Ein Friedenswald wächst in Wattenscheid: Gemeinschaft pflanzt, was bleibt
April – Schöpfung
Tiny Forest · Friedensdekade · Miyawaki · Wattenscheid · Bochum · Gemeinschaft · Schöpfung
Eine Geschichte, die erfunden wurde und doch stimmt
Es gibt eine Geschichte von einem Mann, der allein beginnt, Bäume zu pflanzen. Still, geduldig, Jahr für Jahr, ohne zu wissen, ob er die Wirkung seines Tuns je erleben wird. Jean Giono hat sie 1953 geschrieben, als kurze Erzählung, als bewusste Fiktion. Und doch trifft sie etwas Wahres: dass aus kleinen, unscheinbaren Anfängen etwas entstehen kann, das weit über einen einzelnen Menschen hinausreicht. Eine ganz eigene Interpretation der Geschichte von Jean Giono finden Sie im neuen Mitgliederbereich:
In Wattenscheid ist es kein Einzelner.
Wenn der Regen entscheidet: Die verschobene Pflanzung
Eigentlich sollte der Wald schon längst stehen. Während der FriedensDekade 2025 im November war alles vorbereitet: Menschen, Pflanzen, die Idee. Dann kam der Regen. Der Boden wurde zu nass, zu schwer, unzugänglich. Die Pflanzung musste verschoben werden. Was sich zunächst wie ein Scheitern anfühlte, gehört heute zur Geschichte dieses Ortes.
Frühjahr 2026: Der Tiny Forest entsteht
Denn im März war es soweit. In Wattenscheid entstand ein Friedenswald, ein sogenannter Tiny Forest, dicht bepflanzt nach der japanischen Miyawaki-Methode, mitten im Stadtteil. Das Flowful Kollektiv begleitete die Pflanzung: ein Team, das Wissen und Erlebnis verbindet und Gruppendynamik in den Vordergrund stellt und so seit Jahren solche Orte mit und für Gemeinden und Gemeinschaften entwickelt.
Und wieder war der Regen da. Viel Regen. Nasse Erde, rutschige Wege, Stellen der Fläche, die sich unter den Füßen aufgaben. Keine einfachen Bedingungen. Und doch: Es wurde gepflanzt. Rund 100 Schülerinnen des Märkischen Gymnasiums und der Gertrudisschule kamen am Freitag, mehr als 150 Bürgerinnen am Samstag. Sie gruben, setzten, reichten sich Pflanzen weiter. Keiner ist gegangen.
Es war kein perfekter Tag. Aber vielleicht gerade deshalb ein besonders ehrlicher.
Denn Frieden wächst nicht unter Idealbedingungen. Frieden wächst, wenn Menschen trotzdem kommen. Wenn sie bleiben. Wenn sie gemeinsam ins Tun kommen, auch wenn der Boden nachgibt und die Jacke durchnässt ist.
Was aufhält, trägt am Ende bei
Der Regen, der die Pflanzung im November unmöglich gemacht hatte, half nun den jungen Bäumen beim Anwachsen. Die Wurzeln fanden Halt, die Erde gab nach, das Leben bekam Raum. Manchmal braucht es genau diese Wendung: dass das, was uns aufhält, am Ende zum Wachstum beiträgt.
Ein Friedenswald ist mehr als eine Ansammlung von Bäumen. Er ist ein Ort, an dem sichtbar wird, was möglich ist, wenn Menschen Verantwortung teilen, wenn sie nicht nur über Frieden sprechen, sondern ihn praktisch werden lassen. Jeder Spatenstich, jede gesetzte Pflanze ist ein konkretes Zeichen.
Frieden zeigt sich auch darin, wie wir füreinander sorgen
Dieser Friedenswald wurde nicht nur gepflanzt. Er wurde getragen.
Der Eine-Welt-Laden Wattenscheid sorgte mit fairen Getränken, warmer Suppe, Kaffee und Brotzeit dafür, dass an diesem nassen, kalten Tag eine Atmosphäre entstehen konnte, in der Gemeinschaft wächst. Sie haben nicht gegraben, und doch wesentlich dazu beigetragen, dass dieser Tag das wurde, was er war.
Nicht allein, sondern gemeinsam: Friedensarbeit vor Ort
Bei Giono ist es ein Einzelner, der beginnt. Still, ausdauernd, unbeirrt. In Wattenscheid sind es viele, aus dem Stadtteil, für den Stadtteil. Ein Friedenswald wächst nicht über Nacht. Aber er wächst.
Wo entsteht der nächste Friedenswald zur FriedensDekade 2026?
Mehr zur Pflanzaktion in Wattenscheid:
Tageschau-Beitrag zur Pflanzung des Friedenswaldes
Animationsfilm „Der Mann, der Bäume pflanzte“ (Film nach Jean Giono)
In unserem neuen Mitgliederbereich erhalten Sie unsere interpretation der Kurzgeschichte „Der Mann, der Bäume pflanzt“ nach Jean Giono als Druckversion mit einer Einladung zur Reflexion.