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Schlagwort: Friedensbotin

„Frieden ist möglich!“ – Predigt unserer Friedensbotin 2026 Dr. Friederike F. Spengler

Unter dem Jahresthema „couragiert widerständig“ setzt die Ökumenische FriedensDekade 2026 Zeichen für Zivilcourage, Gewaltfreiheit und politische Sprachfähigkeit. In einer Zeit, in der Aufrüstung oft als alternativlos dargestellt wird und die Sprache des Krieges den öffentlichen Diskurs prägt, fragen wir: Wo finden wir Halt? Woran halten wir uns fest?

Unsere Friedensbotin 2026, Bischöfin Dr. Friederike F. Spengler, weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, für den Frieden Haltung zu zeigen: Bereits 1982 war sie als 14-Jährige in der Nikolaikirche Leipzig dabei, als die FriedensDekade unter den Augen der Staatssicherheit ihren Anfang nahm.

Anlässlich des Festgottesdienstes zur Wieder-Indienstnahme und Namensgebung der neuen „Friedenskirche“ im Ortsteil Aue am Berg (Saalfeld) hielt sie am 26. Juli 2026 die folgende Festpredigt zu Jesaja 2,1–5. Wir dokumentieren ihre Worte sowie die Liturgie zur Benennung der Kirche im Wortlaut.

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Frieden ist möglich!

Predigt zur Ersten Schriftlesung aus Jesaja 2,1-5

Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem.

2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, feststehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,

3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem

4 Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Gnade sei mit Euch…

Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder,

heute lesen wir uns den Predigttext vom Ende her ins Leben: „Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“ Also, auf, Gemeinden, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“ Vielleicht denkt Ihr jetzt im Stillen: Wenn das nur so einfach wäre!

Was uns daran hindert, gleich damit zu beginnen, sind wohl unsere tagtäglichen Erfahrungen. Und die, da brauchen wir gar nicht lange nachzudenken, widersprechen dem Bild vom Frieden, wie es uns die Bibel vorhält.

Der Prophet Jesaja denkt und spricht ganz konkret von Jerusalem. Damals bereits eine Multi-Kulti-Stadt und Zentrum des Judentums. Heute ist Jerusalem Zentrum mehrerer Religionen: Judentum, Christentum und Islam. Und bereits der Name der Stadt ist Programm: hebräisch übesetzt „Gründung des Gottes ‚Schalem‘“. Ihr kennt das Wort „Schalom“, Friede, also: „Stadt von Gottes Frieden.“ Dieser Umstand macht Jerusalem zur „Heiligen Stadt“. So heißt sie bei Juden, Christen und Muslimen, und El Quds, „die Heilige“ heißt sie auf Arabisch. Jede der Religionen erhebt Anspruch auf die Stadt. Keiner kann sich vorstellen, dass es Frieden geben könnte, wenn die jeweils Anderen in Jerusalem das Sagen hätten. Nun sind in der Gegenwart Vertreter aller drei Religionen dort und es geht alles andere als friedlich zu. Jeder beansprucht die Heilige Stadt letztlich für sich, die jeweils Anderen werden in einer Art „Burgfrieden“ mehr oder weniger geduldet. Und was seit dem 7. Oktober 2023 in Stadt und Land los ist, kann man sich unfriedlicher kaum vorstellen…Was sich in Jerusalem, ja momentan im ganzen Nahen Osten zeigt, ist wie ein Blick durch einen Brennspiegel auf die Welt.

Seit 81 Jahren lebt Deutschland in Frieden. Und ebenso ergeht es vielen unserer Nachbarländer. Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine haben wir allerdings eine Ahnung davon, dass unser Frieden alles andere als selbstverständlich, vielmehr großes Glück, ja, ein Geschenk ist!

Ganz zu schweigen von anderen Teilen der Welt. Es gibt Gebiete auf unserer Erde, wo Familien bereits in dritter Generation ohne eine Periode Frieden leben müssen! Kaum vorstellbar!

Liebe Gemeinde, Frieden in unserem Land ist das Eine, aber geht es deshalb auch unter uns, unter Euch hier vor Ort, friedlich zu? Wenn ja, wunderbar, Gott sei Dank! Wenn nein, wie ist das zueinander zu bringen? Geht es uns vielleicht zu gut, um das Geschenk des Friedens so zu würdigen, wie dieser es verdient? Merken wir etwa erst bei Abwesenheit eines guten, heilsamen Zustands, was uns fehlt? Lernen wir erst, wenn Menschen schon einander schänden, vertreiben, morden, was Heil, Ruhe, was also Frieden bedeutet?

Mit Blick auf die Welt sehen wir große Kriege, Religionskriege, Wirtschaftskriege, Vertreibungskriege, Terrorkriege. Mit Blick auf uns, hier in Dörfern und Städten, sehen wir Kleinkriege, Nachbarschaftskriege, Familienkriege, Rosenkriege, Deutungskriege. Wir sehen Neid und hören üble Nachrede, auch eine Form von Krieg. Wir hörten mit Entsetzen vom gestrigen Anschlag auf Leib und Leben inmitten eines friedlichen Festes (CSD) in Berlin, auch eine Form von Krieg. Und wer in den sozialen Medien unterwegs ist, der weiß um mediale Kriege, die da ausgefochten werden, per Mausklick oder Daumen runter, per Foto oder Hasskommentar, schlimmste Beleidigungen und Hetze.

„Es wird sein zur letzten Zeit“…Wenn heute Abend die Tagesschausprecherin so beginnen würde, hätten wir nichts Gutes zu erwarten. Dann würden apokalyptische Bilder über den Bildschirm ergießen, – vielleicht, um Schuldige an einer Situation zu entlarven, vielleicht, um der eigenen Lust am Untergang zu frönen, vielleicht um die anderen endlich aufzurütteln, vielleicht, um die eigenen Lösungsvorschläge an die Frau und den Mann zu bringen. Vielleicht auch – solche Stimmen hört man wieder – um durch die Katastrophe hindurch und nach Beseitigung aller Hindernisse und bösen Widersacher, endlich das Reich der eigenen Wahrheiten aufrichten zu können.

Ganz anders klingt der Satz bei Jesaja, dem großen Propheten, der im 8. Jh vor Christus im Südreich, in Juda, Gottes Stimme war. Hören wir noch einmal genau hin:

Das „wird zur letzten Zeit geschehen…“: eine Welt, in der niemand mehr Schwert oder Faust erhebt und keiner mehr von Hass und Gewalt weiß. Und das, obwohl die Welt, in der Jesaja lebte, so gewalttätig war wie die unsere, erfüllt vom Gedröhn von Soldatenstiefeln und schwerem Gerät und vom Geschrei der Leidenden. In dieser Welt hatte Jesaja eine Botschaft auszurichten, und unserer Welt heute haben wir diese Botschaft auszurichten. Und die heißt Frieden ist möglich. Jesaja sagt: Die Menschen werden kommen, ja, sie wollen zu Gott kommen und sein Wort hören und es wird in ihre Herzen und Gewissen dringen. Sie werden ihre Konflikte friedlich schlichten und sich zurechtrücken lassen, sie werden alle Waffen in Handwerkszeug und landwirtschaftliches Gerät umarbeiten und werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Keiner wird mehr dem Anderen ein Fremder sein, und jedes Gesicht im großen Heer der Völker wird uns das Gesicht eines Freundes sein.

ACH! Was ist das für ein schönes, ermutigendes, tröstliches Bild. Ein Bild des Paradieses, ein Bild des Himmels. Und deshalb könnte man meinen. Das ist ja viel zu schön, um wahr zu sein. Aber das Bild vom Frieden ist alles andere als billiger Peace-Kitsch. Ja, das Bild vom Frieden balanciert auch bei Jesaja, schon bei ihm, am Rande der Wirklichkeit. Nicht nur, dass sich keiner vorstellen kann, wie die Welt zu einem Ort des Friedens werden könnte, auch, dass wir nicht wissen, was wir dafür tun sollten. Dazu reicht unsere Fantasie nicht aus. Dazu bedarf es eines Wunders.

Und genau deshalb schildert Jesaja fast unbemerkt ein solches Wunder: Der Zionsberg, in Wirklichkeit nur ein Hügelchen, wird durch Gottes Wort zum Berg der Berge, zum Berg über alle anderen. Und alle Menschen, alle Völker entschließen sich, zu Gott zu kommen. Sie hören auch auf ihn, keiner steht mehr dazwischen, und seine Worte sind ihnen klar. Sie vertrauen seinem Wort und lassen ihre Konflikte von ihm schlichten. Schwerter zu Pflugscharen wird ihrer aller Motto, und keiner übt mehr für den Krieg. Na, wenn das mal kein Wunder ist! Ein Wunder, was aber leider noch aussteht.

Heute, hier vor Ort, kann aber bereits erlebt werden, wie die Vision eines göttlichen Weltfriedens anbricht. Denn Gott verbindet sein Tun mit unserem Tun, wenn wir in seinem Sinne handeln. Ja, jeder Friedensprozess ist anstrengend. Um im Bild des Propheten zu bleiben: Aus einem Schwert eine Pflugschar zu schmieden, ist mit viel Arbeit, mit Hitze, Kraft, und Schweiß. Und mit Ausdauer. Jede Waffe muss einzeln für eine friedlichen Zweck umgestaltet, und in ihrem Kern verändert werden.

Und auch ja, den Frieden zu leben, bedarf der Übung. Frieden muss man trainieren. Er beginnt mit dem Nachdenken über solch wichtige Fragen wie: Wie gehe ich mit Mitmenschen um, die mir so gar nicht passen? Wie versöhnt man sich? Heißt Vergeben, einfach zu vergessen?

Frieden fordert ganzen Einsatz. Und der ist nötig, wenn wir uns von der Vision Gottes erreichen lassen und so zu Friedensstiftern in unserem Umfeld werden. Und genau damit sind wir ganz bei uns und der Verantwortung, die aus diesem wunderbaren Bild vom Frieden erwächst: Wenn Gottes Reich mitten unter uns entsteht, ja bereits da ist, ist dieses Reich ein Friedensreich. Ganz klar. Und deshalb wird uns das Mühen um den Frieden, das Sich-Ausstrecken, Das-Jagen-nach-Frieden zugemutet. Und es wird uns zugetraut! Im Evangelium ist euch gesagt „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt!“. Jesus rechnet mit euch. Er zählt auf euch, dass wir mit dem Frieden, den Gott am Ende der Zeit für die Welt bereithält, heute schon beginnen: als Frieden in Partnerschaften und Ehen, in Familien und Gemeinden, zwischen den Generationen. Frieden beginnt, wenn du ein gutes Wort, eine hilfreiche Geste findest, um eine Situation zu beruhigen. Und er setzt sich fort, wo Du es als Gewinn betrachtest, dich über gute Gemeinschaft und nicht über Abgrenzung zu definieren. Frieden stiften heißt, seinem Gegenüber zu Gerechtigkeit zu verhelfen. Dich also dafür einzusetzen, dass er/sie sein/ihr Recht bekommt.

Bei Euch hier, liebe Gemeinde, könnte beginnen, was im großen Frieden Gottes mündet. Ja, ihr habt richtig gehört: Bei Euch kann beginnen, was im Frieden Gottes sein Ziel hat! Frieden ist möglich. Seht doch hin, erkennt ihr ihn denn nicht?

Dazu eine kleine Begebenheit zum Schluss:

In einer Stadt mit Bewohnenden aus aller Welt, betritt eine Frau einen Gemüseladen. Sie schaut den Händler an: „Sie sehen aber müde aus“, sagt sie.

„Ja“, sagt er, „es ist Ramadan, ich faste. Was möchten Sie denn?“

„Ich will Gemüse einkaufen für den Schabbat. Ich bin Jüdin.“

Stille

Dann sagt er verwundert: „Noch nie hat eine Jüdin bei mir eingekauft, As-salamu alaykum, Friede sei mit dir“.

“Schalom aleicha, Friede auch mit dir“, sagt sie.“

Liebe Schwestern und Brüder: Friede sei mit Euch!

Amen.

Und der Friede Gottes, höher als unsere Vorstellungskraft, der bewahre und erhalte eure Herzen und Sinne im HERRN des Friedens, Jesus Christus.

HINTERGRUND: Eine Kirche wird zur „Friedenskirche“

Dass die Vision vom Frieden konkret werden kann, zeigte sich in Aue am Berg: Die dortige romanische Kirche hatte bisher keinen Namen. Nach fünfjähriger Bauzeit (infolge von Hausschwammbefall) nutzte die Gemeinde die Wieder-Indienstnahme für einen starken Akzent: Sie entschied sich für den Namen „Friedenskirche“ und bat Dr. Friederike F. Spengler um die feierliche Benennung.

Vor voll besetzten Bänken und vielen Gästen im Außenbereich wurde nicht nur der Gottesdienst gefeiert, sondern auch die liturgische Benennung vollzogen:

Benennung der Kirche als „Friedenskirche“ in Aue am Berg

L: Wir hören auf Worte aus dem 1. Buch Mose im 35. Kapitel:

Lektor/in: Gott sprach zu Jakob: Mach dich auf und zieh nach Bethel und wohne dort und errichte einen Altar dem Gott, der dir erschien, als du flohst vor deinem Bruder Esau. Und sie brachen auf. Und Jakob kam nach Lus im Lande Kanaan, das nun Bethel heißt, samt all dem Volk, das mit ihm war, und er baute als Altar und nannte die Stätte El-Beth-el, weil Gott sich ihm dort offenbart hatte, als er vor seinem Bruder floh. (1. Mose 35,1.5.6.7)

L: Im Vertrauen auf Gott, der ewigen Frieden schaffen wird; auf Gott, der uns bei unserem Namen zum Frieden ruft; auf Gott, der sich an Orte bindet, die mit ihrem Namen von ihm zeugen, wollen wir heute dieser Kirche einen Namen geben.

Wir beten:

Lieber himmlischer Vater,

wir danken dir

für den Segen, den du auf dieses Haus gelegt hast,

damit wir einen Ort haben,

an dem wir deiner Nähe gewiss werden,

zu dir beten und dich loben,

und an dem du uns immer wieder neu zu Teilen deiner Gemeinde machst.

Gib, dass der Name,

den wir diesem Haus nun geben,

öffentlich erkennbar werden lässt, dass deine Wohnung ein Ort des Friedens ist,

der denen, die hier ein und ausgehen,

Frieden schenkt und sie dann selbst zu Friedensstiftern werden.

Das bitten wir durch Jesus Christus,

G: Amen.

L: So sei diese Kirche von nun an „Friedenskirche“ genannt.

Friede diesem Haus von Gott, unserem himmlischen Vater.

Friede diesem Haus von seinem Sohn, der unser Frieder ist.

Friede diesem Haus vom Heiligen Geist, der Leben schafft.

Im Namen [+] des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G: Amen.

Miterleben, Gestalten, Vernetzen: Bleiben Sie couragiert widerständig

Frieden braucht Menschen, die ihn tragen, und Orte, an denen er gelernt und gelebt wird. Ob in der eigenen Kirchengemeinde, in der Schule oder in der Nachbarschaft: Setzen auch Sie im Jahr 2026 ein Zeichen.

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FAQ: Dr. Friederike F. Spengler (Friedensbotin 2026 & Schwerter zu Pflugscharen)

Wer ist die Friedensbotin 2026 der Ökumenischen FriedensDekade?

Die Thüringer Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler ist die Friedensbotin der Ökumenischen FriedensDekade 2026. Sie steht in der Tradition der Friedensbewegung der Leipziger Nikolaikirche von 1982 und setzt sich für zivilcouragierte, gewaltfreie Friedensarbeit ein.

Wofür steht das Jahresthema „couragiert widerständig“ der FriedensDekade 2026?

Das Motto „couragiert widerständig“ ruft dazu auf, Hass, Aufrüstung und gesellschaftlicher Spaltung aktiv entgegenzutreten. Es ermutigt Menschen, auf Grundlage des christlichen Glaubens Zivilcourage zu zeigen und sich gewaltfrei für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.

Wo kann man Materialien und Aktionshefte zur FriedensDekade 2026 bestellen?

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Wolkig mit Aussicht auf Musik Dr. F. Spengler

Wolkig mit Aussicht auf Musik“: Die Kantate-Predigt von Friedensbotin Dr. Friederike F. Spengler

Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler hört in ihrer Predigt zum Sonntag Kantate auf das, was Musik mit Frieden zu tun hat und warum Gottes Gegenwart sich manchmal nur erahnen lässt.

Was hat ein fertiggestellter Tempel mit Friedenssehnsucht zu tun? Und warum klingt das Widderhorn, das einst zum Dienst an der Waffe rief, bei Salomo plötzlich als Musikinstrument? Unsere Friedensbotin, Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler, predigt am Sonntag Kantate in der Johanniskirche Gera über 2. Chronik 5 – und entfaltet dabei ein überraschendes Bild: Gotteslob als Zeichen des Friedens, Klang als Ort der Gegenwart Gottes, und eine Wolke, die mal weiß und flauschig, mal schwer und dunkel ist.

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Die Predigt im Wortlaut

Wolkig mit Aussicht auf Musik

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Wolkig

Gott ist mit den Menschen unterwegs. Solange die Bibel denken kann, ist das so. Immer wieder hat es Versuche gegeben, ihn dingfest zu machen: Gott mit Etiketten zu versehen, auf denen draufsteht, wie er ist, wo sie wohnt.

Dabei hatte das Volk Israel Gott ganz anders kennengelernt. Als Gott mit ihnen. Mitziehend. Als einen, der immer dabei war. Den man vorausgehen sah – etwa tagsüber in einer Wolke und nachts in einem Feuerschein. So kannten sie Gott. Und so trugen sie auch ihr Heiligtum mit sich herum. Ein bisschen wie ein mobiles Mobiliar:  In einem großen Kasten trug das Volk die Tafeln, auf die Mose die Zehn Gebote von Gott geschrieben hatte, mit sich. Das war ihr Heiligtum. „Lade“ nannten sie den Kasten. In der gesamten Zeit ihrer jahrzehntelangen Wanderung haben sie die Lade mit sich genommen und waren sich damit Gottes sicher

Und weil das Volk inzwischen sesshaft wurde, braucht auch – so stellten sich die Leute das vor – natürlich auch Gott ein Haus! Im biblischen Buch der Könige wird uns erzählt, wie König David die Lade nach Jerusalem brachte. König Salomo bringt nun das Werk seines Vorgängers zuende, die Lade zu Ruhe.

Der Tempel ist fertiggebaut, ein Prachtbau sondergleichen! Jetzt kann die Lade einziehen und Gott hat einen festen Wohnsitz. Das Volk hofft damit auf ruhige, friedliche Zeiten. Dafür hat im Auftrag Gottes ein König zu sorgen. Das galt und gilt bis heute: Gott will, dass die Herrscher dieser Welt in seinem Namen für Frieden sorgen. Für Beruhigung des Lebens durch Gerechtigkeit Schalom also. Deshalb König Salomo. In seinem Namen steckt das Wort „Shalom“ schon drin. Sei Name ist Programm für: Friede, Ruhe, Heil, Gutes. Ganz schöne hohe Erwartungen an einen König.

Die Erfahrung der Menschen damals wie heute: Könige, Herrscher allgemein, haben ihre ganz eigenen Vorstellungen und scheren sich wenig darum, was Gott Gutes für seine Erde will. Hier geht es vor allem um Machterhalt und Sicherheit: und dazu braucht es Schutz, natürlich durch Armeen. Ohne Abschreckung keine Ruhe vor den Feinden, sagen sie und finanzieren Waffen über alles hinausgehend, was sich ein Land leisten kann. Ohne Vorbereitung auf einen Krieg keinen Frieden, sagen sie und beginnen schon mal mit der Musterung der jungen Menschen ab 18.

Schaut man sich die Zeiten an, hat es in beinah jeder Generation Kriege gegeben. Ich denke, so rechnete auch das Gottesvolk damit, dass ihr Salomo verfahren würde. Damals rief man mithilfe eines Widderhorns an die Waffen. Salomo aber ließ nicht zu den Waffen rufen, sondern zum Gottesdienst! Aus dem Horn des Krieges wird ein Musikinstrument, aus Kampfübungen wird gemeinsames Musizieren. Nicht Kampf, Gewalt und zur Schau gestellte Macht soll das Zeichen von Gottes Volk sein – sondern gemeinsames Gotteslob.

Im Predigttext heißt es: Es war, als wären alle wie eine einzige Stimme – als würden die vielen Trompeter und Sänger denselben, guten, friedfertigen Ton zur Ehre Gottes treffen. Wie „ein Herz und eine Seele“. Alle hatten dieselbe Ausrichtung: Gott zu loben. Und in diesem Moment passiert dann – und seitdem immer wieder – etwas ganz Besonderes: Die Menschen spüren Gottes Gegenwart. Ganz dicht bei ihnen. Neben dir und dir und mir Gott. In unserer Mitte und ganz am Rand. Ganz nah. Die Bibel beschreibt das mit der Wolke, die den Tempel erfüllt.

Gott in einer Wolke daher und füllt den ganzen Raum aus. Alles voll Gott.

Wolkig erscheint Gott.

Als Kind habe ich vieler solcher Bilder gemalt: kuschlig-schöne, weiße Flauschwolken. Ich konnte mich herrlich hineinträumen in Wolkenlandschaften. Alles schön, friedlich und gut. Wer schon mal geflogen ist, der hat es vielleicht erlebt: Wolken über einem und dann stößt die Nase des Fliegers durch die Wolkendecke. Man schwebt dann über den Wolken dahin, blendendes Sonnenlicht von allen Seiten und unter einem ein Teppich wie aus weißer Watte.

Gott als Wolke heißt aber auch: nicht greifbar, gleichzeitig da und sich verflüchtigend, unverfügbar, nicht zu fassen. Wolkig.

Jetzt erinnert ihr euch vielleicht: mitnichten sind Wolken nur weiß und leuchtend. Oder rosarot, weil die Sonne gerade majestätisch im Meer versinkt. Wolken können auch grau und schwer, zerrissen und dunkel, tiefhängend und bedrohlich sein. Stehen also auch für das, was wir von Gott nicht erkennen. Oder nicht mit seiner Liebe zusammenbringen. Schwere Zeiten etwa. Menschen, die alles verlassen und fliehen müssen, Leute, die ihre Liebsten loslassen müssen, Enttäuschungen, Krankheit, Trennung, Schmerz… Da ist nichts mit Schäfchenwolken oder solchen wie aus rosa Zuckerwatte. Da liegen die Wolken schwer auf mir und ich komme nicht hindurch.

Ich kenne solche Zeiten und ihr sicher auch. Und nicht immer fällt mir dabei immer gleich ein, dass Gott doch „im Dunkel wohnen will“. Und, dass er das Dunkel erhellen kann. Aber so hat er es versprochen und ich will mich darauf verlassen!

Ja, Gott ist nicht berechenbar. Nicht einhegbar, nicht domestizierbar. Weder zwischen Aktendeckel noch in schöne Kirchen. Gott ist unverfügbar. Gott lässt sich auch nicht für unsere Ziele einspannen (Gott sei Dank!). Aber finden lässt er sich, wenn du ihn suchst. Finden lässt er sich an allen Orten, auch in dieser Kirche hier. Und manchmal lässt er sich spüren. Wenn das passiert, ist das ein Geschenk. Im Lied, welches wir nach der Predigt singen, wird das so beschrieben: „Du durchdringest alles, lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so, still und froh, deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“ (EG 165,6)

…mit Aussicht auf Musik

Ich spüre Gott besonders in der Musik. Du auch? Etwa, wenn die Orgel einsetzt oder ein Chor so richtig gut singt. Oder wenn die Handglocken perfekt aufeinander abgestimmt sind. Wenn der Posaunenchor den Rhythmus vorgibt und ich kaum stillsitzen kann und alles in mir vibriert, ein Gospelchor oder eine Band die ganze Kirche zum Kochen bringt. Dann fällt alles ab von mir, was mich bedrückt und beschäftigt und ich spüre: Gott will mein Bestes! Sein Shalom hüllt mich ein.

Zur Zeit von König Salomo war das mit der Musik im Tempel ganz anders als heute. Da gab es noch keinen Gemeindegesang, bei dem alle mitsingen. Musik war die Aufgabe von Profis – den Leviten und Priestern. Die hier aufgezählten Profis für Trompeten (die damals eher Fanfaren glichen, denn es gab noch keine Instrumente mit Ventilen und Klappen) und Gesang waren bei aller Vielstimmigkeit einstimmig unterwegs. Auch wieder ein Friedensbild: Dass alle ihre Bedürfnisse zur Sprache bringen können, dass alle die Freiheit ihres Selbst-Seins leben können und dennoch im Ziel, als Gemeinschaft EINS sind. Das muss einen sagenhaften Klang ergeben haben. Bibelwissenschaftler kommen bei Nachzählen von hier Musikbeteiligten auf 288 Leute. Was für eine Klangwolke! Da ist sie ja wieder die Wolke. Gott in der Wolke, also auch in der Klangwolke. Dort, wo um des Gemeinsamen Willen der eine, gute Ton getroffen wird, ist Gott gegenwärtig!

Der Predigttext erzählt, dass Salomo Musik im Gottesdienst sehr wichtig war. Er wusste: Gesungenes Gotteslob kann etwas verändern: Es richtet unseren Blick nach oben. Und gibt dadurch eine neue Perspektive. Also: „Lobe den Herrn, meine Seele“!

Das Wort für „Seele“ (im Hebräischen näfesch) bedeutet eigentlich „Kehle“ – also das, womit wir atmen. Das heißt: Loben kann schon beim Atmen anfangen.

Beim Einatmen: Ich empfange Leben von Gott.

Beim Ausatmen: Ich gebe ihm meinen Dank zurück.

So wird dein Atem zum Gotteslob. Gotteslob muss ja nicht laut sein. Manchmal passiert es ganz leise – einfach dadurch, dass du atmest und dabei dankbar bist.

Und gleichzeitig kann Gott loben wunderbar kräftig und unüberhörbar klingen. Denn seit inzwischen Jahrhunderten singen wir alle. Besonders die Reformatoren hatten es sich auf die Fahnen geschrieben, die ganze Gemeinde durch Lieder an Gotteslob, Klage, dem Ausdruck von Freude und Dank, der Suche in Zeiten der Not u.s.w. zu beteiligen. Kirchenlieder wurden geschrieben und tragen seitdem auch zur Demokratisierung kirchlichen Lebens bei: alle können, keiner muss singen. Und in Zeiten, in denen dir die Stimme versagt, kannst du dich auf die der anderen verlassen, die für dich mitsingen. Singende Gemeinde trägt einander auf der Wolke des Klangs.

Auf Kirchentagen, Bläser – und Chortreffen ist das Gotteslob laut und unüberhörbar. Und das ist gut so. Das braucht unsere Gesellschaft. So wie unsere Glocken in den mehr als 3000 Kirchtürmen unserer Landeskirche. Glocken sind ja Instrumente und haben ganz eindeutige Aufträge: Die Menschen ans Gotteslob zu erinnern etwa, zum Gottesdienst zu versammeln, zum Frieden aufzurufen. Unsere alten und neuen Lieder, die wir an Sonn- und Feiertagen als Gemeinde singen, haben orientierenden Charakter. Und: Menschen, die miteinander singen und musizieren, gehen nicht aufeinander los, schießen nicht aufeinander. Auch das ist eine Erfahrung, die wir bewusst machen, eine Wahrheit, die wir weitersagen sollen.

Liebe Gemeinde, singen und musizieren wir also gemeinsam das Lob Gottes: zur Ehre des Höchsten und uns zum Shalom. Denn „Gott ist gegenwärtig“! Amen

 

Predigtlied: EG 165,1.4-6.8

 


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Über die Friedensbotin: Dr. Friederike F. Spengler ist seit 2022 Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Sie bringt ihre eigene Geschichte aus der Friedensbewegung in die Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade 2026 ein.

Osterpredigt Grafik Friedensbotin

„Das Ende ist mein“: Die Osterpredigt von Friedensbotin Dr. Friederike F. Spengler

Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler blickt in ihrer Osterpredigt für die FriedensDekade 2026 auf die „Tische der Macht“ und kontrastiert sie mit Gottes Einladung zum Frieden.

Was macht eine „Erfolgsgeschichte“ wirklich aus? In einer Zeit, in der Aufrüstung und Abschreckung wieder als alternativlos gelten, setzt unsere Friedensbotin, Regionalbischöfin Dr. Friederike F. Spengler, einen bewussten Gegenakzent. Sie verbindet ihre eigene Geschichte in der Friedensbewegung mit einer radikalen biblischen Vision: dem Festmahl auf dem Berge Zion. In unserem neuen Mitgliederbereich erhalten Sie die Osterpredigt auch  als PDF zum Download

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Die Osterpredigt im Wortlaut

Liebe österliche Gemeinde,

„Die erfolgreichste Geschichte der Welt: Sie waren kaum mehr als 20 Jünger, als ihr Anführer starb. Es wurden Milliarden Christen. Kaum zu glauben, wie aus einer kopflosen Sekte eine Hochreligion werden konnte.“ So titelte eine bekannte deutsche Wochenzeitung. Ich gestehe: Mit „erfolgreich“ tue ich mich schwer, wenn es um den Glauben geht, den wir einander bekennen und bekräftigen mit dem Ruf „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!“

„Erfolgreich“ ist nicht die Kategorie, nach der Gott die Welt rettet, ja es bereits getan hat. Natürlich haben die Journalisten mit der Bestandsaufnahme ansonsten recht. Denn das, was als kleine innerjüdische Bewegung mit Jesus von Nazareth, wahrer Mensch und wahrer Gott, begann, hat in den 2000 Jahren unzählige Menschen erreicht. Milliarden sind gelinde gesagt, leicht untertrieben. Und das – und das ist für mich das größte Osterwunder – mit und trotz aller Bedrohung, Angst und Furcht durch die Geschichte. Mit und trotz aller Abgründe und Schuld der Kirche. Mit und trotz aller Unzulänglichkeiten beim Bodenpersonal Gottes, uns heute eingeschlossen. Ich ahne, was da der Heilige Geist so zu tun hat…

„Die erfolgreichste Geschichte der Welt“ handelt von Gottes Reich. Das war Jesu Botschaft. Alle seine Gleichnisse, seine empathischen Zuwendungen, seine heilenden Berührungen dienten der Beschreibung dieses Gottesreiches. Er hat bei den Leuten die Sehnsucht geweckt, dazuzugehören. Er hat unter den Trostlosen Hoffnungsbilder geformt, unter den Ängstlichen Ermutigung gestiftet, unter den Einsamen und Ausgegrenzten Anerkennung ausgegossen. Alles Erfahrungen, die den Worten vom Reich Gottes Nahrung gaben.

Ein Bild für das Unvorstellbare

Denn, machen wir uns nichts vor: Es ist schwer, sich das Gottes Reich konkret vorzustellen. Das wusste schon Jesaja, der Prophet. Die Leute brauchen etwas Greifbares, etwas zum Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen, um auch nur ansatzweise eine Ahnung davon zu bekommen. Deshalb beschreibt Jesaja ganz bildhaft, was er für unser aller Zukunft sieht:

Jesaja 25,6-9
6 Und der Herr Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.
7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind.
8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der Herr hat’s gesagt.
9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der Herr, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

 

Jesaja werden von Gott Vorstellungen von etwas Unvorstellbarem geschenkt. Nicht nur für sich, sondern zum Ausrichten an die, die es gerade nötig haben. Das ist der Beruf eines Propheten, nicht mehr und nicht weniger: Mund Gottes für Israel zu sein. Gottes Volk hatte das wohl damals genauso nötig wie heute. Um etwa 320 vor Christi Geburt muss es gewesen sein, als Jesaja Gottes Wort weitergab. Wenn ich lese, was diese Zeit damals ausmachte, bekomme ich Gänsehaut: das ganze heutige Europa und Asien wurde gebeutelt von jahrzehntelangen Kriegen, ein Kommen und Gehen unter den Herrschern, man ließ die Muskeln spielen und gefiel sich in Drohgebärden, hatte dagegen alle Verbindung zum Volk verloren.

Die Tische der Macht

Mir fallen heutige Herrscherhäuser ein: Ich sehe etwa einen Mann an einem über 6 m langen Tisch, der vorhergehende war noch länger. Der Staatschef auf der einen Seite, die ihn aufsuchenden Männer und Frauen, ganz gleich ob aus dem Land, für welches er Verantwortung trägt oder nicht, auf der anderen. Oder der mit dem überdimensionalen Schreibtisch aus hochpoliertem Edelholz: Der dahinter sitzt, thront in Sicherheit, lässt sich von tiefbewegten Menschen umbeten und segnen; wer davorsteht, muss sich fügen. Deutlicher lässt sich die Distanz zwischen selbstbewusster und ausgeübter Macht kaum darstellen.

Und Gott sprach zu Jesaja. Und Jesaja spricht Gottes Zielbild für die Welt heute zu uns. Das klingt etwa so: „Am Ende der Zeit werden alle herrschaftlichen Sekretäre, alle Konferenztische, alle militärischen Kartentische, alle einschüchternden, erhöhten Tische aus Gerichtssälen und jene aus den Kommandozentralen herausgeräumt und aneinandergereiht auf dem Berg Gottes. Und über ihre aufpolierten Oberflächen, die die Wucht niedersausender Fäuste kennen (denn einer muss ja mal richtig auf den Tisch hauen!) und die Einkerbungen der Richterhammer und die winzigen Löcher, die durch Nadeln auf Schlachtplänen entstanden sind, werden mit feinem weißem Leinen bedeckt.

Und dann tafelt Gott auf: das Beste vom Besten ist ihm gerade gut genug, ER lässt es sich etwas kosten. ER dient am Tisch der Völker und ermöglicht damit den Frieden unter ihnen. Für einen Frieden, der es wert ist, Friede genannt zu werden, ist Gott nichts zu teuer!“

Gottes Jahrhundertwein und die Festtafel der Völker

Jesaja schwärmt von dem, was aufgetafelt wird. Und dabei läuft ihm sicher das Wasser im Mund zusammen, so sehr sehnt er sich mit allem Volk nach gutem, sättigendem Essen und Trinken. Gott serviert wunderbare Speisen und Getränke. Der hebräische Urtext ist hier sehr genau. Die Worte beschreiben, dass das, was sonst für das Opfer am Tempel an gutem Fleisch beiseitegelegt wurde, auf Gottes Friedenstisch für die Völker kommt. Dazu ein Jahrhundertwein! Das Hebräische schwelgt, ihn zu beschreiben und ist sich der vielen „Ah!s“ und „Oh!s“ der kostenden Münder sicher.

Das Bild, welches Jesaja vor das innere Auge seiner Zuhörenden malt, führt unmittelbar in staunende Freude über diese Festtafel. Und nun sitzen sie alle an einem Tisch: die Putins und Trumps, die Xi Jinpings, Macrons, Netanjahus, Mullahs und Merzens ebenso, wie alle anderen Staatsoberhäupter der Erde: Alle sind geladen, alle sind gekommen. Und nein, kein „Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen“, denn es ist für alle gesorgt. Gott selbst bindet sich die Schürze um und trägt auf, die Gläser blinken und die Tische biegen sich unter der Last der Köstlichkeiten.

Und wer sitzt hier so alles? Nicht nur die Staatsoberhäupter, alle haben Platz an Gottes langer Friedenstafel, alle, alle, alle. Keiner wird abgewiesen, alle heißt Gott willkommen. Mit seinem Friedensmahl wird er ihre verkrampften Minen aufhellen und ihre versteinerten Herzen weich werden lassen wie Butter in der Sonne. Bereits nach der Vorspeise legen die Waffentragenden ihr Kriegsgerät ab. Deren Geschichte ist zu Ende, ein für alle Mal. Sie taugen ab heute nur noch zum Ackergerät. Und spätestens nach dem Hauptgang ist man selbst mit dem größten Gegner auf „Du und Du“. Dann wird angestoßen auf Schwestern- und Brüderschaft und diese wird halten bis ans Ende aller Tage.

Die Wahrheit wird sichtbar

Was für ein Bild! Jesaja kann gar nicht so verzückt sprechen, wie ihm gerade zumute ist. Sein Gesicht leuchtet, wird er doch Zeuge davon, wie die Decke der Bosheit und Dummheit, der Gier und Macht von den Augen aller weggezogen wird. Was hervorkommt, ist kaum zu fassen: Wahrheit steht auf einmal allen vor Augen und die Lügen haben ausgedient. Es gibt nichts Verdecktes mehr, keine Machenschaften, keine unlauteren Absichten, keine Klüngeleien, keine Korruption. Alles beendet.

Und wenn der Hauptgang verzehrt ist, serviert Gott das Dessert und mit diesem wird auch der letzte Gang des Lebens vertilgt: der Tod. „Verschlungen in den Sieg“, Gott hat den Fresser des Lebens selbst verschlungen, schaut Jesaja. Aus ist es mit dem Tod, er wird nie wieder Nahrung erhalten, wird vom Erdboden vertilgt, ist Geschichte. Keiner wird ihn mehr vermissen.

Während nun die so Verköstigten noch gar nicht recht fassen können, wie ihnen geschieht, zu Tränen gerührt, tief im Herzen berührt sind, steht Gott erneut neben ihnen. Und mit der Geste größter Aufmerksamkeit tupft er mit seinem blütenweißen Taschentuch Tränen von ihren Gesichtern. „Alles wird gut“, flüstert er. „Alles wird gut, denn das Ende ist mein“, spricht er.

Das österliche „ABER“

Ihr Lieben, den Drohgebärden des Todes und der Hölle begegnen wir täglich beim Blick auf die Welt. Noch! Und die Argumente, sich durch riesige Waffenarsenale schützen zu müssen, werden immer selbstbewusster vorgetragen. So als hätten wir nichts gelernt aus den Jahrzehnten des kalten Krieges, so als wüssten wir nichts von der Logik der Abschreckung, die einzig zum Wettrüsten führt und den Teufelskreislauf der Vernichtung anheizt. Da werden Ressourcen verschleudert, die für großen Herausforderungen der Zukunft so wichtig wären. Ach, es ist ein Jammer und manch einer von uns schwindet mitunter die Hoffnung.

ABER: Gottes Frieden bricht in unsere Welt ein. Es wird Ostern! Mit der Kraft der Ohnmacht setzt sich Gottes Aber durch, bricht mit einem Wort hinein in alles, was ängstigt und kleinlaut macht. Jesaja ist Gottes Mund für uns. Er lässt uns nicht im Unklaren über Gottes Pläne. Auch Jesus bezog sich auf ihn. Etwa beim Abendmahl mit den Seinen: „Ich werde von jetzt an nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinke im Reich Gottes.“

Daran erinnern wir uns als Gemeinde Gottes und feiern ihn und seine Auferstehung. Heute ist er unter uns. Heute spricht er uns unsere Auferstehung zu. Wisst also um die himmlische Festtafel, gebaut aus den Tischen der Macht: Den Völkern zum Frieden, Euch zum Heil. Es ist um Gottes Willen bereits alles vorbereitet. Gebt die Einladung weiter: Furchtlos und mit vertrauensvollen Herzen, denn, so spricht der Herr: „Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.“

Amen.

Und der Friede Gottes, höher als alle Vernunft, bewahre und erhalte eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem HERRN.


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Über die Friedensbotin: Dr. Friederike F. Spengler ist seit 2022 Regionalbischöfin im Bischofssprengel Erfurt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Sie bringt ihre eigene Geschichte aus der Friedensbewegung in die Arbeit der Ökumenischen FriedensDekade 2026 ein.

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