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Monat: März 2026

Mut vor der Rosenstraße – Als Liebe stärker war als Terror

Mut vor der Rosenstraße – Als Liebe stärker war als Terror

Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert | Folge 2

Aus der Serie „Friedenszeugen – Wenn Courage den Lauf der Dinge ändert“ zur Ökumenischen FriedensDekade zum Jahresmotto 2026 „couragiert widerständig“.
Das vollständige Porträt steht als PDF zum Download bereit.

Im Februar 1943 herrschte in Berlin der totale Krieg. Die Maschinerie des NS-Regimes lief auf Hochtouren, Deportationszüge rollten Tag für Tag in Richtung Osten. Widerstand schien aussichtslos, jede Kritam lebensgefährlich. Doch in der Rosenstraße, einer unscheinbaren Straße im Herzen Berlins, geschah etwas Außergewöhnliches: Etwa 2.000 Frauen versammelten sich vor einem Verwaltungsgebäude, in dem ihre jüdischen Ehemänner festgehalten wurden. Sie kamen wieder und wieder, trotz Drohungen, trotz vorgehaltener Gewehre, trotz der Angst vor Verhaftung und Tod.

Die Fabrik-Aktion: Wenn Menschen zu Nummern werden

Am 27. Februar 1943 begann die sogenannte „Fabrik-Aktion“ – die letzte große Verhaftungswelle von Jüdinnen und Juden in Berlin. Die Gestapo verhaftete über 10.000 Menschen an ihren Arbeitsplätzen, in ihren Wohnungen, auf offener Straße. Etwa 2.000 der Verhafteten waren Männer in sogenannten „Mischehen“ mit nichtjüdischen Frauen. Diese Männer wurden in der Rosenstraße 2-4 interniert, einem ehemaligen Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde.

Die Frauen dieser Männer wussten, was Deportation bedeutete. Sie kannten die Gerüchte aus dem Osten, das Unfassbare, das man sich nicht zu Ende denken wagte. Und so taten sie das Unmögliche: Sie gingen hin. Stellten sich auf die Straße. Und blieben.

Der Friedenskompass der Friedensdekade

Der Protest: Als Präsenz zur Macht wurde

Was genau Charlotte Israel, Elsa Holzer und Grete Moser bewegte, vor das Gebäude zu gehen, wissen wir nicht. War es Verzweiflung? Hoffnung? Die schiere Unmöglichkeit, zu Hause zu bleiben? Sie kamen und sie waren nicht allein.

Aus einzelnen Frauen wurde eine Menge. Aus einem Tag wurde eine Woche. Die Frauen riefen nach ihren Männern: „Gebt uns unsere Männer wieder!“ Immer wieder dieser Ruf durch die eiskalten Februartage.

„Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20) – diese Verheißung Jesu bekam in der Rosenstraße eine politische Dimension. Die Versammlung der Wenigen wurde zur Macht durch Präsenz, durch das sture Beharren auf dem Menschlichen in einer Zeit, die das Menschliche systematisch auslöschte.

Die Drohung: Mut trotz Todesangst

Die SS rückte an. Maschinengewehre wurden in Stellung gebracht. „Räumen Sie die Straße, oder wir schießen!“

Die Frauen wichen zurück. Einige gingen nach Hause. Aber sie kamen wieder. Am nächsten Tag. Und am übernächsten. Ihre Angst war real, ihre Verwundbarkeit offensichtlich. Aber stärker als die Angst war die Liebe zu ihren Männern, die Treue zueinander, ein letzter Rest Glauben daran, dass Menschlichkeit nicht ganz ausgelöscht werden kann.

In biblischer Sprache: Sie zogen aus wie David gegen Goliath – unbewaffnet gegen eine militarisierte Todesmaschinerie. Aber ihre Waffe war die Gewaltfreiheit selbst, jene paradoxe Macht, die in ihrer Schwäche stark ist (2 Kor 12,10).

Der Erfolg: Wenn das Undenkbare geschieht

Am 6. März 1943, nach einer Woche Protest, geschah das Undenkbare: Die Männer wurden freigelassen. Nicht alle sofort, aber sie kamen frei. Die meisten von ihnen überlebten das Kriegsende.

War es der Protest allein? Historiker streiten darüber. Manche argumentieren, das Regime habe bereits zuvor gezögert. Andere verweisen auf die Angst der Machthaber vor Unruhen in der bombardierten Hauptstadt.

Doch diese Debatte verkennt das Wesentliche: Die Frauen wussten nicht, ob ihr Protest erfolgreich sein würde. Sie kamen trotzdem. Sie handelten im Vertrauen, dass ihr Tun richtig war, ohne Garantie, ohne Sicherheit. Das ist das Wesen prophetischen Handelns: aufstehen, weil es geboten ist, nicht weil der Sieg sicher ist.

Parallelen zu heute: Zivilcourage in Zeiten der Gewalt

2026 leben wir in einer Welt, in der wieder Panzer rollen, in der Autokraten ihre Macht zementieren, in der Waffenexporte steigen und Diplomatie als Schwäche gilt. Die Rosenstraße erzählt eine andere Geschichte von Sicherheit, von der Macht der Zivilgesellschaft, der Kraft gewaltfreien Widerstands, der Bedeutung öffentlicher Präsenz.

Sie erinnert uns: Autoritäre Systeme sind verwundbarer, als sie erscheinen, gerade wenn Menschen ihre Angst überwinden und zusammenstehen.

Couragiert widerständig: Was wir lernen können

Das Jahresmotto der ökumenischen FriedensDekade 2026 „couragiert widerständig“ ist keine romantische Phrase. Die Frauen der Rosenstraße zeigen uns, was diese Haltung bedeutet:

Couragiert: nicht furchtlos, sondern trotz der Furcht handelnd. Mut ist die Entscheidung, das Richtige zu tun, obwohl man Angst hat.

Widerständig: nicht aus Opposition um ihrer selbst willen, sondern aus Treue zur Menschenwürde. Widerstand beginnt dort, wo Unrecht System wird.

Öffentlich: nicht im stillen Kämmerlein, sondern sichtbar, vernehmbar. Öffentlichkeit ist Schutz und Zeugnis zugleich.

Beharrlich: nicht ein Tag Empörung, sondern das geduldige Aushalten, das Wiederkommen, das Nicht-Aufgeben.

Gewaltfrei: weil der Weg die Botschaft ist und das Mittel das Ziel prägt.

Spendenaufruf FriedensDekade 2026

Eine letzter Gedanke

Die Geschichte der Rosenstraße ist keine Erfolgsgarantie. Sie ist kein Beweis dafür, dass Zivilcourage immer siegt. Tausende andere protestierten nicht und ihre Angehörigen wurden ermordet. Millionen gingen in den Tod, weil zu wenige aufstanden, zu viele schwiegen.

Aber die Rosenstraße ist ein Zeichen. Ein Friedenszeugnis. Eine Erinnerung daran, dass Menschen nicht machtlos sind, auch nicht unter Diktaturen. Dass das vermeintlich Unmögliche möglich werden kann. Dass Liebe stärker sein kann als Terror.

Die Frauen der Rosenstraße haben nicht die Welt gerettet. Aber sie haben ihre Männer gerettet. Sie haben gezeigt, dass es Widerstand gab, auch im dunkelsten Deutschland. Sie haben ein Licht angezündet, das bis heute leuchtet.

Das ist das Wesen von Friedenszeugen: Sie verändern vielleicht nicht alles. Aber sie verändern etwas. Sie brechen das Schweigen. Sie durchbrechen die Logik der Gewalt. Sie werden selbst zur Botschaft, ein lebendiges Zeichen dafür, dass eine andere Welt möglich ist.

In der Rosenstraße steht heute eine Gedenkstätte. Ein Ort, der fragt: Was würdest du tun? Wofür würdest du aufstehen? Wen würdest du nicht aufgeben?

Couragiert widerständig das ist keine historische Kategorie. Das ist eine Lebenshaltung. Für heute. Für morgen. Für uns alle.

Europäische Friedensarbeit im Blick: Church & Peace Rundbrief 1/2026

Von Georgien bis Serbien, von Wehrpflicht-Debatten bis zur zivilen Verteidigung: Unser Mitglied Church & Peace berichtet aus einem bewegten Europa

Während in Deutschland über Wehrpflicht und Aufrüstung diskutiert wird, protestieren Menschen in Serbien seit über einem Jahr gewaltfrei gegen Korruption, stehen Georgier*innen für ihren EU-Beitritt ein und ringen Friedensaktive europaweit um Räume für zivilen Widerstand. Der aktuelle Rundbrief 1/2026 von Church & Peace, unserem Mitglied im Trägerkreis der Ökumenischen FriedensDekade, gibt einen eindrucksvollen Einblick in die Vielfalt europäischer Friedensarbeit. Den vollständigen Rundbrief 1/2026 von Church & Peace können Sie auf der Website des Netzwerks lesen:

Gewaltfreier Widerstand in Serbien und Georgien

Marija Parnicki und Marijana Ajzenkol berichten von den anhaltenden Protesten in Serbien: „In Serbien ereignet sich seit einem Jahr der größte gewaltfreie Widerstand in Europa.“ Hunderte wurden verprügelt und verhaftet – doch der Widerstand bricht nicht. Auch in Georgien gehen seit Oktober 2024 Tausende auf die Straße, gegen manipulierte Wahlen und autoritären Kurswechsel. Mikheil Elizbarashvili schildert, wie Protestierende trotz Tränengas und Wasserwerfern nicht aufgeben.

„Stop ReArm Europe“ – Ein anderer Sicherheitsbegriff

Michel Monod aus der Schweiz plädiert für die wachsende Bewegung „Stop ReArm Europe“: „Wir brauchen keine weiteren Waffen … Was wir brauchen, ist ein völlig anderer Plan: echte, soziale, ökologische und gemeinsame Sicherheit für Europa und für die Welt.“ Er erinnert an erfolgreiche Beispiele zivilen Widerstands – von Gandhi über die Berliner Mauer bis zu den gewaltfreien Befreiungen in der DDR, Tschechien und Litauen.

Kroatien: „Welche Würde verteidigen wir?“

Ana Raffai berichtet aus Kroatien von einer Gesellschaft, in der nationalistische Gewalt zunimmt. Gleichzeitig gibt es hoffnungstragende Haltestellen: Die Konferenz „Gläubige für den Frieden“ in Omiš versammelte 60 Teilnehmende aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien. „Die Vorträge waren gut, aber das Beste waren die Gespräche in Kleingruppen, am Esstisch“, beschreibt eine Teilnehmerin. Dialog als Werkzeug der Mutigen.

Niederlande: Wenn links rechts wird

Geke van Vliet analysiert die politische Entwicklung in den Niederlanden: Nach den Parlamentswahlen 2025 ist die Linke kleiner denn je, während sich rechte Kräfte neu sortiert haben. Ihre Diagnose: „Von einer Wende kann hier keine Rede sein“ – eher eine kontinuierliche Verschiebung nach rechts.

Vielfalt und Vernetzung

Der Rundbrief stellt auch den neuen Vorstand vor, berichtet von der Europäischen Konferenz in Herrnhut unter dem Motto „Du lass dich nicht verhärten“ und gibt Einblicke in die Arbeit von Church & Peace in verschiedenen europäischen Ländern. Die scheidende Generalsekretärin Juliane Prüfert verabschiedet sich mit den Worten: „Ihr schafft eine Gegen-Gegenwart, eine Realität, die zeigt, wie Sicherheit durch Vertrauen und Mut entsteht.“

Friedensarbeit kennt keine Grenzen

Der Rundbrief macht deutlich: Friedensarbeit ist europäisch, vielfältig und konkret. Sie findet in Gesprächen am Küchentisch statt, in Workshops zur gewaltfreien Kommunikation, in mutigen Protesten auf den Straßen und in der geduldigen Begleitung von Kriegsdienstverweigerern.

Den vollständigen Rundbrief 1/2026 von Church & Peace können Sie auf der Website des Netzwerks lesen

 

Über Church & Peace:
Church & Peace ist ein europäisches ökumenisches Netzwerk von Friedenskirchen, friedenskirchlich orientierten Gemeinden, Kommunitäten und Friedensdiensten. Als Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade verbindet es friedensbewegte Menschen quer durch Europa.

Friedenspolitische Einordnung | Teil 2: Harte Zeiten für Friedensarbeit

Warum wir jetzt Sichtbarkeit, Zusammenhalt und Mut brauchen

Von Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF (redaktionell aufbereitet für die FriedensDekade)

 

Bei der letzten Vorstandssitzung der AGDF haben wir uns intensiv mit den aktuellen Entwicklungen in der Welt und in Deutschland befasst. Abgesehen von einigen Lichtblicken sind es harte Zeiten für zivilgesellschaftliches Engagement für Gerechtigkeit und Frieden weltweit und sie könnten noch härter werden. Was wir dort besprochen haben, betrifft nicht nur AGDF-Mitglieder, sondern die gesamte deutsche Friedenslandschaft, auch die Ökumenische FriedensDekade.

Wenn treue Partner wegbrechen

Die EKD-Friedensdenkschrift hinterlässt den Eindruck, als ob die Friedensarbeit kaum gesehen und nicht wertgeschätzt wird. Sind wir dabei, einen „treuen Partner“ und Unterstützer zu verlieren und angesichts notwendiger Einsparungen auch dessen finanzielle Förderung?

Das betrifft nicht nur einzelne Organisationen. Es betrifft alle, die in Deutschland für Frieden arbeiten: Gemeinden, die Friedensgebete feiern. Friedensdienste, die in Konfliktregionen vermitteln. Bildungsträger, die gewaltfreie Kommunikation lehren. Die gesamte Infrastruktur ziviler Konfliktbearbeitung steht unter Druck.

Die Arbeit geht weiter – in der Defensive

Trotz der immensen Herausforderungen gibt es unverändert eine kontinuierliche, langfristig angelegte, professionelle und insgesamt erfolgreiche Arbeit der AGDF-Mitglieder und anderer Friedensorganisationen. Sie ist allerdings in der Defensive, muss sich um den Erhalt von Finanzen oder neue Quellen kümmern, Resilienz und Schutz vor Angriffen verstärken, mit massiver Unsicherheit umgehen.

Was das konkret bedeutet? Friedensfachkräfte werden aus Projekten abgezogen. Bildungsprogramme müssen reduziert werden. Gemeinden bekommen weniger Material und Unterstützung. Die Expertise von Jahrzehnten droht verloren zu gehen – genau dann, wenn sie am meisten gebraucht wird.

Was jetzt zu tun ist

Insofern stehen wir vor mehreren Herausforderungen: Wie können wir die Friedensarbeit und ihren Wert stärker in die (kirchliche) Öffentlichkeit bringen und Entscheidungsträger*innen überzeugen, für sie weiterhin finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen? Wie können die Akteure der Friedensarbeit gestärkt und ermutigt werden, wie gemeinsam Perspektiven entwickeln?

Denn sie werden gebraucht, damit Konflikte konstruktiv bearbeitet, gewalttätige Auseinandersetzungen deeskaliert, Schwache empowert, Versöhnungsprozesse erfolgreich aufgesetzt werden und der Einfluss autoritärer Kräfte zurückgedrängt wird.

Es sind harte Zeiten für Friedensarbeit in Deutschland. Aber genau deshalb braucht es jetzt Menschen, die couragiert widerständig daran festhalten: Frieden ist möglich. Frieden braucht professionelle Arbeit. Und Frieden braucht Unterstützung.


Serie „Friedenspolitische Einordnung“: In dieser monatlichen Reihe ordnet Jan Gildemeister, Vorsitzender des Ökumenische FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der AGDF, aktuelle Entwicklungen aus friedenspolitischer Perspektive ein. Der Text basiert auf seinem Editorial im monatlichen AGDF-Newsletter.

Dr. Friederike F. Spengler wird Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026

Regionalbischöfin aus Erfurt bringt eigene Geschichte der Friedensbewegung mit

Dr. Friederike F. Spengler, Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt, wird Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026. Ihr Engagement für Frieden und Gerechtigkeit ist tief in der Geschichte der DDR-Friedensbewegung verwurzelt.

Zur vollständigen Pressemitteilung (pdf): Dr. Friederike F. Spengler Wird Friedensbotin Der Ökumenischen FriedensDekade 2026


Die Ökumenische FriedensDekade hat ihre Friedensbotin für 2026 bekanntgegeben: Dr. Friederike F. Spengler, Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die FriedensDekade findet vom 8. bis 18. November 2026 statt. Kirchengemeinden und Initiativen in ganz Deutschland laden in dieser Zeit zu Gebeten, Diskussionen und Aktionen ein.

Eine Biografie im Zeichen des Friedens

Aufgewachsen in einem christlich engagierten Elternhaus in Leipzig, war Friederike Spengler 14 Jahre alt, als die FriedensDekade 1982 in der Nikolaikirche eröffnet wurde – unter den Augen der Staatssicherheit. Jugendliche wie sie trugen das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ auf der Jacke und nahmen dafür Repressalien in Kauf. Was damals als gewaltloser Widerstand begann, mündete wenige Jahre später in die Friedliche Revolution von 1989, in der die Nikolaikirche eine zentrale Rolle spielte.

„Die FriedensDekade gehört elementar zu meiner Prägung. Ich erinnere mich noch gut, wie wir als Jugendliche für das Logo ‚Schwerter zu Pflugscharen‘ gestritten und gelitten haben. Diese Erfahrung, dass Glaube und Zivilcourage zusammengehören, motiviert mich bis heute.“

Dr. Friederike F. Spengler

Bevor sie Theologie studierte, arbeitete Spengler als Kinderdiakonin und in der Psychiatrie- und Heilerziehungspflege – Erfahrungen, die ihr Amtsverständnis bis heute prägen. Als Regionalbischöfin und Mitglied der EKD-Synode tritt sie öffentlich dafür ein, die Vision eines gerechten Friedens nicht preiszugeben – auch dann nicht, wenn politische Debatten von Gewaltlogik und Aufrüstung dominiert werden.

„Angesichts der aktuellen Krisen dürfen wir uns nicht mit der Logik der Gewalt abfinden. Wir müssen couragiert widersprechen, wo Hass und Aufrüstung das Wort führen, und stattdessen Räume für Versöhnung schaffen.“

Dr. Friederike F. Spengler

Das Motto der FriedensDekade 2026 lautet: „couragiert widerständig“.

Was ist eine Friedensbotin?

Seit 2020 benennt die Ökumenische FriedensDekade jährlich eine oder mehrere Friedensbotinnen bzw. Friedensboten. Sie unterstützen das Friedensengagement der FriedensDekade mit ihrer Persönlichkeit und ihrem öffentlichen Wirken, geben Impulse für die Aktionswoche und machen das Anliegen der FriedensDekade in Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit sichtbar. Die Rolle löste 2020 die frühere Schirmherrschaft ab, die u. a. von Margot Käßmann (2010–2012) und Malu Dreyer (2017) wahrgenommen worden war. Friedensbotinnen bzw. Friedensboten waren bisher unter anderem der Liedermacher Konstantin Wecker und Lioba Meyer, Kinderbuchautorin und ehemalige Bürgermeisterin von Osnabrück.

Spendenaufruf FriedensDekade 2026
Mit Ihrer finanziellen Unterstützung zünden wir jedes Jahr aufs Neue das Friedenslicht im November an

Das ist mein Land

Gedanken zur Wehrpflicht-Debatte: Wie wir Zukunft gemeinsam gestalten, statt junge Menschen zu instrumentalisieren

Von Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg


Im März 2026 gehen Schülerinnen und Schüler erneut auf die Straße, gegen die Wehrpflicht, für ihre Zukunft. Nach dem ersten Schulstreik im Dezember 2025 hat der Bundestag die Wehrpflicht trotzdem beschlossen. Junge Menschen sollen für ihr Land einstehen, während ihre eigenen Bedürfnisse überhört werden. Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg, fragt: Was für ein Land ist das eigentlich, für das wir junge Menschen einspannen wollen?


Post von der Bundeswehr

Oh, Post im Briefkasten! Ein Fragebogen von der Bundeswehr und der Aufruf zur Musterung. Nein, die Post ist nicht für mich, aber Tausende junger Menschen werden in diesem Jahr solche Post bekommen. Dagegen hatten Schüler und Schülerinnen im Dezember laut protestiert. Der Bundestag hat die Wehrpflicht trotzdem beschlossen. Die Abgeordneten selbst betrifft es nicht, aber für sie ist klar: Deutschland muss sich verteidigen.

Junge Menschen bleiben auf der Strecke

Beschlossen wurde auch die Preisanhebung des Deutschlandtickets. Gleichzeitig leben über zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Armut. Das bedeutet Benachteiligung ihrer Entwicklung, ihrer Bildungschancen und ihrer Freizeit.

Das Verbrenner-Aus wird wieder in Frage gestellt. Aber wer badet die Klimafolgen später aus!? Die Kinder und Jugendlichen von heute!

Also junge Menschen sollen für ihr Land einstehen und werden selbst so wenig beachtet mit ihren Bedürfnissen.

Die Bushaltestelle: Eine Geschichte vom Dazugehören

Ich denke an eine Bushaltestelle in meinem Dorf. Immer wieder wurde sie von Jugendlichen demoliert und verdreckt. Bis die Jugendlichen die Haltestelle selbst farbig mit Graffiti gestalteten durften. Jetzt war es ihre Haltestelle. Und sie passten gut auf, dass da kein Mist passiert.

Ein Land, das allen gehört

Unser Land kann wie diese Bushaltestelle sein. Ein Ort, wo ich mich gern aufhalte, geschützt werde, wo ich andere treffe. Ein Ort, für den ich eintrete.

Unter dem Dach ist Platz für Alte und Junge. Für Menschen in aller Vielfalt, mit ihren Sprachen, Religionen und Kulturen. Ein Ort, den wir miteinander gestalten und erhalten. Das macht richtig Arbeit. Aber so ist das mit der Zukunft. Wir müssen engagiert für sie eintreten. Gemeinsam und nicht gegeneinander. Ehe der Bus für uns alle abgefahren ist.

Beitrag für MDR-Sachsen-Anhalt: Angedacht


Couragiert widerständig – auch junge Stimmen

Der zweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht zeigt: Junge Menschen nehmen ihre Zukunft selbst in die Hand. Sie stellen unbequeme Fragen und fordern Mitsprache bei Entscheidungen, die ihr Leben grundlegend verändern werden. Das ist gelebte Demokratie – und ein Beispiel für das, was unser Motto „couragiert widerständig“ bedeutet.

Die Ökumenische FriedensDekade begleitet diese Debatte mit einem klaren Standpunkt: Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen ist ein Menschenrecht – in Friedens- wie in Kriegszeiten. Junge Menschen, die für sich einen anderen Weg sehen als den Militärdienst, verdienen Respekt, rechtlichen Schutz und zivile Alternativen.

Ob im Schulstreik, im Gemeindegespräch oder in der persönlichen Gewissensentscheidung: Wer sich für Frieden einsetzt, braucht Mut. Und Unterstützung.

Mehr Informationen zur Kriegsdienstverweigerung und Gewissensfreiheit finden Sie auf unserer Website.

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