
Frieden im Dialog – mit der Friedensbotin 2026 Dr. Friederike F. Spengler
„Alles ist möglich, denn Frieden ist möglich!“
Die Friedensbotin Dr. Friederike F. Spengler 2026 über Prägung, Zivilcourage und Hoffnung
Eröffnungsgottesdienst & Ausstellung
Der regionale Eröffnungsgottesdienst in Dresden findet am 08.11.2026 um 11:00 Uhr in der Frauenkirche zu Dresden statt. Im Anschluss beginnt die Vernissage der Wanderausstellung „justice.peace.imagination“, die in der Frauenkirche während der gesamten FriedensDekade vom 8. bis 18. November zu sehen ist.
Teil 1: „Alles ist möglich, denn Frieden ist möglich!“
Lars Blume: Herzlich willkommen bei „Frieden im Dialog“, einer Serie der Ökumenischen FriedensDekade. Heute spreche ich mit Dr. Friederike F. Spengler, unserer Friedensbotin 2026. Frau Dr. Spengler, schön, dass Sie dabei sind. Ich beginne mit Ihrem Namen, der ja fast schon ein Programm ist. Ihr Name bedeutet „die friedreiche Regentin“ und Ihr Vater hat immer großen Wert auf diese Bedeutung gelegt. Wenn Sie heute auf Ihren Weg blicken: War der Einsatz für den Frieden von Anfang an Ihre Berufung, oder hat sich das erst im Laufe Ihres Lebens entwickelt?
Dr. Friederike F. Spengler: Rückblickend bin ich meinem Elternhaus und der Kirchengemeinde sehr dankbar für mein Aufwachsen in friedensfördernder Umgebung. Sowohl die Erziehung als auch die Ausgestaltung des kirchlichen Lebens haben meinen Glauben geprägt. Als ich aus dem evangelischen Kindergarten in die sozialistische Schule kam, die sich die Formung von Kindern und Jugendlichen zu staatstreuen Persönlichkeiten à la DDR-Prägung der 70er Jahre auf die Fahne geschrieben hatte, merkte ich sehr schnell, dass ich es hier mit einer ganz anderen Wirklichkeit zu tun haben würde.
Und da das Bildungsprogramm militärische Themen direkt didaktisch ins Unterrichtsmaterial übernahm, konnte man diesen auch nicht ausweichen. Vom Schulbeginn an wurde damals versucht, die Loyalität der Kinder gegenüber einer Armee zu wecken, deren Ziel und Aufgaben angeblich darin bestünde, uns Kinder vor den Feinden unseres modernen, menschenfreundlichen Staates zu schützen. Dies unhinterfragt anzunehmen, diente die Aufnahme in sämtliche Unterrichtsinhalte: In Mathe wurde der Flächeninhalt von Truppenübungsplätzen und die Schusslinie von Panzern errechnet, in Deutsch rankten sich Lesebeispiele, Gedichte und Diktatthemen um das Thema „Wenn ich groß bin, werde ich Soldat“ und im Musikunterricht erlernten wir gesungene Lobeshymnen auf die Ehre, das Land zu verteidigen, in dem wir den Vorzug hatten, leben zu dürfen.
Lars Blume: Flächenberechnung für Truppenübungsplätze, Diktate über den Soldatenberuf, Lieder im Musikunterricht: Frieden kam im Stundenplan nicht vor. Wie sehr das ein Kinderleben prägt, lässt sich kaum ermessen.
Dr. Friederike F. Spengler: Da viele dieser Texte glaubens-relativierenden bzw. gottleugnenden Charakter hatten, musste ich bereits sehr zeitig feststellen, dass sich mein Glaube mit dem, was ich sagen und singen sollte, nur schwer oder überhaupt nicht vereinbaren ließ. Da ich ein sehr fröhliches und selbstbewusstes, aktives Kind war, gelang es den Lehrenden trotz äußerst unschöner Versuche nicht („Jetzt dürft ihr alle einmal lachen: die Friederike glaubt noch an den lieben Gott!“), mich zur Außenseiterin zu machen. Spätestens zur Pause auf dem Schulhof war ich wieder Teil der Gruppe. Natürlich hat es nicht immer und durch alle Schuljahre so solidarische MitschülerInnen gegeben, aber immer wieder. Und das Interesse, Dinge anders zu sehen, davon überzeugt zu sein und dafür auch öffentlich und laut einzutreten, erweckte durchaus Neugier.
Mit zunehmendem Alter verstärkten sich konfrontative Situationen, weil meine Verweigerung, etwa gegenüber dem Aufsagen von militär-verherrlichenden und gottleugnenden Liedern und Gedichten oder Übungen mit Attrappen von Gewehren und Handgranaten, konkreter wurde. So griff man von Schulseite auf die immer deutlichere Aussicht auf verweigerte Bildungs- und Berufswege zurück. Das wog schwerer, deutlich schwerer. Ich wollte damals Ärztin werden und dazu brauchte ich das Abitur und dann auch einen Studienplatz. Abzuwägen, was diesem Ziel eventuell zu opfern sei, war dennoch nicht mein Weg.
Lars Blume: Sie wollten Ärztin werden und sind trotzdem bei Ihrer Haltung geblieben. Das beeindruckt mich.
Dr. Friederike F. Spengler: Ich war so von Herzen dabei, wenn es um Jesu Weg in der Nachfolge des Gewaltverzichts ging; hatte so viel gute und mir als Kind zuträglichen Gewissensbildung erfahren, dass mir klar war, dass ich eben nur das lernen und werden würde können, was unter Festhalten und klarem Stehen zu diesen Inhalten möglich sein würde. Die Hoffnung, auch mit diesem Bekenntnis, die Bildung zu erfahren, die ich anstrebte, habe ich allerdings nie verloren. Nach dem Abschluss der zehnten Klasse habe dann die mir einzig möglichen Ausbildungen im Bereich der Kirche aufgenommen. Heute bin ich dankbar für die Erfahrungen, die mir dadurch und daraus erwachsen sind! Aber das sage ich natürlich im Rückblick und nach den Erfahrungen einer deutsch-deutschen Wiedervereinigung und den damit einhergehenden neuen Möglichkeiten.
Lars Blume: Dass Sie heute dankbar zurückblicken, ist deutlich zu spüren. Und dann ist da dieser Abend in Leipzig. 1982 in der Nikolaikirche: Sie sind 14 Jahre alt, die Stasi sitzt im Kirchenschiff, Männer mit Ferngläsern stehen gegenüber. Sie sagen, Sie hätten hinaufgewunken, oder wollten es zumindest. Was hat dieser Abend in Ihnen ausgelöst und was hat er Ihnen über das Zusammenspiel von Glaube und Zivilcourage beigebracht?
Dr. Friederike F. Spengler: Ich war stark angesprochen! Ich habe diesen Abend, ebenso wie viele Veranstaltungen der Kirchengemeinde, in der ich lebte, als äußerst bestärkend erlebt. Die Hoffnung, von der gesprochen wurde, die besungen und um die es in Liturgie und Fürbitte ging, war förmlich mit Händen zu greifen. Was ich hier erlebte, da habe ich in meiner Euphorie nur gedacht: „Alles ist möglich, denn Frieden ist möglich! Und wer oder was soll mir, sollte uns dabei etwas anhaben?“ Friedensgebete wurden für mich zu einer Tankstelle für die Seele. Und bis heute halte ich mich fest daran, dass Gott Frieden verheißen hat und er deshalb bereits Realität ist. Ihn zu finden und auszubreiten, ist unsere Aufgabe.
Lars Blume: „Tankstelle für die Seele“, das Bild bleibt hängen. Die Männer mit den Ferngläsern kommen in Ihrer Antwort mit keinem Wort vor, im Mittelpunkt steht die Hoffnung. Das sagt viel. Ich möchte noch auf die Jahre danach schauen. Sie haben damals nicht nur die Jugendweihe verweigert, sondern auch Schulübungen mit Handgranaten-Attrappen abgelehnt, wohlwissend, dass Ihnen dadurch Abitur und Ausbildung verbaut wurden. Was raten Sie jungen Menschen heute, die spüren, dass Haltung ihren Preis hat?
Dr. Friederike F. Spengler: „Wenn Du von etwas ganz und gar überzeugt bist, wenn Dich etwas ergriffen hat und bestimmt, dann geh Deinen Weg. Geh ihn couragiert und widerständig. Das heißt auch: Ringe immer wieder um die Wahrheit und Deine eigene Haltung. Suche Dir Vertraute, die mit Dir darum ringen. Misstraue denen, die ihre Überzeugung zum Dogma erheben und für unhinterfragbar halten. Prüfe Dich und Deine Überzeugungen regelmäßig im Gespräch mit Gott. Tue, was er segnet.“
Teil 2: „Frieden beginnt zunächst bei jedem selbst“
Lars Blume: „Tue, was er segnet.“ Ein Satz, den man nicht so schnell vergisst. Wer Sie in Radio-Interviews oder bei Predigten erlebt, merkt schnell: Frieden ist bei Ihnen keine abstrakte Theologie, sondern etwas, das sich im Umgang mit Menschen bewährt. Durch Ihre Arbeit als Kinderdiakonin und in der Psychiatriepflege wissen Sie, wo menschliche Verletzlichkeit beginnt. Welchen Blick auf die Grundlagen des Zusammenlebens haben Sie aus Ihrer Zeit in der Diakonie und Pflege mitgenommen, und warum ist Frieden für Sie vor allem gelebtes Handwerk?
Dr. Friederike F. Spengler: Frieden beginnt dort, wo Menschen in ihrem Alltag, im Umgang mit anderen, diesen üben. Frieden beginnt zunächst bei jedem selbst. Und dann darf und soll er sich nach außen zeigen. Deshalb möchte ich den Begriff „Pazifismus“ – so unterschiedlich er auch verstanden werden kann – unbedingt schützen und in der kirchlichen Friedensethik weiterhin eingetragen wissen. „Pacere“ – „Frieden machen“, das ist ein höchst produktiver und kreativer Prozess, ist ein sich leidenschaftlich Einsetzen und zwar ausschließlich mit friedlichen Mitteln. Bei Jesus erkenne ich genau das. Er hat sich selbst in allen Situationen auf Gottes Wort verlassen und sich daran orientiert und konnte so zum Frieden der Welt werden, Frieden zwischen Himmel und Erde stiften. Frieden als Handwerk, das entdecke ich in vielen diakonischen und caritativen Angeboten. Auch im Hospizwesen, in dem ich mich für Thüringen engagiere. Wenn Menschen andere in ihrer letzten Lebensphase begleiten, ist Friede der Weg und das Ziel. Das ist echt faszinierend: Da sind Sterbende, die ihren Weg gehen müssen, aber dabei nicht allein sind. Hospizliche Begleitung sucht den Weg zu befrieden, damit Frieden gefunden wird.
Lars Blume: Frieden als Handwerk: Das kennen viele Ehrenamtliche in unseren Gemeinden und Hospizgruppen aus eigener Erfahrung. Von der Begleitung am Lebensende zur Kirchenpolitik. Bei der EKD-Synode in Dresden ging es auch um die neue Friedensdenkschrift und den Platz von Pazifismus und „Dienst ohne Waffe“ darin. Was bedeutet es für Sie, als Kirche konsequent vom Frieden her zu denken, wenn Aufrüstung den öffentlichen Diskurs dominiert?
Dr. Friederike F. Spengler: Ich habe gerade in dieser Sache wohl ein anderes Kirchenbild. Nach dem, was die Kirche(n) auch im Zweiten Weltkrieg, jedenfalls zu großen Teilen, getan bzw. nicht getan hatte/hatten, standen Einsicht, Schuldbekenntnisse und die grundlegende Neuausrichtung in der weltweiten Ökumene. Vor allem seit dem Statement der Gründungsversammlung des Ökumenische Rat der Kirchen 1948 „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“ ist die Friedensbotschaft als Auftrag neu im Fokus. Dieser war in seiner Interpretation und Ausgestaltung nie unumstritten und musste von FriedensaktivistInnen immer wieder eingefordert und belebt werden.
Lars Blume: Zur Einordnung für alle, die nicht so tief in der Kirchengeschichte stecken: Der Ökumenische Rat der Kirchen wurde 1948 in Amsterdam gegründet, wenige Jahre nach Kriegsende.
Dr. Friederike F. Spengler: Dann, in den Erfahrungen des „kalten Krieges“ zwischen Ost und West, dem einsetzenden Wettrüsten und der atomaren Bedrohung, die teilweise so unmittelbar und nah gefürchtet werden musste, war es wiederum die Friedensbewegung, die ihr klares, couragiertes und widerständiges „NEIN!“ laut werden ließ und sich gleichzeitig aktiv für bzw. mit friedensfördernde(n) Maßnahmen einsetzte.
Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zeigt sich erneut und vielen sehr erschreckend die Bedrohung des Friedens. Für mich ergibt sich daraus aber keine Abkehr von der Friedensbotschaft, sondern ein umso vehementeres dafür Einsetzen: voller Energie z.B. für zivile Friedenseinsätze, für friedliche Konfliktforschung; alle Anstrengungen für diplomatische Lösungen einzusetzen und uns als Kirchen für die friedensfördernde Kraft der Religionen einzusetzen. Damit hätten wir mehr als genug zu tun. Und das aus gutem Grund!
Aber, so denke ich jedenfalls, wenn wir die neue Friedensdenkschrift der EKD dem Verteidigungsminister vorstellen, der gerade die militärische Stärke unserer Armee ausbauen will und wir von ihm Lob und Anerkennung erhalten, dann beschleicht mich mehr als ein ungutes Gefühl…
Lars Blume: Das sind offene Worte. Sie zeigen, wie intensiv in unserer Kirche und in der Ökumene um den Weg zum Frieden gerungen wird. Genau dafür ist die FriedensDekade ein Dialograum. Und damit sind wir beim Motto 2026: „couragiert widerständig“. Wo erleben Sie diese Haltung in Ihrem Alltag als Regionalbischöfin, fernab von Synoden und offiziellen Erklärungen?
Dr. Friederike F. Spengler: Da gibt es – Gott sei Dank – viele Beispiele dafür! Gerade in der derzeitigen gesamtgesellschaftlichen Situation und in der parteipolitischen in Thüringen und Sachsen-Anhalt erlebe ich eine starke Besinnung als Kirche „Kirche für andere“ zu sein. Der Einsatz für Nächstenliebe als gelebter Ausdruck von Menschenwürde in konkreter Umsetzung durch Kirchengemeinden und unsere Diakonie ist dabei ein starkes und unübersehbares Zeichen. Wir haben Engagierte in der Arbeit der „Friedensreiter“ und in den „#verständigungsorten“, die dem friedlichen Austausch zwischen sehr unterschiedlichen Positionen dienen. Sich gegen den Trend der Verrohung und Egoismen mit „Herz statt Hetze“ so positionieren, gehört ebenso dazu. Ich besuche Initiativen und Gemeinden, wo das so selbstverständlich gelebt wird, dass mir das Herz aufgeht!
Mit den jüdischen Landesgemeinden stehen wir regelmäßig im Austausch, besuchen uns und führen gemeinsame Veranstaltungen durch. Das halte ich gerade jetzt für extrem wichtig und ein klares Signal gegen jede Form von Antisemitismus, der ja stets eine Kriegserklärung gegen Jüdinnen und Juden war und ist. Wir sind als Kirche in Mitteldeutschland im interreligiösen Dialog unterwegs, gerade dabei ist die „Friedens-Frage“ eine leitende Frage. Und in den vergangenen Jahren waren und sind wir zunehmend Motor und/oder Teil gesellschaftlicher Bündnisse, etwa „Weltoffenes Thüringen“ und „Weltoffenes Sachsen-Anhalt“.
Teil 3: „Frieden ist ein Name Gottes!“
Lars Blume: „Herz statt Hetze“ und Bündnisse für Weltoffenheit: Klarheit zeigen Sie nicht nur in der Theorie. Als die AfD ihren Parteitag in Erfurt abhielt, haben Sie Ihre Stimme genutzt, um öffentlich und unmissverständlich zu Gewaltfreiheit, Mäßigung und dem Schutz der Würde aller Menschen aufzurufen. Als Regionalbischöfin in Thüringen stehen Sie mittendrin in den Spannungsfeldern einer polarisierten Gesellschaft. In gesellschaftlich und politisch aufgewühlten Zeiten prallen oft sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander. Wie sehen Sie die Rolle der Kirche in solchen Spannungsfeldern? Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Mäßigung, dem Aufruf zur Gewaltfreiheit und dem Auftrag, Räume für echten Dialog zu öffnen?
Dr. Friederike F. Spengler: Da ich schon sehr viel dazu unter der vorhergehenden Frage aufgeführt habe, hier ein ganz konkretes Beispiel für friedensstiftendes und -formendes Engagement von Kirche, wenn es um zivilen Ungehorsam bzw. widerständiges Verhalten im öffentlichen Raum geht: Für das Wochenende des Bundesparteitags der AfD am 3./4. Juli d.J. in Erfurt, waren wir als Kirche Teil des Bündnisses „zusammenstehen“. Als sich aber sehr viele Jugendliche – auch aus dem Umfeld von Kirche – mit Sitzblockaden dem Parteitag entgegensetzen wollten, haben kirchliche Mitarbeitende hunderte Jugendliche in Gruppen in die Kirche eingelassen, dort mit einer Andacht zum Frieden gerufen, zu unbedingter Gewaltfreiheit verpflichtet und ihre Absprachen tätigen lassen. Was ich dabei selbst erlebt habe, war überwältigend: Junge Leute, die sehr friedfertig ihren stillen Protest aufgenommen haben! Da hat Kirche Jesu Friedensbotschaft lebendig weitergegeben: „Selig sind, die Frieden stiften, Kinder Gottes werden sie heißen“.
Lars Blume: Junger Menschen, die friedfertig ihren stillen Protest aufnehmen: Das ist ein starkes Bild und ein guter Übergang zur FriedensDekade. Sie sagten selbst, dass die FriedensDekade elementar zu Ihrer eigenen Prägung gehört. Was antworten Sie Menschen, die angesichts der aktuellen Weltlage skeptisch fragen: Was bringen zehn Tage Gebete, Diskussionen und Kerzen im November?
Dr. Friederike F. Spengler: Diese zehn Tage öffnen Jahr für Jahr ein Fenster, um das Friedenslicht mitten in die trauer- und gedenkschweren Novemberwochen hineinzulassen. Die Friedensgebete orientieren alle Beteiligten neu, geben Angst, Sehnsucht, Mutlosigkeit und dem Gefühl der Vergeblichkeit eine Neuausrichtung. Die Friedensdekade verleiht mit ihren Themen der Unsicherheit Worte und macht Mut, die Hoffnung hochzuhalten, aus der wir leben: Frieden ist ein Name Gottes! Frieden ist möglich! Um Frieden zu beten, täglich und weltweit, ist ein stellvertretender Dienst der Kirchen für die ganze Erde. Und, wer eine Kerze in der Hand hält, kann weder Steine werfen noch seine Fäuste sprechen lassen. So ist sogar schon einmal eine Revolution friedlich ausgegangen…
Lars Blume: „Wer eine Kerze in der Hand hält, kann weder Steine werfen noch seine Fäuste sprechen lassen.“ Diesen Satz nehme ich mit. Zu Beginn haben Sie von Ihrem Elternhaus erzählt. Sie sind in einem Elternhaus aufgewachsen, das Ihnen viel Mut und Rückenwind mitgegeben hat. Wenn Sie heute als Friedensbotin 2026 auf diesen Rückhalt und Ihre familiären Wurzeln blicken: Welcher Gedanke oder welcher Wunsch begleitet Sie dabei am meisten?
Dr. Friederike F. Spengler: Ich wünsche mir, dass wir der Generation unserer Kinder und Enkel den Schatz des Friedens vor Augen stellen. Die Zeugen des letzten Krieges auf deutschem Boden sterben nach und nach aus. Wie leicht könnte dabei auch das Wissen um die Schrecken des Krieges verblassen. Wenn ich sehe, dass die Bundeswehr auf volksfestartigen Messen Kinder über Panzer krabbeln lässt, wird mir schlecht. Wir brauchen Friedensbilder und keine neue Faszination an Militärtechnik. Unseren Kindern den Wert des Friedens und den Willen zum Frieden wie einen Samen ins Herz zu legen, ist Auftrag von uns allen, ganz gleich, ob sie Kinder haben oder nicht. Und ich bete darum, dass dieser Same aufgehen wird.
Lars Blume: „Wir brauchen Friedensbilder.“ Das nehme ich gern wörtlich, für meine letzte Frage. Wenn Sie ein Bild malen müssten, das Ihre Hoffnung auf Frieden im Jahr 2026 darstellt: Welche Motive oder Farben würden wir dort finden?
Dr. Friederike F. Spengler: Ein Bild hätte das Motiv der Arche (Gen 8) im Zentrum. Tiere und eine Menschenfamilie sind nach totbringenden Fluten gerettet und betreten das Land, dass ihnen zum Leben dienen wird. Und Gott macht mit den Menschen einen Friedensbund auf ewig, den er mit dem Regenbogen besiegelt. Und jedes Mal, wenn ich einen Regenbogen am Himmel sehe, werde ich daran erinnert. Das hat eine große Kraft!
Ein anderes Bild ist das des namenlosen Kindes, welcher der Evangelist Johannes bei der „Speisung der Fünftausend“ (Joh 6) auftreten lässt. Es bringt alles, was die Familie an Nahrung dabeihatte – fünf Brote und zwei Fische – und bringt es zu Jesus. Und dieser lässt die Tagesration für einen Menschen austeilen unter so vielen und siehe, alle werden satt! Das ist Frieden in Wort und Tat.
Lars Blume: Frau Spengler, vielen Dank für dieses Gespräch und für Ihre offenen Antworten. Bis zur nächsten Folge, bleiben Sie im Dialog.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Wann findet die Ökumenische FriedensDekade statt?
Die Ökumenische FriedensDekade findet traditionell in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag statt. Im Jahr 2026 ist dies vom 8. bis 18. November.
3. Wie kann ich mich an der FriedensDekade beteiligen?
Materialien, Kerzen und Aktionsmittel finden Sie im Online-Shop. Ihre Aktionen und Geschichten senden Sie gern an kontakt@friedensdekade.de.
4. Wo finde ich weitere Informationen und Initiativen?
Mehr erfahren Sie über die „Friedensreiter“ (Projekt der EKM und der Ökumenischen Akademie Ostthüringen) sowie über die Initiative #VerständigungsOrte von EKD und Diakonie unter www.verständigungsorte.de.
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