23. Februar 2014

Wort aus dem Magdeburger Dom

Gedenk- und Fürbittgottesdienst am 23.02.214 zur Situation in der Ukraine im Magdeburger Dom vor dem Barlach-Mahnmal

Für die Bereitstellung der folgenden Texte sowie der Fürbittgebete aus einem Gedenk- und Bittgottesdienst zur Situation in der Ukraine durch Gerhard Bemm, Mitglied im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade, sind wir sehr dankbar.

Liebe Freunde in Kiew und in der Ukraine!

Heute haben wir in Deutschland im Dom zu Magdeburg Eures Mutes, Eurer Toten und Eurer Hoffnung gedacht. Wir haben die Bilder der Getöteten aufgestellt, wir haben für sie Kerzen ent¬zün¬det, die Glocken geläutet und für sie gebetet. Jeder Tote ist ein Toter zu viel auf dem Weg zur Freiheit und zur Selbstbestimmung. Möge Gott es schenken, dass das Blut der Toten, das den Boden getränkt hat, der Same von Freiheit, Glaubwürdigkeit und Versöhnung wird.

Wir sind dankbar, dass die Gewalt auf dem Maidan und anderswo ein Ende gefunden hat. Gewalt und Gegengewalt sind der Same des Hasses und zerstören ein Volk. Wir bitten Euch: Lasst nicht wieder zu, dass die politischen Konflikte Menschenleben, Verletzte und Gedemütigte fordern. Enthaltet Euch auch nach den schrecklichen Ereignissen der Gewalt der Fäuste, der Worte und der Gedanken. Übernehmt nicht die Mittel Eurer Gegner.

Wir Deutschen sind ein Volk, das vor 25 Jahren durch eine friedliche Revolution Trennung und kalten Krieg überwunden hat. Wir haben das Wunder der Freiheit und Einheit erlebt, obwohl Gewalt gedroht hat. Wir merken noch immer große Unterschiede zwischen Ost und West, die 40 Jahre Trennung geschaffen haben, und die Mühen der Ebenen sind langwieriger als die Mühen der Berge. Aber der Wille zur Einheit ist unumkehrbar.

Wir bitten und wir beten für Euer Land, dass die Versöhnung zwischen Ukrainern und Russen und all den anderen Völker¬gruppen gelingt und niemand um seine Sicherheit bangen muss. Wir hoffen, dass die politischen Interessen und materiellen Angebote der Europäischen Union und Russlands Euer Land nicht in eine wechsel¬seitige Zerreißprobe führen. Wir beten für Euren eigenen Weg, den ihr in freier Selbstbestimmung wählt und an dem jeder mitwirken darf.

Lasst das Opfer der Toten nicht umsonst sein. Gott schenke Euch seinen Schutz und Segen.

Giselher Quast (Domprediger)

 

FÜRBITTGEBET (Magdeburger Dom am 23.2.2014)

Schenja:

Christus, wir bitten für alle Frauen und Männer in der Ukraine, für Politiker, Bürgerrechtler, Oppositionelle und Sicherheitskräfte von deren Tun und Unterlassen es abhängt, dass die Menschen der Ukraine den Streit über den Weg ihres Landes führen können ohne weiteres Blutvergießen und ohne ihre Nachbarschaft auf unübersehbare Zeit zu vergiften.

Wir rufen zu dir: Kyrie eleison.

Galina:

Christus, wir bitten dich für die Übergangsregierung in unserem Land, dass sie schnell Wege zur Erneuerung, zur Gerechtigkeit und zur Versöhnung findet. Halte unsere Nation zusammen, lass sie Wege aus der Korruption und aus der wirtschaftliche Misere finden. Lass die Hilfe anderer Länder uneigennützig und aufrichtig sein.

Wir rufen zu dir: Kyrie elseison.

Philipchuk:

Christus, wir bitten dich für die Verantwortlichen und Täter der Gewalt in der Ukraine: Gib ihnen Einsicht für ihre Verbrechen und Demut für die Konsequenzen der Gerechtigkeit. Wehre dem Bedürfnis nach Rache und lass alle Aufarbeitung der Vergangenheit mit Recht und Würde einhergehen.

Wir rufen zu dir: Kyrie eleison.

Viktorija:

Christus, wir bitten dich für die Jugend in unserem Land. Gib ihnen die Chance, die Fehler der vorigen Generation nicht zu wiederholen. Gib ihnen eine Zukunft, die friedlich und frei und kreativ ist. Lass sie sich einsetzen für eine bessere Ukraine und dazu mit allen Kräften bereit sein.

Wir rufen zu dir: Kyrie eleison.

Domprediger Quast:

Christus, mach die Kirchen der Ukraine an den Brennpunkten des Konfliktes in Kiew und im ganzen Land fähig, keine nationalen Interessen zu verfolgen, sondern zu jeder Stunde den Frieden Christi zu wagen, zur Versöhnung beizutragen und dadurch der Zukunft eines großen Volkes dienen.

Wir rufen zu dir: Kyrie eleison.

Gebet der Vereinten Nationen

Alle:

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.

Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.

Amen.