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Ausgrenzung in Kolumbien (03/06)
Das Motto der Friedensdekade 2006 - „und raus bist du…“ - erhält in einem anderen Kontext brennende Aktualität: in Kolumbien, wo seit Jahren Präsident Uribe mit seinem „diskreten Charme des Autoritarismus“ (Forum Menschenrechte) herrscht, werden politische Gegner durch brutale Unterdrückung, ja Vernichtung verfolgt - verbunden mit einem ausgeklügelten Spitzelsystem, das auch einfache Bauern zu Kombattanten macht. Parallel wird eine „Reintegration“ von Tausenden paramilitärischer Kämpfer betrieben – durch ein Gesetz von Ende 2005, das sich „Frieden und Gerechtigkeit“ nennt, aber eher staatliche Strafvereitelung bedeutet. Die „Straflosigkeit“ (impunidad) in diesem Land liegt bei über 90%. Das folgende Beispiel zeigt, wie Ausgrenzung den Menschen ihre Würde nicht nehmen kann, wenn sie gemeinschaftlich zusammen stehen und ihre Visionen nicht aufgeben.
Grausames Beispiel der Verfolgung sind die vielen Morde an Mitgliedern der Friedensgemeinde von San José de Apartadó, zuletzt am 12.1.2006 die Ermordung von Edilberto Vásquez Cardona (53) im Weiler Arenas Altas. Er war der erste Koordinator dieser Humanitären Zone und wurde von Arlen Salas abgelöst, den nach Aussagen der Gemeinde auch die Armee umgebracht hat. Am 21. Februar 2005 waren acht Mitglieder der Friedensgemeinde in den Weilern Mulatos und Resbalosa massakriert worden. Unter den Opfern waren drei Kinder und eine ihrer wichtigsten Führungspersonen, Luis Eduardo Guerra Guerra. Die Friedensgemeinde, die sich weigert, mit jedwedem bewaffneten Akteur zusammen zu arbeiten und um den Verbleib auf ihren Länderein kämpft - strikt gewaltfrei und international begleitet (von Peace Brigades, Versöhnungsbund, u.a.) -, forderte jetzt „vom Staat, unsere Vernichtung einzustellen“.
In der Erklärung der Friedensgemeinde vom 16. Januar 2006 heißt es eindrucksvoll:
„Angst, Furcht und Schmerz mischen sich mit dem Empfinden von Würde. Aufgrund dieser Würde schweigen wir nicht, ihrethalben mussten sie Mitglieder von uns erhobenen Hauptes töten. Es ist Ausdruck einer Würde, die aus der Trauer entsteht und Konsequenz des Terrors ist, den ein mörderischer Staat verbreitet. (…)
Es ist augenscheinlich, dass die Regierung alles daran setzt, uns zu vernichten. Um die Mordtaten zu rechtfertigen, bezeichnen uns die Täter als Guerilleros. (…) Die Zerstörungswut, die sich gegen die Friedensgemeinde richtet, ist offensichtlich. Die Humanitären Zonen sind für die staatlichen Sicherheitskräfte ein militärisches Ziel, wir Bauern werden zu Zielen, die gejagt und vernichtet werden sollen. (…)
Der Staat kann uns auslöschen, er kann uns das Leben nehmen, er kann uns einsperren, aber er wird uns nicht unsere Würde nehmen können. Diese Würde wird die Täter nicht ruhen lassen, eines Tages von der Menschheit gerichtet zu werden.
Edilberto, danke für deinen Beitrag, danke für dein Leben. Deine neun Kinder werden zusammen mit der Friedensgemeinde daran arbeiten, eine Welt aufzubauen, die nicht von Tod und Krieg, sondern von Leben und Gerechtigkeit geprägt ist.
Unser Dank gilt auch der nationalen und internationalen Solidarität, all denen, die niemals schweigen können, wenn mit Unrecht und Waffen das Leben derer ausgelöscht wird, die Alternativen für eine andere Welt aufbauen.“ (Übersetzung aus dem Span: Krisálida)
Dr. Reinhard J. Voß / pax christi Deutschland
