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"Landminen und Streumunition sind ein Skandal!"

Der Frontmann der Popgruppe "Die Prinzen" engagiert sich im Rahmen der Ökumenischen FriedensDekade (Ein Interview)

Frage: Herr Krumbiegel, Sie sind in diesem Jahr Schirmherr der Ökumenischen FriedensDekade. Warum?

Krumbiegel: Ich komme aus Ostdeutschland. Dort war die Ökumenische FriedensDekade eine wichtige Instanz, schon vor der Wende. Das Symbol der FriedensDekade „Schwerter zu Pflugscharen“ kennen auch heute noch viele Menschen in Ostdeutschland, die sich in der Bürgerbewegung engagiert haben. Und das Engagement für Frieden, gegen Militarisierung und Gewalt, liegt mir sehr am Herzen. Da war es nahe liegend, das Angebot der FriedensDekade anzunehmen, in diesem Jahr als Schirmherr zu fungieren. Ich tue das sehr gerne und aus voller Überzeugung.

Frage: Neben Ihrem künstlerischen Engagement bei den „Prinzen“, mit denen Sie bekannt geworden sind, sind Sie derzeit im Kontext der FriedensDekade mit einer besonderen musikalischen Programm unterwegs. „Ängste und Träume“ heißt die Konzertlesung, in der Sie mit dem Gitarristen Kristof Hahn eine anrührende Mischung aus Texten und Musik anbieten. Warum im Kontext der FriedensDekade?

Krumbiegel: Das Soloprogramm „Ängste und Träume“ ist nicht neu. Aber es passt vom Thema her wunderbar zum Motto der diesjährigen FriedensDekade „andere achten“. Wir lesen dort aus einem Buch, das ich über die Körber-Stiftung heraus gegeben habe und das über Lebensgeschichten von Flüchtlingen aus Afrika und Asien berichtet, die am Ende ihrer Flucht in Leipzig ankamen. Ich finde es wichtig, dass wir uns mit diesen Biographien beschäftigen, denn nur so können wir verstehen, was in den Köpfen und Herzen von Menschen vor sich geht, die in unserer Nachbarschaft leben. Sich mit diesen Menschen wirklich zu beschäftigen, lehrt uns, sie als Andere, als Menschen mit anderer Kultur, anderen Traditionen und anderen Gewohnheiten zu achten. Diese Toleranz dem und den Fremden gegenüber, verbunden mit einem notwenigen Engagement eines jeden von uns gegen Diskriminierung und Ausgrenzung, das sind die zentralen Anliegen der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade. Insofern passt das hervorragend zusammen. 

Frage: Im Frühjahr haben Sie über 10.000 Unterschriften gegen Landminen, die im vergangenen Jahr im Rahmen der Ökumenischen FriedensDekade Jahr gesammelt wurden, an das Aktionsbündnis landmine.de übergeben. Sind Sie noch an diesem Thema dran?

Krumbiegel: Aber selbstverständlich. Ich halte es für einen Skandal, dass immer noch Waffen dieser Art auch in Deutschland produziert werden und zu den Waffenbeständen der Bundeswehr gehören. Waffen, die grausamste Verstümmelungen verursachen können, gerade auch unter der Zivilbevölkerung. Zu diesen Minen ähnlichen Waffen gehören Antipanzer-Minen oder auch sogenannte Streubomben, wie Sie zuletzt im Irak oder auch im Libanon-Krieg eingesetzt wurden. Solche Waffen müssen verboten werden. Die Ant-Landminenkampagne, in der sich 16 bekannte Organisationen der Friedens- und Entwicklungszusammenarbeit zusammengeschlossen haben, will am 3. Dezember diesen Jahres anlässlich des 10. Jahrestages der Unterzeichnung des Ottawa-Abkommens (dem Abkommen zum Verbot von Anti-Personenminen) 1 Million Unterschriften gegen Landminen an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben. 990.000 Unterschriften sind schon gesammelt, es fehlen also nur noch knapp 10.000 Unterschriften. Ich rufe daher auf meinen Konzerten die Zuhörer auf, die Listen zu unterschreiben oder im Internet unter www.landmine.de seine bzw. ihre Stimme gegen diese menschenverachtenden Waffensysteme abzugeben und die Unterschriftenliste zu unterzeichnen.

Frage: Was glauben Sie, können Sie mit Ihrem Engagement für die Ökumenische FriedensDekade bewirken?

Krumbiegel: Ich hoffe, dass ich Menschen bewegen kann, sich mit Fragen von Frieden und Gerechtigkeit zu beschäftigen und sich damit auseinander zu setzen. „Andere achten“, das ist für mich die Grundvoraussetzung, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Kein Mensch ist mit der Intention geboren, Böses zu tun. Es gibt Gründe dafür, warum einige Menschen andere Menschen nicht achten. Vielleicht haben sie in ihrer Kindheit zu wenig Aufmerksamkeit erhalten oder zu wenig Liebe erfahren. Wer anderen gegenüber Böses tut, ist – in welcher Form auch immer – in irgend einer Weise so gemacht worden oder durch seine Umwelt so geprägt worden. Ändern können wir einen solchen Menschen nur, wenn wir mit ihm reden, und reden kann man nur mit jemandem, wenn man ihn achtet.

Frage: Wo sind Sie jetzt noch mit Ihrem Programm zu hören und zu sehen?

Krumbiegel: Wir sind jetzt eine Woche auf Tour und sind in Ulm, Meissen, Güstrow und anderen Orten aufgetreten. Heute Abend spielen wir in der Wallfahrtskirche der Pallottiner in Vallendar bei Koblenz. Ein breites ökumenisches Bündnis hat dort zu unserer Konzertlesung eingeladen. Morgen dann geht es weiter nach Hamburg, wo wir am Montag, den 20. November, abends in der Katharinenkirche auftreten. Am nächsten Morgen bin ich in meiner Funktion als Schirmherr am Abschlussgottesdienst der FriedensDekade in der Marktkirche in Hannover beteiligt. Ich freue mich darüber, mit Landesbischöfin Margot Kässmann die diesjährige Ökumenische FriedensDekade abschließen zu dürfen.

Das Interview führte Thomas Oelerich am 18.11. in Vallendar bei Koblenz

Informationen zur Ökumenischen FriedensDekade unter www.friedensdekade.de

Informationen zur Landminenkampagne unter www.landmine.de

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Thomas Oelerich (Tel: 0173/8158627) E-Mail: thomas.oelerich(at)friedensdekade.de