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Schlagwort: Bewahrung der Schöpfung

Sicherheit mit oder Sicherheit gegen? Eine Frage, die alles verändert

Wer in einer Kirchengemeinde oder Friedensgruppe aktiv ist, kennt das Gefühl. Die Fragen werden größer, die Antworten dünner. Aufrüstung, Wehrpflichtdebatte, Krieg in Europa. Und mittendrin Menschen, die sich fragen, was Friedensarbeit heute noch bedeuten kann und wie sie vor Ort konkret aussehen soll.

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat mit dem Sammelband „Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten“ genau diesen Raum geschaffen. Herausgegeben von Jochen Cornelius-Bundschuh, Jan Gildemeister und Klara Butting versammelt es dreizehn Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft, Kirche und Zivilgesellschaft. Ihr gemeinsames Anliegen: die drängenden Fragen unserer Zeit friedensethisch durchdenken. Für Gemeinden, Friedensgruppen und alle, die Haltung zeigen wollen.

Widerstand als Öffnung – nicht als Mauer

Olaf Warburg, dessen Motiv in diesem Jahr die FriedensDekade prägt, hat es in der aktuellen Folge unseres Gesprächsformates „Frieden im Dialog“ mit Lars Blume klar benannt. Widerstand bedeutet für ihn nicht „Dagegen sein“, sondern „Öffnung zur anderen Seite“. Genau diese Öffnung sucht auch das Buch. Es fragt nicht, ob Frieden möglich ist. Es fragt, wie er gedacht werden muss, damit er es bleibt.

Wer seinem Friedens-Engagement mehr Substanz geben möchte, findet in „Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten“einen verlässlichen Denkpartner. Derzeit im Sonderangebot in unserem Shop.

Zwei Logiken, eine Entscheidung

Wolfram Stierle arbeitet in seinem Beitrag eine Unterscheidung heraus, die in der aktuellen Debatte kaum jemand so deutlich benennt. Es gibt zwei grundlegend verschiedene Vorstellungen von Sicherheit. Die eine entsteht durch Kooperation, gemeinsame Strukturen und das mühsame Ringen um Vertrauen. Die andere durch Abschreckung, Aufrüstung und das Prinzip der Stärke. Stierle zeigt: Wer Sicherheit nur als Abwehr denkt, landet unweigerlich in einer Logik, die Wandel verhindert statt ermöglicht.

Beide Logiken sind heute wirksam. Aber nicht gleichgewichtig.

Was die Zahlen sagen

UN-Generalsekretär António Guterres hat es unlängst öffentlich ausgesprochen: Höhere Militärausgaben allein schaffen keinen Frieden. Die Zahlen geben ihm recht. Die globalen Militärausgaben erreichten 2024 einen Rekordwert. Die Ausgaben für Entwicklung und humanitäre Hilfe sanken im gleichen Zeitraum deutlich. Die Investitionen in Abschreckung und Aufrüstung übersteigen die in Kooperation und zivile Lösungen inzwischen um den Faktor zwölf.

Couragiert widerständig – mehr als ein Motto

Das ist der Rahmen, in dem die FriedensDekade 2026 unter dem Motto couragiert widerständig steht. Und es ist der Rahmen, in dem Olafs Bild von den bunten Tauben vor dem Gitterfenster seine eigentliche Tiefe bekommt. Wer heute für gewaltfreie Lösungen eintritt, steht nicht am Rand der Debatte. Er oder sie stellt eine der zentralen politischen Fragen unserer Zeit.

Ein Buch, das weiterdenkt

Was das konkret bedeuten kann, entfaltet das Buch auf seinen weiteren Seiten. Welche Erfahrungen zivile Konfliktbearbeitung weltweit gesammelt hat. Wo sie wirkt. Wo sie an Grenzen stößt. Es liefert keine einfachen Antworten. Aber es gibt der Frage, die Olaf am Ende des Gesprächs stellt, das Fundament, das sie verdient: Braucht unsere Welt wirklich noch mehr Waffen?

In den nächsten zwei Ausgaben des Friedensbriefs greifen wir zwei weitere Bereiche aus „Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten“ auf. Im Mai erinnern wir an den 8. Mai und fragen, was „Nie wieder Krieg“ heute bedeutet, wenn junge Menschen wieder über Wehrpflicht diskutieren. Danach blicken wir auf die Kraft der Zivilgesellschaft gestern und heute.

„Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten“, herausgegeben von Jochen Cornelius-Bundschuh, Jan Gildemeister und Klara Butting, erschienen im Verlag Erev-Rav, ist derzeit zum Sonderpreis in unserem Webshop erhältlich.

Frieden im Dialog 2025: Eugen Eckert über Musik, Gemeinschaft und „Komm, Frieden, lass dich wecken“

Frieden im Dialog: Musik als Brücke für Frieden und Gerechtigkeit

In unserer Serie „Frieden im Dialog“ stellen wir die Menschen und Ideen hinter der ökumenischen FriedensDekade vor, die seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintritt. In regelmäßigen Gesprächen teilen Akteure aus dem Gesprächsforum, Redaktionskreis oder anderen Netzwerken ihre Visionen und geben Einblicke in die lebendige Arbeit der FriedensDekade. Heute sprechen wir mit Eugen Eckert, Liedermacher, Theologe und langjähriger Friedensarbeiter, über die Kraft der Musik, die Bedeutung von Gemeinschaft und das Motto „Komm den Frieden wecken“ für die FriedensDekade 2025.

Im Gespräch: Eugen Eckert und Lars Blume

Lars Blume: Herzlich willkommen zu unserem Gespräch „Frieden im Dialog“. Heute freue ich mich sehr, Eugen Eckert bei uns zu haben – Liedermacher, Theologe und seit Jahrzehnten engagierter Friedensarbeiter. Eugen, schön, dass du hier bist. Vielleicht fangen wir gleich persönlich an: Wer ist Eugen Eckert, abseits der Lieder, die so viele Menschen kennen?

Eugen Eckert: Vielen Dank, Lars. Ich wurde religiös und musikalisch durch die evangelisch-methodistische Gemeinde in Frankfurt geprägt. Dort, in unserer Nachbarschaft, war das Singen ein lebendiger Teil des Glaubens. Später, unter dem Einfluss der Studentenbewegung, habe ich mich von der konservativen Frömmigkeit entfernt und die politische Dimension der Theologie entdeckt. Der Wechsel in die progressive hessen-nassauische Landeskirche war folgerichtig, besonders im Hinblick auf Friedensfragen. Musik blieb für mich ein lebenswichtiger Ausdruck, auch wenn das damalige Evangelische Kirchengesangbuch eher nüchtern war. Ereignisse wie die Zerschlagung des Prager Frühlings 1968 oder persönliche Erlebnisse mit der Bundeswehr haben mich zusätzlich geprägt. Der Kirchentag 1975 in Frankfurt öffnete mir Türen, um theologischen Tiefgang, musikalische Kreativität und friedensbewegte Positionen zu verbinden.

Lars Blume: Du begleitest Singkreise und bringst Menschen durch Musik zusammen. Wie hast du selbst die Kraft des gemeinschaftlichen Singens erlebt?

Eugen Eckert: Für mich ist das gemeinsame Singen eine universale Sprache. Sie überwindet Konflikte, Hindernisse und Missverständnisse. In unseren Singkreisen spüre ich die enorme Energie, Freude und Verbundenheit, die entsteht, wenn Menschen zusammenkommen. Wir singen nicht auf, wir erfahren Gemeinschaft und damit eine Art von Frieden, den wir miteinander teilen.

Lars Blume: Eugen Eckert, du hast seit Jahrzehnten Lieder geschrieben, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung einsetzen. Was bewegt dich persönlich so stark, diese Themen musikalisch zu begleiten?

Eugen Eckert: 1982 haben wir mit der Band HABAKUK die Ökumenische Messe „Aus Liebe zum Menschen“ für den Frieden geschrieben. Begegnungen mit Augenzeugen der Atombombenabwürfe oder tragische Ereignisse wie der Tod der Familie Jürges durch einen Flugzeugabsturz haben mich zutiefst erschüttert. Außerdem habe ich im Theologiestudium gelernt, dass die Zukunft der Menschheit von Lösungen in den Bereichen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung abhängt. Musik wurde für mich ein Werkzeug, um all das in einer verständlichen, erfahrbaren Form zu verbinden.

Lars Blume: Was bedeutet für dich persönlich Frieden, gerade im Kontext der jungen Generation, die wir mit der FriedensDekade erreichen wollen?

Eugen Eckert: Für mich heißt es, das Friedensfeuer nicht nur für uns zu entfachen, sondern für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, damit sie in einer Welt ohne Waffengewalt aufwachsen. Es ist wichtig, dass wir ihnen zeigen: Frieden ist möglich und lebbar. Die aktuelle Diskussion um die Wehrpflicht in Deutschland zeigt, wie wichtig das Engagement der FriedensDekade 2025 ist. Es erinnert uns daran, dass Demokratie und Frieden ständige Aufmerksamkeit brauchen.

Lars Blume: Du hast viele Lieder geschrieben, Eugen. Wie ist dein neues Lied „Komm, Frieden, lass dich wecken“ entstanden?

Eugen Eckert: Die Melodie ist vielen aus dem Gospel „Go, tell it on the mountain“ vertraut. Sabine Müller-Langsdorf, unsere Friedenspfarrerin, gab mir das Thema „Komm den Frieden wecken“ für die FriedensDekade 2025. Ich wollte einen packenden Refrain mit nachdenklichen, manchmal provozierenden Strophen verbinden. Ich denke, das ist gelungen.

Lars Blume: Du bist oft dabei, wenn Lieder einstudiert werden. Welche Wirkung siehst du, wenn Menschen gemeinsam singen?

Eugen Eckert: Die Wirkung ist enorm. Sicherlich nicht so kraftvoll wie bei der „Singenden Revolution“ in Estland, Lettland und Litauen: Zwei Millionen Menschen hielten 1989 eine 600 Kilometer lange Menschenkette von Tallinn über Riga nach Vilnius und sangen gegen Unterdrückung. In unseren Singkreisen entsteht ein kleineres, aber spürbares Friedensfeld. Die Freude, das Miteinander und die Verbundenheit sind deutlich spürbar.

Lars Blume: Welche Reaktionen hast du bisher auf „Komm, Frieden, lass dich wecken“ bekommen?

Eugen Eckert: Die erste Reaktion kam von Sabine Müller-Langsdorf selbst: Sie sang den Text laut zur Melodie und war begeistert. Auch auf YouTube gab es positive Rückmeldungen. Ich bin gespannt, was noch folgt.

Lars Blume: Welche Tipps würdest du Chören und Gemeinden geben, die das Lied einüben möchten?

Eugen Eckert: Mit Spaß und Begeisterung singen, niemals verbissen. Nicht jeder Ton muss perfekt sein, es geht darum, frei aus dem Herzen zu singen und zu spüren. Im übertragenen Sinne können wir auch von Fußballfans lernen, wie kraftvoll und ansteckend gemeinsames Singen sein kann. Es geht darum, die Freude weiterzugeben und gemeinsam ein Friedenssignal zu setzen.

Lars Blume: Eugen, gibt es ein Lied, das dich persönlich am stärksten berührt, wenn es um Frieden geht?

Eugen Eckert: Am meisten berührt mich „War“ von Edwin Starr. Es beschreibt die zerstörerische Kraft von Krieg, die Tränen unzähliger Mütter und das Leid Unschuldiger – eine klare, unmissverständliche Friedensbotschaft.

Lars Blume: Was wünschst du dir, dass nach dem letzten Refrain von „Komm, Frieden, lass dich wecken“ bleibt?

Eugen Eckert: Eine Vision jenseits der weltweiten Aufrüstung. Ein „Gleichgewicht des Schreckens“ ist keine Friedensvision. Ich wünsche mir, dass Menschen die Hoffnung auf eine neue, friedliche Welt bewahren, wie der Prophet Jesaja es beschreibt: Freude über das, was geschaffen wird, kein Weinen, kein Klagen, Häuser, Weinberge, Früchte – ein Leben in Frieden.

Lars Blume: Vielen Dank, Eugen Eckert, für diesen lebendigen Dialog und die Einblicke in deine Arbeit. Die FriedensDekade lebt von genau diesem Austausch – von Musik, Gemeinschaft und dem Mut, Frieden wachzurufen. Ich hoffe, dass wir alle inspiriert werden, unser eigenes Friedensfeuer weiterzutragen.

Zum Weiterlesen und Mitgestalten

  • Weitere Beiträge der Serie „Frieden im Dialog“ finden Sie hier.
  • Materialien der FriedensDekade: Entdecken Sie unsere Angebote im Online-Shop.
  • Teilen Sie Ihre Geschichten: Senden Sie Ihre Aktionen an kontakt@friedensdekade.de.
  • Folgen Sie uns: Bleiben Sie über unseren Instagram-Account auf dem Laufenden.
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Jede Begegnung, jede Aktion, jede Stimme zählt. Lassen Sie uns gemeinsam den Frieden wecken!

Frieden im Dialog: Die Serie der FriedensDekade 2025

Die Serie „Frieden im Dialog“ ist ein zentraler Bestandteil der FriedensDekade 2025, die seit über 45 Jahren Menschen dazu ermutigt, Frieden aktiv zu fördern. In regelmäßigen Gesprächen mit Akteurinnen der Friedensbewegung, Künstlerinnen, Theolog*innen und engagierten Einzelpersonen beleuchten wir die Kraft kleiner Schritte, die Bedeutung von Vernetzung und die Rolle von Spiritualität in der Friedensarbeit. Die Dialoge bieten Raum für persönliche Geschichten, gesellschaftliche Analysen und kreative Ansätze, um Frieden in einer von Krisen geprägten Welt zu wecken. Unser Ziel: Menschen inspirieren, sich einzubringen – sei es durch Friedensgebete, Kunstprojekte, Workshops oder Dialoge vor Ort.

Die FriedensDekade steht für Hoffnung, Mut und die Überzeugung, dass jede Stimme zählt. Mit „Frieden im Dialog“ möchten wir diese Botschaft verstärken und Menschen dazu ermutigen, Teil einer Bewegung zu werden, die Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung miteinander verbindet.

Alle Beiträge der Serie „Frieden im Dialog“

Claus-Jörg Richter über Militärseelsorge, Verantwortung und „Friedenstüchtigkeit“

Militärpfarrer Claus-Jörg Richter gibt Einblicke in seine Arbeit mit Soldatinnen und Soldaten, spricht über Verantwortung, Gewissen und Versöhnung – und fragt, wie wir „friedenstüchtig“ werden können.

Eugen Eckert über Musik, Gemeinschaft und „Komm, Frieden, lass dich wecken“

Liedermacher und Theologe Eugen Eckert erzählt, wie Musik Frieden erfahrbar macht und wie sein Lied „Komm, Frieden, lass dich wecken“ die FriedensDekade 2025 bereichert.

Heidrun Kisters über Friedenslogik, Vernetzung und das Motto „Komm den Frieden wecken“

Friedensbotschafterin Heidrun Kisters spricht über die Kraft der Friedenslogik, die Bedeutung von Vernetzung und wie das Motto „Komm den Frieden wecken“ Menschen inspiriert, Frieden im Alltag zu gestalten.

Miriam Meyer über neue Stimmen und gelebte Spiritualität

Miriam Meyer, Vertreterin von „Church and Peace“, verbindet lokale Friedensarbeit mit spirituellen Impulsen und zeigt, wie junge Stimmen die FriedensDekade bereichern.

Sebastian Schmidt über Kunst als Weckruf

Sebastian Schmidt, Gewinner des Motivwettbewerbs 2025, spricht über die Entstehung des Plakatmotivs mit der Friedenstaube und dem Megafon und die Kraft von Kunst in der Friedensarbeit.

Wiltrud Rösch-Metzler über Engagement, Gespräche und Veränderung

Wiltrud Rösch-Metzler, Leiterin des Redaktionskreises, diskutiert, wie die FriedensDekade gesellschaftliche Spaltung überwindet und Menschen ermutigt, aktiv zu werden.

Warum „Frieden im Dialog“?

In einer Welt, die von Konflikten, Polarisierung und Krisen geprägt ist, bietet „Frieden im Dialog“ einen Raum für Hoffnung, Austausch und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Die Serie zeigt, wie vielfältig Friedensarbeit sein kann – von Musik über Kunst bis hin zu spirituellen und gesellschaftlichen Ansätzen. Die FriedensDekade 2025 unter dem Motto „Komm den Frieden wecken“ ruft dazu auf, wachsam zu bleiben und Frieden aktiv zu gestalten – lokal, national und international.

Jede Begegnung, jede Aktion, jede Stimme zählt. Lassen Sie uns gemeinsam den Frieden wecken!

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