• Impulstext von Tobias Petzoldt: WETTERBERICHT

    Wetterbericht

    Eben noch klar und trocken, mit einem freundlichen Mix aus Wolken und Sonne, schlägt aus heiterem Himmel das Wetter um,endet eine lang anhaltende Schönwetterperiode.

    Das Klima wird rauer, transatlantische Tiefausläufer bringen polare Luftmassen, über Europa legt sich ein Tiefdruckgebiet mit stürmischen Böen und Deutschland wird beherrscht von einer Kaltfront.

    Die Großwetterlage bleibt dabei wechselhaft, es besteht eine Warnung vor Extremlagen, wir jagen keinen Hund vor die Tür, aber alle und alles, wer und was nicht passt.

    Saukälte bei Affenhitze, Blitz- und Donnerwetter, neblig-trüb die Sinne, bedeckte Augen, anhaltender Frost bei starker Bewölkung und Herzenskälte um den Gefrierpunkt,

    während das Radio gut Wetter macht und mit Hochdruck wenig Niederschlag meldet: wolkenlos, heiter und sonnig, für diese Jahreszeit zu mild.

    Wir melden uns nicht, denn wir sind für diese Jahreszahl zu lau, verhalten uns überwiegend klima-neutral und sind so wie das Wetter.

    Unbeständig.

    (Der Impulstext ist unserer Aktionszeitung entnommen. Hier können Sie den Text auch als pdf-Datei herunterladen),

  • Friedensbotin der ÖFD 2019: Birgitta Bolte

    Birgitta Bolte arbeitet als Lektorin für Verlage. Außerdem ist sie dabei, das Leben ihrer Familie ökologisch nachhaltig umzukrempeln. Ihre Erfahrung gibt sie weiter. Die Webseite der gefragten Referentin: www.wertvolllebenohneplastik.de. Das Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade freut sich die „Friedensbotin“ Birgitta Bolte vorstellen zu dürfen.

    Frau Bolte, Ihre Familie hat vor zwei Jahren mit einer Müll-Diät begonnen. Freiwillig?
    Aber ja, ganz und gar freiwillig! Wir wollten in der Fastenzeit 2017 mal auf etwas anderes verzichten als auf die alten Bekannten wie Süßigkeiten und Fernsehen. Im Internet stieß ich auf den Begriff „Plastik fasten“, der mich gleich fasziniert hat. Und so haben wir viel gelesen und vieles ausprobiert. Zum Beispiel Bambuszahnbürsten, die nach Benutzung auf dem Kompost entsorgt werden können, oder feste Shampoostücke, die zertifizierte Naturkosmetik sind und außerdem keine Verpackung brauchen.

    Sie hatten sich erst mal einen begrenzten Zeitraum vorgenommen, warum ist es dann doch länger geworden?
    Geplant war tatsächlich, nur während der Fastenzeit, also für die 40 Tage bis Ostern, den Müll und hier vor allem den Plastikmüll zu reduzieren. Dass wir weitergemacht haben und immer noch nach den Zero-Waste-Regeln leben, hat eigentlich nur einen einzigen, logischen Grund: Wir wissen zu viel. Ich habe so viel gelesen und recherchiert, so viel über die fatalen Folgen für Umwelt und Gesundheit gelernt, dass ich jetzt nicht mehr die Augen davor verschließen und wie vorher leben kann. Und es macht auch unglaublich viel Spaß, zu sehen, wie mit einfachen Maßnahmen deutlich weniger Müll anfällt! Wir haben im gesamten Jahr 2018 beispielsweise nur noch vier „Gelbe Säcke“ gefüllt.

    Worauf kann Ihre Familie mittlerweile verzichten?
    Auf Einwegprodukte aller Art! Das war auch nicht schwer, denn es gibt tolle Alternativen. Die bekomme ich entweder im Unverpacktladen oder kann sie oft auch ganz einfach selbst machen. Und dass das „einfach“ ist, ist mir auch wichtig, denn in meinem Alltag ist nicht unendlich Zeit für Basteleien. In der Küche betrifft dies beispielsweise Küchenrolle, Backpapier und Frischhaltefolie. Statt Küchenrolle habe ich alte Geschirrtücher klein geschnitten; statt Backpapier wird ordentlich eingefettet und bemehlt; Frischhaltefolie habe ich durch Bienenwachstücher ersetzt. Im Badezimmer haben wir z. B. Wattepads, Ohrenstäbchen und Damenhygieneartikel ausgetauscht. Ich nutze genähte oder gehäkelte Abschminktücher aus Baumwolle; Ohrenstäbchen wurden schlicht abgeschafft; im Bereich Damenhygiene empfehle ich eine Menstruationstasse.

    Sie halten mittlerweile auch Vorträge…
    Ich halte seit gut einem Jahr hier im Münsterland Vorträge, in denen ich von unserem Alltag berichte. An diesen Abenden möchte ich vermitteln, wie einfach, wirksam und sinnstiftend es sein kann, diesen Weg zu gehen. Oft sind wir Menschen in unserer Komfortzone gefangen und klammern uns an das, was wir „immer schon so“ gemacht haben. Das versuche ich in meinen Vorträgen aufzubrechen und praktizierbare Alternativen aufzuzeigen. Wenn jeder Zuhörer/jede Zuhörerin nach so einem Abend zwei bis drei Ideen umsetzt, sind wir schon einen Schritt weiter.

    Inwiefern könnte ein solches Leben, wie Sie es praktizieren, zu einem „Friedensklima“ auf der Welt beitragen?
    Ich empfinde unser Leben insgesamt als friedlicher. Allein schon, weil ich nur dann einkaufen gehe, wenn wirklich etwas fehlt, und mich nicht zum vermeintlichen Spaß in volle Innenstädte und Kaufhäuser begebe. Wir haben dem sinnlosen Konsum, der die Köpfe der meisten Menschen erfüllt, weitestgehend entsagt. Den Kampf um das neueste Handy, das schickste Fahrrad und die angesagtesten Klamotten gibt es bei uns nicht. Denn ich habe schon so oft selbst erlebt, dass die Freude darüber sowieso nicht lange anhält.

    Außerdem ist mein Alltag von dem Grundgedanken geprägt, dass ich nur das besitzen möchte, was ich wirklich brauche. Wäre das bei allen Menschen so, gäbe es nicht so ein gravierendes Ungleichgewicht zwischen Wohlstand und Armut auf der Welt. Die Gier nach „höher, schneller, weiter“ schafft so unendlich viele Probleme, die in Kinderarbeit, Umweltkatastrophen und Kriegen münden.

    Welchen Appell richten Sie an die Aktiven der Ökumenischen FriedensDekade 2019 mit dem Motto „friedensklima“?
    Seit ich mich mit dem Thema „Wertvoll leben ohne Plastik“ beschäftige, ist der Satz „weniger ist mehr“ zu meinem Lebensmotto geworden. Weniger Besitz, weniger Stress, weniger Erwartungen – daraus wächst so viel mehr Lebensfreude. Und wo Freude ist, ist auch Frieden. Lassen Sie das Prinzip „weniger ist mehr“ zu, helfen Sie dadurch Menschen in Ihren Aktionen, zu sich zu finden, zueinander zu finden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auf den Frieden untereinander.

    Vielen Dank!

    Die Fragen stellte Wiltrud Rösch-Metzler

    Kontakt zu Birgitta Bolte: www.wertvolllebenohneplastik.de oder
    Instagram-Hashtag #wertvolllebenohneplastik

  • DER NARR DENKT NUR AN SICH – Ein Impuls von Dr. Marc Witzenbacher

    Für ein gutes Klima zu sorgen, das hat sich auch der reiche Kornbauer vorgenommen. Von ihm erzählt Jesus im Lukasevangelium (Lk 12,16-21). Der Abschnitt ist einer der biblischen Texte zum diesjährigen Motto der FriedensDekade „friedensklima“. Der Kornbauer plant Erweiterungsbauten für seine reichen Ernteerträge. Er trifft Vorsorge für die nächsten Jahre, er investiert und schafft Arbeitsplätze. Eigentlich scheint das vernünftig, unternehmerisch vorbildlich. Und doch bezeichnet Gott diesen Kornbauern als „Narr“. Denn noch während er plant, sich an seinen Vorräten gütlich zu tun, wird seine Seele gefordert. Und seine ganzen Bemühungen laufen ins Leere.

    Seine Torheit ist die Selbstbezogenheit. Ein gutes Klima, das will der Kornbauer nämlich nur für sich. Er meint, für sich selbst planen, arbeiten und wirtschaften zu können. Dabei geraten seine Umwelt und seine Mitmenschen aus dem Blick. Doch ein gutes Klima kann ich nicht alleine schaffen. Das Klima umfasst mein gesamtes Lebensumfeld, und nicht nur das: mit dem Klima verbinden sich gesellschaftliche, ja globale Zusammenhänge. Wenn ich nur an mich denke, hat das nicht nur für mich Konsequenzen. Wenn wir nur darauf schielen, billige Lebensmittel und preisgünstige Textilien kaufen zu können, leiden Menschen bei uns und an vielen Orten der Welt. Wenn die Wasservorräte in bestimmten Ländern knapp werden, weil sie für unsere Nahrungsmittelproduktion genutzt werden, dann hat mein Alltag ganz konkret mit dem Klima zu tun. Wenn wir schonungslos mit unserem Verkehr und unserer Energiewirtschaft die Erdtemperatur in die Höhe schrauben, dann hat das jetzt schon Folgen für Menschen, deren Dörfer im gestiegenen Meer versinken. Und sehr bald wird es sich auch auf uns auswirken. Verrückte Wetterkapriolen und lange Sommerphasen stören schon jetzt unser vermeintliches „friedensklima“. Aber es drohen zahlreiche Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen um Wasser, um bewohnbare Gebiete und Ressourcen. All das ist Folge einer solchen Selbstbezogenheit, wie sie der reiche Kornbauer im Evangelium an den Tag legt.

    Jesus deutet wenige Verse später im gleichen Kapitel des Lukasevangeliums an, wie ein „friedensklima“ erreicht werden kann: „Sucht Gottes Reich; dann wird euch das andere dazugegeben“ (Lk 12,31). Das Ziel unseres Lebens soll das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit sein. Von diesem Ziel her muss sich unser Umgang mit Erarbeitetem und Geerntetem bestimmen, unser Umgang mit den irdischen Gütern, mit der Umwelt und auch mit unseren Mitmenschen. Das bedeutet eben gerade nicht, als Einsiedler ins Gebet versunken der Welt zu entfliehen, sondern im Gegenteil gerade dort anzupacken, wo es am nötigsten ist. Wo wir uns am Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit orientieren, können wir heraustreten aus gott- und menschenvergessener Selbstbezogenheit. Wo wir uns für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, kann Neues wachsen. Wenn wir für alle einen Lebensraum mit gerechten Verhältnissen schaffen, erfahren wir ein „Reich sein bei Gott“ (Lk 12,21), in dem wir unseren eigenen Reichtum mit anderen teilen und uns dann das zufallen wird, was wir zuvor für das Wichtigste hielten. Geld und Besitz machen nicht glücklich, ja sie beruhigen nicht einmal, weil sie keine letzte Sicherheit unseres Lebens garantieren können. Besitz und Wohlstand nehmen uns vielmehr in die Pflicht, damit Sinnvolles zu stiften.

    Wer sich wie der reiche Kornbauer nur durch seine eigenen Vorräte durchfuttern will, wird nicht satt, sondern geht am Ende leer aus. Die wahren Schätze tragen wir eben nicht in unseren Händen, sondern in unseren Herzen. Dort entstehen Gedanken des Friedens und der Versöhnung, die andere nicht aus dem Blickfeld verlieren. Die FriedensDekade 2019 ermutigt uns: Wenn wir unsere Selbstbezogenheit verlassen, dann arbeiten wir mit an einem „friedensklima“, das uns allen ein Leben in Frieden und Gelassenheit ermöglicht.

    Dr. Marc Witzenbacher, Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland
    und Referent für Öffentlichkeitsarbeit in der ACK – Ökumenische Zentrale

    (im Februar 2019)

  • Gebet für unsere Erde (Papst Franziskus in Enzyklika “Laudato si”)

    Gebet für unsere Erde
    (zum download)

    Allmächtiger Gott,
    der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
    und im kleinsten deiner Geschöpfe,
    der du alles, was existiert,
    mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
    gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
    damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
    Überflute uns mit Frieden,
    damit wir als Brüder und Schwestern leben
    und niemandem schaden.
    Gott der Armen,
    hilf uns,
    die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
    die so wertvoll sind in deinen Augen,
    zu retten.
    Heile unser Leben,
    damit wir Beschützer der Welt sind
    und nicht Räuber,
    damit wir Schönheit säen
    und nicht Verseuchung und Zerstörung.
    Rühre die Herzen derer an,
    die nur Gewinn suchen
    auf Kosten der Armen und der Erde.
    Lehre uns,
    den Wert von allen Dingen zu entdecken
    und voll Bewunderung zu betrachten;
    zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
    mit allen Geschöpfen
    auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
    Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
    Ermutige uns bitte in unserem Kampf
    für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
    ____________________________________________________

    Schlussgebet aus der Enzyklika „Laudato si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ (2015) von Papst Franziskus zum Thema Umwelt und Entwicklung.

  • Hochzuckdrohne: Gedanken zum Plakatmotiv (von Peter Herrfurth)

    Friedensklima – Plakatmotiv – Hochzuckdrohne
    (zum Downlaod hier klicken)

    Mein Lieblingsversprecher im Fernsehen war in der Tagesschau: „Von Westen her setzt sich eine Hochzuckdrohne durch.“ Was für ein Lacher! Daran musste ich denken, als ich unser Plakatmotiv gesehen habe.

    Hochzuckdrohne – Damals habe ich bei „Drohne“ nur an die männliche Honigbiene gedacht. Sie sammelt keinen Honig, aber sie begattet die Königin. So hat es mir ein alter Imker erklärt. Die Drohne – oder vielleicht muss ich besser sagen: der Drohn – sorgt für Nachwuchs im Bienenstock und hat keinen Stachel. Wie friedlich! Den ganzen Tag lang Liebe machen, Leben schaffen und pazifistisch sein. Leider sind die Bienen und viele andere Insekten durch die industriell-technisierte Landnutzung und den Klimawandel inzwischen stark bedroht.

    Ganz anders ist es bei den Drohnen, die im Drohnenkrieg ferngesteuert mit einem explosiven Bombenstachel ihre Ziele erreichen und effektiv vernichten. Die haben rasanten Nachwuchs. Da redet man von „autonom-operierenden Drohnen-Schwärmen“. Doch es sind nicht die Drohnen, die planlos vor sich hin töten. Es sind die Menschen in den Militärzentren hinter den Monitoren. Sie sitzen mit zuckenden Augenlidern an den Steuergeräten. Vormittags sind sie mit Drohnenkrieg beschäftigt, nachmittags holen sie ihre süßen Kleinen aus dem Kindergarten ab.

    Ich wünsche mir, dass sich eine friedensklimatische Hochdruckzone durchsetzt. Dass wir mit hohem Druck für ein Friedensklima sorgen, in dem es keine bewaffneten Drohnen mehr gibt, sondern fröhliche Jahreszeiten, friedliche Menschen und summende Bienen. Und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Jes 2,4)

    Peter Herrfurth (4.02.2019)
    Landesjugendpfarrer der EKM

     


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