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Schlagwort: Friedenspolitische Einordnung

Friedenspolitische Einordnung | Teil 3: Glaubwürdigkeit

Glaubwürdigkeit als Fundament der Friedensarbeit

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF (redaktionell aufbereitet für die FriedensDekade)

Recht und Gerechtigkeit als Maßstab

Die Friedensarbeit lebt von ihrer Glaubwürdigkeit – und dies hat vor allem mit Gerechtigkeit und Recht zu tun. Was dies konkret bedeutet, wurde beim AGDF-Fachgespräch zu Generationen und Friedensarbeit und bei der Kooperationsveranstaltung „Dialog Friedensbewegung(en)“ in Hofgeismar wieder einmal deutlich: Die Verletzung von Völkerrecht und Menschenrechten muss von Friedensinitiativen als Verbrechen benannt werden – egal von welchem Staat sie ausgeht. Opfer kriegerischer Gewalt verdienen unser Mitgefühl, egal auf welcher Seite sie sind.

Dies sollte nicht nur in eigenen Erklärungen deutlich benannt werden, sondern auch in Aufrufen von Aktionsbündnissen, zum Beispiel zum Ostermarsch. Da dies mancherorts leider nicht der Fall ist, ist es nicht verwunderlich, wenn Organisationen wie die AGDF oder ihre Mitglieder nicht zu den Unterstützenden gehören – so wichtig auch eine Mobilisierung gegen Krieg und Militarisierung ist.

Glaubwürdigkeit beginnt im Inneren

Aber auch der Umgang von Friedensinitiativen mit Menschen, die aus welchem Grund auch immer Diskriminierung und Benachteiligung ausgesetzt sind, ist ein Lackmustest für ihre Glaubwürdigkeit. Wird dies in öffentlichen Erklärungen und bei Bündnissen berücksichtigt? Gibt es Regeln und eine Kultur der internen Zusammenarbeit, die Diskriminierung vermeidet und Benachteiligte stärkt? Wie partizipativ ist die Friedensinitiative aufgestellt?

Aus meiner Sicht sind viele Organisationen im deutschen Friedensnetzwerk bereits gut aufgestellt und/oder in wichtigen Veränderungsprozessen. Insgesamt ist in der Friedensszene aber noch viel Luft nach oben. Dies trägt dazu bei, dass es um ihre Attraktivität und Relevanz nicht gut bestellt ist.

Ostern als Ermutigung

Ansporn in Sachen Glaubwürdigkeit könnten auch die Osterzeit sein: Jesus war nicht ohne menschliche Fehler, aber in einem sehr hohen Maße glaubwürdig – bis in seinen Tod hinein. Er ist in sehr herausfordernden politischen Verhältnissen dem Weg der Gewaltfreiheit und des Widerstands gegen Ungerechtigkeit treu geblieben. Und seine Ermordung ist nicht das Ende der biblischen Erzählung, sondern seine Auferstehung. Gott ist auf der Seite derjenigen, die ihm nachfolgen – wenn dies nicht eine Ermutigung ist!


Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der Text basiert auf seinem Editorial im monatlichen AGDF-Newsletter.

Friedenspolitische Einordnung | Teil 2: Harte Zeiten für Friedensarbeit

Warum wir jetzt Sichtbarkeit, Zusammenhalt und Mut brauchen

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF (redaktionell aufbereitet für die FriedensDekade)

 

Bei der letzten Vorstandssitzung der AGDF haben wir uns intensiv mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt und in Deutschland befasst. Abgesehen von einigen Lichtblicken sind es harte Zeiten für zivilgesellschaftliches Engagement für Gerechtigkeit und Frieden weltweit und sie könnten noch härter werden. Was wir dort besprochen haben, betrifft nicht nur AGDF-Mitglieder, sondern die gesamte deutsche Friedenslandschaft, auch die Ökumenische FriedensDekade.

Wenn treue Partner wegbrechen

Die EKD-Friedensdenkschrift hinterlässt den Eindruck, als ob die Friedensarbeit kaum gesehen und nicht wertgeschätzt wird. Sind wir dabei, einen „treuen Partner“ und Unterstützer zu verlieren und angesichts notwendiger Einsparungen auch dessen finanzielle Förderung?

Das betrifft nicht nur einzelne Organisationen. Es betrifft alle, die in Deutschland für Frieden arbeiten: Gemeinden, die Friedensgebete feiern. Friedensdienste, die in Konfliktregionen vermitteln. Bildungsträger, die gewaltfreie Kommunikation lehren. Die gesamte Infrastruktur ziviler Konfliktbearbeitung steht unter Druck.

Die Arbeit geht weiter – in der Defensive

Trotz der immensen Herausforderungen gibt es unverändert eine kontinuierliche, langfristig angelegte, professionelle und insgesamt erfolgreiche Arbeit der AGDF-Mitglieder und anderer Friedensorganisationen. Sie ist allerdings in der Defensive, muss sich um den Erhalt von Finanzen oder neue Quellen kümmern, Resilienz und Schutz vor Angriffen verstärken, mit massiver Unsicherheit umgehen.

Was das konkret bedeutet? Friedensfachkräfte werden aus Projekten abgezogen. Bildungsprogramme müssen reduziert werden. Gemeinden bekommen weniger Material und Unterstützung. Die Expertise von Jahrzehnten droht verloren zu gehen – genau dann, wenn sie am meisten gebraucht wird.

Was jetzt zu tun ist

Insofern stehen wir vor mehreren Herausforderungen: Wie können wir die Friedensarbeit und ihren Wert stärker in die (kirchliche) Öffentlichkeit bringen und Entscheidungsträger*innen überzeugen, für sie weiterhin finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen? Wie können die Akteure der Friedensarbeit gestärkt und ermutigt werden, wie gemeinsam Perspektiven entwickeln?

Denn sie werden gebraucht, damit Konflikte konstruktiv bearbeitet, gewalttätige Auseinandersetzungen deeskaliert, Schwache empowert, Versöhnungsprozesse erfolgreich aufgesetzt werden und der Einfluss autoritärer Kräfte zurückgedrängt wird.

Es sind harte Zeiten für Friedensarbeit in Deutschland. Aber genau deshalb braucht es jetzt Menschen, die couragiert widerständig daran festhalten: Frieden ist möglich. Frieden braucht professionelle Arbeit. Und Frieden braucht Unterstützung.


Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der Text basiert auf seinem Editorial im monatlichen AGDF-Newsletter.

Friedenspolitische Einordnung | Teil 1: Wenn internationale Regeln zur Verhandlungsmasse werden

Warum Europa jetzt Alternativen zur Abhängigkeit von Großmächten braucht

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF


Was bedeutet „couragiert widerständig“ im Jahr 2026? Jan Gildemeister zeigt es in seiner aktuellen Einordnung: Widerstand beginnt dort, wo wir nicht schweigen zu Völkerrechtsbrüchen – egal, von wem sie begangen werden. Und Mut bedeutet, Alternativen zu denken, wenn die Großmächte die Welt in Einflusszonen aufteilen wollen. Dieser Text erschien zuerst im Newsletter 295 von Februar 2026 der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und ordnet weltpolitische Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein.


Die USA unter Präsident Donald Trump bestimmen im neuen Jahr wieder die außenpolitischen Schlagzeilen. Zuerst interveniert US-Militär in Venezuela und lässt den dortigen Präsidenten entführen, der nun vor ein US-Gericht gestellt wird. Beides ist klar völkerrechtswidrig, was die Bundesregierung aber nicht verlautbaren mag. Dann verkündet Trump, Grönland den USA einzuverleiben – durch Kauf, ansonsten mit Gewalt. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gab er sich, vermutlich aufgrund des Widerstandes aus Teilen der EU und NATO, „nur“ mit einem Deal zufrieden, der seinen Interessen weitgehend Rechnung trägt und bei dessen Aushandlung weder die dänische noch die grönländische Regierung einbezogen war. Ein Waffenstillstand und Vertrag zum Krieg in der Ukraine ist dafür für ihn gerade nicht so wichtig.

Europas Schweigen kostet Glaubwürdigkeit

Die Reaktionen auf diese alle internationalen Regeln, die Position der betroffenen Staaten und erst recht die Situation der Bevölkerung(en) weitgehend ignorierende US-Politik sind unterschiedlich. Die meisten EU- und europäischen NATO-Mitgliedsstaaten halten sich mit Kritik extrem zurück und lassen sich – wie auch die EU in Gänze – auf Vereinbarungen ein, die weitgehend den Interessen der US-Regierung entsprechen. Dazu gehören Importe von Gas und Rüstung aus den USA im Milliardenumfang oder die Zurücknahme von Regeln für die Praxis der sogenannten Tech-Giganten.

Dies liegt auch daran, dass die Abhängigkeit von den USA groß ist und es an einer Strategie fehlt, wie diese verringert werden kann.

Es gibt Alternativen

Vorschläge gibt es einige:

Kooperation auf Augenhöhe: Eine vertiefte Zusammenarbeit mit Staaten und internationalen Zusammenschlüssen, denen der Erhalt von internationalen Regeln und Institutionen wichtig ist und die kein Interesse daran haben, dass USA, China und Russland die Welt in Machtzonen aufteilen – auch im Handel oder in Rüstungsfragen.

Echte Unabhängigkeit: Eine zunehmende Unabhängigkeit von Importen von Gas, Öl, seltenen Rohstoffen durch den Ausbau regenerativer Energie und verstärktes Recycling sowie die Verabschiedung von der Illusion ewigen Wirtschaftswachstums.

Druck von unten ist nötig

Da es von Seiten der Bundesregierung keinerlei Interesse gibt, Alternativen zu denken und voranzutreiben, muss der Druck aus der Zivilgesellschaft kommen – weltweit. Dazu brauchen wir eine verständlich formulierte, überzeugende Vision, wie es anders gehen könnte, für die viele bereit sind, sich zu engagieren.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber wir sollten in unserem Bereich einen Beitrag dazu leisten.

Schalom


Werden Sie zur ausgleichenden Kraft

Die großen politischen Entwicklungen können überwältigend wirken. Doch Friedensarbeit beginnt auch vor Ort, in Ihrer Gemeinde, in Ihrem Umfeld, in Gesprächen mit Nachbar*innen. Werden Sie aktiv:

Planen Sie Veranstaltungen zur FriedensDekade vom 8. bis 18. November 2026 in Ihrer Gemeinde. Jedes Friedensgebet, jede Andacht, jeder Dialog ist ein Zeichen.

Bestellen Sie Materialien aus unserem Webshop, der Friedenskompass 2026 begleitet Sie liturgisch durchs ganze Jahr, das Gesamtpaket 2026 erscheint im Sommer.

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende. So ermöglichen Sie, dass wir weiterhin Impulse setzen, Materialien entwickeln und Friedensarbeit vernetzen können.

Wir brauchen (keine) großen Gesten, wir brauchen auch viele Menschen, die couragiert und widerständig vor Ort für den Frieden eintreten. Gemeinsam sind wir die ausgleichende Kraft.

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Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle weltpolitische Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der vollständige Text erscheint jeweils im monatlichen Newsletter der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) als Vorwort. Newsletter der AGDF abonnieren

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