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Schlagwort: Dialog

Frieden im Dialog: Olaf Warburg über bunte Tauben vor Gefängnissgittern. Das Motiv, das der FriedensDekade 2026

Frieden im Dialog – mit Olaf Warburg

„Couragierte Widerständigkeit“ und die Kunst des Brückenbauens

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ stellen wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade vor, die seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintritt. In regelmäßigen Gesprächen teilen Akteure aus dem Gesprächsforum, dem Redaktionskreis und weiteren Netzwerken ihre Erfahrungen, Visionen und Impulse. Dieses Mal treffen sich Lars Blume und Olaf Warburg, Grafiker und Gewinner des Motivwettbewerbs für die FriedensDekade 2026.

Das Gewinnermotiv ziert bereits alle Materialien und Produkte und lädt ab sofort deutschlandweit auf Plakaten zur FriedensDekade und zu vielfältigen Aktivitäten ein. Hier geht es direkt zu den Motiven.

Ein Gespräch über die Kraft der Symbole, den Mut zum gewaltfreien Widerstand und die Frage, wie Kunst in Zeiten der Aufrüstung neue Freiräume schaffen kann.


Lars: Herzlich willkommen bei „Frieden im Dialog“. Heute blicken wir bereits auf den November 2026. Vor mir liegt dein Motiv für die FriedensDekade 2026 unter dem Motto couragiert widerständig, das dann an tausenden Kirchenwänden und Plakatwänden hängen wird: Zwei bunte Tauben, die ein Gitterfenster überwinden. Gestaltet hat es Olaf Warburg. Olaf, schön dass du dabei bist.

Olaf: Danke für die Einladung!

Lars: Ich fange gerne persönlich an. Was macht dich als Mensch aus, wenn du nicht gerade am Zeichentisch sitzt?

Olaf: Es sind die kleinen Momente, Begegnungen und Situationen, die mir Hoffnung und Mut geben. Momente der Empathie, der Toleranz, des Verständnisses. Viel Kraft schöpfe ich aus meiner Familie.

Lars: Das kann ich gut nachempfinden. Gerade als Vater merkt man ja oft, dass Familie nicht nur eine Kraftquelle ist, sondern das stärkste Friedensargument überhaupt, weil dort Söhne, Töchter und Väter sind, die niemand im Krieg verlieren will. Du hast dich entschieden, dieses Herzblut in ein Motiv für die FriedensDekade zu stecken. Was hat dich dazu bewogen?

Olaf: Wenn ich die Nachrichten schaue, frage ich mich oft: Wie konnte es wieder so weit kommen? Warum ist es inzwischen offenbar „unethisch“, Gewalt abzulehnen? Dagegen anzureden, erfordert in heutigen Zeiten mehr Mut denn je. Als Grafiker ist das eine naheliegende Form, sich damit auseinanderzusetzen.

Lars: Das Wort „unethisch“ in diesem Kontext ist ein deutlicher Befund, aber ich verstehe genau, was du meinst: Die pazifistische Stimme wirkt heute oft fast rechtfertigungspflichtig. Was bedeutet Frieden vor diesem Hintergrund für dich ganz persönlich?

Olaf: Zuhören. Verstehen wollen. Kompromissfähigkeit. Miteinander.

Lars: Vier Begriffe, die eigentlich schon den Kern des neuen Mottos treffen. „Couragiert widerständig“ klingt für 2026 ja erstmal sehr offensiv. Wie hast du auf dieses Motto reagiert?

Olaf: Ich empfinde Widerstand eher nicht als „Dagegen sein“, sondern als „Öffnung zur anderen Seite“. Es bringt gar nichts, Andersdenkende aufgrund ihrer Ansichten zu verurteilen oder gar zu ignorieren. Lasst uns weiter miteinander im Gespräch bleiben. Das allein erfordert Mut genug. Meist stellt sich heraus, dass (fast) niemand Gewalt befürwortet.

Lars: Das ist ein wunderbarer Akzent: Widerstand nicht als Mauer, sondern als Öffnung. Das ist genau das Brückenbauen, das wir im Dialog brauchen. In unserer letzten Folge Frieden im Dialog mit Miriam Kähne und ihrem Projekt justice.peace.imagination ging es viel darum, dass Kunst ausdrücken kann, was Worte oft nicht erreichen. Wie ist bei dir aus diesem Gedanken das Bild entstanden?

Olaf: Zurzeit ist Street Art eine sehr beachtete Kunstform, vor allem aufgrund der Popularität ihres bekanntesten Vertreters Banksy – für dessen Arbeit ich persönlich schon seit langer Zeit sehr empfänglich bin. Obwohl mein Motiv nicht im urbanen Umfeld, sondern auf Papier und am Computer entstand, soll es genauso zum Denken anregen. Insgesamt habe ich drei gänzlich unterschiedliche Entwürfe eingereicht. Zwei davon möchte ich hier nicht näher erläutern. 🙂

Lars: (lacht) Die bleiben dann wohl dein künstlerisches Geheimnis. Aber bleiben wir beim Gewinner-Motiv. Warum ist ein Fenster mit Gittern für dich das passende Bild für das Jahr 2026?

Olaf: Natürlich ist ein Gefängnis zunächst kein Symbol für Frieden. Wenn man aber weiß, wie viele Menschen allein aufgrund ihres Einsatzes für ein gewaltfreies Leben eingesperrt sind, gibt das schon zu denken. Das Gitterfenster macht aber nur einen kleinen Teil am Rand des Motivs aus. Im Zentrum stehen zwei Tauben, die sich über diese Unfreiheit erheben.

Lars: Ein Mitglied der Jury hat in deiner Grafik ein „Durchbrechen“ der Gitterstäbe gesehen. Fliegen die Tauben für dich eher hindurch oder zerstören sie das Hindernis aktiv?

Olaf: Da die Gitterstäbe leider noch intakt sind, stehen sie wohl eher für ein gedankliches, geistiges Durchbrechen, das hoffentlich jeder und jedem erhalten bleibt, der oder die für ihre Courage unter Druck gerät. „Die Gedanken sind frei.“ Auf dass sie sich erheben und möglichst viele Menschen erreichen.

Lars: Ein starkes Bild für die innere Freiheit. Du hast dich dabei gegen die klassische weiße Taube entschieden. Ein Wunsch aus der Community war auch, mehr über die Farbwahl der Tauben zu erfahren. Warum diese bunte Variante?

Olaf: Tatsächlich gab es einen Vorentwurf mit einfarbig schwarzen Tauben. Ich fand aber, dass sie so nicht genügend Gegenkontrast zum tristen Umfeld hatten. Ich wollte ihnen Kraft und Mut mitgeben, was mit satten Farben eindeutig besser funktioniert. Das Blau und Rot habe ich dann dem Auftritt der Ökumenischen FriedensDekade – insbesondere dem Signet „Schwerter zu Pflugscharen“ entnommen.

Lars: Du hast das Logo also direkt in die Illustration integriert.

Olaf: Die Farben werden von den Tauben zitiert. Wenn man so möchte, übernehmen die Gitterstäbe die Rolle eines Schwertes, welches es neu zu schmieden gilt.

Lars: „Neu schmieden“ das passt auch gut zu deiner Heimat Dortmund, einer Stadt mit industrieller Geschichte. Spielt diese Herkunft eine Rolle dabei, wie du Zusammenhalt und Widerstand wahrnimmst?

Olaf: Leider nehme ich auch in meiner Heimat den wachsenden Zuspruch zu mehr militärischer Präsenz wahr. Gleichzeitig gibt es auch nicht wenige Stimmen, die sich nach einer Führungspersönlichkeit und längst überwunden geglaubte Vorstellungen von vornehmlich patriarchalischer und rassistischer Vorherrschaft sehnen. Offenbar geraten Konsens- und Kompromissfähigkeit immer mehr ins Hintertreffen. Umfragen zeigen, dass der „starke Mann“ wieder gefragt ist – mit all seinen Klischees, Vorurteilen und Machtansprüchen. So entstehen neue Gefängnisse – nicht nur gedanklich.

Lars: Das ist eine Beobachtung, die viele von uns teilen: In der Überforderung durch Krisen suchen Menschen einfache Antworten und starke Figuren. Dein Motiv setzt dem etwas entgegen. Was sollen die Menschen im November 2026 fühlen, wenn sie im Alltag an deinem Plakat vorbeigehen?

Olaf: Ich hoffe, dass sie trotz des tristessen Hintergrunds – einer grauen Betonmauer mit einem dunklen Gitterfenster, und das auch noch in einer nicht minder farblosen Jahreszeit – dennoch spüren, dass es um Mut, Kraft, Aufbegehren und Beharrlichkeit geht. Es darf und muss erlaubt sein, gegen Kriegstüchtigkeit und für Menschenrechte einzustehen! Und das in einer Zeit, in der Aufrüstung ein gesellschaftlicher Konsens zu sein scheint.

Lars: Ein Plakat als Erlaubnis, bei der eigenen gewaltfreien Haltung zu bleiben – das ist ein schöner Gedanke. Zum Abschluss: Welchen Impuls gibst du uns mit auf den Weg?

Olaf: Bleib bei dir. Bleib bei deinen Werten. Auch wenn du das Gefühl hast, dass alle um dich herum anders denken: Steh zu deiner Haltung! Lass dich nicht gedanklich einsperren. Befreie dich von vermeintlich Allgemeingültigem. Braucht unsere Welt wirklich noch mehr Waffen?

Lars: Eine Frage, die wir mit in die FriedensDekade 2026 nehmen. Olaf, vielen Dank für dieses Gespräch und für deine Arbeit. Wer mehr über das Motiv und die Produkte erfahren möchte, findet alle Infos auf friedensdekade.de. Bis zur nächsten Folge, bleiben Sie im Dialog.


Ein kleiner Hinweis für alle, die das neue Design in ihre Friedensarbeit tragen wollen: Das Motiv von Olaf ist bereits auf Postkarten, Postern und den ersten Aktionsmaterialien in unserem Shop erhältlich. Ab dem 11.05. gibt es dort auch das Leporello und in Kürze unsere beliebten Friedens-Streichhölzer.

 

Schauen Sie vorbei und bleiben Sie couragiert widerständig!

Frieden im Dialog: Miriam Kähne über Vorstellungskraft als Friedenskraft und die Reise von 300 Sketchbooks durch Mitteldeutschland Kunst, Imagination und der Mut zur Veränderung

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ stellen wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade vor, die seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die

Bewahrung der Schöpfung eintritt. In regelmäßigen Gesprächen teilen Akteure aus dem Gesprächsforum, dem Redaktionskreis und weiteren Netzwerken ihre Erfahrungen, Visionen und Impulse. Dieses Mal treffen sich Lars Blume und Miriam Kähne, Bildungsreferentin für Frieden und Gerechtigkeit und Initiatorin des weltweiten Kunstprojekts justice.peace.imagination. Ein Gespräch über die Kraft der Vorstellungskraft, handgemachte Sketchbooks aus aller Welt und die Frage, ob Kreativität ein Akt des Widerstands gegen Resignation sein kann – geprägt von Neugier, Tiefe und dem Glauben daran, dass das Morgen noch gestaltbar ist.

Lars: Herzlich willkommen bei „Frieden im Dialog“, einer Serie der Ökumenischen FriedensDekade. Heute spreche ich mit Miriam Kähne. Miriam ist Bildungsreferentin für Frieden und Gerechtigkeit und hat ein weltweites Kunstprojekt ins Leben gerufen: justice.peace.imagination, mit handgemachten Sketchbooks aus aller Welt. Miriam, schön, dass du da bist.

Miriam: Ich freue mich sehr!

Lars: Bevor wir ins Projekt einsteigen, wer bist du, wenn du gerade mal nicht als Bildungsreferentin Projekte jonglierst? Was lässt dich persönlich hoffnungsvoll bleiben?

Miriam: Ich bin Bildungsreferentin für die Themen Frieden und Gerechtigkeit und arbeite auf dem Gebiet der beiden Ev. Landeskirchen von Mitteldeutschland & Sachsen. Was mich – privat wie beruflich – immer wieder hoffnungsvoll stimmt ist, dass alle Systeme, die von Menschen gemacht sind, auch von Menschen anders gemacht werden können. Ab jetzt. Und erst recht ab morgen. Wir müssen uns nur darauf verständigen, welches Morgen wir gestalten möchten.

Lars: „Ab jetzt. Und erst recht ab morgen.“ Das ist ein Satz, den ich mir merke. Und er führt direkt zum Kern deines Projekts. Der Titel sagt ja schon viel: justice, Gerechtigkeit. peace, Frieden. Und dann: imagination, Vorstellungskraft. Warum braucht es ausgerechnet die, um Frieden und Gerechtigkeit greifbar zu machen?

Miriam: bell hooks – die Schreibweise mit kleinen Buchstaben war ihr selbst wichtig, um sich von ihrer Großmutter zu unterscheiden – sagte: „What we cannot imagine cannot come into being“. Wir brauchen also Bilder und Ideen davon, wie die Welt anders als jetzt aussehen könnte, wo es hingehen soll und wie wir so Frieden und Gerechtigkeit gemeinsam umzusetzen können. Ich beobachte, dass unsere Diskurse über Frieden und Gerechtigkeit oft nur kognitiv und in Begriffen geführt werden und selten mal jemand fragt „was meinst du denn damit“? Aber jede:r von uns verbindet mit den Begriffen doch Gefühle, Bilder, Ohnmachtserfahrungen, Wünsche und vieles mehr! Gerechtigkeit und Frieden (und noch stärker Ungerechtigkeit und Un-Frieden) berühren uns! Lasst uns doch mal schauen, wo wir hinkommen, wenn wir das miteinander teilen und sehen, was dann alles möglich wird!

Lars: Mein eigenes Bild dazu ist ein sehr konkretes. Wenn wir Krieg auf die eigene Familie herunterbrechen, wer von uns möchte wirklich seinen Sohn, seine Tochter, seine Schwester, seinen Vater unter lebensgefährlichen Umständen wissen? Wenn wir das ehrlich beantwortet haben, wissen wir eigentlich schon, wo wir stehen. Und genau deshalb brauchen wir dieses Bild, bevor wir den Weg gehen können.

Miriam: Das ist ein sehr direktes und ehrliches Bild. Und ich frage mich: Glaubst du, dass dieses Bild die Menschen wirklich erreicht, auch diejenigen, die Krieg vielleicht eher als abstrakte Notwendigkeit betrachten?

Lars: Das ist eine wichtige Frage. Ich glaube, es braucht genau diese Konkretion. Abstraktion schützt uns vor dem Fühlen. Wenn wir aber ein Gesicht, einen Namen, eine Familie dazudenken, dann wird es schwer, wegzuschauen. Kommen wir zur Form, in der du das alles umsetzt. In einer Zeit, in der fast alles digital läuft, schickst du analoge Notizbücher um die Welt. Was macht den Reiz dieser kleinen Bücher aus?

Miriam: Ehrlich gesagt war ich mir gar nicht ganz bewusst, dass Sketchbook-Art „so ein Ding“ ist in der Künstler:innen-Community weltweit. Ich hatte von einem Projekt gehört (The Sketchbook Project), das ich bei einer USA-Reise in Brooklyn besuchen wollte. Die schickten seit Jahren tausende leere Sketchbooks in die Welt. Leider war das Haus kurz vor meinem Besuch abgebrannt und ich konnte das „Original“ nicht kennenlernen. Aber ich fand die Idee klasse! Und ich glaube, sie eignet sich aus mehreren Gründen perfekt für „Justice.Peace.Imagination“: 1. Es entsteht ein Raum, in dem Menschen ernsthaft nach ihren Erfahrungen und Ideen gefragt werden. Und ich habe von sehr vielen die Rückmeldung erhalten, dass sie dadurch eine große Selbstwirksamkeit anstatt Ohnmacht erfahren haben. 2. Die Seiten sind weiß. Jede:r füllt sie mit dem ganz Eigenen. Mit den eigenen Ideen, eigenen Erfahrungen, eigener künstlerischer Handschrift, ohne Vorgabe, mit dem, was ganz tief aus dem Innersten kommt. 3. Menschen, die sich künstlerisch ausdrücken, sind geübt darin, ihre Vorstellungskraft ernst zu nehmen und können andere dadurch inspirieren.

Lars: Diese weißen Seiten sind fast schon ein Symbol. Das kenne ich auch aus dem gemeinsamen Singen. Ich bin musikalisch unterwegs und wenn Menschen zusammen singen, passiert etwas, das ich mit Worten kaum beschreiben kann: Die Stimmen werden eins. Du wächst mit den anderen zusammen. Das ist kein Konzept, das ist eine Erfahrung. Und ich glaube, diese Sketchbooks funktionieren genauso. Parallel zu dieser sehr physischen Welt gibt es das Projekt auch online. Wie ergänzen sich diese beiden Welten für dich?

Miriam: Das wird sich zeigen. 😉 Vor allem wollte ich den internationalen Künstler:innen die Möglichkeit geben, selbst die Ausstellung zu entdecken, sich in einer internationalen Plattform zu zeigen und wie alle anderen Künstler:innen auch, die das möchten, während der Ausstellung über ihre Kunst und ihren Prozess zu sprechen. Inzwischen ist über Insta außerdem eine community unter den Künstler:innen entstanden, sodass wir monatliche globale Kunsttreffs („90 art minutes“) entwickeln, in dem eine Person eine Gestaltungs-Art beibringt. Alle gestalten bei sich vor Ort und vorher wird kommuniziert, welche Materialien benötigt werden. Alle Infos dazu wird es auf dem Insta-Kanal geben. Es gibt eine Vielzahl von kurzfristigen Nutzmöglichkeiten des online-Raums, auch Gruppen können ihn nutzen, um die Sketchbooks zu entdecken und ich denke, dass sich da zwischen März und November noch einiges Kreatives entwickeln wird! Aber wie siehst du das eigentlich? Du bist ja für die Online-Redaktion bei der FriedensDekade zuständig. Wie erlebt man diesen Spagat von innen?

Lars: Das ist eine sehr lebendige Spannung. Ich bin für die Online-Redaktion bei der FriedensDekade zuständig und trotzdem bin ich ein großer Fan analoger Produkte. Wir haben das ja schon zusammen erlebt: Mit der digitalen Vorausstellung zu justice.peace.imagination im Rahmen der FriedensDekade 2025 haben wir gemeinsam erste Erfahrungen gesammelt, wie sich so ein Format online anfühlt und was es leisten kann. Und dieses Jahr machen wir den nächsten Schritt mit erstmals digitalen Versionen des Friedenskompasses 2026. Es ist nicht immer einfach, aber ich glaube: Es braucht beides. Der Mittelweg ist es. Digital öffnet Türen und analog schafft Tiefe.

Lars: Du hattest ja zwei Fragen zusammen beantwortet, die ich trotzdem beide kurz einleiten möchte. Zum einen: Warum war es dir wichtig, dass Menschen nicht nur schauen, sondern selbst aktiv werden? Und zum anderen: Kann ein Sketchbook manchmal mehr vermitteln als ein klassischer pädagogischer Vortrag über Frieden?

Miriam: Je nachdem, was das Ziel ist, muss der Weg dorthin natürlich passen. Und ich empfinde schon, dass es Kontexte gibt, wo zu Frieden und Gerechtigkeit nicht noch mehr Worte gesprochen werden müssen, sondern alles gesagt ist. Und vor allem bestimmte Leute bereits genug Raum in diesem Diskurs eingenommen haben und wir anderen Menschen mehr Gehör schenken sollten. Das war auch eine Frage, die mich geleitet hat während der Einladung von Künstler:innen: Welche Stimmen sind denn interessant zu fragen und werden im momentanen Diskurs nicht laut genug gehört? Ich bin eine große Freundin von ganzheitlicher Bildung und wünsche mir außerdem, dass die Bildungsarbeit Menschen zum Aktivwerden motiviert, zum eigenen Mitgestalten unserer Welt. Und dazu eignet sich die Kunst auf jeden Fall! Denn ein Bild spricht andere Dimensionen des Menschseins an als ein Vortrag.

Diese Dynamik möchten wir auch mit den begleitenden Bildungsangeboten aufgreifen. Alle zu völlig unterschiedlichen Themen rund um Justice.Peace.Imagination, aber alle gleich darin, dass sie keine PowerPoint-Präsentation verwenden dürfen. Es sind aktivierende Formate geplant, die Menschen ins Gespräch, ins Kreativwerden und/oder ins Imaginieren bringen.

Lars: Kein PowerPoint, das gefällt mir sehr! Gerade beim Thema Krieg und Frieden nutzen wir so viele Worte. Manchmal zu viele. Kunst ist ein anderer Kanal, kein besserer, aber ein notwendiger. Ich freue mich, sagen zu können, dass ich selbst bei einigen Bildungsveranstaltungen im Rahmen der Ausstellungsreise dabei sein werde. Ohne Folien, dafür mit echtem Dialog. Genau das, wofür dieses Format steht. Ich freue mich sehr darauf, mit Menschen vor Ort zu diesen Themen ins Gespräch zu kommen. Das Motto der FriedensDekade 2026 lautet „couragiert widerständig“. Inwiefern ist das Wiederentdecken der eigenen Fantasie für dich ein Akt des Widerstands?

Miriam: Erstmal merke ich schon, dass es Mut erfordert, sich heute hinzustellen und dafür zu einzustehen, dass die Vorstellungskraft eine wirkliche Kraft ist, die der Katalysator für echte Veränderung sein kann. Wir leben in einer Zeit, in der die vielen Krisen eng miteinander verzahnt sind, hohe Komplexität aufweisen und ehrlicherweise von uns verlangen, dass wir uns radikal alles anders vorstellen. Dass wir Wege finden, die bisher nicht gegangen wurden, weil die Herausforderungen noch nie derartig waren. Unser kollektives Vorstellungsvermögen ist in dieser Zeit massiv gefragt und wir bräuchten viel mehr Mutige, die in den Widerstand gegen „weiter so“ gehen.

Lars: Für mich bedeutet „couragiert widerständig“ auch Widerstand gegen die Spaltung unserer Gesellschaft. Im Brückenbauen, im Verbinden hinter dem, was uns verbindet. Wir sind alle Menschen mit unterschiedlichen Meinungen und Ideen. Aber die meisten von uns wollen doch eine Welt, in der es unseren Familien gut geht. Das ist mehr, als uns manchmal bewusst ist. Und das ist ein Anfang. Du hast jetzt so viele dieser Bücher in den Händen gehabt. Gibt es eine Geschichte, eine Seite, die dich besonders berührt hat?

Miriam: Ja, sehr viele. Es war nicht selten, dass ich beim Anschauen eines Hefts weinen musste über die Tiefe und die Ehrlichkeit der Bilder, die mir begegnet sind. Mich berühren die Worte der dementen Frau, deren Wortschnipsel echte Weisheit sind und von einer künstlerischen Wegbegleiterin zusammengefügt wurden. Das Heft eines Strafgefangenen, der in seinem ganz eigenen Stil und seinen Worten Frieden beschreibt. Das Sketchbook eines Mannes, der das letzte Gespräch mit seinem Vater kurz vor seinem Tod dokumentiert hat und mit Kerzenwachs und Haaren gestaltet hat. Es sind einzelne Hefte von Menschen mit Erkrankungen dabei, die es geschafft haben, die Ungerechtigkeitserfahrungen in Gerechtigkeits-Bilder zu verwandeln und eine Welt zu zeichnen, in der wir alle gerne leben.

Einige Hefte von Frauen zeigen ganz konkrete Situationen und thematisieren politische Veränderungen, die umsetzbar wären. Und wenn ich anfange zu berichten, fallen mir so viele weitere ein, die alle erwähnt werden sollten. Am besten ist es, sie sich selbst mit viel Zeit anzuschauen! Die vielen so unterschiedlichen Darstellungen von unserer Welt wie sie möglich ist und schon in den Köpfen existiert fesselt mich immer von Neuem.

Lars: Ich merke, wie ich beim Zuhören ganz still werde. Kerzenwachs und Haare. Das letzte Gespräch mit dem Vater. Das ist kein Kunstprojekt mehr, das ist Menschsein in seiner reinsten Form. Ich freue mich sehr darauf, diese Bücher selbst in die Hand zu nehmen. Ich hatte dich auch gefragt: Wenn du selbst eine Seite gestalten müsstest, die Frieden zeigt, welche Farben, welche Motive würden wir dort finden?

Miriam: Das finde ich eine wirklich coole Frage über die ich auch viel nachgedacht habe, aber ich glaube, die will ich nicht beantworten.

Lars: Das respektiere ich vollständig. Und ich finde, das ist selbst schon eine Aussage. Manche Bilder gehören uns allein. Weil wir aber im Dialog sind, wage ich es für mich: Mein Friedensbild wäre kein großes Motiv. Es wäre ein Abendessen. Ein Tisch. Menschen, die ich liebe. Lachen. Sicherheit. Kein Warten auf schlechte Nachrichten. Vielleicht ist das der einfachste und ehrlichste Frieden, den ich kenne. Jetzt steht die Vernissage in Magdeburg bevor, am 26. März geht es los. Was ist das für ein Gefühl?

Miriam: Mich bewegt es sehr, dass sich so viele Menschen aus der ganzen Welt von der Projektidee anstecken ließen! Und ich freue mich, das am 26.3. zu feiern. Und wenn ich nun in der Planung höre, dass Menschen aus ganz Deutschland den Weg nach Magdeburg machen und genauso wie wir auf den Beginn der Ausstellung hinfiebern, fühlt es sich an als ob da eine Gemeinschaft von Menschen entstanden ist, die wie ich hoffen, dass „da noch was geht“ in unserer Gesellschaft und weltweit.

Dass die Ohnmachtsgefühle, die wir durch die multiplen Krisen erleben, nicht das letzte Wort sind und dass Kreativität ein Ventil sein kann, dass uns anstößt, auch andere Wege auszuprobieren. Darauf bin ich sehr neugierig. Und auch darauf, wie Menschen, die die vielen Sketchbooks noch nicht in der Hand hatten, darauf reagieren, wie sie mit den Bildern in Interaktion gehen, welche Reaktionen sie darauf zeigen, welche Hefte eher herausgezogen werden, usw.

Ich freue mich darauf, dass die Sketchbooks nun dahin kommen, wofür sie gestaltet wurden.

Lars: Und genau dafür steht die FriedensDekade. Diese Gemeinschaft, die du beschreibst, die gibt es. Wir sind nicht allein damit. Im November endet die Tour in der Dresdner Frauenkirche, genau zur FriedensDekade. Was bedeutet dir dieser Ort als Abschluss?

Miriam: Ich freue mich sehr auf den Projekt-Abschluss während der Friedensdekade in Dresden. Und wie für alle anderen Ausstellungsorte sind wir auch hier schon in der Planung, um dem ganz speziellen Ort gerecht zu werden und den Ausstellungsrahmen an den Ort anzupassen, damit die Sketchbooks den Menschen begegnen können.

Ich habe familiär eine enge Beziehung zu Dresden und bin jedes Mal persönlich berührt, in der wieder aufgebauten Frauenkirche sein zu können. Für mich persönlich ist sie ein Symbol des Friedens. Und ich finde, dass unsere Ausstellung dort ganz hervorragend hin passt, sehe das aber auch im Kontext der vielen andere Orte (kleine Kirchengemeinden auf dem Land, die etwas Kreatives gegen die Rechten in ihrem Ort machen wollen, Jugendkirchen in Kooperation mit Kunstschulen, Ortsvereine, Think Tank-Orte uvm.), die den Weg der Ausstellung zeichnen und alle ihre ganz besonderen Elemente dort hinein bringen.

Lars: Letzte Frage, Miriam. Wenn die letzte Besucherin die Ausstellung in Dresden verlässt, was sollte sie im Idealfall im Kopf oder im Herzen mit nach Hause nehmen?

Miriam: Ich wünsche mir, dass Menschen, die die Ausstellung (und auch die Veranstaltungen, die damit zusammen gehören) besucht haben, motiviert sind, unsere Welt zu einem friedlicheren und gerechteren Ort zu gestalten. Dass sie Bilder gefunden haben von einer Welt, in der sie und wir alle gerne leben möchten. Dass sie begreifen (und zwar nicht nur kognitiv, sondern das auch fühlen und erlebt haben), dass die jetzigen multiplen Krisen nicht das letzte Wort sind, sondern wir zahlreiche Optionen haben, wie es morgen weitergehen kann.

Toll wäre es, wenn sie ihre Idee mit anderen teilen konnten und sich bei sich vor Ort in einer Gemeinschaft von anderen Motivierten wiederfinden.

Lars: Miriam, vielen Dank. Für dieses Gespräch, für das Projekt und für deinen Mut, die Vorstellungskraft ernst zu nehmen. Wer die Ausstellung besuchen oder an den Bildungsveranstaltungen teilnehmen möchte, findet alle Infos in den Shownotes. Die Ausstellung startet am 26. März in Magdeburg und wandert bis November durch Mitteldeutschland bis zur Frauenkirche in Dresden. Bis zur nächsten Folge, bleibt im Dialog.

 

Termine der Ausstellung (Auswahl)

  1. März, Magdeburg-Buckau (Volksbad, Karl-Schmidt-Str. 56): Vernissage justice.peace.imagination. Ab 14 Uhr Sketchbooks ansehen, 16:30 Uhr Eröffnung mit persönlichen Geschichten und Musik von Michael Nickel. Anmeldung erbeten. → friedensdekade.de

2.–8. April, Naumburg (Peter und Paul Kirche, Salzstr. 26): Ausstellung justice.peace.imagination.

21.–26. April, Erfurt (Landeskirchenamt, Michaelisstr. 39): Ausstellung justice.peace.imagination.

27.–30. April, Erfurt (Offene Arbeit, Allerheiligenstraße 9): Ausstellung justice.peace.imagination.

8.–18. November, Dresden (Frauenkirche): Ausstellung justice.peace.imagination – zur FriedensDekade 2026. Ein besonderer Ort für ein besonderes Projekt.

Für alle Termine und Orte schauen Sie gerne auf der Projektseite zu justice.peaece.imagination vorbei.

Ausstellungsorte und Daten Ausstellung: justice.peace.imagination

Justice.Peace.Imagination – Eine digitale Ausstellung zur FriedensDekade 2025

Ein Stapel leerer Sketchbooks, darauf der Titel der digitalen Ausstellung justice.Peace.Imagination

Justice.Peace.Imagination

Eine digitale Ausstellung zur FriedensDekade 2025

Kunst kann sagen, was Worte oft nicht können.
Unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ lädt die FriedensDekade 2025 dazu ein, den eigenen Blick auf Frieden, Gerechtigkeit und Verantwortung zu schärfen. Das künstlerische Sketchbook-Projekt „Justice.Peace.Imagination“ greift diese Einladung auf und verwandelt sie in gelebte, sichtbare Kreativität. 

Während der Ökumenischen FriedensDekade werden wir zehn Werke aus dem Projekt präsentieren. Von März bis November 2026 ist die komplette Sketchbook-Ausstellung auf Tour durch Ostdeutschland.

Über 300 Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten gestalten ihr eigenes Sketchbook. Ein leeres Buch, das Raum bietet für Gedanken, Farben, Linien, Visionen. Es ist eine persönliche Auseinandersetzung mit zwei zentralen Fragen:

Wo begegnen dir Gerechtigkeit und Frieden in deiner Lebenswelt und wo nicht?
Und wie könnte eine Welt aussehen , die gerecht und friedlich ist?

Jedes Sketchbook erzählt eine Geschichte. Zusammen bilden sie eine wachsende Bibliothek künstlerischer Stimmen, die zeigen, wie vielfältig und zugleich verbunden unsere Vorstellungen von Frieden sind.

Die Sketchbooks laden ein zu einem lebendigen Dialog zwischen Kunst, Spiritualität und gesellschaftlichem Engagement. Ein Raum, in dem wir gemeinsam beginnen können, den Frieden zu wecken.

Justice.Peace.Imagination

Justice.Peace.Imagination ist ein gemeinsames Projekt der Evangelischen Landeskirchen in Mitteldeutschland und Sachsen. Mehr Infos zum Projekt und zur Teilnahme gibt es hier oder auf dem Instagram-Kanal justice.peace.imagination.

  • Das Bild zeigt einen ziemlich verworrenen Weg, der an manchen Stellen sehr eng ist, an anderen in Sackgassen endet, sich im Kreis dreht, mal in leuchtenden Farben, mal eher düster. Parallel zum Weg sind Worte zur (fehlenden) Gendergerechtigkeit zu lesen.

    Tag 1

    „Die Stunde ist da“ (Römer 13,11). Es ist Zeit aufzuwachen, den Frieden zu suchen und zu wecken. Das erste Bild der digitalen Ausstellung zur FriedensDekade 2025  von Sandy Körner macht sichtbar, dass dieser Weg kein einfacher ist: Er schlängelt sich, verzweigt sich, führt in Sackgassen und wieder hinaus. Für manche ist er leicht, für andere steinig. Doch genau in diesem Unterwegssein beginnt der Frieden – in der Auseinandersetzung, im Dranbleiben, im Versuch, gerecht zu leben.

    Mein Buch hat insgesamt zum Motto, dass es ein sehr langer Weg zu Frieden und Gerechtigkeit ist. Für die einen ist es leicht, für andere ein ziemlich steiniger Weg. Und ein wirkliches Ankommen am Ziel gibt es vielleicht auch gar nicht. Möglicherweise muss die Freiheit und die Gerechtigkeit an manchen Punkten auch mit Gewalt verteidigt werden?! 

    Der Weg zu Frieden und Gerechtigkeit wird sich sichtbar durch mein gesamtes Buch ziehen und durch Schlagworte und kurze Gedankenschnipsel ergänzt werden. 

    Die Doppelseite zeigt einen ziemlich verworrenen Weg, der an manchen Stellen sehr eng ist, an anderen in Sackgassen endet, sich im Kreis dreht, mal in leuchtenden Farben, mal eher düster. Parallel zum Weg sind Worte zur (fehlenden) Gendergerechtigkeit zu lesen.

    – Sandy Körner

     

  • Eine Kerze in einer herbstlichen Landschaft.

    Tag 2

    „Komm, den Frieden wecken“ Mit einer Kerze, die Wärme verspricht, wo noch Dunkel ist. In Gabi Herbsts Beitrag wird das Warten auf Frieden zum Warten auf die Sonne: ein leises Vertrauen, dass Licht und Liebe bleiben, auch wenn sie schon im Aufbruch waren.

    auf die sonne warten

    auf das grosse versprechen

    dass man nicht

    erfrieren wird heute

    und morgen auch nicht

    dass licht da sein wird

    an allen ecken und enden

    und die liebe den koffer

    noch einmal auspackt

    mit dem zu fliehen sie

    vorhatte

    – Gabi Herbst

  • Sonne der Gerechtigkeit

    Tag 3

    „Komm, den Frieden wecken“. Dieser Ruf der FriedensDekade 2025 klingt in vielen Tönen. Manchmal leise und hoffnungsvoll, manchmal rau und schmerzhaft ehrlich.
    Das heutige Werk, „Sonne der GERECHTIGKEIT“, stammt von einer Jugendlichen, die Worte und Farben für das findet, was schwer auszuhalten ist: Ungerechtigkeit, Schweigen, Verlust von Vertrauen.

    In kräftigen Linien und schmerzlicher Klarheit zeigt sie, dass Frieden nicht entstehen kann, wo Unrecht verdrängt wird. Das Bild erinnert uns daran, dass Frieden auch Wahrheit braucht und den Mut, hinzusehen.


    Sonne der GERECHTIGKEIT
              (G., eine Jugendliche)

    So gerne 
    würde ich das singen; 
    hoffnungsvoll 
    und
    hoffnungsfroh.

    „in unserer Zeit“
    NEIN. Nicht mal in unserer Zeit.
    NEIN. Trotz ForuM Studie.
    NEIN. Trotz angekündigtem Kulturwandel.

    Unser Damals 
    bleibt JETZT.
    Ohne Sonne.
    Ohne Gerechtigkeit.

    „Brich in deiner Kirche an…“
    NEIN. Sie schützt sich lieber selbst.
    NEIN. Sie versteckt sich lieber hinter „unabhängigen“ Kommissionen.
    NEIN. Sie schenkt uns lieber keinen Glauben.

    Erbarm dich Gott.

    ___________________________________

    Dies ist die erste Seite aus einem Sketchbook des Projekts ich.und.ICH.und.wir. Gemalt und geschrieben von einer unserer Jugendlichen, die so sehr damit ringt, dass Kirche ihr Zuhause war/ist und sie erleben muss, wie andere von uns in ihren Gewalterfahrungen durch Kirche allein gelassen werden, wie ihnen nicht geglaubt wird, dass sie sexualisierte, organisierte und rituelle Gewalt durch Pfarrer erlebt haben.

    Material: Ölpastellkreide, Gouache, Acryl

  • Unser langer Weg - Lutz Olaf Walter

    Tag 4

    „Komm, den Frieden wecken“ erinnert daran, dass Frieden kein Ziel ist, das man einmal erreicht, sondern ein Weg, der immer weiterführt.
    Das Werk „Unser langer Weg“ von Lutz-Olaf Walter zeigt diese Bewegung eindrucksvoll: eine Reise durch Dunkelheit und Licht, durch das Chaos der Welt und das Aufblitzen von Hoffnung.

    In den Tiefen des Schwarz verbirgt sich ein zartes, aber beständiges Leuchten. Es erzählt von dem Mut, trotz Unsicherheit weiterzugehen, von der Kraft, das Licht zu suchen, wo Schatten sind.

    Frieden entsteht unterwegs . Schritt für Schritt, inmitten der Ungewissheit.

  • Das Bild Bärbel Benkerts zeigt einen Baum, eine Pistole, sowie eine goldene Rüstung.

    Tag 5

    Das aussdrucksstarke Bild von Bärbel Benkert spricht von einem tiefen, stillen Wandel, vom Ablegen der Schwere und vom Hineinwachsen in etwas Lebendiges.
    „Die Rüstung ablegen“ heißt hier: sich dem Frieden anvertrauen, nicht als Flucht, sondern als bewusste Entscheidung, nicht länger im Widerstand, sondern in Verbindung zu leben.
    So wird der Lebensbaum zum Gegenbild der Waffe. Er steht für Verwurzelung statt Verteidigung, für das leise, beharrliche Wecken des Friedens in uns selbst.
    Ein innerer Akt der Entwaffnung, der den Mut der Liebe sichtbar macht.

  • Tag 6

    Frieden beginnt oft dort, wo wir ihn am wenigsten suchen: in uns selbst. Das Werk von Fanny Oehmichen lädt dazu ein, einen Moment innezuhalten, den Blick nach innen zu richten und den Frieden nicht als Zustand, sondern als tägliche Entscheidung zu begreifen.
    In ihrem Werk spiegelt Fanny Oehmichen den inneren Raum, aus dem Frieden erwachsen kann.
    Ihre warmen Linien und sanften Farben erinnern daran, dass jeder neue Tag eine Einladung zur Achtsamkeit, zur Sanftheit mit uns selbst und zu einer Haltung ist, die Frieden nicht fordert, sondern nährt.
    Der Titel „Jeden Morgen“ verweist auf diese tägliche Verantwortung: Wie wollen wir uns und anderen begegnen? Mit welcher inneren Haltung betreten wir den Tag?

    In meinem Sketchbook geht es um den Frieden, der zuerst in uns selbst beginnt.

    Der Titel heißt „Jeden Morgen“ und verweist auf die Verantwortung, die wir alle dafür tragen wie wir mit uns selbst und anderen umgehen – und jeden Morgen eine neue Entscheidung treffen können und müssen, wie wir den neuen Tag begrüßen wollen. Damit aus dem inneren Frieden auch Frieden mit Anderen werden kann – und wir auch Frieden in die Welt tragen können!

  • Tag 7

    Peggy Einickes leuchtende Komposition fragt direkt: „Do you like what you see?“
    Sie fordert uns heraus, über Wahrnehmung, Verantwortung und schöpferische Kraft nachzudenken. Ihre Arbeit ist ein Weckruf an die Vorstellungskraft. An die Fähigkeit, die Welt neu zu sehen, sie mitzugestalten und das innere Feuer der Hoffnung zu entfachen. 

    Wenn wir unseren Imaginations-Muskel stärken, öffnen wir den Raum, in dem Frieden wachsen kann.
    So wird aus dem Motto „Komm den Frieden wecken“ ein kreativer Auftrag: den Mut zu haben, neue Bilder von Zukunft zu entwerfen und sie Schritt für Schritt Wirklichkeit werden zu lassen.

  • Tag 8

    Christiane Thiels vielschichtiges Werk verbindet Intimität, Ritual und Verletzlichkeit zu einer stillen, aber eindringlichen Meditation über Frieden im eigenen Alltag. Eine Badewanne, Werkzeuge, Teekanne und die in Blau getauchte Figur treten in eine irritierende Spannung: Pflege und Gefahr, Wärme und Verletzbarkeit, Trost und Erschöpfung liegen dicht nebeneinander.

    Ihr Bild erinnert daran, wie oft Frieden dort beginnt, wo wir Selbsterhalt und Selbstfürsorge ernst nehmen. Ein ehrlicher Blick auf unsere Wunden, in der Reinigung von dem, was uns schwer macht, und im mutigen Schritt hin zu Klarheit und Lebendigkeit.

    Der darunter stehende Gundermann-Vers „Sing an gegen die Stille des Todes aus Gier und Trug“ eröffnet einen zweiten Resonanzraum: Frieden ist kein Zustand, der von allein kommt, sondern ein bewusstes Gegen-Anstimmen gegen das, was uns stumpf oder sprachlos macht.

    So schließt das Werk den Kreis zum Motto „Komm den Frieden wecken“: Es ist eine Einladung, im eigenen Inneren anzufangen: im Badewasser, im Atemzug, im Gesang, im kleinen Widerstand gegen das Verstummen.

  • Tag 9

    Das Werk des Kindes bringt auf berührende Weise auf den Punkt, was uns Erwachsenen manchmal verloren geht: klare, mutige Wahrheit. „Wer an Frieden glaubt, tut das Richtige“. Ausgeschnittene Buchstaben, Farbfelder, ein leuchtendes Peace-Symbol. Kein Zögern, kein Konjunktiv, kein vielleicht.

    Es zeigt, dass Frieden nicht kompliziert beginnt. Kinder verstehen intuitiv, dass Glauben an Frieden eine Haltung ist, die das eigene Handeln verändert.

    In seiner spielerischen Klarheit erinnert dieses Bild daran, was die FriedensDekade immer wieder betont: Frieden wächst dort, wo wir ihn ernst nehmen.
    So lädt dieses Werk uns ein, den Frieden wach zu halten. Gerade weil Kinder ihn so selbstverständlich sehen können.

  • Tag 10

    Was tun mit dem geschenkten Frieden?

    In Gisela Wicherns Arbeit liegt ein leiser, aber kraftvoller Moment der Menschlichkeit: Das grob angedeutete Kleid aus Papier wirkt wie eine Hülle, die fehlt, fast so als wäre jemand nicht nur ohne Kleidung, sondern auch ohne Schutz und ohne Stimme in dieser Welt dagestanden.

    Doch im Zentrum des Bildes geschieht etwas Unerwartetes: Zwei Hände, die ein Herz anbieten. Nicht als possessive Geste, sondern als Einladung. Das Herz steht hier nicht nur für Mitgefühl, sondern für Beziehung. Für das, was zwischen Menschen entsteht, wenn wir uns einander ehrlich zuwenden.

    Vielleicht erzählt dieses Bild weniger von Demütigung und mehr von Wiederherstellung. Von dem Moment, in dem jemand, der zu lange unsichtbar war, wieder ins Licht geholt wird. Als würde das Kleid nicht nur den Körper, sondern die Identität zurückgeben.

    Unter dieser Perspektive wird die Arbeit zu einer Frage an uns alle:
    Wie oft laufen wir an Menschen vorbei, die darauf warten mit Respekt und mit Aufmerksamkeit „angezogen“ zu werden?

    Frieden wecken heißt dann: nicht nur Strukturen verändern, sondern Beziehungen heilen.

    Es heißt, sich berühren zu lassen.
    Dem anderen wieder Gewicht geben.
    Die Würde eines Menschen nicht als abstrakten Wert, sondern als Geschenk zu behandeln.

    „Friede“ kommt aus dem Lateinischen und umschreibt die „Pax Romana“, die römische Rechtsordnung. Frieden bedeutet hier „Ordnung“ und gleichzeitig die Abwesenheit von Krieg!

    Aus Gottes Frieden leben –
    – für gerechten Frieden sorgen! Eine Denkschrift des Rates der EKD 2007 –

    Friede + Gerechtigkeit interpretieren sich wechselseitig…

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Ökumenische FriedensDekade 2025 endet mit starkem Zeichen für Frieden

PRESSEMITTEILUNG

„Komm den Frieden wecken“ Ein Weckruf, der weiterklingt

Die Ökumenische FriedensDekade 2025 ist mit dem Buß- und Bettag zu Ende gegangen. Unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ haben vom 9. bis 19. November Zehntausende Menschen in Gemeinden, Schulen, Initiativen und kirchlichen Einrichtungen ein kraftvolles Zeichen gesetzt: Frieden ist möglich, Frieden ist nötig – und Frieden beginnt bei uns.

Trotz gesellschaftlicher Spannungen und lauter Debatten über Wehrpflicht, Sicherheitspolitik oder geopolitische Konflikte zeigte sich in diesen Tagen deutlich die tiefe Sehnsucht nach einem solidarischen, gewaltfreien Miteinander. Menschen kamen ins Gespräch, suchten Annäherung, entwickelten gemeinsame Ideen und trugen Verantwortung füreinander.

„Komm den Frieden wecken‘ war mehr als ein Motto – es war ein Weckruf“, sagt Jan Gildemeister, Vorsitzender der Ökumenischen FriedensDekade. „Und dieser Weckruf hallt weit über die zehn Tage hinaus.“

Ein kraftvoller Auftakt und bewegende Höhepunkte

Mit über 200 Eröffnungsgottesdiensten am 9. November wurde sichtbar, wie breit der Wunsch ist, sich für Frieden einzusetzen. Ein besonderer Höhepunkt war der zentrale Gottesdienst am 12. November in der Jakobikirche Chemnitz, gestaltet von der ACK und der Stadtökumene. In der Kulturhauptstadt Europas 2025 entstand ein eindrucksvolles Zeichen für Versöhnung, Zukunftsvertrauen und gesellschaftliche Zusammenarbeit.

Während der gesamten Dekade formten sich überall im Land vielfältige Räume des Friedens: tägliche Friedensgebete, Lichterwege, Andachten, Diskussionsrunden, Workshops, Schulaktionen und musikalische Formate. In vielen Orten erinnerten Gedenk- und Kunstaktionen an die Schrecken vergangener Kriege und an die Bedeutung gewaltfreier Zukunftsperspektiven. Gleichzeitig beteiligten sich Chöre, Jugendgruppen und Gemeinden mit kreativen Friedensimpulsen – und das Friedenslied „Komm, Frieden, lass dich wecken“ von Eugen Eckert klang wie ein verbindender Ton über viele dieser Begegnungen.

Diese Vielfalt machte deutlich, dass Menschen sich nach Miteinander, Vergebung, gemeinsamer Gestaltungskraft und friedlichen Perspektiven sehnen – und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Die digitale Ausstellung justice.peace.imagination begleitete die FriedensDekade mit täglich neuen Werken aus einem bundesweiten Sketchbook-Projekt. Über 300 Teilnehmende setzten sich darin kreativ mit der Frage auseinander, wo ihnen Frieden und Gerechtigkeit begegnen und wo sie fehlen. Die Ausstellung geht ab März 2026 auf Tour durch Ostdeutschland.

Das Plakatmotiv von Sebastian Schmidt – eine weiße Taube, die aus einem roten Megafon fliegt – zeigte eindrücklich: Frieden braucht eine Stimme. Ergänzt wurde es durch das historische Zeichen „Schwerter zu Pflugscharen“, das seit seinen Anfängen in der DDR-Friedensbewegung als Symbol für gewaltfreien Wandel, Gerechtigkeit und Versöhnung steht. Beide Motive prägten die diesjährige FriedensDekade sichtbar und stärkten die Kontinuität des friedensethischen Engagements.

Zeitgeist trifft Weckruf

Inmitten politischer Unsicherheiten und zunehmend polarisierter Debatten wurde die FriedensDekade zu einem Gegenbild: ein Raum für Dialog statt Fronten, für Zuversicht statt Resignation.

Der Landesbischof Friedrich Kramer, Friedensbeauftragter des Rates der EKD und Landesbischof der EKM, beschreibt dieses Anliegen so: „‚Komm den Frieden wecken‘ – das Motto der diesjährigen FriedensDekade ist ein Weckruf im wahrsten Sinne des Wortes: Er will uns in Bewegung setzen, damit wir bei uns und anderen die Bereitschaft wecken, am gerechten Frieden mitzuarbeiten.“

Genau diese Bewegung war während der Zehn Tage deutlich spürbar, in großen Aktionen ebenso wie in leisen Momenten. Es sind diese Augenblicke der Verbundenheit, in denen spürbar wird, wie sich starre Herzen öffnen und ein stilles Lächeln den Weg zurück ins Leben findet.

Kurz nach Abschluss der FriedensDekade tritt das Gesprächsforum Ende November in Fulda zusammen, um das Jahresmotto für 2026 festzulegen. Gleichzeitig beginnt ein strategischer Blick auf die kommenden fünf Jahre – bis zum 50-jährigen Jubiläum der Ökumenischen FriedensDekade im Jahr 2030, das bereits jetzt in Vorbereitung genommen wird.

 

Pressekontakt:
Jan Gildemeister
Vorsitz Ökumenische FriedensDekade e.V./ AGDF
E-Mail: jan.gildemeister@friedensdekade.de
Tel.: 0228 / 24 999 -13

Komm den Frieden wecken – Ein ungewöhnliches Gespräch über inneren Frieden und Menschlichkeit

Podcasttipp zur FriedensDekade 2025.

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Dieser Satz aus Goethes Faust I beschreibt treffend, worum es in der neuen Podcastfolge vom Fotograf und Podcaster Sven Andreas Hagolani geht. Mit seinem Format „SAH & KI“ hat Sven ein neues Gesprächsformat entwickelt, das berührt und nachhallt. Ein Mensch spricht mit einer Künstlichen Intelligenz. Nicht über Algorithmen, sondern über das, was uns im Innersten bewegt. In dem innovativen Podcastformat „SAH & KI führt Sven einen schriftlichen Dialog mit einer KI, deren Antworten später von einem Menschen eingesprochen werden, während er selbst seine eigenen Gedanken spricht. So entsteht ein außergewöhnliches Zwiegespräch zwischen Mensch und Maschine, das die Grenzen zwischen Technik und Empathie, zwischen Denken und Fühlen, auf faszinierende Weise verschwimmen lässt.

Komm den Frieden wecken: Frieden in uns und in der Welt

In der aktuellen Folge 8 „Was für ein Genuss: Über Frieden in uns und in der Welt“ spricht Sven über Stille, Wahrnehmung und Verantwortung. Über die Bedeutung des Zuhörens und die Kraft, im gegenwärtigen Moment Frieden zu finden. Die KI antwortet mit erstaunlicher Sensibilität und erinnert daran, dass Frieden oft dort beginnt, wo wir uns selbst und anderen mit offenem Herzen begegnen.

Das Gespräch führt in eine Tiefe, die so von einer künstlichen Intelligenz nicht zu erwarten ist. Es geht um die Fähigkeit, Spannungen auszuhalten, um Vertrauen, um den Mut, die eigene Verletzlichkeit zu zeigen. Es geht um die Frage, wie aus innerem Frieden eine Haltung entsteht, die auch in der Welt Frieden stiften kann.

Dieser Gedanke verbindet die Podcastfolge mit der Ökumenischen FriedensDekade 2025, die unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ steht. Auch hier geht es darum, Frieden nicht nur zu fordern, sondern zu leben und erfahrbar zu machen, in Schulen, Kirchengemeinden, Gemeinschaften und im eigenen Alltag.

Svens Dialog zeigt eindrucksvoll, dass neue Technologien nicht zwangsläufig eine Gefahr für Kreativität und Menschlichkeit bedeuten. Wenn sie bewusst eingesetzt werden, können sie vielmehr Räume eröffnen, in denen Fragen neu gestellt und Perspektiven erweitert werden.

Wer die Folge hört, erlebt ein Experiment, das Mut macht: Mensch und KI begegnen sich in einem echten Gespräch und zwar achtsam und respektvoll und irgendwie auch mit Neugier. Es ist eine Einladung, innezuhalten, zuzuhören und den Frieden in sich selbst zu entdecken.

🎧 Hörtipp:
Die vollständige Episode „SAH & KI #08 – Was für ein Genuss: Über Frieden in uns und in der Welt ist auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar. Am besten mit etwas Zeit, einem offenen Herzen und der Bereitschaft, sich berühren zu lassen.

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