Archiv für den Monat: Oktober 2020

EKD-Friedensbeauftragter Renke Brahms: „Seit 40 Jahren engagieren sich Menschen für eine Umkehr zum Frieden“

Bonn/Wittenberg, 28.10.2020. Zehn Tage am Ende des Kirchenjahres für den Frieden beten, über die Wege zum Frieden nachdenken und Denkanstöße für die Gesellschaft geben. Seit 40 Jahren ist dies das Anliegen der Ökumenischen Friedensdekade. „Seit 1980 engagieren sich Menschen für eine Umkehr zum Frieden und zeigen, wie militärische und kriegerische Gewalt Schritt für Schritt überwunden werden kann“, würdigt Renke Brahms, der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Ökumenische Friedensdekade.

Umkehr zum Frieden, so lautet das Motto im Jubiläumsjahr, mit dem in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag auf die Vielzahl der verschiedenen Friedensthemen der vergangenen vier Jahrzehnte aufmerksam gemacht werden soll. „Und diese Themen haben nichts von ihrer Aktualität verloren“, ist der EKD-Friedensbeauftragte dabei überzeugt. Immer noch würden die Rüstungsausgaben weltweit weiter steigen, wieder würde eine atomare Aufrüstung den Frieden bedrohen und die Zahl der militärischen Konflikte zunehmen.

„Daneben erleben wir eine Zunahme des Nationalismus und des Rassismus überall in der Welt, in den Gesellschaften spüren wir eine wachsende Polarisierung, die Folgen des Klimawandels werden spürbar“, macht Renke Brahms deutlich. Da sei es sinnvoll, in den Tagen der Friedensdekade innezuhalten und über eine Umkehr zum Frieden nachzudenken und sich dafür stark zu machen, so der EKD-Friedensbeauftragte.

„In diesen 40 Jahren hat die Ökumenische Friedensdekade immer wieder wichtige Denkanstöße gegeben. Die friedliche Revolution in der früheren DDR ist eng verbunden mit der Friedensdekade, auch für die Friedensbewegung im Westen waren die zahn Tage am Ende des Kirchenjahres wichtiger Bestandteil der friedenspolitischen Debatten“, erinnert Renke Brahms.

„Die Kirche bringt sich in friedensethische und friedenspolitische Debatten ein, Christen engagieren sich in Friedens- und Umweltgruppen wie auch in der Flüchtlingshilfe. In der Ökumenischen Friedensdekade ist der Raum, von diesen Erfolgen zu erzählen und sie erlebbar zu machen“, ist der EKD-Friedensbeauftragte überzeugt. Dabei hofft er, dass sich daher auch in diesem Jahr wieder viele Kirchengemeinden an der Ökumenischen Friedensdekade beteiligen.

 

„Wer für Gerechtigkeit sorgen will, muss Frieden fördern und umgekehrt.“ (von Martina Basso, Berlin)

Drei Kinder sollen sich einen Kuchen teilen. Das erste Kind schlägt vor, ihn in drei gleich große Stück zu teilen (Gleichheit). Das zweite Kind möchte mehr als die anderen, weil es als einziges nicht zu Mittag gegessen hat (Grund-Bedürfnisse müssen befriedigt werden). Das dritte Kind möchte mehr, weil es am Kuchen backen maßgeblich beteiligt war (Leistung). Helfen könnte in so einer Situation ein Perspektivenwechsel, sich in die Lage der jeweils anderen zu versetzen: Wie würde ich es sehen, wenn ich in der Lage des anderen Kindes wäre?

Ich nähere mich aus den drei Blickwinkeln, die auch im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg angesprochen werden (Matthäus 20,1-16), dem Begriff „Gerechtigkeit“, nämlich über Gleichheit, (Grund-)Bedürfnisse und Leistung.

Gleichheit: Immer noch bin ich mir wie als Kind sicher, dass alle Menschen gleich sind. Gleich behandelt werden sie allerdings nur vor/von Gott.

(Grund-)Bedürfnisse: Alle haben ein Recht darauf, dass ihre Grundbedürfnisse abgedeckt werden können – was Grundbedürfnisse sind, ist in der jeweiligen Gesellschaft verhandelbar.

Leistung: Konkurriert häufig mit den beiden anderen Punkten. – Wie auch immer unterschiedliche Leistungen bewertet werden: Grundbedingung ist Fairness.

Wie ist das nun mit dem Kuchen? Auch wenn man sich in die Lage des jeweils anderen hineinversetzen kann, muss das nicht unbedingt zu einer für alle zufriedenstellenden Lösung führen, wenn dennoch alle auf ihrer Position beharren. Vielleicht kann Psalm 85 helfen: „dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen, dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; dass uns auch der HERR Gutes tue, und unser Land seine Frucht gebe; dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.“ (V. 11–14). Da ist etwas Entscheidendes festgehalten: keine Gerechtigkeit ohne Frieden, kein Frieden ohne Gerechtigkeit. Gerechtigkeit und Frieden leben von bzw. in Gleichzeitigkeit – im Psalm als Bild ausgedrückt: Sie küssen einander. Nicht nachgeordnet, nicht eines reduziert als Werkzeug zum Erreichen des anderen, nicht eines die Tugend, das andere ein statischer, utopischer Zustand, schreibt Fernando Enns. Wer für Gerechtigkeit sorgen und die sozialen Spannungen ausgleichen will, muss Frieden fördern und bewahren – und umgekehrt. Und das bedarf all unserer Nächstenliebe, Versöhnungsbereitschaft und unserer Bereitschaft zum Perspektivenwechsel – siehe die Kinder und der Kuchen.

Martina Basso ist Pastorin und Leiterin des Mennonitischen Friedenszentrums Berlin sowie Geschäftsführerin der Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden.

 

„Wer für Gerechtigkeit sorgen will, muss Frieden fördern und umgekehrt.“ (von Martina Basso, Berlin)

Drei Kinder sollen sich einen Kuchen teilen. Das erste Kind schlägt vor, ihn in drei gleich große Stück zu teilen (Gleichheit). Das zweite Kind möchte mehr als die anderen, weil es als einziges nicht zu Mittag gegessen hat (Grund-Bedürfnisse müssen befriedigt werden). Das dritte Kind möchte mehr, weil es am Kuchen backen maßgeblich beteiligt war (Leistung). Helfen könnte in so einer Situation ein Perspektivenwechsel, sich in die Lage der jeweils anderen zu versetzen: Wie würde ich es sehen, wenn ich in der Lage des anderen Kindes wäre?

Ich nähere mich aus den drei Blickwinkeln, die auch im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg angesprochen werden (Matthäus 20,1-16), dem Begriff „Gerechtigkeit“, nämlich über Gleichheit, (Grund-)Bedürfnisse und Leistung.

Gleichheit: Immer noch bin ich mir wie als Kind sicher, dass alle Menschen gleich sind. Gleich behandelt werden sie allerdings nur vor/von Gott.

(Grund-)Bedürfnisse: Alle haben ein Recht darauf, dass ihre Grundbedürfnisse abgedeckt werden können – was Grundbedürfnisse sind, ist in der jeweiligen Gesellschaft verhandelbar.

Leistung: Konkurriert häufig mit den beiden anderen Punkten. – Wie auch immer unterschiedliche Leistungen bewertet werden: Grundbedingung ist Fairness.

Wie ist das nun mit dem Kuchen? Auch wenn man sich in die Lage des jeweils anderen hineinversetzen kann, muss das nicht unbedingt zu einer für alle zufriedenstellenden Lösung führen, wenn dennoch alle auf ihrer Position beharren. Vielleicht kann Psalm 85 helfen: „dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen, dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; dass uns auch der HERR Gutes tue, und unser Land seine Frucht gebe; dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.“ (V. 11–14). Da ist etwas Entscheidendes festgehalten: keine Gerechtigkeit ohne Frieden, kein Frieden ohne Gerechtigkeit. Gerechtigkeit und Frieden leben von bzw. in Gleichzeitigkeit – im Psalm als Bild ausgedrückt: Sie küssen einander. Nicht nachgeordnet, nicht eines reduziert als Werkzeug zum Erreichen des anderen, nicht eines die Tugend, das andere ein statischer, utopischer Zustand, schreibt Fernando Enns. Wer für Gerechtigkeit sorgen und die sozialen Spannungen ausgleichen will, muss Frieden fördern und bewahren – und umgekehrt. Und das bedarf all unserer Nächstenliebe, Versöhnungsbereitschaft und unserer Bereitschaft zum Perspektivenwechsel – siehe die Kinder und der Kuchen.

Martina Basso ist Pastorin und Leiterin des Mennonitischen Friedenszentrums Berlin sowie Geschäftsführerin der Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden.

 

Für ein humanes und soziales Europa (von Lydia Funck, Diemelstadt-Wethen)

Mit Sorge und ungläubigem Kopfschütteln wurde ich in diesem Jahr Zeitzeugin: Großbritannien verlässt als erster Staat die Europäische Union. 2012 noch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, scheint nun das Friedens- und Versöhnungsprojekt Europa in Gefahr.

Ein zentrales Thema der Union ist Sicherheit, verstanden vor allem als militärische Sicherheit. Sie plant in den kommenden Jahren, Gelder in besorgniserregender Höhe in Militarisierung zu investieren. Aber ein gemeinsames Handeln im Blick auf die menschenunwürdigen Zustände an den Außengrenzen gelingt nicht. Stattdessen nimmt sie tatenlos überfüllte Flüchtlingscamps in Kauf und verweigert Menschen in Seenot Hilfe.

Ist das noch einer Friedensnobelpreisträgerin würdig? Nein. Hat die EU überhaupt noch eine Zukunft angesichts ihrer aktuellen vielfältigen Krisen? Ich meine: ja – mit einer radikalen Umkehr zum Frieden!

Es gilt, der EU, den Mitgliedsstaaten und den Europäer*innen wieder die einenden Gründungswerte und Grundlage ihrer Stärke und auch ihrer Sicherheit in Erinnerung zu rufen: Einsatz für Versöhnung, Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Wahrung der Menschen- inkl. der Minderheitenrechte. Und es gilt, lautstark zu bezeugen und aktiv umzusetzen, dass wir uns aufgrund unseres christlichen Glaubens für ein humanes und soziales Europa einsetzen!

Trotz und gerade wegen der aktuellen Herausforderungen, ist es mir als Christin und Europäerin wichtig, gemeinsam zu handeln – grenzüberschreitend, ökumenisch und interreligiös – und umzusetzen, wozu sich die Kirchen Europas 2001 gemeinsam in der Charta Oecumenica verpflichtet haben: sich dafür einzusetzen, dass in Europa Menschenrechte, Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität zur Geltung kommen. Lassen wir uns dafür von der Gewaltfreiheit Jesu inspirieren und arbeiten an der Unterstützung von solidarischen Aktionen von und mit Kirchen in Europa und weltweit, um das ­Friedensprojekt Europa mit Leben zu füllen.

Lydia Funck ist Generalsekretärin des europaweiten, ökumenischen, friedenskirchlichen Netzwerks von Church and Peace e. V., www.church-and-peace.org

Für ein humanes und soziales Europa (von Lydia Funck, Diemelstadt-Wethen)

Mit Sorge und ungläubigem Kopfschütteln wurde ich in diesem Jahr Zeitzeugin: Großbritannien verlässt als erster Staat die Europäische Union. 2012 noch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, scheint nun das Friedens- und Versöhnungsprojekt Europa in Gefahr.

Ein zentrales Thema der Union ist Sicherheit, verstanden vor allem als militärische Sicherheit. Sie plant in den kommenden Jahren, Gelder in besorgniserregender Höhe in Militarisierung zu investieren. Aber ein gemeinsames Handeln im Blick auf die menschenunwürdigen Zustände an den Außengrenzen gelingt nicht. Stattdessen nimmt sie tatenlos überfüllte Flüchtlingscamps in Kauf und verweigert Menschen in Seenot Hilfe.

Ist das noch einer Friedensnobelpreisträgerin würdig? Nein. Hat die EU überhaupt noch eine Zukunft angesichts ihrer aktuellen vielfältigen Krisen? Ich meine: ja – mit einer radikalen Umkehr zum Frieden!

Es gilt, der EU, den Mitgliedsstaaten und den Europäer*innen wieder die einenden Gründungswerte und Grundlage ihrer Stärke und auch ihrer Sicherheit in Erinnerung zu rufen: Einsatz für Versöhnung, Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Wahrung der Menschen- inkl. der Minderheitenrechte. Und es gilt, lautstark zu bezeugen und aktiv umzusetzen, dass wir uns aufgrund unseres christlichen Glaubens für ein humanes und soziales Europa einsetzen!

Trotz und gerade wegen der aktuellen Herausforderungen, ist es mir als Christin und Europäerin wichtig, gemeinsam zu handeln – grenzüberschreitend, ökumenisch und interreligiös – und umzusetzen, wozu sich die Kirchen Europas 2001 gemeinsam in der Charta Oecumenica verpflichtet haben: sich dafür einzusetzen, dass in Europa Menschenrechte, Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität zur Geltung kommen. Lassen wir uns dafür von der Gewaltfreiheit Jesu inspirieren und arbeiten an der Unterstützung von solidarischen Aktionen von und mit Kirchen in Europa und weltweit, um das ­Friedensprojekt Europa mit Leben zu füllen.

Lydia Funck ist Generalsekretärin des europaweiten, ökumenischen, friedenskirchlichen Netzwerks von Church and Peace e. V., www.church-and-peace.org

Eine Frage des „Wandels“ (von Marina Kiroudi, Frankfurt)

Klimawandel spielt eine Rolle in unserem Leben, allein schon, weil er unseren Lebensraum betrifft. Manche nehmen ihn weniger ernst oder weniger gerne wahr, andere dafür sehr bewusst. Ich möchte nur eine Begegnung mit einer jungen orthodoxen Christin, namens Seraphima, herausgreifen. Sie studiert Design und ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen wissen, dass sie ökologisch engagiert ist. Wer sie besser kennt, weiß auch, dass ihr Engagement für die Umwelt etwas mit ihrem Glauben zu tun hat. Sie selbst formuliert es so: In unserer orthodoxen Kirche ist häufig vom Wandel die Rede. Wir bitten in der Feier der Göttlichen Liturgie darum, dass Brot und Wein zu Leib und Blut Christi gewandelt werden, und wir sprechen auch von einer Wandlung der Menschen, die als Bürgerinnen und Bürger dieser Welt gleichzeitig auch zu Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern des Reiches ­Gottes „gewandelt“ werden.

Der Begriff „Wandel“ ist also für uns eigentlich positiv besetzt. Und jetzt müssen wir lernen, dass er durch den Klimawandel eine negative Färbung gewinnt. Als denkende Menschen wissen wir natürlich, dass der Klimawandel ein Ergebnis unseres Lebenswandels ist. Die Menschen sind aufgerufen sich und die Welt zu verwandeln und das bedauerliche Ergebnis ist, dass wir die Welt zerstören. Bei diesem düsteren Szenario der Klimakatastrophe ist Pessimismus allerdings nicht angesagt: Immerhin hat die Schöpfung auch einen Schöpfergott, der sich ihrer und unserer annimmt. Mit ihm müssen wir wieder mehr zusammenarbeiten. Im Studium lernen wir über Synergieeffekte, wenn es darum geht, die vorhandenen Kräfte zu nutzen und zu bündeln. Natürlich gilt das für den Umweltschutz, wo man immer mehr Kooperationspartnerinnen und -partner suchen und entdecken muss. Aber, Synergie gilt eben auch für unsere Beziehung zu Gott. Ganz einfach gesagt: Ich mache mit. Denn Gott macht mit.

Die Theologin Marina Kiroudi arbeitet als orthodoxe Referentin bei der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Sie koordiniert die Mitarbeit der ACK im Gesprächs­forum Ökumenische FriedensDekade.

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Eine Frage des „Wandels“ (von Marina Kiroudi, Frankfurt)

Klimawandel spielt eine Rolle in unserem Leben, allein schon, weil er unseren Lebensraum betrifft. Manche nehmen ihn weniger ernst oder weniger gerne wahr, andere dafür sehr bewusst. Ich möchte nur eine Begegnung mit einer jungen orthodoxen Christin, namens Seraphima, herausgreifen. Sie studiert Design und ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen wissen, dass sie ökologisch engagiert ist. Wer sie besser kennt, weiß auch, dass ihr Engagement für die Umwelt etwas mit ihrem Glauben zu tun hat. Sie selbst formuliert es so: In unserer orthodoxen Kirche ist häufig vom Wandel die Rede. Wir bitten in der Feier der Göttlichen Liturgie darum, dass Brot und Wein zu Leib und Blut Christi gewandelt werden, und wir sprechen auch von einer Wandlung der Menschen, die als Bürgerinnen und Bürger dieser Welt gleichzeitig auch zu Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern des Reiches ­Gottes „gewandelt“ werden.

Der Begriff „Wandel“ ist also für uns eigentlich positiv besetzt. Und jetzt müssen wir lernen, dass er durch den Klimawandel eine negative Färbung gewinnt. Als denkende Menschen wissen wir natürlich, dass der Klimawandel ein Ergebnis unseres Lebenswandels ist. Die Menschen sind aufgerufen sich und die Welt zu verwandeln und das bedauerliche Ergebnis ist, dass wir die Welt zerstören. Bei diesem düsteren Szenario der Klimakatastrophe ist Pessimismus allerdings nicht angesagt: Immerhin hat die Schöpfung auch einen Schöpfergott, der sich ihrer und unserer annimmt. Mit ihm müssen wir wieder mehr zusammenarbeiten. Im Studium lernen wir über Synergieeffekte, wenn es darum geht, die vorhandenen Kräfte zu nutzen und zu bündeln. Natürlich gilt das für den Umweltschutz, wo man immer mehr Kooperationspartnerinnen und -partner suchen und entdecken muss. Aber, Synergie gilt eben auch für unsere Beziehung zu Gott. Ganz einfach gesagt: Ich mache mit. Denn Gott macht mit.

Die Theologin Marina Kiroudi arbeitet als orthodoxe Referentin bei der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Sie koordiniert die Mitarbeit der ACK im Gesprächs­forum Ökumenische FriedensDekade.

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Wiederbelebung und Stärkung des Völkerrechts (von Stefanie Wahl, Fulda)

Internationales Recht, das die Kraft des Rechts dem Recht des Stärkeren entgegensetzt, war schon eine Vision der Pazifist*innen Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit der Charta der Vereinten Nationen begann eine Ära deren Ziel das friedliche Zusammenleben der Völker und letztlich der Menschen ist.

Der Bruch internationalen Rechts zeigt exemplarisch die Herausforderungen vor denen Friedenspolitik heute steht. Die jüngsten Verstöße reichen von der Invasion des NATO Mitglieds Türkei in Nordsyrien, über die gezielte Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani durch einen Luftangriff der USA im Irak, bis zur Zurückweisung von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen. Der Ausschluss Russlands aus der G8-Vereinigung der großen Industrienationen aufgrund der Annexion der Krim, zeigt die Möglichkeiten aber auch die Folgewirkungen von Sanktionen gegen Völkerrechtsbruch. Viele Palästinenser*innen dagegen resignieren angesichts der anhaltenden Besatzung, weil wichtige UN-Resolutionen ihre Forderungen unterstützen, in ihrem Alltag aber keine Anwendung finden.

Wir erleben immer wieder Situationen, in der Staaten eigene Völkerrechtsbrüche als legitimes Verhalten ansehen. Dies immer wieder als Verstoß gegen den Geist des Friedens und damit gegen die Ächtung des Krieges durch die Charta der Vereinten Nationen zu benennen, ist eine wichtige Aufgabe der Friedensbewegung. Die Erosion etablierter internationaler Regeln schwächt internationale Institutionen und wiegt umso schwerer angesichts der Entwicklung von Kriegen und Konflikten weltweit. Eine Umkehr zum Frieden bedeutet unbedingt die Wiederbelebung und Stärkung des Völkerrechts. Immer wieder aufs Neue müssen wir dafür kämpfen, dass internationales Recht in lokales Recht umgesetzt wird. Dafür lohnt es sich zu streiten. Auch während der FriedensDekade.

Stefanie Wahl ist Bundesvor­sitzende der katholischen Friedens­bewegung pax christi, die für Menschenrechte und Völkerrecht eintritt und so zu einer Kultur des Friedens beitragen möchte. Die Theologin arbeitet als politische Referentin beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Fulda.

 

Wiederbelebung und Stärkung des Völkerrechts (von Stefanie Wahl, Fulda)

Internationales Recht, das die Kraft des Rechts dem Recht des Stärkeren entgegensetzt, war schon eine Vision der Pazifist*innen Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit der Charta der Vereinten Nationen begann eine Ära deren Ziel das friedliche Zusammenleben der Völker und letztlich der Menschen ist.

Der Bruch internationalen Rechts zeigt exemplarisch die Herausforderungen vor denen Friedenspolitik heute steht. Die jüngsten Verstöße reichen von der Invasion des NATO Mitglieds Türkei in Nordsyrien, über die gezielte Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani durch einen Luftangriff der USA im Irak, bis zur Zurückweisung von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen. Der Ausschluss Russlands aus der G8-Vereinigung der großen Industrienationen aufgrund der Annexion der Krim, zeigt die Möglichkeiten aber auch die Folgewirkungen von Sanktionen gegen Völkerrechtsbruch. Viele Palästinenser*innen dagegen resignieren angesichts der anhaltenden Besatzung, weil wichtige UN-Resolutionen ihre Forderungen unterstützen, in ihrem Alltag aber keine Anwendung finden.

Wir erleben immer wieder Situationen, in der Staaten eigene Völkerrechtsbrüche als legitimes Verhalten ansehen. Dies immer wieder als Verstoß gegen den Geist des Friedens und damit gegen die Ächtung des Krieges durch die Charta der Vereinten Nationen zu benennen, ist eine wichtige Aufgabe der Friedensbewegung. Die Erosion etablierter internationaler Regeln schwächt internationale Institutionen und wiegt umso schwerer angesichts der Entwicklung von Kriegen und Konflikten weltweit. Eine Umkehr zum Frieden bedeutet unbedingt die Wiederbelebung und Stärkung des Völkerrechts. Immer wieder aufs Neue müssen wir dafür kämpfen, dass internationales Recht in lokales Recht umgesetzt wird. Dafür lohnt es sich zu streiten. Auch während der FriedensDekade.

Stefanie Wahl ist Bundesvor­sitzende der katholischen Friedens­bewegung pax christi, die für Menschenrechte und Völkerrecht eintritt und so zu einer Kultur des Friedens beitragen möchte. Die Theologin arbeitet als politische Referentin beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Fulda.