Archiv für den Monat: November 2020

Aufruf zur „Umkehr zum Frieden“ (Zentraler Gottesdienst in Dresden)

Der zentrale Gottesdienst der Ökumenischen Friedensdekade fand in diesem Jahr am Buß- und Bettag, dem 18.11.2020 in Dresden statt. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland e. V. hatte zusammen mit der ACK Sachsen und dem Stadtökumenekreis Dresden in die Kreuzkirche eingeladen.

Das Motto „Umkehr zum Frieden“ wurde dabei vielfältig aufgenommen. Im entfalteten Kyrie wurden die vier Jahrzehnte der Ökumenischen Friedensdekade bedacht, wie der Kalte Krieg, der Einsatz für soziale Gerechtigkeit hier und weltweit, die Dekade zur Überwindung von Gewalt, und sowie die Herausforderung durch den Klimawandel und die Corona-Pandemie.

In seiner Predigt analysierte Prof. Dr. Ulf Liedke von der Evangelischen Hochschule Dresden Worte des 18. Kapitels im Prophetenbuch Ezechiel, dem das Motto entnommen ist. Er machte als eine der Gefährdungen für den Frieden bei uns die Spaltung der Gesellschaft aus. Ursachen könnten liegen in Verlust- und Unsicherheitserfahrungen angesichts der massiven gesellschaftlichen Umbrüche seit dem Ende der DDR, die als Bedrohung und Negierung der Lebensleistung der Elterngeneration erfahren wurde. Niemand jedoch, das zeige die Weisung des Propheten, werde auf die Vergangenheit festgelegt, „weder auf die eigene noch auf die einer bestimmten Generation. Gott lädt uns ein, dass wir uns mit unserer Geschichte für die Zukunft entscheiden. Er ermöglicht es, aus den Zuschreibungen auszubrechen und den Frieden zu wählen.“

Umkehr zum Frieden bestimmte auch die Fürbitten. Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher waren eingeladen, ihre Bitten und Hoffnungen aufzuschreiben, um sie acht Vertretern der Kirchen des Stadtökumenekreises mit in ihre Gemeinden zu geben. Einige wurden auch im Gottesdienst gesprochen.

Rabbiner Akiva Weingarten von der Jüdischen Gemeinde zu Dresden spendete am Ende des Gottesdienstes den Segen des Aron auf Hebräisch, Superintendent Christian Behr auf Deutsch. In den anschließenden Grußworten bedankte sich Frau Annekatrin Klepsch, die 2. Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden, für das Engagement der Anwesenden und hob hervor, dass es notwendig ist, sich für Frieden einzusetzen, „solange unser Staat, die Bundesrepublik Deutschland, zu den größten Waffenexporteuren der Welt gehört und solang auf deutschem Boden Atomwaffen stationiert sind.“ Doch auch gesellschaftliche Konflikte bedrohten den Frieden, umso wichtiger sei es, „Konflikte nicht eskalieren zu lassen, sondern zu lernen, konstruktiv zu streiten im Sinne einer Umkehr zum Frieden“. Die Botschaft, die von den Kirchen der Ökumene und den Religionen für den Erhalt des Friedens ausgehe, sei insofern unverzichtbar, weil damit Menschen ganz unterschiedlichen Glaubens erreicht würden.

Erzpriester Radu Constantin Miron, Vorsitzender der ACK Deutschland, gebrauchte in seinem Grußwort das engl. Verkehrsschild des „U-Turn“, gesprochen: You turn, um deutlich zu machen, worum es geht bei der Umkehr zum Frieden: nicht das schnelle Abwälzen auf das You, also auf Du, der/die sich ändern muss, führt uns weiter. „Umkehr zum Frieden fängt bei mir selbst an. Nur wenn ich umkehre, fängt Frieden an. I turn zum U-Turn“, so Miron. Da er selbst krankheitsbedingt nicht anreisen konnte, wurde sein Grußwort von Frau Dr. Verena Hammes, Geschäftsführerin der ACK Deutschland, vorgetragen. Dank gilt dem Ökumenischen Informationszentrum Dresden e. V., das maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung des Gottesdienstes beteiligt war.

Foto: BESHT Dresden
Mitwirkende beim zentralen Gottesdienst zur Ökumenischen FriedensDekade in der Kreuzkirche in Dresden aus der ACK Deutschland, der ACK Sachsen und dem Stadtökumenekreis Dresden.

Berichte dazu finden Sie auch hier (ACK-Sachsen) und hier (ACK-Deutschland).

Bundeswehr zum Technischen Hilfswerk transformieren (von Ralf Becker, Wethen)

Deutschland und Europa sollen und wollen mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen. Unsere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer versteht darunter die Ausweitung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr – die gleichzeitig auch der Durchsetzung deutscher Interessen dienen sollen.

Bestehende zivile Alternativen zu dieser Art von Politik sind nachhaltiger und dauerhafter in ihrer Wirkung – das zeigt ein Szenario der Evangelischen Landeskirche in Baden. Das Szenario „Sicherheit neu denken – von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik“ lädt dazu ein, eine Zukunft zu denken, in der wir pro Jahr 80 Mrd. Euro in die zivile Krisenprävention und in die Vereinten Nationen anstatt in die Bundeswehr investieren. Grundlage sind bereits erprobte und realisierte Instrumente ziviler Prävention, gerechtes Wirtschaften, die Förderung nachhaltiger Entwicklung im Nahen Osten und Afrika sowie eine Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaft mit Russland bzw. der Eurasischen Wirtschaftsunion.

So könnte die OSZE zur polizeilichen Sicherheitsorganisation für Europa ausgebaut und die Bundeswehr komplett zum Technischen Hilfswerk transformiert werden. Dank jährlicher Investitionen in Höhe von 33 Mrd. Euro könnten wir die Vereinten Nationen und die OSZE zu starken und wirksamen Institutionen ausbauen. Dann könnten die Vereinten Nationen ihre Aufgaben in der weltweiten Friedenssicherung wirksam wahrnehmen. Und die Ernährungs-, Klima- und Flüchtlingshilfefonds der UNO wären endlich mit genügend Geld ausgestattet.

Es braucht eine gemeinsame Kampagne der Zivilgesellschaft und der Kirchen, um zu einem entsprechenden Paradigmenwechsel in der deutschen Politik zu kommen. Friedensfreund*innen aus der FriedensDekade können diesen Paradigmenwechsel, diese Umkehr zum Frieden, mitgestalten.

Ralf Becker ist im Auftrag der Evangelischen Kirche in Baden Koordinator der Initiative „Sicherheit neu denken“. Diese will einen Paradigmenwechsel in der deutschen Politik hin zu einer rein zivilen Sicherheitspolitik erreichen.

Bundeswehr zum Technischen Hilfswerk transformieren (von Ralf Becker, Wethen)

Deutschland und Europa sollen und wollen mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen. Unsere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer versteht darunter die Ausweitung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr – die gleichzeitig auch der Durchsetzung deutscher Interessen dienen sollen.

Bestehende zivile Alternativen zu dieser Art von Politik sind nachhaltiger und dauerhafter in ihrer Wirkung – das zeigt ein Szenario der Evangelischen Landeskirche in Baden. Das Szenario „Sicherheit neu denken – von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik“ lädt dazu ein, eine Zukunft zu denken, in der wir pro Jahr 80 Mrd. Euro in die zivile Krisenprävention und in die Vereinten Nationen anstatt in die Bundeswehr investieren. Grundlage sind bereits erprobte und realisierte Instrumente ziviler Prävention, gerechtes Wirtschaften, die Förderung nachhaltiger Entwicklung im Nahen Osten und Afrika sowie eine Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaft mit Russland bzw. der Eurasischen Wirtschaftsunion.

So könnte die OSZE zur polizeilichen Sicherheitsorganisation für Europa ausgebaut und die Bundeswehr komplett zum Technischen Hilfswerk transformiert werden. Dank jährlicher Investitionen in Höhe von 33 Mrd. Euro könnten wir die Vereinten Nationen und die OSZE zu starken und wirksamen Institutionen ausbauen. Dann könnten die Vereinten Nationen ihre Aufgaben in der weltweiten Friedenssicherung wirksam wahrnehmen. Und die Ernährungs-, Klima- und Flüchtlingshilfefonds der UNO wären endlich mit genügend Geld ausgestattet.

Es braucht eine gemeinsame Kampagne der Zivilgesellschaft und der Kirchen, um zu einem entsprechenden Paradigmenwechsel in der deutschen Politik zu kommen. Friedensfreund*innen aus der FriedensDekade können diesen Paradigmenwechsel, diese Umkehr zum Frieden, mitgestalten.

Ralf Becker ist im Auftrag der Evangelischen Kirche in Baden Koordinator der Initiative „Sicherheit neu denken“. Diese will einen Paradigmenwechsel in der deutschen Politik hin zu einer rein zivilen Sicherheitspolitik erreichen.