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Schlagwort: gerechter Frieden

Dr. Friederike F. Spengler wird Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026

Regionalbischöfin aus Erfurt bringt eigene Geschichte der Friedensbewegung mit

Dr. Friederike F. Spengler, Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt, wird Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026. Ihr Engagement für Frieden und Gerechtigkeit ist tief in der Geschichte der DDR-Friedensbewegung verwurzelt.

Zur vollständigen Pressemitteilung (pdf): Dr. Friederike F. Spengler Wird Friedensbotin Der Ökumenischen FriedensDekade 2026


Die Ökumenische FriedensDekade hat ihre Friedensbotin für 2026 bekanntgegeben: Dr. Friederike F. Spengler, Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die FriedensDekade findet vom 8. bis 18. November 2026 statt. Kirchengemeinden und Initiativen in ganz Deutschland laden in dieser Zeit zu Gebeten, Diskussionen und Aktionen ein.

Eine Biografie im Zeichen des Friedens

Aufgewachsen in einem christlich engagierten Elternhaus in Leipzig, war Friederike Spengler 14 Jahre alt, als die FriedensDekade 1982 in der Nikolaikirche eröffnet wurde – unter den Augen der Staatssicherheit. Jugendliche wie sie trugen das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ auf der Jacke und nahmen dafür Repressalien in Kauf. Was damals als gewaltloser Widerstand begann, mündete wenige Jahre später in die Friedliche Revolution von 1989, in der die Nikolaikirche eine zentrale Rolle spielte.

„Die FriedensDekade gehört elementar zu meiner Prägung. Ich erinnere mich noch gut, wie wir als Jugendliche für das Logo ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ gestritten und gelitten haben. Diese Erfahrung, dass Glaube und Zivilcourage zusammengehören, motiviert mich bis heute.“

Dr. Friederike F. Spengler

Bevor sie Theologie studierte, arbeitete Spengler als Kinderdiakonin und in der Psychiatrie- und Heilerziehungspflege – Erfahrungen, die ihr Amtsverständnis bis heute prägen. Als Regionalbischöfin und Mitglied der EKD-Synode tritt sie öffentlich dafür ein, die Vision eines gerechten Friedens nicht preiszugeben – auch dann nicht, wenn politische Debatten von Gewaltlogik und Aufrüstung dominiert werden.

„Angesichts der aktuellen Krisen dürfen wir uns nicht mit der Logik der Gewalt abfinden. Wir müssen couragiert widersprechen, wo Hass und Aufrüstung das Wort führen, und stattdessen Räume für Versöhnung schaffen.“

Dr. Friederike F. Spengler

Das Motto der FriedensDekade 2026 lautet: „couragiert widerständig“.

Was ist eine Friedensbotin?

Seit 2020 benennt die Ökumenische FriedensDekade jährlich eine oder mehrere Friedensbotinnen bzw. Friedensboten. Sie unterstützen das Friedensengagement der FriedensDekade mit ihrer Persönlichkeit und ihrem öffentlichen Wirken, geben Impulse für die Aktionswoche und machen das Anliegen der FriedensDekade in Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit sichtbar. Die Rolle löste 2020 die frühere Schirmherrschaft ab, die u. a. von Margot Käßmann (2010–2012) und Malu Dreyer (2017) wahrgenommen worden war. Friedensbotinnen bzw. Friedensboten waren bisher unter anderem der Liedermacher Konstantin Wecker und Lioba Meyer, Kinderbuchautorin und ehemalige Bürgermeisterin von Osnabrück.

Spendenaufruf FriedensDekade 2026
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„Mehr Mut zum Zivilen Frieden“

AGDF übt deutliche Kritik an neuer EKD-Friedensdenkschrift

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat sich kritisch zur neuen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geäußert. In ihrer Stellungnahme warnt der Friedensverband davor, dass die Denkschrift die Prioritäten in der evangelischen Friedensethik grundlegend verschiebe: Weg vom Primat der Gewaltfreiheit, hin zu einem stärkeren Fokus auf militärische Verteidigungsfähigkeit.

Verschiebung des Verständnisses vom gerechten Frieden

Die AGDF sieht darin eine Abkehr vom bisherigen Konzept des „gerechten Friedens“, das auf einer Doppelbewegung von Gewaltminderung und Gerechtigkeitsförderung beruhte. Stattdessen folge die neue Denkschrift, so der Verband, der „Logik der Zeitenwende“ und räume dem Schutz vor Gewalt durch militärische Stärke Vorrang ein. Damit trete der Gedanke zurück, dass echter Frieden immer auch durch die Zunahme von Gerechtigkeit wächst.

„Diese Fokussierung auf nationale Verteidigungsfähigkeit schwächt das internationale Recht und die globalen Institutionen, die allein Macht und Gewalt der Stärkeren begrenzen können“, heißt es in der AGDF-Stellungnahme. Schutz vor Gewalt dürfe kein Privileg der Mächtigen werden.

Kritik an der Überschätzung militärischer Mittel

Besorgt zeigt sich der Friedensverband auch über eine aus seiner Sicht deutlich veränderte Bewertung militärischen Handelns. Die Denkschrift betone, militärisches und ziviles Handeln müssten zusammengedacht werden – in der Praxis werde aber vor allem militärisches Handeln als wirksamer Schutz vor Gewalt hervorgehoben.

Damit, so die AGDF, werde übersehen, dass militärisches Eingreifen häufig an seine Grenzen stoße, sobald ein Krieg ausgebrochen sei. Nachhaltiger Friede könne nur durch den Ausbau starker Institutionen, gerechter Strukturen und sozialer Resilienz entstehen, Ziele, die auch in den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen betont werden.

Zivile Konfliktbearbeitung zu schwach gewichtet

Deutlich weist die AGDF auf ein weiteres Problem hin: Die neue Denkschrift unterschätze die Möglichkeiten und die Wirksamkeit ziviler Konfliktbearbeitung. Zivile, demokratische und gewaltfreie Wege würden rhetorisch als unrealistisch dargestellt, anstatt sie als tragfähige Alternativen zu fördern.

Dabei hätten Fachorganisationen für Friedensforschung, Konflikttransformation und Friedensbildung wertvolle Beiträge leisten können, um Grenzen und Potenziale ziviler Ansätze realistisch abzubilden. Diese Perspektiven seien, so die AGDF, jedoch in die Denkschrift nicht eingeflossen.

Fehlende Zukunftsperspektive

Besonders kritisch sieht der Verband, dass die Denkschrift keine klare Zukunftsperspektive entwirft. Zwar erkenne sie an, dass zivile Konfliktbearbeitung mehr Ressourcen erfordere, doch bleibe sie den Vergleich mit den milliardenschweren Aufrüstungsprogrammen schuldig.

„Kirchen und Zivilgesellschaft sollten sich nicht nur innerstaatlich für Rechtsstaatlichkeit einsetzen, sondern auch international Prozesse stärken, die Macht beschränken und völkerrechtswidrige Kriege verhindern können“, fordert die AGDF. Ein solcher Blick nach vorn, getragen von Hoffnung und Mut, fehle in der Denkschrift.

Hoffnung als aktive Friedenskraft

Insgesamt erkenne die AGDF in der neuen Denkschrift eine Tendenz zur politischen Realismusrhetorik. Gottes Friede werde als „Ewiger Friede“ beschrieben, der auf Erden nie erreichbar sei. Damit, so der Verband, werde die biblische Botschaft geschwächt, dass Gottes Friede bereits jetzt wirksam ist und in konkreten Schritten Gestalt gewinnen kann.

„Von einer Kirche, die aus der Hoffnung lebt, erwarten wir, dass sie Mut macht – Mut zu zivilem Handeln, zu Kooperation und zur Kraft des Glaubens, dass Frieden möglich ist“, betont die AGDF. Friedensarbeit brauche Vertrauen in diese Friedenskraft, nicht ihre Relativierung.

Ein Aufruf zum Dialog

Die Kritik der AGDF ist kein Angriff, sondern ein Einladung zum theologischen und gesellschaftlichen Dialog. Sie fordert dazu auf, neu zu fragen, wie evangelische Friedensethik im 21. Jahrhundert aussehen kann – in einer Welt, die von Unsicherheit, Aufrüstung und Klimakrise geprägt ist.

Gerade im Rückblick auf die FriedensDekade 2025 mit ihrem Motto „Komm den Frieden wecken“ erinnert die Stellungnahme daran, dass Frieden kein Zustand, sondern ein Prozess ist: ein gemeinsames Ringen um Gerechtigkeit, Vertrauen und Gewaltfreiheit.

Mehr erfahren:
Die vollständige Stellungnahme der AGDF ist unter www.friedensdienst.de abrufbar.

Die ganze EKD Friedensdenkschrift 2025 finden sie auf EKD.de
Weitere Impulse, Interviews und Stellungnahmen finden sich im Blogbereich auf www.friedensdekade.de.

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