präsenz nicht überall gleich stark. Dieses Jahr suchen wir gezielt nach internationalen Projekten und Partnern, und „Church and Peace“ könnte hier ein wichtiger Partner werden. Wir planen mit Netzwerken wie Church and Peace die internationale Perspektive mit der nationalen zu Verbinden und in den Austausch zu gehen. Der Kirchentag 2025 in Hannover war da bereits eine Plattform wo wir internationale Gäste und Perspektiven aufnehmen und einbinden konnten. Nach 2025 wird ein neues Motto folgen, aber dieses Jahr wollen wir „Komm den Frieden wecken“ so weit wie möglich tragen.

Lars: Du hast die kleinen Erfolge der gewaltfreien Arbeit erwähnt, die sichtbarer werden sollten. Kannst du ein Beispiel nennen, das dich inspiriert?

Miriam: Gewaltfreie Arbeit beginnt im Kleinen – im Aufeinanderzugehen, in Dialogen und Begegnungen. Neal Blough, der für „Church and Peace“ an der Konsultation zu gerechtem Frieden in Warschau teilgenommen hat, schrieb im Rundbrief: „Allein die Tatsache, dass sich Kirchen mit ihren unterschiedlichen Traditionen und Ansichten zur Frage des Krieges treffen und ernsthaft und mit gegenseitigem Respekt an die Sache herangehen, ist sehr wichtig – etwas, das ich als Zeichen der Hoffnung sehe.“ Solche Begegnungen, aber auch Demonstrationen, Predigten oder Konferenzen, die sich gewaltfrei mit Frieden und Gerechtigkeit auseinandersetzen, machen Hoffnung und sollten gefeiert werden.

Lars: Absolut, das sind starke Hoffnungszeichen! Zum Abschluss: Was ist dein Wunsch für die FriedensDekade 2025?

Miriam: Mein Wunsch ist, dass wir die vielen kleinen Erfolge gewaltfreier Arbeit sichtbar machen – sei es die Arbeit der REFO Moabit oder die Dialoge bei „Church and Peace“. Jede Begegnung, jede Aktion zählt. Ich wünsche mir, dass Menschen durch das Motto „Komm den Frieden wecken“ inspiriert werden, ihren eigenen Beitrag zu leisten – in ihrer Gemeinde, ihrem Umfeld oder im Netzwerk.

Lars: Das ist ein wunderbarer Aufruf! Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass „Komm den Frieden wecken“ 2025 nicht nur ein Motto bleibt, sondern eine Bewegung wird.

Zum Weiterlesen und Mitgestalten

  • Materialien der FriedensDekade: Entdecken Sie unsere Angebote im Online-Shop.
  • Church and Peace: Erfahren Sie mehr über das Netzwerk und die PEACEBUILDING-Reihe auf church-and-peace.org.
  • Teilen Sie Ihre Geschichten: Senden Sie Ihre Aktionen oder Pläne für 2025 an kontakt@friedensdekade.de.
  • Folgen Sie uns: Bleiben Sie über unseren Instagram-Account auf dem Laufenden.
  • Unterstützen Sie uns: Jede Spende hilft, die Friedensarbeit zu stärken.

Jede Begegnung, jede Aktion, jede Stimme zählt – lassen Sie uns gemeinsam den Frieden wecken!

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