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Interview mit dem Schirmherrn der FriedensDekade, Sebastian Krumbiegel
Krumbiegel: "Frieden riskieren" bedeutet eben auch, gegen den Strom zu schwimmen
Am Rande eines Treffens von „Die Prinzen“-Sänger Sebastian Krumbiegel mit der Evangelischen Landesbischöfin Margot Käßmann am 19. August in Hannover führten wir folgendes Interview mit dem Schirmherrn der Ökumenischen FriedensDekade.
FriedensDekade: Herr Krumbiegel, bereits im vergangenen Jahr hatten Sie die Schirmherrschaft für die Ökumenische FriedensDekade übernommen. Jetzt haben Sie noch zwei Jahre dran gehängt. Was hat Sie dazu bewogen?
Krumbiegel: Zu dieser Schirmherrschaft kam ich ja wie die Jungfrau zum Kinde. Die Ökumenische FriedensDekade kenne ich ja schon lange, noch aus meiner Zeit in der ehemaligen DDR. Die Anliegen der FriedensDekade habe ich immer geteilt. Wenn du die Funktion als Schirmherr übernimmst, habe ich gedacht, dann richtig und habe zusammen mit meinem Freund Kristof Hahn im vergangenen Jahr eine Lesetour gemacht. Eröffnung im Ulmer Münster, dann durch Klöster, Kirchen und Gymnasien in ganz Deutschland, und das hat wirklich Spaß gemacht. Dieses Jahr machen wir das Ganze mit Band und da freue ich mich drauf.
FriedensDekade: Das diesjährige Motto der FriedensDekade lautet „Frieden riskieren“. Was waren ihre ersten Gedanken, als Sie von der Entscheidung für dieses Jahresthema gehört haben und was verbinden Sie persönlich mit dem Motto?
Krumbiegel: Sehr aktuell, vielleicht sogar so aktuell, wie lange nicht mehr. Persönlich bedeutet das für mich, dass jeder genau das machen kann und machen sollte: „Frieden riskieren“. Das geht im Kleinen, Zwischenmenschlichen los, wird immer größer, endet dann irgendwann in der großen Weltpolitik und könnte eigentlich ganz einfach sein. Natürlich mögen jetzt viele sagen: ganz schön idealistisch – aber ich denke, dass es wichtig ist, Idealbilder vor Augen zu haben, dass es schön ist zu träumen, und dass dadurch dann wirklich etwas bewegt werden kann.
FriedensDekade: In diesem Jahr wirbt die Ökumenische FriedensDekade für eine Unterschriftenliste gegen Uran-Munition. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, nach dem Vorbild Belgiens ein Verbotes zur Herstellung, des Gebrauchs und des Verkaufs,von DU-Systemen (abgereichertes
Uran) zu beschließen. Seit einigen Jahren engagieren Sie sich gegen Landminen und Streubomben. Warum auch gegen Uranmunition?
Krumbiegel: Jede Waffe ist etwas Tod bringendes, jede Waffe ist eine schlechte Waffe, aber es gibt Waffen, die sind noch ein ganzes Stück schlechter und perverser. Und das sind genau diese theoretisch international geächteten Waffen, wie Landminen, Streubomben oder eben atomare Waffen. Wir haben letztes Jahr mit dem Aktionsbündnis landmine.de im Bundeskanzleramt eine Million Unterschriften gegen die Herstellung von Landminen und Streumunition abgegeben. Große deutsche Firmen sind nach wie vor an der Patentierung und Herstellung von diesem Dreckszeug beteiligt.
FriedensDekade: Sie hatten im Sommer die Gelegenheit, nach Vietnam zu reisen und sind dort mit Opfern von Landminen zusammen gekommen. Was würden Sie als die eindringlichste Erfahrung ihres Besuches beschreiben?
Krumbiegel: Ich habe während dieser Reise ein Internet-Tagebuch auf meiner Website (www.sebastian-krumbiegel.de) geführt und bin darüber sehr froh, weil ich darin alle Gedanken und Gefühle ungefiltert und direkt festgehalten habe. An einem Tag besuchten wir ein Minen-Räumteam, und dessen Chef bekam eine SMS, dass 4 km entfernt gerade drei Kinder tödlich verunglückt sind. Im wahrsten Sinne des Wortes explodiert beim Spielen mit Streumunition. Es ist etwas Anderes, ob du so was im Fernsehen siehst, ob du es in der Zeitung liest, oder ob du es eben so hautnah erlebst.
FriedensDekade: „Frieden riskieren“, bezogen auf Vietnam. Welche spontanen Assoziationen fallen Ihnen dazu ein?
Krumbiegel: Aus der Geschichte lernen... Und im gleichen Atemzug könnte man sagen: Grüße in den Irak oder nach Afghanistan.
FriedensDekade: Persönlich engagieren Sie sich seit vielen Jahren gegen „Rechts“. Am 9. November, am Tag des Beginns der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade, jährt sich zum 70sten Mal die Reichsprogromnacht, die Nacht, an der die systematische Verfolgung und der Massenmord an Juden, Roma, Homosexuellen, Menschen mit Behinderungen und Kommunisten ihren Anfang nahmen. Hat dieser Gedenktag für Sie eine Verbindung mit dem Motto der diesjährigen FriedensDekade?
Krumbiegel: Natürlich. „Frieden riskieren“ bedeutet eben auch, gegen den Strom zu schwimmen und unpopuläre Meinungen zu vertreten. Ich war dieses Jahr bei einer Lesung von Auszügen der Flugblätter und Vernehmungsprotokolle der Geschwister Scholl im Sophie-Scholl-Gymnasium in Berlin. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt, die haben damals sehr früh erkannt, was passiert ist. Ich habe keine Ahnung, wie ich in der damaligen Zeit gehandelt hätte, aber heute weiß ich, dass ich mich ganz klar gegen rechts positioniere, denn diese Gedanken haben nichts mit gegenseitigem Respekt oder mit Toleranz zu tun, und das sind für mich als friedliebender Mensch eben doch ganz essenzielle Dinge.
FriedensDekade: Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Thomas Oelerich für das Gesprächsforum der FriedensDekade

