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Schlagwort: Frauen für den Frieden

Bärbel Bohley – DIE KUNST DER UNGEHORSAMKEIT

Biographie einer Friedenspionierin

Zum Jahresmotto 2026 der Ökumenischen FriedensDekade: „couragiert widerständig“

„Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen, um sie dann zu übernehmen.“

— Bärbel Bohley, 1991

Bärbel Bohley (Berlin, 1945–2010) war Malerin. Sie lebte in Ost-Berlin, arbeitete in ihrem Atelier und bewegte sich in der unabhängigen Kunstszene. Doch sie wollte nicht nur malen. Die Frage nach Krieg und Frieden ließ sie nicht los. In der DDR wuchs die Militarisierung, und es wurde immer schwieriger, öffentlich zu widersprechen. Bohley tat es trotzdem.

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1104-006 / Thomas Lehmann / CC-BY-SA 3.0

Frauen für den Frieden

1982 gründet Bärbel Bohley gemeinsam mit anderen Frauen die Gruppe „Frauen für den Frieden“. Der Anlass ist ein neues Wehrdienstgesetz, das Frauen im Verteidigungsfall zum Militärdienst verpflichten soll. Am 12. Oktober 1982 übergeben 150 Frauen eine Eingabe an Erich Honecker. Sie fordern eine öffentliche Diskussion und stellen sich gegen die Militarisierung.

Die Evangelische Kirche bietet dafür Räume. Hier treffen sich Friedensgruppen, hier finden Friedensgebete statt. Unabhängige politische Gruppen sind in der DDR nicht erlaubt; wer sich außerhalb staatlich kontrollierter Organisationen organisiert, muss mit Überwachung rechnen. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) erfasst die Gruppe im Operativen Vorgang „Wespen“.

Ende 1983 schlägt die Staatssicherheit zu. Bärbel Bohley wird gemeinsam mit Ulrike Poppe vom 12. Dezember 1983 bis zum 24. Januar 1984 in Untersuchungshaft gehalten. Vorwurf: „Verdacht auf landesverräterische Nachrichtenübermittlung“. Nach internationalen Protesten werden sie freigelassen. Die Folgen bleiben: Ausreiseverbot, Ausstellungsboykott, Ausschluss aus dem Verband Bildender Künstler.

Über die Haftanstalt Hohenschönhausen schrieb sie später:

„Das Personal, ja selbst das Mobiliar war absurd. Alles war bieder, primitiv und simpel, dabei wollten sie doch das ‚Schild und Schwert der Partei‘ sein.“

Frieden braucht Freiheit

Die Frauen für den Frieden sprechen nicht nur über Waffen. Sie sprechen über Wehrunterricht, über Militarisierung, über die Möglichkeit, Nein zu sagen, und über Menschenrechte. Damit verändert sich auch ihr Friedensbegriff: Frieden bedeutet nicht nur, dass keine Waffen eingesetzt werden. Frieden braucht Freiheit. Frieden braucht Menschen, die ihre Meinung sagen können.

1985 gehört Bärbel Bohley zu den Mitbegründerinnen der „Initiative Frieden und Menschenrechte“, die bewusst außerhalb der Kirche agiert. 1988 wird sie erneut verhaftet und genötigt, die DDR zu verlassen. Sie geht nach England, behält ihren DDR-Pass und kehrt im August 1988 zurück. Sie hätte bleiben können. Sie kehrt trotzdem zurück, weil sie will, dass sich dort etwas verändert, wo sie lebt.

1989 und danach

Im September 1989 entsteht in Grünheide der Gründungsaufruf des Neuen Forums: „Aufbruch 89“. Am 4. November spricht Bärbel Bohley vor mehr als einer halben Million Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz. Am 9. November fällt die Mauer.

Bärbel Bohley möchte eine demokratische DDR. Bei der ersten freien Volkskammerwahl im März 1990 erhält das Bündnis 90 2,9 Prozent der Stimmen. Bohleys Vorstellungen setzen sich nicht durch. Aber die Menschen können nun selbst entscheiden. Genau dafür hatte sie gearbeitet.

1990 beteiligt sie sich an der Besetzung der Berliner Stasi-Zentrale und setzt sich für die Zugänglichkeit der Unterlagen ein. Ein Satz von ihr wird später berühmt:

„Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat.“

Die genaue Überlieferung ist komplizierter; Bohley sprach über die Spannung zwischen dem Wunsch nach Gerechtigkeit und den Grenzen des Rechtsstaats. Aber die Frage dahinter bleibt: Was bedeutet Gerechtigkeit nach einer Diktatur?

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Was Bärbel Bohley uns heute sagt

Die Evangelische Kirche in der DDR war nicht nur Ort des Glaubens. Sie war ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen konnten. Sie hielt Räume offen, wo Unterdrückung sie schließen wollte. Bärbel Bohley hat diese Räume genutzt, sie größer gemacht und andere Menschen ermutigt, ihre Stimme zu finden.

Frieden braucht Menschen, die widersprechen können. Frieden braucht Freiheit. Und Frieden braucht den Mut, beides gemeinsam zu verteidigen – couragiert widerständig, wie Bärbel Bohley. Für eine Welt, in der Menschen nicht schweigen müssen, um sicher zu sein.

couragiert widerständig, wie Bärbel Bohley. Für eine Welt, in der Menschen nicht schweigen müssen, um sicher zu sein.

 

Fragen zur Reflexion

  1. Widerspruch wagen: Bärbel Bohley begann mit anderen Frauen, sich gegen Militarisierung und für Frieden einzusetzen. Wo erleben Sie heute Situationen, in denen Widerspruch notwendig wäre?

  2. Schutzräume öffnen: Die Evangelische Kirche bot Friedensgruppen in der DDR Räume für Austausch und gemeinsames Handeln. Welche Räume brauchen Menschen heute, um gemeinsam für Frieden einzutreten?

  3. Unbequem bleiben: Bohley blieb auch nach 1989 unbequem und hielt an Fragen fest, die keine mehrheitsfähige Antwort fanden. Was bedeutet es für Sie, couragiert widerständig zu sein, wenn die eigene Haltung nicht mehrheitsfähig ist?

 

Gebet

Gott des Friedens,

gib uns Mut, wenn Schweigen einfacher wäre,

und stärke uns, wenn Widerstand schwerfällt.

Lass uns Menschen finden, mit denen wir gemeinsam für Frieden eintreten können,

und Räume, in denen das möglich wird.

Amen.

 

 

Quellen und zum Weiterlesen

Häufig gestellte Fragen

Wer ist Bärbel Bohley?

Bärbel Bohley (1945–2010) war eine ostdeutsche Bürgerrechtlerin, Malerin und Mitbegründerin der Gruppe „Frauen für den Frieden“ sowie des „Neuen Forums“. Sie setzte sich in der DDR unerschrocken gegen die staatliche Militarisierung ein und gilt als eine der prägenden Stimmen der Friedens- und Demokratiebewegung von 1989.

Warum war Bärbel Bohley „couragiert widerständig“?

Weil sie sich weigerte, sich den Repressionen des SED-Regimes anzupassen. Trotz Verhaftungen, Berufsverboten und der Ausbürgerung auf Zeit blieb sie unbequem, stellte staatliche Strukturen infrage und kämpfte unermüdlich für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie.

Was ist die Initiative „Frauen für den Frieden“?

„Frauen für den Frieden“ war eine unabhängige ostdeutsche Friedensbewegung, die sich 1982 aus Protest gegen ein neues Wehrdienstgesetz gründete, das auch Frauen zum Militärdienst verpflichten sollte.

Wo kann ich das Buch und die Langversionen erhalten?

Die vollständige Geschichte dieses Mutes und alle Porträts der Ausstellung finden Sie im gedruckten Buch „Frauen des Friedens“. Die vertiefenden Langversionen der Episoden stehen exklusiv im Mitgliederbereich der Ökumenischen FriedensDekade als PDF zum Download bereit. Sowohl das Buch als auch die Materialien zur Ausstellung können direkt über den Shop der FriedensDekade erworben werden.

 

Neue Ausstellung der Ökumenischen FriedensDekade: „Frauen des Friedens“ geht nach erfolgreicher Startphase in Produktion

Bonn/Berlin, 19.08.2026 – Die Ökumenische FriedensDekade veröffentlicht im Vorfeld der diesjährigen FriedensDekade das neue dezentrale Ausstellungs-Set „Frauen des Friedens“. Bereits am ersten Tag nach der Ankündigung wurde das gesteckte Mindestziel an Vorbestellungen erreicht. Damit steht fest: Das Projekt wird realisiert und im Herbst bundesweit an zahlreichen Orten zu sehen sein.

Seit über 45 Jahren steht die Ökumenische FriedensDekade für Gerechtigkeit, gerechten Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Angesichts der weltweiten Herausforderungen setzt die neue Plakatreihe ein Zeichen für ziviles Engagement und stellt das Wirken herausragender Friedensstifterinnen in den Mittelpunkt.

„Dass bereits innerhalb von zehn Stunden genügend Vorbestellungen eingegangen sind, zeigt das große Interesse in den Gemeinden an konkreten Beispielen für gewaltfreien Widerstand“, erläutert Lars Blume, Initiator des Ausstellungs-Konzepts. „Durch den frühen Rücklauf können wir direkt in die finale Gestaltung und redaktionelle Ausarbeitung einsteigen.“

15 Plakattafeln mit multimedialem Zugang

Die zeitlos angelegte Ausstellung porträtiert auf 15 Tafeln zwölf prägende Persönlichkeiten aus verschiedenen Epochen und Kontinenten; darunter Bertha von Suttner, Sophie Scholl, Wangari Maathai, Malala Yousafzai und Leymah Gbowee.

Um den Aufwand vor Ort gering zu halten, setzt das Projekt auf eine digitale Drucklizenz: Ausstellende laden die Vorlagen herunter und lassen sie direkt vor Ort drucken. Ergänzt werden die visuellen Porträts (Gestaltung: Karla Ritter) durch Kurzvideos (Reels) via QR-Code, eine pädagogische Handreichung sowie eine Vorlage zur Einbindung regionaler Friedensstifterinnen aus der eigenen Gemeindegeschichte.

Der vergünstigte Presale-Preis von 42,00 Euro für die digitale Drucklizenz gilt auf friedensdekade.de/shop weiterhin bis zum 6. September 2026 (danach 49,00 Euro).

Spende ermöglicht Freilizenzen und Druckkostenzuschüsse 

Zusätzlich erhielt das Projekt eine Großspende. Diese Mittel werden gezielt eingesetzt, um finanziell schwächer aufgestellten Einrichtungen, Schulen, Jugendgruppen oder kleinen Gemeinden die Nutzung der Ausstellung zu ermöglichen. Interessierte Gruppen können sich ab sofort um eine geförderte Freilizenz oder einen Druckkostenzuschuss bewerben.

Interessierte Kirchengemeinden, Schulen und Initiativen finden alle Informationen sowie die Möglichkeit zur Bestellung unter: www.friedensdekade.de

Pressebild-Hinweis: Ein hochauflösendes Entwurfs- und Visualisierungsfoto der Ausstellung zur redaktionellen Nutzung steht unter www.friedensdekade.de/downloads zum Download bereit. Bildnachweis: Ökumenische FriedensDekade / KI-Visualisierung

 

Über die Ökumenische FriedensDekade Die Ökumenische FriedensDekade ist eine bundesweite Aktionszeit der Kirchen und Friedensinitiativen. Sie findet jedes Jahr in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag im November statt und bringt seit 1980 Menschen unterschiedlicher Konfessionen im gemeinsamen Friedens-Engagement zusammen. Kirchengemeinden, Initiativen und Gruppen laden in dieser Zeit zu Gottesdiensten, Friedensgebeten, Veranstaltungen und Mitmach-Aktionen ein.

 

Pressekontakt:
Jan Gildemeister
Vorsitz Ökumenische FriedensDekade e.V./ AGDF
E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
Tel.: 0228 / 24 999 -13

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