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Monat: Mai 2022

Führen Waffenlieferungen zum Frieden? Hilfreiche Lesetipps für eine notwendige Debatte

In der medialen Debatte wird kaum noch Zweifel an der Notwendigkeit der Lieferung von Waffen an die Ukraine geäußert. Wer Zweifel formuliert, wird häufig als „Friedensspinner*in“ abgekanzelt. Doch bringen Waffenlieferungen wirklich Frieden oder forcieren sie nur die Eskalation des Krieges und erhöhen die Zahl der Opfer?

Es ist an der Zeit, diese Frage zu stellen. Dazu braucht es Argumentationshilfen, die wir Ihnen anbieten möchten. Über Aktionen des nichtmilitärischen zivilen Widerstands in der Ukraine lesen wir in den Nachrichten kaum. Aber es gibt sie, wie die foglenden Leseempfehlungen zeigen. Die Beiträge erläutern darüber hinaus verständlich das Konzept zivilen Widerstands und diskutieren seine (mögliche) Wirksamkeit in der Ukraine.

Hier finden Sie interessante Veranstaltungen und Artikel, die sich mit der Frage

Ziviler Widerstand in der Ukraine

Kurz und leicht verständlich:
Die Friedensforscherin Véronique Dudouet von der Berliner Berghof Foundation im Interview mit der taz.

Friedensforscherin über den Ukrainekrieg: „Ziviler Widerstand ist effektiver“ – taz.de

Ausführlich und Analytisch:
Der Politologe und Vorstand des Bund für Soziale Verteidigung Ulrich Stadtmann schreibt über das Thema in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Wissenschaft und Frieden.

Nicht anerkennen, nicht kooperieren – Wissenschaft & Frieden (wissenschaft-und-frieden.de)

 

Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben

Die Friedensforscherin Dr. Martina Fischer (Brot für die Welt) erklärt ausführlich die Geschichte des Konflikts und zeigt Ansätze zur Beendigung des Krieges und langfristigen Einhegung des Konflikts auf. Der Beitrag ist in einem Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen. Dort finden Sie weitere Reflexionen über die Ursachen, den Verlauf und die Folgen von Russlands Krieg gegen die Ukraine 2022.

Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben | bpb.de

 

Sehenswerte Aufzeichnung: Wie weiter nach dem russischen Überfall auf die Ukraine?

Wie geht es weiter nach dem völkerrechtswidrigen russischen Überfall auf die Ukraine? Sind die nun beschlossenen Aufrüstungsmaßnahmen in Deutschland und Europa und die weitere Ausdehnung der NATO die richtigen Schritte? Oder sind ganz andere Maßnahmen nötig, um ein sicheres Haus Europa zu begründen?

Diese Fragen diskutierten der langjährige UN-Korrespondent der taz, Andreas Zumach, Peter Meiwald vom Hilfswerk Misereor und Katrin Beckedorf aus dem Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen am 1. Mai in Oldenburg auf Einladung der Werkstatt Zukunft. Die rund 90-minütige Aufzeichnung dieser Diskussionsveranstaltung ist wirklich sehenswert.

https://youtu.be/SW4dQSahMGw

 

“Solidarität mit der Ukraine” Reflexionen über einen omnipräsenten Begriff

Dr. Marcel Vondermaßen und Cora Bieß vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften an der Uni Tübingen beobachten in der aktuellen Debatte zur Ukraine eine Entleerung für den Begriff der Solidarität. Denn unter dem Begriff würden aktuell Verständnisse subsummiert, die einander widersprechen. Ein bestimmtes Verständnis von (militärischer) Solidarität werde massiv mit finanziellen Mitteln unterstützt, während andere (zivile) finanziell schlechter gestellt werden.

Außerdem geben die Autor*innen zu bedenken, dass unsere Solidarität selektiv ist. Die Opfer anderer aktueller Krieg in Syrien, im Jemen oder in Äthiopien erfahren deutlich weniger Solidarität. Selektive Solidarität hätte sich auch an der EU-Außengrenze zur Ukraine gezeigt, indem zum Beispiel vorrangig weißen Frauen und Kindern Zugang gewährt wird. Sie plädieren für eine „radikale Opferperspektive“ für den Solidaritätsbegriff.

Solidarität mit der Ukraine | Universität Tübingen (uni-tuebingen.de)

 

Noch mehr Lesestoff: Neue Ausgabe der Zeitschrift Wissenschaft & Frieden

Wissenschaft & Frieden ist die führende interdisziplinäre Wissenschaftszeitschrift für Friedensforschung, Friedenspolitik und Friedensbewegung. Die aktuelle Ausgabe enthält eine Reihe lesenswerter Artikel zum Krieg gegen die Ukraine und seine Folgen. Einige Beiträge sind auf der Seite freigeschaltet, wer das ganze Heft lesen möchte, kann es dort bestellen.

Ausgabe 2/2022 Kriegerische Verhältnisse (wissenschaft-und-frieden.de)

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Die Lesehinweise hat das Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) zusammengetragen 

Ein Stein auf meinem Herzen (von Berthold Keunecke, Herford)

Ein Stein auf meinem Herzen. Der Krieg in der Ukraine belastet mich, auch wenn ich das Geschehen jetzt oft genug verdränge.

Jeden Tag die Bilder von Zerstörung, von entwurzelten Menschen, von Trauer und Leid im Fernsehen – so oft verbunden mit der Meinung: Wenn wir mehr Waffen liefern, wird es besser. Das Vertrauen, dass die Waffen Seite Frieden bringen, wenn sie von der richtigen Seite eingesetzt werden, scheint übermächtig. Jeden Tag Karfreitag. Und dann mein Wissen: Auf dieser Stufe der Eskalation können die direkt Konfliktbeteiligten nicht mehr zurück. Sie haben konfliktpsychologisch keine andere Möglichkeit mehr, als auf Eskalation zu drängen, bis zum Untergang. Dem eigenen, des anderen oder – wahrscheinlich – von beiden. Gemeinsam in den Abgrund heißt die letzte der Konfliktstufen nach Prof. Friedrich Glasl. Da wir gerade Kriegspartei werden, stecken wir mit drin. Wir hoffen alle, dass der verrückte Putin nicht so verrückt ist, dass er Atomwaffen einsetzt, wenn seine anderen militärischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Das ist schon kein Stein mehr auf meinem Herzen, es ist ein Felsbrocken.

Aber der Stein ist ins Rollen gekommen. Zu Ostern scheint ein Licht im dunklen Grab. Engelsgleiches Licht. Unwirklich, aber da. Jedes Gespräch, bei dem ich spüre, dass auch noch anderen Menschen so denken wie ich, macht mir Mut. Ein Irrsinn, zu glauben, dass das in Washington, in Kiew oder in Moskau ankommen könnte. Aber trotzdem. Es brennt ein kleines Licht.

„Brannte unser Herz nicht vor Begeisterung, als er unterwegs mit uns redet und uns die Heilige Schrift erklärte?“ Das sagen die Emmausjünger. Sie sind Jesus begegnet. Sie sind mit ihm gegangen. Er hat ihnen erklärt, dass das Leid seinen Sinn hat – den Sinn, dass das Leid beendet wird. Durch die Kraft der Liebe. Weil die Liebe letztlich stärker ist.  Er war bei ihnen. Sie haben es nur nicht gemerkt. Brannte nicht mein Herz, als ich von meinen Sorgen erzählte? Brannte nicht mein Herz, als ich hörte, wie Russlanddeutsche sagen: Wir sind doch eigentlich Brüder in Russland und der Ukraine?  Brannte nicht mein Herz, als ich zufällig in einem Büro über meine Sorgen sprechen konnte und auf so viel Verständnis stieß?

Wenn wir zusammenkommen, wenn wir einander zuhören, wenn wir die Liebe anstatt der Gleichgültigkeit gegenüber den Kollateralopfern wirken lassen – dann kommt der Stein ins Rollen, dann brennt ein kleines Licht.

Gott, lass du dein Osterlicht leuchten unter uns – schenkt uns den Mut der Liebe angesichts des Leids und der Gewalt. Gib uns die Kraft, zusammen „Halt“! zu sagen.  Amen.

Berthold Keunecke, Ev.-Luth. Emmauskirchengemeinde, Herford, Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade

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