Friedensbotin der ÖFD 2019: Birgitta Bolte

Birgitta Bolte arbeitet als Lektorin für Verlage. Außerdem ist sie dabei, das Leben ihrer Familie ökologisch nachhaltig umzukrempeln. Ihre Erfahrung gibt sie weiter. Die Webseite der gefragten Referentin: www.wertvolllebenohneplastik.de. Das Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade freut sich die „Friedensbotin“ Birgitta Bolte vorstellen zu dürfen.

Frau Bolte, Ihre Familie hat vor zwei Jahren mit einer Müll-Diät begonnen. Freiwillig?
Aber ja, ganz und gar freiwillig! Wir wollten in der Fastenzeit 2017 mal auf etwas anderes verzichten als auf die alten Bekannten wie Süßigkeiten und Fernsehen. Im Internet stieß ich auf den Begriff „Plastik fasten“, der mich gleich fasziniert hat. Und so haben wir viel gelesen und vieles ausprobiert. Zum Beispiel Bambuszahnbürsten, die nach Benutzung auf dem Kompost entsorgt werden können, oder feste Shampoostücke, die zertifizierte Naturkosmetik sind und außerdem keine Verpackung brauchen.

Sie hatten sich erst mal einen begrenzten Zeitraum vorgenommen, warum ist es dann doch länger geworden?
Geplant war tatsächlich, nur während der Fastenzeit, also für die 40 Tage bis Ostern, den Müll und hier vor allem den Plastikmüll zu reduzieren. Dass wir weitergemacht haben und immer noch nach den Zero-Waste-Regeln leben, hat eigentlich nur einen einzigen, logischen Grund: Wir wissen zu viel. Ich habe so viel gelesen und recherchiert, so viel über die fatalen Folgen für Umwelt und Gesundheit gelernt, dass ich jetzt nicht mehr die Augen davor verschließen und wie vorher leben kann. Und es macht auch unglaublich viel Spaß, zu sehen, wie mit einfachen Maßnahmen deutlich weniger Müll anfällt! Wir haben im gesamten Jahr 2018 beispielsweise nur noch vier „Gelbe Säcke“ gefüllt.

Worauf kann Ihre Familie mittlerweile verzichten?
Auf Einwegprodukte aller Art! Das war auch nicht schwer, denn es gibt tolle Alternativen. Die bekomme ich entweder im Unverpacktladen oder kann sie oft auch ganz einfach selbst machen. Und dass das „einfach“ ist, ist mir auch wichtig, denn in meinem Alltag ist nicht unendlich Zeit für Basteleien. In der Küche betrifft dies beispielsweise Küchenrolle, Backpapier und Frischhaltefolie. Statt Küchenrolle habe ich alte Geschirrtücher klein geschnitten; statt Backpapier wird ordentlich eingefettet und bemehlt; Frischhaltefolie habe ich durch Bienenwachstücher ersetzt. Im Badezimmer haben wir z. B. Wattepads, Ohrenstäbchen und Damenhygieneartikel ausgetauscht. Ich nutze genähte oder gehäkelte Abschminktücher aus Baumwolle; Ohrenstäbchen wurden schlicht abgeschafft; im Bereich Damenhygiene empfehle ich eine Menstruationstasse.

Sie halten mittlerweile auch Vorträge…
Ich halte seit gut einem Jahr hier im Münsterland Vorträge, in denen ich von unserem Alltag berichte. An diesen Abenden möchte ich vermitteln, wie einfach, wirksam und sinnstiftend es sein kann, diesen Weg zu gehen. Oft sind wir Menschen in unserer Komfortzone gefangen und klammern uns an das, was wir „immer schon so“ gemacht haben. Das versuche ich in meinen Vorträgen aufzubrechen und praktizierbare Alternativen aufzuzeigen. Wenn jeder Zuhörer/jede Zuhörerin nach so einem Abend zwei bis drei Ideen umsetzt, sind wir schon einen Schritt weiter.

Inwiefern könnte ein solches Leben, wie Sie es praktizieren, zu einem „Friedensklima“ auf der Welt beitragen?
Ich empfinde unser Leben insgesamt als friedlicher. Allein schon, weil ich nur dann einkaufen gehe, wenn wirklich etwas fehlt, und mich nicht zum vermeintlichen Spaß in volle Innenstädte und Kaufhäuser begebe. Wir haben dem sinnlosen Konsum, der die Köpfe der meisten Menschen erfüllt, weitestgehend entsagt. Den Kampf um das neueste Handy, das schickste Fahrrad und die angesagtesten Klamotten gibt es bei uns nicht. Denn ich habe schon so oft selbst erlebt, dass die Freude darüber sowieso nicht lange anhält.

Außerdem ist mein Alltag von dem Grundgedanken geprägt, dass ich nur das besitzen möchte, was ich wirklich brauche. Wäre das bei allen Menschen so, gäbe es nicht so ein gravierendes Ungleichgewicht zwischen Wohlstand und Armut auf der Welt. Die Gier nach „höher, schneller, weiter“ schafft so unendlich viele Probleme, die in Kinderarbeit, Umweltkatastrophen und Kriegen münden.

Welchen Appell richten Sie an die Aktiven der Ökumenischen FriedensDekade 2019 mit dem Motto „friedensklima“?
Seit ich mich mit dem Thema „Wertvoll leben ohne Plastik“ beschäftige, ist der Satz „weniger ist mehr“ zu meinem Lebensmotto geworden. Weniger Besitz, weniger Stress, weniger Erwartungen – daraus wächst so viel mehr Lebensfreude. Und wo Freude ist, ist auch Frieden. Lassen Sie das Prinzip „weniger ist mehr“ zu, helfen Sie dadurch Menschen in Ihren Aktionen, zu sich zu finden, zueinander zu finden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auf den Frieden untereinander.

Vielen Dank!

Die Fragen stellte Wiltrud Rösch-Metzler

Kontakt zu Birgitta Bolte: www.wertvolllebenohneplastik.de oder
Instagram-Hashtag #wertvolllebenohneplastik