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7. Juni 2024

Worte schaffen Wirklichkeit (von Jens Haverland, ACK-Deutschland)

In den letzten Tagen war viel los. Als Referent der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland durfte ich bei den verschiedensten Gelegenheiten unsere Arbeit der ACK vorstellen und von Projekten, wie der FriedensDekade berichten. Sei es in Karlsruhe beim Neuapostolischen Kirchentag in Süddeutschland (Motto: Kommet her), in Berlin bei dem Demokratiefest der Bundesregierung (Motto: Wir feiern 75 Jahre Grundgesetz) oder in Erfurt auf dem Katholikentag (Motto: Zukunft hat der Mensch des Friedens). Steter Begleiter war das Rollup mit dem Motto und Motiv der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade „Erzähl mir vom Frieden“. Und natürlich wird das RollUp auch beim Europäischen Christentreffen in Frankfurt an der Oder (Motto: Nichts kann uns trennen) präsent sein und zum Erzählen einladen.

Und die Leute erzählten mir. Nein, sie stellten das Motto in Frage („in der heutigen Zeit reden doch alle nur vom Krieg und von noch mehr Waffen“), stellten mich in Frage („Wollen Sie mir was vom Frieden erzählen?“), stellten sich selbst in Frage („wissen Sie, ich bin seit Jahrzehnten in der Friedensarbeit aktiv, das hat doch alles nichts gebracht“) und stellten den Frieden in Frage („das wird doch alles nur noch schlimmer“).

Was sollte ich dagegen sagen? Zu gut konnte ich die Äußerungen verstehen, die Gefühle, die dahinter steckten nachvollziehen. Dennoch hinterfragte ich die Aussage und begann in dem sich entspinnenden Gespräch vom Frieden zu erzählen. Davon, dass wir in aller Freiheit zusammenkommen können und dass es in Karlsruhe nicht nur den Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgesetz gibt, sondern auch eine ehemalige Munitionsfabrik in ein großes Zentrum für Kunst und Medien umgebaut worden ist. Dass wir in Deutschland seit über 75 Jahren in Frieden leben und Dank einer friedlichen Revolution seit 35 Jahren ein gemeinsames Grundgesetz haben und dass ich meine Zukunft nicht den Menschen des Unfriedens überlassen möchte.

Zugegeben, es hat mich etwas Überwindung gekostet. Aber ich habe auch erleben dürfen, dass die Widerstände meines Gegenübers geringer wurden und manchmal hatte ich auch Glück und mein Gesprächspartner fasste dies in Worte: „Wenn doch mehr Menschen das so sähen“ oder „Bewahren Sie sich diese Hoffnung“. Diese Rückmeldungen haben mich nachdenklich gestimmt, hatte ich doch keine spektakuläre Wundergeschichte erzählt, sondern nur versucht den Blick bewusst auf das zu richten, was wir auch haben. Es gibt den Frieden.

Worte schaffen Wirklichkeit. Das wissen nicht nur Coaches oder Organisationsentwickler*innen, die auch darauf hinweisen, dass man sich immer dahin entwickelt wohin man schaut. Ähnlich ist es in dem Buch der Sprüche der biblischen Weisheitsliteratur formuliert: „Eine heilsame Zunge ist ein Baum des Lebens; aber eine lügenhafte bringt Herzeleid“ (Sprüche 15,4).

Wir haben eine Stimme, die wir für unterschiedliche Rede einsetzen können. In jedem Falle wird sie gehört, wenn wir sie nutzen. Das gilt auch für unsere Stimme bei der anstehenden Europawahl. Jede Stimme zählt. Setzen wir unsere Stimme für den Frieden ein und erzählen wir vom Frieden.

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Jens Haverland, Evangelischer Referent in der Ökumenischen Centrale der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland e.V. (ACK), Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade

 

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