21. März 2015

Glückwunsch zum 80. Geburtstag!

Porträt Gerhard Bemm 2Gerhard Bemm, Mitglied im Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade, wurde am 22. März 80 Jahre alt. Eine Danksagung.

 

Das Gesprächsforum dankt anlässlich seines 80sten Geburtstags Gerhard Bemm für seine jahrzehntelange Mitarbeit in der Ökumenischen FriedensDekade. Wir würdigen den Jubilar und danken ihm für seine Ideen und Ermutigungen ebenso wie für seine jahrzehntelange Durchhaltekraft beim Einbringen von Friedensthemen in der Kirche und für seine wertvollen Verbindungen zu Verantwortlichen in Kirche, Politik und Jugend.

Zurzeit bereitet er ein Buch mit Bildbetrachtungen zu den Arbeitsmaterialien der Ökumenischen FriedensDekade vor. Neben seiner Mitarbeit im Gesprächsforum der Ökumenischen FriedensDekade „Schwerter zu Pflugscharen“  und in der Redaktionsgruppe ist Gerhard Bemm noch Geschäftsführer im Förderverein Evangelische Tagungs- und Freizeithäuser e.V.

Wir haben mit Gerhard Bemm das folgende Interview geführt

Herr Bemm, seit über zwei Jahrzehnten sind Sie für die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) der Vertreter im Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade. Wie kam es dazu?
Seit 1980 war ich als Geschäftsführer der Kommission Kirchliche Jugendarbeit (KKJ) an der organisatorischen Realisierung der FriedensDekade in den Kirchen in der DDR beteiligt. Nach der Zusammenlegung von KKJ und aej in der neuen Geschäftsstelle der aej in Hannover war ich ab 1994 u.a. Referent für friedensethische Akzente in der Evangelischen Jugend. Dazu gehörte die Ökumenische Friedensdekade und auch die dazu gehörende Redaktionsgruppe. Mit Beginn meines Ruhestandes wurde ich vom damaligen Generalsekretär der aej gebeten, die aej weiterhin im Gesprächsforum zu vertreten, was ich auch gerne tat und weiterhin tue.

Gibt es persönliche Gründe, weshalb Ihnen Friedensarbeit so wichtig wurde?
 Das prägende Erlebnis für Friedensarbeit war für mich das Kriegsende 1945, die Zerstörung der Stadt Eilenburg (Wohnort meiner Großeltern) und das Zusammentreffen von amerikanischen und sowjetischen Soldaten in meiner Heimatstadt Torgau/Elbe. Nicht vergessen habe ich auch eine Situation in der Schule: Beim Anfertigen einer Zeichnung zum Thema Stadt malte ich eine Burg, auf die ein Panzer zufuhr. Der Zeichenlehrer strich auffallend erregt den Panzer und sagte: „Das ist vorbei. Damit wollen wir nichts mehr zu tun haben.“

In der Evangelischen Schülerarbeit habe ich mich dann auf Wochenendtagungen in Berlin ab 1954 intensiv mit der Friedensfrage beschäftigt. Später, als Fachreferent in der Evangelischen Schülerarbeit in der DDR war ich beteiligt an der Aufarbeitung der NS-Zeit und der Widerstandsgruppen gegen das NS-Regime. Wir haben Arbeitsmaterial zur Friedensfrage für Mitarbeiter aufbereitet, u.a. anhand der Literatur von Jean Lasserre („Der Krieg und das Evangelium“) und von Walter Dignath-Düren („Kirche, Krieg, Kriegsdienst – Die Kirche ist des Friedens längst vergessene Wohnung“). 1962 habe ich schließlich aus Glaubens- und Gewissensgründen die Verweigerung des Wehrdienstes in der NVA vor der Musterungskommission angekündigt. Zu einem Gestellungsbefehl kam es aber nie.

Seit 1994 sind Sie an der Erstellung der FriedensDekade-Materialen für Gruppen und Gemeinden beteiligt. Worauf achten Sie dabei besonders?
Auf die theologische Begründungen für Friedensarbeit beim jeweiligen Motto der ÖFD. Dann auf die praktische Umsetzung des jeweiligen Mottos für die Arbeit mit Jugendlichen und in Gemeindekreisen. Deshalb fahre ich auch jedes Jahr zur Schreibwerkstatt zur Vorbereitung von Friedensandachten. Und auf dem Hintergrund meines kunstgeschichtlichen Interesses beteilige ich mich gern bei den Bildbetrachtungen der Meditationsbilder für die Materialhefte.

Welche Herausforderungen ergeben sich angesichts der heutigen politischen Weltlage für Gruppen und Gemeinden?
Ich sehe vor allem folgende fünf Punkte:

  • Eine deutliche Absage gegenüber Rache- und Hassstrategien bei politischen und militärischen Konflikten. Von dem Motto „Schlägst du meine Tante, schlag ich deine Tante“ müssen sich Politiker und Bürger aller Länder dringendst verabschieden.
  • Nur die Intensivierung diplomatischer Bemühungen zur Beilegung von Konflikten kann zu Problemlösungen führen. In dem Zusammenhang Förderung neuer (antikapitalistischer) ziviler Gesellschaftsstrukturen mit dem Ziel, soziale Gerechtigkeit zu ermöglichen, um die Schere zwischen arm und reich weltweit aufzulösen.
  • Gründung eines Sozialen-Friedensdienst-Ordens, verankert im Bundeshaushalt.
  • Verstärkung des interreligiösen Dialogs durch Jugendbegegnungen (deutsch-polnisch; deutsch-französisch; deutsch-russisch; deutsch-israelisch-palästinensisch; u.a.m.).
  • Gemeindeseminare zum Abbau von Ignoranz und Intoleranz in der Flüchtlings- und Asylfrage. Vielen Dank.

Die Fragen stellte Wiltrud Rösch-Metzler

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Angaben zur Person: Gerhard Bemm wurde am 22. März 1935 in Torgau/Elbe geboren. Er erlebte dort am 25.4.1945 das Kriegsende. Als Diakon arbeitete er in der Evangelischen Jungen- und Schülerarbeit. Von 1972 – 1991 war er Geschäftsführer der Kommission Kirchliche Jugendarbeit (KKJ) im Sekretariat des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. Nach der Vereinigung der Strukturen evangelischer Jugendarbeit (Ost/West) war er von 1991- 1992 Geschäftsführer des Berliner Büros der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in  Deutschland (aej) und schließlich bis zum Jahr 1998 Referent in der jugendpolitischen Abteilung der aej in Hannover, zuständig für den Aufbau des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in den neuen Bundesländern und Referent für friedensethische Aktivitäten (Ökumenische Friedensdekade).