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5. August 2026

Mission: Miteinander – Wie wir trotz unterschiedlicher Meinungen beieinander bleiben

Ein Impuls von Norina Welteke aus unserem Gesprächsforum zum Jahresthema „couragiert widerständig“

Gesellschaft lebt vom Streit – aber nicht von der Spaltung. Gerade in Zeiten lauter Debatten stellt sich die Frage: Wie können wir Haltung zeigen, ohne den anderen aus dem Blick zu verlieren? Und was braucht es, damit aus Gegeneinander wieder Miteinander wird?

Norina Welteke setzt sich in ihrem Impuls mit diesen Fragen auseinander. Mit einem Blick auf den Philipperbrief erinnert sie daran, dass christlicher Glaube nicht zur Spaltung, sondern zum Frieden, zur Demut und zum achtsamen Miteinander aufruft und dazu ermutigt, couragiert widerständig zu sein.

 

Mission:Miteinander

Eine bekannte Szene: Ein Protestmarsch ist unterwegs durch die Straßen der Stadt. Man hört ihn von Weitem durch Sprechchöre, Trommelschläge und das Kreischen der Trillerpfeifen. Dann tauchen die ersten Banner auf, teilweise mit radikalen Sprüchen und Forderungen, es werden Fahnen in die Luft gestreckt und die Menschen schmücken sich mit entsprechenden Stickern. Begleitet wird der Menschenstrom von Polizeimotorrädern und -autos, zum Schutz der Protestierenden und zum schnellen Eingreifen bei Ausschreitungen. Auf dem zentralen Platz hat sich bereits die Gegendemo postiert. Auch hier: Lärm, Plakate, aufgeheizte Stimmung. Manche Demoteilnehmer gehen jetzt zum gegenseitigen Beschimpfen über und werfen sich abscheuliche Behauptungen an den Kopf. Die beiden Lager werden von den Sicherheitskräften auf Abstand gehalten.

Und nun stellen Sie sich vor, es gäbe eine dritte Gruppe an Demonstrierenden. Doch sie stehen am Rand oder trauen sich sogar zwischen die Streitenden. Sie pfeifen nicht, sie skandieren keine Parolen. Sie halten Banner empor, auf denen steht: Lasst uns reden! Oder: Gemeinsam sind wir stark. Oder: Mission Miteinander! Es sind Menschen aus der ruhigen Mehrheit, aus der Mitte der Gesellschaft, die sich nun zu Wort melden, weil es ihnen um das Wohl der gesamten Gesellschaft geht. Sie verstehen das Anliegen der einen Seite und haben Empathie für die Position der anderen Seite. Sie sind davon überzeugt, dass die unterschiedlichen Argumente gehört werden müssen, dass nur Kompromisse die Gemeinschaft weiterbringen und dass ein Streit in der Sache keinen Bruch in der Beziehung nach sich ziehen muss. Sie wollen die Debatte, doch ihr Herz blutet angesichts der Spaltung und des gegenseitigen Hasses.

Ein Blick in die Bibel bestätigt: Einheit und ein friedvoller Umgang untereinander liegen Gott sehr am Herzen. Beispielhaft sei hier die Passage aus Philipper 2, 2-5 angeführt:

„Nun, dann macht meine Freude vollkommen und haltet entschlossen zusammen! Lasst nicht zu, dass euch etwas gegeneinander aufbringt, sondern begegnet allen mit der gleichen Liebe und richtet euch ganz auf das gemeinsame Ziel aus. Rechthaberei und Überheblichkeit dürfen keinen Platz bei euch haben. Vielmehr sollt ihr demütig genug sein, von euren Geschwistern höher zu denken als von euch selbst. Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein, nicht nur auf das eigene Wohl. Das ist die Haltung, die euren Umgang miteinander bestimmen soll; es ist die Haltung, die Jesus Christus uns vorgelebt hat.“

Die Bibel ist kein Buch, das eine inhaltliche Debatte ausschließt. Im Gegenteil, sie bietet Hinweise, Argumente und Perspektiven zu unzähligen gesellschaftlich relevanten und hochaktuellen Themen. Doch durch sie wird der Charakter Gottes deutlich, dem wir als Gläubige nacheifern sollen. Jesus hat diesen Charakter vorgelebt, als er für mehr als 30 Jahre in menschlicher Form auf dieser Welt lebte, um uns zu zeigen, auf  welche Art wir das Böse überwinden können: durch das Gute.

Dabei möchte ich deutlich machen, dass die öffentliche Kundgebung von Meinung und Anliegen ein Schatz der Demokratie ist, den es zu schützen gilt. Doch auf welche Weise wollen wir miteinander streiten? Ist es richtig zu fordern, dass ein jeder sich klar zu positionieren hat? Wollen wir diese Polarisierung? Oder sind wir dazu gelangt, die eigene Meinung höher zu priorisieren als die Beziehung zu Menschen?

Lasst uns couragiert widerständig sein! Lasst uns neu vor Augen führen, dass der Gott, der als Einziger alle Faktoren, Argumente, Wahrheiten und Unwahrheiten über alle Zeitalter hinweg überblickt, selbst Demut vorgelebt hat und uns aufruft, dem Frieden nachzujagen, nach Gerechtigkeit zu hungern, seinen Nächsten höher zu achten als sich selbst und nie zu vergessen, dass die absolute Wahrheit niemals bei Menschen sondern alleine bei Gott zu finden ist. Lasst uns dem Hass, der Spaltung, dem Trend des Sich-Aufregens widerstehen. Lasst uns couragiert eingestehen, dass Andere wertvolle Punkte in die Debatte einbringen. Lasst uns mutig die wichtigen und teilweise schmerzhaften Debatten führen und dabei dem Verhalten der Feindschaft widerstehen. Das ist unsere Mission: Miteinander!

 

Zur Autorin

Norina Welteke (27) ist Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade e.V. Sie hat in Berlin, Frankreich und Israel gelebt und zieht nach Halle (Saale), um sich für eine versöhnte Deutsche Einheit einzusetzen.

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FAQ: Norina Welteke (Mission: Miteinander)

Wer ist Norina Welteke und welche Rolle hat sie bei der FriedensDekade?

Norina Welteke ist Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade e.V. Sie engagiert sich für Versöhnung, Demokratieförderung und einen respektvollen Dialog in polarisierten Debatten.

Was versteht Norina Welteke unter der „Mission: Miteinander“?

In ihrem Impuls beschreibt Norina Welteke mit „Mission: Miteinander“ die Haltung, in gesellschaftlichen Konflikten Brücken zu bauen, anstatt Fronten zu verhärten. Ziel ist es, sachliche Debatten zu führen, ohne den gegenseitigen Respekt und die menschliche Beziehung zueinander zu verlieren.

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