12. Januar 2018
Schwerter-zu-Pflugscharen_Ursprungsgrafik

Herbert Sander gestorben – Schöpfer der Grafik „Schwerter zu Pflugscharen“

Am 10. Januar meldeten verschiedene Medien den Tod von Herbert Sander.

Herbert Sander hatte das aktuelle Symbol der Ökumenischen FriedensDekade „Schwerter zu Pflugscharen“ in den 80er-Jahren für Kirchenkreise in der damaligen DDR entworfen. Aus den verschiendenen Pressemeldungen hier Meldung aus dem Berliner Kurier, dem Deutschlandfunk und epd-ZA vom 10.01.2018:

Trauer um Herbert Sander – Erfinder des Symbols „Schwerter zu Pflugscharen“ ist tot

Berlin. Ein Schmied, der ein Schwert zur Pflugschar macht. Das Bild kannte in der DDR jeder, war in den 80er-Jahren Symbol der Friedensbewegung der evangelischen Kirche. Der Schöpfer des Logos war Herbert Sander, der jetzt mit 79 Jahren starb.

Stillleben, Landschaften, gerne malte er auch jüdische Friedhöfe. Sander wurde vor allem von der brandenburgischen Kunstszene geschätzt. Viele Ausstellungen zeigten die Bilder des Stahnsdorfers.  Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der Künstler bereits am 4. Januar im Kreise seiner Familie an den Folgen eines Krebsleidens. 

Symbol der Opposition

Sander studierte in Berlin Grafik und Malerei, arbeitete bis 1965 als Szenenbildassistent bei der Defa. Als freiberuflicher Grafiker und Maler gestaltete er 40 Jahre lang Plakate und Designs für Ausstellungen in den Schlössern und Gärten von Sanssouci. Doch sein bekanntestes Werk entwarf der Pazifist 1980 im Auftrag der evangelischen Kirche in der DDR: das Logo zu dem Bibelspruch „Schwerter zu Pflugscharen“. Mit dieser Grafik protestierte die Kirche gegen die Atomraketenpläne in Ost und West und gegen den Wehrkundeunterricht an DDR-Schulen.

Zuerst erschien das Bild auf Lesezeichen, dann auf Stoffaufnähern, die in den Gemeinden verteilt wurden. Etwa 100.000 Exemplare gab es. Vor allem Jugendliche trugen Sanders Grafik an Jacken oder Taschen.

Anfangs tolerierte die DDR-Führung das Symbol. Erstens war die Herstellung laut Gesetz legal, da das Bild auf Stoff und nicht auf Papier gedruckt wurde. Zweitens orientierte sich die Darstellung des „Schwerter zu Pflugscharen“-Schmiedes an einem Sowjet-Kunstwerk – an der Plastik des Bildhauers Jewgenij Wutschetisch, die die Sowjetunion 1959 der UNO schenkte. Das Denkmal war auch im Jugendweihe-Buch der DDR abgebildet.

Als der Aufnäher bekannter (und zum Symbol der Opposition) wurde, griff die Staatsmacht durch. Bei Polizeikontrollen mussten Träger den Aufnäher sofort abtrennen oder aufs Revier mitkommen, dort ihre Jacke abgeben. Jugendliche wurden wegen des Symbols von der Schule verwiesen. Auch Sander bekam Besuch von der Stasi, der aber ohne Folgen blieb. 2013 erhielt der Maler für sein Logo den Brandenburger Verdienstorden.

– Quelle: https://www.berliner-kurier.de/29464402 ©2018

Herbert Sander gestorben – Schöpfer der Grafik „Schwerter zu Pflugscharen“

Dlf24 vom 10. Januar 2018

Der Brandenburger Künstler Herbert Sander, zu DDR-Zeiten Schöpfer der Grafik „Schwerter zur Pflugscharen“, ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Damals habe er den Nerv der Zeit getroffen und als Künstler Position bezogen, würdigte Brandenburgs Ministerpräsident Woidke Sanders Werk. Er habe der Friedenssehnsucht Hunderttausender eine Plattform gegeben, die der Militarisierung der DDR skeptisch gegenüber standen.

Sander, der im thüringischen Nordhausen geboren wurde, schuf die Grafik nach der weltberühmten Plastik, die die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen geschenkt hatte. Als Aufnäher wurde sie in den 1980er Jahren Symbol der DDR-Friedensbewegung. Nach der Wende erarbeitete Sander die erste künstlerische Dokumentation von mehr als 60 jüdischen Friedhöfen im Land. Sander starb – wie erst jetzt bekannt wurde – bereits am 4. Januar.

Diese Nachricht wurde am 10.01.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

– Quelle: www.deutschlandfunk.de/brandenburg-herbert-sander-gestorben-schoepfer-der-grafik.1939.de.html?drn:news_id=837521

Erfinder des „Schwerter zu Pflugscharen“-Friedensemblems gestorben

Stahnsdorf (epd). Der Erfinder des Emblems „Schwerter zu Pflugscharen“ der Friedensbewegung der DDR, der Künstler Herbert Sander, ist mit 79 Jahren gestorben. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte den Grafiker aus Stahnsdorf als Menschen, der „Position bezogen und damit der Friedenssehnsucht Hunderttausender eine Plattform gegeben“ habe, „die der Militarisierung der DDR skeptisch gegenüberstanden“. Sander habe mit dem Aufnäher „den Nerv der Zeit getroffen“, erklärte Woidke am Mittwoch in Potsdam. Der 1938 in Nordhausen geborene Künstler starb nach Angaben des Heimatvereins Kleinmachnow am 3. Januar.

Sander habe in den 80er Jahren im Auftrag der Kirche auf dem Höhepunkt der Rüstungskonfrontation zwischen Ost und West ein „bleibendes Symbol der Friedensbewegung geschaffen“, betonte Woidke. Das Symbol sei zudem überaus klug ausgewählt gewesen, weil es sich auf ein Kunstwerk bezogen habe, das die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen geschenkt habe und „gegen das die DDR-Führung nicht Front machen konnte“.

Der Künstler, der nach einem Studium der Grafik und Malerei bis 1965 im Defa-Spielfilmstudio tätig war, habe sich auch anderweitig politisch engagiert, betonte Woidke. So habe er 1989 das oppositionelle Neue Forum in Kleinmachnow mitbegründet und sei Spuren jüdischen Lebens in Brandenburg nachgegangen. Über sein berühmtestes Werk hinaus habe Sander eine Vielzahl von Kunstwerken geschaffen, die seine Liebe zur Natur und zu den Menschen ausdrückten. Für die evangelische Auferstehungsgemeinde in Kleinmachnow hat er ein Kirchenfenster gestaltet. Der Künstler wurde 2014 mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet.