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16. Dezember 2025

Couragiert widerständig: Als Hitler aus der Weihnachtskrippe verschwand

Das Motto der FriedensDekade 2026: Ein Akt des stillen Widerstands im Saarland 1935

Autorin: Dr. Pascale Jung, Fachreferentin Ökumene

Zur Aktualität des Mutes

Das Motto der kommenden Ökumenischen FriedensDekade 2026 lautet couragiert widerständig. Dieses Motto ist ein Aufruf zur Haltung in einer Welt, die von Polarisierung und militärischen Reflexen geprägt ist. Doch die Notwendigkeit von Mut und Gewissen ist nicht neu.

Gerade die Weihnachtszeit erinnert uns daran, dass der Ruf nach Frieden oft im Stillen beginnt. Die folgende historische Begebenheit, die sich 1935 im Saarland zutrug, zeigt auf beeindruckende Weise, wie ein kleiner, aber entscheidender Akt des Widerstands die Botschaft des Friedensfürsten in politisch dunklen Zeiten verteidigte. Sie liefert damit eine zeitlose Blaupause für unser Motto couragiert widerständig.

Couragiert und widerständig gegen Hitler in der Weihnachtskrippe

Saarland 1935. Nach dem ersten Weltkrieg war das Saargebiet unter Völkerbundverwaltung gestellt worden. Im Januar hatten die Saarländer:innen mit riesiger Mehrheit für die Rückgliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich entschieden. Die Bischöfe Franz Rudolf Bornewasser aus Trier und Ludwig Sebastian aus Speyer riefen bei der Saarabstimmung offen zur Stimmabgabe für Nazi-Deutschland auf.

Im Dezember wurde das erste Weihnachten unter der nationalsozialistischen Regierung gefeiert. Auf den ersten Blick war alles wie früher. In vielen Kirchen standen Krippendarstellungen. Josef und Maria, das Christkind, Ochs und Esel, die Hirten.

Die Krippe im politischen Zeitgeschehen

Doch in einem kleinen Dorf im nördlichen Saarland wird die Krippenszene noch erweitert.

Von links rückt das deutsche Heer vorbei an einer Gruppe mit dem Führer und anderen Personen des politischen Zeitgeschehens zur Krippe hin. Die Krippe sollte so in das Zeitgeschehen hineingestellt werden. Aufgestellt wurden die Figuren von einem nationalsozialistischen Pfarrer.

Es gab viel Diskussion darum, was der Führer in der Krippe zu suchen hätte, aber die Weihnachtstage vergingen und Hitler und das deutsche Heer marschierten immer noch stramm auf die Krippe zu.

Der Diebstahl des Kriegshetzers

Doch eines Tages nach Neujahr 1936 war die Hitlerfigur plötzlich verschwunden. Diebstahl in der Kirche und zudem die Figur des Führers! Die Ermittlungen begannen und bald war klar, dass der Täter ein junger Theologiestudent war, der sich auf Weihnachtsurlaub bei seinen Eltern befand. Er wird verurteilt und bekommt für den Fall, dass er einmal Priester im Saarland wird, schon vorsorglich die Befugnis entzogen, Religionsunterricht zu erteilen.

Diese Geschichte habe ich vor vielen Jahren gelesen. Immer wieder um die Weihnachtszeit fällt sie mir wieder ein.

Ein Mensch, der couragiert handelt, der weiß, was ihm blühen kann, wenn er erwischt wird, der aber seinem Gewissen folgt, der stillen Widerstand leistet. Er hat den Kriegshetzer aus der Krippe des Friedensfürsten herausgeholt. Er hat ihn herausgeholt aus der Schar der Engel, die singen „Friede auf Erden den Menschen“.

Auch in unserer Zeit braucht es Menschen, die ihrem Gewissen folgen, und manchmal mit kleinen Gesten und Handlungen gegen die Strukturen kämpfen, die wenig mit Menschlichkeit und Nächstenliebe zu tun haben, die sich einsetzten, dass die Botschaft des menschgewordenen Gottes wahr wird: „Ich liebe dich, du Welt und du Mensch“. (Karl Rahner)

Das Erbe des stillen Widerstands

Die Tat des jungen Theologiestudenten erinnert uns daran, dass der Ruf nach Frieden stets dort beginnen muss, wo unsere Werte bedroht werden. Sein Handeln, damals als krimineller Akt verfolgt, ist heute ein leuchtendes Beispiel für das, was couragiert widerständig bedeutet.

Lassen Sie uns in der heutigen Zeit, in der die Stimmen für Aufrüstung und Polarisierung laut sind, unserem Gewissen folgen. Die Ökumenische FriedensDekade lädt alle ein, Teil dieses stillen, aber wirkungsvollen Widerstands zu sein. Finden Sie in der Weihnachtszeit und darüber hinaus Ihre eigene Form der mutigen Haltung.

Für Frieden couragiert widerständig.

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